[Selfpublishing] Tolino macht Druck

Seit neuestem kann man über Tolino-Media nicht nur E-Books erstellen, sondern seine Werke auch ganz klassisch auf Papier drucken lassen. Damit, und wegen seiner großen Nähe zum Buchhandel ist Tolino doppelt interessant für Selfpublishing geworden. Ein Grund, sich das Angebot näher anzusehen, zumal ich schon von einem anderen Selfpublisher gehört hatte, dass die Qualität sehr gut sei. Diese Info hatte ich aber erst mal nur im Hinterkopf abgelegt, weil die Märchenanthologie, an der ich derzeit arbeite, noch nicht veröffentlichungsreif ist.
Dann jedoch fand ich in meinen Mails die Einladung zum „Tolino-Print-Day.“

Selbstverständlich habe ich das genutzt und bin „hingegangen“. Virtuell, denn die Veranstaltung fand als Lifestream auf Youtube statt. Zunächst gab es eine allgemein gehaltene Einführung darüber, was jetzt alles möglich ist.

Der zweite Teil enthielt einen virtuellen Rundgang über die Plattform. Hierbei konnten dann auch Detailfragen gestellt und geklärt werden. Dabei wurde vor allem deutlich, dass vieles noch im Werden ist.

Für mich entstand der Eindruck, dass Tolino inzwischen alles anbietet, was andere Selfpublishing-Anbieter wie BoD, Amazon oder epubli auch können. Der Teufel versteckt sich wie immer im Detail (oder im Kleingedruckten).
Da ich bisher über BoD veröffentlicht habe, bietet sich der Vergleich mit den dortigen Konditionen an. Beide verwenden ähnliches, wenn nicht sogar das gleiche Papier (90g, weiß oder cremeweiß). Außerdem bekommen die Bücher eine ISBN und werden im Verzeichnis lieferbarer Bücher eingetragen, können also normal über den Buchhandel bestellt werden. Die Verträge sind nicht exklusiv und man behält alle Rechte.

Positiv an Tolino

  • unbegrenzte Vertragslaufzeit: Das war der Punkt, der mich als erstes hat hellhörig werden lassen und der für mich ein wesentlicher Grund für einen Wechsel wäre. Anders als bei BoD, wo man den Vertrag nur über ein Jahr abschließt und das Buch danach aus dem Handel verschwindet, bleibt es bei Tolino so lange erhältlich, bis der Vertrag storniert wird.
  • günstig: Die Gebühr für die Einrichtung des Buchs fällt bei Tolino niedriger aus, als bei BoD. Zwar ist BoD mit 19 Euro im Tarif Classic auch nicht teuer, aber Tolino ist noch mal um ein Viertel günstiger.
  • schnell: Nach dem, was im Stream gesagt wurde, ist Tolino außerdem bei Druck und Auslieferung schneller als BoD. Die Rede war von ca. 5 Tagen. Bei BoD können es schon mal 14 werden. Ob das bei steigenden Auftragszahlen so bleibt, wird sich natürlich noch herausstellen müssen.
  • kundenorientiert: Gut an Tolino gefällt mir auch die starke Kundenorientierung. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Auch BoD ist da super aufgestellt. Aber im Stream fiel eben auch auf, dass sich Tolino aktuell sehr darum bemüht, den Wünschen und Anforderungen gerecht zu werden und Anregungen aufzugreifen.

Nachteile gegenüber BoD

  • kein Impressumsservice: Auch, wenn man mit seinen Werken Ruhm und Ehre eringen will, möchten viele das nicht unter ihrem richtigen Namen tun. Nicht nur, weil wir alle schon von Stalkern gehört haben – es gibt viele gute Gründe für ein Pseudonym. Erst recht dafür, die eigene Anschrift nicht zu veröffentlichen. Leider bietet Tolino-Media – anders als BoD – keinen Impressumsservice.
  • keine Abgabe von Pflichtexemplaren: Von jedem, in Deutschland veröffentlichten Buch müssen zwei Exemplare an die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt und, je nachdem in welchem Bundesland die Veröffentlichung erfolgt, ein bis zwei weitere Exemplare an die jeweilige Landesbibliothek übersandt werden.* Bei BoD erfolgt diese Abgabe von Pflichtexemplaren automatisch. Tolino macht das derzeit nur bei E-Books.
  • keine Rezensionsexemplare: Bei BoD erhält man auf Nachfrage Rezensionsexemplare, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Bei Tolino ist das zumindest derzeit nicht der Fall.
  • geringere Marge(?): Hier habe ich ein Fragezeichen gesetzt, denn während sich mit dem Preiskalkulator von BoD sehr genau bestimmen lässt, wie viel man an einem Buch verdient, habe ich eine vergleichbare Funktion bei Tolino nicht gefunden. Daher habe ich die Preise für Bestellungen zum Eigenbedarf verglichen. Hier ist BoD dann doch erheblich günstiger.

*In Österreich existiert eine ähnliche Regel.


Fazit

Das Angebot von Tolino klingt erst mal durchaus attraktiv, wobei der größte Pluspunkt die unbegrenzte Vertragsdauer ist. Nicht jedes Jahr verlängern zu müssen, ist nicht nur organisatorisch ein großer Vorteil. Auch die schnellen Lieferzeiten sprechen für Tolino (wenn sie denn eingehalten werden). BoD punktet demgegenüber mit größerer Transparenz bei der Preisgestaltung, höheren Margen und – zumindest derzeit noch – besserem Service. Bei letzterem kann es sein, dass Tolino da noch nachlegt.

Alles in allem bin ich daher ganz froh, jetzt noch keine Entscheidung treffen zu müssen, sondern noch etwas abwarten zu können.


Wie siehst du das? Was ist für dich bei einem Anbieter wichtig?

Mein Pseudonym wird amtlich

28768659_964298187058547_1701217180_oIch habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Nike Leonhard nicht mein „richtiger“ Name ist. Warum ich ein Pseudonym benutze, habe ich hier schon mal beschrieben. Daneben gibt es noch diverse andere Gründe, für das Schreiben unter Pseudonym. Allerdings stand der Name Nike Leonhard bisher nur auf meinen Büchern. Um Verträge abzuschließen, musste ich weiterhin meinen „Realnamen“ verwenden, was teilweise für Irritationen gesorgt hat.

Das habe ich jetzt geändert. In drei Wochen bekomme ich einen neuen Personalausweis, in dem Nike Leonhard ganz offiziell als Pseudonym vermerkt sein wird.

Das Ganze war weitaus unkomplizierter als befürchtet.

Ich hatte vorher beim Bürgertelefon nachgefragt, bekam aber nur die sehr allgemein gehaltene Auskunft, ich müsse zum Meldeamt gehen und mein Anliegen vortragen. Nicht sehr hilfreich. Hilfreicher war der Tipp, morgens hinzugehen, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
Also habe ich mir einen Termin gesucht, an dem das Meldeamt früh öffnet und mir bis dahin Gedanken gemacht, was ich denen erzählen und welche Beweise für meine schriftstellerische Tätigkeit ich vorlegen könnte. Schließlich habe ich mich entschieden, nur Visitenkarten sowie die Printausgaben von Steppenbrand und Biss zum letzten Akt mitzunehmen und ansonsten auf die Einträge bei Google zu verweisen.

Trotzdem war ich beim Aufbruch ziemlich nervös. Was, wenn das nicht reicht? Oder der Nachweis verlangt wird, dass tatsächlich ich besagte Nike Leonhard bin und mich nicht nur für sie ausgebe? Dann fiel mir das Interview wieder ein, das im Rahmen von Literatur unter Strom entstand und bei ver.di verlinkt ist. Da ist auch ein Foto dabei. Also war ich erstmal beruhigt, bis mein Hirn das nächste Horrorszenario ausbrütete. Und so weiter.
Worauf ich nicht gefasst war, war der Mensch an der Information, der mir erklärte: „Da sind Sie hier falsch. Da müssen Sie zum Standesamt.“
Auf meinen Einwand, man habe mir aber gesagt, für Pseudonyme sei das Meldeamt zuständig, kam dann: „Ne, da haben die wohl was verwechselt. Wir können nur zusätzlich einen Künstlernamen eintragen.“
Ok, damit war das auch geklärt.

Zwanzig Minuten später saß ich vor einer Sachbearbeiterin, legte meine Bücher auf den Tisch und sagte, dass ich noch mehr geschrieben, das aber ausschließlich als E-Books veröffentlicht hätte.
„Ach, dann findet man Sie sicher auch bei Amazon?“
„Ja, und bei jeder anderen Online-Buchhandlung auch.“
„Super. Der Künstlername unterscheidet sich ja auch ausreichend von ihrem richtigen Namen. Haben Sie Fotos für den neuen Ausweis dabei?“
Hatte ich nicht. Damit, dass es so schnell und reibungslos gehen würde, hatte ich nämlich nicht gerechnet. War aber auch kein Problem, weil das Meldeamt einen Apparat für garantiert ausweistaugliche Fotos hat.

Eine Viertelstunde später waren wir mit allen Formalien durch. Ich habe 33,- € (inkl. Fotos) gezahlt und das war’s. Jetzt bin ich auch ganz offiziell Nike Leonhard. Nur meine Unterschrift sollte ich mal wieder üben.

 

#Autorinnenzeit: Zitat aus dem Buch einer Autorin

Heute mal kein langer Beitrag, sondern nur ein Zitat aus „Die Screwfly Solution“ von Alice B. Sheldon, die unter dem Pseudonym James Tiptree jr. schrieb. Das Zitat stammt aus einem Brief, den die Protagonistin einem alten Freund schreibt. Vermutlich dem letzten Brief, den sie je schreiben wird.

Weißt du, dass ich mit „wir“ noch nie Frauen gemeint habe? „Wir“, das waren immer Alan und ich, und Amy natürlich. Gezielt ermordet zu werden, ermuntert scheinbar zur Gruppenidentifikation …

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Die Illustration entstand unter Verwendung eines Bildes von Catharina77 (Quelle: Pixabay)

[Selfpublishing] Schreiben unter Pseudonym

Lewis Caroll tat es. Iny Lorenz tun es. Und ich mache es zugegebenermaßen auch: Schreiben unter Pseudonym. Stehe ich deshalb weniger hinter meinen Büchern? Nein, natürlich nicht. Wenn ich nicht von meinen Geschichten überzeugt wäre, würde ich sie gar nicht erst veröffentlichen.

Welche Gründe sprechen für ein Pseudonym?

Es gibt viele Gründe, sich ein Pseudonym zu suchen. Die von Kolleginnen und anderen Buchmenschen am häufigsten genannten sind:

  • Anonymität
  • häufiger Name
  • Verwechslungsgefahr mit anderen Autoren
  • unpassender Name
  • Markenbildung und -schärfung

Den Wunsch nach Anonymität habe ich ganz auf die Liste gesetzt, weil er auch am häufigsten genannt wird. In diesen Fällen schwingt manchmal ein bisschen Scham mit. Schließlich müssen die Kollegen nicht wissen, dass man Krimis mit schwulen Polizisten verfasst und den Verwandten zu erklären, dass man die heißen Szenen in seinen Erotikromanen nicht alle selbst erlebt hat, ist auch nicht unbedingt einfach.

Auch ein häufiger Name ist ein guter Grund, ein Pseudonym zu wählen, vor allem, wenn die Gefahr besteht, mit anderen Autoren verwechselt zu werden. Schließlich will man unter diesem Namen auch gefunden werden. Wie schwierig das ist, wenn man einen häufigen Nachnamen trägt, wird schnell klar, wenn man bei Wikipedia z. B. „Müller“ nachschlägt. Nicht nur, dass es darunter etliche Schriftsteller gibt, man will vielleicht auch nicht unbedingt mit einem Politiker, Schlagersternchen oder Sportler gleichen Namens in Verbindung gebracht werden.

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Bild: leandrodecavalhophoto via pixabay

Auch ein als unangenehm oder unpassend empfundener Name kann ein Grund für ein Pseudonym sein. Jürgen Fick (Fick ist in einigen Teilen Norddeutschlands ein sehr üblicher Familienname) taugt vielleicht noch für sehr explizite Erotik. Aber seien wir ehrlich: Selbst da klingt die Kombination aus dem biederen Vor- und dem „gewagten“ Nachnamen absurd. Und einen heiteren Familienroman würde man ihm vermutlich ebenso wenig abnehmen, wie Chantalle Himmelsbächer den knallharten Thriller.

Viele Autorinnen geben auch Markenbildung und -schärfung als Grund an, was von den Verlagen unterstützt wird. Der Grund ist, dass viele von uns in verschiedenen Genres schreiben. Als Leserin knüpft man aber auch an den Autor bestimmte Erwartungen. Das ist mir bei einem Roman von Sarah Paretsky deutlich geworden. Normalerweise schätze ich sie wegen ihrer realistischen hard-boiled Krimis, aber irgendwann ist mir ein sehr esoterisch angehauchter Geisterroman von ihr in die Hände gefallen, an dem ich alles vermisst habe, was ich an ihren Krimis liebe. Vielleicht hätte das Buch eine Chance gehabt, wenn ich die Krimis nicht gekannt hätte … Aber so: nein. Ging gar nicht.
Aus dem gleichen Grund hat J. K. Rowling vermutlich auch nur einen einzigen Krimi unter diesem Namen veröffentlicht. Inzwischen veröffentlicht sie als Rowling ausschließlich Fantasy. Ihre Krimis erscheinen unter Pseudonym.
Indirekt unter Markenbildung fällt auch, wenn man Pseudonyme benutzt, um einen sehr hohen „Literaturausstoß“ zu bemänteln. Vielschreiber werden ja oft mit Schlechtschreibern verwechselt, d. h. ihnen wird mangelnde Qualität unterstellt. Stephan King hat sich genau deshalb Pseudonymen bedient, um seinen Marktwert hoch zu halten.

Probleme mit dem Pseudonym

Natürlich gibt es Nachteile.
Wer ein Pseudonym nutzt, um anonym zu bleiben, hat als Selfpublisher z. B. erhebliche Nachteile bei der Werbung. Wenn es keinen Verlag gibt, der das Marketing übernimmt, muss man selber auf Menschen zugehen – und da bietet sich der eigene Freudes- und Bekanntenkreis nun mal als Erstes an. Denen klar zu machen, dass du Bücher schreibst, ist eine Sache (ich finde schon das schwer). Sie dazu zu bringen, sich ein Pseudonym zu merken, ist ungleich schwieriger.
Aber auch in den sozialen Medien stößt man mit einem Pseudonym auf Schwierigkeiten. Xing z. B. verbietet Pseudonyme ganz, ist also vollkommen ungeeignet, sich unter Pseudonym mit anderen zu vernetzen und sich einen Namen zu machen. Auch Facebook ist mit Pseudonym nur schwer nutzbar. Eigentlich darfst du dir dann nämlich nur eine Seite einrichten, was bedeutet, dass du nicht von dir aus Kontakt zu den Profilen „echter Menschen“ aufnehmen kannst. Außerdem kommst du als Seite nicht in Gruppen. Die Möglichkeiten, sich zu vernetzen, sind daher sehr eingeschränkt. Die einzige (aber eigentlich verbotene) Alternative besteht darin, deinem Pseudonym einen eigenen Account einzurichten – was inzwischen allerdings die Angabe einer Mobilfunknummer voraussetzt. Dumm, wenn du die schon für deinen privaten Account verwendet hast.

Geringere Probleme macht die Impressumspflicht in Büchern, auf Webseiten und in Blogs. Hier reicht es, einen Empfangsbevollmächtigten anzugeben. Das kann ein Impressumsdienst sein (wie ihn z. B. Papyrus Autor seinen Nutzern anbietet), aber auch der Nachbar, ein Familienangehöriger oder eine Freundin. Hauptsache, es ist eine Kontaktaufnahme möglich und die Post landet irgendwo, wo sich dich am Ende erreicht.
Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass du deinen eigenen Namen als Kontaktadresse angeben kannst, ohne dass man daraus zwingend schließen kann, dass das Pseudonym zu diesem Namen gehört.

Was macht ein gutes Pseudonym aus?

Wie immer gibt es also keinen Königsweg. Letztlich muss jede/r selbst entscheiden, was in seinem/ihren Fall das Beste ist. Wer sich für ein Pseudonym entscheidet, sollte sich die Zeit nehmen, gründlich darüber nachzudenken, welches das Richtige ist.
Dabei lassen sich die beiden wesentlichen Kriterien eines guten Pseudonyms schon aus dem ersten Absatz ableiten: Ein gutes Pseudonym ist ein Name mit hohem Wiedererkennungswert, der zum Genre passt.

Zum Wiedererkennungswert gehört auch, dass der Name eingängig sein sollte. Deshalb Vorsicht bei exotischen Namen. Qui Xiaolong ist zwar (für Europa) selten, aber (für Europäer) auch schwer zu merken. Drago Fellner bleibt deutlich besser haften.

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Bild: Mysticartdesign via pixabay

Natürlich kommt dann auch noch der Wohlfühlfaktor dazu. Ein Pseudonym, wird idealerweise so etwas, wie eine zweite Haut. Nicht unbedingt eine andere Identität, eher wie Kleidung, die bestimmten öffentlichen Anlässen vorbehalten bleibt. Auch da wählt man vorzugsweise das, was einem selber gefällt. Allerdings sollte das Pseudonym langlebiger sein. Schließlich will man in der Regel mehr als ein Buch veröffentlichen. Also lieber keinen hochkreativen, top-angesagten Namen wählen. Nichts veraltet so schnell, wie die Mode. Und nichts ist später so peinlich. Das gilt für Klamotten genauso wie für Namen.

Auch ich habe meinen Namen sehr bewusst gewählt und mir Bestandteile gesucht, die für mich hohen Symbolwert besitzen. Nike ist die griechische Siegesgöttin. Leonhard kommt von Löwenherz. Beides zusammen drückt für mich den Willen aus, mich in einem schwierigen Umfeld erfolgreich zu behaupten.
Ich finde außerdem, dass der Name gut klingt, ungewöhnlich genug ist, um aufzufallen und zur Phantastik passt. Wenn ich besser nachgedacht und ein bisschen Marktforschung betrieben hätte, hätte ich mich vermutlich trotzdem dagegen entschieden, weil der Name Nike fast automatisch mit Sportbekleidung assoziiert wird. Da ich mich weder für Sport, noch für Klamotten sonderlich interessiere, ist mir das aber entgangen. Jetzt muss ich mit den Folgen klarkommen.


Und du? Schreibst du unter Pseudonym oder Klarnamen? Was sind die Vor- und Nachteile, die du erlebst?

Warum ich ein Pseudonym benutze

Nike Leonhard ist nicht mein richtiger Name. Dass ich den nicht benutze, hat mehrere Gründe. Zum einen sind Autorennamen so etwas, wie Marken. Sie müssten einprägsam sein und zum Produkt passen, also zum Genre, in dem man schreibt. Angeblich erfüllt mein richtiger Name diese Voraussetzungen sogar (auch wenn ich ihn als zu lang empfinde, um einprägsam zu sein), aber es gibt noch ein anderes Problem: Unter meinem richtigen Namen habe ich bereits mehrere Sachtexte u.a. zu historischen Themen veröffentlicht. Und da passt es nun gar nicht, wenn dieser Name auch auf einer Reihe mit in phantastischen und historischen Kurzgeschichten steht, zumal es im Bereich „History“ mehr um Geschichten, als um historische Wahrheiten geht. Anders gesagt: Wenn ich phantastische Elemente oder Anachronismen in eine meiner historischen Kurzgeschichten einbaue, ist das literarisch vollkommen ok. Aber es birgt die Gefahr, dass danach die Sachtexte weniger ernst genommen werden, wenn der gleiche Name drunter steht.

Daher habe ich beschlossen, den Codex Aureus unter einem ähnlichen Namen zu schreiben, unter dem ich mich beim NaNoWriMo angemeldet habe. Damals hatte ich gehofft, dass er mir Glück bringt und in gewisser Weise hat er das auch getan. Ich hoffe, dass das ein gutes Vorzeichen ist.

Es geht los: Anmeldung bei Tolino, neobooks und Amazon

Es geht in die heiße Phase mit der Veröffentlichung. Ich habe mich entschieden, den Codex Aureus nicht nur über neobooks, sondern auch über Amazon und Tolino direkt zu vertreiben. Also brauche ich bei allen dreien ein Konto.
Woran ich natürlich nicht gedacht habe, ist der ganze „Papierkram“, der damit verbunden ist. Für alle, die das auch vorhaben, schon mal vorab der Tipp: Haltet außer euren Steuerunterlagen auch eure EC-Karte bereit. Wenn ihr IBAN und BIC nicht im Kopf habt, werdet ihr sie brauchen.

Amazon

Um hier zu veröffentlichen, reicht es nicht, sich mit dem bestehenden Konto anzumelden. Statt dessen muss man ein neues Konto bei KDP einrichten. Gut, KDP ist die Publishing-Plattform, Amazon der Vertrieb. So weit ist das noch logisch. Aber wer hätte gedacht, dass man dabei auch eine Selbstauskunft für die amerikanische(!) Steuerbehörde erteilen muss? Sogar, wenn man ausschließlich über amazon.de verkaufen will. Außerdem muss man natürlich die gewünschte Zahlweise und die bevorzugte Währungsart eingeben. Warum Amazon dabei die Auszahlung per Scheck als Voreinstellung hat, bleibt aber das Geheimnis des Programmierers.
Insgesamt ist die Anmeldung aber einfach und das Formular selbsterklärend. Was mir gefehlt hat, war lediglich die Information, mit welchem Namen man sich anmelden sollte. Das ist schließlich nicht ganz unerheblich, wenn man unter Pseudonym(en) veröffentlicht und so ganz klar ist mir die Antwort immer noch nicht. Aber auch wenn Amazon/KDP nirgends darauf hinweist: Es ist möglich, sich mit einem Namen anzumelden und unter einem anderen zu veröffentlichen. Vermutlich ist es deshalb vermutlich besser, den richtigen Namen benutzen, weil es sonst beim Ausfüllen der Selbstauskunft für die amerikanische Steuerbehörde kritisch wird. Wenn man unter mehreren Pseudonymen schreibt, erleichtert das außerdem die Buchhaltung, weil man nur eine Abrechnung bekommt, statt für jedes Pseudonym eine.
Mit der Anmeldung bei KDP kann man aber immer noch keine Autorenseite anlegen. Dafür braucht man ein neues Konto, diesmal bei Author Central. Das ist zwar verlinkt – aber die Anmeldung bringt gar nichts, wenn man noch nichts veröffentlicht hat. Wenn Author Central keine Veröffentlichung findet, fliegt man. Also keine Chance, eine Autorenseite einzurichten, bevor das Buch erhältlich ist. Das ist, laut Auskunft von KDP etwa 12 Stunden nach dem Hochladen der Fall. Der Tipp bei KDP, sich auf einer Autorenseite vorzustellen, ist zu diesem Zeitpunkt also noch ziemlich für die Füße. Vorabmarketing ist hier offenbar nicht vorgesehen.

Tolino

Die Informationen bei Tolino media, der Selfpublishing-Plattform von Tolino, sind deutlich sparsamer, als bei den FAQs von KDP. Da wäre mehr, mehr gewesen. Dafür überrascht das Registrierungsverfahren positiv: Das Formular ist übersichtlich gestaltet, man kann den Nutzernamen frei wählen und braucht im Übrigen nur einen Namen, die eMail-Adresse und ein Passwort einzugeben. Um richtig loslegen zu können, muss man danach nur noch den Link in der Bestätigungsmail anklicken.
Anschließend ist es einem selbst überlassen, ob man erst sein Profil vervollständigen möchte oder lieber gleich das Buch hochladen will. Hier muss ich ein Kompliment an die Designer und Programmierer aussprechen: Die Formulare sind gut lesbar und die Menüführung ist sehr übersichtlich gestaltet. Ich habe mich hier deutlich wohler gefühlt, als bei Amazon.
Was fehlt, ist die Möglichkeit, öffentliche Autorenprofile einzurichten. Das eigene Profil dient ausschließlich für den „internen Gebrauch“, also zur Übersicht über Veröffentlichungen, Verkäufe und natürlich für die Abrechnung.

neobooks

Die Startseite von neobooks ist deutlich textlastiger und damit auch ein Stück unübersichtlicher, als die beiden anderen. Außer Werbung für die Plattform bietet sie aber auch nützliche Informationen für Autoren. Aber auch hier fehlt ein Hinweis darauf, mit welchem Namen man sich registrieren soll. Das Registrierungsformular ist dann allerdings fast identisch mit dem von Tolino media. Nur die Farben sind andere. Die Begrüßungsseite ist aber wieder ganz neobooks. Nach der Anmeldung kann man nicht nur Texte hochladen, sondern ist automatisch Teil der neobooks-Community. Die Möglichkeit zur Selbstdarstellung beschränkt sich dabei nicht auf die Foren; man kann sich auch ein Profil anlegen und darin über Interessen, Kenntnisse, Projekte etc. informieren. Inwieweit dieses Profil öffentlich ist, muss ich noch rausfinden, aber es lässt sich schon jetzt sagen, dass neobooks der Vorstellung von einem rundum-glücklich-Paket für Autoren schon sehr nahe zu kommen scheint.
Bevor ich weiter mache, lege ich mir hier erst Mal ein Profil an und gebe meine Finanzdaten ein.