Sind eBook-Reader eine aussterbende Gattung?

In den USA geht der Absatz von eBook-Readern so zurück, dass einige Verkäufer sie schon aus dem Programm genommen haben, sagt dieser Artikel von Just Publishing Advice. Gründe sind u. a. die mangelnde Funktionalität gegenüber Smartphones und Tabletts. Während letztere sich immer weiter entwickeln, stagniert der technische Fortschritt bei den eReadern. Ausbau von Features? Fehlanzeige.

Diese Feststellung lässt sich auch auf den deutschen Markt übertragen, so dass damit zu rechnen ist, dass auch hier die (goldenen?) Zeiten der eReader bald vorbei sind, wenn sich die Hersteller nicht bald etwas einfallen lassen.

Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Der Anteil der eBook-Leser wächst weiterhin.

Soll ich oder soll ich nicht? Kurzgeschichtenwettbewerb von BoD und readfy

girl-564460_640Seit dem 20.10.2016 läuft bei BoD unter dem Motto „read my short“ ein Kurzgeschichtenwettbewerb in den Kategorien Romance, Fantasy und Crime. Zu gewinnen gibt es auch etwas. Anders als bei anderen Wettbewerben gibt es allerdings keine feste Jury. Statt dessen handelt es sich hier um einen Publikumspreis, d. h. die Gewinner der einzelnen Katgorien werden durch die Leser von readfy bestimmt. Daher muss man nicht nur eine Kurzgeschichte verfassen und bei BoD als E-Short registrieren, sondern diese auch in der readfy-App zu veröffentlichen.

Der Haken? Natürlich gibt es einen. Genau gesagt sogar zwei.
Damit meine ich nicht, dass man sich bei BoD registrieren und seine Geschichte dort hochladen muss, um überhaupt teilnehmen zu können. Anders ließe sich dieser Wettbewerb schließlich kaum durchführen. Nein, es sind zwei andere Haken, die mir Kopfzerbrechen machen:

Der erste liegt in den folgenden Absätzen der AGB:

2.10. Mit der Teilnahme am Schreibwettbewerb stimmt der Teilnehmer einer Veröffentlichung seines eingesendeten Textes zu und räumt BoD und readfy sowie etwaigen Kooperationspartnern das räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte und übertragbare Recht ein, den Text zu vervielfältigen, zu verbreiten, öffentlich zugänglich zu machen, zu Werbezwecken zu nutzen und zu bearbeiten und zwar in sämtlichen bekannten und unbekannten Nutzungsarten.
2.11. Insbesondere ist BoD berechtigt, ein E-Book mit allen, im Rahmen des Schreibwettbewerbs eingereichten Kurzgeschichten zu erstellen. Das E-Book soll nach dem Wettbewerb zu Werbezwecken kostenlos vertrieben werden. Die Teilnehmer erhalten dementsprechend keine Vergütung oder Beteiligung. Ein Anspruch auf Aufnahme einer Kurzgeschichte in das E-Book oder sonstige Veröffentlichung besteht nicht.

Mit anderen Worten: Der Wettbewerbsbeitrag ist weg. BoD, readfy und andere, nicht genannte Vertragspartner können damit machen, was sie wollen, ohne dass man als Autor einen Cent dafür bekommt. Eine Rückübertragung der Nutzungsrechte ist nämlich ausdrücklich nicht vorgesehen!

Der zweite Haken ist etwas versteckter: Da es sich um einen Publikumspreis handelt, muss die Geschichte irgendwie gepusht werden. Sie nur einzustellen dürfte – wie überall – zu wenig sein, zumal readfy sich über Werbung finanziert und dauernd Werbung für Bücher eingeblendet wird, während das Lesen selbst kostenlos ist. Die einzige Möglichkeit, dagegen anzukommen, dürfte darin bestehen, sich in die bestehende readfy Community einzuklinken …

Uff. Das wäre viel Aufwand für eine Geschichte, die vermutlich sowieso verbrannt ist.

Trotzdem überlege ich, mitzumachen. Und sei es nur, um meinen Namen bekannter zu machen. Wenn die Leser auf readfy eine Geschichte von mir lesen, könnte es doch sein, dass sie mehr wollen. Oder?

Ich glaube, ich wähle den Publikumsjoker. Was meinst du: Mitmachen oder Finger weg?

Marketing von eBooks: Leseaktionen

In meine kleine Artikelserie über Marketing für Selfpublisher bzw. Marketing von eBooks passt ein Text der Agentur Mainwunder über Leseraktionen, warum diese scheitern (können) und welche positiven Impulse sich selbst daraus noch gewinnen lassen.

Ich fand ihn sehr interessant und möchte ich ihn euch keineswegs vorenthalten. Hier geht’s zum Artikel.

Veröffentlichen reicht nicht. Marketing von eBooks

Ob für Ruhm, Ehre oder Reichtum, wer schreibt, will in der Regel auch gelesen werden. Aber wie findet man als Autor und Selfpublisher seine Leser? Noch dazu, wenn man „nur“ eBooks schreibt?

Nach meinem Artikel dazu, warum ich Preisaktionen bei eBooks für kontraproduktiv halte, ging die Diskussion auch hinter den Kulissen weiter. Ich habe daraus so viel für mich mitgenommen, dass ich beschlossen habe, eine kleine Artikelserie über eBook-Marketing zu starten.

Zwar kann ich keinesfalls als alte Häsin auf dem Gebiet bezeichnen, weil ich selber noch am Anfang stehe. Aber dafür bin ich bereit, auch neue Wege auszuprobieren und werde hier erzählen, was klappt und was nicht. Deal?

Warum überhaupt Marketing?

Du hast ein Buch geschrieben und veröffentlicht. Also nehme ich an, dass du möchtest, dass es auch gelesen wird. Mir geht das jedenfalls so. Versteh mich nicht falsch: Ich finde es vollkommen o. k., nur für sich und vielleicht noch ein paar gute Bekannte zu schreiben; aber wenn wir ehrlich sind, hoffen die meisten von uns irgendwo auch auf Ruhm, Ehre und (wenigstens ein bisschen) Geld. Für meinen Teil sind mir Ruhm und Ehre vergleichsweise egal, aber ich möchte auf lange Sicht einigermaßen vom Schreiben leben können.

Aber egal, was genau die Motivation ist: Ein Buch veröffentlicht zu haben, ist keine Garantie dafür, dass irgendwer es liest. Genau genommen sind die Chancen deutlich höher, übersehen zu werden. Ganz besonders, wenn man ausschließlich eBooks veröffentlicht.

Mit anderen Worten: Wer gelesen werden will, muss etwas dafür tun. Leser kommen nicht von allein; man muss sie irgendwie ködern. Nichts anderes ist Marketing.

Besonderheiten des eBook-Marketings

Wenn ich mir angucke, welche Marketinginstrumente andere Autoren für ihre Bücher nutzen, stelle ich fest, dass einiges für mich von vornherein ausscheidet, weil ich nur eBooks veröffentliche. So sind z. B. Lesezeichen offenbar ein sehr beliebter Werbeträger – nur was soll man in einem eBook damit. Es hilft auch wenig, die örtliche Buchhandlung zu überreden, das Buch ins Programm zu nehmen.

Bei eBooks muss man andere Wege finden, um sichtbar zu werden.

Natürlich wäre es eine Idee, Anzeigen zu schalten. Aber ob die jemand liest? Das wage ich zu bezweifeln und mir fehlt das nötige Geld, es zu probieren.

Etwas spezifischer wären Flyer. Wenn man die da auslegt, wo sich potentielle Leser aufhalten, könnte das auch bei eBooks klappen. Voraussetzung ist also, dass man seine Zielgruppe kennt und weiß, wo man sie trifft. Allerdings ist die Reichweite begrenzt und auch Flyer kosten Geld.

Die kostengünstigste Lösung ist das Internet. Bei eBook-Lesern kann man voraussetzen, dass sie das Netz und soziale Medien nutzen. Außerdem bietet das Internet eine hohe Reichweite. Meine Blog-Artikel werden nicht nur aus dem deutschsprachigen Ausland, sondern regelmäßig auch aus Albanien, Irland, Kanada, Spanien und den USA abgerufen. Auf Twitter folgen mir Menschen, bei deren Sprache ich nicht einmal die Buchstaben verstehe. Unwahrscheinlich, dass ich auch nur einen davon mit einem Flyer erreicht hätte.

Wie finde ich meine Leser im Netz?

Natürlich ist „das Internet“ auch wieder riesig und nicht jede Ecke ist geeignet, um Leser zu finden. Ganz generell gilt aber, dass man dort, wo man sich selber wohlfühlt, auch Gleichgesinnte trifft. Sie gilt es aufzuspüren, anzusprechen und für sich zu gewinnen. Erfolgreiches Marketing setzt Kontakte voraus. Wenn du andere davon überzeugen kannst, dass dein Buch toll ist, werden sie wieder andere überzeugen. Auf diese Weise baust du dir nach und nach einen Unterstützerkreis auf – oder eine Fanbase, wenn dir der Ausdruck lieber ist.

Wichtig ist dabei, sich nicht auf einen einzelnen Kanal festzulegen, sondern verschiedene Kanäle zu bespielen und zu verbinden. So nutze ich mein Blog für längere Artikel (wie diesen) und Hintergrundinformationen, die langfristig sichtbar bleiben sollen. Für kleinere Artikel mit schnellerer Verfallszeit nutze ich Facebook nutze ich für mittlere Artikel und Kurzmitteilungen sende ich über Twitter. Aber sowohl die Facebookartikel, als auch Twittermitteilungen verlinke ich immer wieder auf das Blog. In dieses Konzept lassen sich auch Podcasts und Buchtrailer gut einbinden.

Newsletter

Eine weitere Möglichkeit, Leser zu binden, sind regelmäßige Mailingaktionen per Newsletter. Ich gebe zu, damit bisher noch gar keine Erfahrung zu haben, denn so ein Newsletter setzt voraus, dass du schon E-Mail-Adressen hast, an die du etwas versenden kannst und die habe ich bisher noch nicht. Außerdem bedeutet ein Newsletter zusätzliche Arbeit, denn du musst für Inhalte sorgen. Deshalb hatten für mich Blog, Twitterauftritt und die Seite bei Facebook bislang Priorität. Aber: Ein Newsletter ist für die Zukunft fest eingeplant. Aktuell versuche ich noch, die Technik dahinter zu verstehen und in meinen Blog einzubinden (was bei meinen Englischkenntnissen leider nicht so einfach ist). Die nächste Ausgabe des Codex Aureus hoffe ich dann schon mit dem Newsletter ankündigen zu können.

Das war jetzt ganz viel Grundsätzliches zum eBook-Marketing und vermutlich war dir vieles schon bekannt. Ich hoffe natürlich, dass dir der Artikel trotzdem gefallen hat und du mir und dem Blog treu bleibst. Im Gegenzug verspreche ich, dass der nächste Artikel deutlich spezifischer wird.

Ein Bild und 30.000 Wörter

Weil andere Blogger immer so schöne Bilder von sich, ihren Büchern oder ihren SUBs in den Beiträgen haben, habe ich heute ein paar Fotos von Steppenbrand geschossen.

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Codex Aureus – Steppenbrand: links auf dem Kindle Fire, rechts auf dem Tolino Vision

Für eine Fantasy-Geschichte, die in bzw. am Rande einer Steppe spielt, wirkt die Deko vielleicht ein bisschen zu üppig. Aber die weißen Blüten wollte ich unbedingt mit ins Bild nehmen, weil sie innerhalb der Geschichte eine wichtige Rolle spielen.

Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe von Steppenbrand.

 

 

 

 

 

 

Wie man sich ins Knie schießt

Oder: Warum ich nicht auf Kobo veröffentliche

Vor einiger Zeit hatte ich auf Twitter eine kleine Umfrage zu eBook-Readern gestartet. Das Ergebnis ist natürlich nicht annähernd repräsentativ, aber es lässt den Rückschluss zu, dass von den Menschen, die ich mit meiner Werbung erreiche, fast genauso viele Kobos, wie Tolinos genutzt werden. Daher hatte ich beschlossen, den Codex Aureus auch dieser Lesergruppe zugänglich zu machen.

Auch hier wollte ich direkt veröffentlichen, weil mir sonst zu viel der ohnehin mageren Marge verloren geht. Zur Erinnerung: „Makler“ wie neobooks, epubli, tredition o.ä. veröffentlicht, kümmern sich zwar um die Konvertierung und sorgen dafür, dass das eBook bei allen Distributoren gelistet ist, verlangen dafür i. d. R. aber 30% vom Nettoerlös, d. h. von dem, was nach Abzug von Mehrwertsteuer und den Kosten des Distributors übrig bleibt.

Die Vorbereitung

Was Kobo als Distributorenkosten verlangt, ist leider zunächst unklar. Es kursiert zwar die Behauptung, als Autor behielte man 80% des Verkaufspreises, aber auf Kobo writing life, der Seite, über die man sich bei Kobo anmeldet, habe ich zumindest nichts gefunden. Dabei wäre das eine Information, die eigentlich in die FAQ gehört.
Falls ich nur was übersehen habe oder sich das irgendwann ändert, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich diesen Artikel ändern kann, denn natürlich möchte ich keine Gerüchte streuen oder falsche oder überholte Informationen weitergeben.
Auch sonst ist die Seite optimierbar. Nicht nur, weil sich der lästige Hinweis auf die Cookie-Richtlinie nicht wegklicken lässt, sondern weil sie zunächst in schönstem Denglish verfasst ist.

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Die Texte sind auf Englisch verfasst, die eingefügten Bilder Deutsch.

Damit haben aber vermutlich eher die englischsprachigen Nutzer Probleme, denn die Standarteinstellung lässt sich ändern, indem man ganz nach unten scrollt und dort eine Sprache auswählt. Damit hat man dann auch deutschsprachige Erklärungen und Schaltflächen.

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Hier sieht man den lästigen Cookie-Balken, der auch bei mehrfachem Anklicken bleibt

Auch die Informationen zum Ablauf und den Voraussetzungen fände ich ein bisschen dürftig, wenn das mein erstes Buch wäre. Aber gut, man bekommt immerhin einen Vorgeschmack dessen, was optisch auf einen zukommt.

Nutzerkonto anlegen

Dazu, dass man ein Konto braucht und dafür auf die Schaltfläche „Konto erstellen“ klicken muss, brauche ich wohl nichts zu sagen. Danach möchte Kobo erst einmal ganz viel von einem wissen: Name, Vorname, Adresse – wobei nicht ganz klar ist, ob man sich mit seinem richtigen Namen anmelden muss, oder (s)ein Pseudonym verwenden darf. Das erfährt man erst durch einen Blick in die Nutzungsbedingungen (unten auf der Seite verlinkt):

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Von juristisch auf deutsch übersetzt heißt das, dass man den richtigen Namen verwenden muss, es sei denn, das Pseudonym ist im Personalausweis eingetragen. Kobo ist außerdem wichtig, in welchem Bundesland man wohnt. Ohne diese Angabe geht gar nichts.

Außerdem muss man sich bereits jetzt entscheiden, welche E-Mail-Benachrichtigungen man gerne bekommen möchte. Und dann möchte Rakuten, der Mutterkonzern, gerne wissen, wie man auf Kobo writing-life gestoßen ist.

Die Nutzungsbedingungen

Wenn man das gespeichert hat, kommt man auf eine Seite, in der erstmals die Bedingungen für die Veröffentlichung genannt werden – und da wartet Kobo mit ein paar Überraschungen auf.

  • Man muss 18 sein bzw. in seinem Heimatland voll geschäftsfähig. So weit das ist alles ok; Jüngere können sich die Genehmigung der Eltern holen.
  • Kobo darf Bücher wieder aus dem Programm schmeißen. Auch das ist ok und nennt sich Vertragsfreiheit, schließlich darf man seine Bücher auch aus dem Programm nehmen.
  • Wo das Buch angeboten wird, entscheidet Kobo. Das fand ich schon bedenklicher, aber gut. Mein Markt ist Deutschland; wenn der Codex Aureus in Japan nicht zu haben ist, mache ich dadurch vermutlich auch keine Verluste.
  • Man legt den Preis nicht selber fest, sondern nennt Kobo nur eine Preisempfehlung, den Verkaufspreis bestimmt Kobo nach eigenem Ermessen. Da habe ich das erste Mal große Augen gemacht. Aber gut, noch hatte ich die Hoffnung, dass die schon wissen, was sie tun.
  • Kobo zahlt 45 % dieser Preisempfehlung (nicht des Verkaufspreises!). WTF! Die dürfen den Preis beliebig hochtreiben, müssen mich aber nicht beteiligen?
  • Die Preisempfehlung muss in Deutschland mindestens 1,99 € betragen. Trotzdem darf das Buch bei keinem anderen Anbieter billiger zu haben sein (Verstoß gegen die Buchpreisbindung).

Beim letzten Punkt war ich endgültig raus. Anders als im anglo-amerikanischen Sprachraum existiert in Deutschland noch keine große Nachfrage nach Kurzgeschichten, Novellen und Erzählungen (auch wenn ich da im eBook-Sektor eine Marktlücke sehe, in der ich mich mit dem Codex Aureus breit machen will). Dementsprechend gering ist der Preis, den man dafür zur Zeit nehmen kann. 1,99 € sind vollkommen utopisch.

Daher kann ich nur sagen: Liebe Leser, es tut mir leid. Ich hätte gewollt. Rakuten/Kobo leider nicht.


P.S.: Wie ich eben über Twitter erfahren habe, können Kobo Reader aber die ePubs von Tolino lesen, so lange keine DRM (ein von Adobe entwickelter Kopierschutz) drauf ist. Auf den verzichte ich seit je her.
Wer an meinen Geschichten interessiert ist, kann sich die daher problemlos bei einem der Tolino-Händler runterladen. Einfach den Kobo anhängen, Geschichte runterladen, lesen. Ich hoffe, mit Genuss!

eBooks: Welche Distributoren lohnen sich für mich?

Als Selfpublisher will man logischerweise auch gelesen werden. Also muss man sich fragen, wo man seine Kunden findet. Wer sein Buch drucken lässt, muss sich Buchhandlungen oder andere Vertriebspartner suchen. Bei eBooks ist es ein bisschen leichter, weil es nicht so viele Vertriebswege gibt. Die verschiedenen Möglichkeiten hatte ich in diesem Beitrag unter der Überschrift „Hochladen“ beschrieben.

Ich habe mich entschieden, meine Geschichten für den Codex Aureus direkt beim Distributor hochzuladen. Das bedeutet zwar etwas Mehraufwand, lohnt sich in meinem Fall aber, weil die ohnehin geringe Marge sonst weiter geschmälert würde.
Rein intuitiv bin ich damit zuerst zu Amazon und zu Tolino gegangen. Beide werden immer wieder verglichen und letztes Jahr meldete die GfK*, dass Tolino inzwischen Amazon bei den Verkaufszahlen überholt habe**. Kann also nicht ganz verkehrt sein.

Erst mit der Veröffentlichung von Steppenbrand, der zweiten Geschichten im Codex Aureus, kam mir langsam die Frage in den Sinn, ob das so sinnvoll ist. Was ist mit denen, die Kobo, iBook oder einen der anderen Reader nutzen? Schließe ich durch Beschränkung auf Tolino und Kindle vielleicht einen riesigen potentiellen Leserkreis aus?
Die Frage ließ mir keine Ruhe, aber leider fand ich im Internet kaum Informationen. Fast alle Beiträge beziehen sich auf das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Tolino-Allianz und Amazon. Also beschloss ich, ein bisschen eigene Marktforschung zu betreiben und startete eine kleine Umfrage auf Twitter, bei der ich abfragte, auf welchen Readern gelesen wird.

Umfrage zu Readern

Die Ergebnisse sind natürlich keineswegs repräsentativ. Aber immerhin geben sie eine Momentaufnahme aus der Gruppe, die ich auch mit meinen Marketingmaßnahmen erreiche. Von dem Gleichstand zwischen Tolino und Amazon ist hier nicht viel zu sehen. Statt dessen gibt es eine massive Dominanz von Kindle-Nutzern, was eigentlich kein Wunder ist, wenn man bedenkt, wie lange der deutsche Buchhandel die Entwicklung auf dem eBook-Markt verschlafen hat. Interessant ist auch, dass Tolino und Kobo fast gleichauf liegen. Andere Reader spielen dagegen kaum eine Rolle. In den Kommentaren meldeten sich vorwiegend Leser, die ihre eBooks auf dem Tablet lasen.

Für mich heißt das Ergebnis aber ganz klar, dass ich mich nicht auf zwei Distributoren beschränken sollte.

Nachtrag v. 04.09.2016
Aufgrund der Umfrageergebnisse wollte ich Steppenbrand auch bei Rakuten (das ist die Firma hinter Kobo) herausbringen, damit es auch in den Kobo Shops gelistet ist. Meine Erfahrungen damit habe ich in einem anderen Artikel beschrieben: Wie man sich ins Knie schießt.
Dort erkläre ich, warum ich mich gegen eine Zusammenarbeit mit Rakuten entschieden habe, aber auch, warum das für Kobo Nutzer kein Problem ist: Da die Kobo eReader ebenso wie die Tolinos auf ePub ausgelegt sind, können Kobo Nutzer den Codex Aureus über den online Buchhandel der Tolino-Allianz herunterladen.


*GfK: Laut Wikipedia das größte deutsche Marktforschungsinstitut
** Quelle: e-book-news.de v. 23.09.2015

Selfpublishing von eBooks – eine Kurzanleitung

book-730479_640 (1)Als ich mit dem Selfpublishing anfing war das für mich ein Riesenabenteuer. Zugegeben: Aufgeregt bin ich immer noch und als ich kürzlich Steppenbrand hochgeladen habe, war auch die Nervosität wieder da, ob wirklich alles glatt geht. Offenbar geht das nicht nur mir so. Obwohl das Blog noch nicht lange existiert, hat es sich schon ganz gut rumgesprochen und die Artikel zum Thema Selfpublishing gehören zu den meistgeklickten.

Aber wie geht Selfpublishing eigentlich? Das das nicht allgemein bekannt ist, ist mir erst bewusst geworden, als eine Twitterin gestand, sie fände das Prinzip Selfpublishing sehr überzeugend, habe aber noch nicht kapiert, wie das geht.

Selfpublishing

Vorher dachte ich, dass nur ich anfangs zu blöd gewesen sei, zu wissen, wie man das macht. Aber da ich eben offensichtlich doch nicht die Einzige bin, habe ich beschlossen, eine Kurzanleitung zu schreiben, die die grundsätzlichen Abläufen zur Veröffentlichung von eBooks erklärt. Beim Print kenne ich mich nicht aus und bevor ich Quatsch erzähle, lasse ich es lieber.

1. Das Manuskript

Zu allererst braucht man natürlich Inhalte, die man veröffentlichen kann. Das ist beim eBook in der Regel ein Text. Zwar lassen sich grundsätzlich auch Fotos, Comics usw. als eBooks veröffentlichen, aber man sollte sich klar sein, dass die meisten Reader nur Graustufen wiedergeben können und die Auflösung für Texte optimiert ist. Die Wiedergabe von Fotos und Grafiken ist in der Regel nicht sehr schön.

Der Text sollte, unabhängig vom Inhalt mehrfach korrekturgelesen sein. Für schlechte, d. h. redundante, klischeebeladene oder in sich widersprüchliche Texte voller Rechtschreibfehler würde man schließlich auch selber kein Geld ausgeben wollen. Als Autor sollte man daher sein Möglichstes tun, den eigenen Lesern ungetrübten Lesegenuss zu gönnen. Optimal sind ein professionelles Lektorat und Korrektorat – aber das ist auch eine Preisfrage.

Der Text sollte als Block- oder Flattersatz formatiert sein. Die Überschriften als „Überschrift“, der Textkörper als „Standart.“ Um nachher unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollte man eine der gängigen Schriftarten wählen, also z. B. Arial, Times New Roman oder Calibri.
Er muss als Fließtext vorliegen, darf also – von Absätzen abgesehen – keine weiteren Formatierungen enthalten. Also auch keine manuellen Seitenumbrüche und keine Worttrennungen! Insbesondere keine Worttrennungen! Das die nimmt jeder eBook-Reader automatisch je nach Schriftgröße vor. Du kannst dir sicher vorstellen, was passiert, wenn vorher schon eine Silbentrennung durchgeführt wurde.

Was außerdem noch ins Buch gehört habe ich in diesem Artikel schon mal beschrieben.

2. Konvertieren

home-office-336378_640Im nächsten Schritt muss das Manuskript in ein Format gebracht werden, das von einem eBook-Reader gelesen werden kann. PDFs können, so weit ich weiß, von allen Readern wiedergegeben werden, haben den entscheidenden Nachteil, dass sich die Schriftgröße nachher nicht mehr ändern lässt. Besser ist ePub. Das wird auf Tolinos regulär verwendet, lässt sich aber auch bei Amazon (wo es in Mobi übersetzt wird) und allen anderen Anbietern hochladen. Wer nicht über Tolino Media veröffentlichen will und .doc-Formate generieren kann, kann sich den folgenden Teil sparen und gleich zum Cover springen. Allerdings klappt die Umsetzung von .doc nicht immer richtig, man muss sich nach dem Hochladen auf jeden Fall noch einmal auf dem Endgerät ansehen und notfalls per Hand nachjustieren.

Zum Konvertieren braucht man ein Textverarbeitungsprogramm, das in ePub konvertieren kann. Word-User sind hier leider gekniffen, denn Word kann das nicht. Es gibt im Netz aber kostenlose Konverter mit denen sich das erledigen lässt.
Für Open Office, Libre Office und Apache Office gibt es ein Ad-on, das innerhalb von 5 Minuten herunterladen und installieren installiert ist. Danach genügt ein Klick und man hat ein ePub. Selbstverständlich ist das Ad-on (genauso wie die Open-Officeprogramme selbst) kostenlos.
Auch mit Programmen wie Scrivener und Papyrus Autor lassen sich ePubs erzeugen.

Das fertige ePub kann man mit dem Validator von idpf auf Fehler testen. Ich empfehle trotzdem, es vor dem Hochladen noch einmal auf dem Endgerät durchzusehen. Wie sich herausgestellt hat, werden nämlich z.B. Hyperlinks bei der Konvertierung gekappt. Der Validator zeigt aber trotzdem eine korrekte Umwandlung an.
Falls noch Änderungen nötig sind, kann man die Datei anschließend mit Sigil bearbeiten. Auch dieses Programm ist im Netz frei erhältlich. (An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Michaela von Textflash, die mich auf dieses Programm hingewiesen hat. Der Tipp ist unbezahlbar!)

3. Das Cover!

Fast hätte ich es vergessen, aber was ist ein Buch ohne Cover? Auch ein eBook braucht natürlich eins. Das übliche Format ist 1600 x 2200 Pixel, nur Apple hat mit 1400 x 1873 Pixel bzw. 1600 x 2400 Pixel abweichende Anforderungen.

Das Cover sollte eine anständige Auflösung haben und auch als Thumbnail und Graustufen gut aussehen. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, beauftragt einen Cover-Designer. Wer es etwas billiger will, kann sich nach pre-made Covern umsehen, in die nur noch der Name des Autors und der Buchtitel eingefügt werden.

Natürlich kann man es auch selber machen. Aber dann muss man sich bewusst sein, dass es vielleicht kein Geld, aber viel, viel Zeit kostet, ein ansprechendes Cover herzustellen. Wichtig ist dabei, ehrlich zu sich zu sein. Das Cover muss zum Genre passen und außerdem gibt es bestimmte Trends, die man kennen sollte. Trotzdem sollte sich das eigene Cover noch genug von anderen unterscheiden, um wiedererkennbar zu sein.
Wenn man sich selber um die Gestaltung kümmert, muss man auch darauf achten, nur Bilder, Grafiken und Schriftarten zu nutzen, die (auch) zu diesem Zweck freigegeben sind. Sonst drohen Urheberrechtsklagen. Frei nutzbare Bilder gibt es z.B. bei Pixabay.

Teilweise bieten auch die Selfpublishing-Plattformen Cover an. Das, was ich da gesehen habe, ist aber so grottig, dass man besser die Finger davon lässt.

4. Hochladen

road-sign-1280256_640Wenn der Text steht, konvertiert ist und man ein ansprechendes Cover gefunden hat, ist es schon fast geschafft. Jetzt muss das Buch nur noch hochgeladen werden.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann das Buch direkt bei den einzelnen Distributoren hochladen, also z. B. amazon/KDP, Kobo oder Tolino Media. Oder man geht über einen „Makler“ wie z. B. Neobooks oder bookrix. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Der Vorteil, direkt beim Distributor hochzuladen liegt vor allem bei der höheren Marge. Die „Makler“zahlen nämlich nur 70% vom Nettoerlös aus. Das klingt zunächst mal viel, weil man unwillkürlich an den Verkaufspreis denkt. Tatsächlich ist das gemeint, was nach Abzug der Mehrwertsteuer und der Marge des Distributors (also amazon/KDP, Kobo, Tolino …) übrig bleibt. Dieser Nettoerlös liegt bei einem eBook, das im Verkauf 0,99 € kostet, bei etwas unter 0,30 €. Von diesen 0,30 € behält der „Makler“ noch mal 30%.
Dafür hat man aber auch nur einen Ansprechpartner, muss das Buch nur einmal hochladen und hat oft noch eine Community dabei, die einen im besten Fall unterstützt.

Hat man sich einmal entschieden, muss man bei den Anbietern zuerst ein Nutzerkonto anlegen. Das ist nur bei amazon/KDP nervig, weil die auch noch Angaben nach dem amerikanischen Steuerrecht abfragen. Dort auf jeden Fall ankreuzen, dass man nicht in den USA veranlagt wird! Hilfreich ist, die EC-Karte bereit zu halten, weil man in jedem Fall nach seiner Bankverbindung gefragt wird. Und wer hat schon seine IBAN und die BIC im Kopf?

Das Hochladen selber ist vollkommen unproblematisch. Die Formulare sind selbsterklärend. Einfach machen, was da steht. Wenn Interesse besteht, kann ich aber auch gerne noch darüber bloggen. In dem Fall schreib mir einfach einen Kommentar.

5. Fertig!

youth-570881_640Amazon braucht ein paar Stunden, um ein eBook in die Datenbanken zu laden. Bei der Tolino Allianz wird noch eine kursorische inhaltliche Prüfung vorgenommen. Falls keine Beanstandungen vorliegen, ist das Buch aber auch schon am nächsten Tag bei den meisten der angeschlossenen Händlern gelistet. Bei den „Maklern“ dauert es noch mal ein bisschen länger, weil es von dort erst an die Distributoren geliefert wird, die es wiederum an ihre Händler ausliefern.

Und das war’s auch schon. Danach kann man der Welt stolz verkünden, jetzt sein eigenes eBook veröffentlicht zu haben.

Verlag oder Selfpublishing?

Welcher ist euer Weg und wieso?

Um diese Autorenfrage von Jill Noll entspann sich letzte Woche eine spannende Diskussion auf Twitter. Die grundsätzlichen Pros und Contras sind bekannt und waren entsprechend schnell zusammengetragen. Fast erwartungsgemäß stellte sich heraus, dass die Vorzüge des einen, gleichzeitig die Nachteile des anderen sind.

Vorzüge des einen sind die Nachteile des anderen

  • Für den Verlag spricht natürlich, dass der Verlag das Lektorat und das Cover bezahlt (bei gedruckten Büchern auch den Satz), das Marketing übernimmt und einen Vorschuss zahlt. Ein weiterer Vorteil (bei Print) ist die erhöhte Sichtbarkeit, weil Bücher von Verlagsautoren leichter den Weg in die Buchhandlung finden.
    Für den Verlagsautor heißt das: Mehr Zeit zum Schreiben und kalkulierbare Einnahmen.
  • Für Selfpublishing sprechen vor allem die größeren Gestaltungsmöglichkeiten. Man kann Cover, Klappentext, Schriftart, Preis und Marketingmaßnahmen selber bestimmen. Auch beim Inhalt redet einem niemand rein. Außerdem bekommt man einen deutlich höheren Anteil vom Verkaufspreis und muss sich nicht mit Deadlines rumschlagen.
    Insgesamt genießt man als Selfpublisher deutlich mehr Freiheiten.

Auf die Details kommt es an

An dem Punkt hätte die Diskussion zuende sein können, tatsächlich nahm sie aber erst Fahrt auf, weil jetzt die persönlichen Erfahrungen mit ins Spiel kamen. Vieles, was bei Verlagsautoren als Vorteil gesehen wird, stimmt nämlich nur für die großen Publikumsverlage – und selbst da nur eingeschränkt.

Viel verdienen Autoren meist sowieso nicht. Egal ob SP o. Verlag. (Anja Kiel)

So ist ein Verlagsvertrag durchaus keine Garantie, in den Buchhandel zu kommen. Das liegt nicht unbedingt an den Verlagen, sondern am Buchhandel selbst. Der oft beschworene kleine Buchhändler um die Ecke ist nicht notwendigerweise ein Hort der Kultur oder Reservat für besondere Bücher, sondern meist nur Umschlagsplatz für Schnelldreher. Das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern entspricht auch der des Seitenstraßen Verlags, der sie in mehreren Blogbeiträgen geschildert hat (auch die Kommentare sind interessant).
Auch optimales Marketing ist bei einem Verlagsvertrag nicht garantiert. Die großen Publikumsverlage investieren vor allem in die voraussichtlichen Bestseller. Was als „Füllstoff“ ins Programm aufgenommen wird, bekommt oft nur einen Platz in der Vorschau und vielleicht noch eine Autorenseite. Wenn der Autor mehr will, muss er sich selber kümmern. Damit tritt in gewisser Weise eine selbsterfüllende Prophezeiung in Kraft: Der Verlag erwartet wenig und investiert deshalb wenig. Dadurch ist die Sichtbarkeit gering und das Buch hat wenig Chancen wahrgenommen und gekauft zu werden. Die Folge: Es macht nur wenig Umsatz und fliegt nach 2 Jahren aus dem Programm.
Der Autor ist damit doppelt gekniffen: Er verdient wenig, denn natürlich richten sich die Vorschüsse nach den Verkaufserwartungen. Je weniger Umsatz der Verlag von einem Buch erwartet, desto geringer fällt der Vorschuss für den Autor aus. Außerdem hat er einen Flopp produziert; der Verlag wird daher auch in Zukunft wenig von ihm erwarten und sich wenig für ihn einsetzen.

Auf der anderen Seite sieht es beim Selfpublishing keineswegs besser aus. Das erste große Problem des Selfpublishers ist, überhaupt wahrgenommen zu werden.

Beim SP absolutes Con: Marketing, weil oft das Netzwerk/Zeit fehlt (Bianca Fuchs)

Mit gedruckten Büchern hat man immerhin noch Chancen auf ungewöhnliche Vertriebswege. So hat z. B. Nele Neuhaus ihre ersten Bücher auch über die Fleischfabrik ihres Mannes verkauft. Bei eBooks ist man ganz und gar auf die Listen der Online-Buchläden angewiesen, wo das eigene Buch eines von tausenden ist. Die Chance, als Neueinsteiger wahrgenommen zu werden ist Null, so lange man kein Marketing macht.
Für Marketing braucht man aber Ideen, ein Netzwerk und Zeit – oder Geld. Mit Geld lassen sich Werbekampagnen bezahlen. Aber die wenigsten Selfpublisher haben genug Geld, das zu bezahlen. Also muss man sich selber kümmern. Empfohlen wird, ungefähr 50% der vorhandenen Schreibzeit auf das Marketing zu verwenden.
Geld ist ohnehin so eine Sache: So lange man nichts verkauft, kommt auch nichts rein. Da nützt auch der höhere Anteil am Buchverkaufspreis nichts. Nun sind Selfpublisher in vielen Fällen Idealisten, denen es nicht nur ums Geld geht.

Wir schreiben ja nicht nur des Geldes wegen… (Andreas Hagemann, Autor der Xerubian Serie)

Trotzdem sollen sie professionell auftreten. Der Markt fordert ein ansprechendes Cover, Lektorat, Korrektorat … Alles Dinge, die auch bezahlt werden wollen, wenn man sie extern von Profis erledigen lässt. Auch das Geld muss man erst mal haben.
Aber als Selfpublisher ist man ja frei und kann natürlich auch beschließen, Covergestaltung, Lektorat und Korrektorat selber zu machen. Das kostet lediglich Zeit. Viel Zeit, um genau zu sein. Ob man es genauso gut macht, wie ein Profi, ist stark von den individuellen Fähigkeiten abhängig.
Man muss sich aber bewusst sein, dass jeder Fehler auf einen selbst zurückfällt. Als Self-Publisher wird man besonders misstrauisch beäugt: Ein Rechtschreibfehler im Manuskript? Ja, klar, Selfpublishing eben. Bei einem Verlagsautor sagt das niemand. Nicht über den Autor und nicht über den Verlag.

So, und nun?

Trotz der Nachteile beim Selfpublishing denke ich, dass meine Entscheidung richtig war. Für mich ist der entscheidende Vorteil als Selfpublisher die größere Freiheit bei den Inhalten und den Formaten.

Mit anderen Worten: Mit Kurzgeschichten brauche ich mich gar nicht erst bei einem Verlag zu bewerben. Schon gar nicht mit Fantasy-Kurzgeschichten. Anders als im englischsprachigen Raum, haben Kurzgeschichten in Deutschland keine eigenständige Tradition. Bestenfalls traut sich mal ein Verlag, eine Anthologie herauszubringen. Aber auch das sind wenig geschätzte Nischenprodukte.
Aus Gesprächen mit Lesern weiß ich aber, dass sie durchaus „Geschichten für zwischendurch“ zu schätzen wüssten. Insofern sehe ich da durchaus eine Marktlücke. Nicht im Print, aber als eBook. Beim Print wären die Produktionskosten schlicht zu hoch.
Dass ich damit nicht reich werde, ist mir klar. Für viel mehr, als 0,99 € kann ich für die Geschichten nicht verkaufen. Davon kommen weniger als 0,30 € bei mir an. 0,19 € behält der Staat, den Rest der Handel.
Genauso ist mir klar, dass ich nie einen Bestseller landen werde. Das Projekt wird, wenn überhaupt, langfristig funktionieren. Meine Hoffnung ist, mir durch regelmäßige Veröffentlichungen und virales Marketing auf Dauer einen Leserkreis aufzubauen, der nach und nach auch die älteren Geschichten liest. Dementsprechend produziere ich im Moment aber eher quick and dirty. Wenn das Projekt ins Rollen kommt, werde ich in zuerst in ein professionelleres Cover und später vielleicht auch in Korrektorat und Lektorat (in dieser Reihenfolge) investieren.

 

Fallstricke beim Selfpub

– Oder: Was ich bei der Veröffentlichung von „Steppenbrand“ gelernt habe

1. Überlege dir, was du erzählst und wann

Version1.2 kleinEine goldene Regel beim Marketing lautet, möglichst früh und möglichst oft über das eigene Produkt zu sprechen, wann immer möglich. Allerdings diskret, sonst wirkt es aufdringlich. Am besten – so der Ratschlag – man erzählt Anekdoten drumherum. Zum Beispiel über den Entstehungsprozess.

Daran habe ich mich gehalten, indem ich ganz viel darüber geschrieben habe, das ich in „Steppenbrand“ ein Glossar einbauen und mit dem Text verlinken will.
Rückblickend keine gute Idee. Das heißt, die Idee an sich (in einem eBook bestimmte Textstellen mit dem Glossar zu verlinken) ist schon gut. Es war nur keine gute Idee, darüber zu schreiben, weil die Umsetzung nicht funktioniert hat. Technisch ist das Ganze machbar. Es funktioniert in beiden Textverarbeitungsprogrammen, die ich nutze. Es funktioniert in HTML. Ich hatte sogar schon ein eBook auf dem Reader, das solche Links hatte. Aber bei der Konvertierung von „Steppenbrand“ ins ePub-Format wurden diese Links regelmäßig zerschossen. Aus OpenOffice heraus wurden sie gar nicht mehr erkannt; aus Papyrus Autor heraus wurden sie zwar angezeigt, funktionierten aber nicht.
Mit anderen Worten: Weil ich vorher so viel darüber geschrieben habe, was ich vorhabe und wie ich das umsetzen will, stehe ich jetzt gefühlt ziemlich doof da. Ist wahrscheinlich kein ganz gravierender Fehler, aber zumindest ärgerlich.

Für mich ist die Konsequenz, wenn ich mir auf einem Gebiet nicht sicher bin, lieber zuerst mal nichts darüber zu schreiben. Woran man gescheitert ist, kann man auch nachher noch erzählen, aber dann hat man keine falschen Erwartungen geweckt.

2. Links wären schön, aber …

In dem Artikel dazu, was ins eBook gehört und was man noch alles beifügen kann, hatte ich u. a. vorgeschlagen auch auf schon vorhandene Publikationen zu verweisen.

road-sign-1280256_640Das habe ich bei „Steppenbrand“ getan, natürlich mit Verweis auf die Bezugsquellen. Ich hätte sie auch gerne verlinkt – nur besteht da das gleiche Problem, wie bei textinternen Links: Beides wird bei der Konvertierung zerschossen.
Das ließe sich zwar vermutlich beheben, wenn man ein bisschen am CSS schraubt und die Befehle in xHTML korrigiert, aber ganz ehrlich? Wenn ich sage, dass ich eBooks schreibe, meine ich damit Geschichten. Keinen Code. Und irgendwie erwarte ich auch, dass ein Textverarbeitungsprogramm wie Papyrus das packt. Bei Open Office bin ich etwas nachsichtiger, weil das kostenlos ist – aber wenn ich für etwas zahle, erwarte ich auch, dass es funktioniert. Papyrus wirbt damit, dass es in alle gängigen Formate übersetzen kann – dann sollte die Übersetzung auch insgesamt klappen und nicht nur in Teilbereichen.

Ok, aber das Fazit ist trotzdem: Links wären schön, sind aber im Moment zu viel Aufwand.

3. Nicht alle Distributoren mögen alle Inhalte

Nachdem ich „Steppenbrand“ hochgeladen hatte, bekam ich eine freundliche Mail von Tolino Media, weil ich mich an meine eigenen Vorschläge gehalten und Bezugsquellen für den ersten Band des „Codex Aureus“ genannt hatte. Ich möge doch bitte verstehen, dass sie Verweise auf Mitbewerber nicht gerne sähen.
Ok, das kann ich sogar nachvollziehen, auch wenn Amazon das Problem nicht zu haben scheint. Dort ist das Buch nämlich schon gelistet. Aber Amazon scheinen die Inhalte ohnehin egal zu sein (siehe dazu die unten verlinkten Artikel).

In der Konsequenz werde ich in Zukunft eine spezielle Tolino-Variante erstellen, in der Amazon nicht erwähnt wird. Ich wünschte nur, alle Probleme ließen sich so leicht lösen.


Heise online: Betrüger fluten Kindle Unlimited
SZ: Betrüger kassieren auf Amazon mit Nonsense-E-Books ab