[Selfpublishing] Engagiert euch! Warum Autorinnen und Autoren politisch werden müssen.

Eine der besten Veranstaltungen, an denen ich auf der Leipziger Buchmesse teilgenommen habe, war diese sehr engagiert geführte Podiumsdiskussion zwischen Nina George und Janet Clark unter der Moderation von Anke Gasch.

Politisch werden, heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass wir künftig nur noch politische Texte schreiben sollen, die ein bestimmtes Gesellschaftsbild hochhalten. Bewahre!*
Politisch werden heißt, dass wir Autorinnen und Autoren uns selbst für unsere Belange einsetzen müssen. Sonst tut das nämlich keiner. Die Folge ist, dass in Deutschland gerade mal drei bis vier Prozent der AutorInnen von ihrer Tätigkeit leben können. Zugespitzt könnte man sagen, dass die einzigen, die nicht vom Literaturbetrieb profitieren, die sind, die Literatur schaffen.

Jetzt habe ich die Aufzeichnung dieses Gesprächs gefunden.
Und weil alle Punkte, oft im verschärften Maß, auch für Selfpublisher gelten, möchte ich die Diskussion gerne unter diesem Stichwort mit euch teilen. Unbedingt anhören. Und dann engagiert euch! Weil es keiner für euch tun wird.


*Die Frage, welches Menschenbild in manchen Büchern vermittelt wird, ist ein anderes Thema, das ich irgendwann sicher bei den Werkstattplaudereien aufgreifen werde.

[Selfpublishing] Schreiben unter Pseudonym

Lewis Caroll tat es. Iny Lorenz tun es. Und ich mache es zugegebenermaßen auch: Schreiben unter Pseudonym. Stehe ich deshalb weniger hinter meinen Büchern? Nein, natürlich nicht. Wenn ich nicht von meinen Geschichten überzeugt wäre, würde ich sie gar nicht erst veröffentlichen.

Welche Gründe sprechen für ein Pseudonym?

Es gibt viele Gründe, sich ein Pseudonym zu suchen. Die von Kolleginnen und anderen Buchmenschen am häufigsten genannten sind:

  • Anonymität
  • häufiger Name
  • Verwechslungsgefahr mit anderen Autoren
  • unpassender Name
  • Markenbildung und -schärfung

Den Wunsch nach Anonymität habe ich ganz auf die Liste gesetzt, weil er auch am häufigsten genannt wird. In diesen Fällen schwingt manchmal ein bisschen Scham mit. Schließlich müssen die Kollegen nicht wissen, dass man Krimis mit schwulen Polizisten verfasst und den Verwandten zu erklären, dass man die heißen Szenen in seinen Erotikromanen nicht alle selbst erlebt hat, ist auch nicht unbedingt einfach.

Auch ein häufiger Name ist ein guter Grund, ein Pseudonym zu wählen, vor allem, wenn die Gefahr besteht, mit anderen Autoren verwechselt zu werden. Schließlich will man unter diesem Namen auch gefunden werden. Wie schwierig das ist, wenn man einen häufigen Nachnamen trägt, wird schnell klar, wenn man bei Wikipedia z. B. „Müller“ nachschlägt. Nicht nur, dass es darunter etliche Schriftsteller gibt, man will vielleicht auch nicht unbedingt mit einem Politiker, Schlagersternchen oder Sportler gleichen Namens in Verbindung gebracht werden.

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Bild: leandrodecavalhophoto via pixabay

Auch ein als unangenehm oder unpassend empfundener Name kann ein Grund für ein Pseudonym sein. Jürgen Fick (Fick ist in einigen Teilen Norddeutschlands ein sehr üblicher Familienname) taugt vielleicht noch für sehr explizite Erotik. Aber seien wir ehrlich: Selbst da klingt die Kombination aus dem biederen Vor- und dem „gewagten“ Nachnamen absurd. Und einen heiteren Familienroman würde man ihm vermutlich ebenso wenig abnehmen, wie Chantalle Himmelsbächer den knallharten Thriller.

Viele Autorinnen geben auch Markenbildung und -schärfung als Grund an, was von den Verlagen unterstützt wird. Der Grund ist, dass viele von uns in verschiedenen Genres schreiben. Als Leserin knüpft man aber auch an den Autor bestimmte Erwartungen. Das ist mir bei einem Roman von Sarah Paretsky deutlich geworden. Normalerweise schätze ich sie wegen ihrer realistischen hard-boiled Krimis, aber irgendwann ist mir ein sehr esoterisch angehauchter Geisterroman von ihr in die Hände gefallen, an dem ich alles vermisst habe, was ich an ihren Krimis liebe. Vielleicht hätte das Buch eine Chance gehabt, wenn ich die Krimis nicht gekannt hätte … Aber so: nein. Ging gar nicht.
Aus dem gleichen Grund hat J. K. Rowling vermutlich auch nur einen einzigen Krimi unter diesem Namen veröffentlicht. Inzwischen veröffentlicht sie als Rowling ausschließlich Fantasy. Ihre Krimis erscheinen unter Pseudonym.
Indirekt unter Markenbildung fällt auch, wenn man Pseudonyme benutzt, um einen sehr hohen „Literaturausstoß“ zu bemänteln. Vielschreiber werden ja oft mit Schlechtschreibern verwechselt, d. h. ihnen wird mangelnde Qualität unterstellt. Stephan King hat sich genau deshalb Pseudonymen bedient, um seinen Marktwert hoch zu halten.

Probleme mit dem Pseudonym

Natürlich gibt es Nachteile.
Wer ein Pseudonym nutzt, um anonym zu bleiben, hat als Selfpublisher z. B. erhebliche Nachteile bei der Werbung. Wenn es keinen Verlag gibt, der das Marketing übernimmt, muss man selber auf Menschen zugehen – und da bietet sich der eigene Freudes- und Bekanntenkreis nun mal als Erstes an. Denen klar zu machen, dass du Bücher schreibst, ist eine Sache (ich finde schon das schwer). Sie dazu zu bringen, sich ein Pseudonym zu merken, ist ungleich schwieriger.
Aber auch in den sozialen Medien stößt man mit einem Pseudonym auf Schwierigkeiten. Xing z. B. verbietet Pseudonyme ganz, ist also vollkommen ungeeignet, sich unter Pseudonym mit anderen zu vernetzen und sich einen Namen zu machen. Auch Facebook ist mit Pseudonym nur schwer nutzbar. Eigentlich darfst du dir dann nämlich nur eine Seite einrichten, was bedeutet, dass du nicht von dir aus Kontakt zu den Profilen „echter Menschen“ aufnehmen kannst. Außerdem kommst du als Seite nicht in Gruppen. Die Möglichkeiten, sich zu vernetzen, sind daher sehr eingeschränkt. Die einzige (aber eigentlich verbotene) Alternative besteht darin, deinem Pseudonym einen eigenen Account einzurichten – was inzwischen allerdings die Angabe einer Mobilfunknummer voraussetzt. Dumm, wenn du die schon für deinen privaten Account verwendet hast.

Geringere Probleme macht die Impressumspflicht in Büchern, auf Webseiten und in Blogs. Hier reicht es, einen Empfangsbevollmächtigten anzugeben. Das kann ein Impressumsdienst sein (wie ihn z. B. Papyrus Autor seinen Nutzern anbietet), aber auch der Nachbar, ein Familienangehöriger oder eine Freundin. Hauptsache, es ist eine Kontaktaufnahme möglich und die Post landet irgendwo, wo sich dich am Ende erreicht.
Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass du deinen eigenen Namen als Kontaktadresse angeben kannst, ohne dass man daraus zwingend schließen kann, dass das Pseudonym zu diesem Namen gehört.

Was macht ein gutes Pseudonym aus?

Wie immer gibt es also keinen Königsweg. Letztlich muss jede/r selbst entscheiden, was in seinem/ihren Fall das Beste ist. Wer sich für ein Pseudonym entscheidet, sollte sich die Zeit nehmen, gründlich darüber nachzudenken, welches das Richtige ist.
Dabei lassen sich die beiden wesentlichen Kriterien eines guten Pseudonyms schon aus dem ersten Absatz ableiten: Ein gutes Pseudonym ist ein Name mit hohem Wiedererkennungswert, der zum Genre passt.

Zum Wiedererkennungswert gehört auch, dass der Name eingängig sein sollte. Deshalb Vorsicht bei exotischen Namen. Qui Xiaolong ist zwar (für Europa) selten, aber (für Europäer) auch schwer zu merken. Drago Fellner bleibt deutlich besser haften.

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Bild: Mysticartdesign via pixabay

Natürlich kommt dann auch noch der Wohlfühlfaktor dazu. Ein Pseudonym, wird idealerweise so etwas, wie eine zweite Haut. Nicht unbedingt eine andere Identität, eher wie Kleidung, die bestimmten öffentlichen Anlässen vorbehalten bleibt. Auch da wählt man vorzugsweise das, was einem selber gefällt. Allerdings sollte das Pseudonym langlebiger sein. Schließlich will man in der Regel mehr als ein Buch veröffentlichen. Also lieber keinen hochkreativen, top-angesagten Namen wählen. Nichts veraltet so schnell, wie die Mode. Und nichts ist später so peinlich. Das gilt für Klamotten genauso wie für Namen.

Auch ich habe meinen Namen sehr bewusst gewählt und mir Bestandteile gesucht, die für mich hohen Symbolwert besitzen. Nike ist die griechische Siegesgöttin. Leonhard kommt von Löwenherz. Beides zusammen drückt für mich den Willen aus, mich in einem schwierigen Umfeld erfolgreich zu behaupten.
Ich finde außerdem, dass der Name gut klingt, ungewöhnlich genug ist, um aufzufallen und zur Phantastik passt. Wenn ich besser nachgedacht und ein bisschen Marktforschung betrieben hätte, hätte ich mich vermutlich trotzdem dagegen entschieden, weil der Name Nike fast automatisch mit Sportbekleidung assoziiert wird. Da ich mich weder für Sport, noch für Klamotten sonderlich interessiere, ist mir das aber entgangen. Jetzt muss ich mit den Folgen klarkommen.


Und du? Schreibst du unter Pseudonym oder Klarnamen? Was sind die Vor- und Nachteile, die du erlebst?

Ist das Literatur oder kann das weg?

Wer braucht eigentlich Literatur?

Blöde Frage, oder? Seit wann hat Literatur einen Nutzen?

Niemand braucht“ Literatur. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie wir Essen oder Trinken brauchen, Kleidung oder Sex. Literatur ist etwas, das wir uns leisten, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Besonders kluge Menschen unterscheiden noch feinsinnig zwischen hehrer E- und billiger U-Literatur und lehren, dass letztere natürlich abzulehnen ist. In ihrer höchsten Form ist Literatur vollkommen zweckfreier Luxus und gerade das adelt sie zur Kunst.

Der böse Eskapismus

Was gute Literatur ausmacht, darüber streiten die Gelehrten. Vermutlich wurde auch Homer vorgeworfen, in seine Gesängen viel zu viel Sex and Blood and Alcohol eingebaut zu haben.
Wo kämen wir auch hin, wenn Lesen Spaß brächte? Wenn Menschen sich in andere Welten flüchten, statt in steter Auseinandersetzung mit dem Elend der Welt an eben jenem Elend zu zerbrechen?

Das ganz große Grausen bricht jedoch aus, wenn die Leser versuchen, jene Welten auch noch zu leben und dabei Symbole verwenden, die den selbsternannten Hütern der Hochkultur fremd sind. So geschehen in der Nachlese des SWR Kulturredakteurs Carsten Otte zur Leipziger Buchmesse.*

Cosplayer als Killerkaninchen

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Quelle: Kukunamu via pixabay

Ausnahmsweise traf der Bannstrahl dieses Mal nicht die Selfpublisher. Vielmehr fühlte sich Herr Otte durch die Cosplayer gestört. Der „Massenauftritt der leicht bekleideten Comicfiguren mit Plüschtier unterm Arm [werde] zum Hohn auf den Rest der Messe“, wetterte Otte, wobei ihm dieser Rest für ihn vor allem in „Diskussionen über die politische Weltlage und die neue Ernsthaftigkeit im Literaturbetrieb“ bestand. Vielleicht haben ihm die „pornographischen Posen“ der „nackten Hasen“, aber auch nur das Willi-Brand-Feeling verdorben, das in ihm aufwallte, als er „Verleger und Autoren mit dem Parteisticker der Sozialdemokraten durch die Messehallen schlendern sah“.

Unter dem Strich

Mit Verlaub: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Der Parteisticker steht ebenso wenig für qualitativ hochwertige Literatur, wie Kätzchenohren und Kuscheltier oder ein ostentativ getragenes Kreuz. Literatur lebt in Büchern und den Geschichten, die sie erzählen. Man muss sie lesen, bevor man sich zu ihren Inhalten äußern kann.

Natürlich kann man es auch lassen. Literatur lebt zwar davon, gelesen zu werden, aber nicht jeder muss alles gelesen haben. Damit kommt die Literatur prächtig zurecht. Wer sich jedoch um die Geschichten nicht schert, sondern sie aufgrund von Äußerlichkeiten ablehnt, missbraucht Literatur und setzt sich dem Verdacht aus, hinter der vorgeschobenen Kulturpflege stecke nur der hilflose Wunsch, die eigene Existenz in einer unübersichtlich gewordenen Welt zu rechtfertigen.


*Der Beitrag, sowie ein offener Antwortbrief auf die Reaktionen der Cosplayer findet sich hier


Auf den Beitrag bin ich aufgrund eines Artikels von Lena Falkenhagen auf Tor-online aufmerksam geworden. Falkenhagen geht nicht nur auf die Geschichte des Manga ein, sondern kommt auch zu dem Schluss, dass der von Otte geforderte Ausschluss der Manga-Convention genau der Zensur gleichkäme, die er zu bekämpfen behauptet.


Zum Schluss zur Klarstellung: Ich mag Mangas nicht sonderlich, da sie mich ästhetisch nicht ansprechen. Trotzdem gucke ich seit neuestem mit meinen Söhnen Assasination Classroom und muss zugeben, dass die Serie nicht nur witzig gemacht ist, sondern auch einen ernsthaften Unterbau hat.
Cosplay ist ebenfalls nichts für mich, weil zu wenig praxisorientiert. Nur zu posen finde ich langweilig. Aber das ist Geschmackssache und vermutlich könnten die Cosplayer auf Anfrage sehr viel zu ihrer Figur und der Rolle erzählen, die sie in den Geschichten spielt, aus denen sie entlehnt ist. Es würde mich wundern, wenn es anders wäre als in der Living-History-Darstellung, die ich betreibe.
Was mich an den Äußerungen Ottes stört, ist zum einen die ungeheuerliche Überheblichkeit, die dahinter steht. Zum anderen aber auch, dass Freiheit, Demokratie und Menschenrechte deutlich mehr durch rechte und extremistische Agitatoren bedroht sind als durch ein paar Kuscheltiere und Menschen in merkwürdigen Kostümen. Auch diese Agitatoren hatten Stände auf der LBM, ihre Werbematerialien waren omnipräsent. Vielleicht ist dieser Umstand, Otte aufgrund zu viel offensichtlicher, nackter Haut aber entgangen.


Aktualisierungen:
Auch auf PhantaNews gibt es einen sehr lesenswerten Beitrag: Haltet die Buchmesse sauber!
Auf SPON schreibt Margarete Stokowski: Auch nackte Hasen sind politisch

Noch eine Challenge: #wirsindtraumfaenger

Zufällig habe ich die Challenge heute auf Twitter entdeckt (oder besser gesagt: ich wurde von @LebendigeG mit der Nase darauf gestoßen). Ausgerufen hat sie Annika Bühnemann und eigentlich ist sie für Instagram optimiert.

Aber da ich mit Instagram vermutlich nie richtig warm werden werde, mache ich lieber auf Twitter mit und poste – so weit es passt – auch den einen oder anderen Artikel hier auf dem Blog.

Die heutige Aufgabe war, sich selber vorzustellen. Ich habe es immerhin geschafft, ein Selfie zu schießen, zu bearbeiten, auf Twitter und tatsächlich auch auf Instagram zu teilen. Wie ein echter Social Media Pro!

Selfpublisher eben. Unschlagbar.

[/Ironie]

[Fundstück] Autoren und Steuer

Buchhaltung und Steuern sind etwas vor dem mir graut. Aber irgendwie muss man da ja durch. Zum Glück habe ich eine sehr liebe, geduldige Steuerberaterin, die mir den Großteil abnimmt und nur ganz wenig schimpft, wenn ich mal wieder zu spät dran bin.

Für die, die dieses Glück nicht haben, habe ich einen Tipp: Folgt dem Blog von Kia Kahawa! Sie lotst ihre Leser sehr ausführlich, sachlich und dabei durchaus unterhaltsam durch die Möglichkeiten und Tücken des Steuerrechts. Das große Plus dabei: Sie schreibt speziell für Autoren und Selfpublisher und bringt viele praxisrelevante Beispiele.
Zwar ist Kia Kahawa selbst keine Steuerberaterin, was sie auch immer wieder betont, aber ihre Artikel sind so gut geschrieben, dass ich fast Lust bekomme, mich selbst an der Steuererklärung zu versuchen. Was, wie dem Eingangssatz zu entnehmen ist, einiges heißen will.

[Selfpublishing] Der Umgang mit Buchbloggern und Booktubern

Als Selfpublisher ist man froh über jede Rezension. Gerade die von Buchbloggern und Booktubern, sind toll, weil sie durch ihre Reichweite dazu beitragen können, das Buch bekannt zu machen. Nur wie geht man auf sie zu? Darüber, welche do’s und dont’s im Umgang mit Buchbloggern und Booktubern beachtet werden sollten, hat Louisa, die den Youtube-Kanal „Bücherregal“ betreibt, ein paar gute Tipps.

Unbedingt anschauen!

Video v. 03. Februar 2017

[eBook-Marketing] Was Preiskämpfe bringen

Bildquelle: hbieser via pixabay

Vor ein paar Tagen bin ich im Netz über einen Artikel gestolpert, der die zum Teil absurden Auswüchse eines Preiskampfes zwischen zwei Drogeriemarktketten schildert. Inzwischen sind die Angebote so niedrig, dass sie zum Teil unter dem Großhandelspreis liegen. Als Folge werden die Angestellten zum „wildern“ bei der Konkurrenz geschickt, um die eigenen Regale aufzufüllen.

Was hat das mit eBook-Marketing zu tun hat? Nun, die Situation ist sehr ähnlich. Viele Selfpublisher sehen in Kampfpreisen das Nonplusultra des Marketings. Und gerade veranstaltet Amazon das Indie-Lesefestival, bei dem

tausende Bücher vom Liebesroman bis zum Thriller, um bis zu 70 Prozent günstiger

(Amazon Eigenwerbung)

angeboten werden. Laut Amazon dient die Aktion dazu, verlagsunabhängige Autoren stärker in den Fokus zu rücken. Aber tatsächlich ist es hauptsächlich eine Werbeaktion für Amazons Kindle. Noch dazu eine, die auf dem Rücken der Selfpublisher ausgetragen wird. Den Kunden freut es zwar, wenn er tausenden von eBooks, zu Niedrigstpreisen herunterladen kann, aber dass die Autoren/Selfpublisher davon profitieren, wage ich zu bezweifeln. Nicht nur, weil 70% Preisreduzierung bedeutet, dass der Autor nur noch 30% seiner normalen Tantiemen erhält. Ich bezweifle auch, dass sich der viel gepriesene Effekt besserer Sichtbarkeit einstellen wird. Nicht bei tausenden Konkurrenzprodukten, die auch noch jede Woche wechseln.
Ja, es steht zu erwarten, dass die nächsten Wochen Indie-Bücher die Bestsellerlisten von Amazon dominieren und die Verlagsbücher auf die hinteren Ränge abrutschen. Man kann dieses Indie-Lesefestival also auch als Angriff Amazons auf die Verlage sehen, denen Amazons Chef, Jeff Bezos, Gerüchten zufolge ohnehin den Kampf angesagt hat. Meine Befürchtung ist allerdings, dass er die „Indies“ dabei nicht als Verbündete, sondern in erster Linie als Kanonenfutter sieht. Wenn man Indies wirklich unterstützen wollte, gäbe es andere Wege. Zum Beispiel die Indies besonders hervorzuheben, die in der letzten Woche die meisten/besten Bewertungen bekommen haben.

Ja, wir Selfpublisher konkurrieren mit den Verlagen. Wir besetzen Nischen, die dort als nicht lukrativ genug oder aus anderen Gründen uninteressant wahrgenommen werden. Aber bei aller Solidarität untereinander, konkurrieren wir Selfpublisher auch miteinander um das Interesse der Leser. Deshalb greift sogar die Hoffnung zu kurz, ein reduziertes Buch einer Serie möge Lust auf die nächsten Teile machen, wenn der Leser gerade seinen Reader mit Schnäppchen vollgeladen hat. Bis er die alle gelesen hat, hat er im Zweifel vergessen, von welchen Büchern es Fortsetzungen gab. Und wahrscheinlich gibt es schon die nächste Preisaktion, bei der er unbedingt zugreifen muss. Gerade Amazon ist ja groß darin, solche „Deals“ anzubieten.

Nein, ich glaube nicht, dass das irgendetwas bringt. Ich glaube, dass sich auf Dauer nur ein ruinöser Wettkampf zwischen Selfpublishern, von dem höchstens Amazon profitiert. Anders, als die Drogeriemärkte können wir Selfpublisher uns nicht gegenseitig die Waren klauen und ins Regal stellen. Bei uns nennt sich so was Plagiat und Plagiatoren sind überall untendurch.

Aber das ist nur meine Meinung. Im Interesse aller Selfpublisher, die beim Indie-Lesefestival dabei sind, hoffe ich, dass ich mich irre.


Weitere Artikel zum Preiskampf zwischen Rossmann und dm:

[Selfpublishing] juristische Fallstricke

Wegen gesundheitlicher Probleme bin ich leider nicht dazu gekommen, den für heute geplanten Artikel fertig zu schreiben. Aber ich habe auf LitLounge.tv ein sehr interessantes Interview mit Rainer Dresen, dem Justiziar von Random House gefunden, das ich gerne teilen möchte.

Ich habe Rainer Dresen auf der Frankfurter Buchmesse live erlebt. Er spricht sehr flüssig und hat bei allem Fachwissen eine sehr klare, unjuristische Art, sich auszudrücken, was das Zuhören sehr angenehm macht.

Im Interview geht es u. a. um Fragen des Urheberrechts, Titelschutz, Plagiate, Buchcover – lauter Dinge, die für Selfpublisher hochinteressant sind. Unbedingt ansehen!
Hier geht’s zum Interview: https://www.litlounge.tv/webinar/rechtstipps-fuer-self-publisher-stellen-sie-ihre-fragen-einem-rechtsexperten

[Rezension] Schatten vom M. D. Grand

Ausnahmsweise beginne ich eine Rezension mit dem Cover, weil mich das Cover von Schatten schon beim ersten Sehen ansprang. Vollkommen abstrakt mit einem beschränkten Farbspektrum (schwarz, weiß, dunkelrot) – und trotzdem DER HAMMER!
Allerdings hat mich dieses Hammercover in Verbindung mit dem Autorennamen erst mal auf eine vollkommen falsche Fährte gesetzt. Für mich suggestierte beides Science Fiction, eventuell auch einen Wissenschaftsthriller. Beides sind Genres, die ich gerne lese, auf die ich aber zu der Zeit keine Lust hatte.

Deshalb kam „Schatten“ zunächst nur auf den virtuellen Stapel der vorgemerkten Bücher. Vielleicht hätte ich es dort vergessen, wenn nicht einige BartBroAuthors geschwärmt hätten, wie toll es sei. Also habe ich es gekauft und das war auch gut so.

Entgegen meiner ersten Annahme ist Schatten nämlich weder Science Fiction, noch ein Thriller, sondern solide High Fantasy. Darüber hinaus überrascht die Geschichte mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Ceryan, der Protagonist ist nämlich das böse Minion des noch böseren Oberschurken – wenn auch nicht ganz freiwillig. Aber der Eid, durch den König Zenox ihn in seine Dienste gezwungen hat, verhindert jede offene Auflehnung.
Das lässt einen schnell wünschen, Ceryan, der auch sonst überraschend differenziert dargestellt wird, möge es schaffen, sich irgendwie zu befreien. Zumal es den Untergang der letzten freien Völker bedeuten würde, wenn es Ceryan seinen Auftrag ausführt und König Zenox den Stein von Kairoan beschafft.

Auch sonst bietet die Geschichte einen angenehmen Mix aus bekannten Fantasy-Elementen und überraschenden Wendungen. Sprachlichen fielen ein paar Unsicherheiten auf, die aber dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch taten.

Insgesamt daher eine Leseempfehlung.


Schatten von M. D. Grand ist erschienen bei Amazon und als Taschenbuch und eBook erhältlich.

Linkhaftung: Das Internet ist doch nicht ganz tot

Oder: Was du als BlogbetreiberIn tun kannst

Als das LG Hamburg vor ein paar Tagen eine einstweilige Verfügung zur Linkhaftung erließ, war die Erregung groß. Ein Magazin verstieg sich sogar zu der Behauptung, das LG Hamburg habe damit das Internet getötet.

Worum gehts?

Das Landgericht Hamburg hatte nach einer Abmahnung eine einstweilige Verfügung erlassen, nach der ein Seitenbetreiber einen Link zu einem Bild löschen musste, das jemand anderes ohne Einwilligung des Rechteinhabers verfremdet hatte.
Außerdem musste er die Kosten des Verfahrens tragen, zu denen auch die Abmahnung gehört.

Diese Entscheidung wurde überwiegend so weitergegeben: Das Landgericht Hamburg hat einen Seitenbetreiber verurteilt, weil er einen Link auf eine andere Seite gesetzt hat, die Urheberrechte verletzt. Jetzt muss jeder Seitenbetreiber erst anfragen, ob das nicht der Fall ist, bevor er was verlinkt. Damit ist das Internet tot.

Diese Aufregung ist zum einen verständlich, weil das Internet im Wesentlichen durch die Weitergabe von Links funktioniert. Außerdem befürchten nun natürlich diverse Blog- und Seitenbetreiber, wegen ihrer Links abgemahnt zu werden. Leider, muss man im Nachhinein sagen, war die Berichterstattung dann auch mehr durch solche Ängste getrieben, als durch Fakten.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich von dieser Aufregung habe anstecken lassen. Schande deshalb, weil ich nicht einmal bei einigen Zitaten hellhörig geworden bin und nichts unternommen habe, mir den Beschluss selber anzusehen. Ganz so hochdramatisch ist die Sache nämlich nicht, wie dieser Artikel von Dr. Carsten Ulbricht zeigt.

Erst mal ist eine einstweilige Verfügung kein Urteil. Grundsätzlich wird bei der einstweiligen Verfügung nur geguckt, wem es eher zuzumuten ist, zurückzustecken, bis eine endgültige Regelung getroffen wird. Diese endgültige Regelung kann ein Urteil sein, aber auch ein Vergleich. Im vorliegenden Fall ist das Verfahren nur deshalb zu Ende, weil derjenige, der den Link gesetzt hat, kein weiteres Verfahren will. Er hat gesagt, er werde den Link löschen und damit hat sich’s.
Damit hat die Entscheidung des Landgerichts aber keine weiterreichenden Folgen. Man kann höchstens aus den Entscheidungsgründen ablesen, wie das LG in künftigen Fällen entscheiden könnte.

Wie aus dem Artikel (und dem verlinkten Beschluss) ersichtlich, war ein ganz wesentlicher Grund für das Zustandekommen der einstweiligen Verfügung, dass der Linksetzer nicht nur keinen Anwalt hatte, sondern sich durch das, was er gesagt hat, auch noch in eine denkbar ungünstige Position manövriert hat.

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Screenshot von Seite 10 der Verfügung. Quelle: Rechtsanwälte Spirit Legal LLP 

Mit anderen Worten: Der Typ hat zugegeben, sich bewusst nicht über die Herkunft des Bildes informiert zu haben, als er den Link gesetzt hat.

Hätte er das getan (auch das geht aus der sehr umfangreichen Begründung der einstweiligen Verfügung hervor), wäre ihm der Urheberrechtsverstoß vermutlich sehr schnell aufgefallen. Anders, als es bei manchen Darstellungen in den Medien geheißen hat, war nämlich auf der Ursprungsseite mitnichten ein Bild der Wikimedia Commons verlinkt und lediglich die Quellenangabe fehlerhaft. So wie sich die Begründung liest, ging der Link, auf eine Fotomontage, die u. a. ein auf Wikimedia Commons verlinktes Foto verwendet. Bei solchen Fotomontagen darf man schon mal misstrauisch werden. Und wenn Anlass zum Misstrauen besteht, sollte man sich darum kümmern, es zu beseitigen.
Oder um eine von mir selbst gebrauchte Analogie zu benutzen: Wenn ich ein Fahrrad von einem Junkie kaufe, kann ich auch nicht einfach davon ausgehen, dass der schon irgendwie ein Recht zum Verkauf haben wird, sondern bin mit dran, wenn sich herausstellt, dass das Ding gestohlen war.

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Was also tun als Blog- und Seitenbetreiber?

Erst mal muss man zwischen eines gewerblichen und nicht gewerblichen Betreibern unterscheiden. Die Entscheidung betrifft nämlich nur diejenigen, die über ihr Blog/ihre Seite irgendwie Geld verdienen. Alle anderen sind schon mal raus, weil ihnen der EuGH netterweise generelle Ahnungslosigkeit in Urheberrechtsangelegenheiten unterstellt.
Ab wann etwas noch gewerblich ist, ist allerdings schwierig abzugrenzen. Im vorliegenden Fall war mit der Seite ein Shop verbunden, über den der Abgemahnte die von ihm verfassten Bücher verkauft hat. Damit ist die Entscheidung gerade auch für Selfpublisher wichtig und es wäre zu klären, ob schon Werbung für die eigenen Bücher ein Blog/eine Seite gewerblich macht, auch wenn der Gewinn ganz woanders generiert wird.
Sicherheitshalber sollte man drei Dinge beachten:

  1. Bei den direkt eingebundenen Bildern eine Quelle benennen.
  2. Eine Erklärung ins Impressum stellen, dass man ausschließlich Bilder verwendet, für die man die Nutzungsrechte besitzt und nur Seiten verlinkt, die erklären die Urheberrechte einzuhalten.
  3. Nur Blogs-/Seiten (neu) verlinken, die die Quellen ihrer Bilder benennen und eine entsprechende Erklärung im Impressum haben. (Bei den Blogs, die ich bisher verlinkt habe, bin ich bisher immer davon ausgegangen, dass sie sich ans Urheberrecht halten).

Wenn man dann auch noch bittet, auf mögliche Verstöße hingewiesen zu werden, entfällt m. E. der Vorwurf, man habe wissen müssen, dass ein verlinktes Bild Urheberrechte verletzt.

Das ist natürlich trotz alledem viel Arbeit, vor allem, wenn man bei der Benennung der Bildquellen bisher geschludert hat (wie ich). Ich kann auch nicht dafür garantieren, dass das vor Abmahnungen schützt oder ein Gericht dieses Vorgehen für ausreichend erachtet.
Aber wenn ich mir die Entscheidung des LG Hamburg durchlese, komme ich zu dem Schluss, dass weder das LG noch der EuGH Unmögliches verlangen, sondern nur, was auch zumutbar ist.
So gesehen sollte sich die Arbeit lohnen.