[Rezension] Schatten vom M. D. Grand

Ausnahmsweise beginne ich eine Rezension mit dem Cover, weil mich das Cover von Schatten schon beim ersten Sehen ansprang. Vollkommen abstrakt mit einem beschränkten Farbspektrum (schwarz, weiß, dunkelrot) – und trotzdem DER HAMMER!
Allerdings hat mich dieses Hammercover in Verbindung mit dem Autorennamen erst mal auf eine vollkommen falsche Fährte gesetzt. Für mich suggestierte beides Science Fiction, eventuell auch einen Wissenschaftsthriller. Beides sind Genres, die ich gerne lese, auf die ich aber zu der Zeit keine Lust hatte.

Deshalb kam „Schatten“ zunächst nur auf den virtuellen Stapel der vorgemerkten Bücher. Vielleicht hätte ich es dort vergessen, wenn nicht einige BartBroAuthors geschwärmt hätten, wie toll es sei. Also habe ich es gekauft und das war auch gut so.

Entgegen meiner ersten Annahme ist Schatten nämlich weder Science Fiction, noch ein Thriller, sondern solide High Fantasy. Darüber hinaus überrascht die Geschichte mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Ceryan, der Protagonist ist nämlich das böse Minion des noch böseren Oberschurken – wenn auch nicht ganz freiwillig. Aber der Eid, durch den König Zenox ihn in seine Dienste gezwungen hat, verhindert jede offene Auflehnung.
Das lässt einen schnell wünschen, Ceryan, der auch sonst überraschend differenziert dargestellt wird, möge es schaffen, sich irgendwie zu befreien. Zumal es den Untergang der letzten freien Völker bedeuten würde, wenn es Ceryan seinen Auftrag ausführt und König Zenox den Stein von Kairoan beschafft.

Auch sonst bietet die Geschichte einen angenehmen Mix aus bekannten Fantasy-Elementen und überraschenden Wendungen. Sprachlichen fielen ein paar Unsicherheiten auf, die aber dem Lesevergnügen insgesamt keinen Abbruch taten.

Insgesamt daher eine Leseempfehlung.


Schatten von M. D. Grand ist erschienen bei Amazon und als Taschenbuch und eBook erhältlich.

Sex, Sexismus und Fantasy

Mit dem Sex in der Fantasy ist es ein bisschen wie mit der hohen und der niederen Minne im Mittelalter. In der High Fantasy, wie bei der hohen Minne streiten edle Recken um edle Ziele – da fehlt die Zeit für Sex. Mann hat Besseres zu tun und Frauen kommen, wie beim Herrn der Ringe, überwiegend in der Rolle des edlen Fräuleins oder der tugendhaften Hausfrau daher.
Bei Sword and Sorcery (also der Low Fantasy) geht es nicht so hehr zu, da sind die Sitten rauher und die Ziele nicht ganz so hoch gehängt, so dass mehr Zeit für andere Dinge bleibt. Saufen z. B. Oder Sex. Manchmal. Aber auch da ist das Rollenmuster meist klar: Der Mann ist der Aktive, der Eroberer und die Frau/das Mädchen die Belohnung für seine Heldentaten. Selbst mit einer Frau als Hauptfigur ändert sich an dem Schema kaum etwas, außer, dass sie ihn will. IHN zu bekommen und zu behalten, ist ihr Ziel, das fortan ihr ganzen Denken und Handeln bestimmt.

Dieses Schema hat mir die Vampirromane vergällt, weil es da inzwischen meist nicht um mehr geht, als darum, dass ein Mädchen einen Mann will, den sie nicht bekommt – oder wenigstens nicht gleich. Besonders aufgestoßen ist es mir aber kürzlich bei „Die Begabte“ von Trudi Canavan. Das Buch besteht nämlich aus zwei Handlungssträngen mit jeweils eigenen Protagonisten: einem jungen Magier und einer magiebegabten jungen Frau. Beide haben erst Mal nichts miteinander zu tun. Aber sie erfüllen genau das Klischee: Der junge Mann zieht auf Abenteuer aus; erst freiwillig, dann unfreiwillig, aber immer getrieben von Wissensdurst. Die junge Frau wächst behütet auf, soll in die bessere Gesellschaft einheiraten, verliebt sich aber unstandesgemäß und setzt nun alles daran, ihren Geliebten zu behalten. Ach ja, sie malt auch. Gut sogar. Aber das interessiert sie allenfalls am Rande.

Und damit wären wir beim Sexismus.

Nein, ich meine damit nicht, dass das Mädchen in einer klassisch patriarchalischen Gesellschaft aufwächst. Ich meine noch nicht mal, dass sie sich in „falschen“ verguckt – mir geht es um dieses stupide: „Der Mann zieht hinaus ins Leben, das Mädchen wartet auf den „Richtigen“ und wenn der kommt, hängt am Ende der Himmel voller Geigen und es regnet Rosen und rosa Glitzer.“ Aber genau das exerziert „Die Begabte“ bis zum Erbrechen.
Dabei gibt es durchaus Gegenentwürfe in dieser Geschichte: Mädchen, die nicht tun, was sie sollen. Die sexuell aktiv sind, ohne in jemanden verliebt zu sein. Die es sogar tun, um andere Ziele zu erreichen. Aber, man ahnt es: Das sind die Bösen. Die Gegenspielerinnen, die der Protagonistin schaden wollen.
Und das ist dann schon der nächste Punkt, der mich ankotzt: Diese unterschwellige Botschaft, man müsse sich für „den Richtigen“ aufsparen. Also den, den man heiraten und mit dem man Kinder haben will. Sex nur so ist bäh! Und ganz böse wird es, wenn frau ihn als Machtinstrument einsetzt.

Warum eigentlich? Nehmen wir mal die Situation der Protagonistin: Sie kommt aus einer wohlhabenden Familie, hat aber selber kaum Geld. Als Frau unterliegt sie außerdem noch zahlreichen anderen Beschränkungen. Zum Beispiel kann sie nur bei ihrer Tante Malunterricht nehmen. Aber es gibt einen Maler, dessen Technik sie lernen will. Einen, der gleich bei der ersten Begegnung deutliches Interesse zeigt und der noch nicht mal hässlich ist.
Muss sie sich dann wirklich erst in ihn verlieben, um mit ihm ins Bett zu gehen? Oder wäre es nicht fast logischer, das einzige Zahlungsmittel zu nutzen und ihm Sex in Aussicht zu stellen, wenn er sie unterrichtet? Damit bekäme sie zwar definitiv einen anderen Charakter und die Geschichte auch. Einen, der deutlich weniger „nett“ und „moralisch“ wäre, ihr aber weitaus mehr Profil gäbe und sie in eine Reihe mit den irischen Sagenköniginnen stellen würde, die (obwohl verheiratet) schon mal eine Nacht heißen Sex als Gegenleistung für irgendwelche Gefallen versprachen. Außerdem würde die plötzlich deutlich glaubwürdiger, dass das Mädel nicht nur Talent zum Malen habe, sondern sein Können auch wirklich verbessern will. So wie die Dinge im Buch beschrieben sind, scheinen Talent und Wunsch nämlich nur ein Vorwand, um die Beiden irgendwie zusammenzubringen.

Um es noch mal klar zu sagen: Sexismus heißt für mich nicht, dass die Gesellschaft nicht patriarchalisch geprägt sein darf. Im Gegenteil: Das Schöne an der Fantasy ist, dass sie Raum für ganz viele Gesellschaftsentwürfe bietet, ob das jetzt Matriarchate, Oligarchien, patriarchale Clanstrukturen, lesbische Amazonenheere oder gegenderte Basisdemokratien sind.
Sexismus ist für mich das starre Festhalten an irgendwelchen Rollenklischees. Das heißt nicht, dass Frauen nur noch starke Kriegerinnen und Männer nur noch sanft säuselnde Heiler sein dürfen und es heißt ganz sicher nicht, dass in jedem Buch unbedingt ein Quotenschwuler dabei sein muss (Der gerät sonst nämlich genauso zum Klischee, wie das Mädchen, das unbedingt ein Junge sein will in den Büchern von Enyd Blyton).
Aber wenn es um Liebe und Sex geht, sollten schon ein bisschen mehr drin sein, als dieses biedermeierliche Getue im Geiste von Hedwig Courths-Mahler und der Gartenlaube.

Codex Aureus: Es wird orientalisch

Nach der Veröffentlichung ist vor der Veröffentlichung und so ist nach „Der Esel als Pilger“ schon die nächste Geschichte für den Codex Aureus in Arbeit.

Die nächste Geschichte wird eher klassische Fantasy; allerdings ist das Setting nicht mittelalterlich-europäischen anmutend, sondern orientalisch inspiriert. Ich habe aber auch ein wenig bei Herodot gewildert und ein paar andere, obskure Bräuche einfließen lassen.
Es geht natürlich um gut und böse. Außerdem um Machtstreben und Gier. Und um Heldentum. Fantasy eben. Mir hat es viel Spaß gebracht, die Geschichte zu schreiben (aktuell überarbeite ich) und ich hoffe sehr, dass sie später genauso gern gelesen wird.

 

Das schwarze Einhorn darf bleiben

Es geht voran: Heute kam die Mitteilung des Einhornverlags, dass ich mein Einhorn verwenden kann. Deshalb hier schon mal vorab das Cover für die als Testlauf geplante Kurzgeschichte:

Buchcover Codex Aureus - Der Esel als Pilger
So sieht es aus, das Cover für die erste Geschichte

Heute schaffe ich es aber nicht mehr, den Text hochzuladen und zu prüfen. Für Montag stehen auch noch ein paar Termine an, aber ich hoffe, spätestens Dienstag alles fertig machen zu können.

Warum ich Fantasy und Historisches schreibe

An der Fantasy reizt mich, neue Welten zu erschaffen, bzw. die Regeln unserer Wirklichkeit zu verbiegen. Nehmen wir z. B. an, es gäbe Nixen und Nöcke wirklich. Wo würden sie jetzt leben? Gehen die Legenden von Krokodilen in der Kanalisation vielleicht auf Begegnungen mit ihnen zurück, nur dass man heute eben nicht mehr an sie glaubt und daher eher annehmen würde, ein Krokodil zu sehen? Wo fänden Feen in der Großstadt ihre ökologische Nische?
Aber daneben schreibe ich auch klassische High Fantasy, in der Schwert und Magie regieren. Diese Geschichten haben ihr eigenes Universum, das vielleicht noch Spuren von Mittelerde und Narnia trägt, aber ich lasse mich auch gerne von Märchen und Sagen aus aller Welt inspirieren und von historischen Stoffen inspirieren.

So gesehen liegt es dann schon wieder nahe, auch historische Ereignisse aufzugreifen, zumal ich mich auch privat für Geschichte interessiere und die Genres ohnehin nicht scharf getrennt sind. In vielen historischen Romanen finden sich Figuren mit magischen Fertigkeiten. Angefangen bei Gustave Flauberts Salammbo über Gordons Medicus und Follets Säulen der Erde bis hin zu Sabine Eberts Hebamme.  Das Buch wird dann dem dominieren Genre zugeordnet. Wobei auch schon mal der eine oder andere Fehler passieren kann.

Game of Thrones als Historischer Roman (Quelle: Twitter, Fotograf unbekannt)

In jedem Fall versuche ich, auch klassische Themen und bekannte Stoffe originell aufzubereiten und ihnen neue, überraschende Aspekte abzugewinnen. Schmachtende Vampire wird es bei mir in absehbarer Zeit nicht geben. Allenfalls verschmachtende. Versprochen.