[ausgelesen] Wintermaid von Klara Bellis

Klappentext:

Ein heiliger Auftrag führt die Jägerin Lhan ins Gebirge. Als sogenannte Wintermaid soll sie den Winter bezwingen. Doch zwischen den Felsen lauert der Eisgeist, ein blutrünstiger Menschenfresser. Wenn es ihr gelingt, die Bestie als Jagdbeute ins Dorf zu bringen, wird sie als Winterbezwingerin gefeiert. Sollte sie scheitern, wird die Rache des Dorfes grausam sein.

Schon bald wächst in Lhan der Verdacht, dass dies ihr geringstes Problem ist.

Zum Inhalt:

Frauen gelten nichts in Lhans Volk. Sie sind rechtlos, werden dumm gehalten und im Bedarfsfall wie Handelsgut verkauft. Aber alle zehn Jahre schickt ihr Dorf ein Mädchen in die Berge, um zu beweisen, dass selbst so ein schwaches Geschöpf in der Lage ist, die Natur zu bezwingen. Zwei Jahre lang bereitet sich die Wintermaid auf diesen Auftrag vor. Gelingt es ihr, Beute zu machen und heil zurückzukommen, wird ihr Sieg in einem großen Fest gefeiert. Kehrt sie ohne Beute oder verletzt zurück, wird sie in einem großen Fest zu Ehren der Götter lebendig verbrannt. So ging es der letzten Wintermaid.
Für Lhan scheint es nach anfänglichen Problemen jedoch, als könne sie ihren gefährlichen Auftrag tatsächlich zu einem guten Ende bringen. Was sie nicht bedacht hat, sind die Motive ihrer Mitmenschen.

Wintermaid spielt in einem nicht-europäischen Setting. Magie ist selbstverständlich – wenn auch nicht in Lhans Volk. Aber Wintermaid ist nicht die übliche Geschichte von der Heldin, die die Welt oder was auch immer retten muss, sondern thematisiert die weltweite Unterdrückung von Frauen, was Klara Bellis in ihrem Nachwort eindrücklich und mit Quellenangaben belegt. Insofern ist Wintermaid auch ein politisches Buch.

Persönlicher Eindruck

Ich mag Kurzgeschichten, Novellen, Erzählungen. Wintermaid fällt genau in dieses Beuteschema, deshalb war es ein „Must-have“.

btrAber auch inhaltlich hat mich das Buch überzeugt. Klara Bellis erzählt die Geschichte der Wintermaid sehr spannend und in einen angenehmen, klaren Stil. Stellenweise schimmert der ihr eigene Humor durch, der auch ihre Reihe um die Techno-Elfe Trywidd kennzeichnet.
Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, sind die Figurenzeichnungen. Angesichts des Themas ist es zwar kein Wunder, dass die Männer aus Lhans Volk schlecht wegkommen, aber auf mich wirkten sie wie Abziehbilder ein und des selben machistischen Ekels. Hier hätte ich mir etwas weniger Klischee und mehr Diversität in Motiven und Handlungen gewünscht. Auch die Gedankengänge der Protagonistin wirkten an mich stellenweise aufgesetzt, statt durch das Aufwachsen in einer durch und durch misogynen Gesellschaft internalisiert. Die Charakterisierung von Lhans Großmutter Zue und die der Eisgeister fand ich deutlich gelungener.
Bemäkeln könnte ich auch noch zwei bis drei kleinere Logikfehler, die jedoch keinen Einfluss auf die Handlung haben. Mir sind sie auch erst im Nachhinnein aufgefallen, als ich darüber nachgedacht habe, was ich in dieser Rezension erzählen will. Beim Lesen hat mich die Geschichte viel zu sehr in ihren Bann geschlagen. Das lag nicht nur am ungewöhnlichen Setting, sondern vor allem daran, dass Wintermaid in erster Linie sehr, sehr spannend ist.

Sternebewertungen gibt es bei mir ja nie. Aber für Wintermaid auf jeden Fall eine Leseempfehlung.


Buchdaten:
E-Book, erschienen bei BookRix
für alle Lesegeräte verfügbar
44934 Wörter
ab 16 Jahre (mäßige Gewalt, keine expliziten sexuellen Szenen)
Preis: 0,99 €

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Juristische Fallstricke im Marketing

Auf voicerepublic gibt es bekanntlich viele spannende Vorträge. Darunter auch einen von Tilman Winterling, darüber, welche Inhalte im Blog oder auf Instagram als Werbung gekennzeichnet werden müssen. Tilman Winterling ist Jurist und der Gründer von 54 Books, kennt das Ganze also von beiden Seiten.

https://voicerepublic.com/talks/detox

Über vieles habe ich mir nie Gedanken gemacht, weil es so offensichtlich ist, dass z. B. meine Seiten zum Codex Aureus Werbung sind. Schließlich habe ich sie zu dem Zweck eingerichtet, dass man sich dort über meine Bücher informieren kann und hoffentlich anschließend so begeistert ist, dass man sie gleich lesen möchte. Um das zu ermöglichen gibt es dort alle möglichen Verkaufslinks.
Was sollte das anderes sein, als Werbung?
Aber jetzt weiß ich, dass gerade deshalb ein Hinweis rein muss, dass es tatsächlich welche ist. Na, dann. Ich muss wegen der DSGVO sowieso noch mal ran …

 

[Rezension] Schatten vom M. D. Grand

Ausnahmsweise beginne ich eine Rezension mit dem Cover, weil mich das Cover von Schatten schon beim ersten Sehen ansprang. Vollkommen abstrakt mit einem beschränkten Farbspektrum (schwarz, weiß, dunkelrot) – und trotzdem DER HAMMER!
Allerdings hat mich dieses Hammercover in Verbindung mit dem Autorennamen erst mal auf eine vollkommen falsche Fährte gesetzt. Für mich suggestierte beides Science Fiction, eventuell auch einen Wissenschaftsthriller. Beides sind Genres, die ich gerne lese, auf die ich aber zu der Zeit keine Lust hatte.

Deshalb kam „Schatten“ zunächst nur auf den virtuellen Stapel der vorgemerkten Bücher. Vielleicht hätte ich es dort vergessen, wenn nicht einige BartBroAuthors geschwärmt hätten, wie toll es sei. Also habe ich es gekauft und das war auch gut so.

Entgegen meiner ersten Annahme ist Schatten nämlich weder Science Fiction, noch ein Thriller, sondern solide High Fantasy. Darüber hinaus überrascht die Geschichte mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Ceryan, der Protagonist ist nämlich das böse Minion des noch böseren Oberschurken – wenn auch nicht ganz freiwillig. Aber der Eid, durch den König Zenox ihn in seine Dienste gezwungen hat, verhindert jede offene Auflehnung.
Das lässt einen schnell wünschen, Ceryan, der auch sonst überraschend differenziert dargestellt wird, möge es schaffen, sich irgendwie zu befreien. Zumal es den Untergang der letzten freien Völker bedeuten würde, wenn es Ceryan seinen Auftrag ausführt und König Zenox den Stein von Kairoan beschafft.

Auch sonst bietet die Geschichte einen angenehmen Mix aus bekannten Fantasy-Elementen und überraschenden Wendungen. Sprachlichen fielen ein paar Unsicherheiten auf, die aber dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch taten.

Insgesamt daher eine Leseempfehlung.


Schatten von M. D. Grand ist erschienen bei Amazon und als Taschenbuch und eBook erhältlich.

[Marketing von eBooks] 5 Aktionen die man sich sparen kann

MarketingexpertInnen raten zwar von Negativformulierungen im Titel ab, aber was manchmal geht es eben nicht anders. Heute zum Beispiel soll es um Marketingstrategien gehen, die zumindest für den Verkauf von eBooks völlig für die Füße sind. Und so ganz schlimm kann der faux pas auch nicht sein, sonst würden Sie/würdest du das hier nicht lesen.

1. Lesezeichen

Lesezeichen sind unter Self-PublisherInnen ein sehr beliebtes Give-away. Kein Wunder. Wenn sie gut gemacht sind, haben einen hohen Erinnerungswert und sind außerdem billig in der Herstellung.
Leider sind sie bei eBooks vollkommen nutzlos. Und was keinen Gebrauchswert hat, bringt für die Kundenbindung nichts. Da kann man sich die Druckkosten sparen.

2. Flyer

Auch sehr beliebt bei SelfpublisherInnen: Flyer mit dem Titelbild und vielleicht einer kurzen Inhaltsangabe oder Leseprobe. Finde ich auch superchic, vor allem, wenn man schon mehrere Bücher am Markt hat und seine Bücher (auch) selber verschickt. Dann kann man dem einen Buch Flyer vom anderen beilegen und so schon mal Neugier wecken.
Aber bei eBooks? Da bleibt höchstens, die Flyer irgendwo auszulegen, wo sich potentielle Leser rumtreiben und zu hoffen. Kann man machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich deshalb jemand hinsetzt und ein eBook runterläd, ist leider ziemlich gering.

3. Lokalpatriotismus

„Ich komme aus dieser Ecke, mein Buch spielt hier, können Sie das nicht wenigstens versuchsweise ins Regal stellen“, ist eine Strategie, die angeblich im lokalen Buchhandel ganz gut funktioniert. Beim Print.
Bei eBooks ist man für den Vertrieb auf überregionale PartnerInnen angewiesen und die interessieren sich absolut nicht dafür, woher man kommt oder wo das Buch spielt.

4. Gefälligkeitsrezensionen

Fünf Sterne bei Amazon sind toll. Ich rede aus Erfahrung, denn auch ich freue mir jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn jemand meine Bücher lobt. Aber wenn ausschließlich pauschale Urteile, wie das nachstehende abgegeben werden, guckt man sich die RezensentInnen auch mal genauer an.

Wunderschöne spannende Liebesgeschichte. Hat echt Spaß gemacht zu lesen, ich freue mich auf Band 2. Ich will unbedingt wissen wie es weitergeht.

Wenn dabei rauskommt, dass die sonst keine oder immer nur die gleichen drei AutorInnen loben, wird man als LeserIn schon stutzig. Und wenn dann nicht mal ein verifizierter Kauf dabei ist, kauft man dieses Buch gleich gar nicht. Mit Pech (für die AutorIn) merken sich die LeserInnen den Namen und kaufen nie wieder eines der Bücher.

5. BuchbloggerInnen nerven

Buchblogs sind eine tolle Erfindung und inzwischen gibt es mehr und mehr Plattformen, die sich auf SelfpublisherInnen spezialisieren. Als Medium für das eBook-Marketing optimal, denn wer Blogs liest, hat in der Regel auch weniger Vorbehalte gegen das elektronische Lesen allgemein.
Trotzdem sollte man auch hier die allgemeinen Regeln der Höflichkeit beachten. Niemand ist gezwungen, ein Buch zu lesen – auch eine BuchbloggerIn nicht. Der denkbar schlechteste Weg, zu einer Besprechung zu kommen ist, die Datei zu schicken und die BloggerIn eine Woche später zu bepöbeln, dass das Buch immer noch nicht besprochen ist (nein, ich sauge mir das Beispiel nicht aus den Fingern).

Nächsten Sonntag gibt es hier Ideen, was man besser oder statt dessen machen könnte.