[Selfpublishing] E-Lending – erlaubte Abzocke

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bericht über die Session von Janet Clarke auf dem Literaturcamp Heidelberg stehen. Statt dessen habe ich mich entschlossen speziell über eines der Themen zu bloggen, die Janet bei ihrer Sitzung auch angesprochen hatte: Das E-Lending.

Das Wort klingt schon nach Elend und genau das ist es in meinen Augen auch. E-Lending bedeutet nichts anderes, als dass sich Bibliotheken die Möglichkeiten von eBooks voll zunutze machen können. D. h. statt Lizenzen müssen sie nur noch ein Exemplar eines eBooks kaufen und können es dann so unbegrenzt vielen Nutzern gleichzeitig zugänglich machen. Das ist natürlich ein schöner Vorteil für die Onleihe gegenüber Amazon, da die Onleihe ja noch mal deutlich günstiger ist. Im Prinzip bekommt die Onleihe damit das Recht, genau das zu tun, was Piratenseiten schon lange machen. Nur eben legal.

Für Verlage, Selfpublisher und Autor*innen ist eine Katastrophe.

Genau das hat der Bundestag aber gerade beschlossen. Versteckt im Gesetz zur Änderung des Urheberrechts in Bildung und Wissenschaft.  Allerdings beschränkt sich die Regelung nicht auf wissenschaftliche Bibliotheken oder wissenschaftliche Werke, sondern gilt allgemein für alle Bibliotheken und alle eBooks. Die einzige Beschränkung besteht darin, dass pro Sitzung nur bis zu zehn Prozent des Buches heruntergeladen werden dürfen. Diese „Beschränkung“ ist jedoch Augenwischerei, weil keine Begrenzung der Sitzungen vorgesehen ist. Wenn man 10% ausgelesen hat, holt man sich einfach die nächsten 10% ohne Wartezeit.
Und da Dateien nicht abnutzen, geht das unbegrenzt lange. Für die Bibliotheken eine große Ersparnis, da sie eBooks – anders als gedruckte Bücher – nicht nachkaufen muss. Wunderbar auch für die Leser*innen, die so noch billiger an Lesestoff kommen.

Nur diejenigen, die die Bücher geschaffen haben, gehen leer aus.

Und erzähle mir jetzt keiner, das sei Werbung!


Bei der Veröffentlichung hatte ich ganz vergessen, eine Quelle mitzuliefern. Hier ist ein Artikel aus dem Börsenblatt, der sich u.a. mit diesem Thema befasst.

Mein wunderbares Selfpublisherinnenleben

Die Disruption der Buchbranche habe gerade erst begonnen, las ich kürzlich, und dass Selfpublishing die Zukunft sei. So viel Geld, wie als Selfpublisherin habe sie noch nie verdient, verriet eine Autorin dem Deutschlandfunk. Ich verrate vermutlich kein Geheimnis: Ich war das nicht.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Selfpublishing großartig. Es ist eine Chance, Formate und Geschichten auf den Markt zu bringen, an die sich Verlage nicht herantrauen. Verlage sind keine Gralshüter der Kunst, sondern Wirtschaftsunternehmen. Das heißt, die herausgegebenen Bücher müssen sich rechnen. Ihr Verkauf soll nicht nur die Tantiemen für die Autorin, sondern auch das Gehalt der aller Beschäftigten finanzieren und sogar noch einen Gewinn abwerfen. Verständlich, dass man da lieber auf Alt- oder im Ausland Bewährtes setzt.

Als Selfpublisherin sieht die Sache etwas anders aus: Ich bin in erster Linie mir selber verpflichtet. Ich kann herausgeben, was ich selber für gut und richtig halte, ohne auf den Gewinn schielen zu müssen.
Dass ich es doch tue, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich tun das vermutlich alle, denn, seien wir ehrlich: Verkäufe bedeuten auch Anerkennung. Der Blick auf die Verkaufsstatistiken ist dann manchmal schon ein bisschen deprimierend.
Es ist ja nicht nur das Herzblut, das in den Geschichten steckt. Auch nicht die Umwandlung in ePub oder Mobi bei eBooks, über die jene Autorin so klagt. Es ist vor allem die Arbeit darüber hinaus. Die Überarbeitungen, die Arbeit an Klappentext, ein Cover zu finden, Marketingkampagnen zu planen, Blog- und Facebookeinträge zu schreiben und überhaupt in den sozialen Medien präsent zu sein; das Nachsinnen, wen man noch ansprechen und motivieren könnte, während man schon am nächsten Werk schreibt, das auch wieder promotet werden muss und wer sollte das schon tun, wenn nicht man selber …
In stillen Momenten keimt dann schon mal die Frage auf, ob ein Job als Taxifahrer, Bäckereifachverkäuferin oder bei Lidl an der Kasse nicht sinnvoller wäre.

Aber natürlich ist das Humbug. Schließlich weiß ich, dass Erfolg auch langen Atem braucht. Vor allem aber, weil ich an meine Geschichten glaube.

#Autorinnenzeit: Empfiehl das Buch einer Autorin

Jetzt mache ich mal was ganz Dreistes. Ahnst du, was? Genau! Ich empfehle mich selber. Schließlich bin ich Autorin. Und Selfpublisherin. Außerdem meine eigene Coverdesignerin und Marketingabteilung.
Meine eBooks haben durch die Bank fünf-Sterne-Bewertungen bei Amazon. Für meine Cover bin ich schon mehrfach gelobt worden. Genauso für meine Werbebilder und -sprüche.

Da darf ich mir schon mal selber auf die Schulter klopfen und sagen, dass ich alles in allem einen verdammt guten Job abliefere.

Aber die Aufgabe lautet „Empfiel ein Buch …“ Nicht das Gesamtwerk. Und obwohl ich natürlich alle Ausgaben des Codex Aureus mag (sonst hätte ich sie nicht veröffentlicht) gibt es eines, an dem mein Herz besonders hängt: Steppenbrand.

Cover für Steppenbrand, die Geschichte von Dejasir no'Sonak, der eigentlich nur das Beste für sich und sein Volk wollte.
Steppenbrand – Codex Aureus (2) (Erzählung)

Nicht nur, weil es zu den ersten Geschichten gehört, die ich anderen zu lesen gegeben habe, sondern weil ich glaube, damit etwas Zeitloses geschaffen zu haben.
Steppenbrand spielt in einer ganz anderen Welt als unserer. Sie ist brutaler, aber auch farbenprächtiger. Phantastischer. Die Gesellschaft ist eine andere. Nicht besser als unsere, auch nicht schlechter. Anders eben. Mit einem ganz anderen Rollenverständnis. Natürlich ist die Geschichte spannend. Das gleiche gilt für die Charaktere. In gewisser Weise sind sie Archetypen, aber sie bleiben Individuen. Das macht es leicht, sie zu verstehen und ihre Handlungen nachzuvollziehen, auch wenn man sie manchmal ohrfeigen möchte. Natürlich war es ein Wagnis, ausgerechnet den Antagonisten in den Mittelpunkt zu stellen. Aber ich mag Dejasir. Trotz allem. Die einzige Figur, die ich nicht mag, ist seine erste Frau, obwohl ich der Meinung bin, dass sie vom Typ her sehr genau getroffen ist.
Das sind schon eine ganze Menge Gründe, Steppenbrand zu mögen. Was ihn in meinen Augen aus den übrigen Ausgaben des Codex Aureus hervorhebt, ist aber, dass die Geschichte nicht nur auf vielen Ebenen gelungen ist, sondern diese sich auch noch gegenseitig unterstützen und verstärken.

Bisher gibt es Steppenbrand als eBook sowohl über die Tolino-Allianz als auch über Amazon. Ich plane aber, es außerdem als Taschenbuch zu veröffentlichen. Aktuell arbeite ich mich dafür in Scribus ein.

Falls du jetzt neugierig geworden sein solltest, geht es hier zu den Verkaufslinks.

[Selfpublishing] Ein Jahr Codex Aureus

Vor einem Jahr startete der Codex Aureus mit der Fabel „Der Esel als Pilger“. Das „Eselchen“ war ursprünglich nur dazu gedacht, auszuprobieren, wie das Veröffentlichen von eBooks genau funktioniert.

Ausgaben 1,2,3-1
Inzwischen sind drei weitere Codex-Ausgaben erschienen, die alle ihre Liebhaber gefunden haben. Das bestätigt mich in der These bestätigen, dass auf dem Markt auch eine Nische für kürzere Fantasy-Formate gibt. Allerdings sind alle mit rund 50 Seiten auch deutlich länger, als der „Esel“.

Bei jeder einzelnen Ausgabe habe ich viel dazu gelernt.

Buchcover Codex Aureus - Der Esel als Pilger

Die erste (und bitterste) Lektion war die Reaktion auf das Cover des „Esels“. Ich hatte mir viel Mühe damit gegeben und war ganz begeistert von mir, auch weil ich endlich begriffen hatte, wie das mit den verschiedenen Ebenen bei Paintshop funktioniert.
Und dann wurde es bei der ersten Präsentation als viel zu dunkel befunden. Außerdem als zu unruhig, zu kontrastarm, mit zu vielen Schriften, die zudem noch schlecht lesbar seien.
Gut, ich habe das getan, was vermutlich jeder Anfänger macht: Ich habe mein Baby verteidigt. Tatsächlich mag ich es immer noch. Aber nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, habe ich es trotzdem geändert. Schließlich soll das Cover in erster Linie potentiellen Lesern gefallen. Oder, wie Marketingleute das so charmant ausdrücken: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Das soll nicht heißen, dass mir das neue Cover nicht gefällt. Natürlich gefällt es mir. Sonst hätte ich es nicht genommen.

Cover für Steppenbrand, die Geschichte von Dejasir no'Sonak, der eigentlich nur das Beste für sich und sein Volk wollte.

Bei der zweiten Ausgabe, Steppenbrand, bin ich tiefer in die Geheimnisse der ePub-Convertierung eingestiegen. Steppenbrand enthält ziemlich viele Worte einer selbst erfundenen Sprache, was seit Tolkien einerseits zur klassischen Fantasy dazu gehört, den Text aber stellenweise schwer lesbar macht. Also hatte ich mir überlegt, ein Glossar einzufügen und – weil ein eBook im Grunde nichts anderes ist, als ein HTML-Dokument – mit Hyperlinks zu arbeiten. Die Idee war, dass jedes neue Wort mit dem Glossar verlinkt wurde, vom Glossar dann aber auch ein Hyperlink in den Text zurückführte. Ich hatte das kurz zuvor in einem Krimi gesehen und fand es so superschick, dass ich es auch unbedingt haben musste.
Die Links zu setzen war kein Problem. Das Problem war, dass die Konvertierung sie mir immer wieder zerschoss. Ich war schon kurz davor, aufzugeben und Steppenbrand ohne Links rauszubringen, als völlig unerwartet Hilfe von Michaela Stadelmann alias Textflash kam, die mir Sigil empfahl. Ich bin ihr dafür bis heute unendlich dankbar.
Außerdem habe ich bei Steppenbrand gelernt, dass Tolino media keine Verkaufslinks mag. Nicht mal zu den eigenen Partnern, weil sie nicht wissen, ob es nicht irgendwann mehr werden.

entwurf2Der Fluch des Spielmanns hat mich einmal mehr davon überzeugt, dass Code entweder doch irgendwo etwas mit Magie zu tun hat, oder dass Computer insgeheim Sadisten sind, die sich darüber amüsieren, wie sie ihre Nutzer in den Wahnsinn treiben. Wieso? Nun, ich habe die Geschichte mit Papyrus Author geschrieben und auch damit konvertiert.
Der Validator sagte es gäbe ein Problem und nannte die Stellen.
Ich habe versucht, die Stellen mit Sigil zu überprüfen – nur fand Sigil die Stellen nicht.
Na gut. Blöd gelaufen. Aber kein Grund, die Nerven zu verlieren. Immerhin hatte bei Steppenbrand, das ich komplett mit OpenOffice geschrieben und konvertiert hatte, die Konvertierung auf Anhieb geklappt. Also habe ich das Papyrus-Dokument in ein .doc verwandelt, in OpenOffice geladen und konvertiert.
Der Validator sagte, es gäbe Probleme. Aber immerhin weniger.
Sigil wusste trotzdem nicht weiter.
Also habe ich es mit LibreOffice versucht, das ich mir kurz zuvor runtergeladen hatte, weil OpenOffice nicht mehr weiterentwickelt wird. Hätte ja sein können, dass das Problem dort lag.
Der Validator fand neue Fehler.
Dann habe ich das .doc in ein .odt (das Format von Open- und LibreOffice) verwandelt. Inzwischen schon ein bisschen genervt, was aber auch nichts half.
Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Versuche ich gemacht habe. Irgendwas war immer. Bis ich es aus lauter Verzweiflung noch mal mit Papyrus Autor versucht habe und – oh Wunder! – der Validator nichts zu maulen fand. Was die Ursache war, weiß ich bis heute nicht. Nur, dass eine Fehlermeldung beim Validator offenbar kein Grund zur Panik ist.

o-tannenbaum-klein„O Tannenbaum“ schließlich hat mich gelehrt, dass man sich vom Weihnachtsgeschäft nicht zu viel erwarten sollte und Weihnachtgeschichten alles andere als Selbstgänger sind. Die Hoffnung, „Schöne Bescherung„, das kurz vorher bei Clue Writing veröffentlicht wurde, werde auch Werbung für O Tannenbaum“ machen, erwies sich ganz schnell als Satz mit X. Und nach Weihnachten geraten Geschichten, die an Weihnachten spielen, völlig aus dem Blick.
Insofern ist der Titel auch blöd gewählt, weil „O Tannenbaum“ eine reine Weihnachtsgeschichte suggeriert, obwohl es eigentlich ein modernes Märchen ist. „Das ist immer noch mein Baum!“ oder „Die Dryade“ wäre daher ein deulich besserer Titel gewesen.

Aber ich will überhaupt nicht maulen. Jede einzelne Ausgabe des Codex Aureus hat gute Kritiken bekommen. Meine Leser verzeihen mir großzügig Rechtschreib- und Grammatikfehler (oder schicken mir sogar korrigierte Fassungen, wie der unglaubliche Elyseo da Silva es bei Steppenbrand getan hat. Auch dafür ganz, ganz herzlichen Dank).

Was ausbaufähig ist, ist auf jeden Fall das Marketing. Ich schreibe zwar viel darüber, aber an der praktischen Umsetzung hapert es manchmal. Selbständig heißt nun mal auch bei Autoren selbst und ständig – und da ist es oft schwer, die Prioritäten richtig zu setzen.

Aktuell beschäftige ich mich damit, Banner für verschiedene soziale Medien zu erstellen, um die Sichtbarkeit meiner Bücher zu erhöhen. Außerdem habe ich eine Idee für eine (wie ich finde) ganz witzige Kampagne, um mich als Fantasy-Autorin bekannter zu machen.
Und dann wird es meine Geschichten voraussichtlich auch auf die Ohren geben. Aber dazu mehr, wenn das Ganze in trockenen Tüchern ist.

Was leider gar nicht geklappt hat, ist den Termin für die 5. Ausgabe einzuhalten, weil nacheinander verschiedene Familienmitglieder krank geworden sind und meine Depressionen darin einen willkommenen Anlass gesehen haben, auch mal wieder zu Besuch zu kommen. Aber jetzt ist sowieso erst mal Buchmesse in Leipzig und Buchmessen sind ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für Neuerscheinungen. Bücher unbekannter Autoren werden besser wahrgenommen, wenn sich der Trubel gelegt hat – das ist etwas, was ich von der Frankfurter Buchmesse gelernt habe.
Dafür ist diese Ausgabe des Codex Aureus vermutlich die am Besten angeteaserte. Ich hoffe, die Neugier hält noch ein bisschen. Ich verspreche, dass es sich lohnen wird. Muss ich ja. Denn wenn ich nicht von meinen Geschichten überzeugt wäre, wer dann? Und wie könnte ich sie mit gutem Gewissen veröffentlichen?

Aber auch im zweiten Jahr wird es noch eine Menge Überraschungen geben. Für mich. Für dich. Für Sie. Für euch. Ich hoffe, nur gute!

[Fundstück] Wie ein Scheißbuch zu einer Facebookposse wurde

Daniel Isberner vom gleichnamigen Blog hat ein Buch herausgebracht, dessen Name Programm ist: „Das extragroße Buch der Scheiße“, als eBook bei Amazon für 99 Cent. Der Inhalt: Zwei Kapitel mit notdürftiger Handlung, in denen ununterbrochen geflucht wird, ein drittes, in dem der Leser gefragt wird, was er sich von 99 Cent besseres erwartet und ein viertes, das sich mit dem Wert der Literatur im Allgemeinen beschäftigt.

Ich finde das eine sehr witzige Idee und wünsche dem Buch viele Käufer unter den Schnäppchenjägern.

Die Geschichte geht aber weiter und zwar auf Facebook, das zwar sehr phlegmatisch im Umgang mit Verleumdungen ist, auf Scheiße aber um so empfindlicher reagiert. Die vollständige Geschichte gibt es hier: http://www.danielisberner.de/2017/03/merkel-muss-sterben-in-ordnung-scheisse-nicht-eine-facebookposse/#comment-11209

Wie du dich gegen E-Book-Piraterie wehren kannst

Der nachfolgende Text von Annika Bühnemann ist einfach zu gut, um ihn euch vorzuenthalten. Deshalb meine Bitte: Lesen, handeln, weitersagen!

Trinkt aus, Piraten, denn wir wehren uns! Wie du verhinderst, dass deine Bücher auf illegalen Seiten zum Download angeboten werden.

Quelle: Wie du dich gegen E-Book-Piraterie wehren kannst

[eBook-Marketing] Was Preiskämpfe bringen

Bildquelle: hbieser via pixabay

Vor ein paar Tagen bin ich im Netz über einen Artikel gestolpert, der die zum Teil absurden Auswüchse eines Preiskampfes zwischen zwei Drogeriemarktketten schildert. Inzwischen sind die Angebote so niedrig, dass sie zum Teil unter dem Großhandelspreis liegen. Als Folge werden die Angestellten zum „wildern“ bei der Konkurrenz geschickt, um die eigenen Regale aufzufüllen.

Was hat das mit eBook-Marketing zu tun hat? Nun, die Situation ist sehr ähnlich. Viele Selfpublisher sehen in Kampfpreisen das Nonplusultra des Marketings. Und gerade veranstaltet Amazon das Indie-Lesefestival, bei dem

tausende Bücher vom Liebesroman bis zum Thriller, um bis zu 70 Prozent günstiger

(Amazon Eigenwerbung)

angeboten werden. Laut Amazon dient die Aktion dazu, verlagsunabhängige Autoren stärker in den Fokus zu rücken. Aber tatsächlich ist es hauptsächlich eine Werbeaktion für Amazons Kindle. Noch dazu eine, die auf dem Rücken der Selfpublisher ausgetragen wird. Den Kunden freut es zwar, wenn er tausenden von eBooks, zu Niedrigstpreisen herunterladen kann, aber dass die Autoren/Selfpublisher davon profitieren, wage ich zu bezweifeln. Nicht nur, weil 70% Preisreduzierung bedeutet, dass der Autor nur noch 30% seiner normalen Tantiemen erhält. Ich bezweifle auch, dass sich der viel gepriesene Effekt besserer Sichtbarkeit einstellen wird. Nicht bei tausenden Konkurrenzprodukten, die auch noch jede Woche wechseln.
Ja, es steht zu erwarten, dass die nächsten Wochen Indie-Bücher die Bestsellerlisten von Amazon dominieren und die Verlagsbücher auf die hinteren Ränge abrutschen. Man kann dieses Indie-Lesefestival also auch als Angriff Amazons auf die Verlage sehen, denen Amazons Chef, Jeff Bezos, Gerüchten zufolge ohnehin den Kampf angesagt hat. Meine Befürchtung ist allerdings, dass er die „Indies“ dabei nicht als Verbündete, sondern in erster Linie als Kanonenfutter sieht. Wenn man Indies wirklich unterstützen wollte, gäbe es andere Wege. Zum Beispiel die Indies besonders hervorzuheben, die in der letzten Woche die meisten/besten Bewertungen bekommen haben.

Ja, wir Selfpublisher konkurrieren mit den Verlagen. Wir besetzen Nischen, die dort als nicht lukrativ genug oder aus anderen Gründen uninteressant wahrgenommen werden. Aber bei aller Solidarität untereinander, konkurrieren wir Selfpublisher auch miteinander um das Interesse der Leser. Deshalb greift sogar die Hoffnung zu kurz, ein reduziertes Buch einer Serie möge Lust auf die nächsten Teile machen, wenn der Leser gerade seinen Reader mit Schnäppchen vollgeladen hat. Bis er die alle gelesen hat, hat er im Zweifel vergessen, von welchen Büchern es Fortsetzungen gab. Und wahrscheinlich gibt es schon die nächste Preisaktion, bei der er unbedingt zugreifen muss. Gerade Amazon ist ja groß darin, solche „Deals“ anzubieten.

Nein, ich glaube nicht, dass das irgendetwas bringt. Ich glaube, dass sich auf Dauer nur ein ruinöser Wettkampf zwischen Selfpublishern, von dem höchstens Amazon profitiert. Anders, als die Drogeriemärkte können wir Selfpublisher uns nicht gegenseitig die Waren klauen und ins Regal stellen. Bei uns nennt sich so was Plagiat und Plagiatoren sind überall untendurch.

Aber das ist nur meine Meinung. Im Interesse aller Selfpublisher, die beim Indie-Lesefestival dabei sind, hoffe ich, dass ich mich irre.


Weitere Artikel zum Preiskampf zwischen Rossmann und dm:

[Marketing von eBooks] 5 Aktionen die man sich sparen kann

MarketingexpertInnen raten zwar von Negativformulierungen im Titel ab, aber was manchmal geht es eben nicht anders. Heute zum Beispiel soll es um Marketingstrategien gehen, die zumindest für den Verkauf von eBooks völlig für die Füße sind. Und so ganz schlimm kann der faux pas auch nicht sein, sonst würden Sie/würdest du das hier nicht lesen.

1. Lesezeichen

Lesezeichen sind unter Self-PublisherInnen ein sehr beliebtes Give-away. Kein Wunder. Wenn sie gut gemacht sind, haben einen hohen Erinnerungswert und sind außerdem billig in der Herstellung.
Leider sind sie bei eBooks vollkommen nutzlos. Und was keinen Gebrauchswert hat, bringt für die Kundenbindung nichts. Da kann man sich die Druckkosten sparen.

2. Flyer

Auch sehr beliebt bei SelfpublisherInnen: Flyer mit dem Titelbild und vielleicht einer kurzen Inhaltsangabe oder Leseprobe. Finde ich auch superchic, vor allem, wenn man schon mehrere Bücher am Markt hat und seine Bücher (auch) selber verschickt. Dann kann man dem einen Buch Flyer vom anderen beilegen und so schon mal Neugier wecken.
Aber bei eBooks? Da bleibt höchstens, die Flyer irgendwo auszulegen, wo sich potentielle Leser rumtreiben und zu hoffen. Kann man machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich deshalb jemand hinsetzt und ein eBook runterläd, ist leider ziemlich gering.

3. Lokalpatriotismus

„Ich komme aus dieser Ecke, mein Buch spielt hier, können Sie das nicht wenigstens versuchsweise ins Regal stellen“, ist eine Strategie, die angeblich im lokalen Buchhandel ganz gut funktioniert. Beim Print.
Bei eBooks ist man für den Vertrieb auf überregionale PartnerInnen angewiesen und die interessieren sich absolut nicht dafür, woher man kommt oder wo das Buch spielt.

4. Gefälligkeitsrezensionen

Fünf Sterne bei Amazon sind toll. Ich rede aus Erfahrung, denn auch ich freue mir jedes Mal ein Loch in den Bauch, wenn jemand meine Bücher lobt. Aber wenn ausschließlich pauschale Urteile, wie das nachstehende abgegeben werden, guckt man sich die RezensentInnen auch mal genauer an.

Wunderschöne spannende Liebesgeschichte. Hat echt Spaß gemacht zu lesen, ich freue mich auf Band 2. Ich will unbedingt wissen wie es weitergeht.

Wenn dabei rauskommt, dass die sonst keine oder immer nur die gleichen drei AutorInnen loben, wird man als LeserIn schon stutzig. Und wenn dann nicht mal ein verifizierter Kauf dabei ist, kauft man dieses Buch gleich gar nicht. Mit Pech (für die AutorIn) merken sich die LeserInnen den Namen und kaufen nie wieder eines der Bücher.

5. BuchbloggerInnen nerven

Buchblogs sind eine tolle Erfindung und inzwischen gibt es mehr und mehr Plattformen, die sich auf SelfpublisherInnen spezialisieren. Als Medium für das eBook-Marketing optimal, denn wer Blogs liest, hat in der Regel auch weniger Vorbehalte gegen das elektronische Lesen allgemein.
Trotzdem sollte man auch hier die allgemeinen Regeln der Höflichkeit beachten. Niemand ist gezwungen, ein Buch zu lesen – auch eine BuchbloggerIn nicht. Der denkbar schlechteste Weg, zu einer Besprechung zu kommen ist, die Datei zu schicken und die BloggerIn eine Woche später zu bepöbeln, dass das Buch immer noch nicht besprochen ist (nein, ich sauge mir das Beispiel nicht aus den Fingern).

Nächsten Sonntag gibt es hier Ideen, was man besser oder statt dessen machen könnte.

Meldung: Neues aus Tolkiens Nachlass

In dieser Woche, genau gesagt am dritten Januar wäre J. R. R. Tolkien 125 Jahre alt geworden. Da passt die Meldung, dass Warner Bros sein Leben unter dem Titel „Middle Earth“ verfilmen will. Als Regisseur wird James Strong («Broadchurch», «Doctor Who») genannt. Auch Peter Jackson soll wieder irgendwo beteiligt sein.
Als eingefleischter Tolkien Fan werde ich mir den Film höchstwahrscheinlich ansehen, auch wenn ich zugeben muss, dass mich der Hobbit weder in der Buch- noch in der Filmversion überzeugt.

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Bildquelle: Pixabay

Weit spannender finde ich da die Ankündigung, dass Christopher Tolkien die Geschichte von Beren und Luthien rekonstruiert hat und sie im Mai 2017 bei Harper Collins erscheinen wird. Die englische Ausgabe wird vom Alan Lee illustriert sein und ich hoffe sehr, dass diese Illustrationen auch für die deutsche Ausgabe übernommen werden, die am 6. Mai herauskommen soll.
Wenn nicht, werde ich vermutlich beide kaufen: Die englische als Print und die deutsche als eBook.

Meldung: Telekom verkauft Tolino-Anteil

Heise online meldet, dass die Telekom ihren Anteil an der Tolino Allianz offenbar an den japanischen Konzern Rakuten verkauft hat. Als Selfpublisherin sehe ich diesen Verkauf mit gemischten Gefühlen.

Einerseits könnte diese Entwicklung bedeuten, dass eBooks, die via Tolino veröffentlicht werden, nun über die Kobo-Stores weltweit in den Handel kommen.

Andererseits sind die AGB von Rakuten/Kobo mehr als nur ein bisschen seltsam und eBooks unter 1,99 € wurden in der Vergangenheit gar nicht erst ins Programm genommen. Das jedenfalls war meine Erfahrung, als ich versucht habe, den Codex Aureus auch bei Kobo anzumelden.

Und nun soll Rakuten ausgerechnet die technische Plattform und die Geräte übernehmen…
Ob sich Hugendubel, Weltbild und Co. die Konsequenzen überlegt haben? Oder folgen sie dem englischen Buchhändler Waterstones und verabschieden sich ganz aus dem eBook-Geschäft?