#CharactersofSeptember (Tag 29) – Was Seraina ändern würde

Vorletzter Tag bei Characters of September, der Challenge, die fiktiven Charakteren eine Stimme gibt und sie selber erzählen lässt. Bei mir kommt Seraina zu Wort, eine fahrende Jongleurin aus dem frühen Mittelalter. Sie ist eine der Figuren aus Der Fluch des Spielmanns und bei ihrem ersten Auftritt bereits tot.

Nike: „Hallo Seraina, heute geht es um folgende Frage: Wenn du eine Sache ändern könntest – was wäre das?“

Seraina: „Eine Sache ändern? Meine Vergangenheit kann ich nicht ändern. Alle Fehler, die ich gemacht habe, habe ich guten Gewissens und mit den besten Absichten begangen. Sie sind Teil von mir. Vielleicht sogar mehr als meine guten Taten.
Aber wenn ich etwas ändern könnte, etwas wirklich wichtiges, dann wäre es, dass sich die Menschen mit mehr Respekt begegnen. Dass sie für einander da sind, statt nur gegeneinander.“

Nike: „Also wie heute.“

Seraina: „Wie meinst du das?“

Nike: „Nun, eine Geschichte, wie deine, wäre heute unmöglich. Wir haben die Sklaverei abgeschafft. Es gibt funktionierende Sozialsysteme, Gerichte, die Polizei …“

Seraina: „Ist das so, ja? Das heißt, ihr behandelt die Fahrenden so, wie die Sesshaften? Ihr betrachtet den Fremden mit dem gleichen Respekt wie den Nachbarn? Ohne Angst und Argwohn? Ihr achtet nicht auf Stand und Ansehen? Und niemand muss hungern oder frieren?“ (Sie macht eine Pause, schüttelt den Kopf und zuckt mit den Achseln) „Das klingt, wie die Erfüllung eines Traums. Ich würde mir wünschen, dass die Welt so geworden ist. Aber glauben, …?“


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#CharactersofSeptember (Tag 28) – Schlechte Angewohnheiten

Die Challenge Characters of September, bei der fiktive Charaktere Rede und Antwort stehen, geht langsam zu Ende. Noch dreimal wird Seraina, die Spielfrau aus der Erzählung Der Fluch des Spielmanns von sich und ihrem Leben im frühen Mittelalter berichten.

Nike: „Hallo Seraina. Heute geht es um die Frage, welche schlechte Angewohnheit du gerne loswerden würdest.“

Seraina: „Sei gegrüßt Nike – aber welche schlechten Angewohnheiten sollte ich loswerden wollen? Ich bin tot. Seit achthundert Jahren!“

Nike: „Und als du noch gelebt hast? Gab es da etwas?“

Seraina: „Ja, vielleicht. Vielleicht hätte ich etwas freundlicher sein können. Weniger hart. Aber bei dem Leben, der ich …, das wir geführt haben, ist es schwer, nicht hart zu werden.“


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#CharactersofSeptember (Tag 16) – Serainas Freunde

Die Challenge #CharactersofSeptember lässt Charaktere aus Büchern oder Filmen zu Wort kommen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns, die sich den Fragen stellt.

Nike: „Hallo Seraina, nachdem wir uns über deine Herkunft und deine Familie unterhalten haben, geht es heute um Freunde. Hast du einen besten Freund oder eine beste Freundin?“

Seraina: „Ich hatte im Leben genau eine Freundin. Jedenfalls nachdem ich mit Corvin durchgebrannt bin.“

Nike: „Hulda?“

Seraina: „Ja, Hulda. Natürlich hatten wir unsere Differenzen, besonders, wenn es um Pirmin ging. Aber trotzdem …“

Nike: „Du hast sie in einem unserer Gespräche als „so etwas wie eine Schwester“ bezeichnet. Als jüngere nehme ich an. Hulda war schließlich sehr viel jünger als du.“

Seraina: „Sie hätte die Tochter sein können, die ich nie gehabt habe. Aber unsere Beziehung war nicht so. Schwester trifft es eher.“

Nike: „Kannst du sie näher beschreiben? Hulda, meine ich.“

Seraina: „Sie war sehr schön. Das ist das, was natürlich als erstes ins Auge sprang: ihre Schönheit. Sie war zierlich wie eine Fee, dazu die blonden Haare, die blauen Augen und dieser Mund … Ihre Lippen waren wie reife Kirschen. Die Männer sind ihr natürlich nachgelaufen und sie hat es ausgenutzt. Aber das war nur ihre eine Seite. Sie war auch witzig, schlagfertig und sie hatte ein großes Herz! Alles, was sie hatte, hat sie mit uns geteilt, und wenn sie gesehen hat, dass jemand noch schlechter dran war, hat sie geholfen, als hätte sie ein Haus und Kisten voller Silber.
Weißt du, wie sie zu ihren tanzenden Hunden gekommen ist? Das war nämlich so, dass ein Bauer die ersaufen wollte. Aber Hulda hat sie ihm abgekauft. Pirmin hat sie dafür grün und blau geprügelt, weil es doch unser aller Geld war. Hulda hat geweint und gebettelt und ihn am Ende überredet, dass sie sie behalten darf. Und die Hunde haben es ihr gedankt. Sie haben immer getan, was Hulda wollte, ganz als wüssten sie, dass sie ihnen zweimal das Leben gerettet hat.“


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#CharactersofSeptember (Tag 15) – Serainas glücklichst Kindheitserinnerung

Bei der Challenge #CharactersofSeptember sprechen Charaktere aus Büchern und Filmen über sich selbst, auch über Details, die dort nur eine untergeordnete Rolle spielen (wenn überhaupt). Bei mir ist es Seraina, der Geist einer fahrenden Spielfrau aus dem Frühmittelalter, die sich den Fragen stellt.

Nike: „Hallo Seraina, nach dem, was du die letzten Tage erzählt hast, war deine Kindheit ziemlich trist. Gab es denn auch schöne Momente?“

Seraina: „Es war nicht alles schlecht. Ich hatte ein Bett, damals. Mit Kissen und Decken und allem was dazu gehört. Natürlich zusammen mit meinen Geschwistern, aber wir mussten nicht auf dem Boden schlafen. Unsere Kleidung war ordentlich und sauber – schon weil alles andere der Herrschaft Schande gemacht hätte. Und es gab immer genug zu essen. Gutes Essen, keine zusammengeklaubten Reste.“

Nike: „Sind das die Momente, in denen du besonders glücklich warst? Beim Essen und Ins-Bett-Gehen?“

Seraina: „Nein, das sind nur die Dinge, die ich später am meisten vermisst habe. Zusammen mit der Wärme. Es war herrlich warm dort. Als Kind habe ich das als ganz selbstverständlich genommen, aber das war es natürlich nicht.
Glücksmomente … Das sind nur Erinnerungsfetzen. Der Bach, in dem das Tuch nach dem Walken gewaschen wurde – wir haben darin gespielt, musst du wissen. Wenn ich daran zurück denke, wie das Wasser in der Sonne geglitzert hat, wenn wir uns nassgespritzt haben. Wie kühl es an den Beinen war. Die kleinen Steine unter den Füßen. Schlamm, der zwischen den Zehen quillt – und dazu die Sonne. Die helle, warme Sonne. Das war schön!“


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CharactersofSeptember (Tag 12) – Serainas Familie

Characters of September gibt einem fiktiven Charakter die Chance, sich selber vorzustellen. Bei mir kommt Seraina zu Wort, einer der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina, danke, dass du hier bist. Bei der nächsten Frage geht es um deine Familie.“

Seraina: „Welche Familie? Meine Mutter? Die ist schon lange tot – war es schon, als ich damals mit Corvin durchgebrannt bin. Oder meinst du die familia, in der ich aufgewachsen bin? Zu der habe ich sämtliche Bindungen abgebrochen und ich hoffe nicht, einem von ihnen je wieder zu begegnen.“

Nike: „Und Corvin?“

Seraina: „Corvin, ja. Aber Corvin hat selbst keine Leute zu denen er gehört. Wie können wir zwei alleine eine Familie sein?“

Nike: „Familie ist für dich etwas Größeres?“

Seraina: „Aber ja! Zu einer Familie gehören Vorfahren und Nachkommen, Geschwister, Basen, Vettern und deren Gatten und Kinder. Corvin und ich haben nichts davon.“

Nike: „Und was ist mit Hulda und Pirmin. Du hast mal gesagt, Hulda sei für dich so etwas wie eine Schwester gewesen.“

Seraina: „So etwas wie, genau. Aber eben nur wie, nicht wirklich. Sie waren mir Gefährten. Freunde vielleicht. Das heißt, Pirmin nicht einmal das. Wir haben uns aufeinander verlassen, teilten ein Schicksal, aber unsere Bande waren nicht so eng. Wir hätten jederzeit auseinander gehen können und das wäre es dann gewesen.“


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#Charakters of September (Tag 11) – Serainas Herkunft

#CharactersofSeptember ist eine Challenge, die fiktiven Charakteren die Möglichkeit der Selbstdarstellung gibt. Ich habe mich entschieden, Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns zu interviewen, auch, weil es ihr Tod war, der die Inspiration für diese Geschichte geliefert hat.

Nike: „Hallo Seraina, nachdem wir die letzten zehn Tage über persönliche Dinge gesprochen haben, stehen jetzt Fragen zu deinem sozialen Umfeld auf meinem Zettel. Aber zunächst: Wo kommst du her? Waren deine Eltern auch Gaukler?“

Seraina: „Das könnte man meinen, so wie ich aussehe. Aber es stimmt nicht. Meine Mutter war eine fante, eine leibeigene Maurin, die man als Kind verschleppt und als Sklavin verkauft hatte. Als ich geboren wurde, gehörte sie der familia eines genuesischen Tuchmachers.“

Nike: „Und wie bist du dann zu den Gauklern gekommen? Hat man dich verkauft?“

Seraina: „Nein, natürlich nicht. Ich bin weggelaufen. Sie haben mich zwar gut versorgt, was Essen und Kleidung angeht, da hatte ich immer genug. So viel, wie jede andere Magd auch. Aber sie haben mich auch viel geschlagen und die Männer sind mir nachgestiegen, seit mir Brüste gewachsen sind. Das war keine gute Zeit. Ich hatte keinen Ort, wo ich sicher war, niemanden, der mich beschützen konnte oder wollte – bis Corvin kam.
Es klingt so einfach, wenn ich das jetzt erzähle, aber es war furchtbar gefährlich. Wenn sie mich eingefangen hätten, wäre ich schlimm bestraft worden und er noch mehr. Aber es ist ja gutgegangen. Zum Glück! Ich wäre nicht freiwillig zurückgekehrt, und wenn sie mich gezwungen hätten – ich hätte mich umgebracht.
Die Freiheit ist hart. Aber sie ist auch süß und wenn man sie einmal gekostet hat, will man sie nicht mehr missen.“


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#CharactersofSeptember – Wird Seraina ihr Geheimnis enthüllen?

Bei der Challenge #CharactersofSeptember bekommen fiktive Charaktere die Möglichkeit, sich selber vorzustellen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus „Der Tod des Spielmanns“, die im Interview auf Fragen antwortet.

Nike: „Hallo Seraina, kommen wir zur letzten Frage aus dem Bereich „Persönliches“. Dieses Mal geht es um Geheimnisse. Ich kann mir vorstellen, dass es bei dem Leben, das du geführt hast, schwierig ist, ein Geheimnis zu bewahren. Viel Privatsphäre habt ihr ja nicht gehabt, oder?“

Seraina: „Nein, wie denn auch? Es gab ja keine Türen, die wir hintereinander schließen konnten. Außerdem waren wir die meiste Zeit zusammen.“

Nike: „Dann kann man sagen, dass ihr alles von einander wusstet?“

Seraina: „Das Meiste. Aber jeder von uns hat Gedanken gehabt, die er vor den anderen verborgen hat und manchmal auch Dinge getan, von denen die anderen nichts wussten.“

Nike: „Du sagst das sehr bestimmt.“

Seraina (zuckt mit den Schultern): „Ich weiß, dass die anderen manches für sich behalten haben – und ganz sicher habe ich es auch getan.“

Nike: „Wie kann man in einer so kleinen Gruppe ein Geheimnis bewahren, wenn man doch immer zusammen ist? “

Seraina: „Man spricht nicht darüber. Vor allem stellt man aber keine Fragen.“

Nike: „Darf ich trotzdem fragen? Ich würde nämlich auch gerne wissen, was zum Beispiel dein großes Geheimnis war.“

Seraina: „Sicher darfst du fragen. Nach so langer Zeit – es schadet niemandem mehr, darüber zu sprechen. Ich fürchte nur, du wirst lachen. Es erscheint im Rückblick so unwichtig. Aber damals, da war es sehr wichtig für mich, weil ich fürchtete Corvin zu verlieren, wenn er davon erfährt. Ich habe ihn geliebt, versteht du? Nach all den Jahren noch. Er war das Einzige, was ich hatte und ihn zu verlieren das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte.“

Nike: „Ich verstehe. Und ich verspreche, nicht zu lachen.“

Seraina (atmet tief ein): „Meine Haare. Ich habe sie gefärbt. Das Schwarz, das Corvin so gefallen hat, war nicht echt. Schon damals, als wir einander kennenlernten, war ich halb grau – oder wäre es gewesen, wenn ich nicht nachgeholfen hätte. Es war immer ein scheußlicher Aufwand und mein Kopf hat die ersten Tage danach schrecklich gejuckt, aber das war es mir wert. Ich habe immer einen Vorrat von Färbemitteln dabeigehabt und, wann immer es möglich war, ein paar Münzen beiseitegeschafft, um Geld neue zu haben. Verstehst du: Ich habe meine Freunde bestohlen; wir hätten Essen dafür kaufen können! Aber lieber habe ich gehungert, als in Corvins Augen hässlich zu sein.“


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#CharactersofSeptember (Tag 9) – Seraina über ihrer Äußeres

Characters of September gibt einem fiktiven Charakter die Chance, sich selber vorzustellen. Bei mir kommt Seraina zu Wort, einer der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina, heute kommt die vorletzte der persönlichen Fragen und zwar zu deinem Körper. Was daran magst du? Und was nicht?“

Seraina: „Mein Körper? Ich habe nie über meinen Körper nachgedacht, bevor er anfing zu verfallen.“

Nike: „Also erst nach deinem Tod?“

Seraina: „Nein! Als ich alt wurde. Als ich merkte, dass mir die Blicke der Männer nicht mehr folgten und das Geld weniger wurde, das sie mir gaben. Als meine Knochen morgens zu schmerzen und die Gelenke zu knacken begannen. Als mir der erste Zahn ausfiel. Das meine ich mit Verfall.“

Nike: „Ich bin irritiert. Die meisten Frauen, die ich kenne, sind in irgendeiner Form auf Äußerlichkeiten fixiert – und sei es negativ. Da kommen dann so Sätze wie: „Meine Augen sind schon ganz ok, aber diese Nase … Und die Haare erst!“ Das ist bei dir gar nicht? Wie kommt das?“

Seraina (lacht): „An meinen Haaren hatte ich nie etwas auszusetzen – abgesehen davon, dass sie so dicht und dick sind, dass sie sich schwer kämmen lassen. Aber was soll ich über meine Augen sagen? Oder über meine Nase? Die habe ich nie gesehen. Nicht richtig jedenfalls.“

Nike: „Ich glaube, das musst du erklären.“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe, waren Spiegel Luxus. Etwas für die ganz Reichen. Ich habe mein Gesicht allenfalls flüchtig vom Grund eines Bechers gesehen. Aber weißt du, wie schwer es ist, sich in der Neige im Becher zu sehen? Nein, mein Spiegel waren immer die Blicke anderer Menschen. Als ich noch jung war, haben sie mir gesagt, dass ich hübsch bin. Später habe ich aus ihnen den gleichen Verfall gelesen, den ich in den Knochen gespürt habe.“

Nike: „Eine letzte Frage noch: Mochtest du deinen Körper?“

Seraina: „Mögen? Er gehörte zu mir und habe mich wohl darin gefühlt – meistens. Wenn es mir gut ging mehr, wenn ich Schmerzen hatte, weniger. Heute vermisse ich manchmal das Gefühl, einen zu haben. Also werde ich ihn wohl gemocht haben.“


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#CharactersofSeptember (Tag 8) – Serainas Ängste

Characters of September ist eine Challenge, bei der es darum geht, einen fiktiven Charakter eingehender vorzustellen oder, genauer gesagt, ihm die Möglichkeit zu geben, sich mit eigenen Worten vorzustellen. Ich habe hierfür Seraina ausgewählt, eine der Spielfrauen aus „Der Tod des Spielmanns“. Ihr Tod war nicht nur Anlass der Geschichte (ihre Knochen kamen vor ein paar Jahren zufällig bei Bauarbeiten ans Tageslicht), sie spielt auch eine wesentliche Rolle innerhalb der Handlung.
Da es im folgenden Abschnitt auch um Tod und Sterben geht, sollten empfindliche Menschen vielleicht nicht weiterlesen.

Nike: „Hallo Seraina. Schön, dich zu sehen. Beim heutigen Gespräch soll es um deine Ängste gehen.“

Seraina: „Sei gegrüßt, Nike. Das wird ein kurzes Gespräch. Ich bin tot und das seit über tausend Jahren. Was sollte mich da noch ängstigen?“

Nike: „Und als du noch gelebt hast?“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe – natürlich gab es da Dinge, vor denen ich Angst hatte.“

Nike: „Dinge, sagst du. Also war es mehr als eine Sache, vor der du dich gefürchtet hast. Magst du uns sagen wovor?“

Seraina: „Wo soll ich anfangen? Natürlich gab es mehr als nur einen Grund, Angst zu haben! Unser ganzes Leben war unsicher. Selbst, wenn wir Essen hatten, wussten wir nie, für wie lange. Natürlich hatte ich Angst, krank zu werden und hinfällig. Ich hatte Angst, dass Corvin mich eines Tages verlässt. Wenn wir ein Dorf verließen, hatte ich Angst, dass man uns nachher des Diebstahls bezichtigen würde. So, wie wir uns am Tag vor Räubern hüten mussten,  fürchteten wir in der Nacht die wilden Tiere, die Wölfe und Bären. Und natürlich auch die Truden, die Alben und andere böse Geister. Es wäre vermutlich einfacher, die Dinge aufzuzählen, die keinen Anlass für Angst und Sorge boten.
Aber weißt du, es geht im Leben nicht darum, wovor man Angst hat. Es geht darum, mit seiner Angst zu leben. Sich nicht verrückt zu machen. Nur, weil man krank werden kann, ist man noch nicht siech. Nur weil man umgebracht werden kann, ist man noch längst nicht tot. So lange man noch atmet, besteht Hoffnung! Die muss man packen, wie man das Leben packen muss und sich hineinkrallen und es festhalten, mit Zähnen und Klauen, wenn nötig. Dann kann einem die Angst auch nichts anhaben.“

Nike: „Das würde ich gerne glauben. Aber eine letzte Frage noch: Am Ende, also, bevor du gestorben bist, hattest du da keine Angst?“

Seraina: „Du darfst mir glauben. Die Angst hatte ich vorher. Am Ende … Es war so viel, so laut. Dieses ganze Geschrei … Ja, da war ein Moment der Angst, ganz kurz und klar, als ich wusste, dass ich sterben werde und die anderen auch, bis auf Corvin natürlich. Das war mein letzter Gedanke, wie gut, dass wenigstens er nicht … Dann kam der Schmerz und dann war es auch schon vorbei.“


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#CharactersofSeptember (Tag 7): Serainas Reaktionen auf Lob und Kritik

Seraina ist einer der Charaktere aus der Erzählung Der Fluch des Spielmanns, deren Handlung im frühen Mittelalter angesiedelt ist. Während die Handlung im Buch von ihrem Gefährten Corvin erzählt wird, kommt sie hier erstmals selber zu Wort.

Nike: „Ich grüße dich, Seraina. Heute soll es darum gehen, wie du mit Lob und Kritik umgehst. Kannst du Lob leicht annehmen?“

Seraina: „Sei ebenfalls gegrüßt, Nike – und was für eine Frage! Ich bin Spielfrau! Wir Spielleute leben für den Applaus. Er füllt zwar nicht unsere Mägen, aber doch unsere Herzen! Es ist der Applaus, der die harten Zeiten erträglich macht, das Misstrauen und die scheelen Blicke, die uns begrüßen, wenn wir in ein Dorf kommen und die uns auch begleiten, wenn wir wieder gehen. Aber im Moment der Aufführung, da ist das alles vergessen. Das ist der Moment, wo man uns liebt, obwohl wir fremd und ohne Leumund sind. Wir gieren danach, wie die Hunde nach Krumen von der Tafel.“

Nike: „Das klingt, als würdest du ziemlich viel tun, um gelobt und geliebt zu werden.“

Seraina: „Tut das nicht jeder? Wohnt nicht die Sehnsucht nach Anerkennung in jedem Menschen? Nur ist es für die Satten und Sesshaften, für solche, die ihren Platz haben, so selbstverständlich, sie zu erhalten, dass sie sie vielleicht gar nicht bemerken.“

Nike: „Und Kritik? Wie gehst du mit Kritik um.“

Seraina: „Was ist schon Kritik? Wenn ich die Bälle nicht greifen kann und sie zu Boden fallen, muss ich mehr üben. Das ist selbstverständlich. Da rechte ich mit mir mehr, als jeder andere es vermag. Aber wenn man mich beschimpft, weil ich ehrlos bin, weil ich bei fremden Männern gelegen, geflucht und gestohlen habe – dann sollen sie reden. Rechtschaffenheit füllt den Magen nicht, und sie vermag auch das Herz nicht zu wärmen.“

Nike: „Das heißt, Kritik an deiner Lebensführung weist du von dir.“

Seraina: „Was soll ich sonst tun? Ich habe nur dieses Leben. Wenn ich reich wäre, wäre es leicht rechtschaffen zu leben. Aber da ich nun einmal arm bin, tue ich mein Bestes, um zu überleben.“


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