Die Schöne (ein Drabble)

Wie eine Königin betritt sie den Raum. Wer würde sie auch nicht bewundern? Den schlanken Leib, die langen Beine, ihr seidig-schwarzes Haar.

Ohne mich eines Blicks zu würdigen, nimmt sie neben mir Platz auf dem Sofa. Ruhig sitzt sie da, aufrecht, anmutig. Kühle Majestät jeder Zentimeter ihres Körpers.

Dann plötzlich eine geschmeidige Bewegung. Sie rollt sich auf den Polstern zusammen, lehnt den Kopf an das Kissen. Ihr Blick fängt meinen; ihre Lider senken sich lasziv über die Smaragdaugen. Eine Einladung? Vorsichtig strecke ich die Hand nach ihr aus, jederzeit auf schmerzhafte Zurückweisung gefasst. Doch sie duldet mein Streicheln – und schnurrt.

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#CharactersofSeptember – Wird Seraina ihr Geheimnis enthüllen?

Bei der Challenge #CharactersofSeptember bekommen fiktive Charaktere die Möglichkeit, sich selber vorzustellen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus „Der Tod des Spielmanns“, die im Interview auf Fragen antwortet.

Nike: „Hallo Seraina, kommen wir zur letzten Frage aus dem Bereich „Persönliches“. Dieses Mal geht es um Geheimnisse. Ich kann mir vorstellen, dass es bei dem Leben, das du geführt hast, schwierig ist, ein Geheimnis zu bewahren. Viel Privatsphäre habt ihr ja nicht gehabt, oder?“

Seraina: „Nein, wie denn auch? Es gab ja keine Türen, die wir hintereinander schließen konnten. Außerdem waren wir die meiste Zeit zusammen.“

Nike: „Dann kann man sagen, dass ihr alles von einander wusstet?“

Seraina: „Das Meiste. Aber jeder von uns hat Gedanken gehabt, die er vor den anderen verborgen hat und manchmal auch Dinge getan, von denen die anderen nichts wussten.“

Nike: „Du sagst das sehr bestimmt.“

Seraina (zuckt mit den Schultern): „Ich weiß, dass die anderen manches für sich behalten haben – und ganz sicher habe ich es auch getan.“

Nike: „Wie kann man in einer so kleinen Gruppe ein Geheimnis bewahren, wenn man doch immer zusammen ist? “

Seraina: „Man spricht nicht darüber. Vor allem stellt man aber keine Fragen.“

Nike: „Darf ich trotzdem fragen? Ich würde nämlich auch gerne wissen, was zum Beispiel dein großes Geheimnis war.“

Seraina: „Sicher darfst du fragen. Nach so langer Zeit – es schadet niemandem mehr, darüber zu sprechen. Ich fürchte nur, du wirst lachen. Es erscheint im Rückblick so unwichtig. Aber damals, da war es sehr wichtig für mich, weil ich fürchtete Corvin zu verlieren, wenn er davon erfährt. Ich habe ihn geliebt, versteht du? Nach all den Jahren noch. Er war das Einzige, was ich hatte und ihn zu verlieren das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte.“

Nike: „Ich verstehe. Und ich verspreche, nicht zu lachen.“

Seraina (atmet tief ein): „Meine Haare. Ich habe sie gefärbt. Das Schwarz, das Corvin so gefallen hat, war nicht echt. Schon damals, als wir einander kennenlernten, war ich halb grau – oder wäre es gewesen, wenn ich nicht nachgeholfen hätte. Es war immer ein scheußlicher Aufwand und mein Kopf hat die ersten Tage danach schrecklich gejuckt, aber das war es mir wert. Ich habe immer einen Vorrat von Färbemitteln dabeigehabt und, wann immer es möglich war, ein paar Münzen beiseitegeschafft, um Geld neue zu haben. Verstehst du: Ich habe meine Freunde bestohlen; wir hätten Essen dafür kaufen können! Aber lieber habe ich gehungert, als in Corvins Augen hässlich zu sein.“


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Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

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#CharactersofSeptember (Tag 9) – Seraina über ihrer Äußeres

Characters of September gibt einem fiktiven Charakter die Chance, sich selber vorzustellen. Bei mir kommt Seraina zu Wort, einer der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina, heute kommt die vorletzte der persönlichen Fragen und zwar zu deinem Körper. Was daran magst du? Und was nicht?“

Seraina: „Mein Körper? Ich habe nie über meinen Körper nachgedacht, bevor er anfing zu verfallen.“

Nike: „Also erst nach deinem Tod?“

Seraina: „Nein! Als ich alt wurde. Als ich merkte, dass mir die Blicke der Männer nicht mehr folgten und das Geld weniger wurde, das sie mir gaben. Als meine Knochen morgens zu schmerzen und die Gelenke zu knacken begannen. Als mir der erste Zahn ausfiel. Das meine ich mit Verfall.“

Nike: „Ich bin irritiert. Die meisten Frauen, die ich kenne, sind in irgendeiner Form auf Äußerlichkeiten fixiert – und sei es negativ. Da kommen dann so Sätze wie: „Meine Augen sind schon ganz ok, aber diese Nase … Und die Haare erst!“ Das ist bei dir gar nicht? Wie kommt das?“

Seraina (lacht): „An meinen Haaren hatte ich nie etwas auszusetzen – abgesehen davon, dass sie so dicht und dick sind, dass sie sich schwer kämmen lassen. Aber was soll ich über meine Augen sagen? Oder über meine Nase? Die habe ich nie gesehen. Nicht richtig jedenfalls.“

Nike: „Ich glaube, das musst du erklären.“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe, waren Spiegel Luxus. Etwas für die ganz Reichen. Ich habe mein Gesicht allenfalls flüchtig vom Grund eines Bechers gesehen. Aber weißt du, wie schwer es ist, sich in der Neige im Becher zu sehen? Nein, mein Spiegel waren immer die Blicke anderer Menschen. Als ich noch jung war, haben sie mir gesagt, dass ich hübsch bin. Später habe ich aus ihnen den gleichen Verfall gelesen, den ich in den Knochen gespürt habe.“

Nike: „Eine letzte Frage noch: Mochtest du deinen Körper?“

Seraina: „Mögen? Er gehörte zu mir und habe mich wohl darin gefühlt – meistens. Wenn es mir gut ging mehr, wenn ich Schmerzen hatte, weniger. Heute vermisse ich manchmal das Gefühl, einen zu haben. Also werde ich ihn wohl gemocht haben.“


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