[Werkstattgeplauder] Die Crux mit den Frauenrollen

Vor ein paar Tagen fragte eine Kollegin, wie alt man sein müsse, um Erfahrung zu haben. Konkret ging es um eine Kräuterfrau Anfang zwanzig. Ob die schon erfahren sein könne?
Das Gespräch entwickelte sich schnell schnell weiter zu einer grundsätzlichen Frage: Warum müssen Heldinnen immer jung und schön sein? Oder anders gesagt: Warum finden sich jenseits von jung und schön nur noch die Hexen, Stiefmütter und die intriganten alten Weiber?

Die Frage hat mich nicht losgelassen und so kam es zu folgendem Zwiegespräch zwischen meinem schreiberischen Ich und dem Über-Ich, das ich hier ungekürzt und in aller Polemik wiedergebe. Zur besseren Übersicht spricht das Ich in grau und das Über-Ich in schwarz.

Das mit junge, schöne Protas vs. alte Hexen ist wirklich so ein Klischee und eigentlich wollen wir ja weg davon. Außerdem wird es in der alternden Gesellschaft vielleicht sogar begrüßt, wenn nicht nur die 16 – 21jährigen Liebesabenteuer erleben, sondern auch mal die, sagen wir, 50plusserinnen ihren Traumprinzen abkriegen?

Stimmt. Allerdings – wieso Traumprinz?

Wer sagt denn, dass Liebesgeschichten immer hetero sein müssen? Es könnte doch auch sein, dass die 50plusserin entdeckt, dass sie gar nicht auf Männer sondern auf Frauen steht.

Gute Idee. Sie findet also die Liebe ihres Lebens und die ist eben nicht überirdisch schön, sondern normal. Also gerne ein bisschen übergewichtig, orangehäutig und auch nicht mehr die sportlichste. Dafür aber, sagen wir: Türkin.
Türkin ist gut. Das bringt Interkulturalität und zusätzliche Konflikte und Konflikte sind immer gut.
Dafür sind beide aber total nett und sympathisch und deshalb fiebern wir natürlich mit, denn das Happy End gehört ja irgendwie dazu.

Das hat was. Aber mal ganz generell gefragt: Warum dürfen Frauen nicht auch mal die Fiesen sein? Also richtig böse Superschurkinnen, die Spaß an Folter, Mord oder dem Zerstören von Welten haben, statt immer nur aus Liebeskummer zu handeln?
Du bringst mich da auf eine geile Idee! Das wäre doch mal ein Superplot: Eine schon etwas ausgelutschte 50plusserin verliebt sich in eine fette, türkische …

Oh, wait!

Huston, wir haben ein Problem!

Lesbische Superschurkin ist nicht. Es gibt so wenige lesbische Protagonistinnen, dass jede als Stellvertreterin für alle Lesben gesehen wird. Wenn ich also eine lesbische Superschurkin habe, die aus Freude am Foltern foltert, dann werden alle denken, du hast was gegen Lesben. Und wenn die dann auch noch Türkin ist, bist du außerdem Rassistin.
Wenn, muss die weiße Kartoffel die Böse sein, dann gleicht sich das vielleicht wieder aus.

Puhhhhhhhh!

Also fette, türkische Lesbe verknallt sich in die schurkische Kartoffel, wechselt auf die dunkle Seite der Macht. Gemeinsam sind sie noch stärker und weiten ihren Geschäftsbereich aus, bis …
Ne, kannste nicht machen. Erstens glaubt das kein Mensch und zweitens ist das wieder Anti-LGBT.
Ok, sie verlieben sich also und kämpfen auf der dunklen Seite der Macht, bis sie werden wie Thelma und Louise …
Halt, stopp! Das ist zwar schon besser, aber wer bringt denn den Untergang? Doch garantiert die Polizei, also im Zweifel Männer. Dabei geht es hier um Frauenrollen, Herrgott, … Verzeihung: Große Mutter nochmal!
Also dritter Anlauf: Die fette Türkin verliebt sich, sieht dann aber ihren Fehler ein, beseitigt die Kartoffel und rettet die Welt.
Das ist mir auch schon wieder zu Mainstreamig. Muss denn der Superschurke immer gleich gekillt werden? Und dann auch noch eine Weiße von einer PoC? Das riecht nach Rassismus.
Den Punkt hatte ich nicht bedacht. Also die supernette Türkin, die natürlich Atheistin ist, überzeugt die Weiße davon, auf die helle Seite zu wechseln. Das hat dann auch noch eine hübsche Konnotation, wenn ausgerechnet die Weiße erst auf der dunklen Seite steht und dann durch die Liebe ihrer dunkelhaarigen Freundin gerettet wird.
Super Plot! Projekt gerettet! Jetzt muss ich nur noch ’ne Story drumrum basteln.

Ja, nicht so schnell: Müssen die sich unbedingt verlieben? Wer sagt eigentlich, dass sich Frauen unbedingt verlieben müssen?
Müssen sie ja gar nicht. Sie können zum Beispiel auch Nachbarinnen sein, die sich aber nicht leiden können …
Nein, das geht auch nicht, wir wollen positive Frauenrollen. Frauen, die sich gegenseitig unterstützen. Keinen Zickenkrieg, das ist nicht nur ein böses Wort, sonder auch so ein Klischee, das es zu bekämpfen gilt.
Also: Sie sind Freundinnen.
Ja, und der Konflikt? Wo bleibt der Konflikt? Du weißt, dass du einen brauchst.
Der Konflikt ist natürlich die Gesellschaft. Sie sind beide über 50, übergewichtig und lesbisch. Aber die Gesellschaft erwartet von ihnen, dass sie jung, hübsch und hetero sind. Außerdem ist eine auch noch Türkin. Das ist doch Konfliktstoff, oder?
Stoff schon, aber noch kein Konflikt. Da brauchst du mehr. Vor allem müssen sie aktiv sein und etwas tun. Aktivität ist schließlich das, was eine gute Protagonistin auszeichnet.
Gut, was hältst du davon: Sie eröffnen gemeinsam eine interkulturelle Konditorei, oder warte, besser: ein Hammam! Eins, wo nur Frauen Zutritt haben! Und alle Frauen sind natürlich total begeistert, auch weil sie mit einem ganz neuen Körpergefühl rauskommen, auch wenn es natürlich auch Gegner gibt. Ich stelle mir da zum Beispiel so eine alte, vertrocknete Lehrerin vor …
Achtung! Ganz dünnes Eis, meine Liebe! „Alte, vertrocknete“ ist Bodyshaming! Und nichts gegen Lehrerinnen!
Die Lehrerin ist ja nur am Anfang dagegen, aber nachdem sie das Hammam einmal besucht, ist sie hin und weg und hilft den beiden Lesben gegen ihren ärgsten Widersacher, so einen echten Widerling …
EINEN MANN? Sag mal, willst du jetzt die Männer diskriminieren?


An dem Punkt habe ich die Diskussion mit meinem Über-Ich abgebrochen und mich darauf besonnen, dass ich ohnehin erst die Geschichte glattziehe, bevor ich mir Gedanken über die Besetzung mache. Aber natürlich bleibt das Grundproblem erhalten: nämlich welche Figuren wir als Autor*Innen und Leser*Innen eigentlich wollen.
Und bevor jetzt irgendwer auf die Idee kommt, das sei ein Problem des Genderns oder des Feminismus: Das Problem, gute Figuren zu schaffen, existiert keinesfalls nur für Frauen. Ich kann das gleiche Fass problemlos auch für Männer aufmachen. Die Konstruktion des idealen Superhelden wäre auch sehr spaßig.


Als Ergänzung hier noch ein Artikel der Edition F, über den ich eben auf Twitter gestolpert bin. Andere Perspektive aber das gleiche Problem.

Mein wunderbares Selfpublisherinnenleben

Die Disruption der Buchbranche habe gerade erst begonnen, las ich kürzlich, und dass Selfpublishing die Zukunft sei. So viel Geld, wie als Selfpublisherin habe sie noch nie verdient, verriet eine Autorin dem Deutschlandfunk. Ich verrate vermutlich kein Geheimnis: Ich war das nicht.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Selfpublishing großartig. Es ist eine Chance, Formate und Geschichten auf den Markt zu bringen, an die sich Verlage nicht herantrauen. Verlage sind keine Gralshüter der Kunst, sondern Wirtschaftsunternehmen. Das heißt, die herausgegebenen Bücher müssen sich rechnen. Ihr Verkauf soll nicht nur die Tantiemen für die Autorin, sondern auch das Gehalt der aller Beschäftigten finanzieren und sogar noch einen Gewinn abwerfen. Verständlich, dass man da lieber auf Alt- oder im Ausland Bewährtes setzt.

Als Selfpublisherin sieht die Sache etwas anders aus: Ich bin in erster Linie mir selber verpflichtet. Ich kann herausgeben, was ich selber für gut und richtig halte, ohne auf den Gewinn schielen zu müssen.
Dass ich es doch tue, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich tun das vermutlich alle, denn, seien wir ehrlich: Verkäufe bedeuten auch Anerkennung. Der Blick auf die Verkaufsstatistiken ist dann manchmal schon ein bisschen deprimierend.
Es ist ja nicht nur das Herzblut, das in den Geschichten steckt. Auch nicht die Umwandlung in ePub oder Mobi bei eBooks, über die jene Autorin so klagt. Es ist vor allem die Arbeit darüber hinaus. Die Überarbeitungen, die Arbeit an Klappentext, ein Cover zu finden, Marketingkampagnen zu planen, Blog- und Facebookeinträge zu schreiben und überhaupt in den sozialen Medien präsent zu sein; das Nachsinnen, wen man noch ansprechen und motivieren könnte, während man schon am nächsten Werk schreibt, das auch wieder promotet werden muss und wer sollte das schon tun, wenn nicht man selber …
In stillen Momenten keimt dann schon mal die Frage auf, ob ein Job als Taxifahrer, Bäckereifachverkäuferin oder bei Lidl an der Kasse nicht sinnvoller wäre.

Aber natürlich ist das Humbug. Schließlich weiß ich, dass Erfolg auch langen Atem braucht. Vor allem aber, weil ich an meine Geschichten glaube.

[Selfpublishing] Rückgrat ist alles

In meinem heutigen Beitrag geht es mal wieder um Marketing. Genauer gesagt um einen Aspekt, der oft vernachlässigt wird: das eigene Selbstbewusstsein.

Nicht nur dass sich Autorinnen in den einschlägigen Foren oft selbst als angehend, Möchtegern oder Schreiberlein bezeichnen, sie tun das auch in anderen Bereichen. Mit fatalen Folgen. Denn während Autorinnenforen geschützte Bereiche sind, in denen man mit einem gewissen Grundkonsens unter Gleichgesinnten rechnen kann, gelten außerhalb andere Regeln.
Das fängt schon damit an, dass der kollegiale Respekt, der in fast allen Schreib- und Autorinnengruppen existiert, fehlt. Wer kennt das nicht: Da outet man sich als Autorin und wird als erstes gefragt: „Und? Kannst du davon leben?“ Alternativ kommen auch gerne Kommentare wie: „Das ist ja auch ein schönes Hobby“, oder „Hast du auch einen richtigen Beruf?“ Mit anderen Worten: Wenn du nicht J. K. Rowling oder Goethe bist, wird deine Arbeit weniger ernst genommen, als wenn du als Aushilfskraft Regale einräumst.
Das gilt natürlich nicht nur im direkten Kontakt, sondern auch in den sozialen Medien. Wenn du nicht gerade auf einer Bestsellerliste stehst, bist du in der allgemeinen Wahrnehmung ein Nichts.
Was meinst du also, wie es sich auf diese Wahrnehmung auswirkt, wenn du dich selber als „Schreiberlein“, „Möchtegern-“ oder „Hobbyautorin“ bezeichnest? Genau. Du bestätigst dein Gegenüber darin, dass du ein Nichts bist.

Warum sollte man deine Werke lesen?

Wenn du dein Licht derart unter den Scheffel stellst, gibst du nicht nur zu verstehen, dass du selber unwichtig bist. Die Wertung überträgt sich auch auf deine Texte. Anders gesagt: Wenn du selber ohne Überzeugung agierst, wirst du auch niemand sonst überzeugen können. Allenfalls bringst du ein paar Familienmitglieder oder Freunde dazu, aus Mitleid, Liebe oder freundschaftlicher Verbundenheit einen Blick zu riskieren. Aber das sind nicht die Gründe, aus denen Leser dein Buch kaufen. Erst recht wirst du keine Blogger, Journalisten oder sonstige Multiplikatoren finden, die es positiv besprechen.

Die Sache mit dem Eigenlob

Vermutlich hast du jetzt ein bisschen Bauchweh. Eigenlob stinkt, das lernen wir schon als Kinder. Und wenn du eine Frau bist, hattest du vielleicht auch ein Poesiealbum mit so schönen Sprüchen, wie „Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein …“

Vergiss das. Merk dir lieber folgenden Satz:

Bescheidenheit ist eine Zier,
doch es geht auch ohne ihr.

Auch das ist ein Poesiealbumspruch und als Motto weitaus besser geeignet.

Im Übrigen geht es nicht um Eigenlob, sondern um Rückgrat. Du hast etwas geschrieben. Ich gehe davon aus, dass du deine Idee und deine Schreibkompetenz als gut einschätzt, sonst würdest du kaum planen, es auf die Menschheit loslassen. Aber dann steh auch dahinter. Du entgehst der Kritik nicht, wenn du dich schon vorher klein machst. Der einzige Effekt ist, dass man dich nicht ernst nimmt.

Überzeugen durch Überzeugung

Mach lieber den Rücken gerade. Steh zu dem, was du tust, auch wenn es schwer fällt. Zeige die Begeisterung für das, was du schreibst. Sei stolz auf das, was du tust. Und, das geht vor allem an Frauen: Hör auf mit diesem Niedlichkeitswahn – es sei denn, du schreibst Flauschromane für die Seele. Dann kann auch alles Plüsch und rosa Zuckerwatte sein – aber selbst dann solltest du dich eher als Freundin, denn als Hauself präsentieren (Harry-Potter-Fans wissen, was ich meine).
Ich gebe zu, dass das nicht immer einfach ist. Auch mir fällt es noch immer schwer, mich geradeheraus als Schriftstellerin vorzustellen. Noch schwerer ist es, Außenstehenden zu erklären, worüber ich schreibe. Aber seit ich einmal eine Freundin in Aktion erlebt habe, die das wirklich perfekt kann, versuche ich, mich nicht auf Inhaltsangaben zu beschränken. Mehr zu sagen, als ein paar gestoppelte Sätze. Vor allem aber die Liebe einfließen zu lassen, die ich meinen Geschichten und den Figuren darin entgegenbringe. Und soll ich was sagen: Es klappt von Mal zu Mal besser und auch die Reaktionen ändern sich. Von lauwarmem „ja, mal sehen“, zu „wie hieß dein Buch noch mal?“

Es lohnt. Wirklich.

Nornennetz – das Netzwerk der deutschsprachigen Fantastik-Autorinnen

Manchmal hat Impulsivität seltsame Folgen. Diesen Artikel z. B. gäbe es nicht, wenn ich immer genau abwägen würde, was ich sage oder schreibe. Und es gäbe das Nornennetz nicht, das Netzwerk das deutschsprachigen Fantastik-Autorinnen.

Dabei habe ich nur auf einen Werbetweet der mörderischen Schwestern reagiert. Ein bisschen flapsig, zugegeben.

wie alles begann

Was dann passierte, war fantastisch. Mehrere Autorinnen schrieben mich an, meinten: „Na, dann machen wir doch!“, „ich wäre dabei“ und „wer, wenn nicht wir?“ und kurz darauf waren wir über Discord im Gespräch über die Einzelheiten. Seit Samstag haben wir auch einen Namen: Das Nornennetz.
Unser Ziel ist neben der Vernetzung, Fantastik-Autorinnen bekannter zu machen und zu zeigen, dass wir neben Romantasy auch alle anderen Subgenres beherrschen.

Seit heute gibt es uns offiziell auf Facebook und Twitter.

Unverhofft

Wie es aussieht, habe ich gestern ein neues Autorinnen-Netzwerk (mit)gegründet.
Schon erstaunlich, wozu ein Kommentar bei Twitter führen kann. Gandalf würde vermutlich vom Fallen kleiner Steine im Gebirge sprechen. Ich für meinen Teil bin gespannt, was sich daraus noch entwickelt.
Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden.

#mamaschreibt – eine Tagesbilanz

Das Abendessen ist verputzt, der Geschirrspüler läuft, die Kinder haben sich in die Zimmer verzogen. Zeit, den gemütlichen Teil des Abends zu beginnen. Jetzt könnte ich noch ein bisschen schreiben.
Allerdings steht in knapp 14 Tagen das 30jährige Jubiläum meines Mittelaltervereins an und meine neue Ausstattung ist noch nicht fertig. Also muss das Schreiben hintenan stehen.

Aber bevor ich das Nähzeug rauskrame, möchte ich noch kurz Bilanz über den Tag ziehen. Die Planung für einen normalen Freitag sieht bei mir so aus:
06:00 – ca. 07:20 Tagesbeginn
Aufstehen, kurz durchs Bad, Kinder wecken, und ins Bad scheuchen, Tabletten für Kind 2 rauslegen, Brotdosen bestücken (2 belegte Brote, Obst, kl. Süßigkeit), Kaffee aufsetzen, kontrollieren, ob die Kinder aus dem Bett sind, ggf. Kind(er) ins Bad scheuchen, anschließend Geschirrspüler ausräumen, (falls sich jemand wundert, warum hier nichts von Frühstück steht: meine zwei sind inzwischen so alt, dass sie sich ihr Müsli selber machen), Rechner hochfahren, eMails kontrollieren, Tagesplanung aktualisieren, 07:00 Kind 1 aus dem Haus scheuchen, Kind 2 beim Einräumen des Schulranzens assistieren, wenn sonst nichts ist, Social Media kontrollieren. ca. 07:20 Kind 2 ins Taxi setzen (wegen der Muskeldystrophie schafft er den Schulweg nicht mehr alleine), Kaffee austrinken, mit Frau Hund spazieren gehen.
09:00 – 14:00 Schreibzeit
Purer Luxus, fünf Stunden für mich, in denen ich an meinen Geschichten arbeite, Cover, und Layout mache, mich um Marketing, Social Media, Blogbeiträge etc. kümmere, oder Lektoratsaufträge abarbeite.
14:00 – 18:30 Haushalt
Wäsche, staubsaugen, Einkäufe erledigen, kochen.
Nach dem Abendessen beginnt der ungeregelte Teil.

Allerdings läuft der Tag selten so, wie geplant.

Heute hatte ich eigentlich geplant, morgens noch schnell einen angefangenen Blogbeitrag fertig zu schreiben. Allerdings musste mein Mann später ins Büro, d. h. er hatte Zeit, sich mit mir zu unterhalten und hat die natürlich genutzt. Also bin ich weder dazu gekommen, den Beitrag zu schreiben, noch die Mails abzurufen. Dafür musste ich um 09:15 aus dem Haus, weil um 10:00 ein Banktermin für meinen Mittelalterverein anstand. Also habe ich den Kaffee schneller getrunken, eine eilige Runde mit Frau Hund gedreht, den Mann verabschiedet und mich an meinen Blogbeitrag gesetzt.
Nach zwei Absätzen klingelte das Telefon, ein wichtiger Anruf vom Integrationsamt. Ich bin sehr froh, dass er kam, aber als wir durch waren, musste ich mich beeilen, um es rechtzeitig zu dem Termin zu schaffen.
Natürlich gab es danach noch Vereinskram zu besprechen. Dadurch war ich erst kurz vor zwölf wieder zurück. Kaffee kochen, Rechner hochfahren, Kopfschmerzen ignorieren, Mails kontrollieren. Ran an den Blogbeitrag. Gegen eins war der fertig. Ich auch. Allen guten Vorsätzen zum Trotz habe ich es nicht mehr geschafft, die Protagonistin der neuen Geschichte bis ins Tal der tanzenden Winde zu bringen.
Kurz vor zwei kam Kind 2 nach Hause, voller Geschichten und Neuigkeiten. Die Wäsche musste gemacht, der Einkaufszettel geschrieben, der Einkauf gemacht werden. Als ich nach Hause kam, war es schon Zeit, Abendessen zu kochen. Nebst Alternativgericht, weil sich während des Kochens rausstellte, dass das Übernachtungskind gegen eine der Zutaten allergisch ist.

Und nun ist der Tag sozusagen rum. Von meinen üppigen 5 Stunden Schreibzeit sind netto gerade mal zwei geblieben. Ein bisschen habe ich drangehängt, um diesen Artikel zu schreiben, der aber auch länger gedauert hat, weil ich natürlich nebenbei mit meinem Mann gesprochen habe. Außerdem ein Bett bezogen und Kind 2 gute Nacht gewünscht. Kind 1 wird ins Bett gescheucht, so bald der Beitrag fertig ist.

Warum ich das alles erzähle? Weil sich „Mutter und Autorin“ immer so gemütlich anhört. Als täte ich nichts anderes, als Kaffee zu trinken und nebenbei ein bisschen auf dem Computer zu tippen. Der Beitrag soll diesem Eindruck ein bisschen entgegenwirken. Zum Einen sind Schreiben und Homeoffice deutlich mehr, als nur ein paar Tasten zu drücken. Zum anderen ist Familie mehr, als nur gelegentlich einen Kopf zu streicheln. Zusammen ist es eine ganze Menge.
Ich will kein Mitleid. Ich habe diesen Lebensweg bewusst gewählt. Was ich will ist, dass mein Schreiben nicht als Hobby und meine Mutterschaft nicht als Freizeit abgetan wird. Was ich von meiner Umwelt erwarte ist, mit dem gleichen Respekt behandelt zu werden, wie damals, als ich noch einen Bürojob hatte und meine Arbeitszeiten meist nur von 9:00 bis 17:00 Uhr gingen.

#Autorinnenzeit: phantastische Frauen (2) – Anne McCaffrey

Heute möchte ich die Mini-Serie über die Autorinnen, die mein eigenes Schreiben beeinflusst haben, mit einer weiteren Großen fortsetzen: Anne McCaffrey.

Anne McCaffrey 2005.JPG
Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0, Link

Nachdem mich die Nebel von Avalon für die Phantastik angefixt hatte, war es ganz natürlich, nach ähnlichen Büchern zu gucken. Vor allem nach Büchern, in deren Mittelpunkt aktive Frauen standen. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erzählt, wie ungewöhnlich das damals war. Aber es fühlte sich gut an. Es war aufregend, Frauen zur Abwechslung nicht nur passiv und vor allem als Beute, naive Jungfrau oder laszive Verführerin präsentiert zu bekommen. Es eröffnete ganz neue Rollenmuster; eine Entwicklung, die übrigens parallel auch im realen Leben stattfand.

Ich habe die Diskussionen am Abendbrottisch noch gut in Erinnerung: Meinen Vater, der brüllte, seine Frau habe es nicht nötig arbeiten. Meine Mutter, die dagegenhielt, die Zeiten hätten sich geändert. Er könne es ihr nicht mehr verbieten.
Nicht mehr, wohlgemerkt. Es war keine fünf Jahre her, dass verheiratete Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Arbeitsvertrag abschließen durften und die Ehemänner nicht mehr berechtigt waren, ein Arbeitsverhältnis „ihrer“ Frauen eigenmächtig zu kündigen. Mein Vater war Jurist. Er muss es gewusst haben. Gefallen hat es ihm überhaupt nicht.
Ich war damals 13 oder 14. Mitten in der Pubertät. Meine heile Kinderwelt zerbrach und ich sehnte mich nach Abenteuern und Auswegen.

Natürlich habe ich deutlich mehr gelesen, als nur Fantasy. Ich habe so ziemlich alles gelesen, was mir in die Hände fiel. Von Hanni und Nanni bis Angst vorm Fliegen. Aber eben auch Fantasy. Und hier war Anne McCaffrey die nächste Autorin, die ich für mich entdeckte.
Gut, Anne McCaffrey wird eigentlich nicht zu den Fantasy, sondern zu den Science-Fiction-Autorinnen gezählt, aber da beides zur Phantastik gehört, ist auch sie eindeutig eine der phantastischen Autorinnen. Als ich ihren Zyklus über die Drachenreiter von Pern entdeckte, fiel der für mich allerdings eindeutig unter Fantasy. Gut, es spielt auf einem entfernten Planeten. Aber ferne Planeten sind erst mal auch nur alternative Welten, wie Mittelererde oder Narnia. Für mich besteht der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Genres eher darin, welchen Stellenwert Technik und technische Entwicklungen innerhalb der Geschichte haben. Pern, die Welt der Drachenreiter, ist Low Tech; die Gesellschaftsstrukturen sind mittelalterlich. Vor allem aber: Es gibt Drachen!*

Zugegeben, auf die Geschichten um die Drachen bin ich erst später gestoßen, denn mein erster Kontakt zu dem Zyklus war Menolly, die musikalisch hochbegabte Tochter eines Seebarons. Leider sieht ihre Umgebung diese Begabung als vollkommen nutzlos an. Frauen ist das Musizieren zwar nicht direkt verboten, aber eine Ausbildung als Harfnerin …
Menollys Eltern tun alles, um sie vom „nutzlosen Klimpern“ abzuhalten und ihre Ambitionen zu durchkreuzen. Wirklich alles. Bis Menolly es nicht mehr aushält und wegläuft.
Hier eröffnen sich gleich mehrere wunderbare Möglichkeiten, die Geschichte zu versieben. Aber weder mutiert Menolly in der Wildnis zu einer weisen Kräuterfrau oder Kriegerin, die sich alleine durchschlägt, noch kommt es zu einer tränenreichen Wiedervereinigung mit den Eltern, die nun ihr Fehlverhalten einsehen. Erst recht taucht kein bad-ass-Guy auf, in den Menolly sich verliebt um fürderhin ganz für diese Liebe zu leben. Menolly versucht einfach nur durchzukommen. Sie bekommt Hilfe (oft von unerwarteter Seite) und muss Widerstände überwinden, wie sich das für eine anständige Heldin gehört. Kurzum: Menolly bleibt ein normales Mädchen mit einer außerordentlichen Begabung, und das macht letztlich auch ihre Geschichte außergewöhnlich.

Ich habe danach so ziemlich alles aus dem Drachenreiter-Zyklus gelesen und das Meiste fand ich gut. Besonders gefiel mir, dass man jedes Buch einzeln lesen kann, weil jedes eine in sich abgeschlossene Geschichte enthält.  Im Zentrum stehen immer wieder andere Figuren, mal Männer, mal Frauen. Manche tauchen nur in einem Band auf, manche haben über mehrere Bände hinweg tragende Rollen. Die einzelnen Geschichten sind zwar, wie moderne Fernsehserien, durch eine Rahmenhandlung verbunden. Diese wird aber nicht chronologisch enthüllt, so dass man die Bücher auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss.
Über den Stil kann ich nicht mehr viel sagen, außer dass er – zumindest in meiner Erinnerung – weniger Pathos enthielt, als die Bücher von Zimmer Bradley. Sex kam ebenfalls vor, aber seltener. Insgesamt habe ich mich von den Drachenreitern immer gut unterhalten gefühlt (sonst hätte ich auch kaum so viel davon gelesen). Außerdem gefiel mir, dass McCaffrey immer wieder Themen wie Gerechtigkeit, Vorurteile, Gleichberechtigung etc. aufgriff, so dass den Romanen trotz der ständisch-mittelalterlichen Gesellschaft, in der sie spielen, nichts restauratorisches anhaftet. Sie behandelte diese Themen aber immer subtil, im Rahmen der Geschichte und ohne erhobenen Zeigefinger. Das machte sie sehr angenehm und zugleich anregend zu lesen.


*Puristen mögen jetzt einwenden, dass die Drachen nicht auf natürlichem Weg, sondern durch gentechnische Veränderung einer Echsenart entstanden sind. Aber diese Zusammenhänge werden erst nach und nach aufgedeckt – und vor allem viel zu spät, um den Ersteindruck zu ändern.

Passend zur #Autorinnenzeit: Am Freitag gibt unter #mamaschreibt Nachrichten aus dem Alltag

Idee und Originalartikel von Textflash:

Dieser Artikel hat in meinem privatanalogen Umfeld mal wieder geradezu irrwitzige Reaktionen ausgelöst: Mehr Schreibzeit für Mütter zwischen den Muttertagen Daraufhin haben Elenor Avelle, Eva-Maria Obermann, Nike Leonhard und meine Schnodderigkeit beschlossen, euch zu zeigen, wie unser Alltag wirklich aussieht. Folgt uns bei Twitter unter dem Hashtag #mamaschreibt und begleitet uns beim gemütlichen Arbeiten von […]

über Mehr Schreibzeit zwischen den Muttertagen: Am Freitag kommt was auf euch zu! — Textflash – Mikaela Sandbergs unmögliche Autorenseite

#Autorinnenzeit: Interviews durch Sven Hensel

Sven Hensel, der Initiator der Autorinnenzeit, hat mit mir und drei Kolleginnen aus verschiedenen Genres über Frauen im Literaturbetrieb gesprochen. Entstanden sind vier Interviews über unseren Werdegang und die eigene Arbeit, aber auch über Frauen- und Männerbilder, den Buchmarkt, die Entwicklung der „Frauenliteratur“, immer noch geltende Vorurteile und die sich bietenden Chancen für Männer wie Frauen.
Denn so verschieden Annika Bühnemann, Tanja Hanika, Anne Grundig und ich  auch sind; in einem sind wir uns alle einig: Ob ein Buch von einer Frau oder einem Mann geschrieben wird, macht keinen Unterschied. Daher ist unser Kampf um Anerkennung auch kein Kampf gegen „die Männer“.

Sämtliche Interviews stehen auf Sven Hensels Blog.

 

#Autorinnenzeit: Zitat aus dem Buch einer Autorin

Heute mal kein langer Beitrag, sondern nur ein Zitat aus „Die Screwfly Solution“ von Alice B. Sheldon, die unter dem Pseudonym James Tiptree jr. schrieb. Das Zitat stammt aus einem Brief, den die Protagonistin einem alten Freund schreibt. Vermutlich dem letzten Brief, den sie je schreiben wird.

Weißt du, dass ich mit „wir“ noch nie Frauen gemeint habe? „Wir“, das waren immer Alan und ich, und Amy natürlich. Gezielt ermordet zu werden, ermuntert scheinbar zur Gruppenidentifikation …

Autorinnenzeit Zitat1
Die Illustration entstand unter Verwendung eines Bildes von Catharina77 (Quelle: Pixabay)