#Autorinnenzeit: Ein Einwurf von Eva-Maria Obermann

Ein schönen Montag, einen wundervollen Mai. Macht euch auf was gefasst. Der Autor Sven Hensel – wahrscheinlich habt ihr schon davon gehört – hat die Initiative ergriffen und den Mai dieses Jahr zum „Autorinnenmonat“ erklärt. Unter dem Hashtag #Autorinnenzeit lernt ihr diesen Monat viele Autorinnen kennen und natürlich auch ihre Bücher. Ich werde mal hier, mal…

über Warum wir über Autorinnen reden müssen – #Autorinnenzeit — Schreibtrieb

Leseprobe von „O Tannenbaum“ ist online

Vielleicht sollte ich auch hier im Blog noch kurz darauf hinweisen, dass die Leseprobe von O Tannenbaum (der 4. Ausgabe des Codex Aureus) freigeschaltet ist.

Wer also Velona in freier Wildbahn erleben möchte, bitte hier entlang.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und ein fröhliches Weihnachtsfest!


o-tannenbaum-kleinO Tannenbaum ist als eBook in den Formaten ePub und Mobi erhältlich und damit für alle gängigen Lesegeräte verfügbar.
Kindle-Nutzer können das Buch bei Amazon beziehen. Die Nutzer aller anderen Reader bekommen es über die Online-Buchhandlungen der Tolino Allianz. Mein besonderer Favorit ist Bookzilla, weil man mit dem Einkauf die Entwicklung freier Software fördert. Es gibt O Tannenbaum aber z. B. auch bei:

Historisch oder Phantastisch?

In dem Blog vom Quadspreche wurde gerade die Frage behandelt, woran man Fantasyromane erkennt. Für mich ist die Antwort relativ einfach: Wenn eine Geschichte phantastische Elemente enthält, z. B.: die Intervention höherer Mächte, paranormale Fähigkeiten, Fabelwesen erfundene Völker, Orte oder Riten, ist es Fantasy. Historisch ist eine Geschichte, wenn sie in der Vergangenheit spielt und sich auf Fakten stützt.
Auch die können schlecht recherchiert sein, wie die durch unzählige Mittelalterromane kullernden Kartoffeln beweisen. Aber in dem Moment, wo das Übernatürliche ins Spiel kommt, ist es vorbei mit „historisch“.
Deshalb sind in meinen Augen weder „Die Nebel von Avalon“ noch „Der Medicus“ historische Romane – ganz egal, wie sie vermarktet werden. Sie sind Fantasy, genau wie „Der Fluch des Spielmanns“, obwohl ich mich wirklich bemüht habe, die Lebenswirklichkeit des 8. Jahrhunderts realistisch zu rekonstruieren. Aber durch die drei Geister wird es zu Fantasy. Historischer Fantasy, aber Fantasy.

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Der Fluch des Spielmanns – Codex Aureus (3) erscheint am 15. Oktober 2016 im ePub und Mobi Format. Erhältlich bei Amazon und in den Online Buchhandlungen der Tolino-Allianz.

Warum muss das Mittelalter immer dunkel sein?

Wenn man sich Filme (auch Geschichtsdokus) anguckt, fällt eines auf: Das Mittelalter ist immer dunkel und schmutzig. Braun-grau-schwarz gewandete Akteure schlurfen durch Schlamm oder hocken mit finsterem Gesicht in düsteren Ecken. Nebel wallt und vermutlich ist es auch sehr kalt. Wenn gerade mal keine Pest herrscht, werden Hexen gejagt.

Das goldene Rom

Die Römer, wird immer wieder suggeriert, hatten die Zivilisation. Bäder, Bibliotheken, Straßen … Danach kamen nur noch Gewalt und Leiden, bis man sich in der Renaissance auf römische Werte besann.
Dass das römische Reich eine Sklavenhaltergesellschaft war, in der Arbeit besteuert wurde, so dass die Reichen immer mehr Reichtum anhäuften, während die „Mittel-“ und „Unterschicht“… Lassen wir das.
Dass die großartigen römischen Straßen gebaut waren, um eine Kolonne marschierender Soldaten schnell von A nach B zu bringen, aber zu schmal waren, als dass zwei Karren aneinander vorbei passten, weil das römische Reich nicht auf Handel ausgerichtet war, sondern von militärischer Expansion und Ausbeutung der eroberten Gebiete lebte – geschenkt.
Dass die öffentlichen Bäder Brutstätten von Krankheiten waren, weil das Wasser zu selten gewechselt wurde; dass fließend Wasser ein Luxus war, den sich nur die allerreichsten Haushalte leisten konnten; dass im antiken Italien die Malaria grassierte; dass man im alten Rom nach Einbruch der Dunkelheit besser zuhause blieb, weil die Straßen dunkel waren und der Straßenraub blühte; dass die gepriesene Cloaca Maxima selbst in den besten Zeiten zum Himmel gestunken hat und sich die Gase darin z. T. selbst entzündet haben; dass die Römer keine Probleme mit Kinderarbeit und -prostitution hatten; dass die Römer extrem grausame Körperstrafen (u.a. das Kreuzigen) praktizierten, das alles und mehr wird vollkommen unter den Tisch gekehrt, denn die Römer hatten ja alles: Großstädte, Goldmünzen und das Kolosseum, während im Mittelalter eine Sammlung von Hütten schon als Stadt galt.

Finsteres Mittelalter

Dass damit Äpfel und Birnen verglichen werden, weil der Blick mal eben von den Ruinen einer untergegangenen Kultur in einen ganz anderen Landstrich wandert, in dem diese Kultur allenfalls ein Inseldasein geführt und allenfalls die Oberschicht der „Eingeborenen“ erreicht hat; in diesem Landstrich aber auch ganz andere klimatische Bedingungen herrschen, so dass man eher mit winterlicher Kälte als mit Wassermangel im Sommer zu kämpfen hatte, sollte aber doch eine Überlegung wert sein.

Was auch gerne unter den Tisch fällt, sind die Erfindungen die sich im Mittelalter in ganz Europa durchsetzten und die wir heute zum Teil noch nutzen: Bankwesen, Dreifelderwirtschaft, die Brille, das Kummet, die Brille, das Schießpulver, Papier, die mechanische Uhr, die Kleinbuchstaben, der Kachelofen, Schecks und Wechsel, Musiknoten, die Gotik als neue Bauform, die Null, arabische (eigentlich indische), Handwerksverbände (Gilden), eine Art Sozialsystem durch das christliche Barmherzigkeitsgebot (Bettler waren ein wichtiger Teil der mittelalterlichen Gemeinschaft und oft materiell nicht viel schlechter gestellt, als die „Werktätigen“ und es sind tatsächlich Klagen aus Städten überliefert, man habe zu wenig Arme, um ordentlich spenden zu können) u.v.m.
Wenn man genauer hinsieht, kommt eine erstaunliche Mobilität dazu, sowohl was die Aufstiegsmöglichkeiten angeht, als auch das Reisen betreffend. Es herrschte ein reger Kulturaustausch sowohl in den Norden, als auch weit in den Süden und Osten; eben dieser Austausch hat viele Entwicklungen überhaupt erst möglich gemacht.
Dafür gehören die gezielte Hexenverfolgung und -verbrennung und die grausamen Körperstrafen eigentlich nicht ins Mittelalter. Die Hexenverfolgung fing erst im ausgehenden Mittelalter an und hatte ihren Höhepunkt in der Aufklärung, also zu Zeiten Kants und Hegels. Und auch die Constitutio Criminalis Carolina, die neben der Folter als Mittel der Geständnisgewinnung auch Strafen, wie das Abschneiden der Zunge, Pfählen, Vierteilen usw. vorsieht, ist eine Erfindung der Moderne. Demgegenüber beruhte das Strafsystem des Mittelalters ursprünglich ausschließlich auf Geldbußen bzw. Schadenersatz.

Verbrechen und Strafe

Ich will nun kein strahlendes Alternativmittelalter malen, in dem es allen gut ging. Das wirklich nicht.
Sieht man sich z. B. den letzten Punkt, das Strafsystem, an, stellt man schnell fest, dass es  ein Problem mit der Durchsetzbarkeit gab. Nicht umsonst halten fast alle Gesetze des Mittelalters fest, dass Fehde und Blutrache bei Strafe verboten sind. Es gab keine Staatsgewalt, wie wir sie kennen, keine Polizei, keine ständigen Gerichte. Deshalb muss man sich die Realität wohl eher als Nebeneinander von Willkür und Gewohnheitsrecht mit gelegentlichen Interventionen „von oben“ vorstellen. Und wenn man dann noch bedenkt, wozu ein Lynchmob imstande ist – besten Dank!

Auch die Hungersnöte hat es gegeben, genauso wie Seuchen, Unwetter, religiöse Intoleranz – nur gab es das alles auch schon vorher und nachher genauso. Aber es gab eben auch die „lichten Momente“ und vielleicht wird es Zeit, diese stärker zu betonen.

Und was hat das mit mir zu tun?

Vielleicht fragst du dich inzwischen, worauf zum Teufel ich eigentlich raus will, denn eigentlich hat dieser Artikel mit dem Blog und den sonstigen Themen recht wenig zu tun. Aber diese seltsam verdrehte Darstellung des Mittelalters ist etwas, das mich schon länger beschäftigt und mich bei fast jedem historischen Roman, den ich lese und jeder Doku, die ich sehe, mehr nervt. Zusätzlich angestoßen wurde es durch die Recherchen zum Fluch des Spielmanns, der um 800 herum spielt und dem ein sehr reales Verbrechen zugrunde liegt.
Und nachdem ich gerade auf youtube eine gar grausliche Doku von ZDF History gesehen habe, musste das alles mal raus. Ich hoffe, du verzeihst mir.

Erscheinungsdatum für „Der Fluch des Spielmanns“ steht fest

Das Veröffentlichungsdatum für „Der Fluch des Spielmanns“ steht: Am 15. Oktober wird die Geschichte in allen Online-Buchhandlungen der Tolino Allianz und natürlich auf Amazon erhältlich sein.

Aktuell schlage ich mich noch mit ein paar Feinheiten rum. Zum Beispiel der Frage, ob ich wie schon bei „Steppenbrand“ ein Nachwort schreiben sollte.
Bei Steppenbrand war mir das ein Herzensanliegen, weil mich die Geschichte schon so lange begleitet. „Der Fluch des Spielmanns“ scheint auf den ersten Blick weniger aufregend, weil er nicht in einer erfundenen Welt, sondern im Mittelalter und in Europa spielt. Altbekanntes könnte man also meinen. Andererseits: Wie viel Wissen über das frühmittelalterliche Rechtssystem (oder besser: die Rechtssysteme), kann man wirklich voraussetzen? Wie sieht es mit dem Wissen um Kleidung und Lebensumstände aus?

Auf der anderen Seite: Interessiert das jemanden? Nötig sind die Erklärungen jedenfalls nicht, denn natürlich ist die Geschichte aus sich selbst heraus verständlich. Und deshalb frage ich mich, ob so ein Nachwort auf die Leser besserwisserisch wirkt und ich es nicht weglassen sollte.

Fortschritte beim Fluch

Gestern habe ich die erste Überarbeitung von „Der Fluch des Spielmanns“ abgeschlossen. Dabei ist die Geschichte noch mal kräftig gewachsen. Aber das war auch nötig. Einige wichtige Teile waren definitiv zu kurz abgehandelt, wodurch viel Spannung verschenkt wurde. An anderen Stellen musste ich nachbessern, weil die Konsequenzen der Handlungen sonst nicht allgemeinverständlich gewesen wäre.

Was ihr aber wirklich gut getan hat war, dass ich den Charakter der zweiten Hauptfigur grundlegend geändert habe. Der Aufwand dafür war vergleichsweise gering; die Handlung ist fast identisch geblieben, aber der Plot hat sich in einer entscheidenden Nuance verändert und gibt der Geschichte im letzten Moment noch eine ironische, fast komische Wendung.

Die Devise „kürzen, kürzen, kürzen“ ist definitiv nichts für mich. Jedenfalls nicht am Anfang. Bevor die Geschichte veröffentlichungsreif ist, braucht sie mindestens noch einen zweiten Durchgang. Auch wenn ich schon beim Schreiben versuche, Schmonz und Manierismen zu vermeiden, schmuggeln sie sich irgendwie doch immer wieder ein. Wahrscheinlich werde ich dabei auch noch das eine oder andere Plotloch entdecken.
Erst danach geht es ans Kürzen und eine weitere stilistische Überarbeitung. Inhaltlich wird sich dann aber nichts mehr ändern.

Außerdem muss ich noch ein bisschen am Cover basteln. Das Grundkonzept steht zwar schon, aber ich bin noch auf der Suche nach der optimalen Schrift für den Titel. Vermutlich schwanke ich zwischen einer irischen Unziale, der karolingischen Minuskel und einer Bastarda. Wenn ich den richtigen Fond gefunden habe, muss ich sie „nur noch“ in Farbe und Größe optimieren.
Das sind die Arbeiten, die ich zwischen den einzelnen Überarbeitungsphasen erledige. Das hat den Vorteil, dass der Text immer ein paar Tage Zeit zum Reifen hat. (Oder prosaischer ausgedrückt: Mit etwas Abstand sehe ich meine Fehler besser.)

Ganz zum Schluss werde ich noch ein kurzes Nachwort schreiben. Der Text selber ist zwar Fantasy, nimmt aber an einigen Stellen Bezug auf sehr reale historische Gegebenheiten. Die muss man zwar nicht kennen, um die Geschichte zu verstehen – aber als Leserin freue ich mich immer über solche „Bonbons.“
Und wenn ich ganz viel Zeit habe, werde ich mich vielleicht sogar noch an einige Skizzen wagen.

ausgelesen: Das Nibelungenlied

Natürlich kann man sich fragen, ob es sinnvoll ist, ein vor 800 Jahre geschriebenes Buch zu besprechen, das außerdem immer wieder als das deutsche Nationalepos bezeichnet wird. Meiner Meinung nach, ist das Erste kein Hinderungsgrund und das Zweite eher ein Argument, den Inhalt genauer unter die Lupe zu nehmen. Goethe selbst prognostizierte, dass der Text noch Jahrhunderte später die Gemüter beschäftigen würde (behauptet jedenfalls der Klappentext).

Wenn er das tatsächlich gesagt hat, gebe ich ihm recht. Das Nibelungenlied ist auch heute noch eine großartige Geschichte voller Gewalt, Intrigen, Verrat und unsterblicher Liebe. Nur die Form ist etwas ungewöhnlich. Aber daran gewöhnt man sich.

Und warum Nationalepos?

Eine gute Frage, die ich mir beim Lesen auch immer wieder gestellt habe. Grob zusammengefasst und auf moderne Begrifflichkeiten gebracht, geht die Geschichte nämlich so:

Worms und Umgebung wurde von den Burgundern regiert. Nomineller Chef war der König, Gundahar oder etwas einfacher: Gunther. Tatsächlich hatte aber sein oberster Berater, Hagen, das sagen. Ein Mann über dessen Herkunft nichts bekannt ist (nur, dass er eben kein Burgunder war) und der seinen Rang seiner Klugheit und Gerissenheit verdankte.
Gunther hatte außerdem noch zwei Brüder (Gernot und Giselher) die für die Geschichte aber keine Rolle spielen und eine Schwester, Krimhild.
Krimhild war nicht sonderlich klug, aber wunderhübsch und auch sonst ein nettes Mädchen. Nur mit Männern hatte sie nichts am Hut, denn sie hatte einen dummen Traum gehabt und seitdem wusste sie, dass sie entsetzlich leiden würde, wenn sie sich je verliebte.
So lebten sie glücklich und zufrieden, bis eines Tages eine Horde Hooligans in den Hof geritten kam. Ihr Anführer, Sigfrid von Xanten wurde seinem schlechten Ruf auch gleich gerecht, indem er Gunther zubrüllte: „Du komm runter da, Alda, ich mach dich Krankenhaus!“ Was man als Hool in solchen Situationen eben brüllt.
Aber dann sah er Krimhild und wurde plötzlich ganz friedlich. Sigfrid war vielleicht nicht die größte Leuchte im Kandelaber, aber sogar ihm war vermutlich klar, dass es nicht der beste Weg in das Herz einer Frau ist, erst ihren Bruder umzubringen. Und er wollte Krimhild. Mehr als alles andere.
Von dem Moment an waren Sigfrid und Gunther (der niemandem böse sein konnte) die besten Freunde – sehr zum Missfallen Hagens, der jetzt zwei Trottel unter Kontrolle halten musste, was natürlich schief ging. Gunther und Sigfrid schlossen nämlich einen Pakt: Wenn Sigfrid Gunther half, Brunhilde, die schöne Königin von Weit-Weit-Weg zu heiraten, sollte er als Belohnung Krimhild heiraten dürfen. Auf Brunhilde war Gunther nämlich schon lange scharf. Nur traute er sich nicht, ihr einen Heiratsantrag zu machen, denn Brunhilde hatte an die Heirat gewisse Bedingungen geknüpft und wer die nicht erfüllte musste sterben.
Sigfrid fand den Vorschlag fair und sagte seine Hilfe zu. Dass er mit Brunhilde so gut wie verlobt war, fand er nicht so erwähnenswert. Kurze Zeit später brach man nach Weit-Weit-Weg auf. Sigfrid hielt sein Versprechen und brachte Brunhilde mit ein paar magischen Tricks zu der Überzeugung, Gunther wäre sein Chef und vor allem stärker als er und damit der viel bessere Ehemann.
Dummerweise war Brunhilde nicht blöd und durchschaute die Intrige, als sofort nach der Rückkehr die Verlobung von Sigfrid und Krimhild bekannt gegeben wurde. Es war aber auch nicht sehr subtil von Sigfrid, bei der Hochzeitsfeier aufzustehen und zu Gunther zu sagen: „So, Bro, ich hab dir geholfen, nun bist du dran!“
Danach war Brunhilde ziemlich angefressen, weshalb die Hochzeitsnacht für Gunther zu einer sehr unerfreulichen Angelegenheit wurde. Trotzdem hätte sich die Sache mit der Zeit vielleicht eingerenkt, wenn sich Gunther nicht am nächsten Tag bei Sigfrid ausgeheult hätte. Der versprach wieder seine Hilfe und so kam Gunther am Ende zu dem, was er für sein eheliches Recht hielt. Was genau sich abspielte, ist nicht ganz klar, aber in jedem Fall war es übel für Brunhilde, die sich nun nur noch damit trösten konnte, wenigstens die Frau vom Chef zu sein.
Bis ihr aufging, dass Sigfrid nichts für Gunther tat und auch keine Abgaben zahlte. An diesem Punkt wäre es gut gewesen, wenn sie sich mit Hagen beraten hätte, aber auf die Idee kam sie nicht. Statt dessen lud sie Sigfrid und Krimhild zum Familientreffen ein. Dabei eskalierte der Versuch, Krimhild auszuhorchen. Krimhild pachte Beweise aus, dass nicht nur Gunther keineswegs Sigfrids Chef war, sondern Brunhilds Ehe vermutlich ungültig und ihr Sohn eventuell sogar Sigfrids Bastard war.
Natürlich versuchte Brunhilde zu retten, was zu retten war. Aber das einzige, was geholfen hätte, wäre ein öffentlicher Widerruf von Sigfrid gewesen und der sagte nur: „Nö!“, während Gunther tat, was er am besten konnte, nämlich nichts. An seiner Stelle handelte Hagen und am Ende war Sigfrid tot. Die Situation schien bereinigt.
Nur Krimhild reagierte nicht, wie erwartet. Statt mit der Leiche nach Xanten zu den Schwiegereltern zu entschwinden, nahm sie sich ein Haus in Worms und fing an, nach Auftragskillern zu suchen. Als der Plan fehlschlug, suchte sie Verbündete im Ausland und fand Attila, den König der Hunnen. Der hatte keine Ahnung, dass er Mittel ihrer Rache sein sollte, sondern meinte, eine gute Partie zu machen. Er hatte zwar ein halbes Weltreich erobert, aber noch nicht gesichert und Krimhild hatte Verbindungen und sah immer noch fantastisch aus. Auch Gunther fand das eine prima Idee, um seine Schwester auf andere Gedanken zu bringen und so zog Krimhild ab nach Ungarn.
Der Rest ist bekannt: Es gab noch ein weiteres Familientreffen, das nur Attila überlebte.

Wenn das das deutsche Nationalepos sein soll, dann wäre das mehr Selbstironie, als ich meinen Landsleuten zutraue. Intelligent handeln hier vor allem die „Ausländer“, d. h. Hagen, Brunhilde und Attila (letzerer zeichnet sich außerdem durch eine anachronistisch anmutende Aufgeklärtheit hinsichtlich der Religion aus) und ausgerechnet der deutsche Held Sigfrid erscheint als hirnloser (wenn auch manchmal lieber) Muskelberg, der die Hose nicht zulassen kann.

Mein Fazit:

Nationalepos? Nein. Lesenswert? Auf jeden Fall!

Recherche – Warum im Netz nicht alles in Butter ist

Mein Großer hat in Geschichte gerade das europäische Mittelalter. Dabei sollten sie in Teamarbeit die Herkunft verschiedener Sprichwörter herausfinden und als Kurzreferat der Klasse vortragen. Finde ich grundsätzlich eine tolle Sache, da es Neugier, Teamarbeit, Recherchefähigkeiten und noch ein paar andere Dinge mehr fördert, die in meinen Augen deutlich wichtiger sind, als die Frage, ob der Gang nach Canossa nun 1076/77 oder 1078/79 angetreten wurde. Aber als der Große mir dann erzählte, was in den Referaten vorgetragen wurde – und wie die Recherche ablief, musste ich doch schlucken.
Nein, das hier wird kein Rant gegen Lehrer, keine Sorge. Es ist nur ein Appell, nicht unbesehen alles zu glauben, was irgendwo geschrieben steht. Auf der Referatsliste stand nämlich auch der Klassiker: Alles in Butter.
butter-1449453_640Die Kinder haben das gegoogelt und fanden einen Haufen Seiten, auf denen behauptet wird, die Bezeichnung stamme aus dem Mittelalter, damals hätten (venezianische) Fernhändler ihre wertvollen Gläser mit heißer Butter übergossen, damit sie auf dem Transport nicht kaputt gingen. Eine sehr populäre Behauptung, die laut Wikipedia nicht nur im Duden steht. Ich habe sie auch schon bei einer Führung durchs Museum der Kaiserpfalz Paderborn gehört. Dort war es aber angeblich der Hofstaat Karls des Großen, der sein zerbrechliches Geschirr auf diese Weise schützte. Nun ja.

Muss was dran zu sein, wenn so viele das behaupten

Oder auch nicht. Der Nachteil an Informationen aus dem Internet ist, dass sie zwar schnell verfügbar und mit copy und past genauso schnell reproduzierbar sind. Das bedeutet leider auch, dass die Quelle oft genug nicht kritisch hinterfragt wird. Und wenn dann noch eine nette Geschichte dazu kommt, wird auch eine Falschbehauptung schnell viral.
Ich fürchte, dass bei der Butter genau das passiert ist. Die Geschichte von den Händlern (oder dem Hofstaat) ist eine hübsche Anekdote, die uns „Wissenden“ bestätigt, dass die Leute im Mittellalter alle ein bisschen komisch waren.
Aber wenn ein Mensch aus dem Mittelalter per Zeitreise zu uns versetzt würde, würde er über diese Geschichte vermutlich herzlich lachen. Und darüber, dass wir so dumm sind, sowas zu glauben.

Sapere aude!

quote-791953_640Recherche heißt auch, Behauptungen nicht einfach zu glauben, sondern den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstands zu bedienen, auch wenn das bedeutet, dass man zu ganz anderen Ergebnissen kommt, als die Mehrheit.
Um bei der Butter zu bleiben, könnte man sich z. B. fragen, wieso diese angeblich so bruchsichere Verpackung in Vergessenheit geraten konnte. Man könnte auch fragen, warum jemand ausgerechnet in einer Zeit, in der alle naslang irgendwo Hungersnot herrschte, auf die Idee kam, ein teures Lebensmittel als Verpackungsmaterial zu benutzen. Man könnte auch die Frage aufwerfen, wie viel zusätzliches Gewicht es bedeutet, eine Transportverpackung zusätzlich mit Butter auszugießen und wie die Lasttiere mit dem zusätzlichen Gewicht zurechtkommen sollten (der 40-Tonner war genauso wenig erfunden, wie die Autobahn). Als Hausfrau könnte man aber auch mit der ganz pragmatischen Überlegung beginnen, wie man die Gläser anschließend aus der Transportverpackung heraus und wieder sauber bekommt – schließlich kann man ein Fass oder eine Truhe schlecht über ein Feuer hängen, um das Fett zu verflüssigen. Mehr in den Bereich der angewandten Physik geht die Erwägung, wie gut die Dämpfungseigenschaften von Butter tatsächlich sind – immerhin wird sie schon bei Zimmertemperatur weich und im Sommer werden noch ganz andere Temperaturen erreicht.
Das ist jetzt natürlich alles kein Argument, dass es nicht doch so gewesen ist. Schließlich haben Menschen zu allen Zeiten allen möglichen Blödsinn angestellt.
Andererseits: Die waren ja auch nicht blöd, damals. Auch damals hätte man bevorzugt zu einem leichten, billigen Verpackungsmaterial gegriffen, das sich problemlos entfernen lässt. Stroh zum Beispiel. In meinem Mittelalterverein polstern wir unsere Geschirrtruhen damit aus. Oder Bast, der noch heute bei Chianti-Flaschen verwendet wird.

Und wie war es dann?

Das ist die unangenehme Nebenwirkung, wenn man Fragen stellt: Manchmal ist die einzige Antwort, dass man die Frage nicht beantworten kann. Meine Theorie ist, dass der Satz „alles in (schönster) Butter“ ähnlich wie „Butter bei die Fische geben“ aus der Küche kommt.
Der Satz könnte sich ursprünglich auf die Qualität (und den Geschmack) eines Essens bezogen haben, das nicht mit billiger Margarine oder anderen Ersatzfetten, sondern eben mit Butter gekocht wurde. Da Margarine erst unter Napoleon (als billiger Butter-Ersatzstoff für das Heer) erfunden wurde, wären wir damit nicht mehr im Mittelalter. Aber wenn man sich anguckt, was alles in dieser ersten Margarine drin war, ergibt es immer noch eine gute Geschichte.
Wenn man die Herkunft unbedingt im Mittelalter verorten will, würde sich als Deutung eher anbieten, dass dieser Satz das Ende der Fastenzeit markiert, während der nicht nur Fleisch, sondern auch Butter verboten. Wenn also wieder „alles in Butter“ ist, könnte das im übertragenen Sinne heißen, dass man endlich wieder richtig schlemmen darf.
Natürlich weiß ich es nicht. Ich war nicht dabei. Aber beide Erklärungen scheinen mir wesentlich logischer als die doch recht weit hergeholte (wenn auch hübsche) Geschichte vom Händler mit seinen Glaswaren.

Warum ich das loswerden musste

seagull-601287_640Als Autor weiß man, wie wichtig es ist, Klischees zu vermeiden. Die meisten von uns entwickeln im Laufe der Zeit einen inneren Klischeesensor, der sofort Alarm schlägt, wenn Charaktere oder Situationen, ins klischeehafte abzurutschen drohen.
Bei der Recherche fehlt so ein Sensor oft. Als geübte Lügner sind wir daran gewöhnt, Wissen zu simulieren und über Dinge zu schreiben, von denen wir im Grunde keine Ahnung haben. Hauptsache, der Leser nimmt es uns ab. Bei der Wiedergabe von Fakten ist es deshalb so wichtiger, Informationen nicht einfach zu übernehmen, sondern möglichst mehrere Quellen zu vergleichen und kritisch zu hinterfragen. Viele Leser nehmen sachliche Fehler sehr übel. Nun kann man Fehler zwar nie ganz vermeiden – aber man sollte sein Bestes tun, ihre Quote so gering wie möglich zu halten.

Warum ich Fantasy und Historisches schreibe

An der Fantasy reizt mich, neue Welten zu erschaffen, bzw. die Regeln unserer Wirklichkeit zu verbiegen. Nehmen wir z. B. an, es gäbe Nixen und Nöcke wirklich. Wo würden sie jetzt leben? Gehen die Legenden von Krokodilen in der Kanalisation vielleicht auf Begegnungen mit ihnen zurück, nur dass man heute eben nicht mehr an sie glaubt und daher eher annehmen würde, ein Krokodil zu sehen? Wo fänden Feen in der Großstadt ihre ökologische Nische?
Aber daneben schreibe ich auch klassische High Fantasy, in der Schwert und Magie regieren. Diese Geschichten haben ihr eigenes Universum, das vielleicht noch Spuren von Mittelerde und Narnia trägt, aber ich lasse mich auch gerne von Märchen und Sagen aus aller Welt inspirieren und von historischen Stoffen inspirieren.

So gesehen liegt es dann schon wieder nahe, auch historische Ereignisse aufzugreifen, zumal ich mich auch privat für Geschichte interessiere und die Genres ohnehin nicht scharf getrennt sind. In vielen historischen Romanen finden sich Figuren mit magischen Fertigkeiten. Angefangen bei Gustave Flauberts Salammbo über Gordons Medicus und Follets Säulen der Erde bis hin zu Sabine Eberts Hebamme.  Das Buch wird dann dem dominieren Genre zugeordnet. Wobei auch schon mal der eine oder andere Fehler passieren kann.

Game of Thrones als Historischer Roman (Quelle: Twitter, Fotograf unbekannt)

In jedem Fall versuche ich, auch klassische Themen und bekannte Stoffe originell aufzubereiten und ihnen neue, überraschende Aspekte abzugewinnen. Schmachtende Vampire wird es bei mir in absehbarer Zeit nicht geben. Allenfalls verschmachtende. Versprochen.