[Werkstattbericht] – Eine Religion entsteht

Wie ich vor ein paar Tagen schon auf Twitter gemutmaßt habe, wird das Schreiben dieses Mal noch ein bisschen länger dauern. Meine nächste Geschichte möchte nämlich ein Roman werden.

Sorry dafür, es war anders geplant.

Die Liebesgeschichte hatte ich ja noch kommen sehen. Aber dass die Backstory so viel Raum fordern würde … Aktuell beschäftigt mich die Religionsgeschichte von Hesbaan.
Ja, du hast richtig gehört: Religionsgeschichte. Auch Religionen sind keine starren, monolitischen Gebilde, auch wenn manch religiöse Fanatiker es gern anders hätte. Daher ist es vielleicht kein Wunder, dass mir, als ich einen Propheten brauchte, sofort der Name Dafuq al Banejid einfiel.
Mir ist noch nicht ganz klar, ob das nicht vielleicht zu offensichtlich ist. Aber, wenn man es unbefangen liest … Nö. Oder?

Nike in Flammen
Bild: Elenor Avelle
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[Werkstattgeplauder] Die Crux mit den Frauenrollen

Vor ein paar Tagen fragte eine Kollegin, wie alt man sein müsse, um Erfahrung zu haben. Konkret ging es um eine Kräuterfrau Anfang zwanzig. Ob die schon erfahren sein könne?
Das Gespräch entwickelte sich schnell schnell weiter zu einer grundsätzlichen Frage: Warum müssen Heldinnen immer jung und schön sein? Oder anders gesagt: Warum finden sich jenseits von jung und schön nur noch die Hexen, Stiefmütter und die intriganten alten Weiber?

Die Frage hat mich nicht losgelassen und so kam es zu folgendem Zwiegespräch zwischen meinem schreiberischen Ich und dem Über-Ich, das ich hier ungekürzt und in aller Polemik wiedergebe. Zur besseren Übersicht spricht das Ich in grau und das Über-Ich in schwarz.

Das mit junge, schöne Protas vs. alte Hexen ist wirklich so ein Klischee und eigentlich wollen wir ja weg davon. Außerdem wird es in der alternden Gesellschaft vielleicht sogar begrüßt, wenn nicht nur die 16 – 21jährigen Liebesabenteuer erleben, sondern auch mal die, sagen wir, 50plusserinnen ihren Traumprinzen abkriegen?

Stimmt. Allerdings – wieso Traumprinz?

Wer sagt denn, dass Liebesgeschichten immer hetero sein müssen? Es könnte doch auch sein, dass die 50plusserin entdeckt, dass sie gar nicht auf Männer sondern auf Frauen steht.

Gute Idee. Sie findet also die Liebe ihres Lebens und die ist eben nicht überirdisch schön, sondern normal. Also gerne ein bisschen übergewichtig, orangehäutig und auch nicht mehr die sportlichste. Dafür aber, sagen wir: Türkin.
Türkin ist gut. Das bringt Interkulturalität und zusätzliche Konflikte und Konflikte sind immer gut.
Dafür sind beide aber total nett und sympathisch und deshalb fiebern wir natürlich mit, denn das Happy End gehört ja irgendwie dazu.

Das hat was. Aber mal ganz generell gefragt: Warum dürfen Frauen nicht auch mal die Fiesen sein? Also richtig böse Superschurkinnen, die Spaß an Folter, Mord oder dem Zerstören von Welten haben, statt immer nur aus Liebeskummer zu handeln?
Du bringst mich da auf eine geile Idee! Das wäre doch mal ein Superplot: Eine schon etwas ausgelutschte 50plusserin verliebt sich in eine fette, türkische …

Oh, wait!

Huston, wir haben ein Problem!

Lesbische Superschurkin ist nicht. Es gibt so wenige lesbische Protagonistinnen, dass jede als Stellvertreterin für alle Lesben gesehen wird. Wenn ich also eine lesbische Superschurkin habe, die aus Freude am Foltern foltert, dann werden alle denken, du hast was gegen Lesben. Und wenn die dann auch noch Türkin ist, bist du außerdem Rassistin.
Wenn, muss die weiße Kartoffel die Böse sein, dann gleicht sich das vielleicht wieder aus.

Puhhhhhhhh!

Also fette, türkische Lesbe verknallt sich in die schurkische Kartoffel, wechselt auf die dunkle Seite der Macht. Gemeinsam sind sie noch stärker und weiten ihren Geschäftsbereich aus, bis …
Ne, kannste nicht machen. Erstens glaubt das kein Mensch und zweitens ist das wieder Anti-LGBT.
Ok, sie verlieben sich also und kämpfen auf der dunklen Seite der Macht, bis sie werden wie Thelma und Louise …
Halt, stopp! Das ist zwar schon besser, aber wer bringt denn den Untergang? Doch garantiert die Polizei, also im Zweifel Männer. Dabei geht es hier um Frauenrollen, Herrgott, … Verzeihung: Große Mutter nochmal!
Also dritter Anlauf: Die fette Türkin verliebt sich, sieht dann aber ihren Fehler ein, beseitigt die Kartoffel und rettet die Welt.
Das ist mir auch schon wieder zu Mainstreamig. Muss denn der Superschurke immer gleich gekillt werden? Und dann auch noch eine Weiße von einer PoC? Das riecht nach Rassismus.
Den Punkt hatte ich nicht bedacht. Also die supernette Türkin, die natürlich Atheistin ist, überzeugt die Weiße davon, auf die helle Seite zu wechseln. Das hat dann auch noch eine hübsche Konnotation, wenn ausgerechnet die Weiße erst auf der dunklen Seite steht und dann durch die Liebe ihrer dunkelhaarigen Freundin gerettet wird.
Super Plot! Projekt gerettet! Jetzt muss ich nur noch ’ne Story drumrum basteln.

Ja, nicht so schnell: Müssen die sich unbedingt verlieben? Wer sagt eigentlich, dass sich Frauen unbedingt verlieben müssen?
Müssen sie ja gar nicht. Sie können zum Beispiel auch Nachbarinnen sein, die sich aber nicht leiden können …
Nein, das geht auch nicht, wir wollen positive Frauenrollen. Frauen, die sich gegenseitig unterstützen. Keinen Zickenkrieg, das ist nicht nur ein böses Wort, sonder auch so ein Klischee, das es zu bekämpfen gilt.
Also: Sie sind Freundinnen.
Ja, und der Konflikt? Wo bleibt der Konflikt? Du weißt, dass du einen brauchst.
Der Konflikt ist natürlich die Gesellschaft. Sie sind beide über 50, übergewichtig und lesbisch. Aber die Gesellschaft erwartet von ihnen, dass sie jung, hübsch und hetero sind. Außerdem ist eine auch noch Türkin. Das ist doch Konfliktstoff, oder?
Stoff schon, aber noch kein Konflikt. Da brauchst du mehr. Vor allem müssen sie aktiv sein und etwas tun. Aktivität ist schließlich das, was eine gute Protagonistin auszeichnet.
Gut, was hältst du davon: Sie eröffnen gemeinsam eine interkulturelle Konditorei, oder warte, besser: ein Hammam! Eins, wo nur Frauen Zutritt haben! Und alle Frauen sind natürlich total begeistert, auch weil sie mit einem ganz neuen Körpergefühl rauskommen, auch wenn es natürlich auch Gegner gibt. Ich stelle mir da zum Beispiel so eine alte, vertrocknete Lehrerin vor …
Achtung! Ganz dünnes Eis, meine Liebe! „Alte, vertrocknete“ ist Bodyshaming! Und nichts gegen Lehrerinnen!
Die Lehrerin ist ja nur am Anfang dagegen, aber nachdem sie das Hammam einmal besucht, ist sie hin und weg und hilft den beiden Lesben gegen ihren ärgsten Widersacher, so einen echten Widerling …
EINEN MANN? Sag mal, willst du jetzt die Männer diskriminieren?


An dem Punkt habe ich die Diskussion mit meinem Über-Ich abgebrochen und mich darauf besonnen, dass ich ohnehin erst die Geschichte glattziehe, bevor ich mir Gedanken über die Besetzung mache. Aber natürlich bleibt das Grundproblem erhalten: nämlich welche Figuren wir als Autor*Innen und Leser*Innen eigentlich wollen.
Und bevor jetzt irgendwer auf die Idee kommt, das sei ein Problem des Genderns oder des Feminismus: Das Problem, gute Figuren zu schaffen, existiert keinesfalls nur für Frauen. Ich kann das gleiche Fass problemlos auch für Männer aufmachen. Die Konstruktion des idealen Superhelden wäre auch sehr spaßig.


Als Ergänzung hier noch ein Artikel der Edition F, über den ich eben auf Twitter gestolpert bin. Andere Perspektive aber das gleiche Problem.

phantastische Frauen: Susan Dexter

Meine im Rahmen der Autorinnenzeit begonnene, sehr persönliche Reihe über Frauen in der Phantastik, die mich und mein Schreiben geprägt haben, wäre unvollständig, wenn ich nicht wenigstens auch Susan Dexter erwähnen würde.

Ihre Bücher habe ich verschlungen, obwohl sie ein Genre berühren, das ich sonst so gar nicht mag: Den Liebesroman. Dabei ist „berühren“ eigentlich das falsche Wort, denn ihre Romane beinhalten immer eine Liebesgeschichte, die so zuckersüß und fluffig ist, wie Sahneschnittchen mit rosa Zuckerguss. Daneben geht es auch immer um ein ganz besonderes Pferd. Valladan, einen schwarzen Hengst mit außerordentlichen Fähigkeiten.

Kurzum: Kitsch.

Man könnte Sodbrennen davon bekommen, wenn es nicht so perfekt wäre und so komisch. Susan Dexter greift absichtlich in die Klischeekiste und treibt alles, was ihr dabei in die Finger gerät, gnadenlos und konsequent auf die Spitze. Das und die Komik sorgen für eine ironische Brechung, die den Kitsch auf ein mehr als nur genießbares Maß reduziert. (Ich erspare mir hier weitere Kuchenvergleiche, sonst stürme ich die nächste Konditorei)

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, in dem sich ihre Romane sehr deutlich von moderner Romantasy unterscheiden: Bei Susan Dexter sind es nie die Frauen, die irgendwelchen supercoolen, badassigen, heißen Typen hinterherhecheln. Wenn jemand badass ist, dann die Frauen. In jedem Fall haben die aber sehr konkrete eigene Ziele und es sind die Männer, die ihren Wert beweisen müssen (und es natürlich tun, schließlich handelt es sich um Liebesromane, da ist Happy End nahezu Pflicht).

Ich muss gestehen, dass ich es schade finde, dass ihre Bücher nicht mehr aufgelegt werden, sondern allenfalls noch antiquarisch zu haben sind. Ihre Protagonisten finde ich nämlich deutlich anziehender, als die ganzen modernen männlichen Love-Interests, die sich neben ihrem Reichtum vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Frauen schlecht behandeln. Dann doch lieber einen wahren Ritter!*


„Der wahre Ritter“ ist der Titel eines von Susan Dexters Romanen – und der allerkitschigste.

[Märchen] Der Fischer und die Nixe

Inspiriert von dem Märchen „Die Sirenen“ von BlueSiren habe ich in den Kurzgeschichten aus meiner Anfangszeit gewühlt und tatsächlich die Geschichte vom Fischer und der Nixe wiedergefunden, die noch aus meiner Fanfictionzeit stammt. Ursprünglich war sie an der Küste Gondors angesiedelt.

Aber da der Stil genauso schwülstig war, wie befürchtet, habe ich ihr kurzerhand einen neuen Handlungsort verpasst, den es hoffentlich noch nicht gibt.

Jetzt aber Schluss mit dem Vorgeplänkel. Viel Spaß beim Lesen!

Fischer und Nixe
Motiv erstellt unter Verwendung eines Fotos von Pexels via Pixabay

Der Fischer und die Nixe

Vor langer Zeit lebte ein junger Fischer an der Küste von Gorem. Er war so arm, dass er sich nicht einmal ein Boot leisten konnte. So blieb ihm nichts, als längs des Strandes zu fischen. Von Morgens früh, bis nach Sonnenuntergang warf er sein Netz aus, doch oft genug war der Fang so gering, dass er gerade selbst davon satt wurde. Dennoch bewahrte sich der Fischer sein freundliches Wesen, denn er liebte den Strand und das Meer. Selbst die harte Arbeit gefiel ihm, zumal er lieber sein eigener Herr war, als eines anderen Knecht.

Doch eines Tages blieb sein Netz leer, als seien alle Fische aus der Bucht verschwunden. Auch am nächsten Tag fing er nichts als Tang und leere Muschelschalen. Am dritten ging es genauso. Nach vier Tagen hatte er seine letzten Vorräte aufgezehrt. Doch auch am fünften und sechsten Tag blieben seine Mühen vergeblich. Im gleichen Maß, wie der Hunger wuchs, wuchs auch seine Verzweiflung, denn das Einzige, das er gegen einen Kanten Brot verpfänden konnte, war sein Netze – aber das zu verpfänden hieß, sich seiner Lebensgrundlage zu berauben.

Als die Sonne am Abend des siebten Tages den Horizont berührte, schien sein Schicksal besiegelt. Wieder hatte er nicht einen einzigen Fisch gefangen. Hunger und Erschöpfung ließen ihn taumeln. Wenn er auch an diesem Abend nichts zu Essen bekam, würde ihm am nächsten Morgen die Kraft fehlen, das schwere Netz noch einmal auszuwerfen.
„Einmal noch“, schwor er sich. Einmal noch wollte er es versuchen, bevor er sich in das Unvermeidliche schickte. Er blickte auf das, wie Blut und flüssiges Gold schimmernde Meer und schickte ein stummes Gebet an die Götter, bevor er mit letzter Kraft das Netz auswarf.

Schon beim Loslassen erkannte er, dass der Wurf nichts taugte. Seine Arme waren zu schwer und er selbst zu müde, um dem Netz den richtigen Schwung zu geben. Nur halb entfaltet und nur wenige Meter von seinen Füßen entfernt klatschte es in die Fluten.

Tränen der Verzweiflung brannten in seinen Augen, als er es wieder einholte. Es war zu spät. Schon war die schnell sinkende Sonne nicht mehr, als ein dünner Bogen über dem Wasser. Bald würde die Dunkelheit kommen und mit ihr die Geschöpfe der Nacht, die jeder Mensch fürchtete. Wehe dem, der dann im Freien war!

In diesem Augenblick sah er in den Maschen etwas blitzen. Nicht den silbrigen Glanz von Fischschuppen, sondern ein goldenes Funkeln. Der Fischer dachte zuerst, das schwindende Licht und die tief stehende Sonne würden ihn narren. Doch das Glitzern blieb, wurde sogar stärker, je näher er sein Netz an sich zog.

Mit zitternden Fingern löste er seinen Fang aus den Maschen gelöst hatte und den Tang, der sich darumgewickelt hatte. Als er endlich fertig war, hielt er einen aus Gold getriebener Kamm in den schwieligen Händen, wundervoll gearbeitet und graviert und über und über mit Perlen und Edelsteinen besetzt. Nie in seinem Leben hatte er etwas annähernd Schönes und Kostbares gesehen.

Lange betrachtete er diesen Fund und konnte sich gar nicht satt sehen am Glanz des Goldes, dem weichen Schimmer der Perlen und dem Gleißen der Juwelen. Erst das Knurren seines Magens erinnerte ihn schließlich daran, dass er diesen Fang nicht für sich behalten konnte.

Schweren Herzens stand er auf und wollte sich gerade auf den Weg in die Stadt machen, als ihm ein neuer Gedanke kam. Er konnte nicht einfach auf den Markt gehen und den Kamm verkaufen! Niemand würde ihm glauben, dass er einen solchen Schatz aus dem Meer gefischt hatte. Schon gar nicht an dieser Stelle, so dicht am Ufer. Statt dessen würde man glauben, er habe den Kamm gestohlen. Ins Gefängnis würde man ihn werfen und ihn dort verrotten lassen – ohne die Möglichkeit, je seine Unschuld zu beweisen.

Erneut schossen ihm die Tränen in die Augen und er verfluchte die Götter, die so grausame Scherze mit ihm trieben. Jetzt war er reich, aber er konnte mit diesem Reichtum nichts anfangen. Nicht einmal reden durfte er davon.

Bis spät in die Nacht saß der Fischer neben seinem Netz. Unfähig sich zu rühren, unfähig eine Entscheidung zu treffen. Dann, Mitternacht war lange vorbei, drang plötzlich ein Klagelaut an sein Ohr. Die Verzweiflung die darin lag, war noch größer, als jene, die der Fischer fühlte.

Wieder und wieder erklang das Klagen, bis der Fischer aufstand und dem Geräusch nachging. Was machte es schon, wenn er am Ende auf eine Meerfrau, einen Meerlöwen oder eines jener anderen Wesen stieß, vor denen die Alten warnten? Er hatte nichts zu verlieren. Sollten sie ihn doch fressen!

Als er die Klippen am Rande der Bucht erreichte, fand schließlich die Quelle des Klagens. Ein junges Mädchen, so schien es, lag ganz unten am Fuß der Klippen und weinte bitterlich. Der Fischer trat näher und sah, dass er sich getäuscht hatte. Sie war kein menschliches Wesen, sondern eines jener Meerweiber, von denen es hieß, sie zögen die, die sich zu weit aufs Meer hinauswagten, zu sich hinab in die finsteren Tiefen. Hässlich, seien sie, hieß es weiter. Grünhaarig, fett und fahlhäutig, mit glotzenden Gesichtern und Mäulern, die vor spitzen Zähnen starrten. Die grünen Haare stimmten. Sie bedeckten den größten Teil des schlanken, milchweiß schimmernden Leibes, der beim Weinen zuckte. Unter diesem Vorhang schimmerten ein goldener, perlenbesetzter Gürtel und Ketten, ebenfalls aus Gold und Perlen.

Der Fischer empfand großes Mitleid mit ihr, auch wenn es ihn wunderte, wie ein so anmutiges und reiches Geschöpf solchen Kummer haben konnte. Gleichzeitig überkam ihn Angst, was sie anstellen würde, wenn sie seiner ansichtig wurde. Daher dauerte es einige Zeit, bis er sich ein Herz fasste und sie ansprach.

Die Meerfrau fuhr empor und starrte ihn aus großen erschrockenen Augen an. Ihr Gesicht hatte nichts mit den schaurigen Märchen der Alten zu tun. Es war wunderschön, selbst in diesem Augenblick, wo es nichts als den Ausdruck blanken Entsetzens zeigte.

„Hab keine Angst“, sagte der Fischer, der mit einem Mal nichts mehr fürchtete, als dass sie in ihr nasses Element stürzen und für immer zu verschwinden könne. Er sprach weiter auf sie ein, sagte, er habe ihr Weinen gehört und versprach zu helfen, so weit es irgendwie in seiner Macht stünde, bis sie schließlich Vertrauen fasste.

„Ich bin Mereja, die jüngste Tochter des Meerkönigs“, erzählte sie und ihre Stimme klang wie Musik in den Ohren des jungen Mannes. „Heute bin ich das erste Mal allein ausgeschwommen, weil ich so gerne sehen wollte, wie die Sonne versinkt. Es herrscht dann ein besonderes unter der Oberfläche.“ Ihr Gesicht leuchtete auf, als sie das sagte, doch im nächsten Moment fing sie wieder an, zu weinen. „Auf diesem Ausflug habe ich meinen Kamm verloren, ein kostbares Erbstück und nun traue ich mich nicht, zum Palast zurück zu kehren und meinem Vater unter die Augen zu treten.“

Da lächelte der Fischer und zog den Kamm aus der Tasche, in der er sonst seine Fische verwahrte. „Ist es dieser hier?“, fragte er.

Sie nickte unter Tränen und fragte, wie er daran gekommen sei.

Er erzählte seine Geschichte und gab ihr den Kamm, obwohl es ihn bitter schmerzte, auch diesen Fang zu verlieren. Doch als ob die Meerprinzessin seine Gedanken erraten hätte, lächelte sie und sagte, er solle die Hoffnung nicht aufgeben, sondern bei Tagesanbruch seine Netze an gewohnter Stelle auswerfen. Dann sprang sie hinab ins Wasser, und mit einem letzten Winken war sie verschwunden.

Der Fischer befolgte ihren Rat und wirklich: Obwohl er kaum noch die Kraft hatte, sein Netz richtig auszuwerfen, war es beim Einholen voller Fische. Anders als sonst, zappelten auch viele Barle und andere große Fische darin, die er auf dem Markt mit guten Gewinn verkaufen konnte.

So ging es von nun an alle Tage. Der Fischer brauchte sein Netz nur noch einmal am Tag auszuwerfen und was er fing, reichte nicht nur um satt zu werden. Es blieben immer genug Fische, um sie auf den Markt zu tragen. Mit der Zeit gelangte er sogar zu einigem Wohlstand, auch wenn er nie reich wurde.
Die anderen Fischer tuschelten über diesen Wohlstand, dessen Quelle ihnen unheimlich war. Noch unheimlicher aber fanden sie die seltsamen Angewohnheit, nachts am Strand spazieren zu gehen und im Meer zu schwimmen.
„Was sucht er dort?“, tuschelten sie und: „Kennt er denn gar keine Furcht?“
Aber sie errieten es nie. Und als er eines Tages nicht mehr zurückkehrte, sahen sie es als Bestätigung, dass die alten Geschichten stimmten und der Nacht nicht zu trauen war.

Der Fischer und die Meerprinzessin hätten eine andere Geschichte erzählen können. Aber sie sahen keinen Grund, je wieder zurückzukehren.


Die Geschichte darf  gerne geteilt werden, so lange ich als Autorin genannt werde. Änderungen und Bearbeitungen bedürfen meiner vorherigen Zustimmung.

Gute Vorsätze und konkrete Pläne für 2017

Irgendwie gehören gute Vorsätze zum Jahreswechsel. Man nimmt sich vor, im neuen Jahr abzunehmen oder wenigstens gesünder zu essen, endlich eine Fremdsprache zu lernen, öfter bei den Eltern anzurufen oder ganz allgemein ein besserer Mensch zu werden. Auch für mein Blog und das Veröffentlichen habe ich ein paar gute Vorsätze gefasst. Vor allem den, professioneller zu werden.

Meine guten Vorsätze

Bisher agiere ich mit dem Blog noch vollkommen spontan. Es gibt weder einen Veröffentlichungsplan, noch bestimmte Termine. Ich schreibe darüber, was mich gerade anspringt und zu den Zeiten, wo mir etwas einfällt. Dadurch kann es passieren, dass an einem Tag drei Artikel erscheinen und dann eine Woche oder länger gar nichts.
Ähnlich ist es mit den Veröffentlichungen. Gut, da plane ich die Termine und im vergangenen Jahr hat das auch ganz gut geklappt. Aber Werbung? Marketingkampagnen? Die überlege ich mir immer erst im letzten Moment. Wenn überhaupt.
vorsaetze
Beides will ich 2017 ändern. Für das Blog will ich einen Veröffentlichungsplan ausarbeiten. Das muss nicht heißen, dass gar nichts mehr spontan läuft, aber es sollte feste Termine für bestimmte Themen geben. Also z. B. Selfpub-Themen immer montags, Werkstattberichte am Mittwoch und Fantasy am Freitag. Und ich habe mir vorgenommen, zumindest für einzelne Ausgaben des Codex Aureus schon parallel zum Schreiben zu überlegen, wie, wo und wann ich auf das Erscheinen hinweisen will, atmosphärische Hintergründe und passende Pitches zu entwickeln.
Mal sehen, wie lange ich das durchhalte. Denn eins ist mal sicher: Viele Vorsätze halten nicht länger als der Kater zu Neujahr. Ein mehr Ausdauer traue ich mir dann allerdings doch zu.

Konkrete Pläne

Auch dieses Jahr soll es wieder 4 Ausgaben des Codex Aureus geben. Als Veröffentlichungstermine peile ich den 15. März, 15. Juni, 15. September und 15. Dezember an.
In der März-Ausgabe wird es um Großstadtvampire gehen. Allerdings nicht um die angesagte hippe Glitzer-und-Glamourvariante. Meine Vampire sind … anders. Aber dazu werde ich noch ein paar Blogbeiträge schreiben.
Im Juni steht eine neue Geschichte aus der Welt der Khon auf dem Plan. Dieses Mal wird es deutlich emotionaler, denn im Zentrum wird eine Liebesgeschichte stehen.
Für September plane ich wieder eine Geistergeschichte und zwar die Special Extendet Version von „Alte Geister„. Der Version hier im Blog fehlt ein ganzes Stück vom Anfang. Außerdem endet sie am ersten Wendepunkt.
Nur bei der Dezemberausgabe bin ich mir noch nicht sicher. Vielleicht zur Abwechslung was mit echtem Happy End.
Der wesentlichste Plan für das Blog ist, dieses Jahr endlich einen Newsletter zu starten. Auch inhaltlich wird es ein paar Änderungen geben. Aber bevor ich dazu konkret werde, muss ich mir erst mal überlegen, wie ich die Ergebnisse der Umfrage umsetze.

Wie sieht es bei dir/bei Ihnen aus? Hast du/haben Sie gute Vorsätze und Pläne für 2017?

O Tannenbaum – Die Figuren

Ein Vorteil kürzerer Texte ist bekanntlich, dass man sich nicht unendlich viele Namen merken muss. Einer der Gründe, warum ich die Novellen und Kurzgeschichten russischer Schriftsteller liebe, während ich an ihren Romanen regelmäßig scheitere. Auch O Tannenbaum hat diesen Vorteil; die Besetzungsliste ist sehr kurz.

Ein Grund mehr, die handelnden Figuren hier einmal vorzustellen. Da wären (nicht unbedingt in der Reihenfolge ihres Auftritts):

  • Velona, die Protagonistin – eine Dryade,
  • Narya, ihre Schwester – logischerweise noch eine Dryade,
  • Crara – eine Krähe,
  • Croa – eine weitere Krähe,
  • Maik – ein Mann (menschlich),
  • Boris – ein Mann (menschlich),
  • Silke – seine Frau, ebenfalls menschlich,
  • Anouk – Kind, Tochter von Silke und Boris,
  • Simon – Kind, Sohn von Silke und Boris,
  • Luzi – ein Kater,
  • der Baummörder – Mann (menschlich),
  • der Händler – Mann (menschlich),
  • eine Ratte,
  • ein Hund,
  • die Hundebesitzerin – menschlich

Und nein, es wird keine Liebesgeschichte zwischen Simon und Velona geben. Aber das hatte ich im letzten Beitrag ja schon angedeutet.

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O Tannenbaum – oder: Was ist Liebe?

Vor ein paar Tagen habe ich O Tannenbaum als Liebesgeschichte zum Fest der Liebe angekündigt. Darauf bestehe ich auch, egal, was andere vielleicht sagen werden.

Man kann die Geschichte natürlich auch ganz anders lesen. Als Road Movie zum Beispiel. Oder als Abenteuergeschichte. Aber im Kern bleibt O Tannenbaum eine Liebesgeschichte, auch wenn Leser, die eine Girl-meets-Boy Romantasy erwarten, vermutlich trotzdem enttäuscht werden.
Für mich ist Liebe ein umfassenderer Begriff, der von vorsichtiger Zuneigung bis hin zu zwanghafter Obsession alles bedeuten kann. Welche davon in O Tannenbaum vorkommen, habe ich vielleicht schon angedeutet – verraten werde ich es allerdings nicht. Wo bliebe sonst der Reiz, die Geschichte selber zu lesen?

Jetzt bin ich allerdings neugierig: Was macht für dich eine Liebesgeschichte aus?

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O Tannenbaum – Eine Liebesgeschichte zum Fest der Liebe

Heute ist zwar erst Nikolaus, aber Weihnachten kommt immer näher. Das Fest der Liebe. Und tatsächlich ist die, für den nächsten Codex Aureus vorgesehene Geschichte, O Tannenbaum, eine Liebesgeschichte geworden. Wenn auch eine tragische.

spruce-tree-1480280_1280Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass Liebe die maßgebliche Triebfeder dieser Geschichte. Eine seltsame und maßlose Liebe, sicher. Darüber, ob so eine Liebe noch gesund ist, oder schon an Besessenheit grenzt, ließe sich diskutieren. Trotzdem handelt die Protagonistin genau nach der Maßgabe eines Gedichts von Khalil Gibran:

Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr,
sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel Dich umhüllen,
gib Dich ihr hin,
auch wenn das unterm Gefieder
versteckte Schwert Dich verwunden kann.
(aus „Über die Liebe“)

Nachdem mir das klargeworden ist, muss ich die Geschichte noch ein bisschen überarbeiten, um diesen Kern stärker zu betonen. Trotzdem wird O Tannenbaum voraussichtlich wie geplant ab dem 15. Dezember im Handel sein.

Die Dryade, der Schlitten und die Geister – drei Geschichten im Werden

Nach ganz vielen Artikeln über alles Mögliche mal wieder einen in eigener Sache. Schließlich ist das Blog auch eine Art Arbeitstagebuch oder soll zumindest ein paar Einblicke in meine Arbeitsweise und einen Überblick über die aktuellen Projekte geben.

Aktuell arbeite ich an einer Weihnachtsgeschichte. Es geht darin um eine ziemlich besitzergreifende Dryade und ein verhängnisvolles Versprechen. Die Idee überfiel mich kurz nachdem Sarah und Rahel von Clue Writing angefragt hatte, ob ich Lust hätte als Gastautorin einen Beitrag für sie zu verfassen. Der einzige Haken ist, dass sie so gar nicht zum von Rahel und Sarah vorgegebenen Setting passt. Die beiden möchten als Ort des Geschehens nämlich gerne einen Schlitten und da spielt die Dryade nicht mit.

Dafür passt sie viel besser in mein Veröffentlichungskonzept als die Geschichte, die ich eigentlich um Weihnachten rum veröffentlichen wollte. Eigentlich wollte ich dann nämlich eine weitere Geschichte aus der Welt der Khon veröffentlichen. Und weil Weihnachten bekanntlich das Fest der Liebe ist, sollte es eine Liebesgeschichte werden. Wunderschön und herzzerreißend traurig. Dafür kitschfrei. Versprochen!
Aber die Geschichte mit der Dryade spielt nicht nur in der Gegenwart und in der Vorweihnachtszeit, sondern es geht auch um einen Weihnachtsbaum. Was passt wohl besser zu Weihnachten?

Also werde ich zwei Weihnachtsgeschichten schreiben. Mindestens. Vielleicht noch etwas ganz kurzes als Draufgabe, wenn die Dryade zu kurz werden sollte.

Außerdem muss noch eine andere Geschichte endlich umgeschrieben und überarbeitet werden, damit sie Anfang Oktober fertig ist. Passend zur Jahreszeit und zu dem dann bald wieder anstehenden Halloween wird das eine Geistergeschichte. Sie hat, wie schon Steppenbrand wieder einen männlichen Protagonisten, aber auch eine starke Frau in der Nebenrolle. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Setting und Plot sind vollkommen. Die Handlung entführt ins europäische Frühmittelalter und in die Berge. Unter anderen treten auf: ein alter Einsiedler, eine schöne Frau und eine außergewöhnlich kluge Ziege.

Von Glück und Geistern

Bei der 4. Cluewriting Challenge habe ich mit meiner Kurzgeschichte „Der Kinobesuch der alten Dame“ ein Buchpaket aus dem Verlag die Waage gewonnen! 500 Geistergeschichten von Pu Sung-Lin in 5 Bänden. In Leinen gebunden und mit Holzschnitten.

Buchpaket
Das ist das Buchpaket (das Bild ist ein Screenshot von der Seite mit den ausgelobten Gewinnen http://www.cluewriting.de/downloads/events/preise_cwc4.pdf)

Ich bin so unglaublich überglücklich! So schöne Bücher, so viel zu lesen!

Ganz, ganz herzlichen Dank an Rahel und Sarah von Cluewriting und an den Verlag die Waage, der diese grandiosen Bücher (und noch andere) als Gewinn zur Verfügung gestellt hat.