Sind eBook-Reader eine aussterbende Gattung?

In den USA geht der Absatz von eBook-Readern so zurück, dass einige Verkäufer sie schon aus dem Programm genommen haben, sagt dieser Artikel von Just Publishing Advice. Gründe sind u. a. die mangelnde Funktionalität gegenüber Smartphones und Tabletts. Während letztere sich immer weiter entwickeln, stagniert der technische Fortschritt bei den eReadern. Ausbau von Features? Fehlanzeige.

Diese Feststellung lässt sich auch auf den deutschen Markt übertragen, so dass damit zu rechnen ist, dass auch hier die (goldenen?) Zeiten der eReader bald vorbei sind, wenn sich die Hersteller nicht bald etwas einfallen lassen.

Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Der Anteil der eBook-Leser wächst weiterhin.

Selfpublishing schadet der Umwelt

Außerdem macht Selfpublishing den Buchhandel kaputt. Das ist jedenfalls das Resümee eines Artikels auf Börsenblatt.net.

Selfpublisher (vor allem von eBooks) ruinieren die Umwelt. Weil sich eBooks nicht verleihen lassen, deshalb jeder einen eReader braucht, der wiederum Strom verbraucht. Während ein klassisches Buch ja mehrfach gelesen und verliehen werden kann (und sich offensichtlich ohne Ressourcenverbrauch herstellt und abbaut).

Auch sonst hält die Autorin Selfpublishing von Übel. Die schöne, neue, anarchische Selfpublisherwelt ist mitnichten Widerstand gegen die Konzerne. Man muss sich in sozialen Medien auskennen und darüber austauschen. Damit spielt man den Datenkraken in die Hände. Sie spionieren einen aus, man verliert sein Urheberrecht und muss auch noch gegen Buchpiraten kämpfen.

Und weil es kein Qualitätsmanagement gibt, sondern jede/r veröffentlichen kann, der sich dazu berufen fühlt, sind Selfpublisher auch mitnichten eine Bereicherung des Buchmarkts, sondern spalten ihn. Nutznießer werden nur einige wenige große Konzerne sein (warum, steht da leider nicht).

Aber der schönste Vorwurf ist doch, dass Selfpublisher den Buchhandel kaputt machen.

Zur Ehrenrettung der Autorin muss man sagen, dass der Artikel die arg verkürzte Widergabe einer Rede ist, die man auf Buecherfrauen.de nachlesen kann.
In der langen Variante liest sich das alles dann auch nicht mehr ganz so abstrus. Aber man merkt stark, dass die Verfasserin wirklich kein Digital Native ist, sondern sehr fest in den Strukturen des gängigen Verlags- und Buchhandelssystems verhaftet.

eBooks bald von Aldi?

Zugegeben, ich habe es nicht glauben können, als ich die Meldung der Selfpublisherbibel las. Aber eine kurze Netzrecherche hat bestätigt, dass Aldi offensichtlich plant, in den elektronischen Buchmarkt einzusteigen.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Billiger werden die Bücher dort jedenfalls nicht. Auch, woher Aldi die angeblichen 1 Mio. Bezahltitel und die 3.ooo kostenlosen eBooks beziehen wird, ist derzeit offen. Möglicherweise kooperiert Aldi insoweit mit Google.
Sicher ist nämlich, dass der Konzern dazu auch einen eigenen Reader herausbringen wird (wobei anscheinend aber keine E-Ink-Technologie verwendet wurde und auch die übrigen Spezifikationen eher an ein abgespecktes Notebook erinnern*) und die Aldi Life App im Google Playstore verfügbar sein soll.

Manche Zeitungen titeln schon, Aldi greife damit Amazon an. Andere sehen eher Tolino unter Beschuss und teilweise heißt es auch beide.
Vielleicht bin ich naiv, aber abgesehen von seinem Verkaufsnetz kann ich keinen Wettbewerbsvorteil erkennen. Eher läuft Aldi Rakuten (Kobo) den Rang ab.

Für mich als Selfpublisherin ist die Meldung gerade aus dem letztgenannten Grund trotzdem interessant. Eine Kooperation mit Google hieße nämlich, dass es sich lohnen könnte, den Codex Aureus auch über Google Books anzubieten, was ich derzeit wegen dessen mangelnder Reichweite nicht tue.
Allerdings ist das im Moment noch Spekulation. Daher heißt es, die weitere Entwicklung abzuwarten.


*Das ist auch die Einschätzung der PC Welt

eBook-Reader: Der Eine geht, der Andere kommt

Aus für den Kobo Glo

An seine Stelle soll der neue Kobo Aura Edition 2 treten, dessen Features aber offenbar nicht wirklich konkurrenzfähig sind. So fällt er mit seinem nur 1024×768px (212ppi) auflösenden E-Ink-Carta-Panel in puncto Anzeigequalität nicht nur hinter dem Kindle Paperwhite 3 zurück, sondern auch hinter dem Kobo Glo HD, den er ja ersetzen soll. Damit gibt es jetzt weniger Anzeigequalität zum praktisch gleichen Preis, denn der Neue soll nur um 10 Euro günstiger angeboten werden.

Damit führt Rakuten nun auch bei der Hardware vor, wie man sich ins Knie schießt.

Neuer eReader von Pocketbook

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Bild via http://www.lesen.net/ereader/pocketbook-touch-hd-300ppi-lesegeraet-mit-audio-und-speicher-erweiterung-28559/

Interessant klingt demgegenüber die Ankündigung für den neuen Touch HD von Pocketbook. Der wartet nicht nur mit dem handelsüblichen Retina-Display und Ink Technologie auf, sondern verfügt mit 8GB über einen riesigen Speicher, der überdies mit einer SD-Karte erweiterbar ist. Das könnte auch nötig sein, denn anders als die Konkurrenz von Tolino, kann der Touch HD über einen Audioausgang auch MP3-Dateien abspielen und verfügt über eine Text-to-Speech-Funktion.

Was Pocketbook fehlt, ist ein eigener Store. Aber da das Gerät ePub-Formate (mit und ohne DRM) lesen kann, gehe ich davon aus, dass man seine eBooks problemlos aus so ziemlich allen Online-Buchhandlungen beziehen kann (mit Ausnahme von Amazon, versteht sich).


Mehr zum Thema:
Kobo Glo/Kobo Aura: http://www.lesen.net/ereader/kobo-stoppt-verkauf-von-kobo-glo-hd-29377/
Pocketbook Touch HD: https://papierlos-lesen.de/pocketbook-zieht-mit-dem-touch-hd-hochaufloesend-nach/

Wie man sich ins Knie schießt

Oder: Warum ich nicht auf Kobo veröffentliche

Vor einiger Zeit hatte ich auf Twitter eine kleine Umfrage zu eBook-Readern gestartet. Das Ergebnis ist natürlich nicht annähernd repräsentativ, aber es lässt den Rückschluss zu, dass von den Menschen, die ich mit meiner Werbung erreiche, fast genauso viele Kobos, wie Tolinos genutzt werden. Daher hatte ich beschlossen, den Codex Aureus auch dieser Lesergruppe zugänglich zu machen.

Auch hier wollte ich direkt veröffentlichen, weil mir sonst zu viel der ohnehin mageren Marge verloren geht. Zur Erinnerung: „Makler“ wie neobooks, epubli, tredition o.ä. veröffentlicht, kümmern sich zwar um die Konvertierung und sorgen dafür, dass das eBook bei allen Distributoren gelistet ist, verlangen dafür i. d. R. aber 30% vom Nettoerlös, d. h. von dem, was nach Abzug von Mehrwertsteuer und den Kosten des Distributors übrig bleibt.

Die Vorbereitung

Was Kobo als Distributorenkosten verlangt, ist leider zunächst unklar. Es kursiert zwar die Behauptung, als Autor behielte man 80% des Verkaufspreises, aber auf Kobo writing life, der Seite, über die man sich bei Kobo anmeldet, habe ich zumindest nichts gefunden. Dabei wäre das eine Information, die eigentlich in die FAQ gehört.
Falls ich nur was übersehen habe oder sich das irgendwann ändert, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich diesen Artikel ändern kann, denn natürlich möchte ich keine Gerüchte streuen oder falsche oder überholte Informationen weitergeben.
Auch sonst ist die Seite optimierbar. Nicht nur, weil sich der lästige Hinweis auf die Cookie-Richtlinie nicht wegklicken lässt, sondern weil sie zunächst in schönstem Denglish verfasst ist.

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Die Texte sind auf Englisch verfasst, die eingefügten Bilder Deutsch.

Damit haben aber vermutlich eher die englischsprachigen Nutzer Probleme, denn die Standarteinstellung lässt sich ändern, indem man ganz nach unten scrollt und dort eine Sprache auswählt. Damit hat man dann auch deutschsprachige Erklärungen und Schaltflächen.

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Hier sieht man den lästigen Cookie-Balken, der auch bei mehrfachem Anklicken bleibt

Auch die Informationen zum Ablauf und den Voraussetzungen fände ich ein bisschen dürftig, wenn das mein erstes Buch wäre. Aber gut, man bekommt immerhin einen Vorgeschmack dessen, was optisch auf einen zukommt.

Nutzerkonto anlegen

Dazu, dass man ein Konto braucht und dafür auf die Schaltfläche „Konto erstellen“ klicken muss, brauche ich wohl nichts zu sagen. Danach möchte Kobo erst einmal ganz viel von einem wissen: Name, Vorname, Adresse – wobei nicht ganz klar ist, ob man sich mit seinem richtigen Namen anmelden muss, oder (s)ein Pseudonym verwenden darf. Das erfährt man erst durch einen Blick in die Nutzungsbedingungen (unten auf der Seite verlinkt):

Kobo3

Von juristisch auf deutsch übersetzt heißt das, dass man den richtigen Namen verwenden muss, es sei denn, das Pseudonym ist im Personalausweis eingetragen. Kobo ist außerdem wichtig, in welchem Bundesland man wohnt. Ohne diese Angabe geht gar nichts.

Außerdem muss man sich bereits jetzt entscheiden, welche E-Mail-Benachrichtigungen man gerne bekommen möchte. Und dann möchte Rakuten, der Mutterkonzern, gerne wissen, wie man auf Kobo writing-life gestoßen ist.

Die Nutzungsbedingungen

Wenn man das gespeichert hat, kommt man auf eine Seite, in der erstmals die Bedingungen für die Veröffentlichung genannt werden – und da wartet Kobo mit ein paar Überraschungen auf.

  • Man muss 18 sein bzw. in seinem Heimatland voll geschäftsfähig. So weit das ist alles ok; Jüngere können sich die Genehmigung der Eltern holen.
  • Kobo darf Bücher wieder aus dem Programm schmeißen. Auch das ist ok und nennt sich Vertragsfreiheit, schließlich darf man seine Bücher auch aus dem Programm nehmen.
  • Wo das Buch angeboten wird, entscheidet Kobo. Das fand ich schon bedenklicher, aber gut. Mein Markt ist Deutschland; wenn der Codex Aureus in Japan nicht zu haben ist, mache ich dadurch vermutlich auch keine Verluste.
  • Man legt den Preis nicht selber fest, sondern nennt Kobo nur eine Preisempfehlung, den Verkaufspreis bestimmt Kobo nach eigenem Ermessen. Da habe ich das erste Mal große Augen gemacht. Aber gut, noch hatte ich die Hoffnung, dass die schon wissen, was sie tun.
  • Kobo zahlt 45 % dieser Preisempfehlung (nicht des Verkaufspreises!). WTF! Die dürfen den Preis beliebig hochtreiben, müssen mich aber nicht beteiligen?
  • Die Preisempfehlung muss in Deutschland mindestens 1,99 € betragen. Trotzdem darf das Buch bei keinem anderen Anbieter billiger zu haben sein (Verstoß gegen die Buchpreisbindung).

Beim letzten Punkt war ich endgültig raus. Anders als im anglo-amerikanischen Sprachraum existiert in Deutschland noch keine große Nachfrage nach Kurzgeschichten, Novellen und Erzählungen (auch wenn ich da im eBook-Sektor eine Marktlücke sehe, in der ich mich mit dem Codex Aureus breit machen will). Dementsprechend gering ist der Preis, den man dafür zur Zeit nehmen kann. 1,99 € sind vollkommen utopisch.

Daher kann ich nur sagen: Liebe Leser, es tut mir leid. Ich hätte gewollt. Rakuten/Kobo leider nicht.


P.S.: Wie ich eben über Twitter erfahren habe, können Kobo Reader aber die ePubs von Tolino lesen, so lange keine DRM (ein von Adobe entwickelter Kopierschutz) drauf ist. Auf den verzichte ich seit je her.
Wer an meinen Geschichten interessiert ist, kann sich die daher problemlos bei einem der Tolino-Händler runterladen. Einfach den Kobo anhängen, Geschichte runterladen, lesen. Ich hoffe, mit Genuss!

eBooks: Welche Distributoren lohnen sich für mich?

Als Selfpublisher will man logischerweise auch gelesen werden. Also muss man sich fragen, wo man seine Kunden findet. Wer sein Buch drucken lässt, muss sich Buchhandlungen oder andere Vertriebspartner suchen. Bei eBooks ist es ein bisschen leichter, weil es nicht so viele Vertriebswege gibt. Die verschiedenen Möglichkeiten hatte ich in diesem Beitrag unter der Überschrift „Hochladen“ beschrieben.

Ich habe mich entschieden, meine Geschichten für den Codex Aureus direkt beim Distributor hochzuladen. Das bedeutet zwar etwas Mehraufwand, lohnt sich in meinem Fall aber, weil die ohnehin geringe Marge sonst weiter geschmälert würde.
Rein intuitiv bin ich damit zuerst zu Amazon und zu Tolino gegangen. Beide werden immer wieder verglichen und letztes Jahr meldete die GfK*, dass Tolino inzwischen Amazon bei den Verkaufszahlen überholt habe**. Kann also nicht ganz verkehrt sein.

Erst mit der Veröffentlichung von Steppenbrand, der zweiten Geschichten im Codex Aureus, kam mir langsam die Frage in den Sinn, ob das so sinnvoll ist. Was ist mit denen, die Kobo, iBook oder einen der anderen Reader nutzen? Schließe ich durch Beschränkung auf Tolino und Kindle vielleicht einen riesigen potentiellen Leserkreis aus?
Die Frage ließ mir keine Ruhe, aber leider fand ich im Internet kaum Informationen. Fast alle Beiträge beziehen sich auf das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Tolino-Allianz und Amazon. Also beschloss ich, ein bisschen eigene Marktforschung zu betreiben und startete eine kleine Umfrage auf Twitter, bei der ich abfragte, auf welchen Readern gelesen wird.

Umfrage zu Readern

Die Ergebnisse sind natürlich keineswegs repräsentativ. Aber immerhin geben sie eine Momentaufnahme aus der Gruppe, die ich auch mit meinen Marketingmaßnahmen erreiche. Von dem Gleichstand zwischen Tolino und Amazon ist hier nicht viel zu sehen. Statt dessen gibt es eine massive Dominanz von Kindle-Nutzern, was eigentlich kein Wunder ist, wenn man bedenkt, wie lange der deutsche Buchhandel die Entwicklung auf dem eBook-Markt verschlafen hat. Interessant ist auch, dass Tolino und Kobo fast gleichauf liegen. Andere Reader spielen dagegen kaum eine Rolle. In den Kommentaren meldeten sich vorwiegend Leser, die ihre eBooks auf dem Tablet lasen.

Für mich heißt das Ergebnis aber ganz klar, dass ich mich nicht auf zwei Distributoren beschränken sollte.

Nachtrag v. 04.09.2016
Aufgrund der Umfrageergebnisse wollte ich Steppenbrand auch bei Rakuten (das ist die Firma hinter Kobo) herausbringen, damit es auch in den Kobo Shops gelistet ist. Meine Erfahrungen damit habe ich in einem anderen Artikel beschrieben: Wie man sich ins Knie schießt.
Dort erkläre ich, warum ich mich gegen eine Zusammenarbeit mit Rakuten entschieden habe, aber auch, warum das für Kobo Nutzer kein Problem ist: Da die Kobo eReader ebenso wie die Tolinos auf ePub ausgelegt sind, können Kobo Nutzer den Codex Aureus über den online Buchhandel der Tolino-Allianz herunterladen.


*GfK: Laut Wikipedia das größte deutsche Marktforschungsinstitut
** Quelle: e-book-news.de v. 23.09.2015