#CharactersofSeptember (Tag 20) – Seraina und Haustiere

Bei Characters of September kommen fiktive Charaktere zu Wort. Bei mir ist es Seraina, aus Der Fluch des Spielmanns die auf die Fragen der Challenge antwortet. Zum besseren Verständnis ihrer Antworten muss gesagt werden, dass Seraina seit ca. 1200 Jahren tot ist. Ihre Knochen wurden vor einigen Jahren bei Bauarbeiten gefunden. Der Fluch des Spielmanns ist auch eine mögliche Rekonstruktion der Umstände ihres Todes.

Nike: „Hallo Seraina, nach den Fragen zu deiner Familie und Freunden geht es heute um Tiere. Genau gesagt, um Haustiere.“

Seraina: „Haustiere? Was soll das sein?“

Nike: „Tiere, die man sich als Gesellschaft hält. Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten …“

Seraina: „Meine Herrin damals hatte einen Vogel in einem Käfig. Und natürlich hatten sie Hunde, um Haus und Werkstatt zu verteidigen. Aber die waren im Hof angekettet. Ins Haus haben die nie gedurft und das war auch gut so. Ich hatte Angst vor denen.
Nur vor Huldas Hunden hatte ich keine Angst. Aber die waren auch ganz anders. Außerdem habe ich sie ja schon gekannt, als sie noch ganz klein waren.
Katzen habe ich nur ein paar mal im Wald gesehen. Und Ratten?! Warum sollte jemand Ratten haben wollen? Da wo ich groß geworden bin, hielt man Frettchen, um sie loszuwerden! Die anderen Tiere kenne ich nicht.“


Anm.: Tatsächlich kann Seraina keine Meerschweinchen kennen, da diese erst in der Neuzeit aus Süd- und Mittelamerika nach Europa kamen. Kaninchen hingegen waren in Norditalien bereits bekannt, wurden aber in speziellen Gehegen gehalten, so dass sie vermutlich wirklich nie eins gesehen hat.

 

 


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

Advertisements

#CharactersofSeptember (Tag 19) – Was Seraina verabscheut

Im Rahmen der Challenge Characters of September stellen sich fiktive Charaktere selber vor. Bei mir ist es Seraina, eine Spielfrau aus dem frühen Mittelalter, die aus ihrem Leben (und von ihrem Tod) erzählt.

Nike: „Hallo Seraina, nachdem wir gestern darüber gesprochen haben, was dir an deinen Freunden wichtig ist, geht es heute genau um das Gegenteil: Was kannst du bei anderen gar nicht leiden?“

Seraina: „Das ist seltsam. Bei dem was wichtig ist, fiel mir nur eine Sache ein. Aber jetzt – das ist ein ganzer Strauß an Eigenschaften, die ich nicht mag. Heimtücke, Arglist, Neid, Gier, Überheblichkeit …“

Nike: „Wenn du jetzt auch noch ‚Wollust‘ sagst, haben wir fast die sieben Todsünden.“

Seraina: „Was sind ‚Todsünden‘? Und was sollte gegen Wollust sprechen?“

Nike: „Die sieben Todsünden, vor denen die christliche Kirche warnt? Nie davon gehört?“

Seraina: „Wenn es dafür Essen gibt, gehe ich schon mal in eine Kirche. Aber sonst? Was sollte ich da?“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

#CharactersofSeptember (Tag 18) – Was Seraina an Freunden schätzt

Seraina ist einer der Geister aus Der Fluch des Spielmanns. Im Rahmen der Challenge #CharactersofSeptember erzählt sie aus ihrem Leben als Spielfrau im frühen Mittelalter.

Nike: „Unser gestriges Gespräch über deine Freunde ist unerwartet lang geworden. Ich bin gespannt, ob das heute ebenso ist. Heute geht es nämlich darum, was dir bei deinen Freunden wichtig ist.“

Seraina: „Dann wird das heute ein kurzes Gespräch. An meinen Freunden ist mir vor allem der Zusammenhalt wichtig. Alles andere lässt sich ertragen. Gerade wenn man sonst niemanden hat.“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

#CharactersofSeptember (Tag 17) – Serainas Freunde

Bei Characters of September kommen fiktive Charaktere zu Wort. Bei mir stellt sich Seraina, eine Spielfrau und Geist aus Der Fluch des Spielmanns den Fragen der Challenge.

Nike: „Hallo Seraina und danke noch mal, dass du dir so viel Zeit nimmst. Heute wird es aber vermutlich ein kurzes Interview, denn heute geht es um deinen Freundeskreis. Nach dem, was du in den vergangenen Tagen erzählt hast, ist der eher klein, oder?“

Seraina (lacht): „Klein ist eine gelungene Untertreibung. Wenn man Corvin als meinen Freund und nicht als meinen Mann betrachtet, habe ich neben Hulda genau einen Freund.“

Nike: „Das heißt, du würdest ihn immer noch als deinen Freund ansehen? Trotz seines Verrats?“

Seraina: „Was meinst du mit Verrat? Dass er Hulda nachgestiert hat? Welcher Mann hat das nicht?
Dass er nicht mit uns gestorben ist? Warum sollte er! Ich bin froh, dass er überlebt hat!“

Nike: „Trotzdem hast du ihn nach eurem Tod verfolgt.“

Seraina: „Ja. Ich bin nicht stolz darauf. Ich hatte Angst. Ich war wütend und enttäuscht. Also habe ich ihm Angst gemacht. Als ob er nicht selbst genug gehabt hätte. Deshalb würde ich auch nicht von Verrat sprechen. Und letztlich … Ich will nicht sagen, dass alles gut geworden ist. Das nicht. Aber er hat überlebt. Ich hätte mich nur gerne richtig verabschiedet. Ihn noch einmal umarmt und gesagt, wie sehr ich ihn liebe!“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

#CharactersofSeptember (Tag 14) – Serainas Kindheit

Wer hier mitliest, weiß inzwischen vermutlich, dass sich bei #CharactersofSeptember fiktive Charaktere selbst vorstellen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns, die die Fragen beantwortet.

Nike: „Wir hatten ja gestern schon über deine Familie, bzw. deren Fehlen gesprochen. Hattest du denn so etwas, wie eine Bezugsperson?“

Seraina: „Bezugsperson? Du meinst jemanden, der sich kümmert?“

Nike: „Ja. Jemanden, den man auch mal was fragen kann. Der Vorbild ist.“

Seraina: „Meine Schwester vielleicht.“

Nike: „Du hattest Geschwister?“

Seraina: „Fünf sogar. Die Herrin hat das nicht so gerne gesehen, wie du dir vielleicht vorstellen kannst. Lauter Münder, die gefüttert werden müssen. Constantia war die Älteste, sie hat sich um uns gekümmert, bis sie selbst alt genug war, in den Walkbottich zu steigen. Danach war ich selber für die Kleinen verantwortlich.“

Nike: „Wie alt warst du da?“

Seraina: „Ich weiß nicht mehr genau. Sechs, vielleicht auch sieben.“

Nike: „Und eure Mutter?“

Seraina: „Die hat natürlich auch gearbeitet. Bis sie dann zu krank wurde, und kurz darauf ist sie dann ja auch gestorben.“

Nike: „So, wie du über sie redest, klingt das nicht nach einem innigen Verhältnis.“

Seraina: „Ich hab sie schon gemocht, irgendwie. Aber sie war ja nie da, außer nachts und da wollte sie immer nur schlafen. Und als sie dann krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte, habe ich längst selbst in der Werkstatt geschuftet.“

Nike: „Das klingt echt hart. Immerhin hattest du da deine Schwester.“

Seraina: „Constantia? Nein. Sie haben sie verkauft. Ich habe keine Ahnung, was aus ihr geworden ist.“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

[Werkstattbericht] #Autorenleben

Zum heutigen Werkstattbericht musste ich mal keine Gedanken machen. Das hat mir Señor Rolando vom Büchergefahr! Podcast mit seinem Interview abgenommen.
Wer also schon immer wissen wollte, wie das Leben einer zukünftigen Bestsellerautorin aussieht, welche Vorteile ich mir vom Netzwerken verspreche oder einfach mal hören will, wie ich „in echt“ klinge, erfährt das hier:

Büchergefahr! Folge 55: Alltag einer Autorin

Büchergefahr!Interview

Neue Challenge #CharactersofSeptember: Seraina

Für September ist eine Challenge ausgerufen, die ich sehr spannend finde. Es geht darum, einen fiktiven Charakter näher vorzustellen. Spannend ist es, weil die Fragen es durchaus in sich haben.

Ich habe eine Weile mit mir gerungen, welchen Charakter ich vorstellen soll. Spontan ist mir Dejasir no’Sonak aus Steppenbrand eingefallen. Vielleicht, weil ich das Buch gerade als Print herausgebracht habe, vielleicht aber auch, weil er immer noch so etwas, wie mein Lieblingsschurke ist.
Aber über Steppenbrand habe ich schon so viel erzählt und immer der gleiche Charakter ist auch langweilig.
Als nächstes habe ich an Silke gedacht, meine neueste Protagonistin. Sehr badass. Über sie ließe sich auch einiges erzählen. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto weniger gefiel mir die Idee. Silke darf ihre Geheimnisse also noch eine Weile behalten.

Statt dessen also Seraina. Sie ist einer der Geister aus „Der Fluch des Spielmanns“. Damit ist sie formal zwar nur eine der Nebenfiguren – aber sie gibt der Geschichte eine entscheidende Wendung.
Außerdem war ihr (realer) Tod Anlass, dass diese Geschichte überhaupt entstanden ist. Seraina hat es nämlich wirklich gegeben. Ihre Knochen wurden vor einigen Jahren zufällig bei Bauarbeiten entdeckt. „Der Fluch des Spielmanns“ rekonstruiert eine Möglichkeit, wie sie dort hingekommen sind.


entwurf2

Der Fluch des Spielmanns ist für alle gängigen Lesegeräte erhältlich, z. B. bei diesen Anbietern: https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf ein Icon leitet in den jeweiligen Shop weiter)

[Werkstattgeplauder] Starke Frauen

„Schreib doch mal über starke Frauen“ hieß es neulich auf Twitter, als ich darüber klagte, mal wieder bloggen zu müssen, aber kein Thema zu haben. Interessanter Weise kam der Vorschlag von einem Mann. Andererseits ist das vielleicht sogar sehr nachvollziehbar, denn eins ist sicher: Die Forderung nach starken Frauencharakteren ist universell. Im Bereich historischer Roman war es (wenigstens zeitweilig, wie es aktuell aussieht, weiß ich nicht) die Voraussetzung für einen Verlagsvertrag, dass wenigstens eine wichtige Nebenrolle mit einer „starken Frau“ besetzt wird. Noch besser die Hauptfigur, natürlich. Nicht umsonst beginnen so viele Buchtitel mit dem Artikel „die“.

dress-1867273_640
Quelle: Pexels via Pixabay

Was aber ist nun die ominöse „starke Frau“? Wenn ich mir die Frauencharaktere in historischen Romane ansehe, gehen die Meinung der Verlage und meine eigene Auffassung in diesem Punkt sehr weit auseinander.
Guckt man sich die mit „starke Frau“ beworbenen Bücher näher an, ist nach Meinung der Verlage anscheinend essenziell, dass besagte Frau:

  1. unverschuldet in eine Notlage gerät, zu Unrecht verfolgt wird, gegen ihren Willen verheiratet werden soll – aber in jedem Fall sehr unter den gegebenen Verhältnissen leidet,
  2. viele schlimme Dinge durchmachen muss, bis sie
  3. am Ende des Buchs mit ihrem Herzallerliebsten (wieder)vereint ist.

Nach Möglichkeit hat besagte Frau auch noch eine besondere Gabe, die sie aus der Masse hervorhebt (gern genommen sind heilende Hände, seherische oder andere paranormale Fähigkeiten), die ihr aber missgönnt werden, so dass sie bei Nachbarn, Kirche und Obrigkeit gleichermaßen verhasst ist, obwohl sie ihre Kräfte doch nur für das Gute, Schöne und Wahre einsetzt.

woman-2238588_640
Bildquelle: darksouls1 via pixabay

Eigentlich hat dieser Charakter alles, was es braucht, um „stark“ zu sein: eine rebellische Grundhaltung, teilweise sogar ein konkretes Ziel wie „Die Pilgerin“, die das Herz ihres verstorbenen Vaters in Santiago de Compostela beerdigen will, dazu noch spezielle Fähigkeiten … Was will man also mehr?
Das Problem bei all‘ diesen Damen ist, dass sie trotz ihrer rebellischen Grundhaltung, ihrer Ziele und tollen Fähigkeiten nicht aktiv handeln, sondern sich so lange herumschubsen lassen, bis sie jemand kommt, der sie rettet. Jeder Versuch, das aus eigener Kraft zu schaffen, endet unweigerlich damit, dass alles noch schlimmer wird.*
Was einem hier als „starke Frauen“ verkauft wird, ist damit in Wahrheit ein Etikettenschwindel. Tatsächlich gehören diese Charaktere zum Typus der verfolgten Unschuld oder, um den vielleicht bekannteren Begriff zu nehmen, der Damsel in Distress. Dieser Typus zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass gerade die Leidensfähigkeit der „Heldin“ belohnt wird.

girl-2632807_640
Quelle: 5arah via pixabay

Nun kann man einwenden, das Mittelalter, die frühe Neuzeit oder meinetwegen auch das Neolitikum „sei eben so“ gewesen. Männer seien nun mal stärker und mächtiger gewesen und hätten das auch ausgenutzt, während Frauen zu allen Zeiten die armen, der Willkür ausgesetzten, unterdrückten Opfer gewesen seien.
Diese Behauptung hat einen gewissen Wahrheitsgehalt (auch, wenn wir über das Neolithikum nicht genug wissen, um dessen Größe beurteilen zu können). Aber das ist noch lange kein Grund, solche Geschichten mit ebendiesen Charakteren zu schreiben.
Das geht nicht? Aber sicher geht das!

hat-2117728_640
Quelle: FOTORC via pixabay

In Jane Austens Romanen gibt es nur eine einzige Protagonistin, die zum Typ der Damsel in Distress gehört – und das ist eine bitterböse Parodie (Northanger Abbey). Alle anderen Protagonistinnen gestalten ihr Leben selber – trotz aller Beschränkungen, die ihnen Stand und Zeit zumuten, zupackend und aktiv.
Das Gleiche gilt für Jane Eyre im gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë. Obwohl als hochromantischer Schauerroman angelegt, kämpft die Protagonistin sehr aktiv für ihre Freiheit und Selbstbestimmung.
Oder gehen wir noch weiter zurück zum Nibelungenlied. Auch hier sind es Frauen, die die Story am Laufen halten. Allerdings wäre es unfair, den Konflikt allein auf den Machtkampf zwischen Brunhilde und Krimhild zu reduzieren. Hier spielen noch ganz andere Faktoren mit. Aber beide Frauen lassen die versammelten Männer (abgesehen von Hagen) blass aussehen.
Alle diese Geschichten haben trotz ihrer Verschiedenheit eins gemeinsam: Sie zeigen, dass es möglich ist, auch innerhalb der Grenzen, die eine Gesellschaft auferlegt, starke Charaktere zu enwickeln. Daher gibt es überhaupt keinen Grund, das heute nicht mehr zu tun. Noch weniger gibt es einen Grund, die Damsel in Distress als „starke Frau“ und Rolemodell für die Gegenwart zu verkaufen.

animals-1868484_640
Quelle: Pexels via pixabay

„Ok“, sagst du. „Aber was ist denn nun eine starke Frau? Wie schreibe ich einen starken Frauencharakter?“
Ganz ehrlich? Genau wie einen Mann. Mit Ecken, Kanten, Stärken und Schwächen, vor allem aber mit einem Ziel, für das sie alles gibt. Es ist nicht wichtig, ob dieses Ziel darin besteht, die Welt zu retten, die beste Nudelsuppe von Tokio zu kochen oder einen Mann für die beste Freundin zu finden. Wichtig ist, dass sie ihre Energie auf dieses Ziel ausrichtet und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln darum kämpft. Das können Tränen sein, Fäuste, Manipulation und Maschinenpistolen. Genau wie bei einem Mann.

people-2588188_640
Quelle: StockSnap via pixabay

Damit meine ich durchaus nicht, dass die Ziele „männlich“ sein müssen. Rebellion gegen die vorgesehene Rolle ist kein Muss, sondern inzwischen fast Klischee.
Dieses Rebellions-Klischee ist natürlich Quatsch. Gerade ein adeliges Fräulein darf durchaus mit ihrem Leben rundum zufrieden sein. Trotzdem kann kann sie politische Intrigen schmieden und dadurch ein starker Charakter werden. Genauso könnte sie das Ziel haben, eine besondere Kostbarkeit in ihren Besitz zu bringen, um eine Konkurrentin auszustechen oder einem Gegner eins auszuwischen. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, den „starken Mann“ darüber zu definieren, dass er, obwohl zum Krieger bestimmt, unbedingt Sticken und Häkeln lernen will oder eine Arztkarriere sausen lässt, um von zuhause aus einen Etsy-Shop mit selbstgekochten Marmeladen zu betreiben. **
Eine starke Frau braucht auch keine Superkräfte oder besondere Gaben. Sie braucht nur das, was jeder gute Protagonist auch braucht: Zielstrebigkeit. Während sie ihre Ziele verfolgt, kann die starke Frau die Liebe ihres Lebens treffen oder verlieren. Sie kann am Ende gewinnen, auf dem Scheiterhaufen enden oder einsehen, dass sie totalen Mist gebaut hat. Hauptsache, sie zieht ihr Ding durch. Mit allen Konsequenzen.

people-2587179_640
Quelle: StockSnap via pixabay

Tatsächlich ist es bei meinen Geschichten oft sogar zufällig, ob ein Charakter nun männlich oder weiblich wird. Beim Fluch des Spielmanns war die Geschlechterverteilung durch die Skelettfunde vorgegeben. Aber wenn Dryaden nicht grundsätzlich weiblich wären, könnte Velona aus O Tannenbaum genauso männlich sein, wie Dejasir aus Steppenbrand eine Frau hätte werden können. Er wäre dann vermutlich als Amazonenanführerin durchgegangen, was auch keinesfalls verkehrt gewesen wäre. So assoziieren die Leser eher Dschingis Khan und die goldene Horde.
Lediglich Silke (aus Biss zum letzten Akt) musste eine Frau werden. Das ist aber vor allem der Methodik ihres Vorgehens geschuldet. Als Mann hätte sie andere Möglichkeiten gehabt und genutzt.

Ich hoffe, es ist klar geworden, was ich unter einer „starken Frau“ verstehe. Jetzt du dran: Wie ist deine Sichtweise?


* Das ist übrigens ein Punkt, der auch auf viele Figuren in der Romantasy zutrifft und leider besonders im Bereich Young Adult und New Adult.

** Albern? Nein, überhaupt nicht. Das Beispiel zeigt nur, wie sehr „typisch männliche“ Tätigkeiten überhöht und „typisch weibliche“ marginalisiert werden. Für einen starken Charakter ist aber nicht ausschlaggebend, wie Außenstehende diese Tätigkeit beurteilen. Für ihn oder sie ist zunächst nur wichtig, was er/sie davon hält.


Verwandte Artikel:



Dieser Beitrag war mal wieder unglaublich schwer zu illustrieren. Zwar gibt es auf pixabay nahezu unendlich viele Bilder zum Stichwort „Frau“, aber kaum solche, auf denen Frauen nicht in Flüssen, Wiesen oder Wäldern rumliegen, verträumt in die Gegend starren und/oder signalisieren, dass sie dringend gefickt werden wollen.

[Selfpublishing] Welche Software wird gebraucht? – Teil 1: Der Schreibprozess

In Foren kommt immer wieder die Frage auf, welche Software man braucht, um eBooks und/oder Prints zu veröffentlichen. Dazu schon mal vorab: Die Eine Antwort darauf gibt es nicht. Es gibt großartige Software für verschiedenste Zwecke und Anwender. Daher muss das, was für den einen stimmt, für die andere noch längst nicht passen. Deshalb werde ich mich mit Empfehlungen zurückhalten und nur erzählen, was ich verwende und warum.

Ganz grundsätzlich braucht man geeignete Programme für folgende Bereiche:

  • Schreiben (Verfassen von Manuskripten)
  • Erstellung von eBooks
  • Buchsatz für Print
  • Grafik für Covergestaltung, Werbung etc.

home-office-336378_640

Schreiben

Das eine Textverarbeitung unverzichtbar ist, dürfte klar sein, oder? Ich kenne jedenfalls niemanden, der noch glaubt, mit einem handgeschriebenen Manuskript irgendwo landen zu können. Selbst Verlage bestehen immer öfter auf der Einsendung einer Textdatei und im Selfpublishing bleibt gar keine andere Wahl. Ganz egal, ob man nun eBooks oder ausschließlich auf Papier veröffentlichen will – man braucht eine digitale Vorlage.

Die Frage ist eher, was die Textverarbeitung können soll. Wenn man „einfach nur“ Texte runtertippen will, reicht ein normales Office-Programm. Sehr beliebt ist Word, vermutlich einfach deshalb, weil es bekannt ist. Ein exzellenter Ersatz (und in meinen Augen sogar besser) ist der Writer aus dem Libre Office.
Ganz grundsätzlich kann Libre Office alles, was Word kann, „versteht“ deutlich mehr Textformate (darunter .doc und .docx), lässt sich durch unzählige Plugins ausbauen – und ist vollständig kostenlos. Ich habe vor Jahren mit dem Vorgänger Open Office angefangen, weil der (im Gegensatz zu Word) auch alte Worddateien lesen konnte und bin hochzufrieden, wenn es um kurze Texte geht.
Bei langen Texten zeigen sich die Nachteile dieser Office Pakete: Sie sind vor allem auf Büroarbeit ausgelegt. Nicht auf das Verfassen von Manuskripten mit mehreren hundert Seiten Umfang, Dutzenden von Haupt- und Nebenfiguren und diversen Schauplätzen. Das macht das Verwalten und Auffinden von Informationen mühsam. Es gibt zwar die Suchfunktion, man kann sich selbst Datenbanken anlegen und Sprungmarken in den Text setzen – aber es braucht eine große Selbstdisziplin, das auch tatsächlich zu tun.

home-office-336378_640

Das ist der Punkt, an dem verschiedene Spezialprogramme ansetzen. Sie versprechen Hilfe beim Plotten, Ordnen des Stoffs und der Informationen. Sehr beliebt sind Dramaqueen, Scrivener und Papyrus.
Wer nur Unterstützung beim Aufbau und Plotten sucht, dem reicht vielleicht sogar der y-Writer. Der y-Writer fällt in die Kategorie „nicht schön, aber ganz praktisch“. Man kann den Aufbau vorstrukturieren, indem man Szenen definiert und die dann Kapiteln zuordnet. Darüber hinaus bietet der y-Writer Datenbanken für Figuren und Orte, in die man auch Bilder einbinden kann, einen Wordcount, diverse Statistikfunktionen und einige wirklich nützliche Einstellungen. Die Nachteile sind, dass die deutsche Übersetzung nicht dolle ist (das ist jedenfalls bei meiner Version so), die Dateien in seltsamer Reihenfolge abgespeichert werden, das Design alles andere als hübsch ist. Dafür ist das Programm kostenlos.
Ich habe meinen ersten Roman mit y-Writer geplottet und in weiten Teilen auch geschrieben (nein, den gibt es nicht zu kaufen), aber so richtig warm geworden bin ich mit dem Programm nicht. Letztendlich habe ich alles wieder nach Open Office kopiert und dort zu Ende geschrieben.

Wegen der oben schon beschriebenen Einschränkungen von normalen Textverarbeitungsprogrammen, bin ich letztendlich auf Papyrus Author umgestiegen. Ob man Papyrus nimmt oder Scrivener, ist fast schon eine Glaubensfrage. Scrivener bietet unzweifelhaft tolle Funktionen und scheint deutlich bedienfreundlicher als Papyrus. Da hat man manchmal das Gefühl, die Programmierer hätten den Ehrgeiz gehabt, alles anders zu machen, als in anderen Programmen. Für jemanden, der seit Jahren keine Maus beim Schreiben mehr braucht, eine echte Nervenprobe.
Scrivener ist außerdem schon im Grundpreis deutlich günstiger und wird den NaNo-Teilnehmern auch noch vergünstigt angeboten.
Trotzdem hat Papyrus einige Vorteile, die ich erst nach und nach so richtig zu schätzen lerne. Der größte ist die Rechtschreib- und Grammatikfunktion. Dank enthaltenen Duden erkennt dieses Programm jeden unvollständigen Satz und findet jeden Rechtschreibfehler (bei falschen Wörtern stößt es allerdings an seinen Grenzen). Für Selfpublisher, die sich kein Korrektorat leisten können, lohnen sich Papyrus alleine deshalb schon. Darüber hinaus kann man in Papyrus, wie beim y-Writer Szenen definieren, umstellen und verschieben, es bietet aber auch einen Zeitstrahl, mit dem man (angeblich, ich komme mit dem Ding nicht zurecht) im Auge behalten kann, wann welcher Charakter wo was getan hat und eine Mindmap, die sich perfekt zum Ideen finden und sortieren eignet. Man kann Notizen schreiben und an eine virtuelle Tafel kleben, natürlich kommentieren und, und, und … Ach, und eine „normale“ Textverarbeitung besitzt es auch. Ich könnte mein Libre Office eigentlich auch löschen.
Mache ich aber nicht, denn ich arbeite nach wie vor gern damit.

home-office-336378_640

Dramaqueen ist noch mal etwas ganz anderes. Dramaqueen wurde ursprünglich nicht für Romanschriftsteller, sondern für Drehbuchautoren entworfen. Der Ansatz dieses Programms ist die charakterorientierte Storyentwicklung. Dementsprechend bietet Dramaqueen Analysetools, die helfen sollen, Plot- und Spannungslöcher aufzuspüren, sowie die Figurenentwicklung voranzutreiben. Einiges davon ähnelt den Funktionen des y-Writers, ist aber optisch deutlich ansprechender.
Ich muss zugeben, selbst keine Erfahrungen mit Dramaqueen zu haben, sondern nur Bilder und Tutorials zu kennen. Aber einige meiner Bekannten nutzen es und schwören darauf.

Letztendlich gilt das oben Gesagte: Die perfekte Software gibt es nicht. Man muss ausprobieren, womit man selber am besten zurecht kommt.