Schöne Bescherung bei Clue Writing

Heute ist zwar erst der dritte Advent, aber bei Clue Writing gibt es ab 18:00 Uhr trotzdem schon eine schöne Bescherung.

Schöne Bescherung lautet nämlich der Titel der Gaststory, die ich nach den von Rahel und Sarah vorgegebenen Clues verfasst habe. Herausgekommen ist eine fast klassische Weihnachtsgeschichte. Aber eben nur fast. Als Soundtrack empfehle ich Don’t Pay The Ferryman von Chris de Burgh.

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Dieter on Tour  –  Bildquelle: Open Cliparts via Pixabay

Und um den Service perfekt zu machen, hier der Direktlink.

Viel Spaß beim Lesen!

Schöne Bescherung bei Clue Writing

Habe ich schon erzählt, dass diesen Dezember gleich zwei Geschichten von mir erscheinen? Rahel und Sarah von Clue Writing hatten angefragt, ob ich Lust hätte, eine Gaststory zu schreiben. Natürlich hatte ich.

Die erste Idee war von einer Dryade zu erzählen, der man ihren Lieblingsbaum „geklaut“ hat. Aber da als Setting ein Schlitten vorgegeben war, ist eine fast klassische Weihnachtsgeschichte entstanden, mit Weihnachtsmann, Schlitten, Rentieren und Geschenken. Schöne Bescherung heißt sie und wer mich ein bisschen kennt, ahnt jetzt vermutlich, dass das durchaus doppeldeutig gemeint ist.

Schöne Bescherung erscheint am 11.12.2016 bei Clue Writing.

Viel Spaß beim Lesen!

Die Dryade, der Schlitten und die Geister – drei Geschichten im Werden

Nach ganz vielen Artikeln über alles Mögliche mal wieder einen in eigener Sache. Schließlich ist das Blog auch eine Art Arbeitstagebuch oder soll zumindest ein paar Einblicke in meine Arbeitsweise und einen Überblick über die aktuellen Projekte geben.

Aktuell arbeite ich an einer Weihnachtsgeschichte. Es geht darin um eine ziemlich besitzergreifende Dryade und ein verhängnisvolles Versprechen. Die Idee überfiel mich kurz nachdem Sarah und Rahel von Clue Writing angefragt hatte, ob ich Lust hätte als Gastautorin einen Beitrag für sie zu verfassen. Der einzige Haken ist, dass sie so gar nicht zum von Rahel und Sarah vorgegebenen Setting passt. Die beiden möchten als Ort des Geschehens nämlich gerne einen Schlitten und da spielt die Dryade nicht mit.

Dafür passt sie viel besser in mein Veröffentlichungskonzept als die Geschichte, die ich eigentlich um Weihnachten rum veröffentlichen wollte. Eigentlich wollte ich dann nämlich eine weitere Geschichte aus der Welt der Khon veröffentlichen. Und weil Weihnachten bekanntlich das Fest der Liebe ist, sollte es eine Liebesgeschichte werden. Wunderschön und herzzerreißend traurig. Dafür kitschfrei. Versprochen!
Aber die Geschichte mit der Dryade spielt nicht nur in der Gegenwart und in der Vorweihnachtszeit, sondern es geht auch um einen Weihnachtsbaum. Was passt wohl besser zu Weihnachten?

Also werde ich zwei Weihnachtsgeschichten schreiben. Mindestens. Vielleicht noch etwas ganz kurzes als Draufgabe, wenn die Dryade zu kurz werden sollte.

Außerdem muss noch eine andere Geschichte endlich umgeschrieben und überarbeitet werden, damit sie Anfang Oktober fertig ist. Passend zur Jahreszeit und zu dem dann bald wieder anstehenden Halloween wird das eine Geistergeschichte. Sie hat, wie schon Steppenbrand wieder einen männlichen Protagonisten, aber auch eine starke Frau in der Nebenrolle. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Setting und Plot sind vollkommen. Die Handlung entführt ins europäische Frühmittelalter und in die Berge. Unter anderen treten auf: ein alter Einsiedler, eine schöne Frau und eine außergewöhnlich kluge Ziege.

Von Glück und Geistern

Bei der 4. Cluewriting Challenge habe ich mit meiner Kurzgeschichte „Der Kinobesuch der alten Dame“ ein Buchpaket aus dem Verlag die Waage gewonnen! 500 Geistergeschichten von Pu Sung-Lin in 5 Bänden. In Leinen gebunden und mit Holzschnitten.

Buchpaket
Das ist das Buchpaket (das Bild ist ein Screenshot von der Seite mit den ausgelobten Gewinnen http://www.cluewriting.de/downloads/events/preise_cwc4.pdf)

Ich bin so unglaublich überglücklich! So schöne Bücher, so viel zu lesen!

Ganz, ganz herzlichen Dank an Rahel und Sarah von Cluewriting und an den Verlag die Waage, der diese grandiosen Bücher (und noch andere) als Gewinn zur Verfügung gestellt hat.

Brainstorming für die 4. Clue Writing Challenge

Rahel und Sarah von Clue Writing haben es wieder getan: Sie haben einer Challenge aufgerufen. Dieses Mal sind aber keine Worte vorgegeben, sondern Titel:

Erste Titelvorgabe: Biedermann und die Brandmelder
Zweite Titelvogabe: Der Kinobesuch der alten Dame

Bis zum 29. Juli ist jetzt Zeit, eine Kurzgeschichte (oder mehrere) zu einem der beiden Titel (oder auch zu beiden) zu verfassen und hochzuladen.
Dieses Mal gibt es sogar etwas zu gewinnen. Die Sieger werden mit Buchpaketen aus dem Waage-Verlag belohnt – aber auch alle anderen dürfen sich auf ein Buch als Belohnung freuen.

Aber nicht nur deshalb freue ich mich auf’s Mitmachen, sondern auch, weil es schon beim letzten Mal einen Riesenspaß gemacht hat.
Mir sind zum Kinobesuch der alten Dame spontan ein paar Ideen gekommen, die ich gerade auf ihre Tauglichkeit abklopfe. Mit der Vorlage haben sie allerdings nur sehr entfernt zu tun. Sehr entfernt. So 2 – 3 Lichtjahre. Aber wie es aussieht, wird es einen Todesfall geben.

Alte Geister – ein Beitrag für die Blogparade auf cluewriting.de

Endlich ist er fertig, der schon lange angekündigte Beitrag für die Blogparade auf Clue Writing. Als Clues waren vorgegeben: Flügel, Schaf, Enthusiasmus, Teppichboden, Gewürznelke, als Setting ein Wohnblock.

Genau genommen ist die folgende Kurzgeschichte ein gekürzter Ausschnitt einer deutlich längeren Geschichte. Aber die Regeln sehen nun mal eine Beschränkung auf maximal 1700 Worte inklusive Titel vor und ich denke, dass dieser Ausschnitt auch ganz gut für sich alleine steht.
Jetzt aber genug der Vorreden, urteilt selbst:

 

Alte Geister

Aus reinem Unwissen war der Wohnblock genau über dem alten Friedhof gebaut worden. Als mit dem Bau begonnen wurde, war seine Lage längst ebenso vergessen, wie der Name der Siedlung, zu der er gehört hatte. Geblieben waren nur die Geister der Toten.

Zu den ersten Mietern gehörte Henriette Lehmann, die diesen Namen aber nur auf ihren Briefkasten schrieb. An den Türklingeln stand Mme. Voilève und in kleinerer Schrift darunter: Hellseherin. Nicht, dass Henriette an solche Spökenkiekerei glaubte. Aber ihre Kunden taten es.
Mme. Voilève erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen. Sie trug lange Kleider mit weitschwingenden Röcken, klirrenden Silberschmuck, üppiges Make-up und einen Turban, der die kurzen Haare verbarg. Das Wohnzimmer ließ sich mit wenigen Handgriffen in den Salon einer Hellseherin verwandeln. Die Anregungen dafür hatte Henriette sich von den zahlreichen Hobbyhexen im Internet geholt. Vor jeder Seance schloss sie die Samtportieren vor den Fenstern, stellte die den Elementen geweihten Altäre auf und zündete Kerzen und Weihrauch an. Der Tisch verschwand unter einer Spitzendecke, Sessel und Couch unter einer Extraschicht bunter Kissen. Ein Messingsamowar lieferte Heißwasser, falls der Kunde Tee- oder Kaffeesatz gelesen haben wollte. Kristallkugel, Runenplättchen und Tarotkarten lagen, in Seidentücher gewickelt, auf einem Beistelltischchen bereit. Während der Sitzungen stand die Wohnzimmertür einen Spalt breit auf, damit die beiden Katzen, der schwarze Baal und die dreifarbige Bastet, nach Belieben kommen und gehen konnten.
Ihren Kunden gefiel die Atmosphäre. Viele kamen regelmäßig, aber auch die, denen eine Beratung reichte, zollten ihr überwiegend Anerkennung und empfahlen sie weiter.
Henriette sah darin die Bestätigung für ein erfolgreiches Geschäftskonzept. Sie glaubte lediglich an Psychologie. Ganz ohne Para.

Daher lächelte sie nur, als ihre Nachbarin eines Morgens halb im Scherz erzählte, sie habe den Eindruck, in ihrer Wohnung spuke es. »Ich bin mir sicher, dass ich die Schlüssel an den Haken gehängt habe. Das tue ich immer.«
»Und wo waren sie?«
»Im Kühlschrank! Können Sie sich das vorstellen?«
Henriette konnte. »Wahrscheinlich hatten Sie sie noch in der Hand, als Sie vom Einkaufen zurückgekommen sind, und haben sie versehentlich zusammen mit den Einkäufen hineingetan.«
Die Nachbarin gab zu, dass das eine Erklärung sein könne, klang aber nicht überzeugt. Geister waren vermutlich leichter zu akzeptieren, als die eigene Schusseligkeit, dachte Henriette, während sie ihre Wohnungstür aufschloss. Sie war in Eile. Der erste Termin war bereits in einer halben Stunde.

Nachdem sie sich in Mme. Voilève verwandelt hatte, stöckelte sie in die Küche, um Wasser für den Samowar zu holen. Die Tür zum Wohnzimmer stand einen Spalt offen und augenblicklich befiel Henriette eine Vorahnung, die nichts mit Parapsychologie zu tun hatte. Sie holte tief Luft und stieß die Tür ganz auf. Das Bild, das sich ihr bot, übertraf die schlimmsten Erwartungen. Der große Kerzenleuchter vom Altar an der Ostwand war umgestoßen. Die Bruchstücke der Kerzen lagen zwischen Runensteinen und Weihrauchkrümeln auf dem Teppichboden. Zum Glück stand das Räucherbecken noch. Am Rand ihres Blickfelds nahm Henriette eine Bewegung wahr. Etwas streifte ihre Beine, wie ein kühler Luftzug.
»Du kleines Miststück!«, rief sie der Katze hinterher. »Musstest du ausgerechnet jetzt …«
Aber zu mehr war keine Zeit. Hastig goss sie das Wasser in den Samowar, klaubte die Runensteine und die größeren Kerzenstücke auf, warf die Steine auf den Tisch und die kaputten Kerzen in den Mülleimer in der Küche, griff sich ein paar Gewürze und den Tischstaubsauger, lief ins Wohnzimmer zurück, streute die Gewürze auf das Räucherbecken, saugte die Weihrauch- und Kerzenkrümel zusammen, schloss die Vorhänge, steckte neue Kerzen in den Leuchter und zündete sie an. Sie war gerade fertig, als es klingelte.

Nachdem der Kunde gegangen war, verwandelte Mme. Voilève sich in Henriette zurück, riss die Flügel des Fensters auf und lüftete gründlich. Das Wohnzimmer ganz aufzuräumen wäre unsinnig, weil sie noch zwei weitere Kunden erwartete. Aber der intensive Geruch nach Zimt, Gewürznelke, Sternanis und Salbei bereitete ihr Kopfschmerzen. Besser, sie besorgte schnell neues Räucherwerk, aus der Großbuchhandlung am Neumarkt. Bevor sie die Wohnung verließ, schloss sie das Fenster und vergewisserte sich, dass keine der beiden Katzen im Raum war, bevor sie die Wohnzimmertür hinter sich schloss.
Vermutlich hätte ich auch noch abschließen sollen, dachte sie, als sie bereits an der Kasse stand. Für den Fall, dass eine der Katzen es gelernt hatte, die Tür zu öffnen. Gehört hatte sie davon schon.

Um so dankbarer registrierte sie bei ihrer Rückkehr, dass die Wohnzimmertür immer noch geschlossen war. Trotzdem konnte sie dem Drang nicht widerstehen, hineinzusehen. Der Anblick traf sie, wie ein Schlag in die Magengrube. Das Deck Tarotkarten lag auf dem Boden. Aufgefächert. Mit der Rückseite nach oben. So, wie sie es vor ihren Kunden ausbreitete, bevor sie diese aufforderte, drei Karten zu ziehen. Aber was Henriette wirklich aus der Fassung brachte, war, dass drei Karten bereits umgedreht davor lagen: Hohepriesterin, Eremit und Stern.
»Was zum Teufel?!«
Mit zwei schnellen Schritten war sie im Raum, raffte die Karten zusammen und legte sie auf den Tisch zurück. Fast ängstlich sah sie sich noch einmal um. Nichts sonst war verändert.
Sie zwang sich, zu ihrer Routine zurückzukehren, das Räucherbecken aufzufüllen, die Kohlen anzuzünden und Weihrauch darüber zu streuen. Halb erwartete sie, im Rauch Gestalten zu sehen, aber nichts geschah. Gut. Ihr Herzschlag beruhigte sich allmählich. Sie ging in die Küche und kochte frischen Tee. Als sie die Kanne und neue Tassen ins Wohnzimmer trug, lag der Kartenstapel genau dort, wo sie ihn abgelegt hatte. Sie bedachte ihn mit einem misstrauischen Blick, ging aber schließlich doch ins Bad. Es war höchste Zeit, wieder Mme. Voilève zu werden.

Ihre Routine rettete sie über die Sitzungen. Beide Kunden gingen sehr zufrieden, obwohl Henriette die ganze Zeit die drei Karten vor sich sah. Hohepriesterin. Eremit. Stern. Als ob jemand sie so hingelegt hatte. Als ob ihr jemand etwas sagen wollte.
»Jetzt wirst du schon selber zu so einem abergläubischen Schaf«, schimpfte sie, während sie die Katzen fütterte. »Bestimmt gibt es eine rationale Erklärung.«
Das Dumme war nur, dass ihr keine rationalere Erklärung einfiel, als dass jemand die Karten dahin gelegt hatte, um ihr etwas zu sagen. Dass an diesem Abend ausgerechnet »Ghost – Nachricht von Sam« im Fernsehen lief, machte die Sache nicht besser.

Schließlich gab sie entnervt auf, holte einen Bogen Backpapier, breitete ihn auf dem Wohnzimmertisch aus und schrieb in großen Lettern alle Buchstaben des Alphabets darauf. Als Nächstes holte sie ein Glas, stellte es umgedreht in die Mitte des Papiers und legte die Spitzen von beiden Zeige- und Mittelfingern darauf.
»Gut, machen wir eine Séance. Eine ganz einfache Séance!«, rief sie und kam sich gleichzeitig unglaublich dämlich vor. »Wer oder was auch immer du bist – jetzt kannst du sagen, was du zu sagen hast.«
Das Glas ruckte. Henriette riss die Augen auf. Sie musste sich zwingen, ruhig sitzen zu bleiben. Als habe es ihr Widerstreben gespürt, blieb das Glas einen Moment stehen, bevor es sich wieder in Bewegung setzte. Zuerst nur langsam, wie um sicherzugehen, dass ihre Finger folgten, dann nahm es Fahrt auf, blieb kurz auf dem S stehen und glitt weiter zum E. Henriette buchstabierte halblaut mit: »R – V – U – S.«
Das Glas hielt inne.
»Servus?« Henriette kicherte nervös. »Bist du Bayer?«
Das Glas setzte sich wieder in Bewegung.
»Kimber«, buchstabierte Henriette. Was war das denn? »Und was willst du?«
»HILFUNS«
Henriette brauchte einen Moment, bis sie begriff, dass das ›Hilf uns‹ heißen sollte. Na, das konnte ja heiter werden. Trotzdem fragte sie: »Und wie?«
»NIMMDENSTEIN«
»Verdammt noch eins«, schrie Henriette frustriert. »Geht’s nicht ein bisschen klarer? Welchen verdammten Stein denn nun wieder?«
Diesmal rutschte das Glas eine ganze Weile hin und her, so schnell, dass Henriette Mühe hatte, sich die einzelnen Buchstaben zu merken. Als es endlich innehielt, schüttelte sie den Kopf und sagte: »Sorry Leute, aber darauf brauche ich erstmal einen Schnaps.«

Sie ging in die Küche und kippte Glas Vodka auf ex. Die Flasche nahm sie sie mit ins Wohnzimmer. Dieses Mal brauchte sie das Glas auf dem Tisch nicht einmal zu berühren. Kaum hatte sie sich gesetzt, glitt es von alleine über das Papier. »PROST«
»Danke«, murmelte Henriette und nahm noch einen Schluck, diesmal direkt aus der Flasche. »Ihr habt also den Stein der Weisen.«
»JA«
»Ihr solltet ihn vernichten, und weil ihr das nicht getan habt, müsst ihr spuken.«
»JA«
»Ok.« Sie nahm noch einen Schluck und gleich darauf noch einen. Das Zeug brannte wie Hölle und genau das brauchte sie jetzt. Immerhin zeigte das Brennen, dass sie nicht träumte, oder? »Und ihr sucht jemanden, der euch den Stein und die Aufgabe abnimmt.«
»JA«
Henriette nickte. Wenn man akzeptierte, dass es Geister und einen Stein der Weisen gab, wurde die Geschichte beinahe logisch. »Und spukt ihr schon lange?«
»SEHR«
Sie nickte wieder und genehmigte sich noch einen Schluck. »Muss öde sein.«
»JA« Das Glas verharrte einen Moment, dann setzte es sich wieder in Bewegung. »WIRWOLLENRUHEFRIEDENSCHLAF«
»Kann ich verstehen.«
»BITTEHILF«
»Ja, aber wie denn?«
Das Glas setzte sich wieder in Bewegung. Henriette brauchte ein bisschen, um zu begreifen, aber offenbar musste man nur ein bisschen graben. Das sollte kein Problem sein.
»Und ihr seid sicher, dass er noch da ist. Könnte doch sein, dass nach all den Jahren … Nicht, dass da jetzt auch ein Haus drauf steht oder so?« Sie merkte, dass ihre Aussprache ein bisschen verwaschen klang. Kein Wunder, es war ja auch schon spät. Fast Mitternacht. Zeit, dass sie ins Bett kam.
»Ja, er ist noch da und zugänglich. Bitte hilf!«, erklang eine Stimme direkt in ihrem Kopf. Eine Männerstimme. Dunkel. Schmeichelnd.»Er war nie auf dem Friedhof, sondern im heiligen Hain. Das schien uns angemessen und es gibt ihn immer noch. Mittendrin liegt ein See mit einer Insel.«
»Der Park«, murmelte Henriette und stand schwankend auf.
»Auf der Insel haben wir damals die Götter angerufen«, fuhr die Stimme fort. »Dort, wo einst der Altar war, steht heute eine Eiche. Sehr alt jetzt, aber damals war sie nur ein Sprössling. Dort liegt der Stein.«
»Na gut, dann woll’n ma mal. Ich hol nur eben ’ne Schaufel.«, sagte sie ohne Enthusiasmus. Aber manche Dinge mussten eben getan werden, und wie es aussah, war sie die Einzige, die hier etwas tun konnte.

Wie kommst du auf deine Ideen?

Mal wieder eine der Fragen aus dem Autorenfragenbingo und zwar eine, die sich nicht so leicht beantworten lässt. Jedenfalls nicht so, dass man daraus eine handwerkliche Regel für Kreativtechniken ableiten könnte.

Grob gesagt: Einige fliegen mir zu, andere kommen wenn man sie lockt.
Allerdings klappt das auch mit dem Zufliegen nicht, weil ich so furchtbar viel Phantasie und ganz viele tolle Einfälle habe, sondern ist meist als Nebenprodukt von irgendwas anderem und manchmal gar nicht so erwünscht. Zum Beispiel hat mich die Grundidee für die vor kurzem fertig gewordene Vampirgeschichte angefallen, als ich am Hauptfriedhof vorbeigefahren bin. Alle Einfälle zur konkreten Handlung kamen während des Schreibens.
Oder um ein Beispiel für eine herausgelockte Geschichte zu nehmen: Die Kurzgeschichte, an der ich gerade schreibe, entsteht im Rahmen eines Clue Writing Projekts. Es sind ein paar Schlüsselwörter und ein Setting vorgegeben. Genre und Stil sind frei. Da ich Fantasy schreibe, war klar, dass es eine Fantasy-Geschichte werden soll. Also habe ich mich hingesetzt und überlegt, was in dem Setting möglich wäre. So kurz vor Weihnachten boten sich natürlich Engel, Weihnachtsmänner, Feen, Wichtel usw. an und mir war sehr schnell klar, dass ich über all das NICHT schreiben wollte. Dafür hatte ich (wahrscheinlich noch von der Vampirgeschichte inspiriert) ganz schnell einen ersten Satz, der das Setting klar machte: „Der Wohnblock war genau auf dem alten Friedhof erbaut worden.“ Das provoziert die Frage nach den Auswirkungen und dem möglichen „Personal“. Nachdem ich mich auf Geister festgelegt hatte, brauchte ich einen Grund für’s Geistern und einen Gegenspieler und so kam eins zum anderen.

Zusammenfassend kann man vielleicht sagen: Im günstigsten Fall springt mich die Grundidee an, aber der Rest ist Nachdenken.

aktuelles Projekt: Geistergeschichte

Nachdem die leicht durchgeknallte Vampirgeschichte fertig ist, schreibe ich jetzt an einem Beitrag für die Blogparade bei Clue Writing. Die Vorgabe für das Setting ist ein Wohnblock, die Schlüsselwörter lauten Flügel, Schaf, Enthusiasmus, Teppichboden und Gewürznelke.

Da ich Fantasy schreibe, wird es natürlich übernatürlich: Eine Wahrsagerin, die nicht an Geister glaubt, wird von eben diesen heimgesucht.

Das einzige Problem wird (mal wieder) die Textlänge. Vorgegeben sind 870 bis maximal 1.700 Worte. Da heißt es am Ende wieder kürzen, kürzen und noch mal kürzen.