[Schnipsel] Sorgen und Nöte moderner Großstadtvampire

Sie achtete darauf, sich unauffällig zu verhalten, kleidete sich dezent, grüßte höflich im Vorbeigehen und zahlte vorbildlich Steuern, Abgaben und Fahrkarten. Geldsorgen hatte sie trotzdem keine. Jetzt, da sie eine eigene Wohnung besaß, reichte das Geld aus den Brieftaschen ihrer Opfer, um die laufenden Kosten zu decken.
Dass sie ein ganz anderes Problem hatte, merkte sie im August 1985, als sie eine neue Jahreskarte kaufen wollte und die Frau hinter dem Schalter ihren Ausweis mit der Bemerkung zurückgab: »Der ist leider abgelaufen. Den müssen sie erst verlängern, Vorher kann ich ihnen keine neue Fahrkarte ausstellen.« Sie warf einen Blick auf Silke. »Aber immerhin müssen Sie kein neues Foto machen. Sie sehen ja noch keinen Tag älter aus, als auf dem Bild hier.«
Bei einem Mann hätte Silke vielleicht an Schmeichelei und einen Flirtversuch geglaubt und den Ausweis unbesehen eingesteckt. So aber schrillten sämtliche Alarmglocken. Das Bild war zehn Jahre alt und unter der peinlichen Frisur guckte tatsächlich noch genau das gleiche Gesicht hervor, das ihr jeden Tag aus dem Spiegel entgegenblickte.

Aus: Biss zum nächsten Akt – demnächst als eBook erhältlich!

[Schnipsel] Biss zum letzten Akt

Die folgende Szene spielt kurz nach Silkes Verwandlung. Der Portier hat von Silkes Gepäck auf ihre Finanzen geschlossen und ihr angeboten, einen Teil der Kosten „in Naturalien“ zu zahlen.

Obwohl sie den Geruch der Seife nicht mochte, duschte Silke ausgiebig. Danach setzte sie sich, nur in ein Handtuch gehüllt, aufs Bett und wartete, bis es klopfte.
»Du verlierst aber auch keine Zeit«, sagte der Portier nach einem Blick auf das knapp sitzende Tuch und die vorgezogenen Vorhänge. »Hast es wohl nötig?«
»So nötig auch nicht.« Silke zuckte mit den Achseln und ging zum Bett voraus. »Aber es wäre schade eine Gelegenheit auszulassen, wenn sie sich so anbietet – oder?« Sie lächelte dem immer noch an der Tür stehenden Mann zu und klopfte einladend auf die Matratze neben sich. »Was ist jetzt, willst du nur quatschen, oder kommst du?«
Danach ging alles sehr schnell. Keine fünf Minuten später taumelte der Portier aus dem Raum, während sich Silke gesättigt in die Decke wickelte und einschlief.

Silke ist alles andere, als eine einfache Protagonistin, aber ich mag die Doppeldeutigkeit in ihren Antworten und in ihrem Verhalten.

In eigener Sache: Wie es mit den Vampiren weitergeht

Ja, es ist mir peinlich, aber leider kann ich immer noch nicht absehen, wann der nächste Band des Codex Aureus mit der Vampirstory herauskommen wird. Immerhin: Es geht weiter. Die erste Überarbeitungsrunde ist beendet. Nur an ein paar Stellen muss noch nachjustiert werden. Und da sich das Erscheinungsdatum ohnehin so verzögert hat, habe ich beschlossen, die Geschichte danach noch einmal den Kolleginnen vom Nornennetz zum Testlesen anzubieten. Eine zusätzliche qualifizierte Beratung schadet schließlich nie!

Danach wird es vermutlich sehr zügig weitergehen. Das Cover steht schon lange. Was noch fehlt, sind das Nachwort* und der Klappentext. Beides zusammen dürfte aber nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Wenn nichts dazwischen kommt. Drückt bitte die Daumen!

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Der Crackgeruch ist der Überarbeitung zum Opfer gefallen. Die Szene spielt in den 80ern. Da war Crack noch kein Thema.

 


*Jemand sagte mal, ich hätte das Nachwort zur Kunstform erhoben. Das freut mich natürlich und wenn tolle Nachworte ein Alleinstellungsmerkmal sind, möchte ich meine Leser*innen keinesfalls enttäuschen!

Realistische Vampire (2) – Was macht (meine) Vampire aus?

Nachdem es letzte Woche darum ging, wie man zum Vampir wird, möchte ich heute darauf eingehen, welche Auswirkungen es hat, Vampir zu werden. Eine ist schon mal logisch: Vampire trinken Blut. Das macht ihr Wesen aus, deshalb wird sich daran nichts ändern. Aber wie ich schon beschrieben hatte, möchte ich weg vom Bild des Glamour-Glitzer-Vampirs.

Bei mir wird Vampirismus durch ein Virus übertragen, das eine Symbiose mit dem Wirt eingeht. Das bedeutet auch alle Phänomene die im Zusammenhang mit Vampiren genannt werden, biologisch einigermaßen erklärbar sein müssen.
Damit fällt zum Beispiel die Fähigkeit raus, fliegen oder sich besonders schnell bewegen zu können. Schnelle Bewegungen gingen vielleicht noch, aber fliegen? No way!
Ein bisschen zu meinem Bedauern sind Vampire damit auch nicht mehr so leicht entflammbar. Eine ihrer größten Schwächen der klassischen Vampire ist ja, beim ersten Sonnenstrahl in Flammen aufzugehen, was, wie ich fand, immer ein sehr hübscher Effekt war. Allerdings ist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Lichtallergie denkbar. Zum Ausgleich können sie dafür im Dunkeln besser sehen.
Und natürlich sind meine Vampire auch im Spiegel sichtbar.
Die Übertragung durch ein Virus schließt auch eine Bekämpfung von Vampiren mittels Kreuzen oder Weihwasser aus. Es wäre schon ein seltsames Virus, das sich durch die Insignien irgendeiner Religion besiegen ließe.

Dagegen ließe sich die scheinbare Unsterblichkeit von Vampiren tatsächlich durch ein Virus erklären: Schaltet das Virus nämlich den zelleigenen „Kopierschutz“ ab, können sich die einzelnen Körperzellen unbegrenzt oft teilen und werden dadurch quasi unsterblich. Dieses Phänomen gibt es bei Krebszellen tatsächlich.
Wenn das Virus außerdem den Metabolismus, das Immunsystem und die Regenerationsfähigkeit beeinflusst, heilen Verletzungen deutlich schneller. Gleichzeitig wird der Körper weniger anfällig für Infektionen.
Im Ergebnis wäre der Vampir so langlebig und schwer totzukriegen, dass er nach außen tatsächlich unsterblich erschiene, zumal sich sein Äußeres kaum verändern würde.

Ein weiteres Phänomen, das sich durch ein Virus problemlos erklären ließe, ist die Abneigung gegen Knoblauch.
Geht man nämlich allgemein von einer gesteigerten Geruchsempfindlichkeit aus (wie sie z. B. auch bei Schwangeren auftreten kann), würde der Vampir alle stark riechenden Dinge meiden. Darunter eben auch den Knoblauch. Diese Geruchsempfindlichkeit hätte für den Vampir den Vorteil, bereits am Geruch erkennen zu können, ob das gewählte Opfer krank ist. In diesem Fall könnte er die Jagd rechtzeitig abbrechen und so eine Ansteckung vermeiden zu können. Diese Fähigkeit ist – selbst bei einem hochgerüsteten Immunsystem – sinnvoll, wenn man auf regelmäßige Jagd zur Nahrungsaufnahme angewiesen ist.

Vermutlich müsste das Virus auch Auswirkungen auf Verdauung und Stoffwechsel haben, damit trotz der allein auf Blut basierten Ernährung keine Mangelerscheinungen eintreten. Über die Auswirkungen auf den Verdauungstrakt kann ich nur spekulieren. Da Blut kaum Kohlenhydrate enthält, könnten die Bereiche abgebaut werden, die für deren Verdauung zuständig sind. Andererseits dürfte die Energiedichte von Blut recht gering sein, so dass das Maximum herausgeholt werden muss, damit der Vampir nicht dauernd „nachtanken“ muss. Möglich, dass dafür die Bereiche des Dünndarms eingeschaltet werden, in denen vorher die Kohlenhydrate verdaut wurden. Spekulation, wie gesagt und eigentlich auch nicht wichtig, bis auf eine Kleinigkeit: Da Blut eine geringe Energiedichte hat, dürfte es Vampiren schwer fallen, Fett anzusetzen.

Meine Vampire sind daher eher schlank. Außerdem sind sie weder besonders schnell noch übermäßig muskulös. Das könnte sie bei der Jagd auf Alte, Kinder und andere Geschwächte beschränken. Allerdings würde sich das Virus aus den Gründen, die ich im letzten Artikel beschrieben habe, dann sehr schnell ausbreiten und damit auf Dauer selbst die Existenzgrundlage (menschliches Blut) entziehen.
Daher haben meine Vampire einen Vorteil: Sie sind latente Telepathen, die ihre Opfer verwirren und sedieren können. Mit entsprechender Übung wachsen auch die Fähigkeiten.


Hat dir der Artikel gefallen? Dann interessieren dich vielleicht auch diese Artikel:
Teil 1: Wie wird man eigentlich Vampir?
Teil 3: Die Ernährungsfrage
Teil 4: Das Gebiss
Teil 5: Sozialstukturen

Die Luziden – mein Beitrag zu #my2017 auf sweek

Ich habe es getan. Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe für den Geschichtenwettbewerb auf Sweek eine Young-Adult-Paranormal-Fantasy geschrieben. Herausgekommen ist eine abgeschlossene Kurzgeschichte, die aber durchaus Potential als Startsequenz für einen Roman hätte.

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Die Geschichte trägt den Titel Die Luziden.

Kurzbeschreibung: Seit dem Tod ihrer Eltern lebt Nele in einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Für ihre Mitbewohnerinnen ist sie die Irre, die Stimmen hört und Dinge sieht, die nicht da sind.
Aber die Krähe, die in der Silvesternacht in Neles Zimmer flattert und sich in einen Mann verwandelt, ist real. Auch, wenn das, was er erzählt, unglaublich klingt.
Leider hat die Zeit nicht gereicht, noch ein richtig gutes Cover zu basteln. Und leider lässt sich der hier verwendete Screenshot auch nicht vergrößern.

Wie aus der Kurzbeschreibung zu erahnen, gibt es neben Nele, der obligatorischen Heroine (von der ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich noch nicht mal weiß, ob sie nun blond oder brünett ist und welche Augenfarbe sie hat), bereits jetzt einen potentiellen Love-Interest (schwarzhaarig und ganz in schwarzes Leder gekleidet, wenn er nicht gerade als Krähe durch die Gegend fliegt). Außerdem kommt ein Drache vor und es gibt das Versprechen auf Feen und Einhörner.

Da #my2017 ein Publikumspreis ist, würde ich mich über viele Aufrufe und hochgestreckte Daumen freuen.
Zum Lesen ist eine Anmeldung notwendig, die aber keine Kosten verursacht.

Und bevor ich es vergesse: Hier noch einmal der Link. Sonst lässt sich die Geschichte aber auch leicht über den Titel Die Luziden, den Hashtag #my2017 oder über meinen Namen finden.

Ich müsste mal wieder in die Oper

Das ist eines der Probleme, wenn man seine Geschichten an realen Orten spielen lässt: Man muss sie kennen. So gesehen war es keine sonderlich kluge Entscheidung, die nächste Geschichte zu weiten Teilen ausgerechnet in der Oper spielen zu lassen. Nicht nur, weil Frankfurt gleich zwei Opern hat: die Frankfurter Oper und die Alte Oper – wobei in der Alten Oper gar keine Opern mehr aufgeführt werden, sondern nur noch Konzerte.

Muss man wissen. Zum Glück gibt es Internet. Zu meiner Schande muss ich nämlich gestehen, dass ich bisher in keiner von beiden war.

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Quelle: Von Epizentrum – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28496000

Das Internet informiert nicht nur über Spielpläne, sondern versorgt einen auch mit Bildern. So kenne ich jetzt z. B. den Innenraum; weiß, dass über dem Parkett noch Balkon und zwei durchgehende Ränge schweben, habe gesehen, dass Wände und Polster dunkelblau sind, die Balustraden einen goldfarbenen Holzton besitzen und der Bühnenvorhang so rot ist, wie man sich einen Bühnenvorhang eben vorstellt. Dank eines Zeitungsartikels habe ich sogar einen Eindruck der Garderobe gewonnen und weiß, dass man sich Tische für die Pause reservieren kann. Alles wichtige Informationen, aber es fehlen noch entscheidende Details: Wie sieht das Foyer aus? Wie die Treppenaufgänge und die Toiletten? Wo genau befindet sich die Gastronomie?

Fragen über Fragen, ganz abgesehen davon, dass ich wirklich schon lange nicht mehr in einer Oper war. Jetzt habe ich den perfekten Grund, doch zu gehen.

Kann man überhaupt noch über Vampire schreiben?

Der Hype um Vampire scheint abgeklungen. Inzwischen scheint auch so ziemlich alles über sie gesagt, wenn auch vielleicht noch nicht von jedem. Aber inzwischen scheint es ein Übereinkommen zu geben, dass Vampire Sexgötter mit Sado-Maso-Tendenzen sind. Und wer nicht immer neue Variationen über den Kampf zwischen Blutdurst und wahrer Liebe lesen will, ist längst weitergewandert zu anderen Geschöpfen und Geschichten.

Warum nun also ausgerechnet eine Vampirgeschichte für den Codex Aureus?

Die Antwort ist simpel: Weil sich seit der Clue Writing Challenge eine Vampirdame in meinem Hirn eingenistet hat, die darauf besteht, dass ihre Geschichte erzählt werden soll. Vorher wird sie nicht ausziehen. Aber ihre Geschichte ist es wert ist erzählt zu werden, weil sie weit ab vom Klischee ist.

Deshalb muss ich riskieren, die Einen nicht zu gewinnen, weil das Thema Vampire so ausgelutscht wirkt und diejenigen vor Kopf zu stoßen, die sich zum Lesen verführen lassen, weil sie nicht finden, was sie suchen.

Ich bin gespannt.

Werkstattbericht: Auch Fantasy braucht Recherche

Der nächste Codex Aureus wird wieder Urban Fantasy werden und noch deutlich mehr in der Realität verankert als O Tannenbaum.

Nika Sachs alias Bordsteinprosa hat mich auf die Idee gebracht, die Geschichte in Frankfurt spielen zu lassen. Das erfordert nicht nur ein bisschen Umschau nach möglichen Orten für die Handlung, sondern auch Hintergrundrecherche.

Heute habe ich mich also über folgende Themen schlau gemacht:

  • schweizer Uhrenmarken
  • Aida
  • Turandot
  • Junkies in Frankfurt
  • Wer ist Mr. Cutty
  • Seit wann wird Methadon zur Substituierung von Heroin angewendet?

Leseprobe von „O Tannenbaum“ ist online

Vielleicht sollte ich auch hier im Blog noch kurz darauf hinweisen, dass die Leseprobe von O Tannenbaum (der 4. Ausgabe des Codex Aureus) freigeschaltet ist.

Wer also Velona in freier Wildbahn erleben möchte, bitte hier entlang.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und ein fröhliches Weihnachtsfest!


o-tannenbaum-kleinO Tannenbaum ist als eBook in den Formaten ePub und Mobi erhältlich und damit für alle gängigen Lesegeräte verfügbar.
Kindle-Nutzer können das Buch bei Amazon beziehen. Die Nutzer aller anderen Reader bekommen es über die Online-Buchhandlungen der Tolino Allianz. Mein besonderer Favorit ist Bookzilla, weil man mit dem Einkauf die Entwicklung freier Software fördert. Es gibt O Tannenbaum aber z. B. auch bei:

O Tannenbaum jetzt auch für Tolino

Tolino media hatte O Tannenbaum zunächst nicht an den Handel ausgeliefert, weil die Einordnung des Genres als „nicht verkaufsfördernd“ eingestuft wurde (ich hatte gestern darüber berichtet). Nach Änderung der entsprechenden Angaben gab es zum Glück keine weiteren Beanstandungen, so dass die Geschichte von der Dryade und ihrem Baum jetzt auch für Tolino erhältlich ist. Am schnellsten war – wie bisher immer – die Mayersche.

Für alle, die den gestrigen Artikel nicht gelesen haben, hier noch einmal der Klappentext: o-tannenbaum-midiVelona ist eine Dryade; eines jener friedfertigen Wesen, die wenig anderes im Kopf haben, als die Bäume, mit und von denen sie leben. Die Bindungen zu einzelnen Bäumen kann sehr eng werden. So eng, dass die Dryade leidet, wenn ihr Baum Schaden nimmt und stirbt, wenn er gefällt wird. Solche Seelenfreundschaften oder Symbiosen sind selten. Aber auch sonst können Dryaden sehr wütend werden, wenn sich jemand an »ihren« Bäumen vergreift.

Wenn man, wie Velona, in einer Baumschule lebt und sich ausgerechnet in eine gutgewachsene Nordmanntanne verguckt, ist der Ärger vorprogrammiert.

Ich wünsche eine schöne Adventszeit und viel Spaß beim Lesen. Und natürlich freue ich mich riesig über Rückmeldungen. Sei es als Rezension im eigenen Blogs, auf Portalen wie Lovely Books oder als Bewertung bei der Buchhandlung, bei der O Tannenbaum gekauft wurde.

Für Tolino ist O Tannenbaum u.a. bei folgenden Buchhandlungen erhältlich: