[Selfpublishing] Tolino macht Druck

Seit neuestem kann man über Tolino-Media nicht nur E-Books erstellen, sondern seine Werke auch ganz klassisch auf Papier drucken lassen. Damit, und wegen seiner großen Nähe zum Buchhandel ist Tolino doppelt interessant für Selfpublishing geworden. Ein Grund, sich das Angebot näher anzusehen, zumal ich schon von einem anderen Selfpublisher gehört hatte, dass die Qualität sehr gut sei. Diese Info hatte ich aber erst mal nur im Hinterkopf abgelegt, weil die Märchenanthologie, an der ich derzeit arbeite, noch nicht veröffentlichungsreif ist.
Dann jedoch fand ich in meinen Mails die Einladung zum „Tolino-Print-Day.“

Selbstverständlich habe ich das genutzt und bin „hingegangen“. Virtuell, denn die Veranstaltung fand als Lifestream auf Youtube statt. Zunächst gab es eine allgemein gehaltene Einführung darüber, was jetzt alles möglich ist.

Der zweite Teil enthielt einen virtuellen Rundgang über die Plattform. Hierbei konnten dann auch Detailfragen gestellt und geklärt werden. Dabei wurde vor allem deutlich, dass vieles noch im Werden ist.

Für mich entstand der Eindruck, dass Tolino inzwischen alles anbietet, was andere Selfpublishing-Anbieter wie BoD, Amazon oder epubli auch können. Der Teufel versteckt sich wie immer im Detail (oder im Kleingedruckten).
Da ich bisher über BoD veröffentlicht habe, bietet sich der Vergleich mit den dortigen Konditionen an. Beide verwenden ähnliches, wenn nicht sogar das gleiche Papier (90g, weiß oder cremeweiß). Außerdem bekommen die Bücher eine ISBN und werden im Verzeichnis lieferbarer Bücher eingetragen, können also normal über den Buchhandel bestellt werden. Die Verträge sind nicht exklusiv und man behält alle Rechte.

Positiv an Tolino

  • unbegrenzte Vertragslaufzeit: Das war der Punkt, der mich als erstes hat hellhörig werden lassen und der für mich ein wesentlicher Grund für einen Wechsel wäre. Anders als bei BoD, wo man den Vertrag nur über ein Jahr abschließt und das Buch danach aus dem Handel verschwindet, bleibt es bei Tolino so lange erhältlich, bis der Vertrag storniert wird.
  • günstig: Die Gebühr für die Einrichtung des Buchs fällt bei Tolino niedriger aus, als bei BoD. Zwar ist BoD mit 19 Euro im Tarif Classic auch nicht teuer, aber Tolino ist noch mal um ein Viertel günstiger.
  • schnell: Nach dem, was im Stream gesagt wurde, ist Tolino außerdem bei Druck und Auslieferung schneller als BoD. Die Rede war von ca. 5 Tagen. Bei BoD können es schon mal 14 werden. Ob das bei steigenden Auftragszahlen so bleibt, wird sich natürlich noch herausstellen müssen.
  • kundenorientiert: Gut an Tolino gefällt mir auch die starke Kundenorientierung. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Auch BoD ist da super aufgestellt. Aber im Stream fiel eben auch auf, dass sich Tolino aktuell sehr darum bemüht, den Wünschen und Anforderungen gerecht zu werden und Anregungen aufzugreifen.

Nachteile gegenüber BoD

  • kein Impressumsservice: Auch, wenn man mit seinen Werken Ruhm und Ehre eringen will, möchten viele das nicht unter ihrem richtigen Namen tun. Nicht nur, weil wir alle schon von Stalkern gehört haben – es gibt viele gute Gründe für ein Pseudonym. Erst recht dafür, die eigene Anschrift nicht zu veröffentlichen. Leider bietet Tolino-Media – anders als BoD – keinen Impressumsservice.
  • keine Abgabe von Pflichtexemplaren: Von jedem, in Deutschland veröffentlichten Buch müssen zwei Exemplare an die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt und, je nachdem in welchem Bundesland die Veröffentlichung erfolgt, ein bis zwei weitere Exemplare an die jeweilige Landesbibliothek übersandt werden.* Bei BoD erfolgt diese Abgabe von Pflichtexemplaren automatisch. Tolino macht das derzeit nur bei E-Books.
  • keine Rezensionsexemplare: Bei BoD erhält man auf Nachfrage Rezensionsexemplare, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Bei Tolino ist das zumindest derzeit nicht der Fall.
  • geringere Marge(?): Hier habe ich ein Fragezeichen gesetzt, denn während sich mit dem Preiskalkulator von BoD sehr genau bestimmen lässt, wie viel man an einem Buch verdient, habe ich eine vergleichbare Funktion bei Tolino nicht gefunden. Daher habe ich die Preise für Bestellungen zum Eigenbedarf verglichen. Hier ist BoD dann doch erheblich günstiger.

*In Österreich existiert eine ähnliche Regel.


Fazit

Das Angebot von Tolino klingt erst mal durchaus attraktiv, wobei der größte Pluspunkt die unbegrenzte Vertragsdauer ist. Nicht jedes Jahr verlängern zu müssen, ist nicht nur organisatorisch ein großer Vorteil. Auch die schnellen Lieferzeiten sprechen für Tolino (wenn sie denn eingehalten werden). BoD punktet demgegenüber mit größerer Transparenz bei der Preisgestaltung, höheren Margen und – zumindest derzeit noch – besserem Service. Bei letzterem kann es sein, dass Tolino da noch nachlegt.

Alles in allem bin ich daher ganz froh, jetzt noch keine Entscheidung treffen zu müssen, sondern noch etwas abwarten zu können.


Wie siehst du das? Was ist für dich bei einem Anbieter wichtig?

Ein Geständnis und eine Neuauflage

Jetzt muss ich etwas zugeben, das mir sehr, sehr peinlich ist: Das erste Buch, das ich im Print herausgebracht habe, ist Mist. Nicht die Geschichte. Die ist nach wie vor gut und thematisch aktueller denn je, obwohl es eine Fantasyerzählung ist.
Zeichensetzung und Rechtschreibung allerdings … Das ist mir echt peinlich! Deshalb habe ich auch so wenig Werbung für Steppenbrand gemacht. Ich kann schließlich nicht guten Gewissens ein Buch anpreisen, von dem ich selber nicht überzeugt bin.

Nun kannst du dir sicher schon denken, dass ich das nicht erzähle, um mein eigenes Buch schlecht zu reden. Ich erzähle es zum Einen, weil ich mich bei denen entschuldigen möchte, die das Buch gekauft und sich geärgert haben.
Ich erzähle es aber auch, weil ich gerade dabei bin, Abhilfe zu schaffen. Inzwischen habe ich das Skript korrigiert und demnächst wird Steppenbrand in einer neuen, korrigierten Auflage erscheinen. Um beide auch optisch unterscheiden zu können, habe ich das Cover leicht verändert. So ist hoffentlich gewährleistet, dass niemand versehentlich die fehlerhafte Auflage kauft, so lange noch Bücher am Markt sind.

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So sieht die neue Auflage aus. Allerdings sieht man hier noch die Beschnittränder, die hoffentlich ganz wegfallen, so dass der rote Rahmen jetzt direkt mit den Buchkanten abschließt. Der auffallendste Unterschied ist aber vermutlich, dass der Reihentitel und mein Name die Positionen getauscht haben und Codex Aureus jetzt unter dem Titel Steppenbrand steht.

Außerdem gibt es innen jetzt am Ende jedes Kapitels eine kleine Grafik: Dolch und Blumen. Natürlich hat auch sie etwas mit der Geschichte zu tun. Wer das Buch schon kennt, weiß vielleicht, was es damit auf sich hat.

Dolch und Blumen

Denen, die schon die erste Auflage besitzen, mache ich folgendes Angebot: Schickt euer Exemplar an die im Impressum angegebene Adresse. Im Gegenzug erhaltet ihr die überarbeitete Ausgabe. Natürlich erstatte ich euch auch das Porto (in Briefmarken). Schließlich möchte ich, dass ihr Spaß am Lesen habt.

[Selfpublishing] Welche Software wird gebraucht? – Teil 3: Das Manuskript für den Druck vorbereiten

Wer seine Bücher im Print über eine der gängigen Plattformen veröffentlichen will, braucht ein PDF. So weit so einfach. PDFs lassen sich schließlich mit jedem gängigen Textverarbeitungsprogramm erzeugen. Deutlich schwieriger ist es, PDFs zu erzeugen, bei denen das Ergebnis auch gut aussieht.

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Anders als das eBook erfordert der Druck extrem viele Festlegungen. Schließlich soll das Schriftbild harmonisch wirken. Dazu gehört nicht nur die Auswahl des Fonts. Man muss auch darauf achten, dass sich die Zeilen auf gegenüberliegenden Seiten auf gleicher Höhe befinden. Neue Kapitel müssen auf einer neuen Seite beginnen. Man braucht Seitenzahlen, allerdings nicht überall. Außerdem es gilt Hurenkinder und Schusterjungen genauso zu vermeiden wie zu große Abstände zwischen den Worten.
Die gestalterischen Anforderungen des Buchsatzes wären noch mal einen eigenen Artikel, wenn nicht sogar eine Serie wert. Aber hier soll es ja um Software gehen und da muss man leider eines feststellen: Keins der mir bekannten Textverarbeitungsprogramme ist geeignet, diese Anforderungen zu erfüllen.
So sehr ich Open Office und seinen Nachfolger Libre Office sonst propagiere: Ich habe einmal ein Leporello (DIN A4, 2x gefaltet, Vorder- und Rückseite bedruckt) mit Open Office gesetzt und bin darüber fast wahnsinnig geworden. Ein Buch – nie im Leben! Von anderen SPler*innen weiß ich, dass es ihnen mit Word genauso geht. Selbst Papyrus Autor, das verspricht, ein vollwertiges DTP* zu liefern, konnte in dem Punkt (zumindest in der Version 7) nicht überzeugen.

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Die Lösung ist – wie nicht anders zu erwarten – für den Buchsatz auf eine, speziell dafür geschriebene Software zurückzugreifen.
Die Standartlösung ist InDesign von Adobe. Es ist weit verbreitet und entsprechend viele Tutorials lassen sich im Netz finden. Der Nachteil: InDesign gibt es nur als Abo. Wer es nutzen will, muss jedes Mal wieder zwischen 24 und 30 Euro zahlen.
Dieser Preis war einer der Gründe, weshalb ich vor Prints lange zurückgeschreckt war. Es ist zwar nicht viel, aber auf Dauer summieren sich die ganzen Miniausgaben einfach. Und wenn man wie ich den Anspruch hat, irgendwann vom Schreiben leben zu können, muss man das Geld irgendwie auch wieder reinholen.
Mein Familiennerd hat mir deshalb LaTex empfohlen. Aber LaTex kenne ich noch in Uraltversionen: furchtbar kompliziert, kein WYSIWYG und insgesamt ganz gruselig. Da habe ich mich nicht rangetraut, obwohl natürlich auch Programme mit der Zeit gehen und die Beschreibung des Nachfolgers Texmaker bei Chip eigentlich sehr vielversprechend klingt.
Statt dessen bin ich der Empfehlung von J. M. Volckmann gefolgt, der seine 99 Namen mit Scribus gesetzt hat. Scribus ist eine kostenlose Open Source Software, die zum Betrieb das ebenfalls kostenlose Open Source Programm Ghostscript benötigt. Hat man beides auf dem Rechner, hat man eine professionelle Lösung, für verschiedene Anwendungen, die jedenfalls beim Veröffentlichen von Belletristik keine Wünsche offen lässt. Das einzige Problem ist, eine vernünftige Anleitung zu finden. Es gibt zwar ein Wiki, das aber vor allem für erfahrene Anwender geeignet ist, die Tutorials auf Youtube sind überwiegend unbrauchbar (jedenfalls, für Menschen, die Belletristik veröffentlichen wollen). Auf den Seiten des Wieken-Verlags gibt es jedoch eine sehr gute, neunteilige Einführung.
Hat man sich erst mal eingefunden, ist der Umgang mit Scribus unproblematisch. Ich habe Steppenbrand damit gesetzt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.


 

*Desktop-Publishing


Print 1

Steppenbrand ist überall im Buchhandel bestellbar.

BoD, 8o Seiten, ISBN 978-3-7440-89631-3
4,99 €

Zur Leseprobe

Es hat geklappt!

Und fast hätte ich es nicht mitbekommen, weil der Postbote das Päckchen klammheimlich im Briefkasten deponiert hat. Dort wäre es auch das Wochenende über geblieben, wenn mein Großer keine Langeweile gehabt und deshalb erst in den Schränken und schließlich auch im Briefkasten nach Abenteuern gesucht hätte.
So habe ich es bekommen, während ich eigentlich gerade dabei war Abendessen zu kochen. Als ich die Verpackung aufgerissen habe, haben mir die Hände gezittert, so nervös war ich. Nicht, dass am Ende alles schief und krumm und ganz fürchterliche Farben …

Nein, hat es nicht. Zwar hat BoD sich nicht an seine eigenen Beschnittgrenzen gehalten oder ich habe bei der Umrechnung von Pixeln in Zentimeter doch einen Fehler gemacht – aber egal! Es sieht gut aus. Ich mag es. Auch Satz und Schriftbild sind sehr gut geworden.

Print 1

Leider habe ich bei all der Aufregung nicht daran gedacht, Bilder vom Auspacken zu machen und diese Aufnahme vom Handy ist auch eher mäßig. Aber zum Zeigen reicht es.

Ab jetzt ist Steppenbrand überall im Buchhandel erhältlich.
BoD, 8o Seiten, ISBN 978-3-7440-89631-3
4,99 €

Zur Leseprobe

Lebenszeichen

Auf dem Blog ist es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden, aber mein Karma fand, dass ich mich noch um zwei bis drei andere Dinge kümmern sollte. Immer nur Familie, Schreiben, Bloggen, Social Media, Marketing – das war ihm auf die Dauer wohl zu wenig. Na, jedenfalls hat es für Abwechslung gesorgt.

Leider hat es dabei übersehen, dass der Tag trotzdem nicht mehr als 24 Stunden hat und der Mensch irgendwann vielleicht auch mal schlafen sollte (eine vollkommen überbewertete Tätigkeit, ich weiß). Deshalb sind Blog und Schreiben leider ein bisschen kurz gekommen.

Aber ich habe gute Nachrichten:

  • Die Vampirgeschichte ist in der ersten Version fertig. Aktuell fräse ich mich durch die Überarbeitung, was vor allem bedeutet, Anachronismen zu eliminieren. Dadurch, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielt, hat sich leider einiges eingeschlichen, was dort nichts zu suchen hat. Wäre ich Jasper Fforde, würde ich vermutlich jetzt überlegen, welchen Schaden Anachronismen in Romanen anrichten können und wie ich Thursday Next aus dem Ruhestand holen kann. Allerdings bin ich nicht Jasper Fforde.
  • Dafür habe ich eine weitere Geschichte aus der Welt der Khon in Planung. Sie spielt etwa 60 Jahre nach Steppenbrand. Damit ist sie vollkommen eigenständig zu lesen, obwohl es natürlich immer wieder Bezüge gibt. Sogar die goldenen Reiter tauchen wieder auf. Über den Umfang kann ich jetzt noch nichts genaueres sagen, aber vermutlich wird sei deutlich länger sein, als alle bisher im Codex Aureus erschienenen Texte. Aktuell fliegen mir die Ideen dafür nur so zu oder vielmehr habe ich das Gefühl, die Geschichte sei schon da, ich müsse sie nur finden und nacherzählen.
  • Außerdem beabsichtige ich, Steppenbrand als Print herauszugeben, da die Veröffentlichung über BoD weitaus günstiger ist, als gedacht. Erscheinungsdatum ist ein paar Wochen vor der neuen Khon-Story, die aufgrund der vermuteten Länge ebenfalls für den Druck vorgesehen ist.

Trotzdem wird es im Blog die nächste Woche sehr ruhig bleiben, weil ich mit der 30-Jahr-Feier meines Mittelaltervereins beschäftigt bin. Auch meine Vorbereitungen hierfür sind arg ins Hintertreffen geraten. Aber danach …

Hoffe ich jedenfalls.

Wir lesen uns.

eBooks: Flatrates, Verkauf und Produktpiraterie

Dieser Artikel ist gewissermaßen ein Nachklapp zu dem vom 07.11., in dem ich der Frage nachgegangen war, wie verfehltes eBook-Marketing die Preisspirale immer weiter nach unten treibt.

Ausgehend von diesem Artikel hatte ich heute morgen eine sehr inspirierende Unterhaltung mit der Autorin Anne Colwey, die schrieb, sie überlege wegen der um sich greifenden eBook-Piraterie ernsthaft, ihre Bücher künftig nur noch als Prints herauszugeben.
Da reine eBook-Verlage nichts gegen den Preisverfall und Produktpiraterie täten, müsse man darüber nachdenken, die Zusammenarbeit einzustellen und in letzter Konsequenz zum „klassischen Veröffenlichungsweg“ zurückzukehren. Also Agentur und Printverlag.
Das Problem der Produktpiraterie gebe es nicht erst seit gestern, würde aber trotzdem vernachlässigt. Und Selfpublisher könnten ihre ohnehin knappe Zeit nicht auch noch damit verbringen, auf Piratenjagd zu gehen.

Ich stimme dem in fast allen Punkten zu. Mit einer Ausnahme: Bei meinem Formaten ist der „klassische Weg“ leider ausgeschlossen. Alles unter 250 Seiten ist für die meisten Verlage vollkommen uninteressant – und die wenigen, die auch Novellen und Erzählungen im Programm haben, veröffentlichen keine Fantasy.
Und für mich ist Print ist einfach zu teuer, weil die Nische zu klein ist. Selbst bei BoD müsste ich meine Bücher so teuer machen, dass sie keiner kauft.

Andererseits kann es das ja wohl auch nicht sein, dass man ein technisches Verfahren, das es Lesern erlaubt, günstiger an Bücher zu kommen, nicht mehr nutzt, weil andere es ausnutzen.
Sicher: Wenn es keine eBooks mehr gäbe (bis auf den Ramsch, den man Selfpublishern nachsagt und von Autoren, wie mir, die sich nichts anderes leisten können), würden sich die Piraten nach einträglicheren Geschäftsmodellen umsehen. Raubkopien im Preissegment 0 – 99 Cent lohnen nicht. Schon gar nicht, wenn nicht mal ein Bestseller darunter ist.
Aber ist es das, was wir wirklich wollen? Sollten wir nicht alle – und damit meine ich Autoren genauso wie Leser, Selfpublisher wie Verlage – daran interessiert sein, das eBook am Leben zu halten? Und zwar so, dass alle, die es produzieren, auch etwas davon haben, damit sie für Nachschub sorgen?
Dann wäre es doch konsequent, gemeinsam Druck zu machen. Gemeinsam dafür einzutreten, dass die illegalen Verkäufe durch Piratenportale unterbunden werden. Zum Beispiel, indem man die Verkäufer zur Nachzahlung der unterschlagenen Tantiemen zwingt. Die Server mögen ja im außerhalb der EU stehen – aber die Verkäufer sitzen oft innerhalb der EU.
Genauso konsequent wäre es, den Preisverfall zu stoppen, eBooks nicht als Flatrate, sondern nur noch im Modell der Onleihe zu verleihen (was durch entsprechende Lizenzvereinbarungen möglich ist).

Aber wir müssen schon selber aktiv werden. Von alleine wird sich in der Politik kaum etwas zu unseren Gunsten ändern. Im Gegenteil. Im Justizministerium von Nordrhein-Westfalen wird nach Informationen der Legal Tribune Online auf einen Bundesratsentwurf hingearbeitet, der den Verkauf „gebrauchter“ eBooks ermöglicht. Da es keinen Kopierschutz für eBooks gibt, der auch nur ansatzweise sicher stellt, dass ein so verkauftes Buch auch tatsächlich aus dem Bestand gelöscht wird, wäre das quasi der Freibrief für die Raubkopierer.

Tja. Und nun seid ihr dran. Meiner Meinung nach ist es noch nicht zu spät. Aber wenn wir das aufhalten wollen, dann müssen wir bald in die Puschen kommen. Alle.

Oder wie siehst du das?

Eine Buchhandlung für Selfpublisher!

Nach den Klagen über Buchhandlungen, die sich weigern, Bücher von Indieautoren, Selfpublishern und kleinen Verlagen zu verkaufen, hier das genaue Gegenteil. Wenn ich mal eine gedruckte Anthologie meiner Kurzgeschichten herausgeben sollte, wäre das garantiert ein Anlaufpunkt!

Durch Zufall bin ich gestern beim Newsportal indie publishing auf ein sehr interessantes Interview mit der Buchhändlerin Bianca Bolduan gestoßen die inzwischen in drei norddeutschen Städten Filialen ihrer Buchhandlung “Wortwerke” betreibt. In dem langen und eindringlichen Text stellt Bolduan ihr Konzept vor, in ihren Buchhandlungen speziell den Werken von Selfpublishern und Kleinverlagen Platz einzuräumen. Das […]

über Meldung und Meinung: Eine Buchhandlung speziell für Selfpublisher — Mein Traum vom eigenen Buch

Verlag oder Selfpublishing?

Welcher ist euer Weg und wieso?

Um diese Autorenfrage von Jill Noll entspann sich letzte Woche eine spannende Diskussion auf Twitter. Die grundsätzlichen Pros und Contras sind bekannt und waren entsprechend schnell zusammengetragen. Fast erwartungsgemäß stellte sich heraus, dass die Vorzüge des einen, gleichzeitig die Nachteile des anderen sind.

Vorzüge des einen sind die Nachteile des anderen

  • Für den Verlag spricht natürlich, dass der Verlag das Lektorat und das Cover bezahlt (bei gedruckten Büchern auch den Satz), das Marketing übernimmt und einen Vorschuss zahlt. Ein weiterer Vorteil (bei Print) ist die erhöhte Sichtbarkeit, weil Bücher von Verlagsautoren leichter den Weg in die Buchhandlung finden.
    Für den Verlagsautor heißt das: Mehr Zeit zum Schreiben und kalkulierbare Einnahmen.
  • Für Selfpublishing sprechen vor allem die größeren Gestaltungsmöglichkeiten. Man kann Cover, Klappentext, Schriftart, Preis und Marketingmaßnahmen selber bestimmen. Auch beim Inhalt redet einem niemand rein. Außerdem bekommt man einen deutlich höheren Anteil vom Verkaufspreis und muss sich nicht mit Deadlines rumschlagen.
    Insgesamt genießt man als Selfpublisher deutlich mehr Freiheiten.

Auf die Details kommt es an

An dem Punkt hätte die Diskussion zuende sein können, tatsächlich nahm sie aber erst Fahrt auf, weil jetzt die persönlichen Erfahrungen mit ins Spiel kamen. Vieles, was bei Verlagsautoren als Vorteil gesehen wird, stimmt nämlich nur für die großen Publikumsverlage – und selbst da nur eingeschränkt.

Viel verdienen Autoren meist sowieso nicht. Egal ob SP o. Verlag. (Anja Kiel)

So ist ein Verlagsvertrag durchaus keine Garantie, in den Buchhandel zu kommen. Das liegt nicht unbedingt an den Verlagen, sondern am Buchhandel selbst. Der oft beschworene kleine Buchhändler um die Ecke ist nicht notwendigerweise ein Hort der Kultur oder Reservat für besondere Bücher, sondern meist nur Umschlagsplatz für Schnelldreher. Das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern entspricht auch der des Seitenstraßen Verlags, der sie in mehreren Blogbeiträgen geschildert hat (auch die Kommentare sind interessant).
Auch optimales Marketing ist bei einem Verlagsvertrag nicht garantiert. Die großen Publikumsverlage investieren vor allem in die voraussichtlichen Bestseller. Was als „Füllstoff“ ins Programm aufgenommen wird, bekommt oft nur einen Platz in der Vorschau und vielleicht noch eine Autorenseite. Wenn der Autor mehr will, muss er sich selber kümmern. Damit tritt in gewisser Weise eine selbsterfüllende Prophezeiung in Kraft: Der Verlag erwartet wenig und investiert deshalb wenig. Dadurch ist die Sichtbarkeit gering und das Buch hat wenig Chancen wahrgenommen und gekauft zu werden. Die Folge: Es macht nur wenig Umsatz und fliegt nach 2 Jahren aus dem Programm.
Der Autor ist damit doppelt gekniffen: Er verdient wenig, denn natürlich richten sich die Vorschüsse nach den Verkaufserwartungen. Je weniger Umsatz der Verlag von einem Buch erwartet, desto geringer fällt der Vorschuss für den Autor aus. Außerdem hat er einen Flopp produziert; der Verlag wird daher auch in Zukunft wenig von ihm erwarten und sich wenig für ihn einsetzen.

Auf der anderen Seite sieht es beim Selfpublishing keineswegs besser aus. Das erste große Problem des Selfpublishers ist, überhaupt wahrgenommen zu werden.

Beim SP absolutes Con: Marketing, weil oft das Netzwerk/Zeit fehlt (Bianca Fuchs)

Mit gedruckten Büchern hat man immerhin noch Chancen auf ungewöhnliche Vertriebswege. So hat z. B. Nele Neuhaus ihre ersten Bücher auch über die Fleischfabrik ihres Mannes verkauft. Bei eBooks ist man ganz und gar auf die Listen der Online-Buchläden angewiesen, wo das eigene Buch eines von tausenden ist. Die Chance, als Neueinsteiger wahrgenommen zu werden ist Null, so lange man kein Marketing macht.
Für Marketing braucht man aber Ideen, ein Netzwerk und Zeit – oder Geld. Mit Geld lassen sich Werbekampagnen bezahlen. Aber die wenigsten Selfpublisher haben genug Geld, das zu bezahlen. Also muss man sich selber kümmern. Empfohlen wird, ungefähr 50% der vorhandenen Schreibzeit auf das Marketing zu verwenden.
Geld ist ohnehin so eine Sache: So lange man nichts verkauft, kommt auch nichts rein. Da nützt auch der höhere Anteil am Buchverkaufspreis nichts. Nun sind Selfpublisher in vielen Fällen Idealisten, denen es nicht nur ums Geld geht.

Wir schreiben ja nicht nur des Geldes wegen… (Andreas Hagemann, Autor der Xerubian Serie)

Trotzdem sollen sie professionell auftreten. Der Markt fordert ein ansprechendes Cover, Lektorat, Korrektorat … Alles Dinge, die auch bezahlt werden wollen, wenn man sie extern von Profis erledigen lässt. Auch das Geld muss man erst mal haben.
Aber als Selfpublisher ist man ja frei und kann natürlich auch beschließen, Covergestaltung, Lektorat und Korrektorat selber zu machen. Das kostet lediglich Zeit. Viel Zeit, um genau zu sein. Ob man es genauso gut macht, wie ein Profi, ist stark von den individuellen Fähigkeiten abhängig.
Man muss sich aber bewusst sein, dass jeder Fehler auf einen selbst zurückfällt. Als Self-Publisher wird man besonders misstrauisch beäugt: Ein Rechtschreibfehler im Manuskript? Ja, klar, Selfpublishing eben. Bei einem Verlagsautor sagt das niemand. Nicht über den Autor und nicht über den Verlag.

So, und nun?

Trotz der Nachteile beim Selfpublishing denke ich, dass meine Entscheidung richtig war. Für mich ist der entscheidende Vorteil als Selfpublisher die größere Freiheit bei den Inhalten und den Formaten.

Mit anderen Worten: Mit Kurzgeschichten brauche ich mich gar nicht erst bei einem Verlag zu bewerben. Schon gar nicht mit Fantasy-Kurzgeschichten. Anders als im englischsprachigen Raum, haben Kurzgeschichten in Deutschland keine eigenständige Tradition. Bestenfalls traut sich mal ein Verlag, eine Anthologie herauszubringen. Aber auch das sind wenig geschätzte Nischenprodukte.
Aus Gesprächen mit Lesern weiß ich aber, dass sie durchaus „Geschichten für zwischendurch“ zu schätzen wüssten. Insofern sehe ich da durchaus eine Marktlücke. Nicht im Print, aber als eBook. Beim Print wären die Produktionskosten schlicht zu hoch.
Dass ich damit nicht reich werde, ist mir klar. Für viel mehr, als 0,99 € kann ich für die Geschichten nicht verkaufen. Davon kommen weniger als 0,30 € bei mir an. 0,19 € behält der Staat, den Rest der Handel.
Genauso ist mir klar, dass ich nie einen Bestseller landen werde. Das Projekt wird, wenn überhaupt, langfristig funktionieren. Meine Hoffnung ist, mir durch regelmäßige Veröffentlichungen und virales Marketing auf Dauer einen Leserkreis aufzubauen, der nach und nach auch die älteren Geschichten liest. Dementsprechend produziere ich im Moment aber eher quick and dirty. Wenn das Projekt ins Rollen kommt, werde ich in zuerst in ein professionelleres Cover und später vielleicht auch in Korrektorat und Lektorat (in dieser Reihenfolge) investieren.