[Selfpublishing] Schreiben unter Pseudonym

Lewis Caroll tat es. Iny Lorenz tun es. Und ich mache es zugegebenermaßen auch: Schreiben unter Pseudonym. Stehe ich deshalb weniger hinter meinen Büchern? Nein, natürlich nicht. Wenn ich nicht von meinen Geschichten überzeugt wäre, würde ich sie gar nicht erst veröffentlichen.

Welche Gründe sprechen für ein Pseudonym?

Es gibt viele Gründe, sich ein Pseudonym zu suchen. Die von Kolleginnen und anderen Buchmenschen am häufigsten genannten sind:

  • Anonymität
  • häufiger Name
  • Verwechslungsgefahr mit anderen Autoren
  • unpassender Name
  • Markenbildung und -schärfung

Den Wunsch nach Anonymität habe ich ganz auf die Liste gesetzt, weil er auch am häufigsten genannt wird. In diesen Fällen schwingt manchmal ein bisschen Scham mit. Schließlich müssen die Kollegen nicht wissen, dass man Krimis mit schwulen Polizisten verfasst und den Verwandten zu erklären, dass man die heißen Szenen in seinen Erotikromanen nicht alle selbst erlebt hat, ist auch nicht unbedingt einfach.

Auch ein häufiger Name ist ein guter Grund, ein Pseudonym zu wählen, vor allem, wenn die Gefahr besteht, mit anderen Autoren verwechselt zu werden. Schließlich will man unter diesem Namen auch gefunden werden. Wie schwierig das ist, wenn man einen häufigen Nachnamen trägt, wird schnell klar, wenn man bei Wikipedia z. B. „Müller“ nachschlägt. Nicht nur, dass es darunter etliche Schriftsteller gibt, man will vielleicht auch nicht unbedingt mit einem Politiker, Schlagersternchen oder Sportler gleichen Namens in Verbindung gebracht werden.

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Bild: leandrodecavalhophoto via pixabay

Auch ein als unangenehm oder unpassend empfundener Name kann ein Grund für ein Pseudonym sein. Jürgen Fick (Fick ist in einigen Teilen Norddeutschlands ein sehr üblicher Familienname) taugt vielleicht noch für sehr explizite Erotik. Aber seien wir ehrlich: Selbst da klingt die Kombination aus dem biederen Vor- und dem „gewagten“ Nachnamen absurd. Und einen heiteren Familienroman würde man ihm vermutlich ebenso wenig abnehmen, wie Chantalle Himmelsbächer den knallharten Thriller.

Viele Autorinnen geben auch Markenbildung und -schärfung als Grund an, was von den Verlagen unterstützt wird. Der Grund ist, dass viele von uns in verschiedenen Genres schreiben. Als Leserin knüpft man aber auch an den Autor bestimmte Erwartungen. Das ist mir bei einem Roman von Sarah Paretsky deutlich geworden. Normalerweise schätze ich sie wegen ihrer realistischen hard-boiled Krimis, aber irgendwann ist mir ein sehr esoterisch angehauchter Geisterroman von ihr in die Hände gefallen, an dem ich alles vermisst habe, was ich an ihren Krimis liebe. Vielleicht hätte das Buch eine Chance gehabt, wenn ich die Krimis nicht gekannt hätte … Aber so: nein. Ging gar nicht.
Aus dem gleichen Grund hat J. K. Rowling vermutlich auch nur einen einzigen Krimi unter diesem Namen veröffentlicht. Inzwischen veröffentlicht sie als Rowling ausschließlich Fantasy. Ihre Krimis erscheinen unter Pseudonym.
Indirekt unter Markenbildung fällt auch, wenn man Pseudonyme benutzt, um einen sehr hohen „Literaturausstoß“ zu bemänteln. Vielschreiber werden ja oft mit Schlechtschreibern verwechselt, d. h. ihnen wird mangelnde Qualität unterstellt. Stephan King hat sich genau deshalb Pseudonymen bedient, um seinen Marktwert hoch zu halten.

Probleme mit dem Pseudonym

Natürlich gibt es Nachteile.
Wer ein Pseudonym nutzt, um anonym zu bleiben, hat als Selfpublisher z. B. erhebliche Nachteile bei der Werbung. Wenn es keinen Verlag gibt, der das Marketing übernimmt, muss man selber auf Menschen zugehen – und da bietet sich der eigene Freudes- und Bekanntenkreis nun mal als Erstes an. Denen klar zu machen, dass du Bücher schreibst, ist eine Sache (ich finde schon das schwer). Sie dazu zu bringen, sich ein Pseudonym zu merken, ist ungleich schwieriger.
Aber auch in den sozialen Medien stößt man mit einem Pseudonym auf Schwierigkeiten. Xing z. B. verbietet Pseudonyme ganz, ist also vollkommen ungeeignet, sich unter Pseudonym mit anderen zu vernetzen und sich einen Namen zu machen. Auch Facebook ist mit Pseudonym nur schwer nutzbar. Eigentlich darfst du dir dann nämlich nur eine Seite einrichten, was bedeutet, dass du nicht von dir aus Kontakt zu den Profilen „echter Menschen“ aufnehmen kannst. Außerdem kommst du als Seite nicht in Gruppen. Die Möglichkeiten, sich zu vernetzen, sind daher sehr eingeschränkt. Die einzige (aber eigentlich verbotene) Alternative besteht darin, deinem Pseudonym einen eigenen Account einzurichten – was inzwischen allerdings die Angabe einer Mobilfunknummer voraussetzt. Dumm, wenn du die schon für deinen privaten Account verwendet hast.

Geringere Probleme macht die Impressumspflicht in Büchern, auf Webseiten und in Blogs. Hier reicht es, einen Empfangsbevollmächtigten anzugeben. Das kann ein Impressumsdienst sein (wie ihn z. B. Papyrus Autor seinen Nutzern anbietet), aber auch der Nachbar, ein Familienangehöriger oder eine Freundin. Hauptsache, es ist eine Kontaktaufnahme möglich und die Post landet irgendwo, wo sich dich am Ende erreicht.
Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass du deinen eigenen Namen als Kontaktadresse angeben kannst, ohne dass man daraus zwingend schließen kann, dass das Pseudonym zu diesem Namen gehört.

Was macht ein gutes Pseudonym aus?

Wie immer gibt es also keinen Königsweg. Letztlich muss jede/r selbst entscheiden, was in seinem/ihren Fall das Beste ist. Wer sich für ein Pseudonym entscheidet, sollte sich die Zeit nehmen, gründlich darüber nachzudenken, welches das Richtige ist.
Dabei lassen sich die beiden wesentlichen Kriterien eines guten Pseudonyms schon aus dem ersten Absatz ableiten: Ein gutes Pseudonym ist ein Name mit hohem Wiedererkennungswert, der zum Genre passt.

Zum Wiedererkennungswert gehört auch, dass der Name eingängig sein sollte. Deshalb Vorsicht bei exotischen Namen. Qui Xiaolong ist zwar (für Europa) selten, aber (für Europäer) auch schwer zu merken. Drago Fellner bleibt deutlich besser haften.

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Bild: Mysticartdesign via pixabay

Natürlich kommt dann auch noch der Wohlfühlfaktor dazu. Ein Pseudonym, wird idealerweise so etwas, wie eine zweite Haut. Nicht unbedingt eine andere Identität, eher wie Kleidung, die bestimmten öffentlichen Anlässen vorbehalten bleibt. Auch da wählt man vorzugsweise das, was einem selber gefällt. Allerdings sollte das Pseudonym langlebiger sein. Schließlich will man in der Regel mehr als ein Buch veröffentlichen. Also lieber keinen hochkreativen, top-angesagten Namen wählen. Nichts veraltet so schnell, wie die Mode. Und nichts ist später so peinlich. Das gilt für Klamotten genauso wie für Namen.

Auch ich habe meinen Namen sehr bewusst gewählt und mir Bestandteile gesucht, die für mich hohen Symbolwert besitzen. Nike ist die griechische Siegesgöttin. Leonhard kommt von Löwenherz. Beides zusammen drückt für mich den Willen aus, mich in einem schwierigen Umfeld erfolgreich zu behaupten.
Ich finde außerdem, dass der Name gut klingt, ungewöhnlich genug ist, um aufzufallen und zur Phantastik passt. Wenn ich besser nachgedacht und ein bisschen Marktforschung betrieben hätte, hätte ich mich vermutlich trotzdem dagegen entschieden, weil der Name Nike fast automatisch mit Sportbekleidung assoziiert wird. Da ich mich weder für Sport, noch für Klamotten sonderlich interessiere, ist mir das aber entgangen. Jetzt muss ich mit den Folgen klarkommen.


Und du? Schreibst du unter Pseudonym oder Klarnamen? Was sind die Vor- und Nachteile, die du erlebst?

[Marketing] kreatives Recycling

Auf der Seite vom Wieken-Verlag-Autorenservice habe ich folgende Idee gefunden, wie sich „übriggebliebene“ Textteile doch noch kreativ verwerten lassen – zum Marketing. Buchmarketing kostet bekanntlich Zeit und Nerven und manchmal fehlen einem auch die Ideen.
Die hier vorgestellten Beispiele haben den Vorteil, sich unkompliziert umsetzen zu lassen und zudem einen Dialog mit dem Leser anzuregen. Sehr gelungen. Danke!

More Details » Vor kurzem habe ich in einem Post dazu geraten, Ideen mehrfach zu verwenden. So könnte eine Idee in einer Szene Ihres Romans, in einem Blogbeitrag, einer Collage bei Instagram, einer Kurzgeschichte, einem Gedicht usw. erneut erscheinen. All diese anderen Texte oder Collagen zu erstellen, kostet jedoch Zeit. Was, höre ich Sie fragen, mache…

über Entwürfe und verworfene Szenen als Lockmittel — Wieken-Verlag Autorenservice

[Selfpublishing] Der Umgang mit Buchbloggern und Booktubern

Als Selfpublisher ist man froh über jede Rezension. Gerade die von Buchbloggern und Booktubern, sind toll, weil sie durch ihre Reichweite dazu beitragen können, das Buch bekannt zu machen. Nur wie geht man auf sie zu? Darüber, welche do’s und dont’s im Umgang mit Buchbloggern und Booktubern beachtet werden sollten, hat Louisa, die den Youtube-Kanal „Bücherregal“ betreibt, ein paar gute Tipps.

Unbedingt anschauen!

Video v. 03. Februar 2017

Ein paar Gedanken zum Newsletter

Die Entscheidung, einen Newsletter haben zu wollen, ist gefallen; das Versprechen innerhalb diesen Jahres zu starten, steht. Inzwischen habe ich auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie die „technische“ Umsetzung funktioniert.

Also wird es Zeit, sich auch Gedanken über die Inhalte zu machen. Was möchte ich erreichen? Wen möchte ich erreichen? Oder anders ausgedrückt: Was soll das Ding eigentlich?
Eine reine Erinnerungsmail nach dem Motto: Hey, mich gibt’s noch, schau mal auf meinem Blog vorbei, da sind spannende Dinge passiert, ist mir zu wenig. (Auch wenn es natürlich immer empfehlenswert ist, vorbeizuschauen, weil hier dauernd spannende Dinge passieren. Und nein, ich bin gar nicht von mir selbst überzeugt. ;-))
Andererseits … Wenn ich die Behauptungen einiger Experten lese, was angeblich nötig sei, um Abonnenten zu gewinnen und zu halten, bin ich kurz davor, sofort wieder zu kapitulieren. Bei einigen bekommt man fast den Eindruck, man müsse sich die Gnade der Abonnenten erkaufen. Mit einer kostenlosen Dreingabe z. B., einer Kurzgeschichte oder einer Anleitung, die es für Abonnenten exklusiv gibt. Oder wenigstens mit regelmäßigen Gewinnspielen, um die Leser bei Laune zu halten. Vielleicht haben diese Experten recht. Was weiß ich schon.

Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Sollte ein Newsletter nicht aus sich heraus interessant sein? Ist es nicht genug, Hintergrundinformationen früher oder exklusiv zu bekommen? Nehmen Abonnenten, die sich nur wegen der mitgelieferten „Bontjes“ eintragen, die restlichen Inhalte überhaupt wahr?
Wie gesagt: Ich weiß es nicht. Ich bin kein Guru, sondern selbst eine Suchende. Aber, wenn ich von mir auf andere schließen kann, dann lesen diejenigen, die sich nur wegen der Extra-Belohnung eingetragen haben, den ganzen Rest nicht. Möglicherweise locke ich damit also nur Menschen an, die gar nicht in meine Zielgruppe fallen. Was mich zu den Fragen vom Anfang zurückbringt: Was ist mein Ziel und wer meine Zielgruppe?

Wenn ich mir als Ziel setze, Werbung für meine Bücher zu machen, indem ich die Kontakte zu Lesern verbessere und Neugier auf die Neuerscheinungen wecke, ist die Zielgruppe klar: Leser. Noch genauer: Menschen, die gerne Fantasy „für zwischendurch“ lesen. In erster Linie diejenigen, die den Codex Aureus schon kennen, aber gerne auch die, die nur allgemein neugierig sind.
Dementsprechend sollte der Schwerpunkt m. E. auf Inhalten liegen, die irgendwie mit dem Codex Aureus und seinen Geschichten verknüpft sind. Das schließt nicht aus, dass es auch mal ein Gewinnspiel, eine Fortsetzungsgeschichte oder einen Verweis auf besonders interessante Blogartikel geben wird. Aber mit dem Versprechen darauf zu werben, halte ich für unseriös.

Wie sehen Sie, wie siehst du das? Ergeben diese Gedanken Sinn?

[Marketing von eBooks] 5 Aktionen die man sich sparen kann

MarketingexpertInnen raten zwar von Negativformulierungen im Titel ab, aber was manchmal geht es eben nicht anders. Heute zum Beispiel soll es um Marketingstrategien gehen, die zumindest für den Verkauf von eBooks völlig für die Füße sind. Und so ganz schlimm kann der faux pas auch nicht sein, sonst würden Sie/würdest du das hier nicht lesen.

1. Lesezeichen

Lesezeichen sind unter Self-PublisherInnen ein sehr beliebtes Give-away. Kein Wunder. Wenn sie gut gemacht sind, haben einen hohen Erinnerungswert und sind außerdem billig in der Herstellung.
Leider sind sie bei eBooks vollkommen nutzlos. Und was keinen Gebrauchswert hat, bringt für die Kundenbindung nichts. Da kann man sich die Druckkosten sparen.

2. Flyer

Auch sehr beliebt bei SelfpublisherInnen: Flyer mit dem Titelbild und vielleicht einer kurzen Inhaltsangabe oder Leseprobe. Finde ich auch superchic, vor allem, wenn man schon mehrere Bücher am Markt hat und seine Bücher (auch) selber verschickt. Dann kann man dem einen Buch Flyer vom anderen beilegen und so schon mal Neugier wecken.
Aber bei eBooks? Da bleibt höchstens, die Flyer irgendwo auszulegen, wo sich potentielle Leser rumtreiben und zu hoffen. Kann man machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich deshalb jemand hinsetzt und ein eBook runterläd, ist leider ziemlich gering.

3. Lokalpatriotismus

„Ich komme aus dieser Ecke, mein Buch spielt hier, können Sie das nicht wenigstens versuchsweise ins Regal stellen“, ist eine Strategie, die angeblich im lokalen Buchhandel ganz gut funktioniert. Beim Print.
Bei eBooks ist man für den Vertrieb auf überregionale PartnerInnen angewiesen und die interessieren sich absolut nicht dafür, woher man kommt oder wo das Buch spielt.

4. Gefälligkeitsrezensionen

Fünf Sterne bei Amazon sind toll. Ich rede aus Erfahrung, denn auch ich freue mir jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn jemand meine Bücher lobt. Aber wenn ausschließlich pauschale Urteile, wie das nachstehende abgegeben werden, guckt man sich die RezensentInnen auch mal genauer an.

Wunderschöne spannende Liebesgeschichte. Hat echt Spaß gemacht zu lesen, ich freue mich auf Band 2. Ich will unbedingt wissen wie es weitergeht.

Wenn dabei rauskommt, dass die sonst keine oder immer nur die gleichen drei AutorInnen loben, wird man als LeserIn schon stutzig. Und wenn dann nicht mal ein verifizierter Kauf dabei ist, kauft man dieses Buch gleich gar nicht. Mit Pech (für die AutorIn) merken sich die LeserInnen den Namen und kaufen nie wieder eines der Bücher.

5. BuchbloggerInnen nerven

Buchblogs sind eine tolle Erfindung und inzwischen gibt es mehr und mehr Plattformen, die sich auf SelfpublisherInnen spezialisieren. Als Medium für das eBook-Marketing optimal, denn wer Blogs liest, hat in der Regel auch weniger Vorbehalte gegen das elektronische Lesen allgemein.
Trotzdem sollte man auch hier die allgemeinen Regeln der Höflichkeit beachten. Niemand ist gezwungen, ein Buch zu lesen – auch eine BuchbloggerIn nicht. Der denkbar schlechteste Weg, zu einer Besprechung zu kommen ist, die Datei zu schicken und die BloggerIn eine Woche später zu bepöbeln, dass das Buch immer noch nicht besprochen ist (nein, ich sauge mir das Beispiel nicht aus den Fingern).

Nächsten Sonntag gibt es hier Ideen, was man besser oder statt dessen machen könnte.

eBook-Marketing: In der Ramschspirale immer weiter abwärts?

In der Flatrate-Falle überschreibt die ZEIT-online einen Artikel von Nina George über die zunehmende „Kannibalisierung des Buchmarkts„. 

Es werden mehr Bücher denn je online genutzt – und gleichzeitig wird immer weniger für die Nutzung bezahlt. Meist: gar nicht.

Elektronische Kampfpreise seien alles, was den Verlagen einfiele, um Leser zu gewinnen, lautet der Vorwurf. Nicht nur, dass die Preise für eBooks immer weiter sänken: Das beliebteste Marketingmittel der Verlage seien Verschenk-Aktionen. Rund 8.000 Titel könne man allein bei Thalia völlig legal kostenlos herunterladen. Aufgrund der Buchpreisbindung schätze ich, dass es bei Hugendubel und anderen Mitgliedern der Tolino-Allianz genauso aussieht. Bei Amazon dürften es sogar noch mehr sein.

Umsonst-Aktionen sind das häufigste „Werbemittel“ im Web und so aufdringlich, dass sich der geneigte Leser fragt, warum er überhaupt jemals wieder Geld für Literatur ausgeben sollte.

Wenn das nicht helfe, werde das Preisdumping fortgesetzt, indem man das Buch bei Plattformen eingestellt, wo sich der Leser gegen geringe monatliche Gebühren nach dem Motto „all you can read“ bedienen könne. Der Autor verdiene daran zwar kaum, werde aber damit getröstet, das sei ja immerhin Werbung.
Allerdings stellt George auch fest, dass bei keinem der von ihr befragten 80 Autoren, deren Bücher über derartige Portale angeboten wurden, die Verkaufszahlen gestiegen seien. Die Einnahmen aus eBooks seien je nach Genre sogar um 30 -75 Prozent gesunken!

Die Leihen glichen also in keinem Fall den Verlust durch ausbleibenden Verkauf aus, die sogenannte Elastizität der Nachfrage blieb einfach aus.

Dafür brächten die Leseflatrates ein neues Problem mit sich: Aus den dort geliehenen und kopierten eBooks würden die Piratenportale ihre „Regale“ bestücken, so dass der von „Geiz ist geil“ getriebene Kunde das Buch noch billiger holen könne. Verlieren würden dadurch letztlich alle.

Ich fand den Artikel sehr lesenswert und stimme im Kern auch zu. Allerdings würde ich das Problem nicht allein den Verlagen zuschreiben. Immerhin waren es die Selfpublisher, die angefangen haben, die Preisschraube nach unten zu drehen. Und noch immer werden Rabatt- und Verschenk-Aktionen in Selfpublisherkreisen als das ultimative Marketinginstrument angepriesen. Auch Amazon versucht, „seinen“ Autoren Kindle-Deals als Werbemittel schmackhaft zu machen (wobei Amazon seine Verluste minimiert, indem es die Anteile am Verkaufserlös umkehrt).

Das Verramschen wird daher erst aufhören, wenn auch die Mehrheit der Selfpublisher genug Arsch in der Hose … Pardon! Ich wollte natürlich „Rückgrat“ sagen. Also, wenn wir genug Rückgrat haben, auch einen angemessenen Preis für unsere Werke zu fordern und kreativere Marketingmethoden einsetzen.
Das wiederum gilt dann aber auch für Verlage.

Marketing für Autoren – das Autorenfragenbingo

Im Internet kursiert das sogenannte Autorenfragenbingo. Das Autorenfragenbingo setzt sich aus den Fragen zusammen, die man als Autor/Autorin immer wieder hört. Auch ich habe es schon geteilt und genutzt.

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Wie man das Autorenfragenbingo auf keinen Fall nutzen sollte

Vielfach wird das Autorenfragenbingo in einem abwertenden Kontext benutzt. Dahinter steht oft die Aussage, dass es nervig sei, immer die gleichen Fragen gestellt zu bekommen. Manche Kollegen fühlen sich durch Fragen, wie „warum schreibst du ausgerechnet …“ auch herabgesetzt, weil sie den Subtext „und nicht was Vernünftiges“ mit hineinlesen.

Ich gebe zu, das geht mir manchmal auch so. Klar nervt es, wenn man dieselben Fragen immer wieder gestellt wird und natürlich schwingt manchmal ein herablassender Subtext mit. Etwa, bei der Frage: „Na, und wann können wir den nächsten Bestseller von dir erwarten?“
In solchen Momenten fällt es mir wirklich schwer, die Contenance zu bewahren und sachlich zu antworten. Vor allem, wenn es mal wieder ein Familienmitglied ist, dem dieser lustige Spruch einfällt, kann es sein, dass mir die Gäule durchgehen und ich die Frage schärfer und umfassender beantworte, als der Andere erwartet hat. Aber gut ist das natürlich nicht.

Reaktionen auf „dumme“ Fragen

Mit so einem Ausbruch stößt man in der Regel nicht nur den Fragesteller, sondern auch alle anderen Zuhörer vor den Kopf. Nicht nur, weil der Aggressor immer der „Böse“ ist, sondern auch, weil der Erfahrungshorizont der Zuhörer meist auch nicht höher ist. Anders gesagt: Die blöde Frage klingt nur in den Ohren des Autors blöd!

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Leser haben nicht die leiseste Ahnung davon, wie es ist, Bücher zu schreiben. Ganz zu schweigen von den Mechanismen des Buchmarkts. Die Wenigsten interessiert überhaupt, wie das Buch, das sie im Laden oder bei Amazon kaufen, zustande gekommen ist. Und das ist im Grunde auch vollkommen ok. Mich interessiert auch nicht, wie die Tasse hergestellt wurde, aus der ich meinen Kaffee trinke.
Was sich vermutlich in dem Moment ändert, in dem ich jemanden kennenlerne, der in der Porzellanherstellung arbeitet. Und vermutlich werden ihm meine Fragen auch reichlich dumm erscheinen.

Gelassen bleiben und das Beste annehmen

Wenn man sich klar macht, dass die Meisten keine Ahnung haben, was es bedeutet, Autor zu sein und die Frage, warum man denn ausgerechnet in diesem Genre schreibt, deshalb in der Regel überhaupt nicht abwertend gemeint ist, sondern Interesse signalisiert, ist es deutlich leichter, freundlich zu bleiben. Auch, wenn die Frage gefühlt zum hundersten Mal gestellt wird: Der Fragesteller ahnt davon nichts.

In dem Moment, wo du dir das bewusst machst, kannst du wieder deutlich lockerer reagieren. Damit schaffst du eine Win-win-Situation für euch beide: Dein Gegenüber wird sich ernst genommen und respektiert fühlen. Er wird deine Aufmerksamkeit schätzen und dir diese Wertschätzung nicht nur zurückspiegeln (was sich positiv auf die Gesprächsatmosphäre auswirkt), sondern sie beibehalten und im besten Fall weiter tragen. Auch eventuelle Zuhörer werden dich als freundlichen, entgegenkommenden Gesprächspartner wahrnehmen und in Erinnerung behalten. Und nicht zuletzt wirst auch du mit einem wesentlich angenehmeren Gefühl aus dem Gespräch gehen.

Wie du das Autorenfragenbingo positiv nutzen kannst

Natürlich hat der vielgeschmähte Punkt der ständigen Wiederholung auch eine positive Komponente: Das Autorenfragenbingo hilft bei der Vorbereitung auf Standartsituationen. Es zeigt mir als Autorin, was meine Leser interessiert, d. h. ich kann mich gezielt auf diese Fragen vorzubereiten und mir mehrere Antwortoptionen zurechtlegen.

Damit sind selbst Killerfragen, wie: „Und wann schreibst du/schreiben Sie einen Bestseller?“ nicht mehr das Problem. Je nach Situation könnte die Antwort z. B. sein:

  • „Das hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem davon, ob du mich weiterempfiehlst.“
  • „Hach, wer weiß. Aber davon träumen kann man ja.“
  • „Ach komm, warum sich mit einem Bestseller begnügen. Ich will den Nobelpreis!“
  • „Nun, ich schreibe nicht für die Masse. Meine Zielgruppe ist …, insofern wäre es schon erstaunlich, wenn mein Name irgendwann auf einer Bestsellerliste steht.“

Du siehst: Von frech und locker, bis zu elitär geht einiges. Und sicher fallen dir noch mehr Möglichkeiten ein.

Fundstück: Welches Marketing passt zu mir?

Sagte ich nicht vor kurzem erst, dass ich nicht auf jedem Social Media Kanal präsent sein will, weil mir das alles zu viel wird? Und schrub ich nicht gerade gestern, dass es sich langfristig auszahlt, langfristig Kontakte in ausgewählten Kanälen zu pflegen?
Und heute stolpere ich über einen Artikel von Annika Bühnemann, in dem sie genau das bestätigt.

Ja, ich weiß, es klingt nach: „Siehst du, hab ich’s dir doch gesagt!“ in so einem fies besserwisserischen Tonfall, dass ich das so betone. Aber weil ich ja auch kein Marketingprofi bin, sondern mir das ganze Zeugs (und Werkzeugs) selbst zusammensammle, freue ich mich jedes Mal wie Bolle, wenn ich meine Meinung bestätigt finde.

Und manchmal kann ich mich nicht zurückhalten und muss diese Freude einfach rausschreien. Auch, wenn das nach Selbstbeweihräucherung klingt.

Aber lass dich von solcher Egozentrik bitte nicht abhalten, den Artikel zu lesen. Er ist nämlich sehr gut!

Marketing für Selfpublisher: Vier Dinge, die man von den Großen lernen kann

Im Börsenblatt des Buchhandels bin ich auf einen Beitrag über Beziehungsmarketing gestoßen. Unter der Überschrift „geliked, geshared, gekauft?“ wird dort über den Aufwand berichtet, den z. B. der Dressler Verlag betreibt, um die Leserinnen schon im Vorfeld auf „Die Feder des Greifs“ von Cornelia Funke aufmerksam zu machen. Da ist von Verlags-, Autoren- und Buchseiten im Internet die Rede, Social-Media-Accounts, Buchtrailern auf einem eigenen YouTube-Kanal, Trailer-Ads auf Facebook und Youtube, Teaserposts an ausgewählte Buchblogger, klassischen Online-Bannern und Gewinnspielen.

Uff, nein!

Als Selfpublisherin lässt sich dieser Aufwand unmöglich auch noch stemmen.

Trotzdem lohnt ein zweiter Blick auf den Artikel, denn einiges lässt sich doch übernehmen und ist nicht mal soooo schwierig umzusetzen.

1. Früh anfangen

Was als erstes auffällt ist, wie lange im voraus diese Kampagnen ansetzen. Das Buch soll am 26. September erscheinen, aber schon Anfang September habe ich die ersten „Gerüchte“ gehört, es werde eine Fortsetzung von Drachenreiters geben. Natürlich war die Veröffentlichung da längst beschlossene Sache.
Die Nachricht zu streuen, dass man demnächst etwas veröffentlichen wird, ist nun wirklich etwas ist etwas, was man auch als Selfpublisherin* vollkommen unproblematisch machen kann.

2. Vorab Kontakte knüpfen

Tatsächlich setzen die Kampagnen aber noch viel früher an, denn um z. B. Teaserposts an ausgewählte Buchblogger schicken zu können, muss man zuerst mal über Kontakte zu Buchbloggern verfügen.
Das ist auch etwas, das man als Selfpublisherin relativ unkompliziert umsetzen kann: Vorab Kontakte knüpfen. Damit meine ich allerdings nicht, ein paar Internetadressen zu kennen und den dahinter stehenden Jungs und Mädels eine Mail zu schicken: „Ey, ich hab da was geschrieben, bloggt doch mal darüber!“ Damit macht man sich sehr schnell sehr unbeliebt.
Kontakt heißt, dass man sich möglichst vorher kennt und sich schon einmal ausgetauscht hat. Wenn nicht, ist das zwar auch kein Drama (irgendwann muss man schließlich anfangen), aber man sollte sich dann wenigstens informieren, wie der oder die BlogbetreiberIn heißt und worüber er oder sie schreibt. Nur, wenn das zum eigenen Buch passt, lohnt es sich, sie anzuschreiben. Und dann gehört es sich, sich und sein Projekt zunächst einmal vorzustellen und zu fragen, ob sie (oder er) Lust und Zeit hat, es zu rezensieren. Ganz professionell ist es, sich für die Antwort zu bedanken – auch bei Absagen. Die BloggerInnen dafür anzumaulen, zeugt dagegen von miserablen Manieren und schadet nicht nur einem selber, sondern dem Image von Selfpublishern allgemein.**

3. Regelmäßigkeit

Der dritte Punkt, den man sich abgucken und ziemlich einfach umsetzen kann, ist, die ausgewählten Social-Media-Kanäle regelmäßig zu bespielen, um so mit seinen potentiellen Leserinnen im Dialog zu bleiben. Dabei sagt das Wort „Dialog“ schon sehr deutlich, dass es hier nicht darum geht, nur ein paar Werbetexte oder -bilder einzustellen, sondern auch zu antworten und zu kommentieren.

4. Konzentration

Was man sich als Selfpublisherin als vierten Punkt von den Großen abgucken kann, ist vielleicht aber sogar das Wichtigste: Nämlich nicht einfach alles machen zu wollen, sondern sich genau zu überlegen, wo man seine Leser (bzw. Käufer) findet und die Kampagne auf sie abzustimmen. Klar: Wenn ich Menschen ansprechen will, die gerne Fantasy lesen, bringt es mir vermutlich wenig, auf Youtube süße Katzenvideos zu zeigen. Da können die Klickzahlen noch so hoch sein – allein wegen der süßen Videos wird niemand die Bücher kaufen.
So lange ich also keine Ahnung habe, ob und gegebenenfalls wie ich Leserinnen oder Multiplikatoren über einen bestimmten Social-Media-Kanal ansprechen kann, kann ich mir den Aufwand sparen und meine Energie anderswo besser verwenden. Zum Beispiel, um die nächste Geschichte fertig zu stellen. ^^

Wie siehst du das: Gibt es noch andere Dinge, die wir SelfpublisherInnen uns von den Kampagnen großer Verlage abgucken können?


*Da ich selber immer wieder Probleme habe, mich in Artikeln durch das generische Maskulinum angesprochen zu fühlen, verwende ich in diesem Artikel gelegentlich ein generisches Femininum und die Schreibweise mit dem Binnen-I. So kann sich hoffentlich jede/r/s angesprochen fühlen.

**Ich bin mir sicher, dass ich dir das alles eigentlich nicht zu sagen brauche. Aber die Diskussionen im Netz zeigen und Blogartikel, wie dieser von Brösel, zeigen, dass bei Selfpublishern zum Teil noch erheblicher Nachholbedarf in Sachen Nettiquette und Umgang mit anderen besteht. Deshalb wollte ich diesen Punkt nicht unerwähnt lassen.