Wir gruseln uns weiter

Im IndieBuchtober soll es heute um ein gruseliges Buch gehen und nun sitze ich schon eine ganze Weile da und grüble, was ich eigentlich gruselig finde. Die üblichen Kategorien sind mir natürlich geläufig. Irgendwas Düsteres mit Gespenstern, Blut, Tod, alten Knochen, Gefahren und – vielleicht zur Krönung noch – über einen dunklen Himmel jagende Wolkenfetzen. Das Problem ist nur: Mir geht es dabei ein bisschen wie dem Protagonisten im Märchen Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Ich finde es sehr stimmungsvoll, nur gruselt es mich dabei kein bisschen.

Vor ein paar Jahren war ich mit meinem älteren Sohn auf einer Mittelalterveranstaltung in Österreich. Für einige Tage haben wir zusammen mit anderen die Burg eines kleinen Orts in den Alpen belebt. Abends hatten wir frei und saßen oft noch lange mit den anderen Darstellern zusammen. Aber den einen Abend fragte mein Sohn, ob ich Lust, mit ihm noch spazieren zu gehen. Unser Spaziergang führte uns zum Friedhof und weil das Tor offen stand, sind wir hineingegangen.
Das Licht der Straßenlaternen reichte nicht bis hierher, aber vor fast jedem der Grabsteine brannte ein ewiges Licht. Im Schein der rot flackernden Lichter gingen wir bis zu einer kleinen Kapelle. Keiner von uns sprach. Es gab auch keinen Eulenschrei. Das einzige Geräusch war das Knirschen der Kiesel unter unseren Füßen.

Als Schriftstellerin weiß ich, was man mit einem solchen Setting machen könnte. Vielleicht werde ich es irgendwann sogar einmal nutzen. Aber in der Realität lauterten keine Gefahren. Der Friedhof war genau das, was sein Name ausdrückt: Ein Ort des Friedens.

Warum sollte ich mich in Büchern vor Dingen fürchten, die mir im Leben nichts ausmachen? Was ich an gruseligen Büchern genieße ist im Grunde nicht viel anders als das, was ich auch an andern mag: das Spiel mit Erwartungen und die daraus resultierende Spannung.

Cover des Buchs "Schwesternband" von Wiebke Tillenburg

Wenn du nach alledem immer noch auf einen Tipp für ein gruseliges Buch hoffst, dann rate ich dir zu Schwesternband von Wiebke Tillenburg. In dieser kurzen Geschichte steckt viel mehr als klassischer Grusel. Schwesternband ist eine moderne Gothic Novel mit viel Familiengeschichte und einem wirklich schaurigen Ende. Voller Geheimnisse und sehr gut geschrieben. Aber sage nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!

Wiebke Tillenburg ist Selfpublisherin. Schwesternband ist bei Twenty Six erschienen und sowohl als E-Book als auch als Print erhältlich.



Alle Aufgaben der Challenge auf einen Blick
:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Buch mit Werwölfen
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbis
03.10.Supernatural18.10.Herbstkrimi oder -Thriller
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.Ich sehe schwarz21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.gruseliges Buch23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.herbstliches Cover26.10.Buch und Schal
12.10.Buch und Heißgetränk27.10.schwarz und orage
13.10.Seite/Kapitel 13 Satz 1328.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichten29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober

Mehr über den IndieBuchtober findest du auf der Webseite von Indie-Buecher.com.

(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Ich sehe schwarz

Nach den Vorgaben des IndieBuchtober, der Challenge rund um Bücher aus kleinen, unabhängigen Verlagen und von Selfpublisher:innen, steht heute ein schwarzes Cover auf dem Plan.

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt ein Indie-Buch mit schwarzem Cover besitze. Klar hätte ich mich mit einem Foto vom Tolino aus der Affäre mogeln können, weil das Display nur Graustufen wiedergibt. Aber erstens ist grau nicht schwarz und zweitens wäre es geschummelt.

Schließlich habe ich aber doch noch eins gefunden. Diese Ausgabe von Zu einem Preis gehört zu einer ganzen Reihe. James Tiptree Jr. war ein sehr bekannter Name in der Science-Fiction – bis bekannt wurde, dass es sich dabei um das Pseudonym einer Frau* handelte. Danach wurden ihre Geschichten immer weniger aufgelegt und gerieten weitgehend in Vergessenheit, bis sich der Septime Verlag 2012 ihrer annahm und eine komplette Werkausgabe herausbrachte.

Science-Fiction und Grusel gehen nicht gut zusammen – könnte man denken. Schließlich ist Science-Fiction fast schon per Definition das rational aufgeklärte Gegenstück zu allem Übernatürlichen, Paranormalen und Mysteriösen. Aber dann lies Die Screwfly Solution und sag mir, dass es dich beim letzten Satz nicht gruselt.

Ich glaube, ich habe einen Grundstücksmakler gesehen.

James Tipptree Jr. (Alice B. Sheldon)

Ihr richtiger Name lautet Alice B. Sheldon. Sie war promovierte Psychologin, Malerin, Kunstkritikerin, Offizierin in der US-Army, arbeitete für die CIA und betrieb eine Hühnerfarm. Ihre ersten Erzählungen veröffentlichte sie mit 51 Jahren und, wie sie selbst schreibt, eher aus einer Laune heraus. Alice B. Sheldon lebte von 1915 bis 1987.


Alle Aufgaben der Challenge auf einen Blick:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Buch mit Werwölfen
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbis
03.10.Supernatural18.10.Herbstkrimi oder -Thriller
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.schwarze(s) Cover21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.gruseliges Buch23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.herbstliches Cover26.10.Buch und Schal
12.10.Buch und Heißgetränk27.10.schwarz und orage
13.10.Seite/Kapitel 13 Satz 1328.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichten29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober
Mehr über den IndieBuchtober findest du auf der Webseite von Indie-Buecher.com.

(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Kerze und Buch

So lautete die heutige Aufgabe der IndieBuchtober-Challenge. Leider bin ich keine Heldin an der Handykamera. Deshalb sieh es mir nach, wenn das Bild etwas krisselig geworden ist.

Dafür passt die Stimmung, wie ich finde, sehr schön zum Herbst.

Das Bild beantwortet auch gleich die Frage von gestern: „Was lesen im Oktober?
Ich für meinen Teil fange mit Magie hinter den sieben Bergen von Diandra Linnemann an. Das hier ist der zweite Teil einer Reihe. Lass dich vom Titel nicht täuschen. Diandra Linnemanns Bücher sind deutlich düsterer als der märchenhaft anmutende Name vermuten lässt.

Was liest du?

[ausgelesen] Magie hinter den sieben Bergen: Winter (Sammelausgabe 1) von Diandra Linnemann

Don’t judge a book by its cover

Zum Glück bin ich über die Leseprobe zu dem Buch gekommen, sonst wäre mir etwas entgangen.

 

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Bildquelle: Autorenseite von Diandra Linnemann auf amazon

Magie hinter den sieben Bergen gehört zu den Büchern, die ich allein aufgrund der Cover-Titel-Kombination ins Regal zurückgestellt hätte. Der Titel klingt nach Märchen und das Titelbild weckt in mir den Eindruck, dass auch hier mal wieder eine irgendwie begabte, halbwüchsige Heldin ihrer großen Liebe begegnen wird – vorzugsweise in Form eines verkannten Bad Boys.
Der Klappentext hat diesen ersten Eindruck noch verstärkt.

 

MAGIC CONSULTANT AND SOLUTIONS.
Das steht auf der Visitenkarte von Helena Weide, ihres Zeichens staatlich geprüfte Hexe. Eigentlich will sie nur in Ruhe das Ahnenfest feiern, aber der Bonner Bürgermeister hat einen gefährlichen Auftrag für sie – und auch direkt die passende Unterstützung.
So tritt der ehemalige Straßenkämpfer Falk in ihr Leben, der seine Zeit als Zombiepfleger im Wandelnden Friedhof abgesessen hat. Ein nützlicher Geselle – groß, gutaussehend, schweigsam. Tut fast immer, was man ihm sagt.
Im Gegensatz zu Helenas katholischer Sekretärin Maria. Die sitzt zwar im Rollstuhl, lässt sich aber weder von verschlossenen Türen noch von Konventionen davon abhalten, zu tun, was sie will.
Diese drei setzen sich in den ersten Geschichten dieser Reihe gegen Zombies und Hexen zur Wehr, begegnen alten Göttern und vermitteln in einem Liebesdrama, welches eine tragische Wende nimmt. Gemeinsam überstehen sie den Winter – nicht ahnend, was dieses magische Jahr noch alles für sie bereithält.

Hard boiled urban Fantasy statt Young Adult

Nur lag ich mit diesem ersten Eindruck vollkommen falsch. Magie hinter den sieben Bergen ist nämlich alles andere als eine mit Magie aufgepeppte Teenie-Romanze, sondern eher hard boiled Krimi. Nur eben Fantasy. Urban Fantasy, um genau zu sein.

Allerdings begnügt sich die Autorin nicht damit, einfach ein bisschen Magie in unsere Welt zu streuen und gelegentlich einen Dämon, Vampir oder ein sonstiges magisches Wesen auf die ansonsten völlig magiefreie Menschheit loszulassen. Bei Eleonore Laubenstein existiert Magie als Fakt. Genauer gesagt als eine Technik, die sich vermitteln lässt und wie Biologie oder Mathematik an der Universität gelehrt wird. Zaubermeister und Hexen sind daher nichts völlig ungewöhnliches. Es gibt sie in allen möglichen Spielarten – sogar die Satanisten haben eine eigene, anerkannte Kirche.
Genauso selbstverständlich sind die anderen mehr oder weniger magischen Geschöpfe, wie Zwerge, Gnome, Faeries und Reptiloide. Die meisten von ihnen leben mehr oder weniger gut in die Gesellschaft integriert. Aber manchmal gibt es eben doch Probleme. Und manche davon werden zum Fall für Helena Weide, eine lizensierte und als Freelancerin arbeitende Hexe.

Der Sammelband ist Auftakt einer vierteiligen Reihe und enthält drei von Helenas Fällen: Allerseelenkinder, Spiegelsee und Hexenhaut, die alle auch als Einzelbände veröffentlicht sind. Auf den Inhalt der einzelnen Bücher will ich hier nicht weiter eingehen, weil die Rezension dann zu lang werden würde. Nur so viel sei gesagt: Keiner davon entspricht auch nur im leisesten den Genrekonventionen von Young Adult und wenn man Parallelen zu Märchen ziehen will, dann gehen die zu den blutigen der Brüder Grimm und nicht zu deren Adaptionen durch Disney. Für schwache Nerven sind die Geschichten nichts, denn unter der netten, manchmal betulich wirkenden Oberfläche spielen sich grausame Dinge ab.
Helena Weides Ermittlungen führen zu gruselige Begegnungen und enden oft blutig. Auch für sie selber, denn die Protagonistin ist keine Superhexe, die immer den richtigen Zauberspruch parat hat. Sie muss, genau wie die hard boiled private eyes Prügel einstecken, um zum Ziel zu kommen.
Sprachlich kommen die Bücher allerdings deutlich weniger zynisch daher, als die Gegenstücke im Krimi. Das an der größeren Distanz kann es nicht liegen, denn Diandra Linnemann lässt ihre Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählen, statt in der Fantasy sonst üblichen 3. Person. Dennoch wirken ihre Geschichten trotz der geschilderten Gräuel und obwohl ihre Protagonistin nicht mit spitzen Bemerkungen spart, leichter und gefälliger als beispielsweise die von Hammett oder Paretsky.

Was die Geschichten für mich lesenswert machte, war aber noch ein dritter Aspekt, der in Romanen viel zu selten auftaucht: Ein glaubhafter Mutter-Tochter-Konflikt. Anders als in der „Standartfantasy“ ist die Mutter charakterlich gut gezeichnet und sie verfolgt nicht das Ziel, ihre Tochter an irgendwen zu verheiraten. Ganz im Gegenteil: Aradia Weide ist selbst eine erfolgreiche Hexe, Leiterin eines Zirkels und überaus ehrgeizig. Das Problem besteht darin, dass ihre Pläne auch Helena einbeziehen, die sich jedoch nicht vereinnahmen lassen will.

Schmankerl am Schluss

Ein Bonus sind die Nachworte, in denen Diandra Linnemann, die selber auch Hexe ist, mehr über den Hexenkalender, Feste, Rituale und anderes verrät, was im jeweiligen Band eine Rolle spielt.

Fazit

Tolles Wordbuilding, glaubhafter Mutter-Tochter-Konflikt, taffe Protagonistin. Alles in allem gute Unterhaltung für Menschen, die gerne Urban Fantasy auch der dunkleren Art lesen.


Diandra Linnemann, Magie hinter den sieben Bergen: Winter (Sammelausgabe 1)
Books on Demand, E-Book und Print
ISBN: 3748107919
EAN: 9783748107910
ASIN: B07JNJDZF4