#CharactersofSeptember (Tag 23) – Serainas erster Kuss

Characters of September ist eine Challenge, bei der fiktive Charaktere selber das Wort ergreifen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns, die im Interview Rede und Antwort steht (wenn sie denn Lust hat).

Nike: „Hallo Seraina. Schön, dass du wieder da bist.“

Seraina: „…“

Nike: „Ok, ich sehe schon: Du bist immer noch sauer. Aber ich habe mir die Fragen nicht ausgedacht – und du hast gesagt, du würdest antworten.“

Seraina: „Ja.“

Nike: „Ich fürchte, die nächste Frage wird wieder heikel. Es geht darum, wie dein erster Kuss war.“

Seraina: „Meinen ersten Kuss, ja? Den habe ich vom zweiten Sohn unserer Herrin bekommen. Kurz bevor er mir befahl, mich hinzuknieen und sein Ding in den Mund zu nehmen. Willst du mehr Einzelheiten?“

Nike: „Danke, ich glaube, das reicht.“


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Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

[Werkstattgeplauder] Sexszenen schreiben

In meinen Büchern gibt es (bisher) eher wenige explizite Sexszenen. Nicht, weil meine Charaktere keinen Sex haben, aber weil ich die Szenen dramaturgisch nicht brauche. Im Prinzip ist es das Gleiche, wie bei anderen körperlichen Verrichtungen: Natürlich haben meine Charaktere Stuhlgang, aber deshalb muss ich nicht über jeden Klogang berichten.

Daher kann ich aktuell gar nicht so viel darüber berichten, wie ich Sexszenen angehe. Ich kann aber sagen, wie ich Sexszenen angehen würde. Nämlich so, wie es der Situation und den Charakteren angemessen ist.
Das ist sehr allgemein, sagst du? Stimmt. Aber bei mir hängt nun mal alles an den Charakteren. Wenn du konkrete Empfehlungen zum Schreiben einer Sexszene suchst, kann ich dir diesen Blogbeitrag von Tristan (auf Twitter auch bekannt als Desasterotik / @germanerotika) sehr ans Herz legen. Das ist so gut und ausführlich beschrieben, dass ich absolut nichts hinzuzufügen habe.

#Autorinnenzeit: phantastische Frauen (2) – Anne McCaffrey

Heute möchte ich die Mini-Serie über die Autorinnen, die mein eigenes Schreiben beeinflusst haben, mit einer weiteren Großen fortsetzen: Anne McCaffrey.

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Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0, Link

Nachdem mich die Nebel von Avalon für die Phantastik angefixt hatte, war es ganz natürlich, nach ähnlichen Büchern zu gucken. Vor allem nach Büchern, in deren Mittelpunkt aktive Frauen standen. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erzählt, wie ungewöhnlich das damals war. Aber es fühlte sich gut an. Es war aufregend, Frauen zur Abwechslung nicht nur passiv und vor allem als Beute, naive Jungfrau oder laszive Verführerin präsentiert zu bekommen. Es eröffnete ganz neue Rollenmuster; eine Entwicklung, die übrigens parallel auch im realen Leben stattfand.

Ich habe die Diskussionen am Abendbrottisch noch gut in Erinnerung: Meinen Vater, der brüllte, seine Frau habe es nicht nötig arbeiten. Meine Mutter, die dagegenhielt, die Zeiten hätten sich geändert. Er könne es ihr nicht mehr verbieten.
Nicht mehr, wohlgemerkt. Es war keine fünf Jahre her, dass verheiratete Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Arbeitsvertrag abschließen durften und die Ehemänner nicht mehr berechtigt waren, ein Arbeitsverhältnis „ihrer“ Frauen eigenmächtig zu kündigen. Mein Vater war Jurist. Er muss es gewusst haben. Gefallen hat es ihm überhaupt nicht.
Ich war damals 13 oder 14. Mitten in der Pubertät. Meine heile Kinderwelt zerbrach und ich sehnte mich nach Abenteuern und Auswegen.

Natürlich habe ich deutlich mehr gelesen, als nur Fantasy. Ich habe so ziemlich alles gelesen, was mir in die Hände fiel. Von Hanni und Nanni bis Angst vorm Fliegen. Aber eben auch Fantasy. Und hier war Anne McCaffrey die nächste Autorin, die ich für mich entdeckte.
Gut, Anne McCaffrey wird eigentlich nicht zu den Fantasy, sondern zu den Science-Fiction-Autorinnen gezählt, aber da beides zur Phantastik gehört, ist auch sie eindeutig eine der phantastischen Autorinnen. Als ich ihren Zyklus über die Drachenreiter von Pern entdeckte, fiel der für mich allerdings eindeutig unter Fantasy. Gut, es spielt auf einem entfernten Planeten. Aber ferne Planeten sind erst mal auch nur alternative Welten, wie Mittelererde oder Narnia. Für mich besteht der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Genres eher darin, welchen Stellenwert Technik und technische Entwicklungen innerhalb der Geschichte haben. Pern, die Welt der Drachenreiter, ist Low Tech; die Gesellschaftsstrukturen sind mittelalterlich. Vor allem aber: Es gibt Drachen!*

Zugegeben, auf die Geschichten um die Drachen bin ich erst später gestoßen, denn mein erster Kontakt zu dem Zyklus war Menolly, die musikalisch hochbegabte Tochter eines Seebarons. Leider sieht ihre Umgebung diese Begabung als vollkommen nutzlos an. Frauen ist das Musizieren zwar nicht direkt verboten, aber eine Ausbildung als Harfnerin …
Menollys Eltern tun alles, um sie vom „nutzlosen Klimpern“ abzuhalten und ihre Ambitionen zu durchkreuzen. Wirklich alles. Bis Menolly es nicht mehr aushält und wegläuft.
Hier eröffnen sich gleich mehrere wunderbare Möglichkeiten, die Geschichte zu versieben. Aber weder mutiert Menolly in der Wildnis zu einer weisen Kräuterfrau oder Kriegerin, die sich alleine durchschlägt, noch kommt es zu einer tränenreichen Wiedervereinigung mit den Eltern, die nun ihr Fehlverhalten einsehen. Erst recht taucht kein bad-ass-Guy auf, in den Menolly sich verliebt um fürderhin ganz für diese Liebe zu leben. Menolly versucht einfach nur durchzukommen. Sie bekommt Hilfe (oft von unerwarteter Seite) und muss Widerstände überwinden, wie sich das für eine anständige Heldin gehört. Kurzum: Menolly bleibt ein normales Mädchen mit einer außerordentlichen Begabung, und das macht letztlich auch ihre Geschichte außergewöhnlich.

Ich habe danach so ziemlich alles aus dem Drachenreiter-Zyklus gelesen und das Meiste fand ich gut. Besonders gefiel mir, dass man jedes Buch einzeln lesen kann, weil jedes eine in sich abgeschlossene Geschichte enthält.  Im Zentrum stehen immer wieder andere Figuren, mal Männer, mal Frauen. Manche tauchen nur in einem Band auf, manche haben über mehrere Bände hinweg tragende Rollen. Die einzelnen Geschichten sind zwar, wie moderne Fernsehserien, durch eine Rahmenhandlung verbunden. Diese wird aber nicht chronologisch enthüllt, so dass man die Bücher auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss.
Über den Stil kann ich nicht mehr viel sagen, außer dass er – zumindest in meiner Erinnerung – weniger Pathos enthielt, als die Bücher von Zimmer Bradley. Sex kam ebenfalls vor, aber seltener. Insgesamt habe ich mich von den Drachenreitern immer gut unterhalten gefühlt (sonst hätte ich auch kaum so viel davon gelesen). Außerdem gefiel mir, dass McCaffrey immer wieder Themen wie Gerechtigkeit, Vorurteile, Gleichberechtigung etc. aufgriff, so dass den Romanen trotz der ständisch-mittelalterlichen Gesellschaft, in der sie spielen, nichts restauratorisches anhaftet. Sie behandelte diese Themen aber immer subtil, im Rahmen der Geschichte und ohne erhobenen Zeigefinger. Das machte sie sehr angenehm und zugleich anregend zu lesen.


*Puristen mögen jetzt einwenden, dass die Drachen nicht auf natürlichem Weg, sondern durch gentechnische Veränderung einer Echsenart entstanden sind. Aber diese Zusammenhänge werden erst nach und nach aufgedeckt – und vor allem viel zu spät, um den Ersteindruck zu ändern.

#Autorinnenzeit: phantastische Frauen – Marion Zimmer Bradley

Der Mai wird weiblich, habe ich versprochen – und was läge da näher, als auch über die Autorinnen zu sprechen, die mich besonders beeinflusst oder beeindruckt haben. Da das hier ein Phantastik-Blog sein will, beschränke ich mich Autorinnen phantastischer Literatur. Den Auftakt macht (natürlich) Marion Zimmer Bradley.

Die Nebel von Avalon, oder: Wie ich die Fantasy entdeckte

Ich bin in den 80ern groß geworden, jenem Jahrzehnt, als Eskapismus als etwas ganz furchtbares galt, in einem Elternhaus, das sich durchaus bildungsbeflissen war, aber bitte nur im Rahmen. Das heißt, mein Vater las Zeitung und Magazine, meine Mutter durchaus auch Romane, aber vor allem das, was das Feuilleton vorher abgesegnet hatte. Auch der Lesestoff in der Schule war darauf ausgerichtet, auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. Rückblickend habe ich fast den Eindruck, es sei darum gegangen, jede Hoffnung, Leben und Lesen könnten auch Spaß machen, gleich im Ansatz zu ersticken. Je düsterer das Setting, je schlimmer das Ende, desto besser das Buch.

Es war schon fast eine kleine Revolution, als ein Mitschüler mir den Herrn der Ringe nahelegte: „Mal was anderes, als immer diesen deprimierenden Kram.“
Natürlich habe ich reingelesen. Aber es ging mir, wie gefühlt einem Viertel aller anderen auch. Ich habe das Buch nach fünf Seiten zugeklappt und gesagt: „Ne, danke. Da ist Krieg und Frieden unterhaltsamer.“ *
Gut, ich übertreibe. Es gab auch Kinder- und Jugendbücher. Die drei Fragezeichen. Geheimnis um … Blitz, der schwarze Hengst. Bille und Zottel, mein Freund Flicka und viele andere, die ich vergessen habe. Vermutlich zu Recht. Alle hatten eins gemeinsam: Jungen erlebten Abenteuer, Mädchen sahen zu und achteten darauf, nicht zu schmutzig zu werden. Allenfalls konnten sie versuchen „wie ein richtiger Junge“ zu werden, wie Georgina in den 5 Freunden oder Dinah bei Geheimnis um. Aber Mädchen, die auf einsamen Inseln Schiffbruch erlitten, wilde Pferde zähmten oder Schurken das Handwerk legten? Nicht doch! Vor allem aber (und das fand ich damals deutlich wichtiger) waren es Jugendbücher. So was las man nicht, wenn man ernst genommen werden wollte. Wenn man ernst genommen werden wollte, blieb nur „dieser deprimierende Kram“.

Und dann kamen die Nebel von Avalon und lösten einen Hype aus, der sich eigentlich nur mit dem von 50 Shades of Grey vergleichen lässt. Ich glaube, jede Frau und jedes Mädchen in meinem Umfeld hat das Buch gelesen. Sogar meine Mutter. Und alle (jedenfalls alle, die ich erinnere) fanden es großartig. Sex, Blut und Intrigen. Schwere Schicksale. Magie! Vor allem aber eine Frau als Zentralfigur. Eine, die sich nicht unterordnet. Die andere Ziele hat, als einen Ehemann zu finden und sich häuslich niederzulassen. Die sich auch nicht für die Ziele anderer einspannen lassen will, sondern versucht, einen eigenen Weg zu finden.
Man kann über die Nebel sagen, was man will. Manche der Inhalte sehe ich inzwischen deutlich kritisch. Nicht so sehr, weil ich den Gegensatz böse (christliche) Römer versus gute (pagane) Briten ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen finde. Vor allem ist es der als ach so freundlich dargestellte Kult um die Große Göttin, der mir nachträglich aufstößt, weil er wie selbstverständlich Inzest, Vergewaltigung und Menschenopfer beinhaltet. Trotzdem war das Buch für mich damals ein Aha-Erlebnis. Das Tor zu neuen Lesewelten, farbenprächtiger und gewaltiger als alles, was ich vorher kannte. Ich bin gerne hindurch gegangen.

Natürlich habe ich noch mehr von Marion Zimmer Bradley gelesen. Aber weder im Darkover Zyklus noch in einem ihrer anderen Bücher habe ich das Gefühl wiedergefunden, das die Nebel von Avalon in mir geweckt hat. Das kam erst wieder, als ich die Sword and Sorceress Reihe** entdeckte; eine von Zimmer Bradley herausgegebene Reihe von Anthologien, mit durchaus feministischem Anspruch. In einem der Vorworte schrieb sie, in ihrer Kindheit und Jugend seien Frauen in Fantasy und Science Fiction vor allem auf den Covern präsent gewesen. Meist sehr leicht bekleidet und oft in den Fängen eines lüstern starrenden Insekts. Sie (MZB) wolle das ändern. Dementsprechend war allen Kurzgeschichten der Sword and Sorceress Reihe gemeinsam, dass sie Protagonistinnen hatten. Frauen, die sich durch Willenskraft und Stärke auszeichneten – unabhängig davon, welche Ziele sie hatten und mit welchen Mitteln sie sie verfolgten.
Auch für diese Reihe bin ich Marion Zimmer Bradley sehr dankbar, weil ich darüber viele, für mich neue Autoren entdeckt habe, auf die ich sonst nie gestoßen wäre.

 


*Ja, ich habe es gelesen. Ich habe es schon deshalb gehasst, weil ich mir keine Namen merken kann und jede Figur in Krieg und Frieden mindestens drei Namen hat, die je nach Kontext benutzt werden. Mich hat nichts daran gereizt, außer dass es Weltliteratur ist und man deshalb gelesen haben sollte. Ich habe mich tatsächlich durchgekämpft. Es war das erste und letzte Buch, das ich gelesen habe, weil es Weltliteratur ist oder auf irgendeiner Liste stand, die man gelesen haben musste.

**In Deutschland erschienen die Bücher unter Titeln wie „Windschwester“, „Schwertschwester“, „Zauberschwester“ usw.



Anmerkung: Mir sind die gegen Marion Zimmer Bradley erhobenen Missbrauchsvorwürfe bekannt. Es geht in diesem Artikel aber nicht um die Person Bradleys, sondern um ihren Einfluss auf mich (und vielleicht auch auf einige andere). Dieser Einfluss beruht ausschließlich auf ihrem literarischen Schaffen und in den mir bekannten Büchern findet sich kein Hinweis, geschweige denn eine Rechtfertigung für Gewalt gegen Kinder – in welcher Form auch immer.
Diesen Nachtrag habe ich verfasst, weil ich auf Twitter sehr nachdrücklich auf die Missbrauchsvorwürfe hingewiesen wurde. Da MZB aber seit fast 20 Jahren tot ist, und sich der Artikel mit ihrer literarischen Wirkung befasst, sehe ich nach wie vor keine Notwendigkeit, im Artikel selber darauf einzugehen.

Lucifer

Seit neuestem gibt es eine Serie auf Amazon Prime Video, die ich sehr gerne sehe: Lucifer. Die Serie ist ein Crime-Fantasy-Crossover, das auf einem Spin Off zu Gaimans Sandman Comics beruht und ursprünglich für den amerikanischen Fernsehsender Fox produziert wurde.

In Los Angeles ist der Teufel los. Lucifer Morningstar, der Herr der Hölle hat sich selbst auf unbestimmte Zeit beurlaubt und zusammen mit dem Dämon Mazikeen einen höchst irdischen Nachtclub eröffnet. Allerdings hat er sein Verlangen, andere für ihre Verfehlungen zu bestrafen, nicht verloren und als eines seiner Protegees getötet wird, stürzt er sich begeistert in die Ermittlungsarbeit. Dabei kommt ihm seine Fähigkeit zugute, Menschen dazu zu bringen die Wahrheit zu sagen, selbst wenn sie dabei ihre geheimsten Wünsche offenlegen. Seine große Schwäche ist jedoch, dass er immer die Wahrheit sagen muss, was immer wieder zu Spannungen mit seiner Partnerin Detective Chloe Decker führt. Sie ist zudem die Einzige, die gegen Lucifers Charme immun ist.
Auch Gott ist not amused und beauftragt Lucifers Bruder, den Engel Amenadiel, Lucifer zurückzubringen. Andernfalls, so die Drohung, müsse Amenadiel Lucifers Job übernehmen. Der tut sich mit Mazikeen zusammen, die sich wegen der drohenden Vermenschlichung ihres Chefs sorgt.

Ein bisschen erinnert das Ganze an Serien wie Castle oder den Mentalist mit einem Schuss Dexter. Aber Lucifer setzt noch einmal eine Schippe drauf. Ein Protagonist, der nicht nur trinkt, sondern auch alles nimmt, was gute Laune macht und grundsätzlich bereit ist mit jedem Sex zu haben (auch mit mehreren gleichzeitig), ist dann doch ein bisschen anders.
Wobei man dazu sagen muss, dass sämtliche expliziten Szenen sorgfältig umschifft werden. Da macht sich dann doch die amerikanische Prüderie bemerkbar: Selbst wenn der Herr der Hölle nach durchtriebener Nacht mit drei Frauen im Bett aufwacht, trägt er immer noch Shorts und die Frauen ordentlich sitzende BHs und passende Höschen.

Abgesehen von solchen kleinen Unstimmigkeiten ist die Serie aber, wie schon oben gesagt, sehr unterhaltsam. Popcornkino im Kleinen sozusagen.

Sex, Sexismus und Fantasy

Mit dem Sex in der Fantasy ist es ein bisschen wie mit der hohen und der niederen Minne im Mittelalter. In der High Fantasy, wie bei der hohen Minne streiten edle Recken um edle Ziele – da fehlt die Zeit für Sex. Mann hat Besseres zu tun und Frauen kommen, wie beim Herrn der Ringe, überwiegend in der Rolle des edlen Fräuleins oder der tugendhaften Hausfrau daher.
Bei Sword and Sorcery (also der Low Fantasy) geht es nicht so hehr zu, da sind die Sitten rauher und die Ziele nicht ganz so hoch gehängt, so dass mehr Zeit für andere Dinge bleibt. Saufen z. B. Oder Sex. Manchmal. Aber auch da ist das Rollenmuster meist klar: Der Mann ist der Aktive, der Eroberer und die Frau/das Mädchen die Belohnung für seine Heldentaten. Selbst mit einer Frau als Hauptfigur ändert sich an dem Schema kaum etwas, außer, dass sie ihn will. IHN zu bekommen und zu behalten, ist ihr Ziel, das fortan ihr ganzen Denken und Handeln bestimmt.

Dieses Schema hat mir die Vampirromane vergällt, weil es da inzwischen meist nicht um mehr geht, als darum, dass ein Mädchen einen Mann will, den sie nicht bekommt – oder wenigstens nicht gleich. Besonders aufgestoßen ist es mir aber kürzlich bei „Die Begabte“ von Trudi Canavan. Das Buch besteht nämlich aus zwei Handlungssträngen mit jeweils eigenen Protagonisten: einem jungen Magier und einer magiebegabten jungen Frau. Beide haben erst Mal nichts miteinander zu tun. Aber sie erfüllen genau das Klischee: Der junge Mann zieht auf Abenteuer aus; erst freiwillig, dann unfreiwillig, aber immer getrieben von Wissensdurst. Die junge Frau wächst behütet auf, soll in die bessere Gesellschaft einheiraten, verliebt sich aber unstandesgemäß und setzt nun alles daran, ihren Geliebten zu behalten. Ach ja, sie malt auch. Gut sogar. Aber das interessiert sie allenfalls am Rande.

Und damit wären wir beim Sexismus.

Nein, ich meine damit nicht, dass das Mädchen in einer klassisch patriarchalischen Gesellschaft aufwächst. Ich meine noch nicht mal, dass sie sich in „falschen“ verguckt – mir geht es um dieses stupide: „Der Mann zieht hinaus ins Leben, das Mädchen wartet auf den „Richtigen“ und wenn der kommt, hängt am Ende der Himmel voller Geigen und es regnet Rosen und rosa Glitzer.“ Aber genau das exerziert „Die Begabte“ bis zum Erbrechen.
Dabei gibt es durchaus Gegenentwürfe in dieser Geschichte: Mädchen, die nicht tun, was sie sollen. Die sexuell aktiv sind, ohne in jemanden verliebt zu sein. Die es sogar tun, um andere Ziele zu erreichen. Aber, man ahnt es: Das sind die Bösen. Die Gegenspielerinnen, die der Protagonistin schaden wollen.
Und das ist dann schon der nächste Punkt, der mich ankotzt: Diese unterschwellige Botschaft, man müsse sich für „den Richtigen“ aufsparen. Also den, den man heiraten und mit dem man Kinder haben will. Sex nur so ist bäh! Und ganz böse wird es, wenn frau ihn als Machtinstrument einsetzt.

Warum eigentlich? Nehmen wir mal die Situation der Protagonistin: Sie kommt aus einer wohlhabenden Familie, hat aber selber kaum Geld. Als Frau unterliegt sie außerdem noch zahlreichen anderen Beschränkungen. Zum Beispiel kann sie nur bei ihrer Tante Malunterricht nehmen. Aber es gibt einen Maler, dessen Technik sie lernen will. Einen, der gleich bei der ersten Begegnung deutliches Interesse zeigt und der noch nicht mal hässlich ist.
Muss sie sich dann wirklich erst in ihn verlieben, um mit ihm ins Bett zu gehen? Oder wäre es nicht fast logischer, das einzige Zahlungsmittel zu nutzen und ihm Sex in Aussicht zu stellen, wenn er sie unterrichtet? Damit bekäme sie zwar definitiv einen anderen Charakter und die Geschichte auch. Einen, der deutlich weniger „nett“ und „moralisch“ wäre, ihr aber weitaus mehr Profil gäbe und sie in eine Reihe mit den irischen Sagenköniginnen stellen würde, die (obwohl verheiratet) schon mal eine Nacht heißen Sex als Gegenleistung für irgendwelche Gefallen versprachen. Außerdem würde die plötzlich deutlich glaubwürdiger, dass das Mädel nicht nur Talent zum Malen habe, sondern sein Können auch wirklich verbessern will. So wie die Dinge im Buch beschrieben sind, scheinen Talent und Wunsch nämlich nur ein Vorwand, um die Beiden irgendwie zusammenzubringen.

Um es noch mal klar zu sagen: Sexismus heißt für mich nicht, dass die Gesellschaft nicht patriarchalisch geprägt sein darf. Im Gegenteil: Das Schöne an der Fantasy ist, dass sie Raum für ganz viele Gesellschaftsentwürfe bietet, ob das jetzt Matriarchate, Oligarchien, patriarchale Clanstrukturen, lesbische Amazonenheere oder gegenderte Basisdemokratien sind.
Sexismus ist für mich das starre Festhalten an irgendwelchen Rollenklischees. Das heißt nicht, dass Frauen nur noch starke Kriegerinnen und Männer nur noch sanft säuselnde Heiler sein dürfen und es heißt ganz sicher nicht, dass in jedem Buch unbedingt ein Quotenschwuler dabei sein muss (Der gerät sonst nämlich genauso zum Klischee, wie das Mädchen, das unbedingt ein Junge sein will in den Büchern von Enyd Blyton).
Aber wenn es um Liebe und Sex geht, sollten schon ein bisschen mehr drin sein, als dieses biedermeierliche Getue im Geiste von Hedwig Courths-Mahler und der Gartenlaube.

Die Sache mit der Romantik

Vorweg: Man hat mir schon zu Schulzeiten ein gestörtes Verhältnis zur Romantik nachgesagt, weil ich Eichendorffs Gedichte als unerträglichen Kitsch bezeichnet habe. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte vielleicht hier vielleicht aufhören zu lesen.

Weiterlesen auf eigene Gefahr

Ich finde Sex toll. Sex macht Spaß. Auch beim Lesen. Was ich dagegen gar nicht mag, sind Romances, deren Inhalt im Wesentlichen daraus besteht, dass eine Frau (bzw. ein Mädchen) irgendeinem Kerl hinterherschmachtet und dauernd daran denkt, wie es wäre endlich in seinen starken Armen dahin zu schmelzen. Vor allem, wenn sie sich dann am Ende finden und alles in Schmalz und rosa Glitter versinkt.

Vielleicht bin ich schlicht zu alt für den Scheiß, aber mir gehen diese Kühe auf die Nerven. Sry, wenn ich damit jemanden auf die Zehen trete. Ist aber so.
Ja, es ist geil, rattig zu sein und klar: Romance lebt davon, dass sich zwei nicht bekommen. Aber hey, Mädels, wir leben im 21. Jahrhundert! Wir sind schon lange nicht mehr vom Wohlwollen irgendwelcher Männer abhängig – und wenn einer nicht will, haben andere Mütter auch schöne Söhne. Das wusste übrigens schon meine Oma, die mir, als ich Liebeskummer hatte, mal den Satz mitgab: „Es gibt nicht nur ’ne Handvoll, es gibt ein ganzes Land voll.“
Warum also nicht selbst badass sein? Klar sagen: „Ich will Sex! Jetzt, hier und gleich“, statt brav zu warten, bis er den ersten Schritt tut? Den eigene Weg gehen und Typen, die nicht mitwollen, einfach stehen lassen?

Solche Frauen finde ich viel spannender, als alle Bellas zusammen und zwar sowohl im Leben, als auch in der Literatur. Ihre Geschichten will ich lesen und schreiben. Selbst, wenn keine Liebesgeschichte daraus wird. Oder wenn es zwar eine Liebesgeschichte, aber kein Happy End gibt. So lange sich Tränen echt anfühlen, ziehe ich sie Schmalz und rosa Glitzer allemal vor. Rosa konnte ich noch nie leiden.

Werwölfe mal wieder

Warum haben Werwölfe eigentlich diesen wahnsinnig schlechten Ruf? Warum macht die Verwandlung aus einem mehr oder weniger normalen Menschen eine wahnsinnige Bestie, die Freund nicht von Feind unterscheiden kann? „Das ist eben so“, ist mir als Erklärung gerade im Fantasy-Bereich ein bisschen wenig. Ganz besonders, wenn man die Entwicklung von Vampiren und Werwölfen vergleicht. Vampire sind von gefährlichen Blutsaugern mit unterschwelligem Sexappeal zu blutleeren Mitgliedern einer Glitzer-Boygroup geworden, bei denen Gefahr und Wildheit nur noch stylishe Attitüde ist, die sie für ihre Groupies attraktiv macht. Blasse Jungs, für die beißen genauso tabu ist, wie vorehelicher Sex.

Werwölfe dagegen – immer gefährlicher, immer blutrünstiger, immer instinktgesteuerter. Wobei der Instinkt immer nur zu sagen scheint: Töte und friss. Oder töte einfach so. Fleischeslust wortwörtlich genommen. Warum?

Guckt man sich die ursprünglichen Legenden an, wird das Ganze noch unverständlicher. Da erscheint der Vampir als Nachzehrer, der noch aus dem Grab heraus ganzen Dörfern die Lebensenergie aussaugen kann. Die Arten ihn loszuwerden, sind archäologisch sehr interessant und erscheinen oft brutal. Aber von Sex-Appeal keine Spur. Der kam erst mit Bram Stokers Dracula.
Der Werwolf dagegen erscheint in den Grimmschen Sagen als normaler Mensch, der einen Gürtel umlegt, um sich in einen Wolf zu verwandeln, diesen aber jederzeit wieder ablegen kann. Also keine Spur von Vollmond, Bissen oder wahnsinniger Raserei. Woher die stammen – keine Ahnung!

Daher frage ich mich wirklich, warum der eine bis zur Unkenntlichkeit verniedlicht wird, während der andere sich in die vollkommen andere Richtung bewegt. Liegt es daran, dass stark behaarte Typen heutzutage eher bäh! sind, oder lese ich einfach die falschen Bücher?