Vampirnovelle trifft Krimi Noir

Auch der 5. Band des Codex Aureus ist wieder alles außer gewöhnlich. Dafür sorgt schon die Protagonistin Silke. Wenn es den Begriff Badass nicht gäbe, müsste er für sie erfunden werden.

Silke ist da

Biss zum letzten Akt gibt es für alle gängigen Lesegeräte, z. B. bei folgenden Händlern: https://books2read.com/bisszumletztenakt

Eine Leseprobe gibt es hier.

[Projekte] Es geht voran

Gestern habe ich endlich die Überarbeitung der Vampirgeschichte abgeschlossen und sie den Testlesern geschickt. Jetzt bibbere ich den Urteilen entgegen. Das tue ich zwar jedes Mal, wenn ich eine Geschichte aus der Hand gebe, aber dieses Mal noch ein bisschen mehr als sonst, denn diese Geschichte viel realistischer und gleichzeitig literarischer als alles, was ich bisher veröffentlicht habe.

Bis alle Rückmeldungen vorliegen, werde ich die Arbeit an der neuen Geschichte aus der Welt der Khon wieder aufnehmen. Das Handlungsgerüst steht zwar im Wesentlichen, aber in der Mitte lauert noch eine große Qualle. Wer selber schreibt kennt das vermutlich: Man weiß recht genau, was passiert, aber dann kommt eine Stelle an der alles weich und schwammig wird. Eine Qualle eben. Man könnte auch Treibsand dazu sagen. Aber egal, wie man es nun bezeichnet, muss ich entweder einen Weg drumherum finden oder eine Brücke darüber bauen.

Und ich will endlich den lange versprochenen Newsletter fertig stellen.

[Schnipsel] Sorgen und Nöte moderner Großstadtvampire

Sie achtete darauf, sich unauffällig zu verhalten, kleidete sich dezent, grüßte höflich im Vorbeigehen und zahlte vorbildlich Steuern, Abgaben und Fahrkarten. Geldsorgen hatte sie trotzdem keine. Jetzt, da sie eine eigene Wohnung besaß, reichte das Geld aus den Brieftaschen ihrer Opfer, um die laufenden Kosten zu decken.
Dass sie ein ganz anderes Problem hatte, merkte sie im August 1985, als sie eine neue Jahreskarte kaufen wollte und die Frau hinter dem Schalter ihren Ausweis mit der Bemerkung zurückgab: »Der ist leider abgelaufen. Den müssen sie erst verlängern, Vorher kann ich ihnen keine neue Fahrkarte ausstellen.« Sie warf einen Blick auf Silke. »Aber immerhin müssen Sie kein neues Foto machen. Sie sehen ja noch keinen Tag älter aus, als auf dem Bild hier.«
Bei einem Mann hätte Silke vielleicht an Schmeichelei und einen Flirtversuch geglaubt und den Ausweis unbesehen eingesteckt. So aber schrillten sämtliche Alarmglocken. Das Bild war zehn Jahre alt und unter der peinlichen Frisur guckte tatsächlich noch genau das gleiche Gesicht hervor, das ihr jeden Tag aus dem Spiegel entgegenblickte.

Aus: Biss zum nächsten Akt – demnächst als eBook erhältlich!

[Schnipsel] Biss zum letzten Akt

Die folgende Szene spielt kurz nach Silkes Verwandlung. Der Portier hat von Silkes Gepäck auf ihre Finanzen geschlossen und ihr angeboten, einen Teil der Kosten „in Naturalien“ zu zahlen.

Obwohl sie den Geruch der Seife nicht mochte, duschte Silke ausgiebig. Danach setzte sie sich, nur in ein Handtuch gehüllt, aufs Bett und wartete, bis es klopfte.
»Du verlierst aber auch keine Zeit«, sagte der Portier nach einem Blick auf das knapp sitzende Tuch und die vorgezogenen Vorhänge. »Hast es wohl nötig?«
»So nötig auch nicht.« Silke zuckte mit den Achseln und ging zum Bett voraus. »Aber es wäre schade eine Gelegenheit auszulassen, wenn sie sich so anbietet – oder?« Sie lächelte dem immer noch an der Tür stehenden Mann zu und klopfte einladend auf die Matratze neben sich. »Was ist jetzt, willst du nur quatschen, oder kommst du?«
Danach ging alles sehr schnell. Keine fünf Minuten später taumelte der Portier aus dem Raum, während sich Silke gesättigt in die Decke wickelte und einschlief.

Silke ist alles andere, als eine einfache Protagonistin, aber ich mag die Doppeldeutigkeit in ihren Antworten und in ihrem Verhalten.

[Meldung und Meinung] Reale Superheld*innen

Gerade bin ich auf einen Artikel von Lena Falkenhagen gestoßen, der meine Sichtweise zur Funktion von Literatur und was sie darf noch mal von einer anderen Seite beleuchtet:

Warum Autoren die Superhelden der Demokratie sind

Damit ist hoffentlich auch klar, dass wenn ich von Literatur spreche, nicht nur die hehre E(lite)-Literatur gemeint ist, mit der man die großen Preise gewinnt, sondern auch die kleine Schwester U. Das gilt um so mehr, als sich erst in ein zwei Generationen zeigen wird, was als die prägende Literatur war und was weg kann.

In eigener Sache: Wie es mit den Vampiren weitergeht

Ja, es ist mir peinlich, aber leider kann ich immer noch nicht absehen, wann der nächste Band des Codex Aureus mit der Vampirstory herauskommen wird. Immerhin: Es geht weiter. Die erste Überarbeitungsrunde ist beendet. Nur an ein paar Stellen muss noch nachjustiert werden. Und da sich das Erscheinungsdatum ohnehin so verzögert hat, habe ich beschlossen, die Geschichte danach noch einmal den Kolleginnen vom Nornennetz zum Testlesen anzubieten. Eine zusätzliche qualifizierte Beratung schadet schließlich nie!

Danach wird es vermutlich sehr zügig weitergehen. Das Cover steht schon lange. Was noch fehlt, sind das Nachwort* und der Klappentext. Beides zusammen dürfte aber nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Wenn nichts dazwischen kommt. Drückt bitte die Daumen!

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Der Crackgeruch ist der Überarbeitung zum Opfer gefallen. Die Szene spielt in den 80ern. Da war Crack noch kein Thema.

 


*Jemand sagte mal, ich hätte das Nachwort zur Kunstform erhoben. Das freut mich natürlich und wenn tolle Nachworte ein Alleinstellungsmerkmal sind, möchte ich meine Leser*innen keinesfalls enttäuschen!

phantastische Frauen: Susan Dexter

Meine im Rahmen der Autorinnenzeit begonnene, sehr persönliche Reihe über Frauen in der Phantastik, die mich und mein Schreiben geprägt haben, wäre unvollständig, wenn ich nicht wenigstens auch Susan Dexter erwähnen würde.

Ihre Bücher habe ich verschlungen, obwohl sie ein Genre berühren, das ich sonst so gar nicht mag: Den Liebesroman. Dabei ist „berühren“ eigentlich das falsche Wort, denn ihre Romane beinhalten immer eine Liebesgeschichte, die so zuckersüß und fluffig ist, wie Sahneschnittchen mit rosa Zuckerguss. Daneben geht es auch immer um ein ganz besonderes Pferd. Valladan, einen schwarzen Hengst mit außerordentlichen Fähigkeiten.

Kurzum: Kitsch.

Man könnte Sodbrennen davon bekommen, wenn es nicht so perfekt wäre und so komisch. Susan Dexter greift absichtlich in die Klischeekiste und treibt alles, was ihr dabei in die Finger gerät, gnadenlos und konsequent auf die Spitze. Das und die Komik sorgen für eine ironische Brechung, die den Kitsch auf ein mehr als nur genießbares Maß reduziert. (Ich erspare mir hier weitere Kuchenvergleiche, sonst stürme ich die nächste Konditorei)

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, in dem sich ihre Romane sehr deutlich von moderner Romantasy unterscheiden: Bei Susan Dexter sind es nie die Frauen, die irgendwelchen supercoolen, badassigen, heißen Typen hinterherhecheln. Wenn jemand badass ist, dann die Frauen. In jedem Fall haben die aber sehr konkrete eigene Ziele und es sind die Männer, die ihren Wert beweisen müssen (und es natürlich tun, schließlich handelt es sich um Liebesromane, da ist Happy End nahezu Pflicht).

Ich muss gestehen, dass ich es schade finde, dass ihre Bücher nicht mehr aufgelegt werden, sondern allenfalls noch antiquarisch zu haben sind. Ihre Protagonisten finde ich nämlich deutlich anziehender, als die ganzen modernen männlichen Love-Interests, die sich neben ihrem Reichtum vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Frauen schlecht behandeln. Dann doch lieber einen wahren Ritter!*


„Der wahre Ritter“ ist der Titel eines von Susan Dexters Romanen – und der allerkitschigste.