#Autorinnenzeit: phantastische Frauen (2) – Anne McCaffrey

Heute möchte ich die Mini-Serie über die Autorinnen, die mein eigenes Schreiben beeinflusst haben, mit einer weiteren Großen fortsetzen: Anne McCaffrey.

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Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0, Link

Nachdem mich die Nebel von Avalon für die Phantastik angefixt hatte, war es ganz natürlich, nach ähnlichen Büchern zu gucken. Vor allem nach Büchern, in deren Mittelpunkt aktive Frauen standen. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erzählt, wie ungewöhnlich das damals war. Aber es fühlte sich gut an. Es war aufregend, Frauen zur Abwechslung nicht nur passiv und vor allem als Beute, naive Jungfrau oder laszive Verführerin präsentiert zu bekommen. Es eröffnete ganz neue Rollenmuster; eine Entwicklung, die übrigens parallel auch im realen Leben stattfand.

Ich habe die Diskussionen am Abendbrottisch noch gut in Erinnerung: Meinen Vater, der brüllte, seine Frau habe es nicht nötig arbeiten. Meine Mutter, die dagegenhielt, die Zeiten hätten sich geändert. Er könne es ihr nicht mehr verbieten.
Nicht mehr, wohlgemerkt. Es war keine fünf Jahre her, dass verheiratete Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Arbeitsvertrag abschließen durften und die Ehemänner nicht mehr berechtigt waren, ein Arbeitsverhältnis „ihrer“ Frauen eigenmächtig zu kündigen. Mein Vater war Jurist. Er muss es gewusst haben. Gefallen hat es ihm überhaupt nicht.
Ich war damals 13 oder 14. Mitten in der Pubertät. Meine heile Kinderwelt zerbrach und ich sehnte mich nach Abenteuern und Auswegen.

Natürlich habe ich deutlich mehr gelesen, als nur Fantasy. Ich habe so ziemlich alles gelesen, was mir in die Hände fiel. Von Hanni und Nanni bis Angst vorm Fliegen. Aber eben auch Fantasy. Und hier war Anne McCaffrey die nächste Autorin, die ich für mich entdeckte.
Gut, Anne McCaffrey wird eigentlich nicht zu den Fantasy, sondern zu den Science-Fiction-Autorinnen gezählt, aber da beides zur Phantastik gehört, ist auch sie eindeutig eine der phantastischen Autorinnen. Als ich ihren Zyklus über die Drachenreiter von Pern entdeckte, fiel der für mich allerdings eindeutig unter Fantasy. Gut, es spielt auf einem entfernten Planeten. Aber ferne Planeten sind erst mal auch nur alternative Welten, wie Mittelererde oder Narnia. Für mich besteht der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Genres eher darin, welchen Stellenwert Technik und technische Entwicklungen innerhalb der Geschichte haben. Pern, die Welt der Drachenreiter, ist Low Tech; die Gesellschaftsstrukturen sind mittelalterlich. Vor allem aber: Es gibt Drachen!*

Zugegeben, auf die Geschichten um die Drachen bin ich erst später gestoßen, denn mein erster Kontakt zu dem Zyklus war Menolly, die musikalisch hochbegabte Tochter eines Seebarons. Leider sieht ihre Umgebung diese Begabung als vollkommen nutzlos an. Frauen ist das Musizieren zwar nicht direkt verboten, aber eine Ausbildung als Harfnerin …
Menollys Eltern tun alles, um sie vom „nutzlosen Klimpern“ abzuhalten und ihre Ambitionen zu durchkreuzen. Wirklich alles. Bis Menolly es nicht mehr aushält und wegläuft.
Hier eröffnen sich gleich mehrere wunderbare Möglichkeiten, die Geschichte zu versieben. Aber weder mutiert Menolly in der Wildnis zu einer weisen Kräuterfrau oder Kriegerin, die sich alleine durchschlägt, noch kommt es zu einer tränenreichen Wiedervereinigung mit den Eltern, die nun ihr Fehlverhalten einsehen. Erst recht taucht kein bad-ass-Guy auf, in den Menolly sich verliebt um fürderhin ganz für diese Liebe zu leben. Menolly versucht einfach nur durchzukommen. Sie bekommt Hilfe (oft von unerwarteter Seite) und muss Widerstände überwinden, wie sich das für eine anständige Heldin gehört. Kurzum: Menolly bleibt ein normales Mädchen mit einer außerordentlichen Begabung, und das macht letztlich auch ihre Geschichte außergewöhnlich.

Ich habe danach so ziemlich alles aus dem Drachenreiter-Zyklus gelesen und das Meiste fand ich gut. Besonders gefiel mir, dass man jedes Buch einzeln lesen kann, weil jedes eine in sich abgeschlossene Geschichte enthält.  Im Zentrum stehen immer wieder andere Figuren, mal Männer, mal Frauen. Manche tauchen nur in einem Band auf, manche haben über mehrere Bände hinweg tragende Rollen. Die einzelnen Geschichten sind zwar, wie moderne Fernsehserien, durch eine Rahmenhandlung verbunden. Diese wird aber nicht chronologisch enthüllt, so dass man die Bücher auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss.
Über den Stil kann ich nicht mehr viel sagen, außer dass er – zumindest in meiner Erinnerung – weniger Pathos enthielt, als die Bücher von Zimmer Bradley. Sex kam ebenfalls vor, aber seltener. Insgesamt habe ich mich von den Drachenreitern immer gut unterhalten gefühlt (sonst hätte ich auch kaum so viel davon gelesen). Außerdem gefiel mir, dass McCaffrey immer wieder Themen wie Gerechtigkeit, Vorurteile, Gleichberechtigung etc. aufgriff, so dass den Romanen trotz der ständisch-mittelalterlichen Gesellschaft, in der sie spielen, nichts restauratorisches anhaftet. Sie behandelte diese Themen aber immer subtil, im Rahmen der Geschichte und ohne erhobenen Zeigefinger. Das machte sie sehr angenehm und zugleich anregend zu lesen.


*Puristen mögen jetzt einwenden, dass die Drachen nicht auf natürlichem Weg, sondern durch gentechnische Veränderung einer Echsenart entstanden sind. Aber diese Zusammenhänge werden erst nach und nach aufgedeckt – und vor allem viel zu spät, um den Ersteindruck zu ändern.

Wer will den Fluch des Spielmanns hören?

Nun gut, es gibt nicht den ganzen. Aber Klaus_Nb, ein lieber Bekannter von Twitter, der u. a. auch für Clue Cast liest, hat sich die Mühe gemacht, den Anfang vom „Spielmann“ aufzunehmen. Seine Stimme erzeugt dabei genau den Gänsehautmoment, den ich beim Schreiben im Sinn hatte.

Unbedingt anhören! Wo? Auf Klaus‘ Blog.


dfds

Die im frühen Mittelalter spielende Geister- und Gaunergeschichte „Der Fluch des Spielmanns“ gibt es als eBook für alle gängigen Lesegeräte.

Man bekommt sie sowohl über Amazon als auch die Händler der Tolino-Allianz, also Buch.de, Hugendubel, die Mayersche, Osiander, Thalia, Weltbild usw. Mein Favorit dort ist allerdings Bookzilla, weil Bookzilla 5% des Kaufpreises für die Entwicklung freier Software spendet.

 

[Mittelaltermythen] Der Ritter, der nicht aufstehen konnte

Weil gerade mal wieder behauptet wurde, wie entsetzlich schwer eine spätmittelalterliche Rüstung gewesen sei und wie furchtbar unbeweglich ihr Träger, hier ein lustiges Video, auf dem ein Feuerwehrmann, ein Soldat und ein Ritter auf einen Hindernisparcour geschickt werden.

Für diejenigen, die die fachliche Qualifikation des Filmemachers bezweifeln und die Ritterrüstung als Filmrequisite abtun möchten: Daniel Jaquet ist Mediävist mit Schwerpunkt auf mittelalterlicher Kriegsführung und Kampftechnik. Das gezeigte Video war Teil einer Ausstellung im Militärmuseum von Schloss Morges in der Schweiz. Eine gewisse Fachkenntnis bei Herstellung und Präsentation darf daher unterstellt werden.

[Challenge] #Autorenwahnsinn (1): Meine Schreibziele in diesem Monat

Quelle: https://www.rawpixel.com

Die Challenge Autorenwahnsinn ist vom Schreibwahnsinn-Blog ausgerufen und ich hänge mich da gerne ran, weil ich solche Challenges als gute Möglichkeit empfinde, Abwechslung ins Blog zu bekommen und trotzdem beim Thema zu bleiben. Das heißt, jeden Freitag gibt es eine neue Frage, die ich im Laufe der Woche beantworten werden.

In der Eingangsfrage geht es um die Schreibziele. Mein vorrangiges Ziel ist natürlich, die Vampirgeschichte für den nächsten Codex Aureus zu beenden.
Außerdem wollte ich schon für die nächste Ausgabe plotten, die wieder in der Welt der Khon spielen soll und für die eine Liebesgeschichte angedacht ist. Liebe – und das mir. Aber auch das ist in gewisser Weise eine Challenge.
Drittens schlägt die Geschichte von Nele, die ich mit „Die Luziden“ gestartet habe, Wurzeln, oder besser gesagt: Sie treibt aus. Dazu muss ich mir bei Gelegenheit auch noch ein paar Gedanken machen. Vor allem die Frage, wer und was die „Sehenden“ sind, ist gerade ziemlich spannend.
Und ganz abgesehen von der Fantastik bereite ich „nebenbei“ noch einen Sachvortrag mit dem Titel „Krank im Kloster“ vor, der sich mit verschiedenen Aspekten der Krankenpflege und Klostermedizin im Hochmittelalter befasst.

Ich bin dann mal fort – für ein paar Tage

Die nächsten Tage wird es sehr ruhig im Blog werden. Nicht nur, dass ich tagsüber die meiste Zeit auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs bin, es kommt auch eine gute Freundin zu Besuch – und ich werde meine BartBroAuthors Kollegen kennenlernen. Ein paar davon zumindest.
Damit sind auch die Abende verplant. Jedenfalls der vom Mittwoch und Donnerstag.

Am Freitagabend setze ich mich ganz ab, verschwinde aus dem hier und jetzt und reise ins Mittelalter. Am Wochenende bin ich als Adelige vom Dienst eingeteilt. Heißt: Ich muss als Burgherrin im klammen Palas hocken, weil man die Burg so schön archaisch rekonstruiert hat, während „mein“ Gesinde in der Küche Spaß hat.
Na, denen werde ich zusätzlich Feuer unter’m Hintern machen. ^^

Wir lesen uns dann ab Montag wieder.

Vielleicht auch erst ab Dienstag – je nachdem, wie fertig ich nach den fünf Tagen bin.

Der Fluch des Spielmanns – Eine Geister- und Gauklergeschichte

entwurf2Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass sich der Fluch des Spielmanns um die Frage dreht, wer die drei Geister sind, die Corvin nachts heimsuchen und ihn sogar in die Hütte von Vater Gion verfolgen. Das steht sogar im Klappentext.

Aber moment mal – Hütte? Geister assoziiert man doch eher mit Burgen und Schlössern! Aber Schlossgespenster, weiße Frauen und ähnliches gibt es im Fluch des Spielmanns nicht. Genauso wenig wie holde Maiden, Burgfräuleins oder edle Ritter in schimmernder Wehr.
Der Fluch des Spielmanns spielt in einer ganz anderen Welt. Die Geschichte wirft ein Schlaglicht auf das Leben der Gaukler und Vaganten. Sie erzählt von Menschen, die von Ort zu Ort zogen und oft nur von der Hand in den Mund lebten.

„Kein leichtes Leben“, wie Corvin selber sagt. Aber trotzdem konnte er sich kein besseres vorstellen. Jedenfalls nicht bis zu dem Tag, an dem das Unheil seinen Lauf nahm.

Neugierig geworden? Dann bitte hier entlang für weitere Informationen!

 

Der Fluch des Spielmanns – Ein Grab in der Wildnis

entwurf2Wie ich im letzten Beitrag schon erzählt hatte, beruht der Tod des Spielmanns auf einem historischer Mordfall.

2014 wurden in den Schweizer Alpen die Reste von drei Skeletten entdeckt, die man zusammen in eine Grube geworfen hatte. Eines gehörte einer Frau in den 40ern, das andere einem Mann zwischen 20 und 30. Die dritte Tote war eine Frau unbestimmten Alters, von der sich lediglich die Schienbeine erhalten hatten. Der Schädel der anderen Frau und des Mannes wiesen erhebliche Verletzungen auf, die von später hinzugezogenen Archäologen auf Schwerthiebe (bei der Frau) bzw. eine Lanze zurückgeführt wurden. Das Alter der Knochen wurde auf etwa 1200 Jahre geschätzt.
Die Toten lagen nicht neben-, sondern teilweise aufeinander und es gab keine Hinweise auf Kleidung, geschweige denn auf Grabbeigaben. Demnach handelte es sich nicht um eine reguläre Bestattung, sondern um eine Art Massengrab.
Aber das war nicht die einzige Besonderheit dieses Grabes. Sonderbar war außerdem, dass die eine Frau durch Schwertverletzungen gestorben war. Es ist zwar keine Seltenheit dass Männerskelette aus dieser Zeit Spuren von Schwertverletzungen aufweisen, aber bei Frauen kommt so etwas fast nie vor. Und dann lag dieses Grab auch noch weit entfernt von einer Siedlung oder einem Handelsweg.

Keine Angst, ich nehme den Inhalt der Geschichte nicht vorweg. Aber drei Tote, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind und ein einsames Grab – das schreit doch geradezu nach einer Geistergeschichte, oder?

Neugierig geworden? Dann bitte hier entlang!

Der Fluch des Spielmanns – Am Anfang war der Mord

entwurf2Irgendwo im Blog habe ich schon mal erwähnt, dass der Fluch des Spielmanns einen höchst realen Hintergrund hat. Die Geschichte beruht auf einem 1200 Jahre alten Mordfall. Nagelt mich bitte nicht auf juristischen Termini fest. Natürlich kann nach so langer Zeit niemand mehr sagen, ob Heimtücke, Arglist, niedere Beweggründe oder ein anderes Mordmotiv im Spiel waren. Fakt ist aber, dass im 8. Jahrhundert drei Menschen eines gewaltsamen Todes gestorben sind.

Der Fluch des Spielmanns ist ein Versuch, das Wie und das Warum zu erklären.

Wie es dazu kam und was an den Toten so bemerkenswert ist, erzähle ich in den nächsten Beiträgen.


Der Fluch des Spielmanns ist als eBook in den Formaten ePub und Mobi erhältlich und damit für fast alle Lesegeräte verfügbar. Zu beziehen über Amazon und alle Online-Buchhandlungen der Tolino Allianz. Zum Beispiel:

Ab heute im Handel: Der Fluch des Spielmanns

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Im dritten Band des Codex Aureus geht es ins europäische Frühmittelalter. Wer sind die drei Geister, die Corvin jede Nacht heimsuchen und ihn sogar in die abgelegene Hütte von Vater Gion verfolgen?

In den nächsten Tagen werde ich ein bisschen zu den Hintergründen der Geschichte erzählen. Heute gibt es erst einmal einen Link zur Leseprobe.