Warum ich nicht diskriminierungsfrei schreiben kann und es trotzdem versuche

birdcage-2337188_640Ich habe lange Zeit mit mir gerungen, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Oder besser gesagt: Ich habe ihn geschrieben, weil es mir ein Bedürfnis war, das Thema aufzugreifen und dann lange mit mir gerungen, ob ich ihn veröffentlichen soll. Mir ist schon jetzt klar, dass ich damit Menschen vor den Kopf stoßen werde. Trotzdem ist das hier nun einmal mein Standpunkt, und damit genauso berechtigt, wie jede andere Meinung auch. Also raus damit.

Es geht, wie der Titel schon verrät, einmal mehr um Diskriminierung und Teilhabe. Ich lese viel darüber und es mehren sich die Beschwerden, dass Literatur nicht divers genug sei. Erzählt würde in der Regel aus der Perspektive der weißen, männlichen Mittelschicht. Heterosexualität sei die Norm. Menschen anderer Hautfarbe tauchten allenfalls als Staffage auf und überwiegend in untergeordneten Positionen. Behinderungen seien völlig tabuisiert. Und gerade in der Jugendliteratur falle das Frauenbild noch hinter die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Dass diese Gruppen dadurch marginalisiert und diskriminiert werden, steht außer Frage.
Dementsprechend viele Empfehlungen gibt es, wie Bücher im Sinne der Diversifizierung verbessert werden könnten: eine größere Bandbreite im Aussehen der Protagonisten, mehr Frauen, Behinderte, Schwule, Lesben, Asexuelle – wenn schon nicht in den Haupt-, dann doch wenigstens in den wesentlichen Nebenrollen. Dem stimme ich zwar weitgehend zu, aber manchmal frage ich mich doch, ob man gute Absichten und gute Literatur wirklich gleichsetzen sollte.
Weitaus problematischer finde ich jedoch die oft gleichzeitig erhobene Forderung, das Werk müsse außerdem frei von ableistischen, rassistischen, homophoben und misogynen Begriffen sein – überhaupt von allem, durch das sich irgendwer gekränkt fühlen könnte.
Ich muss zugeben, dass es mich da manchmal schüttelt.

Warum ich es nie allen recht machen werde

Zunächst mal empfinde es als Zumutung, von einem Autor oder einer Schriftstellerin zu verlangen, in jeder Geschichte ein Maximum an Diversität unterzubringen. Das hat mehrere Gründe, die vielleicht den einen oder die andere überraschen.

Diversität ist nicht immer möglich und sinnvoll

Gerade bei historischen Stoffen ist die Forderung nach maximaler Diversität geballter Unsinn. Wie soll man in einer Handlung, die irgendwo zwischen Völkerwanderung und Neuzeit in einem Bergdorf im Schwarzwald oder auf einer Nordseehallig spielt, jemanden mit dunkler Hautfarbe unterbringen? In solchen Gegenden sind Haut- und Haarfarbe über weite Epochen gar kein Thema. Fremd ist, wer mehr als eine Tagesreise entfernt wohnt. Manchmal reicht zum Fremdsein schon das Nachbardorf.
Genauso muss man sich fragen, wie wahrscheinlich die Teilnahme es ist, dass in einer bestimmten Gruppe Frauen oder Behinderte sind. Nehmen wir das Beispiel einer der frühen Weltraummissionen: Von den von Wikipedia aufgelisteten 568 Raumfahrern sind gerade mal knapp 11% weiblich. (Und das auch nur, weil sich Frauen in den USA in den 70ern per Gerichtsurteil das Recht auf Teilnahme an Raumflügen erstritten.) Noch schwieriger ist es nur, jemanden mit Behinderung in die Mannschaft zu bringen, da körperliche Fitness eines der wesentlichen Kriterien für die Teilnahme ist.
Wo soll Homosexualität anklingen, wenn in dieser Zeit nicht darüber gesprochen wurde oder die Ausübung sogar zum Tod führen konnte? Sicher, man kann dann genau das zum Thema machen, aber was, wenn das Thema ein ganz anderes sein sollte?
Warum messen wir der Sexualität überhaupt so viel Bedeutung zu, sie unbedingt einbringen zu müssen – in welcher Spielart auch immer? Wenn der Plot keine Liebesgeschichte erfordert, kommt es dann überhaupt darauf an, ob die Charaktere nun hetero-, homo-, bi-, metro- oder asexuell sind? Wer will das wissen? Wozu?

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Meine Perspektive ist nicht vorurteilsfrei

Der nächste Punkt sind die Perspektiven: Natürlich habe ich Wahrnehmungsprobleme und blinde Flecken. Meine Welt setzt sich in erster Linie aus den gemachten Erfahrungen zusammen. Genauso, wie ich keinen Infraschall hören und kein UV-Licht sehen kann und deshalb das mir zugängliche Geräusch- und Farbspektrum als das normale zugrundelege, konstruiere ich auch meine Vorstellung von Normalität aus den gemachten Erfahrungen.
Mit anderen Worten: Ich kann mich zwar an die Erfahrungswelt einer Migrantin annähern, indem ich eigene Erfahrungen mit Fremd-Sein und die Erzählungen anderer verknüpfe, werde aber immer an den Details scheitern, weil die Details individuell und nicht verabsolutierbar sind. Genauso werde ich vermutlich an der Darstellung eines Schwulen innerhalb einer der diversen vorhandenen Szenen scheitern, weil mein Blick für Details durch meine Hetenbrille verzerrt ist.
Überhaupt – und das ist auch so ein Thema, das ich auf genau den gleichen Blogs und den gleichen Portalen lese – sollten wir nicht sowieso die für sich sprechen lassen, die aus eigener Erfahrung berichten können? Also die eingeschränkt-agilen, nicht-heterosexuellen, nicht-mittelständischen Nicht-Kartoffeln. Was für eine Anmaßung, zu glauben, deren Erleben angemessen widerspiegeln zu können!*

Eine beleidigungsfreie Sprache ist nicht möglich

Aber es ist die dritte Forderung, die mich vollends auf die Palme bringt: Nämlich die, so zu schreiben, dass sich niemand beleidigt oder sonst wie getriggert fühlt.
Nicht, dass ich unbedingt jemanden beleidigen oder triggern will. Fakt ist aber, dass sich immer jemand finden wird, der sich beleidigt fühlt. Vielleicht nicht sofort, aber in Zukunft garantiert.
Natürlich kann man bestimmte Worte weglassen. Man kann darauf verzichten, „Neger“ zu sagen – das tut nicht mal weh. Man kann darauf verzichten, Menschen, die sich aufgrund Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft anderen überlegen fühlen als Rassisten, Chauvinisten oder Snobs zu bezeichnen, denn gerade die fühlen sich besonders beleidigt, wenn man das tut. Man kann seine Charaktere so weit disziplinieren, dass sie nicht fragen: „Ey, sach mal bist du schwul, Alda?“, sich gegenseitig als Spasten bezeichen oder die Oma eben nicht zum Enkel sagt: „Nun schneid‘ dir aber mal die Haare, Jung! Du siehst ja schon aus wie ein Mädchen.“ Kann man alles machen. Man kann sogar darauf verzichten, Nazis als Nazis zu bezeichnen. Wie gesagt.

Aber wer gibt mir die Garantie darauf, dass nicht in 10 Jahren Tiere als vollwertige Rechtspersönlichkeiten angesehen werden und PETA Massenklagen einreicht, weil Autorinnen und Autoren die Beleidigung „dumme Kuh“ verwendet haben?
Sprache ist immer Ausdruck einer bestimmten Kultur. Kultur kann sich ändern. Damit ändert sich auch, was als beleidigend empfunden wird. Wenn ich heute über jemanden als „das Weib“ spreche, ist das beleidigend. Vor 200 Jahren wäre es normal gewesen. Da war „Frau“ das Synonym für eine Höherstehende.

Nun bin ich als Fantasy-Autorin in der privilegierten Position, den Leuten nicht aufs Maul schauen zu müssen. Ich kann mir noch wesentlich kreativere Beleidigungen und Flüche einfallen lassen. Trotzdem bleibt Sprache Ausdruck einer bestimmten Kultur. Wenn ich meine Völker forme, muss ich im Hinterkopf behalten, wie der Blick der jeweiligen Kultur auf Außenstehende aussieht – und was als außenstehend empfunden wird. Irgendetwas ist es immer.
Das bedeutet aber auch, dass sich das Konzept von „fremd“, „andersartig“ und „abstoßend“ je nach (Sub-)Kultur ändert. Damit ändert sich auch, was als Beleidigung empfunden wird und deshalb ist es nicht der Sachinhalt, der ein Wort zur Beleidigung macht, sondern die dahinter durchscheinende Intention. Die wiederum ist aber etwas anderes, als die Aussage des Textes insgesamt – was bei der Forderung nach einer sauberen (sprich nicht diskriminierenden, niemanden verletzenden) Sprache vollkommen untergeht.**

Ein vorsichtiges Fazit

Im Ergebnis bleibt schon mal festzuhalten, dass schon der Versuch, es jedem recht machen zu wollen, zu einem Eiertanz führt, der nur schief gehen kann. Selbst im besten Fall kommt nicht mehr dabei heraus als eine neue Form der Erbauungsliteratur. Ideologisch unbedenklich, ohne Ecken und Kanten und garantiert keimfrei. Noch reizärmer als eine öffentlich-rechtliche Vorabendserie und mit Figuren ausgestattet, die mit echten Menschen noch weniger zu tun haben als Ken und Barbie mit den Maßen real existierender Mitteleuropäer.
Ob das freiwillig jemand lesen will? Ich glaube nicht. Lesen soll ein Abenteuer sein, das einen an fremde Orte bringt, neue Erfahrungen machen lässt oder wenigstens die Tristesse des Alltags vergessen macht. Wir wollen krasse Helden und Kickass-Protagonistinnen, die Dinge tun, die wir uns nie im Leben trauen und Situationen durchleben, die wir um alles in der Welt zu vermeiden wünschen. Mit Ken und Barbie wird das nichts.

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Warum ich trotzdem versuche, niemanden zu diskriminieren

Kurz gesagt: Weil das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht heißt, dass man andere abwerten darf und weil gute Bücher vielschichtig sind.
Die Langfassung ist, wie immer, etwas komplexer.

Dabei ist der erste Teil noch relativ leicht. Ich bin sehr für klare Worte und eindeutige, eingängige Formulierungen. Das bedeutet aber keinen Freibrief dafür, andere absichtlich zu verletzten.
Und damit sind wir schon beim diskriminierungsfreien Ansatz, denn nichts anderes bedeutet diskriminieren: Jemanden schlechter zu behandeln als andere oder seinem Ansehen durch negative Äußerungen zu schaden.

Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass es dem Werk gut tut, wenn der Autor oder die Autorin sich aktiv mit seinen/ihren Vorurteilen auseinandersetzt und versucht, sie zu überwinden. Nichts ist langweiliger als die Episteln deren, die in ihrer eigenen Welt gefangen und dadurch gezwungen sind, ewig die gleichen Gedanken widerzukäuen. Deutlich spannender sind die Bücher, derjenigen Autor*innen in der Lage sind, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Das geht nur, wenn man bereit ist, erst mal vom hohen Ross der wohlgeformten eigenen Weltsicht abzusteigen.
Leider ist dieser Akt nicht ganz ungefährlich. Nicht nur, weil der Boden der Tatsachen oft ganz schön dreckig ist. Mehr noch: Mit Pech erkennt man, einer Chimäre aufgesessen zu sein. Das eigene Weltbild gerät ins Wanken und auch alle Kategorien von schön/hässlich, gut/böse, wahr und falsch – kurz alles, was das eigene Leben vorher einfach und übersichtlich gemacht hat. Vorurteile eben. Wir alle haben sie.
Trotzdem lohnt es sich, diesen Schritt zu wagen. Zwar werden wir auch dadurch nie in der Lage sein, unsere Vorurteile vollständig abzubauen, aber er schult die Wahrnehmung, erweitert den Horizont und hilft, sich über Analogienden Erfahrungen anderer anzunähern (die genauso subjektiv sind, wie die eigenen). Damit ist man in der Lage, seine Inhalte zumindest punktuell anzupassen, neue Sichtweisen anzunehmen und sie in Geschichten zu integrieren.

Das garantiert nicht, dass sich nie jemand beleidigt fühlen wird. Eine derartige Garantie ist schon deshalb unmöglich, weil dieser Ansatz darauf verzichtet, bestimmte Worte in den Giftschrank zu stellen. Dieser Ansatz garantiert aber, dass man sich damit auseinandersetzt, was man sagt und welche Worte man in welchen Zusammenhängen verwendet.
Vielleicht wird man dadurch ein besserer Mensch. Vielleicht auch nicht. Ich glaube aber fest daran, dass man so die besseren Geschichten schreibt.

Und ich bin der festen Überzeugung, dass es das wert ist.


*Der Widerspruch zu Punkt 1 wird leider nicht bemerkt oder jedenfalls nicht angesprochen und dementsprechend auch nicht aufgelöst.
**Den Punkt habe ich schon in den Artikeln „Das Schreckgespenst der gegenderten Sprache“ und „Alles auf die Goldwaage?“ angesprochen, daher will ich ihn hier nicht vertiefen.


Bildquelle: johhsonlu via pixabay

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[Fundstück] Inspirierende Frauen der Romantik

„Du schreibst wie ein Mann“, ist eines dieser vergifteten Komplimente, das viele Autorinnen sicher schon einmal gehört haben. Dabei ist es vermutlich gar nicht böse gemeint. Wer so etwas sagt, kennt vermutlich überwiegend Autoren und ist einfach erstaunt, über eine Autorin zu stolpern, die „genauso“ schreibt.*
Wie inspirierend es sein kann, sich mit Autorinnen zu befassen, zeigt dieser Artikel von Michelle Janßen:

Das Nornennetz ist, wie ihr wisst, ein Netzwerk von/für schreibende Fantasyautorinnen. Wir alle leben in einem Jahrhundert, in welchem man – trotz noch immer bestehender Probleme – als Frau schreiben und veröffentlichen darf was man möchte und das ist fantastisch! In diesem Beitrag soll es also nicht nur um inspirierende Frauen gehen, sondern spezifisch um…

über Schreibende Frauen – Inspiration im Erfolg früherer Generation (Michelle Janßen) — Nornennetz


* Darin ähnelt das „Kompliment“ der Aussage: „Sie sprechen aber gut Deutsch!“, die oft gegenüber Menschen gemacht wird, deren Name oder Phänotyp nicht dem Idealtyp des Deutschen entspricht. Als ob Sprache an Name, Aussehen oder Geschlecht gebunden sei.

#CharactersofSeptember (Tag 28) – Schlechte Angewohnheiten

Die Challenge Characters of September, bei der fiktive Charaktere Rede und Antwort stehen, geht langsam zu Ende. Noch dreimal wird Seraina, die Spielfrau aus der Erzählung Der Fluch des Spielmanns von sich und ihrem Leben im frühen Mittelalter berichten.

Nike: „Hallo Seraina. Heute geht es um die Frage, welche schlechte Angewohnheit du gerne loswerden würdest.“

Seraina: „Sei gegrüßt Nike – aber welche schlechten Angewohnheiten sollte ich loswerden wollen? Ich bin tot. Seit achthundert Jahren!“

Nike: „Und als du noch gelebt hast? Gab es da etwas?“

Seraina: „Ja, vielleicht. Vielleicht hätte ich etwas freundlicher sein können. Weniger hart. Aber bei dem Leben, der ich …, das wir geführt haben, ist es schwer, nicht hart zu werden.“


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Das generische Maskulinum – eine Illusion?

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel zur gegenderten Sprache verfasst. Genauer gesagt: Ich habe darüber geschrieben, warum es nicht schlimm ist, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen, sondern vielleicht sogar gut.

Jetzt bin ich bei SciLogs auf den Artikel eines Sprachwissenschaftlers über das generische Maskulinum gestoßen, der zu dem überraschenden Ergebnis kommt, dass es das nicht gibt: Frauen natürlich ausgenommen.
Anders, als oft behauptet, sind Frauen eben nicht ausdrücklich mitgemeint, wenn eine männliche Form gewählt wird.

Es lohnt sich, den Artikel und die Kommentare bis zum Ende lesen.

#CharactersofSeptember (Tag 24) – Seraina über das Schrecklichste, was sie Corvin angetan hat

Wer hier mitliest, weiß inzwischen vermutlich sehr genau, dass es bei Characters of September darum geht, fiktiven Charakteren eine Stimme zu geben. Trotzdem schreibe ich es für die Neueinsteiger sicherheitshalber noch einmal dazu.
Bei mir beantwortet Seraina, eine Spielfrau aus dem frühen Mittelalter die Fragen.

Nike: „Hallo Seraina! Noch einmal herzlichen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Ich weiß, dass dir die Fragen sehr zusetzen und auch die nächste wird vermutlich nicht leicht. Es geht darum, was das Schrecklichste war, das du jemandem, den du liebst, angetan hast.“

Seraina: „Du hast recht. Ich hätte es mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen sollen, bevor ich zusage. Oder die Fragen genauer lesen. Manche davon sind wirklich …
Warum wird so in den düsteren Winkeln der Seele gestochert? Was soll das bringen? Glaubt wirklich jemand, mich besser zu kennen, nur weil solche Sachen ans Licht gezerrt werden? Ist denn der Kern meines Seins das Böse? Sind es nicht auch die hellen Dinge? Meine Talente und Fähigkeiten, die schönen Erlebnisse; das, was mich mit anderen verbindet? Warum sprechen wir nicht über meine Beziehung zu Corvin oder – wenn es denn schon hart und schwer sein muss – über das Leben als Fahrende und darüber, wie es ist, Geld für Ehre zu nehmen?“

Nike: „Tut mir leid, aber …“

Seraina: „Ja, ja, ich weiß. Du hast die Fragen nicht gemacht und so weiter. Hatten wir schon. Also kurz die Antwort: Das Schlimmste, was ich Corvin, meiner großen Liebe angetan habe, war natürlich die Drohung, ihn mit in den Tod zu nehmen. Ich habe damals keinen anderen Weg gesehen, aber es zerschneidet mir immer noch das Herz, wenn ich an das Entsetzen in seinen Augen denke.“


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#Charakters of September (Tag 11) – Serainas Herkunft

#CharactersofSeptember ist eine Challenge, die fiktiven Charakteren die Möglichkeit der Selbstdarstellung gibt. Ich habe mich entschieden, Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns zu interviewen, auch, weil es ihr Tod war, der die Inspiration für diese Geschichte geliefert hat.

Nike: „Hallo Seraina, nachdem wir die letzten zehn Tage über persönliche Dinge gesprochen haben, stehen jetzt Fragen zu deinem sozialen Umfeld auf meinem Zettel. Aber zunächst: Wo kommst du her? Waren deine Eltern auch Gaukler?“

Seraina: „Das könnte man meinen, so wie ich aussehe. Aber es stimmt nicht. Meine Mutter war eine fante, eine leibeigene Maurin, die man als Kind verschleppt und als Sklavin verkauft hatte. Als ich geboren wurde, gehörte sie der familia eines genuesischen Tuchmachers.“

Nike: „Und wie bist du dann zu den Gauklern gekommen? Hat man dich verkauft?“

Seraina: „Nein, natürlich nicht. Ich bin weggelaufen. Sie haben mich zwar gut versorgt, was Essen und Kleidung angeht, da hatte ich immer genug. So viel, wie jede andere Magd auch. Aber sie haben mich auch viel geschlagen und die Männer sind mir nachgestiegen, seit mir Brüste gewachsen sind. Das war keine gute Zeit. Ich hatte keinen Ort, wo ich sicher war, niemanden, der mich beschützen konnte oder wollte – bis Corvin kam.
Es klingt so einfach, wenn ich das jetzt erzähle, aber es war furchtbar gefährlich. Wenn sie mich eingefangen hätten, wäre ich schlimm bestraft worden und er noch mehr. Aber es ist ja gutgegangen. Zum Glück! Ich wäre nicht freiwillig zurückgekehrt, und wenn sie mich gezwungen hätten – ich hätte mich umgebracht.
Die Freiheit ist hart. Aber sie ist auch süß und wenn man sie einmal gekostet hat, will man sie nicht mehr missen.“


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#CharactersofSeptember (Tag 9) – Seraina über ihrer Äußeres

Characters of September gibt einem fiktiven Charakter die Chance, sich selber vorzustellen. Bei mir kommt Seraina zu Wort, einer der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina, heute kommt die vorletzte der persönlichen Fragen und zwar zu deinem Körper. Was daran magst du? Und was nicht?“

Seraina: „Mein Körper? Ich habe nie über meinen Körper nachgedacht, bevor er anfing zu verfallen.“

Nike: „Also erst nach deinem Tod?“

Seraina: „Nein! Als ich alt wurde. Als ich merkte, dass mir die Blicke der Männer nicht mehr folgten und das Geld weniger wurde, das sie mir gaben. Als meine Knochen morgens zu schmerzen und die Gelenke zu knacken begannen. Als mir der erste Zahn ausfiel. Das meine ich mit Verfall.“

Nike: „Ich bin irritiert. Die meisten Frauen, die ich kenne, sind in irgendeiner Form auf Äußerlichkeiten fixiert – und sei es negativ. Da kommen dann so Sätze wie: „Meine Augen sind schon ganz ok, aber diese Nase … Und die Haare erst!“ Das ist bei dir gar nicht? Wie kommt das?“

Seraina (lacht): „An meinen Haaren hatte ich nie etwas auszusetzen – abgesehen davon, dass sie so dicht und dick sind, dass sie sich schwer kämmen lassen. Aber was soll ich über meine Augen sagen? Oder über meine Nase? Die habe ich nie gesehen. Nicht richtig jedenfalls.“

Nike: „Ich glaube, das musst du erklären.“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe, waren Spiegel Luxus. Etwas für die ganz Reichen. Ich habe mein Gesicht allenfalls flüchtig vom Grund eines Bechers gesehen. Aber weißt du, wie schwer es ist, sich in der Neige im Becher zu sehen? Nein, mein Spiegel waren immer die Blicke anderer Menschen. Als ich noch jung war, haben sie mir gesagt, dass ich hübsch bin. Später habe ich aus ihnen den gleichen Verfall gelesen, den ich in den Knochen gespürt habe.“

Nike: „Eine letzte Frage noch: Mochtest du deinen Körper?“

Seraina: „Mögen? Er gehörte zu mir und habe mich wohl darin gefühlt – meistens. Wenn es mir gut ging mehr, wenn ich Schmerzen hatte, weniger. Heute vermisse ich manchmal das Gefühl, einen zu haben. Also werde ich ihn wohl gemocht haben.“


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#CharactersofSeptember (Tag 6) – Seraina verrät ihre Stärken und Schwächen

In der Challenge #CharactersofSeptember geht darum, einen fiktiven Charakter näher vorzustellen. Ich habe mich für Seraina entschieden, einen der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns. Einer der Gründe ist, dass ihr Tod vor rund 1.200 Jahren den Anstoß für diese Geschichte gab.
Durch Characters of September habe ich die Chance, sie im Interview näher vorzustellen.

Nike: „Hallo Seraina und danke noch einmal, dass du dir die Zeit nimmst, die Fragen der Challenge zu beantworten. Heute geht es um deine Stärken und Schwächen. Was meinst du, ist bei dir der am stärksten ausgeprägten Charakterzug?“

Seraina: „Sei gegrüßt Nike. Das hatten wir doch schon alles, oder? Dass ich nüchtern bin, pragmatisch, Realistin durch und durch. Was sollte das anderes bedeuten, als dass mir das verträumt, verklärt Schwärmerische vollkommen abgeht? Da hast du meine Antwort.“

Nike: „War das immer so?“

Seraina: „Natürlich nicht. Lass es mich so sagen: Man muss schon ein Fisch mit einem Herz aus Stein sein, wenn man mit 15 weder Träume hat, noch für etwas schwärmt. Aber ihnen mit 25 noch nachzuhängen … Wirklich, solchen Leuten fehlt der Verstand!“


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#CharactersofSeptember (Tag 5) – Wie Seraina von anderen gesehen wird

Seraina ist einer der drei Geister, die in „Der Fluch des Spielmanns“ dem Erzähler, Corvin, nachstellen. Sie ist natürlich ein fiktiver Charakter. Aber gleichzeitig auch sehr real, denn ihre Gebeine wurden vor einigen Jahren zufällig an einer einsam gelegenen Stelle in den Schweizer Alpen entdeckt. Ihr Fund hat mich zu der Geschichte inspiriert.
Daher ist es nur gerechtfertigt, Seraina im Rahmen der Challenge #CharactersOfSeptember selbst zu Wort kommen zu lassen.

Nike: „Hallo Seraina, gestern haben wir über dein Selbstbild gesprochen. Du siehst dich als nüchternen und pragmatischen Menschen.“

Seraina: „Ja. Ist irgendetwas daran auszusetzen?“

Nike: „Nein, überhaupt nicht. Ich fand es sehr bemerkenswert, wie schnell und überlegt du gehandelt hast, um deinen Freunden zu helfen. Aber heute soll es um das Fremdbild gehen, also darum, wie andere dich sehen.“

Seraina (zuckt mit den Schultern): „Was sollen sie schon sehen? Eine eine joculatrix ohne familia. Ein altes Weib, noch dazu, hager, ausgezehrt …“

Nike: „Du bist wie alt? Vierzig?“

Seraina: „Achtundreißig. Schwer zu glauben, für eine, wie dich, was? Aber ich will dir was sagen: Das Leben auf der Straße ist hart. Da setzt man kein Fett an. Man behält es auch nicht. Früher haben die Leute durchaus nicht nur auf die Bälle gestarrt, die ich in die Luft werfe, glaub mir! Aber heute … wenn ich nicht jongliere, dann bin ich den meisten keinen zweiten Blick wert. Ach, was sag ich: Nicht mal den ersten. Erst recht nicht, wenn eine, wie Hulda zu haben ist, womit ich nichts gegen Hulda sagen will! Sie hat nur getan, was jede von uns tut. Versucht, zu überleben. Und wir hatten ja alle Nutzen davon.“

Nike: „Hulda ist ein gutes Stichwort. Du hast angesprochen, wie die Leute in den Dörfern und Städten dich sehen – aber Freunde, wie Hulda hatten doch vermutlich ein anderes Bild, oder? Nicht so oberflächlich.“

Seraina: „Sie haben mich gebraucht. Und ich habe sie gebraucht. Wir waren aufeinander angewiesen, denn wir hatten ja sonst niemanden als einander. Als Gruppe waren wir brauchbar. Alleine wäre jeder von uns vor die Hunde gegangen. Auch Hulda, trotz ihrer Schönheit. Nicht einmal Pirmin mit seiner wunderbaren Stimme.“

Nike: „Das ist alles, was sie in dir gesehen haben – und du in ihnen? Schicksalsgefährten?Eine Krücke, um nicht zu straucheln?“

Seraina: „Das ist so wenig nicht, wenn man sonst nichts hat. Aber du hast recht. Da war mehr. Zwischen mir und Corvin auf jeden Fall, auch wenn ich zuletzt nicht mehr daran geglaubt habe. Aber als ich seien Blick sah, als ich mir die Haare abschnitt … Da wusste ich, dass wir trotz allem noch zusammengehören. Und ich habe recht behalten, oder? Ich hätte ihm dafür so gerne verziehen!
Aber wir kommen ganz von deiner Frage ab. Du wolltest ja wissen, wie die anderen mich gesehen haben. Für Hulda war ich so etwas wie eine ältere Schwester. Sie ist oft zu mir gekommen, wenn es Zores gab. Hat mich um Rat gefragt – auch als sie dann schwanger wurde und es weghaben wollte. Es hat nicht ganz geklappt, aber sie war mir deshalb nicht böse, sondern weiter so freundlich, wie immer.
Nur Pirmin … Für ihn war ich genau das, was alle die satten Bauern und Städter auch in mir gesehen haben: eine hässliche alte Vettel. Noch dazu eine, die knappst und knaust und jeden Brotkanten aufhebt. Er hat sich so oft beschwert, dass ich keinen Spaß verstehe und anderen auch keinen gönne.“


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#CharactersofSeptember (Tag 4) – Serainas Bild von sich selbst

Seraina ist einer der Geister, die in der Geschichte „Der Fluch des Spielmanns“ den Spielmann Corvin verfolgen. In der Challenge CharactersofSeptember gebe ich ihr die Gelegenheit, sich im Interview näher vorzustellen.

Nike: „Hallo Seraina, schön dich hierzuhaben. Heute geht es um das Bild, das du von dir selber hast. Wie siehst du dich.“

Seraina zuckt mit den Schultern, verzieht das Gesicht, schüttelt den Kopf und zuckt erneut mit den Schultern, bevor sie zögernd zu sprechen beginnt: „Wie ich mich sehe? Die Frage ist so allgemein … Wer soll darauf eine sinnvolle Antwort geben?“

Nike: „Ok, ich formuliere die Frage anders: Was macht dich aus?“

Seraina: „Ich bin ich. Was gibt es da groß zu erzählen? Ich bin genau, was ich zu sein scheine: Eine joculatrix – eine Gauklerin, wie ihr sagen würdet.“

Nike: „Du jonglierst und unterhältst die Menschen mit deiner Kunst. Machst du das gerne?“

Seraina: „Es hilft zu überleben, oder? Und Kunst würde ich es nicht nennen.“

Nike: „Gut, dann eben Artistik. Aber ich weiß, dass du ziemlich gut darin bist.“

Seraina: „Wenn gut bedeutet, dass mir lange nichts runtergefallen ist, ja.“

Nike: „Gibt es sonst irgendwelche Attribute, mit denen du dich beschreiben würdest?“

Seraina: „Aufrichtig. Jedenfalls in dem Sinn, dass ich zu dem stehe, was ich gesagt oder getan habe. Loyal. Pragmatisch. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das vielleicht sogar meine ausgeprägteste Eigenschaft.“

Nike: „Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.“

Seraina: „Keine Ursache. Es ist nicht, als hätte ich zur Zeit besonders viel zu tun.“


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