Ich sehe schwarz

Nach den Vorgaben des IndieBuchtober, der Challenge rund um Bücher aus kleinen, unabhängigen Verlagen und von Selfpublisher:innen, steht heute ein schwarzes Cover auf dem Plan.

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt ein Indie-Buch mit schwarzem Cover besitze. Klar hätte ich mich mit einem Foto vom Tolino aus der Affäre mogeln können, weil das Display nur Graustufen wiedergibt. Aber erstens ist grau nicht schwarz und zweitens wäre es geschummelt.

Schließlich habe ich aber doch noch eins gefunden. Diese Ausgabe von Zu einem Preis gehört zu einer ganzen Reihe. James Tiptree Jr. war ein sehr bekannter Name in der Science-Fiction – bis bekannt wurde, dass es sich dabei um das Pseudonym einer Frau* handelte. Danach wurden ihre Geschichten immer weniger aufgelegt und gerieten weitgehend in Vergessenheit, bis sich der Septime Verlag 2012 ihrer annahm und eine komplette Werkausgabe herausbrachte.

Science-Fiction und Grusel gehen nicht gut zusammen – könnte man denken. Schließlich ist Science-Fiction fast schon per Definition das rational aufgeklärte Gegenstück zu allem Übernatürlichen, Paranormalen und Mysteriösen. Aber dann lies Die Screwfly Solution und sag mir, dass es dich beim letzten Satz nicht gruselt.

Ich glaube, ich habe einen Grundstücksmakler gesehen.

James Tipptree Jr. (Alice B. Sheldon)

Ihr richtiger Name lautet Alice B. Sheldon. Sie war promovierte Psychologin, Malerin, Kunstkritikerin, Offizierin in der US-Army, arbeitete für die CIA und betrieb eine Hühnerfarm. Ihre ersten Erzählungen veröffentlichte sie mit 51 Jahren und, wie sie selbst schreibt, eher aus einer Laune heraus. Alice B. Sheldon lebte von 1915 bis 1987.


Alle Aufgaben der Challenge auf einen Blick:

01.10.Was lesen im Oktober?16.10.Buch mit Werwölfen
02.10.Kerze und Buch17.10.Kürbis
03.10.Supernatural18.10.Herbstkrimi oder -Thriller
04.10.Buch mit Hexen19.10.Buch mit Zombies
05.10.Ach, was gruselt mir!20.10.das allergruseligste Buch
06.10.schwarze(s) Cover21.10.herbstliche/schaurige Lyrik
07.10.blutiges Buch(cover)22.10.liebste*r Horrorautor*in
08.10.gruseliges Buch23.10.Buch mit Geistern
09.10.Buch mit Vampiren24.10.Buch und Laub
10.10.düsterer Buchtitel25.10.gruseliges Buchcover
11.10.herbstliches Cover26.10.Buch und Schal
12.10.Buch und Heißgetränk27.10.schwarz und orage
13.10.Seite/Kapitel 13 Satz 1328.10.Buch mit Monstern
14.10.schaurige Kurzgeschichten29.10.Buchtipps für Halloween
15.10.Herbstbuch30.10.liebster Halloweenfilm
31.10.Lieblingsbuch im Oktober
Mehr über den IndieBuchtober findest du auf der Webseite von Indie-Buecher.com.

(Die Titel der kommenden Beiträge können anders lauten)

Was ich mir von Tolino wünsche

Vor zwei Jahren noch, habe ich zu den Leuten gehört, die auf „echte Bücher“ geschworen haben. Print also. Weil sie so schön in der Hand liegen. Weil man Zettel reinstecken kann. Weil man sie im Regal vor Augen hat. Weil sie einfach hach sind.
Dann bekam ich einen Tolino und seitdem möchte ich eBooks nicht mehr missen. Weil sie keinen Platz im Koffer wegnehmen. Weil sie nichts wiegen. Weil sie nicht zerknittern. Weil sie bei jeder Beleuchtung lesbar sind. Weil man mit „suchen“ schnell und gezielt bestimmte Passagen findet. Kurz gesagt: Der Reader hat mein Verhältnis zum gedruckten Buch verändert.

Trotzdem gibt es da einige Dinge, die mich nerven. Gerade bei Tolino.

Es ist jetzt 10 Jahre her, dass Amazon den ersten Kindle auf den Markt gebracht hat. Trotzdem sind – so mein Eindruck – die einzigen, die eBooks für eine großartige Entwicklung halten, Selfpublisher, Plattformen wie neobooks und natürlich Amazon.
Die Selfpublisher, weil sie ihre Bücher dadurch schnell, kostengünstig und an den Verlagen vorbei auf den Markt bringen können. Neobooks, weil sie an den Selfpublishern verdienen und Amazon, weil sie an den Selfpublishern nicht nur verdienen, sondern die Selfpublisher und ihre eBooks außerdem das Kanonenfutter im Kampf gegen die Verlage sind.*

Aber obwohl diese Haltung nun seit einer ganzen Weile bekannt ist, fällt Verlagen und Buchhandel wenig mehr ein, als Plakete und Buy-local-Kampagnen. Immerhin hat man 2013, mit dem Tolino einen eigenen Reader auf den Markt gebracht, um Amazon wenigstens etwas entgegenzusetzen. Also rund 13 Jahre nach dem Kindle. Damit kann man die meisten eBooks jetzt auch total lokal beim örtlichen Buchhändler kaufen. Trotzdem bleibt das eBook für Verlage und Handel noch so etwas, wie der ungeliebte Bastard; das etwas anrüchige Produkt eines Fehltritts, der sich zum Leidwesen aller nicht totschweigen lässt. Die mangelnde Begeisterung schlägt sich leider auch bei der Funktionalität des Tolino nieder.

Noch mal als Erinnerung: Ich finde den Tolino toll. Er ist technisch super, dabei aber deutlich leichter als der Kindle und sehr angenehm in der Bedienung.

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Bildquelle: Myriams-Fotos via pixabay

Was mich nervt, ist die lieblose Art, in der dort Bücher präsentiert werden.
Der Startbildschirm begrüßt mich zwar mit Namen, hat aber nichts mit meinen Lesevorlieben zu tun. Statt dessen werden dort Bestseller gelistet, quer über alle Genres verteilt. Die Chance, nichts zu finden, ist da schon sehr groß.
Aber auch, wenn ich mich ins Menü klicke in die Kategorie Fantasy und Science Fiction gucke, stehen Bestseller wieder als erste Auswahlmöglichkeit ganz oben. Es folgen Neuheiten, Top-Vorbesteller und Top-Autoren und dann, fast verschämt am Ende: Fantasy, Science Fiction, Vampirromane. Bei Krimis (bzw. Krimis, Thriller, Horror, wie die Kategorie vollständig heißt) sieht es nicht viel anders aus. Nur tauchen dort „Gratis Krimis“ in den oberen Rängen auf und Anthologien sind offenbar eine eigene Gattung. Ansonsten gibt es die Subgenres Historischer Krimi, Horror und Kulinarische Krimis.
Mehr Subgenre gibt es nicht.  Ein bisschen dürftig, wenn ich gerade nach einer Steampunk Autorin suche, deren Name mir nur leider entfallen ist. Das liegt auch nicht an dem Shop, an dem mein Tolino hängt, sondern ist bei allen Online-Buchhandlungen gleich schlecht : Die Aufteilung ist unübersichtlich, fantasielos und offenkundig mehr am Umsatz als am Interesse des konkreten Kunden orientiert. Amazon ist da durchaus keine Ausnahme.

Allerdings macht Amazon ein paar Dinge besser. Zum Beispiel, indem es mich zum „Stöbern“ einlädt und mir dabei Bücher vorstellt, die denen ähneln, die ich mir angesehen, gekauft oder auf meinen Wunschzettel geschrieben habe. Dadurch stoße ich tatsächlich immer wieder auf Bücher, die mich interessieren.
Von den Tolino-Buchhandlungen bietet nur Thalia persönliche Empfehlungen. Alle anderen bieten allen Kunden den gleichen Einheitsbrei. Im Zeitalter von Digitalisierung und Big Data wirkt das nicht nur rückständig sondern beinahe snobistisch. Als sei es das Problem des Kunden, ob er etwas findet. Das Problem eines Kunden, dessen Geld man zwar nimmt, wenn er es denn unbedingt ausgeben will, auf das man aber nicht angewiesen ist.

Vielleicht ist dieser Eindruck ja gar nicht so falsch. Vielleicht verfolgt die mangelnde Struktur des Angebots und das Fehlen von Kundenorientierung ja ein Ziel. Vielleicht glaubt man tatsächlich, Kunden würden, wenn sie nicht finden, was sie suchen, in die Filiale gehen, um dort zu kaufen. Dafür sprächen die unübersehbaren (weil viel Platz einnehmenden) Hinweise auf die Filialen auf manchen Seiten.
Allerdings ist der Wunsch naiv. Wer online einkauft, tut das in der Regel, weil der Einkauf im Internet bequemer ist. Deshalb geht er auch nicht in die Filiale, wenn ihn das Angebot im Online-Shop nicht interessiert, sondern zur Konkurrenz. Also im Zweifel zu Amazon.

Dass ich 2018 so etwas in einem Blogartikel schreiben muss, weil ich das Gefühl habe, dass manche Unternehmen da draußen immer noch nach Zielen ausgerichtet werden, die schon in den 1990ern überholt waren, lässt mich schaudern.
Man hatte 20 Jahre Zeit, die Konkurrenz zu beobachten und von ihren Erfolgen und Fehlern zu lernen. Was dabei herausgekommen ist, ist ein schlecht gemachter Abklatsch. Ja, es gibt einen gemeinsamen Reader, ein gemeinsames Format. Aber da hört die Gemeinsamkeit schon auf. Die Mitglieder der Tolino-Allianz haben es nicht mal geschafft, ihre Verkäufe nicht etwa über ein gemeinsames Portal abwickeln.
Das heißt aber auch: Es gibt keine Plattform, auf dem man Bücherbewertungen teilt. Oder Autorenportraits.
Dabei hat das ganz praktische Auswirkungen: So hat z. B. der Roman „Das Lavendelzimmer“ bei Thalia 78 Bewertungen, bei der Meyerschen nur 5 und bei Osiander gar keine. Je nachdem, wo ich mich gerade befinde, wird mir als Kunde das Buch daher mehr oder weniger attraktiv erscheinen – aber in jedem Fall unattraktiver als bei Amazon, wo es auf über 300 Rezensionen kommt, weil Amazon die Bewertung für alle Formate einbezieht, während die o. g. Buchhandlungen z. T. nicht einmal das hinbekommen.

Wohin geht ein Kunde also wohl? Dorthin, wo er sich nur mühsam zurecht findet und wo ihm Informationen allenfalls häppchenweise präsentiert werden? Oder da hin, wo er zum Stöbern eingeladen wird und wo er das Gefühl hat, man kümmert sich um seine Interessen?

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Symbolbild: Was will der Kunde? Bildquelle: Pixabay

Ok, das war eine rhetorische Frage.

Außerdem hatte ich den Artikel anders überschrieben. Das oben ist eigentlich nur die Vorrede, damit die Unternehmen der Tolino-Allianz erkennen, vielleicht erkennen, wie ihr System auf Kunden wirkt (ich habe manchmal das Gefühl, Kunden kommen in dem Kosmos nicht vor).

Was ich mir also als Kunde wünsche:

  1. Ernst genommen zu werden. Das bedeutet nicht nur, mit Namen angesprochen zu werden, sondern vor allem, dass die Daten, die ich dort lasse (und erzählt mir nicht, dass sie nicht gespeichert und verarbeitet werden) auch dafür genutzt werden, mir den Aufenthalt auf der Seite so angenehm wie möglich zu machen.
    Das bedeutet

    • mich nicht mit Einheitskontent zu überschwemmen, sondern mir maßgeschneiderte Angebote zu machen, die sowohl auf meinem Kauf-, Lese- und Stöberverhalten als auch auf den Metadaten der Bücher beruht. Dafür ist nicht mal ein Abgleich mit dem Kauf- und/oder Leseverhalten anderer erforderlich.
    • die Seitengestaltung übersichtlich und die Navigation einfach, wie möglich.
    • Bücher mindestens nach Genres und Subgenres zu sortieren.
    • Eine Stichwortsuche zuzulassen.
  2. Eine gemeinsame Plattform über die ich eBooks herunterladen kann und auf der ich alle Informationen zu Buch und Autor bekomme. Als ich den Reader gekauft habe, war zwar ein Online-Händler vorinstalliert, aber ich kaufe da ohnehin nur selten, weil das Angebot dort besonders unübersichtlich ist. Eine solche Plattform hätte für mich als Kundin den Vorteil, dass ich mich schnell und umfassend über Buch, Bewertungen und Autor informieren könnte. Sie hätte außerdem den Vorteil, dass sie von Buchbloggern als Affiliate-Link eingebunden werden könnte und damit den Umsatz der Teilnehmer insgesamt erhöhen würde (kein Buchblogger bindet für das gleiche Buch Links von 5 verschiedenen Buchshops ein, der übliche Link geht zum großen A). Trotzdem ist es technisch problemlos umsetzbar, vorrangig über den Shop einzukaufen, der auf dem Reader vorinstalliert ist.
  3. Dass eBooks endlich als „normale Bücher“ gesehen und mit entsprechender Wertschätzung behandelt und verkauft werden. An einem Buch zählt nicht in erster Linie der Duft oder die Haptik. Wenn das so wäre, zöge ich einen Handschmeichler aus Zitronen- oder Zedernhölz allemal vor. Bei Büchern zählt der Inhalt. Und der ist der Gleiche, ob sie nun rascheln oder nicht.

 


  • Von Jeff Bezos wird der Spruch kolportiert “that Amazon should approach these small publishers the way a cheetah would pursue a sickly gazelle.”

#Autorinnenzeit: phantastische Frauen (2) – Anne McCaffrey

Heute möchte ich die Mini-Serie über die Autorinnen, die mein eigenes Schreiben beeinflusst haben, mit einer weiteren Großen fortsetzen: Anne McCaffrey.

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Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0, Link

Nachdem mich die Nebel von Avalon für die Phantastik angefixt hatte, war es ganz natürlich, nach ähnlichen Büchern zu gucken. Vor allem nach Büchern, in deren Mittelpunkt aktive Frauen standen. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erzählt, wie ungewöhnlich das damals war. Aber es fühlte sich gut an. Es war aufregend, Frauen zur Abwechslung nicht nur passiv und vor allem als Beute, naive Jungfrau oder laszive Verführerin präsentiert zu bekommen. Es eröffnete ganz neue Rollenmuster; eine Entwicklung, die übrigens parallel auch im realen Leben stattfand.

Ich habe die Diskussionen am Abendbrottisch noch gut in Erinnerung: Meinen Vater, der brüllte, seine Frau habe es nicht nötig arbeiten. Meine Mutter, die dagegenhielt, die Zeiten hätten sich geändert. Er könne es ihr nicht mehr verbieten.
Nicht mehr, wohlgemerkt. Es war keine fünf Jahre her, dass verheiratete Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Arbeitsvertrag abschließen durften und die Ehemänner nicht mehr berechtigt waren, ein Arbeitsverhältnis „ihrer“ Frauen eigenmächtig zu kündigen. Mein Vater war Jurist. Er muss es gewusst haben. Gefallen hat es ihm überhaupt nicht.
Ich war damals 13 oder 14. Mitten in der Pubertät. Meine heile Kinderwelt zerbrach und ich sehnte mich nach Abenteuern und Auswegen.

Natürlich habe ich deutlich mehr gelesen, als nur Fantasy. Ich habe so ziemlich alles gelesen, was mir in die Hände fiel. Von Hanni und Nanni bis Angst vorm Fliegen. Aber eben auch Fantasy. Und hier war Anne McCaffrey die nächste Autorin, die ich für mich entdeckte.
Gut, Anne McCaffrey wird eigentlich nicht zu den Fantasy, sondern zu den Science-Fiction-Autorinnen gezählt, aber da beides zur Phantastik gehört, ist auch sie eindeutig eine der phantastischen Autorinnen. Als ich ihren Zyklus über die Drachenreiter von Pern entdeckte, fiel der für mich allerdings eindeutig unter Fantasy. Gut, es spielt auf einem entfernten Planeten. Aber ferne Planeten sind erst mal auch nur alternative Welten, wie Mittelererde oder Narnia. Für mich besteht der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Genres eher darin, welchen Stellenwert Technik und technische Entwicklungen innerhalb der Geschichte haben. Pern, die Welt der Drachenreiter, ist Low Tech; die Gesellschaftsstrukturen sind mittelalterlich. Vor allem aber: Es gibt Drachen!*

Zugegeben, auf die Geschichten um die Drachen bin ich erst später gestoßen, denn mein erster Kontakt zu dem Zyklus war Menolly, die musikalisch hochbegabte Tochter eines Seebarons. Leider sieht ihre Umgebung diese Begabung als vollkommen nutzlos an. Frauen ist das Musizieren zwar nicht direkt verboten, aber eine Ausbildung als Harfnerin …
Menollys Eltern tun alles, um sie vom „nutzlosen Klimpern“ abzuhalten und ihre Ambitionen zu durchkreuzen. Wirklich alles. Bis Menolly es nicht mehr aushält und wegläuft.
Hier eröffnen sich gleich mehrere wunderbare Möglichkeiten, die Geschichte zu versieben. Aber weder mutiert Menolly in der Wildnis zu einer weisen Kräuterfrau oder Kriegerin, die sich alleine durchschlägt, noch kommt es zu einer tränenreichen Wiedervereinigung mit den Eltern, die nun ihr Fehlverhalten einsehen. Erst recht taucht kein bad-ass-Guy auf, in den Menolly sich verliebt um fürderhin ganz für diese Liebe zu leben. Menolly versucht einfach nur durchzukommen. Sie bekommt Hilfe (oft von unerwarteter Seite) und muss Widerstände überwinden, wie sich das für eine anständige Heldin gehört. Kurzum: Menolly bleibt ein normales Mädchen mit einer außerordentlichen Begabung, und das macht letztlich auch ihre Geschichte außergewöhnlich.

Ich habe danach so ziemlich alles aus dem Drachenreiter-Zyklus gelesen und das Meiste fand ich gut. Besonders gefiel mir, dass man jedes Buch einzeln lesen kann, weil jedes eine in sich abgeschlossene Geschichte enthält.  Im Zentrum stehen immer wieder andere Figuren, mal Männer, mal Frauen. Manche tauchen nur in einem Band auf, manche haben über mehrere Bände hinweg tragende Rollen. Die einzelnen Geschichten sind zwar, wie moderne Fernsehserien, durch eine Rahmenhandlung verbunden. Diese wird aber nicht chronologisch enthüllt, so dass man die Bücher auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss.
Über den Stil kann ich nicht mehr viel sagen, außer dass er – zumindest in meiner Erinnerung – weniger Pathos enthielt, als die Bücher von Zimmer Bradley. Sex kam ebenfalls vor, aber seltener. Insgesamt habe ich mich von den Drachenreitern immer gut unterhalten gefühlt (sonst hätte ich auch kaum so viel davon gelesen). Außerdem gefiel mir, dass McCaffrey immer wieder Themen wie Gerechtigkeit, Vorurteile, Gleichberechtigung etc. aufgriff, so dass den Romanen trotz der ständisch-mittelalterlichen Gesellschaft, in der sie spielen, nichts restauratorisches anhaftet. Sie behandelte diese Themen aber immer subtil, im Rahmen der Geschichte und ohne erhobenen Zeigefinger. Das machte sie sehr angenehm und zugleich anregend zu lesen.


*Puristen mögen jetzt einwenden, dass die Drachen nicht auf natürlichem Weg, sondern durch gentechnische Veränderung einer Echsenart entstanden sind. Aber diese Zusammenhänge werden erst nach und nach aufgedeckt – und vor allem viel zu spät, um den Ersteindruck zu ändern.

#Autorinnenzeit: Welche Autorin würdest du gerne treffen oder hast du bereits getroffen?

Abgesehen von meiner Familie besteht mein privates Umfeld fast ausschließlich aus Menschen, die entweder Living-History betreiben oder schreiben. Interessanterweise bestehen zwischen den beiden Gruppen kaum Überschneidungen, wenn man von Sachbuchautorinnen, wie Dana Russow (Mara von Tusen) oder Katrin Kania mal absieht.
Trotzdem kenne ich eine Menge Autorinnen, die Meisten davon über die sozialen Medien, einige auch über die BartBroAutors, bei denen ich für einige Zeit Mitglied war und ein paar auch von anderen Schreibprojekten und -seminaren.

Autorinnen, die ich schon mal getroffen habe

Wenn ich hier jede aufführen würde, die ich schon mal auf einer Messe oder einem Seminar getroffen hätte, würde das eine ziemlich lange Liste werden, die nicht nur langweilig zu lesen wäre, sondern auch nach Name-Dropping klänge. Deshalb beschränke ich mich lieber auf drei, mit denen ich intensiveren Kontakt habe oder hatte und zu denen ich auch ein bisschen sagen kann.

Als Erste möchte ich Ute Weber nennen, weil sie auch die Erste war, mit der ich persönlichen Kontakt hatte. Ute und ich haben uns über das Online-Schreibseminar kennengelernt, mit dem der Autorenhausverlag das Buch „Ein Roman in einem Jahr“ promotet hat. Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass wir nicht nur etwa gleich alt sind und eine ähnliche Biographie haben (wobei sie im Gegensatz zu mir sogar promoviert hat), sondern uns auch Lesevorlieben, Weltsicht und Humor verbinden. Ihrer ist allerdings noch mal eine ganze Ecke pointierter als meiner, wie sehr schnell klar wird, wenn man ihr auf Twitter folgt. Sie schreibt Gegenwartsliteratur. Unfassbar gut, sehr assoziativ und bildhaft und gleichzeitig unglaublich dicht. Jedes Mal, wenn ich etwas von ihr lese, denke ich: „Scheiße, ist das geil! Warum kann ich das nicht?“
Deshalb finde ich es auch schade, dass aus ihrem damals begonnenen Romanprojekt nichts wurde, sondern bisher „nur“ eine Sammlung ihrer Bonmots erschienen ist (Unfug. Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern, DRM-freies E-Book, erschienen bei Frohmann 2012, ISBN ePub: 9783944195001, Kindle Edition: ASIN B00993J80M, EUR 3,99).
Leider ist der Kontakt zwischen uns ziemlich eingeschlafen. Vielleicht schaffe ich es ja, diesen Post zum Anlass zu nehmen, daran etwas zu ändern.
Mehr über Ute gibt es auf ihren Autorenseiten auf Facebook und Tumblr.

Die Zweite ist Nika Sachs, auch bekannt als Bordsteinprosa, die auch diejenige ist, mit der ich mich aktuell am häufigsten treffe. Nika schreibt nach eigenem Bekunden literarische Erotik, wobei ich dazu eher Gegenwartsliteratur sagen würde, weil ihre Themen weit über die erotischen Elemente hinausgehen. Für mich sind ihre Geschichten weitaus mehr durch die Tiefe des Gefühlslebens ihrer Protagonisten geprägt. Nikas Sprache ist hintergründig und bildhaft.
Nika veröffentlicht als Selfpublisherin. Bisher ist von ihr eine Novelle erschienen: Namenlos, die sowohl als Hardcover als auch als eBook erhältlich ist. Weitere Bücher sind in Arbeit. Das nächste, ein Tagebuchroman soll im Herst herauskommen.
Mehr über Nika Sachs gibt es auf ihrem Blog.

Als dritte möchte ich unbedingt noch Michaela Stadelmann alias Textflash vorstellen, auch wenn ich sie nur sehr kurz (viel zu kurz für meinen Geschmack) auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. Wir kennen einander aber schon länger, folgen uns mit unseren Blogs und auf Twitter gegenseitig und stehen auch sonst in ständigem Kontakt.
Michaela war selbst schon Verlegerin. Sie hat unter dem Pseudonym Alicia Mirowna Balettromane herausgebracht und schreibt als Mikhaela Sandberg Schwedenkrimis. Ihr Erstling, „Schweig Still„, ist 2016 bei Ullstein Midnight erschienen, ein weiterer soll demnächst folgen. Als sei das nicht genug, arbeitet sie außerdem als freie Lektorin. Die Buschtrommel sagt, sie sei sehr gut.
Zu Michaelas Balettromanen kann ich wenig sagen, aber „Schweig still“ habe ich gerne gelesen. Gute Unterhaltung mit dem nötigen Schuss Suspense, aber ohne die unmotivierte Brutalität, die viele Skandinavienkrimis auszeichnen.
Michaela ist unglaublich hilfsbereit und ein Quell des Wissens. Ich hoffe stark, dass wir irgendwann mal Zeit für ein längeres Treffen finden.
Mehr über ihre verschiedenen Facetten gibt es auf Michaelas Blog.

Der Vollständigkeit halber, sollte ich vielleicht auch noch Margaux Navara anführen, mit der ich mich lange auf der Leipziger Buchmesse unterhalten habe und die mir viel über Selfpublishing verraten hat. Aber leider kann ich kaum mehr über sie sagen, als dass sie BDSM-Erotik schreibt.

Autorinnen, die ich gerne treffen würde

Das wird nun leider doch eine Liste. Die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich und garantiert habe ich jemanden vergessen:

  • Carola vom Schreibkasten, deren Blog ich schon seit langem folge. Sie hat zwar noch nichts veröffentlicht, aber ich weiß, dass sie an etwas dran ist.
  • Elenor Avelle, die ich über die Rechargers kenne und die uns mit tollen Ideen und Zeichnungen versorgt. Ihr erstes Buch soll demnächst erscheinen.
  • Eva-Maria Obermann, die sich die Pfingstaktion der Rechargers ausgedacht hat. Ihren Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ muss ich irgendwann auch noch mal lesen.
  • Sarah und Rahel von Clue Writing, die nicht nur Kurzgeschichten schreiben und podcasten, sondern auch Wettbewerbe ausrichten, um mit ihnen Strategien und Taktiken zur Erringung der Weltherrschaft durchzugehen.
  • Nora Bendzko, um mit ihr über Phantastik zu diskutieren und mal die Musik zu hören, die sie macht.
  • Evanesca Feuerblut, um mehr über ihre Vampirfamilien zu erfahren. Nach den wenigen Brocken, die sie erzählt, sind die nämlich sehr außergewöhnlich.

Was leider nicht geht

Wen ich außerdem unglaublich gerne kennengelernt hätte, ist James Tiptree jr. alias Alice B. Sheldon, die nicht nur unglaublich modern anmutende und zum Teil außerordentlich beklemmende Science-Fiction geschrieben hat. Im Anhang zu „Zu einem Preis“ ist ein Brief von ihr abgedruckt, aus dem man einen Eindruck ihrer Persönlichkeit gewinnt. Die Zeilen sprühen selbst in der Übersetzung vor Wortwitz, Klugheit, Neugier und Lebenslust. Mit dieser Frau hätte ich mir gern eine Flasche Whisky am Lagerfeuer geteilt. Oder auch was anderes. Aber wir hätten garantiert Spaß gehabt.

Klischee, Erzähltradition und Rassismus in Fantasy und Science Fiction

Carola hatte  im Schreibkasten einen Artikel mit der Überschrift „Rassismus: Minderheiten sind … anders“ veröffentlicht, der sich mit der Darstellung des Fremden bzw. Andersartigen beschäftigt. Ihre Beobachtung ist, dass in Filmen und Serien vermehrt die Außenseiterrollen (vor allem Aliens) mit Dunkelhäutigen und/oder Frauen besetzt werden. Die Norm ist aber menschlich, männlich, weiß. Außerdem sagt sie, dass sich nicht-menschliche Völker oft durch ein hohes Maß an Homogenität auszeichnen. Als Beispiel nennt sie Galadriels Gefolge im Herrn der Ringe: allesamt blond.

Das ist natürlich richtig. Anders, als z. B. die Elben in Bruchtal oder die im Gefolge des Waldkönigs im Hobbit sind Galadriel und Celeborns Leute durchweg hellhaarig. Das ergibt erzähltechnisch auch durchaus Sinn: Hier handelt es sich um den letzten Stamm der Calaquendi, jener Lichtelben, die das Licht der zwei Bäume in Valinor noch mit eigenen Augen gesehen haben. Tolkien selber hat sie als besonders „fair“ beschrieben – selbst nach elbischen Maßstäben.
Nun ist „fair“ ein schwieriges Wort. Es kann nicht nur „blond“, sondern auch „hübsch“ bzw. „schön“, „heiter“ und „aufrichtig“ bedeuten (ganz zu schweigen von „Jahrmarkt“ oder „Ausstellung“) genauso aber „mittelmäßig“. Aus dem Kontext kann man aber erschließen, dass Tolkien tatsächlich „hell“ meinte. Blond ist da filmisch schon mal eine gute Umsetzung.

Ist es damit rassistisch? Ich meine, nein.
Für mich ist erst mal nichts dabei, ein Volk vor allem über äußerliche Gemeinsamkeiten darzustellen. Das menschliche Hirn ist darauf aus, alle Beobachtungen zu kategorisieren und da sind äußerliche Gemeinsamkeiten nun mal das, was als erstes auffällt. Außerdem entwickeln sich derartige Gemeinsamkeiten im Laufe des Zusammenlebens. Sei es durch kulturelle Anpassung (Tracht) oder Vererbung. Die Unterschiede im Detail erschließen sich nur dem Eingeweihten, also dem, der dazugehört.
Für einen Europäer mögen Asiaten alle gleich aussehen. Das gilt aber genauso umgekehrt, wie der ich zu meiner Verwunderung erfahren musste. Von einer kurdischen Mandantin bekam ich zu hören, wir Deutschen hätten alle so schöne gelbe Haare. Dabei ist mein Haar eher dunkelbraun. Ok, das ist jetzt zwar gefühlte 100 Jahre her, und inzwischen ist es eher grau-braun gestreift, aber damals war es noch wirklich dunkel. In meinen Augen und den der meisten Deutschen vermutlich auch. In ihren Augen war es genauso gelb, wie bei allen. Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.
Ganz grundsätzlich besteht auch kein Unterschied, ob ein Volk nun als durchgängig blond oder karpfenköpfig dargestellt wird. Nur, dass bei den Karpfenköpfen im Zweifel niemandem auffällt, dass keine Makrele darunter ist.

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Bildquelle: tdfugere via Pixabay

Näher am Rassismus ist man, wenn man einem Volk oder einer Rasse ausschließlich gute und der anderen ausschließlich negative Eigenschaften zuschreibt. Also Orks sind hässlich, dunkelhäutig, bösartig, aggressiv – Elben im Gegensatz dazu schön, hellhäutig, gutherzig und friedlich.

Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass diese Gegenüberstellung von gut und böse eine alte Erzähltradition hat. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir vom „strahlenden Helden“ sprechen, der gegen die „Mächte der Finsternis“ antritt. Selbst in den alten Western ist es so, dass die Schurken Schwarz tragen, während der Lonesome Cowboy in helles Beige gewandet ist. Licht und Dunkel eben. Aus diesem Grund würde ich hier auch nicht von Rassismus sprechen, sondern von Klischee. Als Autorin ist einem natürlich klar, dass auch solche Klischees von Übel und daher zu vermeiden sind. Wenn wir eine Erzähltradition aufnehmen, dann, um sie lustvoll an geeigneter Stelle zu brechen. Also präsentieren wir wunderschöne Elben und starke Krieger im Kampf gegen schurkische Orks – und lassen die im Dutzend über die Klinge springen, während der eigentliche Sieg von kleinen, pelzfüßigen Wesen herbeigeführt wird, deren größte kulturelle Errungenschaft der Tabakanbau ist. Hatten wir schon? Ok, denken wir uns also etwas Neues aus!
Eine Möglichkeit, diese Klischees aufzubrechen, wäre z. B. mehr Mischlinge in die eigenen Geschichten einzubauen. Elb und Mensch ist bereits ein gängiger Topos, aber warum nicht mehr in diese Richtung? Gut, Elb und Zwerg finde ich das zwar schon wegen des Größenunterschiedes, der verschiedenen Lebensgewohnheiten und Habitate schwierig – aber warum nicht Hobbit und Zwerg? Beide mögen Höhlen und gutes Essen. Und es gibt wenige Zwergenfrauen …
Erst recht sind Völker keine starren Einheiten. Man sollte sie also auch nicht als solche behandeln.

Das Problem mit dem Rassismus ist m. E. aber ein anderes. Genauer gesagt: Es gibt zwei Bereiche, in denen sich Rassismus manifestieren kann: Einmal in der Geschichte selber und dann in der filmischen Umsetzung. Beide muss man m. E. auseinander halten.
Rassistisch sind Geschichten, die eine Minderwertigkeit bestimmter Völker oder Rassen postulieren und alleine mit dieser Minderwertigkeit die Unterdrückung oder sogar Vernichtung dieser Kreaturen rechtfertigen. Als Beispiel fallen mir aktuell vor allem Vampirgeschichten ein, bei denen die Vampire als in allen Bereichen überlegen geschildert werden und in denen diese Überlegenheit sich u. a. darin äußert, dass sie sich (menschliche) Blutsklaven halten (die diese Überlegenheit „natürlich“ anerkennen und gar nicht auf die Idee kommen, sich aufzulehnen).
Das andere ist die filmische Umsetzung; genauer gesagt: die Vergabe der Rollen. Da stimme ich Carolas Beobachtungen voll und ganz zu: Die Hauptrollen werden mit weißen Männern besetzt. Für die Darstellung der „Anderen“ (d. h. die Sidekicks der Helden, die Aliens etc.) dürfen es dann auch Farbige (oder Frauen) sein. Man will sich ja nicht dem Vorwurf aussetzen, Minderheiten zu benachteiligen. (Als ob Frauen eine Minderheit wären.)

Abgesehen von den bereits genannten Vampirgeschichten fällt es mir aber schwer, Beispiele für rassistische Fantasy- oder Science-Fiction-Romane zu finden. Vielleicht habe ich einfach die falschen gelesen, aber das Meiste, was mir untergekommen ist, hatte entweder einen emanzipatorischen Ansatz, d. h. es ging um Auflehnung gegen eine als ungerecht empfundene Herrschaft oder war eine Variation des ewigen Kampfes gut gegen böse. Das Einzige, was mir nach langem Grübeln eingefallen ist, ist die Foundation-Trilogie, wobei es hier nicht um Rassen oder Völker geht, sondern um eine kleine Elite, die das Schicksal der Menschheit qua überlegenem Wissen lenkt.
Was mir an Fantasy eher aufstößt, ist ihre Hirarchiefixierung und ihr Festhalten an überkommenen Rollenmustern. Aber da.

 

 

VideoTipp: Die Welt des Philip K. Dick

Ich hab so lange nichts mehr geschrieben, deshalb heute wenigstens ein Videotipp: Die Welt des Philip K. Dick, eine Doku über einen der einflussreichsten und produktivsten SciFi-Autoren.

Sehr sehenswert – auch wenn ich die Bemühungen seines Biographen, im prophetische Kräfte anzudichten, auf Dauer nicht mehr amüsant, sondern eher nervig finde.

Fundstück: Die Dunkle Seite der Geeks. via Tor Online

Sexismus in Fantasy und Science Fiction ist ja immer so eine Sache. Angefangen bei den unterschiedlichen (Aus)Rüstungen für Männlein und Weiblein in Rollenspielen bis hin zum Verhalten der Spieler/Leser/Fans, wenn die erwarteten Rollenklischees gebrochen werden.
Zugegeben, ich kann mich mit einer weiblichen Thor auch nicht anfreunden. Thor ist seit über 1.000 Jahren ein Mann. Loki wäre etwas anderes. Loki war auch schon mal eine Stute und hat als solche ein Fohlen geboren. Aber Thor? Das ist in meinen Augen genauso sinnfrei, wie Maria (also die Muttergottes) zum Mann zu deklarieren.
http://www.tor-online.de/feature/und-der-ganze-rest/2016/09/die-dunkle-seite-der-geeks-ueber-rassismus-und-sexismus-in-der-nerd-kultur/

Es wird einmal … Vielleicht.

Nachdem ich mich im letzten Blogeintrag schon gefragt habe, ob ich in Zukunft vielleicht auch SciFi schreiben soll, war es nur konsequent, intensiver darüber nachzudenken, was genau ich denn dann schreiben wollen würde. (Hach, was ein Satz!) Gemeinerweise flüsterte mir beim Schlafengehen eine kleine, gemeine Stimme auch noch den Anfang eines Tagebucheintrags ein:

Ich habe überlebt. Das allein zählt. Ich bin nur ein Sub, aber ICH HABE ÜBERLEBT! Das sage ich mir immer und immer wieder, denn es hilft, das Leben zu ertragen.

Die Erzählung dieses, noch namen-, gesichts- und geschlechtslosen Wesens wurde noch deutlich länger und – wie es beim Einschlafen so ist – auch deutlich wirrer. Andere Stimmen mischten sich ein, erzählten von anderen Orten und anderen Begebenheiten. Teile davon sind mir immer noch gegenwärtig. Der Geschmack einer runzeligen Möhre. Bilder einer zerstörten Stadt. Betonstaub auf der Zunge. Offenbar gibt es da etwas, das erzählt werden will. Also habe ich mich ans Sammeln der bereits vorhandenen Ideensplitter gemacht – und es wurde mehr, als erwartet.

Logisch zusammengefügt ergibt sich das Gerüst einer gar nicht so schönen neuen Welt mit einer Gemengelage aus Dystopien und einem Schuss Solarpunk als Hoffnungsschimmer. Was noch fehlt, ist eine Geschichte. Eine, die das Ganze lebendig werden lässt. Wobei das definitiv keine Kurzgeschichte würde. Eher etwas im Umfang von Dune und das macht mir ein bisschen Angst. Ich bezweifle, dass ich die Kraft und die Zeit habe, das zu stemmen.
Aber vielleicht wäre es auch eine Option, die Facetten dieser Welt in verschiedenen Kurzgeschichten und/oder Romanen zu schildern? Groß und vielgestaltig genug wäre sie, das kann ich jetzt schon sagen, ohne jeden Winkel zu kennen. Außerdem könnten dadurch alle Stimmen zu Wort kommen, die jetzt in wilder Kakophonie durcheinander quaken. Woran ich noch überlege ist, ob es auch zum Lesen reizen würde. Aber die Frage lässt sich wohl erst beantworten, wenn ich die erste(n) Geschichte(n) geschrieben habe.

Und nein, sie werden nicht mit „Es wird einmal“ beginnen.