Gesucht wird ein Herbstkrimi

Literarisch gesehen ist der Herbst eine vernachlässigte Jahreszeit. Abgesehen von ein paar Anthologien rund um Halloween, herrscht genreübergreifende Ödnis. Geliebt wird im Frühling oder Sommer. Gemordet gerne im Winter – vielleicht, weil das Blut dann so schön im Schnee glitzert, vielleicht aber auch, weil der Winter es leicht macht, Metaphern für Einsamkeit, Trauer und Tod zu finden. Nur der Herbst ist mal wieder außen vor.

Seltsam eigentlich, denn auch der Herbst bietet mit Erntezeit, Regen und den länger werdenden Nächten reichlich Metaphern für Tod und Sterben. Außerdem lassen sich gerade im Herbst sehr spezifische Tode kreiren: Der durch Pilzvergiftung zum Beispiel. Jagdunfälle, die vielleicht gar keine sind. Amok laufende Erntemaschinen. Und a pro pos Ernte: Die Kartoffelernte kann notdürftig verscharrte Leichen zu Tage fördern. Oder beim Abnehmen der Halloweendekoration stellt sich heraus, dass eine besonders schaurige Puppe gar keine Puppe war, sondern der seit Wochen vermisste Sohn der Bürgermeisterin …

Wie du siehst, fällt mir ad hoc eine ganze Menge zu Krimi und Herbst ein. Leider fällt mir partout kein Krimi ein, der das umsetzt.

Das ist insofern doppelt schade, weil die heutige Aufgabe des IndieBuchtobers darin besteht, einen Herbstkrimi oder -Thriller vorzustellen. Natürlich wieder einen, der im Selfpublishing herausgegeben wurde oder in einem der kleinen, unabhängigen Verlage erschienen ist. Ich lese gerne Krimis. Aber mir ist absolut keiner eingefallen.

Das heißt doch. Einer. Auch, wenn puristische Geister vielleicht bemängeln, dass das eigentlich Fantasy sei, weil die Geschichte in einer alternativen Wirklichkeit spielt, in der Geister, Feen und Götter existieren. Außerdem ist die Ermittlerin eine Hexe. Eine echte Hexe mit entsprechendem Diplom.
Aber in dieser alternativen Wirklichkeit ist Allerseelenkinder von Diandra Linnemann so etwas wie ein Regio-Krimi. Außerdem entspricht es genau der Zeitvorgabe, denn der Hauptteil der Handlung spielt Ende Oktober, kurz vor Samhain.

MAGIC CONSULTANT AND SOLUTIONS. Dieser Slogan steht auf Helena Weides Visitenkarte. Aber als der Bonner Bürgermeister sie persönlich damit beauftragt, eine verschwundene Wicca zu suchen, hilft ihr das auch nicht weiter. Die Verschwundene hat nämlich nicht nur einen heimlichen Liebhaber, ein ungeborenes Kind und einen merkwürdigen Hexenzirkel, sondern auch eine dubiose Vergangenheit.

(Auszug aus dem Klappentext)

Diandra Linnemann ist Selfpublisherin. Allerseelenkinder ist der Auftakt ihrer Serie Magie hinter den sieben Bergen und sowohl solo als Print oder E-Book verfügbar oder als Teil von Magie hinter den sieben Bergen, Sammelband 1 (Sommer).

Zartbesaitete Gemüter sollten allerdings die Hände davon lassen, denn die Geschichte enthält nicht nur äußerst unappetitliche Zombies, sondern auch auch explizite, sehr anschaulich geschilderte Gewaltszenen und sehr viel Blut.

Alle Aufgaben der IndieBuchtober Challenge auf einen Blick:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Werwölfe bei Neumond
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbisgemetzel
03.10.Supernatural18.10.Gesucht wird ein Herbstkrimi
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.Ich sehe schwarz21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.Wir gruseln uns weiter23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.Der Herbst, der Herbst,
der Herbst ist da
26.10.Buch und Schal
12.10.Heißes für die kalte Zeit27.10.schwarz und orage
13.10.Nun schlägt es dreizehn28.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichte29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober

Mehr über den IndieBuchtober findest du auf der Webseite von Indie-Buecher.com.

(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Kürbisgemetzel

Wir haben Oktober. Halloween steht vor der Tür. Zeit für den uralten Brauch, die Kürbisse zu schlachten!

Na gut, so alt nun auch wieder nicht. Jedenfalls nicht bei uns in Deutschland. Hier gibt es zwar einige Bräuche zu Allerseelen (d. h. dem 1. November), zu denen auch gehört, den Toten eine Kerze aufs Grab zu stellen, aber Kürbisse gehören ursprünglich überhaupt nicht hierher. Der kam erst über einen Umweg aus Irland zu uns.

Auch in Irland gab es den Brauch, an all Hallows eve eine Laterne für die toten Seelen aufzustellen. Der Legende nach schnitzten die armen Leute ihre Laternen aus Rüben, weil die billig waren (Wir reden hier über das 18./19. Jahrhundert und wenn es damals schon Kürbisse in Irland gab, dann nur als teure Importe.).
In der Zeit wanderten aber auch viele Iren aus. Im Zuge dieser Auswanderung kam der Brauch nach Amerika und dort begegneten die Ausgewanderten dem Kürbis. Sie entdeckten schnell, dass sich Kürbisse viel besser zu Laternen eignen, weil sie größer und standfester sind. Außerdem ist das weiche Innere schnell rausgekratzt.
Nach Deutschland kamen Halloween und der inzwischen dazugehörende Kürbis aber erst mit den Familien der hier nach dem zweiten Weltkrieg stationierten Soldaten. Den großen Durchbruch erreichte Halloween aber erst, als der Einzelhandel entdeckte, dass sich mit Kostümen, Halloweenartikeln, Halloweenkochbüchern u. s. w. richtig Geld machen lässt.

Nein, das wird keine Kapitalismuskritik, keine Sorge. Ich mag Kürbisse. Außerdem befinden wir uns noch immer im IndieBuchtober, d. h. auch heute stelle ich wieder ein Indie-Buch vor.

Dieses Mal ist es das Kürbisgemetzel der Münchner Schreiberlinge, eine Anthologie, in der sich alles um Spuk und Grusel dreht und wo in jeder Geschichte ein Kürbis auftaucht.

Anders, als der Titel suggeriert, werden nicht alle gemetzelt. Manche überleben. So z. B. das sehr schwatzhafte Gemüse aus der Auftaktgeschichte.

Kürbisgemetzel ist ein sehr schönes Buch für lange Herbstabende. Selbst, wenn man Kürbissen kulinarisch nichts abgewinnen kann.



Alle Aufgaben der IndieBuchtober Challenge auf einen Blick
:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Werwölfe bei Neumond
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbisgemetzel
03.10.Supernatural18.10.Herbstkrimi oder -Thriller
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.Ich sehe schwarz21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.Wir gruseln uns weiter23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.Der Herbst, der Herbst,
der Herbst ist da
26.10.Buch und Schal
12.10.Heißes für die kalte Zeit27.10.schwarz und orage
13.10.Nun schlägt es dreizehn28.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichte29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober

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(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Wir gruseln uns weiter

Im IndieBuchtober soll es heute um ein gruseliges Buch gehen und nun sitze ich schon eine ganze Weile da und grüble, was ich eigentlich gruselig finde. Die üblichen Kategorien sind mir natürlich geläufig. Irgendwas Düsteres mit Gespenstern, Blut, Tod, alten Knochen, Gefahren und – vielleicht zur Krönung noch – über einen dunklen Himmel jagende Wolkenfetzen. Das Problem ist nur: Mir geht es dabei ein bisschen wie dem Protagonisten im Märchen Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Ich finde es sehr stimmungsvoll, nur gruselt es mich dabei kein bisschen.

Vor ein paar Jahren war ich mit meinem älteren Sohn auf einer Mittelalterveranstaltung in Österreich. Für einige Tage haben wir zusammen mit anderen die Burg eines kleinen Orts in den Alpen belebt. Abends hatten wir frei und saßen oft noch lange mit den anderen Darstellern zusammen. Aber den einen Abend fragte mein Sohn, ob ich Lust, mit ihm noch spazieren zu gehen. Unser Spaziergang führte uns zum Friedhof und weil das Tor offen stand, sind wir hineingegangen.
Das Licht der Straßenlaternen reichte nicht bis hierher, aber vor fast jedem der Grabsteine brannte ein ewiges Licht. Im Schein der rot flackernden Lichter gingen wir bis zu einer kleinen Kapelle. Keiner von uns sprach. Es gab auch keinen Eulenschrei. Das einzige Geräusch war das Knirschen der Kiesel unter unseren Füßen.

Als Schriftstellerin weiß ich, was man mit einem solchen Setting machen könnte. Vielleicht werde ich es irgendwann sogar einmal nutzen. Aber in der Realität lauterten keine Gefahren. Der Friedhof war genau das, was sein Name ausdrückt: Ein Ort des Friedens.

Warum sollte ich mich in Büchern vor Dingen fürchten, die mir im Leben nichts ausmachen? Was ich an gruseligen Büchern genieße ist im Grunde nicht viel anders als das, was ich auch an andern mag: das Spiel mit Erwartungen und die daraus resultierende Spannung.

Cover des Buchs "Schwesternband" von Wiebke Tillenburg

Wenn du nach alledem immer noch auf einen Tipp für ein gruseliges Buch hoffst, dann rate ich dir zu Schwesternband von Wiebke Tillenburg. In dieser kurzen Geschichte steckt viel mehr als klassischer Grusel. Schwesternband ist eine moderne Gothic Novel mit viel Familiengeschichte und einem wirklich schaurigen Ende. Voller Geheimnisse und sehr gut geschrieben. Aber sage nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!

Wiebke Tillenburg ist Selfpublisherin. Schwesternband ist bei Twenty Six erschienen und sowohl als E-Book als auch als Print erhältlich.



Alle Aufgaben der Challenge auf einen Blick
:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Buch mit Werwölfen
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbis
03.10.Supernatural18.10.Herbstkrimi oder -Thriller
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.Ich sehe schwarz21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.gruseliges Buch23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.herbstliches Cover26.10.Buch und Schal
12.10.Buch und Heißgetränk27.10.schwarz und orage
13.10.Seite/Kapitel 13 Satz 1328.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichten29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober

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(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Lasst uns über den Tod reden

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas darüber schreiben, warum es in so vielen meiner Bücher Tote gibt. Wegen der Corona-Epidemie habe ich das Konzept aber geändert und bin ein bisschen grundsätzlicher geworden.
Das Virus, die exponentiell wachsenden Infektionsraten und die steigende Zahl der Toten bringt uns nämlich etwas ins Bewusstsein, das wir oft ziemlich erfolgreich verdrängen: Wir alle sind sterblich. Wir alle werden irgendwann sterben und vermutlich kennen wir auch mindestens eine andere Person im Umfeld, die … Wie sagt man jetzt?

Damit beginnen die Probleme. Wir reden nicht über den Tod. Wir konsumieren ihn nur und das nicht zu knapp. Der Tod begegnet uns auf unzähligen Kanälen. Wir erleben ihn im Film, in Büchern, in Computerspielen. Der Krimi lebt davon, erst recht der Thriller. Im Splatter kann er gar nicht blutig genug sein. In der Fantasy ist er oft heroisch, ein Opfer für die höhere Sache (gebracht von einem entbehrlichen Sidekick) – es sei denn, es geht gegen die „Monster“, bei dem es selbstverständlich und alternativlos erscheint, sie abzuschlachten. Noch extremer wird es beim Endkampf gegen den Antagonisten. Sein Tod wird zum Symbol des endgültigen Siegs des Guten.
Aber unabhängig von Genre und Medium sind es immer die Tode anderer. In Kunst verwandelt und ästhetisiert, berühren sie uns allenfalls für einen Moment, aber sie betreffen uns nicht. Das Leben geht ja weiter.

In der Realität klammern wir den Tod weitgehend aus. Viele Menschen gehen sogar so weit, nicht einmal den Gedanken zuzulassen. Erst recht nicht, wenn es um die eigene Sterblichkeit geht.
Vielleicht sind das die gleichen Leute, die sich jetzt noch in den Cafés drängen oder sich im Park treffen, weil sie „sich das Leben nicht nehmen lassen“ wollen. Vielleicht sind es die gleichen Menschen, die von Achtsamkeit reden und damit meinen, dass sie keine Nachrichten verfolgen, weil das Leid sie zu sehr aufwühlt.

Das ist natürlich eine Strategie. Man kann den Kopf in den Sand stecken. Man kann alles Schlimme und alle Schrecken ausblenden, die das Leben bietet – seien sie nun real oder fiktional. Man kann darauf achten, sich nur mit Dingen abzugeben, die einem guttun. Wir leben in einem reichen Land, in dem das weitgehend möglich ist.
Aber es ist eben auch nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Irgendwann kommen die Schrecken und das Schlimme doch. Irgendwann werden wir krank und irgendwann müssen wir sterben. Oder es trifft unsere Freunde. Unsere Eltern. Unsere Kinder. Es ist eine schlimme Wahrheit, aber: Krankheit und Tod gehören zum Leben. Es hilft nichts, die Augen zuzukneifen, sich die Ohren zuzuhalten und laut zu singen. Man kann sich vor beidem nicht verstecken, man kann vor ihnen höchstens weglaufen. Aber nur eine kleine Weile. Am Ende holen sie einen doch ein.

Und dann?

Dann stehst du da, vollkommen unvorbereitet. Allein mit deiner Angst, deinem Schmerz, der Verzweiflung und all‘ den anderen negativen Gefühlen, die du bisher so erfolgreich verdrängt hast. Ohne jeden Plan, wie du damit umgehen kannst. Ohne Idee, wie es weitergehen soll.
Genau dafür bräuchtest du nun die Informationen, die du bisher so achtsam vermieden hast. Du bräuchtest Vorbilder, zum Umgang mit Schmerz und Angst, aber du hast keine weil du alles Schmerzhafte, Angstbesetzte von dir gewiesen hast.

Deshalb: Lasst uns über den Tod reden. Lasst uns über Ängste reden. Lasst uns den Schmerz zulassen. Mit allem anderen belügen wir uns nur selber. Ein Leben ohne Verlust, Schmerz und Angst mag erstrebenswert scheinen. Tatsächlich ist es eine Illusion. Es ist nicht gut und alles andere als „wholesome“, weil es nur ein halbes Leben ist. Eines, das uns von einem Teil der Gefühle abtrennt und uns kleiner macht als wir sein könnten.
Tatsächlich wachsen wir daran, uns unseren Ängsten zu stellen. Wir wachsen daran, Schmerz und Verzweiflung zuzulassen. Und bis zu einem gewissen Grad wachsen wir sogar daran, dem Tod ins Auge zu sehen, denn alles das ermöglicht es uns, Verantwortung zu übernehmen. Für andere, aber auch für das eigene Leben.

Was war und was wird

Was 2018 für mich bedeutet hat

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue, ist vieles gut, manches mau und leider sehr viel auch miserabel gelaufen. Ganz wunderbar war die Zeit auf der Leipziger Buchmesse. Hier muss ich ganz vielen Leuten DANKE! sagen. Den Freunden von Lebendige Geschichte zum Beispiel, die mich äußerst gastfreundlich aufgenommen haben. Dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BVjA), der mich zur Podiumsdiskussion „Was macht mich zum Schriftsteller“ eingeladen hatte. Vor allem aber den Schwestern vom Nornennetz, die es mir ermöglicht haben, meine Bücher in wirklich fantastischer Umgebung zu präsentieren, und die außerdem eine Lesung, sowie eine Podiumsdiskussion zu „starke Frauen in der Fantastik“ organisiert haben.

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Foto: Elenor Avelle

Der absolute Tiefpunkt des Jahres war der sehr überraschende Tod meines Vaters. Es war nicht der einzige Todesfall in der Familie dieses Jahr. Aber die Art seines Todes und ganze Drumherum waren, gelinde gesagt, sehr unschön. Auch sonst er hat mich stärker getroffen, als ich es für möglich gehalten hätte. Dazu kam eine neue Krebserkrankung bei meiner Mutter, die ich – anders als die im letzten Jahr – aber mehr oder weniger nur aus der Ferne begleiten konnte. Mit alledem zurechtzukommen, hat viel Zeit und Kraft gekostet, was schließlich in einer Depression mündete, an der ich immer noch knabbere.
Dass mein „kleiner“ Sohn sich kurz vor Weihnachten noch das Bein gebrochen hat und nun zu 100% pflegebedürftig ist, war dann nur noch der Vogelschiss auf dem Misthaufen.

Coverentwurf1 klein

Daher bin ich dieses Jahr auch weit hinter meinen Schreibplänen zurückgeblieben. Das Werwolfprojekt ist so häufig ins Stocken geraten, dass ich irgendwann den Faden nicht wiedergefunden habe. Auch der Roman „Steppe und Steine“ liegt vorläufig wieder auf Eis.
Um in diesem Jahr überhaupt etwas zu veröffentlichen, habe ich auf zwei ältere Geschichten zurückgegriffen. Meine Leser mögen mir dieses Recycling verzeihen.

Immerhin habe ich etwas veröffentlicht und betrachte das schon als kleinen Erfolg, zumal das Cover zu „Was von ihnen blieb“ wirklich wunderschön geworden ist. Auch das ist eine Eigenleistung, auf die ich stolz bin.

Was 2019 kommen soll

Der Dezember ist aber nicht nur die Zeit der Rückbesinnung, sondern auch dafür, Pläne für das neue Jahr zu schmieden.
Eigentlich wollte ich jetzt verkünden, dass ich im Januar meinen privaten WriMo ausrufen und endlich „Steppe und Steine“ fertig schreiben werde. Das hat sich vorläufig zerschlagen, ich hoffe aber, dass es im März oder April klappt.
Im Februar bin ich als Gast zur Jubiläumsveranstaltung „Literatur unter Strom“ des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller nach Aschaffenburg eingeladen, wo ich sowohl an einer Podiumsveranstaltung teilnehmen als auch eine Lesung halten werde.
Außerdem will ich neben dem Werwolfwestern noch mindestens eine weitere Erzählung für den Codex Aureus schreiben.

Der Codex Aureus wird im Lauf des Jahres einen eigenen, unabhängigen Webauftritt bekommen. Dazu soll neben einer selbst gehosteten Webseite auch eine Social-Media-Präsenz gehören. Ich hoffe, dadurch gezielter Leserinnen und Leser ansprechen zu können.
Der Webspace und die Adresse sind schon reserviert, ein Twitteraccount ist angemeldet. Es geht also „nur noch“ darum, beides mit Leben zu füllen.

Und du? Was sind deine Pläne für 2019?

Von Liebe, Tod und Geistern

Eigentlich wollte ich, angeregt von einer Twitter-Diskussion über Liebe und Romance schreiben. Dann fiel mir auf, dass das vielleicht nicht die beste Idee ist; genauer gesagt und ich dazu besser den Mund halten sollte, weil Liebe und Romantik bei mir gerne tödlich ausgehen. „Steppenbrand“ enthält eine Liebesgeschichte mit tödlichem Ausgang. In „Der Fluch des Spielmanns“ führt das Begehren zu einer Frau zur Katastrophe. Die Dryade in „O Tannenbaum“ liebt ihren Baum so sehr, dass sie dafür über Leichen geht. Nur Silke, die Vampirin aus „Biss zum letzten Akt“ liebt niemanden (außer sich selbst vielleicht) – und oh Wunder – niemand stirbt.

In „Was von ihnen blieb“ gibt es naturgemäß Tote. Ohne Tote keine Geister. Aber niemand stirbt im Laufe der Handlung. Was daran liegen könnte, dass es auch keine Liebesgeschichte gibt.
Ich hoffe nicht. Ich hoffe, irgendwann eine Geschichte erzählen zu können, in der sich zwei Wesen ineinander verlieben und tanzend in einen Sonnenuntergang voller Geigen entschwinden. Ok. Ganz so kitschig muss es vielleicht nicht werden. Aber bevor ich nicht wenigstens ein ganz kleines Happy End gestiftet habe, erzähle ich besser nichts von Liebe und Romantik.

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Zum Schluss von #CharactersofSeptember: Wofür Seraina kämpft

Die Challenge „Characters of September“ bot fiktiven Charakteren die Möglichkeit, selbst auf Fragen zu antworten. Bei mir war es die Spielfrau Seraina, die mehr über sich und ihr Leben preisgab. Alles andere erzählt die Geschichte Der Fluch des Spielmannsdie als eBook sowohl über die Tolino-Händler also auch über Amazon erhältlich ist.

Nike: „Letzter Tag heute, wie fühlst du dich?“

Seraina: „Müde. Es war gut, mal wieder rauszukommen. Aber nun ist es auch genug.“

Nike: „Dann eine letzte Frage noch: Wofür setzt du dich ein? Welche Ziele hast du?“

Seraina: „Ziele? Ich bin tot! Alles, was ich noch will, ist meine Ruhe.“

Nike: „Moment, gestern hast du noch gesagt …“

Seraina: „Gestern ging es um die Frage, was ich ändern würde, wenn ich könnte. Aber wir Toten können nichts ändern. Wir sind nur Schatten und Erinnerung. Blass, blutleer und ohne Macht oder Einfluss. Das Heute ist eure Welt. Du hast gestern gesagt, sie sei besser geworden. Gerechter. Gratuliere! Aber wir sind nicht mehr Teil davon, also müsst ihr euch kümmern. Ihr könnt neue Fehler machen oder unsere wiederholen; das Erreichte ausbauen oder zerstören. Uns Tote kümmert das nicht mehr. Aber eure Kinder, vielleicht.“


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Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem kann es bei diesen Anbietern heruntergeladen werden:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

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#CharactersofSeptember (Tag 24) – Seraina über das Schrecklichste, was sie Corvin angetan hat

Wer hier mitliest, weiß inzwischen vermutlich sehr genau, dass es bei Characters of September darum geht, fiktiven Charakteren eine Stimme zu geben. Trotzdem schreibe ich es für die Neueinsteiger sicherheitshalber noch einmal dazu.
Bei mir beantwortet Seraina, eine Spielfrau aus dem frühen Mittelalter die Fragen.

Nike: „Hallo Seraina! Noch einmal herzlichen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Ich weiß, dass dir die Fragen sehr zusetzen und auch die nächste wird vermutlich nicht leicht. Es geht darum, was das Schrecklichste war, das du jemandem, den du liebst, angetan hast.“

Seraina: „Du hast recht. Ich hätte es mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen sollen, bevor ich zusage. Oder die Fragen genauer lesen. Manche davon sind wirklich …
Warum wird so in den düsteren Winkeln der Seele gestochert? Was soll das bringen? Glaubt wirklich jemand, mich besser zu kennen, nur weil solche Sachen ans Licht gezerrt werden? Ist denn der Kern meines Seins das Böse? Sind es nicht auch die hellen Dinge? Meine Talente und Fähigkeiten, die schönen Erlebnisse; das, was mich mit anderen verbindet? Warum sprechen wir nicht über meine Beziehung zu Corvin oder – wenn es denn schon hart und schwer sein muss – über das Leben als Fahrende und darüber, wie es ist, Geld für Ehre zu nehmen?“

Nike: „Tut mir leid, aber …“

Seraina: „Ja, ja, ich weiß. Du hast die Fragen nicht gemacht und so weiter. Hatten wir schon. Also kurz die Antwort: Das Schlimmste, was ich Corvin, meiner großen Liebe angetan habe, war natürlich die Drohung, ihn mit in den Tod zu nehmen. Ich habe damals keinen anderen Weg gesehen, aber es zerschneidet mir immer noch das Herz, wenn ich an das Entsetzen in seinen Augen denke.“


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#CharactersofSeptember (Tag 17) – Serainas Freunde

Bei Characters of September kommen fiktive Charaktere zu Wort. Bei mir stellt sich Seraina, eine Spielfrau und Geist aus Der Fluch des Spielmanns den Fragen der Challenge.

Nike: „Hallo Seraina und danke noch mal, dass du dir so viel Zeit nimmst. Heute wird es aber vermutlich ein kurzes Interview, denn heute geht es um deinen Freundeskreis. Nach dem, was du in den vergangenen Tagen erzählt hast, ist der eher klein, oder?“

Seraina (lacht): „Klein ist eine gelungene Untertreibung. Wenn man Corvin als meinen Freund und nicht als meinen Mann betrachtet, habe ich neben Hulda genau einen Freund.“

Nike: „Das heißt, du würdest ihn immer noch als deinen Freund ansehen? Trotz seines Verrats?“

Seraina: „Was meinst du mit Verrat? Dass er Hulda nachgestiert hat? Welcher Mann hat das nicht?
Dass er nicht mit uns gestorben ist? Warum sollte er! Ich bin froh, dass er überlebt hat!“

Nike: „Trotzdem hast du ihn nach eurem Tod verfolgt.“

Seraina: „Ja. Ich bin nicht stolz darauf. Ich hatte Angst. Ich war wütend und enttäuscht. Also habe ich ihm Angst gemacht. Als ob er nicht selbst genug gehabt hätte. Deshalb würde ich auch nicht von Verrat sprechen. Und letztlich … Ich will nicht sagen, dass alles gut geworden ist. Das nicht. Aber er hat überlebt. Ich hätte mich nur gerne richtig verabschiedet. Ihn noch einmal umarmt und gesagt, wie sehr ich ihn liebe!“


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#CharactersofSeptember (Tag 8) – Serainas Ängste

Characters of September ist eine Challenge, bei der es darum geht, einen fiktiven Charakter eingehender vorzustellen oder, genauer gesagt, ihm die Möglichkeit zu geben, sich mit eigenen Worten vorzustellen. Ich habe hierfür Seraina ausgewählt, eine der Spielfrauen aus „Der Tod des Spielmanns“. Ihr Tod war nicht nur Anlass der Geschichte (ihre Knochen kamen vor ein paar Jahren zufällig bei Bauarbeiten ans Tageslicht), sie spielt auch eine wesentliche Rolle innerhalb der Handlung.
Da es im folgenden Abschnitt auch um Tod und Sterben geht, sollten empfindliche Menschen vielleicht nicht weiterlesen.

Nike: „Hallo Seraina. Schön, dich zu sehen. Beim heutigen Gespräch soll es um deine Ängste gehen.“

Seraina: „Sei gegrüßt, Nike. Das wird ein kurzes Gespräch. Ich bin tot und das seit über tausend Jahren. Was sollte mich da noch ängstigen?“

Nike: „Und als du noch gelebt hast?“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe – natürlich gab es da Dinge, vor denen ich Angst hatte.“

Nike: „Dinge, sagst du. Also war es mehr als eine Sache, vor der du dich gefürchtet hast. Magst du uns sagen wovor?“

Seraina: „Wo soll ich anfangen? Natürlich gab es mehr als nur einen Grund, Angst zu haben! Unser ganzes Leben war unsicher. Selbst, wenn wir Essen hatten, wussten wir nie, für wie lange. Natürlich hatte ich Angst, krank zu werden und hinfällig. Ich hatte Angst, dass Corvin mich eines Tages verlässt. Wenn wir ein Dorf verließen, hatte ich Angst, dass man uns nachher des Diebstahls bezichtigen würde. So, wie wir uns am Tag vor Räubern hüten mussten,  fürchteten wir in der Nacht die wilden Tiere, die Wölfe und Bären. Und natürlich auch die Truden, die Alben und andere böse Geister. Es wäre vermutlich einfacher, die Dinge aufzuzählen, die keinen Anlass für Angst und Sorge boten.
Aber weißt du, es geht im Leben nicht darum, wovor man Angst hat. Es geht darum, mit seiner Angst zu leben. Sich nicht verrückt zu machen. Nur, weil man krank werden kann, ist man noch nicht siech. Nur weil man umgebracht werden kann, ist man noch längst nicht tot. So lange man noch atmet, besteht Hoffnung! Die muss man packen, wie man das Leben packen muss und sich hineinkrallen und es festhalten, mit Zähnen und Klauen, wenn nötig. Dann kann einem die Angst auch nichts anhaben.“

Nike: „Das würde ich gerne glauben. Aber eine letzte Frage noch: Am Ende, also, bevor du gestorben bist, hattest du da keine Angst?“

Seraina: „Du darfst mir glauben. Die Angst hatte ich vorher. Am Ende … Es war so viel, so laut. Dieses ganze Geschrei … Ja, da war ein Moment der Angst, ganz kurz und klar, als ich wusste, dass ich sterben werde und die anderen auch, bis auf Corvin natürlich. Das war mein letzter Gedanke, wie gut, dass wenigstens er nicht … Dann kam der Schmerz und dann war es auch schon vorbei.“


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Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

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