Werwölfe bei Neumond

Am 16. Tag des IndieBuchtobers, der Indie-Buch-Challenge, stehen Werwölfe auf dem Plan.

Werwölfe, das sind doch diese schrecklichen, haarigen Biester … Ach nein, pardon, ich verwechsle da gerade etwas. Der Text der Ärzte bezog sich ausschließlich auf Männer. Selbstverständlich können auch Frauen Werwölfe sein und sich zu gegebener Zeit in Werwölfe verwandeln. Im Licht des Vollmonds bricht ihre animalische Natur hervor und lässt sie zu blutrünstigen Killern werden.

Ärgerlich nur, wenn just in dem Moment ein Wolkenfetzen den Mond verhüllt und die Rückverwandlung einsetzt. Ich stelle mir das jedenfalls sehr lästig vor. Aber heute Nacht ist sowieso Neumond. Wenn also stimmt, was man sich erzählt,* dann sind wir heute daher so sicher, wie es nur irgendwie geht.

Wenn du jetzt aber Blut geleckt hast und dich trotzdem mit Werwölfen gruseln möchtest, habe ich das passende Buch für dich: Werwölfe in Aremsrath von Tanja Hanika.

1873 – Nachdem seine Familie von einem Werwolf getötet wurde, zieht es Paul zu seinem Onkel nach Aremsrath in die Eifel, wo er seine eigene Apotheke eröffnen möchte. Dort hilft er der Bürgerwehr im Kampf und Doktor Moriensius bei der Suche nach einem Heilmittel gegen die Werwolfplage.

Minna ist ihm im Kampf gegen die Werwölfe eine besondere Hilfe und ein Lichtblick, während das Misstrauen der Menschen untereinander wächst.

Ein Schauerroman, in dem die menschlichen Abgründe nicht weniger Gefahr verheißen, als die Werwölfe selbst.

So viel zum Klappentext. Was mir beim Lesen gut gefallen hat, ist der Sprachstil. Er passt hervorragend zum zeitlichen Rahmen der Geschichte und vermittelt gerade am Anfang eine trügerische Sanftheit. Denn natürlich wird es blutig.


*Es gibt ältere Quellen, die nahe legen, dass Vollmond und Werwölfe genauso zusammenhängen, wie Wolfsgeheul und Vollmond – nämlich gar nicht. Aber das ist ein schönes Thema für einen eigenen Blogartikel. Den schreibe ich dann, wenn mein Werwolfwestern endlich veröffentlichungsreif ist.


Alle Aufgaben der IndieBuchtober Challenge auf einen Blick:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Buch mit Werwölfen
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbis
03.10.Supernatural18.10.Herbstkrimi oder -Thriller
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.Ich sehe schwarz21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.Wir gruseln uns weiter23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.Der Herbst, der Herbst,
der Herbst ist da
26.10.Buch und Schal
12.10.Heißes für die kalte Zeit27.10.schwarz und orage
13.10.Nun schlägt es dreizehn28.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichte29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober

Mehr über den IndieBuchtober findest du auf der Webseite von Indie-Buecher.com.

(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Indiebuchtober – die etwas andere Challenge

Gestern auf Twitter gesehen: Eine Challenge für Indie-Bücher – und dann auch noch überwiegend Fantastik. Genau mein Beuteschema! Ich bin sicher, da den einen oder anderen Beitrag beisteuern zu können. Sei es hier im Blog oder auch mal ausschließlich auf Twitter (wenn ich mich ganz kurz fassen muss).

Dann werde ich den Sonntag mal für die Planung nutzen, um die Beiträge nicht immer erst auf den allerletzten Drücker fertig zu haben.

Was war und was wird

Was 2018 für mich bedeutet hat

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue, ist vieles gut, manches mau und leider sehr viel auch miserabel gelaufen. Ganz wunderbar war die Zeit auf der Leipziger Buchmesse. Hier muss ich ganz vielen Leuten DANKE! sagen. Den Freunden von Lebendige Geschichte zum Beispiel, die mich äußerst gastfreundlich aufgenommen haben. Dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BVjA), der mich zur Podiumsdiskussion „Was macht mich zum Schriftsteller“ eingeladen hatte. Vor allem aber den Schwestern vom Nornennetz, die es mir ermöglicht haben, meine Bücher in wirklich fantastischer Umgebung zu präsentieren, und die außerdem eine Lesung, sowie eine Podiumsdiskussion zu „starke Frauen in der Fantastik“ organisiert haben.

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Foto: Elenor Avelle

Der absolute Tiefpunkt des Jahres war der sehr überraschende Tod meines Vaters. Es war nicht der einzige Todesfall in der Familie dieses Jahr. Aber die Art seines Todes und ganze Drumherum waren, gelinde gesagt, sehr unschön. Auch sonst er hat mich stärker getroffen, als ich es für möglich gehalten hätte. Dazu kam eine neue Krebserkrankung bei meiner Mutter, die ich – anders als die im letzten Jahr – aber mehr oder weniger nur aus der Ferne begleiten konnte. Mit alledem zurechtzukommen, hat viel Zeit und Kraft gekostet, was schließlich in einer Depression mündete, an der ich immer noch knabbere.
Dass mein „kleiner“ Sohn sich kurz vor Weihnachten noch das Bein gebrochen hat und nun zu 100% pflegebedürftig ist, war dann nur noch der Vogelschiss auf dem Misthaufen.

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Daher bin ich dieses Jahr auch weit hinter meinen Schreibplänen zurückgeblieben. Das Werwolfprojekt ist so häufig ins Stocken geraten, dass ich irgendwann den Faden nicht wiedergefunden habe. Auch der Roman „Steppe und Steine“ liegt vorläufig wieder auf Eis.
Um in diesem Jahr überhaupt etwas zu veröffentlichen, habe ich auf zwei ältere Geschichten zurückgegriffen. Meine Leser mögen mir dieses Recycling verzeihen.

Immerhin habe ich etwas veröffentlicht und betrachte das schon als kleinen Erfolg, zumal das Cover zu „Was von ihnen blieb“ wirklich wunderschön geworden ist. Auch das ist eine Eigenleistung, auf die ich stolz bin.

Was 2019 kommen soll

Der Dezember ist aber nicht nur die Zeit der Rückbesinnung, sondern auch dafür, Pläne für das neue Jahr zu schmieden.
Eigentlich wollte ich jetzt verkünden, dass ich im Januar meinen privaten WriMo ausrufen und endlich „Steppe und Steine“ fertig schreiben werde. Das hat sich vorläufig zerschlagen, ich hoffe aber, dass es im März oder April klappt.
Im Februar bin ich als Gast zur Jubiläumsveranstaltung „Literatur unter Strom“ des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller nach Aschaffenburg eingeladen, wo ich sowohl an einer Podiumsveranstaltung teilnehmen als auch eine Lesung halten werde.
Außerdem will ich neben dem Werwolfwestern noch mindestens eine weitere Erzählung für den Codex Aureus schreiben.

Der Codex Aureus wird im Lauf des Jahres einen eigenen, unabhängigen Webauftritt bekommen. Dazu soll neben einer selbst gehosteten Webseite auch eine Social-Media-Präsenz gehören. Ich hoffe, dadurch gezielter Leserinnen und Leser ansprechen zu können.
Der Webspace und die Adresse sind schon reserviert, ein Twitteraccount ist angemeldet. Es geht also „nur noch“ darum, beides mit Leben zu füllen.

Und du? Was sind deine Pläne für 2019?

Warum ausgerechnet Fantastik?

Warum mich diese Frage gerade wieder beschäftigt? Vor ein paar Tagen hatte ich folgendes Gespräch:

„Woran schreibst du gerade?“
„Eine Geschichte über Werwölfe im Wilden Westen.“
Kurze Pause, dann: „Gab es das denn?“

Den Teil kennst du vielleicht schon von Twitter. Aber es ging natürlich weiter, auch wenn mir keine besonders schlagfertige Antwort eingefallen ist. Ich habe lediglich gesagt, dass ich persönlich nicht an die Existenz von Werwölfen glaube und deshalb davon ausgehe, dass es auch im Wilden Westen keine gegeben haben wird.
Darauf kam die Antwort:

„Ach, wieder so ein Fantasy-Kram.“

Mit dem deutlichen Unterton: „Kannst du denn nicht mal was RICHTIGES schreiben.“

Um es ganz klar zu sagen: Natürlich kann ich über die reale Welt und die Spannungen darin schreiben. Es gibt schließlich genug davon. Aber warum sollte ich?
Über die reale Welt zu schreiben, bedeutet auch, sich selber auf genau diese eine Realität zu beschränken. In gewisser Weise bedeutet es auch, sein Denken auf das zu hier und jetzt zu beschränken. Und genau das will ich nicht. Für mich ist die Fantastik ein Experimentierfeld. Wenn man fantastische Elemente in die Realität integriert oder neue Welten baut, werden andere Gesellschaftsmodelle denkbar. Es ist möglich, sich von einem anthropozentrischen Weltbild zu lösen, ohne dass das Ergebnis weird wirkt. Fantastik beschränkt sich eben nicht darauf, bestehende Denkmuster durch Drachen, Magie oder Raumschiffe aufzupeppen oder Klischees in Endlosschleife zu wiederholen. Natürlich gibt es das alles. Aber wer wollte bestreiten, dass es das in der „normalen“ Belletristik auch gibt?

Eigentlich müsste die Frage in der Überschrift daher andersrum gestellt werden: Warum sollte man sich beschränken? Warum etwas anderes schreiben, als Fantasy?

Ausgaben 1,2,3,4

Mehr zu meinen Büchern gibt es hier.

realistische Vampire (5) – Sozialstrukturen

Mit dem letzten Teil meiner Serie über realistische Vampire begebe ich mich auf sehr dünnes Eis, aber es geht nun mal um das, was mich an modernen Vampiren mit am Meisten stört: Der Mythos hierarchisch aufgebauter Vampirgesellschaften. Vampir A beißt einen Menschen und macht ihn damit nicht nur zum Vampir, sondern auch zu seinem Untergebenen. Einer Art Sklaven, der sich wieder eigene Sklaven erschafft, die natürlich ihrem Meister gehorchen müssen, aber auch dessen Herren.

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Bild: ilaria88 via Pixabay

Zusammen mit dem „Vampire-sind-so-heiß-und-überlegen-Hype“ finde ich das eine sehr ungesunde Mischung, um es diplomatisch auszudrücken. Damit werden Sklaverei und Abhängigkeit nämlich nicht nur quasi als Naturgesetz verkauft, sondern auch noch als ganz großartig.
Von Auflehnung und Aufstand ist nur in den wenigsten Fällen etwas zu merken. Schon bei Anne Rice sind die „Obervampire“ die Heißesten, Härtesten und Großartigsten von allen. Lebendige Götter.

Mit den alten Vampirlegenden, in denen der Vampir eine zerstörerische Kraft war, die es zu vernichten galt, ist das nur schwer zu vereinbaren. Die Nachzehrer, Wurdalaks und wie sie noch genannt wurden, hatten überhaupt kein Interesse, irgendwelche Geheimgesellschaften zu erschaffen.
Selbst Dracula war – von seinem Harem abgesehen – ein Einzelgänger. Sein übergeordneter Stand resultierte aus seinem Titel, nicht daraus, wen er gebissen hatte.

Möglicherweise kommt die heute bestehende Verknüpfung von Vampirismus und Rangverhältnissen in der romantischen Verbrämung einer Zeit, in der jeder wusste, wo „sein Platz“ war. Das sorgt immerhin für klare Verhältnisse.

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Bild: Jo-B via Pixabay

In der modernen Gesellschaft sind derartige, auf Geburt beruhende Über-und-Unterordnungsverhältnisse dagegen nur schlecht zu rechtfertigen. Noch weniger verstehe ich sie bei Vampiren.
Gut, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch dadurch zum Vampir wird, dass er Vampirblut trinkt, ließe sich immerhin die vergleichsweise Schwäche der neu entstandenen Vampire gegenüber den Alten erklären. Allerdings ist hier meiner Meinung nach schon die Prämisse schwach, will sagen: Es ist unverständlich, warum das Blut diese Wirkung haben sollte. Außerdem sind die körperlichen Unterschiede noch kein Grund, von einem Abhängigkeits- oder Über-/Unterordnungsverhältnis auszugehen.
Wenn man, wie ich, von einem Virus als Überträger ausgeht, ist eine derartig Rangordnung sogar noch schlechter begründbar. Hier fällt schon die Überlegenheit der Urvampire weg. Sie sind zwar der Infektionsherd aber die Wirkung der Grippe wird ja auch nicht schwächer, wenn man sich bei jemandem anderen ansteckt.

Überhaupt passt dieser ganze Rangordnungskram eigentlich viel besser auf eine andere Gattung von Fantasy-Wesen. Und zwar ausgerechnet auf die, die sich angeblich seit je her im Krieg mit Vampiren befinden. Ich spreche natürlich von Werwölfen.

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Der Werwolf – nur das haarige Gegenstück zum eleganten Vampir?

Ausgerechnet die werden, jedenfalls in ihrer Wolfsform, oft als hirnlose Bestien skizziert – und das, obwohl gerade Wölfe sehr ausgeprägte Sozialstrukturen haben. Eine Geheimgesellschaft von Werwölfen könnte ich mir daher sogar ausgesprochen gut vorstellen.
Wenn aber Vampire und Werwölfe in ewiger Feindschaft verbunden sind, also, um das Sprichwort zu bemühen „wie Hund und Katze“ – wäre es da nicht glaubhafter, wenn Vampire sich auch in ihrer Lebensart deutlich von Werwölfen unterschieden? Was, wenn Vampire im Gegensatz zu Werwölfen Anarchisten wären? Freigeister, die nur dem eigenen Willen gehorchend, wie Katzen – würde das Vampire weniger attraktiv machen?


Für alle, die neu eingestiegen sind, oder aus anderen Gründen einen der älteren Beiträge noch einmal lesen möchten, habe ich sie hier noch einmal verlinkt:
Teil 1: Wie wird man eigentlich Vampir?
Teil 2: Was macht (meine) Vampire aus?
Teil 3: Die Ernährungsfrage
Teil 4: Das Gebiss


Cover thumpSie will nicht nur dein Blut! Silke hat ganz andere Interessen. Dazu braucht sie den richtigen Mann – wenn auch nicht aus den üblichen Gründen.

Biss zum letzten Akt gibt es als Print und als E-Book überall dort, wo es gute Bücher gibt.

Vorab eine Leseprobe gefällig? Dann bitte hier entlang!

realistische Vampire (4) – das Gebiss

Das klassische Vampirgebiss

Wenn man sich Vampirbilder durchsieht, besteht in einem Punkt Einigkeit: Der typische Vampir hat verlängerte Eckzähne im Oberkiefer.  So, wie diese Dame hier:

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Quelle: RondellMelling via Pixabay

Dieses Prachtexemplar zeigt sogar entsprechende Gegenstücke im Unterkiefer.

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Quelle: Wikimedia via Pixabay

Interessant ist, dass diese unteren Fänge offenbar ausschließlich von männlichen Exemplaren gebildet werden. Jedenfalls ist mir bei der Bildersuche kein einziger weiblicher Vampir begegnet ist. Vielleicht, liegt es daran, dass solche Hauer einen Vampir noch martialischer und gefährlicher wirken lassen?

Ein richtiges Raubtiergebiss eben.

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Quelle: Ausschnitt eines Fotos von Pexels (via pixabay)

Eine Fehlkonstruktion?

So ein Gebiss passt prima zu allen Carnivoren. Auch zu Werwölfen. Aber zu Vampiren? Wie sinnvoll sind solche Hauer, wenn man sich ausschließlich vom Blut seiner Opfer ernährt?
Laut Wikipedia dienen die Fangzähne dazu, die Beute festzuhalten und „vitale Teile des Körpers der Beute zu zerstören.“ Ein Löwe kann damit selbstverständlich auch die Schlagader oder Halsvene seines Opfers aufreißen. Nur gibt das eine ziemliche Sauerei, weil die Zähne nicht nur auf der einen Seite rein, sondern auf der anderen Seite gleich wieder raus gehen. Die Folge ist ein starker Blutverlust. Also genau das, was ein Vampir eigentlich nicht will.

Ein Vampir will eine begrenzte Wunde, so groß, dass er bequem trinken kann, aber klein genug, dass das Blut nicht in alle Richtungen wegspritzt. Wer will schon vom Boden essen?
Nun könnte man natürlich einwenden, dass Vampirzähne spitzer sind, und Vampire gezielter und vorsichtiger zubeißen, als ein Löwe. Aber: Musste dir beim Arzt mal Blut abgenommen werden? Dann überleg‘ mal, wie dünn die Kanülen sind, die dafür verwendet werden (jedenfalls im Vergleich zu so einem Fangzahn). Und die MTAs geben sich auch alle Mühe, gut zu zielen und richtig zu treffen. Trotzdem tun sie es bei mir in der Regel erst im zweiten oder dritten Versuch und selbst wenn sie beim ersten Mal treffen, habe ich am nächsten Tag einen riesigen blauen Fleck um die Einstichstelle, weil sie die Vene auch an der anderen Seite angeritzt haben.
Aber ein Vampir soll das hinbekommen? Ich glaube nicht, zumal der Zwischenraum zwischen meinen Eckzähnen ungefähr 4 cm beträgt (für die Freunde präziser Zahlen: Es sind 3,8 cm, ich habe es nachgemessen). Damit präzise eine Vene treffen? Ausgeschlossen.

Als Zwischenergebnis lässt sich schon mal festhalten, dass das klassische Vampirgebiss zwar beeindruckend aussieht, aber für deren Ernährungsweise ungeeignet ist, wenn man davon ausgeht, dass Vampire kein Interesse daran haben, ihre Beute umzubringen.

Wie könnte ein Vampirgebiss dann aussehen?

Auf Facebook wurde vorgeschlagen, die Vampirzähne könnten „wie Dachrinnen“ geformt sein und es den Vampiren auf diese Weise erlauben, das Blut abzusaugen. Ich finde den Ansatz interessant und auf den ersten Blick sogar einleuchtend. Erst nach einer Weile ist mir aufgefallen, dass das die Nahrungsaufnahme zusätzlich verkompliziert, denn das Blut muss nicht nur durch den Zahn gesaugt werden, sondern irgendwie auch in den Magen kommen. Also bräuchte es zusätzliche Kanäle im oder über dem Gaumen.
Außerdem bleibt das Problem mit der Treffsicherheit.

Ich bin den anderen Weg gegangen und habe mir die Gebisse von Vampirfledermäusen (Desmodontinae) angesehen.
Auch diese zeichnen sich durch zwei hervorstehende spitze Zähne aus – allerdings sitzen diese Zähne nicht seitlich, sondern vorne im Kiefer. Leider kann man auf dem Bild ihre Gegenstücke im Unterkiefer nicht erkennen, aber da sind welche*.

Desmo-scan
Quelle: Uwe Schmidt – File:Desmo-scan.tif and File:Desmo-boden.tif, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48367424

Mit diesem Zahnpaar stanzen Vampirfledermäuse laut Wikipedia  ein rundes Loch in die Haut, ähnlich wie Pferdebremsen bei uns.

Die so entstehende Wunde ist rund drei bis zehn Millimeter breit und einen bis fünf Millimeter tief. Der Speichel der Tiere enthält ein Betäubungsmittel, mit dem die Bissstelle lokal unempfindlich wird.

Verlängerte Schneidezähne halte ich auch bei menschlichen Vampiren für plausibel. Sie würden einen präzisen Biss ermöglichen und – soweit sie scharf genug sind – mit etwas Übung Haut und Adern lediglich anritzen. Aber selbst wenn die Ader durchtrennt wird, bleibt die einzelne Wunde verhältnismäßig klein und könnte (ein entsprechendes Enzym im Speichel vorausgesetzt) schnell wieder verheilen.
Der einzige Nachteil ist, dass ein angreifender Vampir damit eher einem verärgerten Karnickel ähnelt als einem gefährlichen Raubtier.

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Quelle: Alexas_Fotos vial Pixabay

Bei Filmen oder schon bei Buchcovern und Illustrationen würde ich es mir deshalb vermutlich dreimal überlegen, ob so viel Realismus gut ist. In der aktuellen Geschichte brauche ich das Thema zum Glück gar nicht anzusprechen.
Was meinst du/Was meinen Sie: Darf ein Vampir so aussehen?


*Es gibt Fledermausarten mit deutlich imposanteren Gebissen, die dem Klischee des Vampirgebisses deutlich näher kommen, wie z. B. die Langzahnzwergfledermaus. Allerdings ernähren sich diese Arten von Insekten oder Früchten.


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Teil 5: Sozialstrukturen


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Rezension: Blut gegen Blut

Blut gegen Blut von Benjamin Spang ist ein düsteres Steampunk – Dark Fantasy Crossover. Im Land Nuun kämpfen drei Völker gegeneinander: Vampire, Werwölfe und Menschen. Die junge Mechanikerin Katrina wird in diesen Krieg hineingezogen, als sie sich der Doppelmond-Agentin Helena anschließt, um ihre Mutter von einer entsetzlichen Fehlentscheidung zu bewahren. Und plötzlich sind alle hinter ihr her: Die Inquisition, Werwölfe und ein Blutmagier der Vampire.

An dem Roman fällt als erstes auf, dass – obwohl von einem Mann geschrieben – die weiblichen Charaktere deutlich dominieren. Bis auf den Blutmagier tauchen Männer nur als Nebenfiguren und Platzhalter auf. Und noch etwas fällt auf: Keine dieser Frauen macht sich je Sorgen über ihre Figur, den Sitz ihrer Frisur oder ähnliches. Sie sind viel zu beschäftigt, zu tun was getan werden muss.
Ich weiß von beiden ehrlich gesagt, nicht mal die Augenfarbe und fand das einen sehr angenehmen Kontrast zum Mainstream, wo es Konsens zu sein scheint, dass eine Frau einen Mann (oder Vampir) zum Anschmachten braucht. Einen Moment lang dachte ich, dass auch Benjamin Spang es versemmelt hätte, indem er dieses Klischee bedient – aber nein. Die Geschichte nimmt dann eine ganz andere, unerwartete Wendung.

Auch sonst ist die Handlung von Blut gegen Blut wendungs- und abwechslungsreich. Die Vampire stehen deutlich mehr in der Tradition von Dracula, als der Biss-Romane und die Werwölfe haben mit einigen Überraschungen aufzuwarten. Der Logikfehler, der den Blutmagier zur Handlung motiviert, hat zum Glück keine Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit des Plots.

Auch, wenn es vielleicht nicht das ganz große Kino ist, hat mir Blut gegen Blut Spaß gebracht und mich ein paar Stunden lang wirklich gut unterhalten.

Werwölfe mal wieder

Warum haben Werwölfe eigentlich diesen wahnsinnig schlechten Ruf? Warum macht die Verwandlung aus einem mehr oder weniger normalen Menschen eine wahnsinnige Bestie, die Freund nicht von Feind unterscheiden kann? „Das ist eben so“, ist mir als Erklärung gerade im Fantasy-Bereich ein bisschen wenig. Ganz besonders, wenn man die Entwicklung von Vampiren und Werwölfen vergleicht. Vampire sind von gefährlichen Blutsaugern mit unterschwelligem Sexappeal zu blutleeren Mitgliedern einer Glitzer-Boygroup geworden, bei denen Gefahr und Wildheit nur noch stylishe Attitüde ist, die sie für ihre Groupies attraktiv macht. Blasse Jungs, für die beißen genauso tabu ist, wie vorehelicher Sex.

Werwölfe dagegen – immer gefährlicher, immer blutrünstiger, immer instinktgesteuerter. Wobei der Instinkt immer nur zu sagen scheint: Töte und friss. Oder töte einfach so. Fleischeslust wortwörtlich genommen. Warum?

Guckt man sich die ursprünglichen Legenden an, wird das Ganze noch unverständlicher. Da erscheint der Vampir als Nachzehrer, der noch aus dem Grab heraus ganzen Dörfern die Lebensenergie aussaugen kann. Die Arten ihn loszuwerden, sind archäologisch sehr interessant und erscheinen oft brutal. Aber von Sex-Appeal keine Spur. Der kam erst mit Bram Stokers Dracula.
Der Werwolf dagegen erscheint in den Grimmschen Sagen als normaler Mensch, der einen Gürtel umlegt, um sich in einen Wolf zu verwandeln, diesen aber jederzeit wieder ablegen kann. Also keine Spur von Vollmond, Bissen oder wahnsinniger Raserei. Woher die stammen – keine Ahnung!

Daher frage ich mich wirklich, warum der eine bis zur Unkenntlichkeit verniedlicht wird, während der andere sich in die vollkommen andere Richtung bewegt. Liegt es daran, dass stark behaarte Typen heutzutage eher bäh! sind, oder lese ich einfach die falschen Bücher?

Und was kommt nun?

Nach der Veröffentlichung ist bekanntlich vor der Veröffentlichung. Mein Plan ist, alle Vierteljahr eine Kurzgeschichte rauszubringen. Das sollte mir genug Zeit zum Plotten, Schreiben, Überarbeiten, für Coverentwürfe, Titelfindung und nochmaliges Überarbeiten lassen und Raum für meine anderen Projekte bieten. Vielleicht schreibe ich ja irgendwann doch mal einen historischen oder phantastischen Roman.

Vorher brauche ich aber noch ein Cover für die nächste Kurzgeschichte, die im April rauskommen soll. Genau genommen brauche ich sogar nur einen Teil des Covers, nämlich die Zeichnung, die den Inhalt dieses Bands charakterisiert. Der Rest bleibt ja unverändert, um einen hohen Wiedererkennungswert zu erreichen.
Aber es ist gar nicht so einfach, das umzusetzen, was mir vorschwebt. Am liebsten hätte ich nämlich eine Überblendung aus einem skythischen Halsschmuck und einer heranstürmenden Reiterhorde ähnlich den Dothraki aus Game of Thrones. Also im Prinzip ein episches Gemälde, aber für’s Miniaturformat.
Ähmmm, ja. Die Quadratur des Kreises ist einfacher.

Aber zum Glück habe ich genug Zeit, mir dazu noch ein paar Gedanken zu machen. Und nebenbei kann ich auch darüber nachdenken, worüber ich als nächstes schreiben will. Ideen habe ich genug. Z. B. für eine Rachegeschichte im klassischen Fantasy-Setting. Alternativ gingen aber auch Werwölfe im Wilden Westen oder eine Solarpunk-Erzählung. Alles reizvolle Themen.