[eBook-Marketing] Was Preiskämpfe bringen

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Vor ein paar Tagen bin ich im Netz über einen Artikel gestolpert, der die zum Teil absurden Auswüchse eines Preiskampfes zwischen zwei Drogeriemarktketten schildert. Inzwischen sind die Angebote so niedrig, dass sie zum Teil unter dem Großhandelspreis liegen. Als Folge werden die Angestellten zum „wildern“ bei der Konkurrenz geschickt, um die eigenen Regale aufzufüllen.

Was hat das mit eBook-Marketing zu tun hat? Nun, die Situation ist sehr ähnlich. Viele Selfpublisher sehen in Kampfpreisen das Nonplusultra des Marketings. Und gerade veranstaltet Amazon das Indie-Lesefestival, bei dem

tausende Bücher vom Liebesroman bis zum Thriller, um bis zu 70 Prozent günstiger

(Amazon Eigenwerbung)

angeboten werden. Laut Amazon dient die Aktion dazu, verlagsunabhängige Autoren stärker in den Fokus zu rücken. Aber tatsächlich ist es hauptsächlich eine Werbeaktion für Amazons Kindle. Noch dazu eine, die auf dem Rücken der Selfpublisher ausgetragen wird. Den Kunden freut es zwar, wenn er tausenden von eBooks, zu Niedrigstpreisen herunterladen kann, aber dass die Autoren/Selfpublisher davon profitieren, wage ich zu bezweifeln. Nicht nur, weil 70% Preisreduzierung bedeutet, dass der Autor nur noch 30% seiner normalen Tantiemen erhält. Ich bezweifle auch, dass sich der viel gepriesene Effekt besserer Sichtbarkeit einstellen wird. Nicht bei tausenden Konkurrenzprodukten, die auch noch jede Woche wechseln.
Ja, es steht zu erwarten, dass die nächsten Wochen Indie-Bücher die Bestsellerlisten von Amazon dominieren und die Verlagsbücher auf die hinteren Ränge abrutschen. Man kann dieses Indie-Lesefestival also auch als Angriff Amazons auf die Verlage sehen, denen Amazons Chef, Jeff Bezos, Gerüchten zufolge ohnehin den Kampf angesagt hat. Meine Befürchtung ist allerdings, dass er die „Indies“ dabei nicht als Verbündete, sondern in erster Linie als Kanonenfutter sieht. Wenn man Indies wirklich unterstützen wollte, gäbe es andere Wege. Zum Beispiel die Indies besonders hervorzuheben, die in der letzten Woche die meisten/besten Bewertungen bekommen haben.

Ja, wir Selfpublisher konkurrieren mit den Verlagen. Wir besetzen Nischen, die dort als nicht lukrativ genug oder aus anderen Gründen uninteressant wahrgenommen werden. Aber bei aller Solidarität untereinander, konkurrieren wir Selfpublisher auch miteinander um das Interesse der Leser. Deshalb greift sogar die Hoffnung zu kurz, ein reduziertes Buch einer Serie möge Lust auf die nächsten Teile machen, wenn der Leser gerade seinen Reader mit Schnäppchen vollgeladen hat. Bis er die alle gelesen hat, hat er im Zweifel vergessen, von welchen Büchern es Fortsetzungen gab. Und wahrscheinlich gibt es schon die nächste Preisaktion, bei der er unbedingt zugreifen muss. Gerade Amazon ist ja groß darin, solche „Deals“ anzubieten.

Nein, ich glaube nicht, dass das irgendetwas bringt. Ich glaube, dass diese Preisaktionen auf Dauer zu einem ruinösen Wettkampf zwischen Selfpublishern und Verlagen sowie Selfpublishern untereinander führen, von dem höchstens Amazon profitiert. Anders, als die Drogeriemärkte können wir Selfpublisher aber keine die Waren von der Konkurrenz holen und ins Regal stellen. Bei uns nennt sich so was Plagiat und Plagiatoren sind überall untendurch.

Aber das ist nur meine Meinung. Im Interesse aller Selfpublisher, die beim Indie-Lesefestival dabei sind, hoffe ich, dass ich mich irre.


Weitere Artikel zum Preiskampf zwischen Rossmann und dm:

eBook-Marketing: Eine Selbstverpflichtung

Gestern schrieb ich auf Twitter, dass ich keine Werbung für kostenlose eBooks mehr teilen werde, weil die dahinter stehende Geiz-ist-geil-Mentalität meinen Interessen widerspricht. Dieser Tweet hat viel Zustimmung bekommen. Trotzdem möchte ich das Thema auch hier im Blog noch mal aufgreifen und eine Selbstverpflichtung abgeben.

 

Wozu ich mich verpflichte

  1. Ich werde keine Rabattaktionen durchführen. Meine eBooks werden immer zum gleichen Preis erhältlich sein.
  2. Ich mache keine Werbung für Rabattaktionen anderer Autoren/Selfpublisher.
  3. Ich kaufe eBooks nur zum Normalpreis.

Warum dieser Schritt?

Warum ich auf Preisaktionen verzichte

Dass ich Preisaktionen* für falsch halte, bei denen (vor allem) eBooks für 99 Cent oder für lau verschleudert werden, sollte allen klar sein, die dieses Blog einigermaßen regelmäßig lesen. Argumente stehen z. B. hier und hier.
Daher ist klar, dass ich mit meinen eigenen Büchern nicht (mehr**) an solchen Aktionen teilnehmen werde.

Warum ich die Preisaktionen anderer nicht publik mache

Der bloße Verzicht auf eigene Rabattaktionen greift aber m. E. zu kurz. Ich fördere das System der Selbstausbeutung schließlich auch, wenn ich die Aktionen anderer Autoren und Selfpublisher bekannt mache. Daher ist es für mich nur konsequent, künftig nicht mehr darauf hinzuweisen, dass ein Buch kurzfristig billiger zu haben ist – selbst, oder besonders dann, wenn ich das Buch und/oder die Autorin schätze. Schließlich weiß ich, wie lange die Kollegen an ihren Büchern arbeiten; wie viel Mühe und Herzblut darin steckt. Ich, dass sie für diese Arbeit auch einen fairen Preis bekommen.
Deshalb: Keine Werbung während der Preisaktionen mehr. Aber gerne, wenn das Buch wieder zum Normalpreis erhältlich ist.

Warum ich während einer Preisaktion keine eBooks „kaufen“ werde

Da ich Rabattaktionen für falsch halte, weil sie dazu führen, dass Autoren nicht vom Schreiben leben können, wäre es heuchlerisch, sich einerseits öffentlich davon zu distanzieren und sie auf der anderen Seite auszunutzen. Wenn ich will, dass Autoren von ihrer Arbeit leben können und von anderen die Bereitschaft fordere, faire Preise zu zahlen, muss ich auch selber dazu bereit sein.

 

Schlusswort

Ob das hier irgendetwas bewirkt? Keine Ahnung. Natürlich kann man mir entgegenhalten, ich sei nur ein kleines Rädchen im Literaturbetrieb. Niemand, der zählt. Niemand, auf den es ankommt.
Aber wie ich oben schon schrieb: Für den Tweet habe ich eine Menge Zustimmung bekommen. Ich stehe mit meiner Meinung also offenbar nicht alleine. Zusammen können wir etwas ändern.
Bist du dabei? Dann bitte ich dich, diesen Artikel zu kommentieren und/oder zu teilen.

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P. S.: Allen Skeptikern empfehle ich die Lektüre von Mark Twain, „Leben auf dem Mississippi“ ab Kapitel 13, wo er von der Gründung der Vereinigung der Mississippilotsen berichtet.


*Mit Preisaktionen meine ich eine vorübergehende Preissenkung, die darauf abzielt, das Buch sichtbarer zu machen. Bücher, die dauerhaft zu Niedrigpreisen angeboten werden, sind nicht gemeint.
** Der Esel als Pilger (Codex Aureus 1) ist anfangs umsonst zu haben gewesen. In dieser Zeit wurde er rund 500 Mal heruntergeladen. Das Ergebnis waren 2 Rezensionen und 0 Verkäufe nach Ende der Aktion. Erst mit Erscheinen von „Der Fluch des Spielmanns“ verkauft sich auch der Esel wieder.

Selbstausbeutung als System – Preisaktionen bei eBooks

Dieser Artikel ist eine Ergänzung zu Artikeln von Nina Hasse und Carola vom Schreibkasten. Beide haben kürzlich über das Thema Preisaktionen bei eBooks gebloggt und da das für mich ebenfalls ein wichtiges Thema ist, würde ich es gerne aufgreifen und fortsetzen.

Preisaktionen führen zu falschen Erwartungen

Preisaktionen sind auf dem eBook-Markt inzwischen schon so sehr die Regel, dass es sich gleich mehrere Dienstleister darauf spezialisiert haben, für Geld über Twitter und andere soziale Medien verbreiten, dass dein eBook gerade umsonst zu haben ist.
Manche Leser erwarten offenbar schon, dass die Preise regelmäßig sinken. Jedenfalls habe ich von einer Autorin gehört, die direkt darauf angesprochen wurde, wann sie denn mal wieder …

Sie hat nicht und ich denke, das ist gut so. Meine Schwester hat schon schwer geschluckt, als ich ihr erzählt habe, was eBooks von Midnight by Ulstein und anderen Inprints kosten. (Man muss dazu sagen, dass meine Familie alles andere als technikaffin ist. Meine Schwester hat nie einen eBook-Reader angefasst; sie nutzt nicht mal die Apps auf ihrem Handy.) „Das ist doch ein Witz“, war ihre erste Aussage. „Davon kann man doch nicht leben!“
Dann habe ich ihr erzählt, dass selbst publizierte Bücher in der Regel sogar noch billiger angeboten werden.

Selfpublisher denken nicht wirtschaftlich genug

Nun ist meine Schwester Kauffrau mit Schwerpunkt Controlling. Da achtet man logischerweise auf sowas wie Gewinnziele, Kostenkontrolle etc. Anders viele Autoren, die anfangs oft nach dem Motto zu handeln scheinen: „Hauptsache, es wird gedruckt oder erscheint als eBook“

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Mit dieser Einstellung machen die Vanity-„Verlage“ ihre Geschäfte, sie sichert die Vielzahl der on Demand Hersteller und natürlich macht sie sich auch im eBook-Sektor bemerkbar. Aber anders, als bei den Print-Versionen muss man beim eBook nicht in Vorkasse treten. Material braucht man keines und Lektorat, Korrektorat, Cover – das liegt alles bei einem selber.
Damit will ich nichts gegen Selfpublisher sagen. Ich weiß, dass die Meisten wirklich mit Herzblut an ihren Projekten hängen und unermüdlich daran arbeiten, sich und ihre Werke immer noch zu verbessern. Um Geld geht es nur wenigen, statt dessen hört man immer wieder die Antwort: „Wir schreiben ja nicht nur dafür!“ Wenn nicht in Lektorat und Cover investiert wird, liegt das eher daran, dass kein Geld dafür vorhanden ist.
Aber wenn man so produziert, d. h. alles selber macht, ist es auch leicht zu sagen: Hat mich nichts gekostet – das kann ich dann auch verschenken, wenn dadurch der Umsatz steigt.

Drei Fehlschlüsse beim Marketing

Ein Stück weit kann ich diese Einstellung sogar nachvollziehen. Denn wenn man sich so viel Mühe gemacht hat, will man natürlich auch gelesen werden. Also muss man Marketing betreiben, denn als man hat ja keinen Verlag hinter sich, der übernimmt. Man betreibt ein Blog, ist in den sozialen Medien aktiv, aber das Buch dümpelt irgendwo versteckt in einer ellenlangen Liste und wenn sich doch eins verkauft rutscht es vielleicht von Platz 236.456 auf Platz 236.447, wo es genauso unsichtbar ist.

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Bildquelle: Geralt via Pixabay

Da scheint es erst mal logisch, eine Preisaktion zu machen, um Kunden anzulocken. Macht der Metzger schließlich auch, wenn er einen Teller mit Wurststückchen hinstellt. Und das Buch hat einen – wie schon gesagt – ja nichts gekostet.
Dass das aus mehreren Gründen falsch gedacht ist, fällt erst bei näherem Hinsehen auf.
Der erste Unterschied ist, dass der Metzger dem Kunden keine ganze Salami mitgibt, in der Hoffnung, der Kunde möge wiederkommen, die nächste bezahlen und außerdem seinem Nachbarn vorschwärmen, wie gut die geschmeckt hätte. Der Metzger gibt dem Kunden höchstens eine Scheibe zum Kosten. Übertragen auf das Buch: eine Leseprobe.
Zweitens gibt der Metzger so ein Angebot niemals über soziale Medien oder per Zeitungsinserat bekannt, denn was dann passiert, ist eigentlich klar: Jeder potentielle Kunde greift eine Salami ab und die Hälfte davon verrottet ungegessen im Kühlschrank.
Ja gut, mag man einwenden, aber anders als die Salamiherstellung, kostet die Produktion eines eBooks ja nichts. Aber genau da liegt der dritte Denkfehler. Ein Buch zu schreiben kostet Zeit. Viel Zeit, wenn man nicht nur irgendwas runterstümpern will. Und natürlich sollte einem diese Zeit etwas wert sein. Als der Mindestlohn auf 8,84 € angehoben wurde, fanden das viele lächerlich wenig für ein so reiches Land. Aber bei Schriftsteller/innen findet man es anrüchig, wenn die mit ihrer Arbeit Geld verdienen wollen. Sag das mal einem Bäcker, einem Lehrerin oder Bankangestellten –  von jemandem aus der Konzernleitung von VW ganz zu schweigen. Selbst bei Musikern ist es ok, wenn die Kohle scheffeln – nur von Autor/innen wird erwartet, dass sie art pour l’art produzieren. Dabei müssen auch wir essen, trinken, Miete zahlen …

Kenne deinen Wert!

Schon unter diesem Aspekt halte ich es für falsch, unser Ansehen und den Wert unserer Arbeit noch zu verringern, indem wir unsere Bücher kostelos auf den Markt schmeißen. Das hat was von Grabbeltisch und genau so wird es auch wahrgenommen: als Ramsch.

Evelyn de Morgan: The Worship of Mammon, Eigentum des De Morgan Centres London
So gewinnt man keine Leser (Im Original: The Worship of Mammon von Evelyn de Morgan) Bildquelle: Wikipedia

Meinen Geschichten möchte ich dieses Schicksal gerne ersparen, auch wenn es bedeutet, dass es vielleicht lange dauert, bis der Codex Aureus wahrgenommen wird. Ich verdiene auch so kaum an der einzelnen Geschichte: Wenn ich für 99 Cent anbiete, bleiben mir nach Abzug von Mehrwertsteuer und der Marge für Amazon bzw. Tolino gerade mal 27 bzw. 28 Cent. Da muss man viele Geschichten verkaufen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Aber wenn ich jetzt verschenke, wird bei jeder neuen Geschichte die Erwartung bestehen, dass es die auch für lau gibt.
Die 99 Cent empfinde ich als ausnehmend fairen Preis. Selbst die Tasse Kaffee bei Ikea ist inzwischen teurer und überdies schneller getrunken, als es dauert eine meiner Geschichten zu lesen. Von den Preisen bei Starbucks oder für Nespressokapseln will ich gar nicht reden, genauso wenig von denen für Eis, Schokolade oder andere Genussmittel. Aber anders als die machen Bücher nicht dick, verursachen weder Lungenschäden, noch Kater, sondern entführen höchst angenehm für einige Zeit in andere Welten. Das ist doch was wert, oder?
Und natürlich spricht nichts dagegen, sie an besondere Menschen oder zu bestimmten Anlässen zu verschenken. Einer Freundin, um ihr Freude zu bereiten, einem Mitblogger, weil er mit Tipps geholfen hat, Teilnehmer von Leserunden oder Buchblogger, die aufrichtiges Interesse signalisieren. Das ist aber etwas vollkommen anderes, als seine Bücher aller Welt umsonst nachzuschmeißen.