Nornennetz – das Netzwerk der deutschsprachigen Fantastik-Autorinnen

Manchmal hat Impulsivität seltsame Folgen. Diesen Artikel z. B. gäbe es nicht, wenn ich immer genau abwägen würde, was ich sage oder schreibe. Und es gäbe das Nornennetz nicht, das Netzwerk das deutschsprachigen Fantastik-Autorinnen.

Dabei habe ich nur auf einen Werbetweet der mörderischen Schwestern reagiert. Ein bisschen flapsig, zugegeben.

wie alles begann

Was dann passierte, war fantastisch. Mehrere Autorinnen schrieben mich an, meinten: „Na, dann machen wir doch!“, „ich wäre dabei“ und „wer, wenn nicht wir?“ und kurz darauf waren wir über Discord im Gespräch über die Einzelheiten. Seit Samstag haben wir auch einen Namen: Das Nornennetz.
Unser Ziel ist neben der Vernetzung, Fantastik-Autorinnen bekannter zu machen und zu zeigen, dass wir neben Romantasy auch alle anderen Subgenres beherrschen.

Seit heute gibt es uns offiziell auf Facebook und Twitter.

Lebenszeichen

Auf dem Blog ist es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden, aber mein Karma fand, dass ich mich noch um zwei bis drei andere Dinge kümmern sollte. Immer nur Familie, Schreiben, Bloggen, Social Media, Marketing – das war ihm auf die Dauer wohl zu wenig. Na, jedenfalls hat es für Abwechslung gesorgt.

Leider hat es dabei übersehen, dass der Tag trotzdem nicht mehr als 24 Stunden hat und der Mensch irgendwann vielleicht auch mal schlafen sollte (eine vollkommen überbewertete Tätigkeit, ich weiß). Deshalb sind Blog und Schreiben leider ein bisschen kurz gekommen.

Aber ich habe gute Nachrichten:

  • Die Vampirgeschichte ist in der ersten Version fertig. Aktuell fräse ich mich durch die Überarbeitung, was vor allem bedeutet, Anachronismen zu eliminieren. Dadurch, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielt, hat sich leider einiges eingeschlichen, was dort nichts zu suchen hat. Wäre ich Jasper Fforde, würde ich vermutlich jetzt überlegen, welchen Schaden Anachronismen in Romanen anrichten können und wie ich Thursday Next aus dem Ruhestand holen kann. Allerdings bin ich nicht Jasper Fforde.
  • Dafür habe ich eine weitere Geschichte aus der Welt der Khon in Planung. Sie spielt etwa 60 Jahre nach Steppenbrand. Damit ist sie vollkommen eigenständig zu lesen, obwohl es natürlich immer wieder Bezüge gibt. Sogar die goldenen Reiter tauchen wieder auf. Über den Umfang kann ich jetzt noch nichts genaueres sagen, aber vermutlich wird sei deutlich länger sein, als alle bisher im Codex Aureus erschienenen Texte. Aktuell fliegen mir die Ideen dafür nur so zu oder vielmehr habe ich das Gefühl, die Geschichte sei schon da, ich müsse sie nur finden und nacherzählen.
  • Außerdem beabsichtige ich, Steppenbrand als Print herauszugeben, da die Veröffentlichung über BoD weitaus günstiger ist, als gedacht. Erscheinungsdatum ist ein paar Wochen vor der neuen Khon-Story, die aufgrund der vermuteten Länge ebenfalls für den Druck vorgesehen ist.

Trotzdem wird es im Blog die nächste Woche sehr ruhig bleiben, weil ich mit der 30-Jahr-Feier meines Mittelaltervereins beschäftigt bin. Auch meine Vorbereitungen hierfür sind arg ins Hintertreffen geraten. Aber danach …

Hoffe ich jedenfalls.

Wir lesen uns.

#mamaschreibt – eine Tagesbilanz

Das Abendessen ist verputzt, der Geschirrspüler läuft, die Kinder haben sich in die Zimmer verzogen. Zeit, den gemütlichen Teil des Abends zu beginnen. Jetzt könnte ich noch ein bisschen schreiben.
Allerdings steht in knapp 14 Tagen das 30jährige Jubiläum meines Mittelaltervereins an und meine neue Ausstattung ist noch nicht fertig. Also muss das Schreiben hintenan stehen.

Aber bevor ich das Nähzeug rauskrame, möchte ich noch kurz Bilanz über den Tag ziehen. Die Planung für einen normalen Freitag sieht bei mir so aus:
06:00 – ca. 07:20 Tagesbeginn
Aufstehen, kurz durchs Bad, Kinder wecken, und ins Bad scheuchen, Tabletten für Kind 2 rauslegen, Brotdosen bestücken (2 belegte Brote, Obst, kl. Süßigkeit), Kaffee aufsetzen, kontrollieren, ob die Kinder aus dem Bett sind, ggf. Kind(er) ins Bad scheuchen, anschließend Geschirrspüler ausräumen, (falls sich jemand wundert, warum hier nichts von Frühstück steht: meine zwei sind inzwischen so alt, dass sie sich ihr Müsli selber machen), Rechner hochfahren, eMails kontrollieren, Tagesplanung aktualisieren, 07:00 Kind 1 aus dem Haus scheuchen, Kind 2 beim Einräumen des Schulranzens assistieren, wenn sonst nichts ist, Social Media kontrollieren. ca. 07:20 Kind 2 ins Taxi setzen (wegen der Muskeldystrophie schafft er den Schulweg nicht mehr alleine), Kaffee austrinken, mit Frau Hund spazieren gehen.
09:00 – 14:00 Schreibzeit
Purer Luxus, fünf Stunden für mich, in denen ich an meinen Geschichten arbeite, Cover, und Layout mache, mich um Marketing, Social Media, Blogbeiträge etc. kümmere, oder Lektoratsaufträge abarbeite.
14:00 – 18:30 Haushalt
Wäsche, staubsaugen, Einkäufe erledigen, kochen.
Nach dem Abendessen beginnt der ungeregelte Teil.

Allerdings läuft der Tag selten so, wie geplant.

Heute hatte ich eigentlich geplant, morgens noch schnell einen angefangenen Blogbeitrag fertig zu schreiben. Allerdings musste mein Mann später ins Büro, d. h. er hatte Zeit, sich mit mir zu unterhalten und hat die natürlich genutzt. Also bin ich weder dazu gekommen, den Beitrag zu schreiben, noch die Mails abzurufen. Dafür musste ich um 09:15 aus dem Haus, weil um 10:00 ein Banktermin für meinen Mittelalterverein anstand. Also habe ich den Kaffee schneller getrunken, eine eilige Runde mit Frau Hund gedreht, den Mann verabschiedet und mich an meinen Blogbeitrag gesetzt.
Nach zwei Absätzen klingelte das Telefon, ein wichtiger Anruf vom Integrationsamt. Ich bin sehr froh, dass er kam, aber als wir durch waren, musste ich mich beeilen, um es rechtzeitig zu dem Termin zu schaffen.
Natürlich gab es danach noch Vereinskram zu besprechen. Dadurch war ich erst kurz vor zwölf wieder zurück. Kaffee kochen, Rechner hochfahren, Kopfschmerzen ignorieren, Mails kontrollieren. Ran an den Blogbeitrag. Gegen eins war der fertig. Ich auch. Allen guten Vorsätzen zum Trotz habe ich es nicht mehr geschafft, die Protagonistin der neuen Geschichte bis ins Tal der tanzenden Winde zu bringen.
Kurz vor zwei kam Kind 2 nach Hause, voller Geschichten und Neuigkeiten. Die Wäsche musste gemacht, der Einkaufszettel geschrieben, der Einkauf gemacht werden. Als ich nach Hause kam, war es schon Zeit, Abendessen zu kochen. Nebst Alternativgericht, weil sich während des Kochens rausstellte, dass das Übernachtungskind gegen eine der Zutaten allergisch ist.

Und nun ist der Tag sozusagen rum. Von meinen üppigen 5 Stunden Schreibzeit sind netto gerade mal zwei geblieben. Ein bisschen habe ich drangehängt, um diesen Artikel zu schreiben, der aber auch länger gedauert hat, weil ich natürlich nebenbei mit meinem Mann gesprochen habe. Außerdem ein Bett bezogen und Kind 2 gute Nacht gewünscht. Kind 1 wird ins Bett gescheucht, so bald der Beitrag fertig ist.

Warum ich das alles erzähle? Weil sich „Mutter und Autorin“ immer so gemütlich anhört. Als täte ich nichts anderes, als Kaffee zu trinken und nebenbei ein bisschen auf dem Computer zu tippen. Der Beitrag soll diesem Eindruck ein bisschen entgegenwirken. Zum Einen sind Schreiben und Homeoffice deutlich mehr, als nur ein paar Tasten zu drücken. Zum anderen ist Familie mehr, als nur gelegentlich einen Kopf zu streicheln. Zusammen ist es eine ganze Menge.
Ich will kein Mitleid. Ich habe diesen Lebensweg bewusst gewählt. Was ich will ist, dass mein Schreiben nicht als Hobby und meine Mutterschaft nicht als Freizeit abgetan wird. Was ich von meiner Umwelt erwarte ist, mit dem gleichen Respekt behandelt zu werden, wie damals, als ich noch einen Bürojob hatte und meine Arbeitszeiten meist nur von 9:00 bis 17:00 Uhr gingen.

Passend zur #Autorinnenzeit: Am Freitag gibt unter #mamaschreibt Nachrichten aus dem Alltag

Idee und Originalartikel von Textflash:

Dieser Artikel hat in meinem privatanalogen Umfeld mal wieder geradezu irrwitzige Reaktionen ausgelöst: Mehr Schreibzeit für Mütter zwischen den Muttertagen Daraufhin haben Elenor Avelle, Eva-Maria Obermann, Nike Leonhard und meine Schnodderigkeit beschlossen, euch zu zeigen, wie unser Alltag wirklich aussieht. Folgt uns bei Twitter unter dem Hashtag #mamaschreibt und begleitet uns beim gemütlichen Arbeiten von […]

über Mehr Schreibzeit zwischen den Muttertagen: Am Freitag kommt was auf euch zu! — Textflash – Mikaela Sandbergs unmögliche Autorenseite

#Autorinnenzeit: Interviews durch Sven Hensel

Sven Hensel, der Initiator der Autorinnenzeit, hat mit mir und drei Kolleginnen aus verschiedenen Genres über Frauen im Literaturbetrieb gesprochen. Entstanden sind vier Interviews über unseren Werdegang und die eigene Arbeit, aber auch über Frauen- und Männerbilder, den Buchmarkt, die Entwicklung der „Frauenliteratur“, immer noch geltende Vorurteile und die sich bietenden Chancen für Männer wie Frauen.
Denn so verschieden Annika Bühnemann, Tanja Hanika, Anne Grundig und ich  auch sind; in einem sind wir uns alle einig: Ob ein Buch von einer Frau oder einem Mann geschrieben wird, macht keinen Unterschied. Daher ist unser Kampf um Anerkennung auch kein Kampf gegen „die Männer“.

Sämtliche Interviews stehen auf Sven Hensels Blog.

 

Eine Welt ist nicht genug

Beim SWR2 habe ich eine Seite mit zwei sehr interessanten Interviews gefunden. Im einen geht es um die verschiedenen Arten der Phantastik und was sie für uns so spannend macht. Im zweiten erzählt Kai Meyer über seine Karriere als Schriftsteller, seine Motive und seine Art zu schreiben.

Beides sehr hörenswert.

Neugierig? Dann bitte hier entlang!

Osterdingsdablues

Ostern ist rum. Lust zum Schreiben habe ich trotzdem keine. Also habe ich erst einmal ein paar Routinearbeiten erledigt.
Eine davon war, die #BiO Ostereier aus ihren Verstecken zu kramen. Für diejenigen, die sie noch nicht kennen: Das hier waren sie.

BiO 2

BiO 2.2

BiO 2.1

 

Vielen herzlichen Dank noch einmal an Elenor Avelle für die tolle Idee zu dieser Aktion und die Bilder. Vielen Dank auch allen, die teilgenommen haben. Ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß beim stöbern, finden und lesen, wie ich beim Verstecken.

Einen Moment lang habe ich überlegt, auch die dazugehörenden Texte nachträglich allgemein zugänglich zu machen. Aber dann empfand ich diese Vorstellung denen gegenüber unfair, die sich an der Suche beteiligt haben. Nach meinem Bauchgefühl würde das es ihre Mühe und damit auch den Gewinn entwerten.

Außerdem sind die Texte dadurch nicht verloren. Sie bleiben als gelegentliches Dankeschön und virtuelles Give-away für andere Gelegenheiten erhalten.

[Werkstattgeplauder] Spannung aufbauen

Neulich beklagte sich jemand in meiner virtuellen Autorenrunde, dass immer nur Action gefordert sei. Aber man könne doch nicht eine Actionszene an die andere reihen. Irgendwo dazwischen müsse es doch auch mal Erholungsphasen geben.

Recht hat er.

Allerdings glaube ich, dass die Grundannahme falsch ist. Action ist nicht gleich Spannung. Alfred Hitchcock hat das Verhältnis von Action und Spannung so gut beschrieben, dass ich hier einfach zitiere:

Let’s suppose that there is a bomb underneath this table between us. Nothing happens, and then all of a sudden, „Boom!“ There is an explosion. The public is surprised, but prior to this surprise, it has seen an absolutely ordinary scene, of no special consequence. Now, let us take a suspense situation. The bomb is underneath the table and the public knows it, probably because they have seen the anarchist place it there. The public is aware the bomb is going to explode at one o’clock and there is a clock in the decor. The public can see that it is a quarter to one. In these conditions, the same innocuous conversation becomes fascinating because the public is participating in the scene. The audience is longing to warn the characters on the screen: „You shouldn’t be talking about such trivial matters. There is a bomb beneath you and it is about to explode!“

Im Fall der explodierenden Bombe löst die Action (Explosion) die Spannung sogar auf. Anders ist es natürlich, wenn der Held oder die Heldin eine Gruppe von Schulkindern durch den Bombenhagel lotsen muss. Hier steigern die einzelnen Explosionen die Spannung. Aber warum?

Was macht Spannung aus?

In einigen Schreibratgebern heißt es, Spannung entstünde durch offene Fragen. Das ist mir noch ein bisschen zu allgemein und allein auch nicht ausreichend. Aber der Reihe nach.

Spannung durch offene Fragen

Mir ist es zu allgemein, weil nicht jede offene Frage Spannung erzeugt, sondern nur diejenigen, die aus Sicht der Leserin oder des Lesers für den Fortgang der Handlung wichtig sind. Das klingt jetzt sehr theoretisch, deshalb ein Beispiel: Ist der folgende Dialog spannend oder nicht?

„Ich suche Frau Schneider. Svantje Schneider. Können Sie mir sagen, wo ich sie finde?“
„Svantje Schneider?“ Der dünne Mann schüttelte den Kopf. „Nie gehört. Wer soll das sein?“

Die letzte Frage trifft den Punkt. So lange ich als Leserin nicht weiß, wer diese Svantje Schneider ist und weshalb sie gesucht wird, ist das Ganze ziemlich unspektakulär. Es wird auch nur unwesentlich spannender, wenn der Fragesteller Taxifahrer ist und vor einem reichlich abgewohnten Mietshaus steht, bei dem die Hälfte der Namensschilder fehlt oder unleserlich ist.
Aber gesetzt den Fall, es handelt sich um ein einsames Gebäude, dann fängt das Hirn schon an, zu arbeiten, oder?

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FrankWinkler via Pixabay

Grundsätzlich möchte man dem dünnen Mann ja glauben. Aber andererseits muss jemand den Taxifahrer zu dieser Adresse gerufen haben. Wer, wenn nicht der dünne Mann? Und warum? Und was hat es mit dieser Frau auf sich? Gibt es sie überhaupt? Vielleicht ist der dünne Mann ein Einbrecher, Vergewaltiger, Mörder? Oder ist der Taxifahrer in eine Falle getappt?
Ich finde jede einzelne dieser Fragen spannend und würde an dieser Stelle weiterlesen wollen.
Eine Sonderform dieser Art der Spannungserzeugung ist der Cliffhanger. Hier ist die offene Frage, wie sich die Figur der meist lebensbedrohlichen Situation entzieht – und genau damit lässt man seine LeserInnen allein.

Atmosphärische Spannung

Noch größer wäre die Spannung, wenn mir der Autor oder die Autorin sie auch atmosphärisch vermittelt. Zum Beispiel, indem der Taxifahrer vorher durch einen nebelverhangenen Wald muss oder das Haus so düster beschrieben wird, wie es auf dem nächsten Bild aussieht.

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Bild: darksouls via pixabay

In unserem Unterbewusstsein sind bestimmte Erwartungshaltungen angelegt. Die Fahrt auf einer einsamen Landstraße bei Nebel und einbrechender Dämmerung ruft ganz andere Gefühle hervor, als die gleiche Landstraße bei Sonnenschein. Nebel, Dunkelheit – überhaupt jede unübersichtliche Situation verknüpfen wir automatisch mit Gefahr.
Natürlich ist die „dunkle und stürmische Nacht“, mit der Snoopy jeden seiner nie vollendeten Romane beginnt, ein ausgelutschtes Klischee. Aber geschickt eingesetzt, erzeugen solche Topoi trotzdem Spannung. Hier ist es aber keine konkrete Frage, die sich Leser oder Leserin stellen, sondern das Spiel mit der Erwartungshaltung.

Spannung durch Widerstände

Bei unserem letzten Werkstattgeplauder war ich kurz darauf eingegangen, dass Romanfiguren Ziele brauchen, um interessant zu sein. Diese Ziele können völlig banal sein, wichtig ist nur, dass sie sich nicht unmittelbar erreichen lassen. Sofern die Figur den unbedingten Willen hat, ihr Ziel zu erreichen, passiert das Gleiche wie in der Physik: Jeder Widerstand erhöht die Spannung.
Diese Methode der Spannungserzeugung dominiert actionlastige Szenen, also z. B. Verfolgungsjagden, Kämpfe, Fluchten … Hier sind wir wieder bei den Bomben vom Anfang: Wenn das Ziel ist, die Schulklasse sicher durch ein vermintes Gelände zu lotsen, ist jede einzelne Explosion ein Widerstand, der die Gefährlichkeit der Situation bestätigt.
Das heißt aber nicht, dass sich diese Methode der Spannungserzeugung nur für actionlastige Geschichten eignet – ganz im Gegenteil. Auch Liebesromane leben genau davon. Im Grunde besteht der klassische Liebesroman nämlich vor allem daraus, die Hindernisse zu überwinden, die der glücklichen Vereinigung im Weg stehen.

Spannung durch Sprache

Das auch die Sprache dazu beitragen kann, Spannung zu erzeugen, ist so eine Binsenweisheit, dass ich diesen Punkt der Vollständigkeit halber erwähne. Das steht nun wirklich in jedem Schreibratgeber, dass überbordende Beschreibungen, lange Sätze, viele Hilfsverben, Adjektivitis und Adverbivitis einen Text schwerfällig und damit langweilig machen.

Wichtig ist die Kombination

Da sind wir wieder am Anfang und bei der Klage des Kollegen. Eine Geschichte, sich nur einer Methode der Spannungserzeugung bedient, wird schnell langweilig. Das Gleiche gilt für zu schnelle Auflösungen. Aber hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wenn man nämlich zu lange darauf herumreitet, wie gruselig die Atmosphäre ist oder was es nun mit dem geheimnisvollen Anruf auf sich hat, schmeißt der Leser das Buch irgendwann genervt in die Ecke. Deshalb Abwechslung. Fragen rechtzeitig klären – aber nicht bevor mindestens eine (besser: zwei) neue aufgetaucht sind.
Das Schöne daran: Ich kann meinen LeserInnen auf der einen Ebene Entspannung bieten, während ich gleichzeitig die Spannung auf einer anderen aufbaue. So könnte ich z. B. den zwischen den Bäumen hochkriechenden Nebel bildhaft und in langen Sätzen beschreiben und gleichzeitig das Unbehagen schildern, das den Fahrer befällt. Böse Assoziationen, die er mit fröhlicher Musik zu bekämpfen versucht. Schlager vielleicht oder Helene Fischer (eine sehr grausame Vorstellung).


So, das waren meine 5 Cent zum Thema Spannung. Jetzt bin ich gespannt: Hast du noch andere Punkte? Anmerkungen? Fragen? Tipps und Verbesserungsvorschläge?
Falls nicht, habe ich noch eine kleine Schreibanregung: Ich habe die ganze Zeit fast ausschließlich bedrohliche Situationen geschildert. Das ist ziemlich simpel. Versuch‘ du doch mal, mich auszustechen und das Gleiche mit einer Situation zu schaffen, die Ruhe und Geborgenheit verheißt: Nimm an, es ist heller Tag, blauer Himmel, die Sonne scheint und die Luft ist voller Bienengesumm und Vogelgezwitscher.


Und falls du neugierig geworden sein solltest, ob ich nur schlau daherreden oder auch schreiben kann, ist hier ein Link zu der Seite mit meinen Büchern.

Bekenntnisse

Leider bin ich durch Krankheiten quer durch die Familie und die Tage auf der Buchmesse so raus aus der Vampirgeschichte, dass mit der Wiedereinstieg sehr schwer fällt. Parallel dazu wächst schon die nächste Geschichte in meinem Kopf, die wieder in der Welt der Khon und der Wüstenstädte spielen wird.

Aber erst schreibe ich die Geschichte der Vampirin fertig. Versprochen!

[Werkstatt] Warum sind Antagonisten oft cooler als der Rest?

Geht es dir auch so, dass du die Helden einer Geschichte oft langweilig findest, verglichen mit dem Antagonisten? In Gesprächen mit Kolleginnen taucht das Thema jedenfalls immer wieder auf. Antagonisten sind cool, Helden eher lame. Aber warum?

Ich habe mal ein paar mögliche Antworten gesammelt:

  • Antagonisten dürfen tun, was sie wollen, während die Helden auf ihre gute Seite festgelegt sind.
  • Antagonisten haben den besseren Start (Superkräfte, Macht, Reichtum), die Protagonisten starten als 08/15.
  • Antagonisten spiegeln die verdrängten dunklen Seiten und unerfüllten Wünsche der Leser.
  • Helden sind oft weniger ausgearbeitet und gewinnen erst im Kampf mit dem Antagonisten Profil.

Vor allem den letzten Punkt finde ich ziemlich wichtig, auch wenn wir alle natürlich versuchen, gerade den Helden möglichst gut auszuarbeiten. Die meisten Protagonisten starten inzwischen mit einer Biografie. Sie haben Stärken und Schwächen und alle guten Autoren, die ich kenne sorgen dafür, dass diese auch zum Tragen kommen. Und trotzdem …

Deshalb glaube ich inzwischen, dass es noch einen anderen Punkt gibt, der dafür sorgt, dass wir Antagonisten spannender finden: Sie haben von Beginn an ein Ziel.
Der Protagonist hat meist zwar den ersten Auftritt, wird aber in einer behaglichen Ausgangssituation gezeigt und muss oft erst auf die richtige Spur gesetzt werden. Denk‘ an Bilbo, den Hobbit: Er hat seine Höhle, seine Pfeife und nicht die leiseste Lust, sein angenehmes Leben aufzugeben. Erst die Intervention Gandalfs und der Zwerge später bringt ihn dazu, sich zu bewegen.
Das ist das klassische Modell der Heldenreise. Der Ruf ergeht, der Held lehnt ab. Dann passiert etwas, das ihn doch aus dem Haus zwingt und endlich gewinnt die Geschichte an Fahrt.
Nun gibt es im Hobbit keinen echten Antagonisten, sondern nur einen Endgegner. Aber wenn man den Herrn der Ringe ansieht, der ähnlich aufgebaut ist, sieht man, dass Sauron längst aktiv ist, noch bevor Frodo seine ersten Schritte aus dem Auenland gemacht hat. Genau genommen ist es Sauron, der ihn überhaupt zum Aufbruch zwingt.
In den Schreibratgebern ist dazu oft von der Fallhöhe die Rede. Die Theorie lautet, dass die Leser um so mehr mit einer Figur mitfiebern, je größer der Verlust ist, den sie erleidet. Das gilt vor allem für die ganzen verstoßenen Prinzessinnen in den Märchen. Aber auch viele Superhelden müssen erst Heim und Familie verlieren. Mit anderen Worten: Sie starten als Opfer. Passiv.

Aber auch danach fehlt ihnen oft noch ein Ziel. Batman baut keine Schulen, sondern spielt den reichen Snob und vermöbelt Kleinkriminelle bis ihn ein Superschurke aus der Deckung zwingt. Es ist der Schurke, der die Fäden zieht und der Held, der darauf reagiert. Überspitzt könnte man sagen: Der Protagonist ist die Marionette des Antagonisten.
Und genau das ist das Problem. Niemand findet Marionetten spannend. Wir interessieren uns automatisch mehr für den Puppenspieler.

Daher wäre mein Tipp, um den Protagonisten interessant zu gestalten: Gib ihm von Anfang an ein Ziel. Das kann ruhig banal sein. Helden müssen nicht schon am Anfang die Welt retten wollen. Das Ziel kann genauso darin bestehen, eine Frau zu finden und ihr einen Antrag zu machen (Next). Wichtig ist nur, dass der Protagonist schon erste Schritte unternommen hat, um dieses Ziel zu erreichen, bevor der Antagonist dazwischenfunkt. Sonst sind wir nämlich wieder bei der klassischen Heldenreise, wo die Hand der Prinzessin und das halbe Königreich nur die Belohnung dafür sind, dass der vergleichsweise lahme Protagonist doch noch den Arsch hochgekriegt hat.

Wie siehst du das? Sind für dich Antagonisten auch spannender? Beziehungsweise: Was tust du, um deine Protagonisten interessanter zu gestalten?