#CharactersofSeptember (Tag 16) – Serainas Freunde

Die Challenge #CharactersofSeptember lässt Charaktere aus Büchern oder Filmen zu Wort kommen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns, die sich den Fragen stellt.

Nike: „Hallo Seraina, nachdem wir uns über deine Herkunft und deine Familie unterhalten haben, geht es heute um Freunde. Hast du einen besten Freund oder eine beste Freundin?“

Seraina: „Ich hatte im Leben genau eine Freundin. Jedenfalls nachdem ich mit Corvin durchgebrannt bin.“

Nike: „Hulda?“

Seraina: „Ja, Hulda. Natürlich hatten wir unsere Differenzen, besonders, wenn es um Pirmin ging. Aber trotzdem …“

Nike: „Du hast sie in einem unserer Gespräche als „so etwas wie eine Schwester“ bezeichnet. Als jüngere nehme ich an. Hulda war schließlich sehr viel jünger als du.“

Seraina: „Sie hätte die Tochter sein können, die ich nie gehabt habe. Aber unsere Beziehung war nicht so. Schwester trifft es eher.“

Nike: „Kannst du sie näher beschreiben? Hulda, meine ich.“

Seraina: „Sie war sehr schön. Das ist das, was natürlich als erstes ins Auge sprang: ihre Schönheit. Sie war zierlich wie eine Fee, dazu die blonden Haare, die blauen Augen und dieser Mund … Ihre Lippen waren wie reife Kirschen. Die Männer sind ihr natürlich nachgelaufen und sie hat es ausgenutzt. Aber das war nur ihre eine Seite. Sie war auch witzig, schlagfertig und sie hatte ein großes Herz! Alles, was sie hatte, hat sie mit uns geteilt, und wenn sie gesehen hat, dass jemand noch schlechter dran war, hat sie geholfen, als hätte sie ein Haus und Kisten voller Silber.
Weißt du, wie sie zu ihren tanzenden Hunden gekommen ist? Das war nämlich so, dass ein Bauer die ersaufen wollte. Aber Hulda hat sie ihm abgekauft. Pirmin hat sie dafür grün und blau geprügelt, weil es doch unser aller Geld war. Hulda hat geweint und gebettelt und ihn am Ende überredet, dass sie sie behalten darf. Und die Hunde haben es ihr gedankt. Sie haben immer getan, was Hulda wollte, ganz als wüssten sie, dass sie ihnen zweimal das Leben gerettet hat.“


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#CharactersofSeptember (Tag 9) – Seraina über ihrer Äußeres

Characters of September gibt einem fiktiven Charakter die Chance, sich selber vorzustellen. Bei mir kommt Seraina zu Wort, einer der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina, heute kommt die vorletzte der persönlichen Fragen und zwar zu deinem Körper. Was daran magst du? Und was nicht?“

Seraina: „Mein Körper? Ich habe nie über meinen Körper nachgedacht, bevor er anfing zu verfallen.“

Nike: „Also erst nach deinem Tod?“

Seraina: „Nein! Als ich alt wurde. Als ich merkte, dass mir die Blicke der Männer nicht mehr folgten und das Geld weniger wurde, das sie mir gaben. Als meine Knochen morgens zu schmerzen und die Gelenke zu knacken begannen. Als mir der erste Zahn ausfiel. Das meine ich mit Verfall.“

Nike: „Ich bin irritiert. Die meisten Frauen, die ich kenne, sind in irgendeiner Form auf Äußerlichkeiten fixiert – und sei es negativ. Da kommen dann so Sätze wie: „Meine Augen sind schon ganz ok, aber diese Nase … Und die Haare erst!“ Das ist bei dir gar nicht? Wie kommt das?“

Seraina (lacht): „An meinen Haaren hatte ich nie etwas auszusetzen – abgesehen davon, dass sie so dicht und dick sind, dass sie sich schwer kämmen lassen. Aber was soll ich über meine Augen sagen? Oder über meine Nase? Die habe ich nie gesehen. Nicht richtig jedenfalls.“

Nike: „Ich glaube, das musst du erklären.“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe, waren Spiegel Luxus. Etwas für die ganz Reichen. Ich habe mein Gesicht allenfalls flüchtig vom Grund eines Bechers gesehen. Aber weißt du, wie schwer es ist, sich in der Neige im Becher zu sehen? Nein, mein Spiegel waren immer die Blicke anderer Menschen. Als ich noch jung war, haben sie mir gesagt, dass ich hübsch bin. Später habe ich aus ihnen den gleichen Verfall gelesen, den ich in den Knochen gespürt habe.“

Nike: „Eine letzte Frage noch: Mochtest du deinen Körper?“

Seraina: „Mögen? Er gehörte zu mir und habe mich wohl darin gefühlt – meistens. Wenn es mir gut ging mehr, wenn ich Schmerzen hatte, weniger. Heute vermisse ich manchmal das Gefühl, einen zu haben. Also werde ich ihn wohl gemocht haben.“


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#CharactersofSeptember (Tag 6) – Seraina verrät ihre Stärken und Schwächen

In der Challenge #CharactersofSeptember geht darum, einen fiktiven Charakter näher vorzustellen. Ich habe mich für Seraina entschieden, einen der drei Geister aus Der Fluch des Spielmanns. Einer der Gründe ist, dass ihr Tod vor rund 1.200 Jahren den Anstoß für diese Geschichte gab.
Durch Characters of September habe ich die Chance, sie im Interview näher vorzustellen.

Nike: „Hallo Seraina und danke noch einmal, dass du dir die Zeit nimmst, die Fragen der Challenge zu beantworten. Heute geht es um deine Stärken und Schwächen. Was meinst du, ist bei dir der am stärksten ausgeprägten Charakterzug?“

Seraina: „Sei gegrüßt Nike. Das hatten wir doch schon alles, oder? Dass ich nüchtern bin, pragmatisch, Realistin durch und durch. Was sollte das anderes bedeuten, als dass mir das verträumt, verklärt Schwärmerische vollkommen abgeht? Da hast du meine Antwort.“

Nike: „War das immer so?“

Seraina: „Natürlich nicht. Lass es mich so sagen: Man muss schon ein Fisch mit einem Herz aus Stein sein, wenn man mit 15 weder Träume hat, noch für etwas schwärmt. Aber ihnen mit 25 noch nachzuhängen … Wirklich, solchen Leuten fehlt der Verstand!“


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#CharactersofSeptember (Tag 5) – Wie Seraina von anderen gesehen wird

Seraina ist einer der drei Geister, die in „Der Fluch des Spielmanns“ dem Erzähler, Corvin, nachstellen. Sie ist natürlich ein fiktiver Charakter. Aber gleichzeitig auch sehr real, denn ihre Gebeine wurden vor einigen Jahren zufällig an einer einsam gelegenen Stelle in den Schweizer Alpen entdeckt. Ihr Fund hat mich zu der Geschichte inspiriert.
Daher ist es nur gerechtfertigt, Seraina im Rahmen der Challenge #CharactersOfSeptember selbst zu Wort kommen zu lassen.

Nike: „Hallo Seraina, gestern haben wir über dein Selbstbild gesprochen. Du siehst dich als nüchternen und pragmatischen Menschen.“

Seraina: „Ja. Ist irgendetwas daran auszusetzen?“

Nike: „Nein, überhaupt nicht. Ich fand es sehr bemerkenswert, wie schnell und überlegt du gehandelt hast, um deinen Freunden zu helfen. Aber heute soll es um das Fremdbild gehen, also darum, wie andere dich sehen.“

Seraina (zuckt mit den Schultern): „Was sollen sie schon sehen? Eine eine joculatrix ohne familia. Ein altes Weib, noch dazu, hager, ausgezehrt …“

Nike: „Du bist wie alt? Vierzig?“

Seraina: „Achtundreißig. Schwer zu glauben, für eine, wie dich, was? Aber ich will dir was sagen: Das Leben auf der Straße ist hart. Da setzt man kein Fett an. Man behält es auch nicht. Früher haben die Leute durchaus nicht nur auf die Bälle gestarrt, die ich in die Luft werfe, glaub mir! Aber heute … wenn ich nicht jongliere, dann bin ich den meisten keinen zweiten Blick wert. Ach, was sag ich: Nicht mal den ersten. Erst recht nicht, wenn eine, wie Hulda zu haben ist, womit ich nichts gegen Hulda sagen will! Sie hat nur getan, was jede von uns tut. Versucht, zu überleben. Und wir hatten ja alle Nutzen davon.“

Nike: „Hulda ist ein gutes Stichwort. Du hast angesprochen, wie die Leute in den Dörfern und Städten dich sehen – aber Freunde, wie Hulda hatten doch vermutlich ein anderes Bild, oder? Nicht so oberflächlich.“

Seraina: „Sie haben mich gebraucht. Und ich habe sie gebraucht. Wir waren aufeinander angewiesen, denn wir hatten ja sonst niemanden als einander. Als Gruppe waren wir brauchbar. Alleine wäre jeder von uns vor die Hunde gegangen. Auch Hulda, trotz ihrer Schönheit. Nicht einmal Pirmin mit seiner wunderbaren Stimme.“

Nike: „Das ist alles, was sie in dir gesehen haben – und du in ihnen? Schicksalsgefährten?Eine Krücke, um nicht zu straucheln?“

Seraina: „Das ist so wenig nicht, wenn man sonst nichts hat. Aber du hast recht. Da war mehr. Zwischen mir und Corvin auf jeden Fall, auch wenn ich zuletzt nicht mehr daran geglaubt habe. Aber als ich seien Blick sah, als ich mir die Haare abschnitt … Da wusste ich, dass wir trotz allem noch zusammengehören. Und ich habe recht behalten, oder? Ich hätte ihm dafür so gerne verziehen!
Aber wir kommen ganz von deiner Frage ab. Du wolltest ja wissen, wie die anderen mich gesehen haben. Für Hulda war ich so etwas wie eine ältere Schwester. Sie ist oft zu mir gekommen, wenn es Zores gab. Hat mich um Rat gefragt – auch als sie dann schwanger wurde und es weghaben wollte. Es hat nicht ganz geklappt, aber sie war mir deshalb nicht böse, sondern weiter so freundlich, wie immer.
Nur Pirmin … Für ihn war ich genau das, was alle die satten Bauern und Städter auch in mir gesehen haben: eine hässliche alte Vettel. Noch dazu eine, die knappst und knaust und jeden Brotkanten aufhebt. Er hat sich so oft beschwert, dass ich keinen Spaß verstehe und anderen auch keinen gönne.“


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#CharactersofSeptember (Tag 4) – Serainas Bild von sich selbst

Seraina ist einer der Geister, die in der Geschichte „Der Fluch des Spielmanns“ den Spielmann Corvin verfolgen. In der Challenge CharactersofSeptember gebe ich ihr die Gelegenheit, sich im Interview näher vorzustellen.

Nike: „Hallo Seraina, schön dich hierzuhaben. Heute geht es um das Bild, das du von dir selber hast. Wie siehst du dich.“

Seraina zuckt mit den Schultern, verzieht das Gesicht, schüttelt den Kopf und zuckt erneut mit den Schultern, bevor sie zögernd zu sprechen beginnt: „Wie ich mich sehe? Die Frage ist so allgemein … Wer soll darauf eine sinnvolle Antwort geben?“

Nike: „Ok, ich formuliere die Frage anders: Was macht dich aus?“

Seraina: „Ich bin ich. Was gibt es da groß zu erzählen? Ich bin genau, was ich zu sein scheine: Eine joculatrix – eine Gauklerin, wie ihr sagen würdet.“

Nike: „Du jonglierst und unterhältst die Menschen mit deiner Kunst. Machst du das gerne?“

Seraina: „Es hilft zu überleben, oder? Und Kunst würde ich es nicht nennen.“

Nike: „Gut, dann eben Artistik. Aber ich weiß, dass du ziemlich gut darin bist.“

Seraina: „Wenn gut bedeutet, dass mir lange nichts runtergefallen ist, ja.“

Nike: „Gibt es sonst irgendwelche Attribute, mit denen du dich beschreiben würdest?“

Seraina: „Aufrichtig. Jedenfalls in dem Sinn, dass ich zu dem stehe, was ich gesagt oder getan habe. Loyal. Pragmatisch. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das vielleicht sogar meine ausgeprägteste Eigenschaft.“

Nike: „Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.“

Seraina: „Keine Ursache. Es ist nicht, als hätte ich zur Zeit besonders viel zu tun.“


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#CharactersofSeptember (Tag 3) – Serainas Humor

Bei der Challenge #CharactersofSeptember geht es darum, einen fiktiven Charakter näher vorzustellen. Ich habe mich für Seraina aus Der Fluch des Spielmanns entschieden.

Nike: „Hallo Seraina! Schön, dass du wieder da bist. Heute geht es um Humor. Genauer gesagt, um die Frage, was dich zum Lachen bringt.“

Seraina: „Sei gegrüßt. Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich ehrlich sein soll, kann ich gar nicht so genau sagen, warum ich zuletzt so richtig von Herzen gelacht habe. Es ist mit den Jahren seltener geworden. Auf dem Fest habe ich mich natürlich amüsiert. Das war schön! Das Essen, das gute Bier, die Gesichter der Leute …
Ich weiß, dass ich gelacht habe. Ich kann mich sogar noch an das Gefühl erinnern. Aber worüber wir gelacht haben – das kann ich gar nicht mehr sagen.“

Nike: „Und sonst? Gibt es irgendeinen Witz, den du besonders magst?“

Seraina: „Corvin mit seinem Pisspott! Ich meine, ich kenne die Geschichte inzwischen in und auswendig. Er zeigt sie ja fast jedes Mal. Aber das ist witzig! Und die Gesichter der Leute, wenn er sich das Ding über den Kopf stülpt. Da muss ich mich jedes Mal beherrschen, nicht laut zu lachen. Danke, dass du mich daran erinnert hast!“

Nike: „Ich danke dir Seraina!“


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#Charactersofseptember – Interview mit Seraina (Tag 2):

Nike: „Hallo Seraina und noch mal danke, dass du dich bereit erklärt hast, mehr von dir zu verraten. Gestern habe ich dich bereits kurz vorgestellt, ab heute hast du das Wort und kannst selbst erzählen.
Bist du ein ein positiver oder ein eher negativer Mensch?“

Seraina: „Zunächst mal Danke!, dass du mich ausgewählt hast. Aber zu deiner Frage: Ich würde mich weder als das eine noch als das andere beschreiben. Ich bin realistisch. Das Leben hat seine Schattenseiten, es ist gefährlich und hart. Gerade für Leute, wie mich …“

Nike: „Entschuldige, wenn ich dich unterbreche, aber mit ‚Leute, wie mich‘, meinst du Spielleute, oder?“

Seraina: „Spielleute, Fahrende, Vogelfreie – alle ohne familia. Menschen brauchen nun mal die Gemeinschaft. Es ist nicht gut, allein zu sein, keinen Platz zu haben, an den man gehört. Für Frauen ist es noch schwieriger. Nur auf uns selbst gestellt, sind wir schwach und jeder Willkür ausgeliefert.“

Nike: „Das heißt, du rechnest eigentlich immer mit dem Schlimmsten?“

Seraina: „Ja und nein. Denn sieh mal, das Leben hat auch schöne Momente. Wunderschöne Momente, in denen du innerlich zerfließen willst. Der Anlass ist oft so klein. Ein einem Lächeln von jemandem, den du magst. Das Glitzern von Tau in der Sonne. Die Süße von Honig auf der Zunge oder ein besonders gewürztes Essen. Solche Momente sind wie unerwartete Geschenke.“

Nike: „Das klingt nun wieder sehr positiv.“

Seraina: „Diese Momente sind ja auch wunderbar. Sie sind wie wertvolle Juwelen, die man im Herzen sammeln muss. Aber es wäre ein Fehler, zu erwarten, dass sie sich wiederholen, verstehst du? Nur, weil ich den einen Tag einen vollen Magen habe, heißt das nicht, dass ich auch die nächsten Tage gut essen werde. Man darf nicht zu viel erwarten vom Leben. Dann wird man auch nicht enttäuscht. Aber man darf auch nicht verzweifeln, denn Verzweiflung ist schlimmer als Hunger. Sogar schlimmer als der Tod.“

Nike: „Gut, danke dir. Morgen sprechen wir dann darüber, was dich zum Lachen bringt.“

Seraina: „Sehr gerne. Du hast nicht zufällig noch etwas Brot über?“


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Neue Challenge #CharactersofSeptember: Seraina

Für September ist eine Challenge ausgerufen, die ich sehr spannend finde. Es geht darum, einen fiktiven Charakter näher vorzustellen. Spannend ist es, weil die Fragen es durchaus in sich haben.

Ich habe eine Weile mit mir gerungen, welchen Charakter ich vorstellen soll. Spontan ist mir Dejasir no’Sonak aus Steppenbrand eingefallen. Vielleicht, weil ich das Buch gerade als Print herausgebracht habe, vielleicht aber auch, weil er immer noch so etwas, wie mein Lieblingsschurke ist.
Aber über Steppenbrand habe ich schon so viel erzählt und immer der gleiche Charakter ist auch langweilig.
Als nächstes habe ich an Silke gedacht, meine neueste Protagonistin. Sehr badass. Über sie ließe sich auch einiges erzählen. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto weniger gefiel mir die Idee. Silke darf ihre Geheimnisse also noch eine Weile behalten.

Statt dessen also Seraina. Sie ist einer der Geister aus „Der Fluch des Spielmanns“. Damit ist sie formal zwar nur eine der Nebenfiguren – aber sie gibt der Geschichte eine entscheidende Wendung.
Außerdem war ihr (realer) Tod Anlass, dass diese Geschichte überhaupt entstanden ist. Seraina hat es nämlich wirklich gegeben. Ihre Knochen wurden vor einigen Jahren zufällig bei Bauarbeiten entdeckt. „Der Fluch des Spielmanns“ rekonstruiert eine Möglichkeit, wie sie dort hingekommen sind.


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[Werkstattgeplauder] Starke Frauen

„Schreib doch mal über starke Frauen“ hieß es neulich auf Twitter, als ich darüber klagte, mal wieder bloggen zu müssen, aber kein Thema zu haben. Interessanter Weise kam der Vorschlag von einem Mann. Andererseits ist das vielleicht sogar sehr nachvollziehbar, denn eins ist sicher: Die Forderung nach starken Frauencharakteren ist universell. Im Bereich historischer Roman war es (wenigstens zeitweilig, wie es aktuell aussieht, weiß ich nicht) die Voraussetzung für einen Verlagsvertrag, dass wenigstens eine wichtige Nebenrolle mit einer „starken Frau“ besetzt wird. Noch besser die Hauptfigur, natürlich. Nicht umsonst beginnen so viele Buchtitel mit dem Artikel „die“.

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Quelle: Pexels via Pixabay

Was aber ist nun die ominöse „starke Frau“? Wenn ich mir die Frauencharaktere in historischen Romane ansehe, gehen die Meinung der Verlage und meine eigene Auffassung in diesem Punkt sehr weit auseinander.
Guckt man sich die mit „starke Frau“ beworbenen Bücher näher an, ist nach Meinung der Verlage anscheinend essenziell, dass besagte Frau:

  1. unverschuldet in eine Notlage gerät, zu Unrecht verfolgt wird, gegen ihren Willen verheiratet werden soll – aber in jedem Fall sehr unter den gegebenen Verhältnissen leidet,
  2. viele schlimme Dinge durchmachen muss, bis sie
  3. am Ende des Buchs mit ihrem Herzallerliebsten (wieder)vereint ist.

Nach Möglichkeit hat besagte Frau auch noch eine besondere Gabe, die sie aus der Masse hervorhebt (gern genommen sind heilende Hände, seherische oder andere paranormale Fähigkeiten), die ihr aber missgönnt werden, so dass sie bei Nachbarn, Kirche und Obrigkeit gleichermaßen verhasst ist, obwohl sie ihre Kräfte doch nur für das Gute, Schöne und Wahre einsetzt.

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Bildquelle: darksouls1 via pixabay

Eigentlich hat dieser Charakter alles, was es braucht, um „stark“ zu sein: eine rebellische Grundhaltung, teilweise sogar ein konkretes Ziel wie „Die Pilgerin“, die das Herz ihres verstorbenen Vaters in Santiago de Compostela beerdigen will, dazu noch spezielle Fähigkeiten … Was will man also mehr?
Das Problem bei all‘ diesen Damen ist, dass sie trotz ihrer rebellischen Grundhaltung, ihrer Ziele und tollen Fähigkeiten nicht aktiv handeln, sondern sich so lange herumschubsen lassen, bis sie jemand kommt, der sie rettet. Jeder Versuch, das aus eigener Kraft zu schaffen, endet unweigerlich damit, dass alles noch schlimmer wird.*
Was einem hier als „starke Frauen“ verkauft wird, ist damit in Wahrheit ein Etikettenschwindel. Tatsächlich gehören diese Charaktere zum Typus der verfolgten Unschuld oder, um den vielleicht bekannteren Begriff zu nehmen, der Damsel in Distress. Dieser Typus zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass gerade die Leidensfähigkeit der „Heldin“ belohnt wird.

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Quelle: 5arah via pixabay

Nun kann man einwenden, das Mittelalter, die frühe Neuzeit oder meinetwegen auch das Neolitikum „sei eben so“ gewesen. Männer seien nun mal stärker und mächtiger gewesen und hätten das auch ausgenutzt, während Frauen zu allen Zeiten die armen, der Willkür ausgesetzten, unterdrückten Opfer gewesen seien.
Diese Behauptung hat einen gewissen Wahrheitsgehalt (auch, wenn wir über das Neolithikum nicht genug wissen, um dessen Größe beurteilen zu können). Aber das ist noch lange kein Grund, solche Geschichten mit ebendiesen Charakteren zu schreiben.
Das geht nicht? Aber sicher geht das!

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Quelle: FOTORC via pixabay

In Jane Austens Romanen gibt es nur eine einzige Protagonistin, die zum Typ der Damsel in Distress gehört – und das ist eine bitterböse Parodie (Northanger Abbey). Alle anderen Protagonistinnen gestalten ihr Leben selber – trotz aller Beschränkungen, die ihnen Stand und Zeit zumuten, zupackend und aktiv.
Das Gleiche gilt für Jane Eyre im gleichnamigen Roman von Charlotte Brontë. Obwohl als hochromantischer Schauerroman angelegt, kämpft die Protagonistin sehr aktiv für ihre Freiheit und Selbstbestimmung.
Oder gehen wir noch weiter zurück zum Nibelungenlied. Auch hier sind es Frauen, die die Story am Laufen halten. Allerdings wäre es unfair, den Konflikt allein auf den Machtkampf zwischen Brunhilde und Krimhild zu reduzieren. Hier spielen noch ganz andere Faktoren mit. Aber beide Frauen lassen die versammelten Männer (abgesehen von Hagen) blass aussehen.
Alle diese Geschichten haben trotz ihrer Verschiedenheit eins gemeinsam: Sie zeigen, dass es möglich ist, auch innerhalb der Grenzen, die eine Gesellschaft auferlegt, starke Charaktere zu enwickeln. Daher gibt es überhaupt keinen Grund, das heute nicht mehr zu tun. Noch weniger gibt es einen Grund, die Damsel in Distress als „starke Frau“ und Rolemodell für die Gegenwart zu verkaufen.

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Quelle: Pexels via pixabay

„Ok“, sagst du. „Aber was ist denn nun eine starke Frau? Wie schreibe ich einen starken Frauencharakter?“
Ganz ehrlich? Genau wie einen Mann. Mit Ecken, Kanten, Stärken und Schwächen, vor allem aber mit einem Ziel, für das sie alles gibt. Es ist nicht wichtig, ob dieses Ziel darin besteht, die Welt zu retten, die beste Nudelsuppe von Tokio zu kochen oder einen Mann für die beste Freundin zu finden. Wichtig ist, dass sie ihre Energie auf dieses Ziel ausrichtet und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln darum kämpft. Das können Tränen sein, Fäuste, Manipulation und Maschinenpistolen. Genau wie bei einem Mann.

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Quelle: StockSnap via pixabay

Damit meine ich durchaus nicht, dass die Ziele „männlich“ sein müssen. Rebellion gegen die vorgesehene Rolle ist kein Muss, sondern inzwischen fast Klischee.
Dieses Rebellions-Klischee ist natürlich Quatsch. Gerade ein adeliges Fräulein darf durchaus mit ihrem Leben rundum zufrieden sein. Trotzdem kann kann sie politische Intrigen schmieden und dadurch ein starker Charakter werden. Genauso könnte sie das Ziel haben, eine besondere Kostbarkeit in ihren Besitz zu bringen, um eine Konkurrentin auszustechen oder einem Gegner eins auszuwischen. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, den „starken Mann“ darüber zu definieren, dass er, obwohl zum Krieger bestimmt, unbedingt Sticken und Häkeln lernen will oder eine Arztkarriere sausen lässt, um von zuhause aus einen Etsy-Shop mit selbstgekochten Marmeladen zu betreiben. **
Eine starke Frau braucht auch keine Superkräfte oder besondere Gaben. Sie braucht nur das, was jeder gute Protagonist auch braucht: Zielstrebigkeit. Während sie ihre Ziele verfolgt, kann die starke Frau die Liebe ihres Lebens treffen oder verlieren. Sie kann am Ende gewinnen, auf dem Scheiterhaufen enden oder einsehen, dass sie totalen Mist gebaut hat. Hauptsache, sie zieht ihr Ding durch. Mit allen Konsequenzen.

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Quelle: StockSnap via pixabay

Tatsächlich ist es bei meinen Geschichten oft sogar zufällig, ob ein Charakter nun männlich oder weiblich wird. Beim Fluch des Spielmanns war die Geschlechterverteilung durch die Skelettfunde vorgegeben. Aber wenn Dryaden nicht grundsätzlich weiblich wären, könnte Velona aus O Tannenbaum genauso männlich sein, wie Dejasir aus Steppenbrand eine Frau hätte werden können. Er wäre dann vermutlich als Amazonenanführerin durchgegangen, was auch keinesfalls verkehrt gewesen wäre. So assoziieren die Leser eher Dschingis Khan und die goldene Horde.
Lediglich Silke (aus Biss zum letzten Akt) musste eine Frau werden. Das ist aber vor allem der Methodik ihres Vorgehens geschuldet. Als Mann hätte sie andere Möglichkeiten gehabt und genutzt.

Ich hoffe, es ist klar geworden, was ich unter einer „starken Frau“ verstehe. Jetzt du dran: Wie ist deine Sichtweise?


* Das ist übrigens ein Punkt, der auch auf viele Figuren in der Romantasy zutrifft und leider besonders im Bereich Young Adult und New Adult.

** Albern? Nein, überhaupt nicht. Das Beispiel zeigt nur, wie sehr „typisch männliche“ Tätigkeiten überhöht und „typisch weibliche“ marginalisiert werden. Für einen starken Charakter ist aber nicht ausschlaggebend, wie Außenstehende diese Tätigkeit beurteilen. Für ihn oder sie ist zunächst nur wichtig, was er/sie davon hält.


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Dieser Beitrag war mal wieder unglaublich schwer zu illustrieren. Zwar gibt es auf pixabay nahezu unendlich viele Bilder zum Stichwort „Frau“, aber kaum solche, auf denen Frauen nicht in Flüssen, Wiesen oder Wäldern rumliegen, verträumt in die Gegend starren und/oder signalisieren, dass sie dringend gefickt werden wollen.

[Werkstattgeplauder] Sexszenen schreiben

In meinen Büchern gibt es (bisher) eher wenige explizite Sexszenen. Nicht, weil meine Charaktere keinen Sex haben, aber weil ich die Szenen dramaturgisch nicht brauche. Im Prinzip ist es das Gleiche, wie bei anderen körperlichen Verrichtungen: Natürlich haben meine Charaktere Stuhlgang, aber deshalb muss ich nicht über jeden Klogang berichten.

Daher kann ich aktuell gar nicht so viel darüber berichten, wie ich Sexszenen angehe. Ich kann aber sagen, wie ich Sexszenen angehen würde. Nämlich so, wie es der Situation und den Charakteren angemessen ist.
Das ist sehr allgemein, sagst du? Stimmt. Aber bei mir hängt nun mal alles an den Charakteren. Wenn du konkrete Empfehlungen zum Schreiben einer Sexszene suchst, kann ich dir diesen Blogbeitrag von Tristan (auf Twitter auch bekannt als Desasterotik / @germanerotika) sehr ans Herz legen. Das ist so gut und ausführlich beschrieben, dass ich absolut nichts hinzuzufügen habe.