Preisgestaltung bei eBooks

Bruno E. Thyke alias @augenschelm hat einen sehr guten Beitrag zum Wert von eBooks und Geschichten geschrieben: 99 Cent für deine Geschichte.
Genauso hätte er seinen Beitrag mit „Und davon willst du leben?“ übertiteln können. Denn, machen wir uns nichts vor: Die wenigsten AutorInnen können allein vom Schreiben leben. Unter den SelfpublisherInnen sind es noch weniger. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, Raubbau an uns selber zu betreiben, indem wir uns und unsere Geschichten weit unter Wert verkaufen.

Aber warum sollte das so bleiben? Ein Buch zu schreiben ist harte Arbeit. Es fertigzustellen zeugt von Kreativität, Mut und Durchhaltewillen. Sollten wir nicht den gleichen Mut, die gleiche Kreativität und die gleiche Energie darein setzen, auch anständig bezahlt zu werden? Oder sind wir uns selber so wenig wert?

Evelyn de Morgan: The Worship of Mammon, Eigentum des De Morgan Centres London
Autorin beim verzweifelten Versuch, Geld für ihr eBook zu bekommen (Bildquelle: Wikimedia, Copyright: http://www.the-athenaeum.org/art/detail.php?ID=111065)
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[Rezension] Crossroads von Jürgen Albers

Huch, ein Krimi?

Zugegeben: Eigentlich war diese Rezension für ein anderes Blog gedacht, auf dem ich auch gelegentlich schreibe. Andererseits gibt es gute Gründe, Crossroads nicht dort, sondern hier zu besprechen. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich das Buch aber kurz vorstellen.

Klappentext

Sommer 1940: Für den erfahrenen Londoner Chief Inspektor scheinen die beschaulichen Kanalinseln keine Herausforderung bereit zu halten. Aber kurz bevor die deutsche Wehrmacht die Inseln besetzt, verliert eine schöne junge Frau ihr Leben.

Auf einer kleinen Insel, abgeschnitten und besetzt vom Feind, muss Norcott erkennen, dass er es mit mehr als einem Gegner zu tun hat. Die Welt scheint voller Masken und auch im hellen Sommersonnenschein bleibt die entscheidende Frage: Hinter welcher Maske steckt ein Freund, hinter welcher der Gegner?

Inhalt

Vom Aufbau her ist Crossroads ein klassischer Who-dunnit im Stil der Landhauskrimis. Ganz am Anfang steht der im Klappentext beschriebene Mord, am Ende die Aufklärung, dazwischen gibt es, wie in jedem guten Who-dunnit jede Menge Verdächtiger und falscher Fährten. Auf blutrünstige Details wird weitgehend verzichtet.
Das erste Opfer ist die lebenslustige Frau des örtlichen Bankdirektors, der deshalb auch schnell zum Hauptverdächtigen avanciert. Allerdings haben auch andere Inselbewohner sehr plausible Motive. Ihnen nachzugehen ist unter den gegebenen Umständen alles andere als einfach. Immerhin ist Krieg. Es wird erwartet, dass die Deutschen demnächst die Kanalinseln besetzen. Die Briten planen nicht, sie zu verteidigen – aber sie wollen es den Deutschen so schwer wie möglich machen und kappen daher jede Verbindung zur Hauptinsel. Damit sind auch die Ermittlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt.
Das ändert sich zwar ein wenig, als die Deutschen die Inseln besetzen, aber natürlich bringt die deutsche Besatzung auch neue Probleme. Inspektor Norcott ist auf die Kooperation mit den ungeliebten Deutschen genauso angewiesen, wie diese auf ihn.
Die Situation verschärft sich, als sich ein weiterer Mord ereignet. Wieder ist eine schöne junge Frau das Opfer und Inspektor Norcott muss sich fragen, ob er etwas übersehen hat.

Stil

Passend zum Sujet, ist der Stil eher zurückgenommen aber keinesfalls eintönig. Er passt zum Landleben, das zwar durch dramatische Ereignisse kurzfristig aufgewühlt wird, aber – zumindest bei oberflächlicher Betrachtung – bald in seinen ruhigen Fluss zurückfindet. Entsprechend sind auch die Figuren angelegt: Jede hat ihre Marotten und Eigenheiten, aber diese wirken nie schrill oder aufgesetzt. Vor allem gibt es kein klares gut-böse Schema. Dadurch erhöht sich einerseits die Glaubwürdigkeit der geschilderten Ereignisse, gleichzeitig gewinnen die Figuren eine gewisse Doppelbödigkeit, was wiederum die Spannung erhöht.

Leider wird der Erzählfluss an den Kapitelanfängen stark abgebremst, da diese zwar in der Erzählgegenwart beginnen, unmittelbar im Anschluss aber eine längerer Rückblende darauf folgt, was in der Zwischenzeit passiert ist. Das ist um so ärgerlicher, weil oft elegantere Lösungen möglich gewesen wären.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die durchgängige Verwendung der Amtsbezeichnung Chief Inspektor. Das liest sich wegen des deutsch-englisch-Mischmasches seltsam. Besser wäre es gewesen, beim Chief Inspector zu bleiben.

persönliche Wertung

Trotz der Kritik haben mir Geschichte und Erzählstil insgesamt gut gefallen. Allerdings muss ich zugeben, Crossroads  als Krimi eher mäßig zu finden. Auf mich wirkten die Ermittlungen nicht wie die Recherche eines erfahrenen Kriminalbeamten, sondern wie  Stochern im Nebel verbunden mit dem schon fast verzweifelten Festhalten an Hypothesen, die auch Norcott nur halbherzig glaubt.

Allerdings – und das ist auch der Grund, warum ich Crossroads hier im Blog rezensiere -ändert sich die Bewertung sofort, wenn man Crossroads nicht als Krimi, sondern als historischen Roman liest,  in dem nun mal ein Mord passiert.
Unter diesem Aspekt ist Crossroads tatsächlich hochspannend. Jürgen Albers hat hervorragende Recherchearbeit geleistet und bringt das auch rüber. Ich kenne keinen deutschsprachigen Autor, der diesen Teil des 2. Weltkriegs so intensiv beleuchtet – und dann noch aus britischer Perspektive. Jürgen Albers hat viel Zeit und Energie in die Recherche gesteckt und die Fakten zu einem detailreichen, lebendigen Bild zusammengefügt. Ob es nun die Probleme eines wegbrechenden Markts für Tomaten sind oder die Schwierigkeiten der Kommunikation: Ich habe sehr viel über diese Zeit im allgemeinen und über das Leben auf den Kanalinseln im Besonderen erfahren. Spannend fand ich auch die Entdeckung, dass das Hamburger Franzbrötchen möglicherweise auf einem französischen Kuchen beruht, der bei Inspektor Norcott großen Anklang findet. Aber das ist meine private Spekulation und hat mit der Handlung nur am Rande zu tun.
Sehr gut hat mir außerdem gefallen, dass die Charaktere zwar im Denken ihrer Zeit verhaftet sind, Jürgen Albers aber nicht der Versuchung eines Gut-Böse-Schemas erlegen ist. So sind die Deutschen zwar Gegner aber genauso wenig abgrundtief böse, wie die Engländer, Iren und Franzosen als übermäßig gut oder heldenhaft geschildert werden.
Wenn es an den Charakteren etwas zu meckern gibt, dann allenfalls bei den Frauen, die für mein Dafürhalten ein bisschen zu wenig Eigendynamik entwickeln. Damit meine ich nicht so sehr, dass sie sich im Wesentlichen auf Männer ausrichten – das mag der Zeit geschuldet sein. Wenn eine vorteilhafte Ehe und die Gründung einer Familie als höchstes Lebensziel propagiert werden, ist diese Haltung kein Wunder. Aber dass diese Frauen überhaupt keine positiven Beziehungen zu anderen Frauen haben, sei es zu Freundinnen, Schwestern, Müttern, Nachbarinnen, sondern praktisch ausschließlich in Beziehung zu männlichen Konterparts geschildert werden, das erstaunt dann doch. Eine rühmliche Ausnahme ist die französische Ärztin, die zwar nur ein Nebencharakter ist, aber auf sehr anrührende (und tragische) Weise eigenständig.

Fazit

Wer englische Landhauskrimis mag, wird vermutlich auch Crossroads trotz der gelegentlichen Schwächen gerne lesen. Besonders empfehlenswert ist das Buch aber für diejenigen, die endlich mal wieder einen gut recherchierten historischen Roman suchen. Als solchen kann ich Crossroads wirklich empfehlen!

Rezi Cover Crossroads (2)
Bildquelle: Eigene Aufnahme

 

„technische“ Daten:

Titel: Crossroads – Ein Inspektor Norcott-Roman
Autor: Jürgen Albers

Taschenbuch: 616 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform;
ISBN-10: 1545357617
ISBN-13: 978-1545357613

Juristische Fallstricke im Marketing

Auf voicerepublic gibt es bekanntlich viele spannende Vorträge. Darunter auch einen von Tilman Winterling, darüber, welche Inhalte im Blog oder auf Instagram als Werbung gekennzeichnet werden müssen. Tilman Winterling ist Jurist und der Gründer von 54 Books, kennt das Ganze also von beiden Seiten.

https://voicerepublic.com/talks/detox

Über vieles habe ich mir nie Gedanken gemacht, weil es so offensichtlich ist, dass z. B. meine Seiten zum Codex Aureus Werbung sind. Schließlich habe ich sie zu dem Zweck eingerichtet, dass man sich dort über meine Bücher informieren kann und hoffentlich anschließend so begeistert ist, dass man sie gleich lesen möchte. Um das zu ermöglichen gibt es dort alle möglichen Verkaufslinks.
Was sollte das anderes sein, als Werbung?
Aber jetzt weiß ich, dass gerade deshalb ein Hinweis rein muss, dass es tatsächlich welche ist. Na, dann. Ich muss wegen der DSGVO sowieso noch mal ran …

 

Raus aus der Kuschelecke

Marah Woolfe hat einen Brief von einer Buchhändlerin bekommen, in dem diese sich darüber empört, dass Marah Woolfe auf ihrer Seite für die Bestellmöglichkeit über Amazon wirbt.
Warum

ich das erwähne? Weil ich die Antwort auf Marahs Blog Wort für Wort unterschreibe und weil das Ganze thematisch zu dem Artikel „Was ich mir von Tolino wünsche“ passt, den ich vor ein paar Tagen veröffentlicht habe.

Sich zu überlegen, was seinen Laden, sein Geschäft zu etwas Besonderem macht, ist täglicher Alltag aller Selbständigen, Unternehmer, Gewerbetreibenden.

Warum der Bechdel-Test nicht alles ist

Der Bechdel-Test ist ein ziemlich einfaches Instrument, um den Status von Frauenrollen zu beurteilen. Er ist zuerst bei der Bewertung von Frauenrollen in Filmen herangezogen worden, funktioniert aber eigentlich überall. Die „Anwendung“ ist einfach: Man guckt, ob das betreffende Werk

  • mindestens zwei Frauenrollen aufweist (und die Frauen Namen haben),
  • beide Frauen miteinander sprechen
  • und es in diesem Gespräch nicht um einen Mann geht.

Sind alle Bedingungen erfüllt, ist der Test bestanden.

Das klingt auf Anhieb auch erst mal sehr plausibel. Wenn mindestens zwei Rollen mit Frauen besetzt sind und diese Frauen auch noch miteinander reden, spricht das dafür, dass Frauen mehr sind, als reine Staffage. Wenn sich das Gespräch dann auch noch um etwas anderes als um einen Mann dreht, haben wir Feminismus pur.

Oder?

Leider nein. Sonst wären Hanni und Nanni, Dolly, Bibi und Tina, und wie sie alle heißen, Ikonen der Frauenbewegung.
Aber zwei Frauen im Gespräch um Pferde oder die optimale Zubereitung eines Hühnersalats sind noch kein Feminismus. Sie sind noch nicht mal Zeichen von Selbständigkeit oder gar Gleichberechtigung.
Bei den genannten ist eher das Gegenteil der Fall, nur wird ihre Situation so behaglich rosa plüschig beschrieben, dass es kaum auffällt, wie konservativ und eng dieses Weltbild ist. Den Bechdel-Test bestehen sie trotzdem mit Bravour, weil der rein quantitativ misst.

Andererseits gibt es Bücher, die mit gleicher Bravour am Bechdel-Test scheitern, aber trotzdem empowern* können. Ein schönes Beispiel ist die Erzählung The Tent Peg von Aritha van Herk (in Deutschland unter den Titeln „Unter Männern“ und „Mackenzies Koch“ erschienen).
Die Geschichte spielt in einem Geologencamp in der kanadischen Wildnis. Aber im Grunde geht es vorwiegend um eins: Um J. L., die sich, als Mann verkleidet, als Koch in dieses Camp eingeschmuggelt hat. Es ist so ewig lange her, dass ich das Buch gelesen habe, dass ich nicht mal mehr erinnere, ob sie eine eigene Erzählperspektive hat. Aber sie kommt sehr ausgiebig zu Wort; sie ist ein unabhängiger Geist und viel interessanter als die Männer, die die Hauptperspektivträger sind. Das gibt der Geschichte einen ganz eigenen Reiz und ermutigt dazu, neue Dinge zu wagen.
Aber, wie gesagt: Es gibt keine zweite Frau in diesem Buch, und schon deshalb würde es beim Bechdel-Test durchfallen.

Ich stehe dem Bechdel-Test daher zwiespältig gegenüber. Einerseits finde ich ein möglichst differenziertes Personal in Büchern und Filmen wichtig, schon um Klischees zu vermeiden. Andererseits ist Quantität auch nicht alles und nicht jede Geschichte lässt sich mit jeder „Besetzung“ erzählen. The Tent Peg funktioniert gerade weil J. L. die einzige Frau in einer Gruppe von Hetero-Männern ist. Eine zweite Frau, ein Homosexueller in der Gruppe – und das Ganze ergäbe eine vollkommen andere Geschichte.

 


*Leider ist mir auch bei längerem Nachdenken kein gleichwertiger deutscher Begriff eingefallen.



Übrigens bestehen auch nicht alle meiner Bücher den Bechdel-Test.
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Steppenbrand würde scheitern, obwohl die Geschichte in einer Kultur spielt, in der Frauen eigentlich absolut gleichberechtigt sind. Aber genauso, wie bei The Tent Peg eine Frau im Zentrum der Handlung steht, ist es bei Steppenbrand ein Mann. Deshalb beziehen sich auch alle Gespräche in irgendeiner Form auf ihn.

Was ich mir von Tolino wünsche

Vor zwei Jahren noch, habe ich zu den Leuten gehört, die auf „echte Bücher“ geschworen haben. Print also. Weil sie so schön in der Hand liegen. Weil man Zettel reinstecken kann. Weil man sie im Regal vor Augen hat. Weil sie einfach hach sind.
Dann bekam ich einen Tolino und seitdem möchte ich eBooks nicht mehr missen. Weil sie keinen Platz im Koffer wegnehmen. Weil sie nichts wiegen. Weil sie nicht zerknittern. Weil sie bei jeder Beleuchtung lesbar sind. Weil man mit „suchen“ schnell und gezielt bestimmte Passagen findet. Kurz gesagt: Der Reader hat mein Verhältnis zum gedruckten Buch verändert.

Trotzdem gibt es da einige Dinge, die mich nerven. Gerade bei Tolino.

Es ist jetzt 10 Jahre her, dass Amazon den ersten Kindle auf den Markt gebracht hat. Trotzdem sind – so mein Eindruck – die einzigen, die eBooks für eine großartige Entwicklung halten, Selfpublisher, Plattformen wie neobooks und natürlich Amazon.
Die Selfpublisher, weil sie ihre Bücher dadurch schnell, kostengünstig und an den Verlagen vorbei auf den Markt bringen können. Neobooks, weil sie an den Selfpublishern verdienen und Amazon, weil sie an den Selfpublishern nicht nur verdienen, sondern die Selfpublisher und ihre eBooks außerdem das Kanonenfutter im Kampf gegen die Verlage sind.*

Aber obwohl diese Haltung nun seit einer ganzen Weile bekannt ist, fällt Verlagen und Buchhandel wenig mehr ein, als Plakete und Buy-local-Kampagnen. Immerhin hat man 2013, mit dem Tolino einen eigenen Reader auf den Markt gebracht, um Amazon wenigstens etwas entgegenzusetzen. Also rund 13 Jahre nach dem Kindle. Damit kann man die meisten eBooks jetzt auch total lokal beim örtlichen Buchhändler kaufen. Trotzdem bleibt das eBook für Verlage und Handel noch so etwas, wie der ungeliebte Bastard; das etwas anrüchige Produkt eines Fehltritts, der sich zum Leidwesen aller nicht totschweigen lässt. Die mangelnde Begeisterung schlägt sich leider auch bei der Funktionalität des Tolino nieder.

Noch mal als Erinnerung: Ich finde den Tolino toll. Er ist technisch super, dabei aber deutlich leichter als der Kindle und sehr angenehm in der Bedienung.

https://pixabay.com/de/ebook-buch-aufladekabel-2467267/
Bildquelle: Myriams-Fotos via pixabay

Was mich nervt, ist die lieblose Art, in der dort Bücher präsentiert werden.
Der Startbildschirm begrüßt mich zwar mit Namen, hat aber nichts mit meinen Lesevorlieben zu tun. Statt dessen werden dort Bestseller gelistet, quer über alle Genres verteilt. Die Chance, nichts zu finden, ist da schon sehr groß.
Aber auch, wenn ich mich ins Menü klicke in die Kategorie Fantasy und Science Fiction gucke, stehen Bestseller wieder als erste Auswahlmöglichkeit ganz oben. Es folgen Neuheiten, Top-Vorbesteller und Top-Autoren und dann, fast verschämt am Ende: Fantasy, Science Fiction, Vampirromane. Bei Krimis (bzw. Krimis, Thriller, Horror, wie die Kategorie vollständig heißt) sieht es nicht viel anders aus. Nur tauchen dort „Gratis Krimis“ in den oberen Rängen auf und Anthologien sind offenbar eine eigene Gattung. Ansonsten gibt es die Subgenres Historischer Krimi, Horror und Kulinarische Krimis.
Mehr Subgenre gibt es nicht.  Ein bisschen dürftig, wenn ich gerade nach einer Steampunk Autorin suche, deren Name mir nur leider entfallen ist. Das liegt auch nicht an dem Shop, an dem mein Tolino hängt, sondern ist bei allen Online-Buchhandlungen gleich schlecht : Die Aufteilung ist unübersichtlich, fantasielos und offenkundig mehr am Umsatz als am Interesse des konkreten Kunden orientiert. Amazon ist da durchaus keine Ausnahme.

Allerdings macht Amazon ein paar Dinge besser. Zum Beispiel, indem es mich zum „Stöbern“ einlädt und mir dabei Bücher vorstellt, die denen ähneln, die ich mir angesehen, gekauft oder auf meinen Wunschzettel geschrieben habe. Dadurch stoße ich tatsächlich immer wieder auf Bücher, die mich interessieren.
Von den Tolino-Buchhandlungen bietet nur Thalia persönliche Empfehlungen. Alle anderen bieten allen Kunden den gleichen Einheitsbrei. Im Zeitalter von Digitalisierung und Big Data wirkt das nicht nur rückständig sondern beinahe snobistisch. Als sei es das Problem des Kunden, ob er etwas findet. Das Problem eines Kunden, dessen Geld man zwar nimmt, wenn er es denn unbedingt ausgeben will, auf das man aber nicht angewiesen ist.

Vielleicht ist dieser Eindruck ja gar nicht so falsch. Vielleicht verfolgt die mangelnde Struktur des Angebots und das Fehlen von Kundenorientierung ja ein Ziel. Vielleicht glaubt man tatsächlich, Kunden würden, wenn sie nicht finden, was sie suchen, in die Filiale gehen, um dort zu kaufen. Dafür sprächen die unübersehbaren (weil viel Platz einnehmenden) Hinweise auf die Filialen auf manchen Seiten.
Allerdings ist der Wunsch naiv. Wer online einkauft, tut das in der Regel, weil der Einkauf im Internet bequemer ist. Deshalb geht er auch nicht in die Filiale, wenn ihn das Angebot im Online-Shop nicht interessiert, sondern zur Konkurrenz. Also im Zweifel zu Amazon.

Dass ich 2018 so etwas in einem Blogartikel schreiben muss, weil ich das Gefühl habe, dass manche Unternehmen da draußen immer noch nach Zielen ausgerichtet werden, die schon in den 1990ern überholt waren, lässt mich schaudern.
Man hatte 20 Jahre Zeit, die Konkurrenz zu beobachten und von ihren Erfolgen und Fehlern zu lernen. Was dabei herausgekommen ist, ist ein schlecht gemachter Abklatsch. Ja, es gibt einen gemeinsamen Reader, ein gemeinsames Format. Aber da hört die Gemeinsamkeit schon auf. Die Mitglieder der Tolino-Allianz haben es nicht mal geschafft, ihre Verkäufe nicht etwa über ein gemeinsames Portal abwickeln.
Das heißt aber auch: Es gibt keine Plattform, auf dem man Bücherbewertungen teilt. Oder Autorenportraits.
Dabei hat das ganz praktische Auswirkungen: So hat z. B. der Roman „Das Lavendelzimmer“ bei Thalia 78 Bewertungen, bei der Meyerschen nur 5 und bei Osiander gar keine. Je nachdem, wo ich mich gerade befinde, wird mir als Kunde das Buch daher mehr oder weniger attraktiv erscheinen – aber in jedem Fall unattraktiver als bei Amazon, wo es auf über 300 Rezensionen kommt, weil Amazon die Bewertung für alle Formate einbezieht, während die o. g. Buchhandlungen z. T. nicht einmal das hinbekommen.

Wohin geht ein Kunde also wohl? Dorthin, wo er sich nur mühsam zurecht findet und wo ihm Informationen allenfalls häppchenweise präsentiert werden? Oder da hin, wo er zum Stöbern eingeladen wird und wo er das Gefühl hat, man kümmert sich um seine Interessen?

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Symbolbild: Was will der Kunde? Bildquelle: Pixabay

Ok, das war eine rhetorische Frage.

Außerdem hatte ich den Artikel anders überschrieben. Das oben ist eigentlich nur die Vorrede, damit die Unternehmen der Tolino-Allianz erkennen, vielleicht erkennen, wie ihr System auf Kunden wirkt (ich habe manchmal das Gefühl, Kunden kommen in dem Kosmos nicht vor).

Was ich mir also als Kunde wünsche:

  1. Ernst genommen zu werden. Das bedeutet nicht nur, mit Namen angesprochen zu werden, sondern vor allem, dass die Daten, die ich dort lasse (und erzählt mir nicht, dass sie nicht gespeichert und verarbeitet werden) auch dafür genutzt werden, mir den Aufenthalt auf der Seite so angenehm wie möglich zu machen.
    Das bedeutet

    • mich nicht mit Einheitskontent zu überschwemmen, sondern mir maßgeschneiderte Angebote zu machen, die sowohl auf meinem Kauf-, Lese- und Stöberverhalten als auch auf den Metadaten der Bücher beruht. Dafür ist nicht mal ein Abgleich mit dem Kauf- und/oder Leseverhalten anderer erforderlich.
    • die Seitengestaltung übersichtlich und die Navigation einfach, wie möglich.
    • Bücher mindestens nach Genres und Subgenres zu sortieren.
    • Eine Stichwortsuche zuzulassen.
  2. Eine gemeinsame Plattform über die ich eBooks herunterladen kann und auf der ich alle Informationen zu Buch und Autor bekomme. Als ich den Reader gekauft habe, war zwar ein Online-Händler vorinstalliert, aber ich kaufe da ohnehin nur selten, weil das Angebot dort besonders unübersichtlich ist. Eine solche Plattform hätte für mich als Kundin den Vorteil, dass ich mich schnell und umfassend über Buch, Bewertungen und Autor informieren könnte. Sie hätte außerdem den Vorteil, dass sie von Buchbloggern als Affiliate-Link eingebunden werden könnte und damit den Umsatz der Teilnehmer insgesamt erhöhen würde (kein Buchblogger bindet für das gleiche Buch Links von 5 verschiedenen Buchshops ein, der übliche Link geht zum großen A). Trotzdem ist es technisch problemlos umsetzbar, vorrangig über den Shop einzukaufen, der auf dem Reader vorinstalliert ist.
  3. Dass eBooks endlich als „normale Bücher“ gesehen und mit entsprechender Wertschätzung behandelt und verkauft werden. An einem Buch zählt nicht in erster Linie der Duft oder die Haptik. Wenn das so wäre, zöge ich einen Handschmeichler aus Zitronen- oder Zedernhölz allemal vor. Bei Büchern zählt der Inhalt. Und der ist der Gleiche, ob sie nun rascheln oder nicht.

 


  • Von Jeff Bezos wird der Spruch kolportiert “that Amazon should approach these small publishers the way a cheetah would pursue a sickly gazelle.”

Triff mich auf der Leipziger Buchmesse

Nicht mal mehr zwei Wochen bis zur Leipziger Buchmesse! Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und nun ist es höchste Zeit, anzukündigen, wofür.

Dass ich auf der Buchmesse sein würde, hatte ich ja schon längst geschrieben. Ich werde am Nornenstand (Halle 2 J303) die Neuauflage von Steppenbrand und die gerade erschienene Taschenbuchausgabe von Biss zum letzten Akt präsentieren. Beide Bücher wird es dort auch zu gewinnen geben.
Selbstverständlich werde ich den Stand auch mitbetreuen. Falls sich nichts ändert, sind meine „Dienstzeiten“ am Donnerstag den 15.03 von 12:00 bis 14:00 Uhr und am Sonntag von 16:00 bis zum Schluss um 18:00. Aber auch sonst werde ich mich oft dort herumtreiben.

Außerdem werde ich bei zwei Talkrunden mitmachen und eine Lesung halten.
Die erste Talkrunde hat die Frage Was macht mich zum Schriftsteller? und findet am Donnerstag den 15.03. um 15:00 statt (Forum autoren@leipzig, Halle 5, Stand D600). Veranstalter ist das Netzwerk Autorenrechte im BVjS, weitere Teilnehmer: Gino Leineweber, Eva Leipprand und Tanja Steinlechner.

Nornennetz_Talkrunde_fertig_2
Die zweite Talkrunde wird vom Nornennetz veranstaltet und befasst sich mit Frauen in der Fantastik. Die Diskussion wird sich nicht nur um die vielbeschworenen starken Frauenrollen drehen, sondern auch über Frauen im Literaturbetrieb. Mitdiskutierende sind Nora Bendzko und Katherina Ushachov, die Moderation hat Stella Delaney. (17.03.2018 ab 16:30 Uhr, Leseinsel Fantasy, Halle 2, Stand H410/J400)

Meine Lesung findet am Nornenstand (Halle 2 J 303) statt. Ich werde dort am Sonntag, den 18.03. von 11:00 bis 11:30 Uhr aus „Der Fluch des Spielmanns“ und „Biss zum letzten Akt“ vorlesen und anschließend für Fragen zur Verfügung stehen.

Lesung und Meet & Greet mit Nike Leonhard, Sonntag den 18.03.2018 v. 11:00-11:30 am Stand des Nornennetzes auf der Leipziger Buchmesse (Halle 2 J 303)

Ein Geständnis und eine Neuauflage

Jetzt muss ich etwas zugeben, das mir sehr, sehr peinlich ist: Das erste Buch, das ich im Print herausgebracht habe, ist Mist. Nicht die Geschichte. Die ist nach wie vor gut und thematisch aktueller denn je, obwohl es eine Fantasyerzählung ist.
Zeichensetzung und Rechtschreibung allerdings … Das ist mir echt peinlich! Deshalb habe ich auch so wenig Werbung für Steppenbrand gemacht. Ich kann schließlich nicht guten Gewissens ein Buch anpreisen, von dem ich selber nicht überzeugt bin.

Nun kannst du dir sicher schon denken, dass ich das nicht erzähle, um mein eigenes Buch schlecht zu reden. Ich erzähle es zum Einen, weil ich mich bei denen entschuldigen möchte, die das Buch gekauft und sich geärgert haben.
Ich erzähle es aber auch, weil ich gerade dabei bin, Abhilfe zu schaffen. Inzwischen habe ich das Skript korrigiert und demnächst wird Steppenbrand in einer neuen, korrigierten Auflage erscheinen. Um beide auch optisch unterscheiden zu können, habe ich das Cover leicht verändert. So ist hoffentlich gewährleistet, dass niemand versehentlich die fehlerhafte Auflage kauft, so lange noch Bücher am Markt sind.

Steppenbrand PrintA2

So sieht die neue Auflage aus. Allerdings sieht man hier noch die Beschnittränder, die hoffentlich ganz wegfallen, so dass der rote Rahmen jetzt direkt mit den Buchkanten abschließt. Der auffallendste Unterschied ist aber vermutlich, dass der Reihentitel und mein Name die Positionen getauscht haben und Codex Aureus jetzt unter dem Titel Steppenbrand steht.

Außerdem gibt es innen jetzt am Ende jedes Kapitels eine kleine Grafik: Dolch und Blumen. Natürlich hat auch sie etwas mit der Geschichte zu tun. Wer das Buch schon kennt, weiß vielleicht, was es damit auf sich hat.

Dolch und Blumen

Denen, die schon die erste Auflage besitzen, mache ich folgendes Angebot: Schickt euer Exemplar an die im Impressum angegebene Adresse. Im Gegenzug erhaltet ihr die überarbeitete Ausgabe. Natürlich erstatte ich euch auch das Porto (in Briefmarken). Schließlich möchte ich, dass ihr Spaß am Lesen habt.

Biss zum letzten Akt – bald als Taschenbuch

Wer mir bei Twitter folgt, hat es vielleicht mitbekommen: Eine weitere Erzählung aus dem Codex Aureus geht in den Druck. Wie schon Steppenbrand, wird demnächst auch Biss zum letzten Akt als Taschenbuch bei BoD erscheinen. Auf der Leipziger Buchmesse werde ich es offiziell vorstellen.

Biss Print
Hier schon mal die Vorschau auf das Cover

Ein neues Buch herauszubringen (und sei es nur in einem neuen Format) ist immer wieder eine Herausforderung. Um so mehr freue ich mich, dass es jetzt geschafft ist, und dass ich mich beim Bearbeiten wieder in die Geschichte von Silke verliebt habe.

Start der Blogtour zu „Infiziert – Geheime Sehnsucht“ von Elenor Avelle

Nein, ich mache hier nicht neuerdings Werbung für Liebesgeschichen, auch wenn man das bei geheimen Sehnsüchten denken könnte. Infiziert – Geheime Sehnsucht ist eine Dystopie. Mit Zombies.

Mehr Informationen gibt es im Lauf der Blogtour, bei der übrigens auch etwas zu gewinnen gibt. Dafür musst du nichts weiter tun, als einen Satz aus dem Buch zu erraten. Wie? Einfach die Beiträge verfolgen, dann siehst du es schon. 😉

Den Auftakt macht heute im Laufe des Tages Blue Siren.
Mein Beitrag erscheint am 18.10.2017

Viel Spaß beim Lesen und miträtseln. Und viel Glück!