[Werkstattplaudereien] Plotbunny und neue Gäste

Mir ist ein neues Plotbunny zugelaufen und es hat eine wunderschöne, liebreizende Prinzessin mitgebracht. Eine auch noch, deren Lebensziel einzig darin besteht, standesgemäß zu heiraten.

Ihr Wunsch wird sich erfüllen. Sie wird den Prinzen des Nachbarreichs heiraten und am Ende auf einem Einhorn in den Sonnenauf- oder Untergang reiten. Bei letzterem bin ich noch nicht ganz sicher. Wo ich mir allerdings sicher bin ist, dass vorher sehr viele schlimme Dinge passieren.

Vorläufig sind Prinzessin samt Einhorn im Gartenhaus untergebracht, weil in meinem Oberstübchen aktuell kein Platz für die Beiden ist. Vielleicht, wenn die Vampirin endlich ausgezogen ist.

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Eine schnelle Skizze des Plotbunnies mit der Prinzessin. Das Einhorn fremdelt noch und wollte trotz aller Versprechungen der Prinzessin nicht auf’s Bild.

#mamaschreibt – eine Tagesbilanz

Das Abendessen ist verputzt, der Geschirrspüler läuft, die Kinder haben sich in die Zimmer verzogen. Zeit, den gemütlichen Teil des Abends zu beginnen. Jetzt könnte ich noch ein bisschen schreiben.
Allerdings steht in knapp 14 Tagen das 30jährige Jubiläum meines Mittelaltervereins an und meine neue Ausstattung ist noch nicht fertig. Also muss das Schreiben hintenan stehen.

Aber bevor ich das Nähzeug rauskrame, möchte ich noch kurz Bilanz über den Tag ziehen. Die Planung für einen normalen Freitag sieht bei mir so aus:
06:00 – ca. 07:20 Tagesbeginn
Aufstehen, kurz durchs Bad, Kinder wecken, und ins Bad scheuchen, Tabletten für Kind 2 rauslegen, Brotdosen bestücken (2 belegte Brote, Obst, kl. Süßigkeit), Kaffee aufsetzen, kontrollieren, ob die Kinder aus dem Bett sind, ggf. Kind(er) ins Bad scheuchen, anschließend Geschirrspüler ausräumen, (falls sich jemand wundert, warum hier nichts von Frühstück steht: meine zwei sind inzwischen so alt, dass sie sich ihr Müsli selber machen), Rechner hochfahren, eMails kontrollieren, Tagesplanung aktualisieren, 07:00 Kind 1 aus dem Haus scheuchen, Kind 2 beim Einräumen des Schulranzens assistieren, wenn sonst nichts ist, Social Media kontrollieren. ca. 07:20 Kind 2 ins Taxi setzen (wegen der Muskeldystrophie schafft er den Schulweg nicht mehr alleine), Kaffee austrinken, mit Frau Hund spazieren gehen.
09:00 – 14:00 Schreibzeit
Purer Luxus, fünf Stunden für mich, in denen ich an meinen Geschichten arbeite, Cover, und Layout mache, mich um Marketing, Social Media, Blogbeiträge etc. kümmere, oder Lektoratsaufträge abarbeite.
14:00 – 18:30 Haushalt
Wäsche, staubsaugen, Einkäufe erledigen, kochen.
Nach dem Abendessen beginnt der ungeregelte Teil.

Allerdings läuft der Tag selten so, wie geplant.

Heute hatte ich eigentlich geplant, morgens noch schnell einen angefangenen Blogbeitrag fertig zu schreiben. Allerdings musste mein Mann später ins Büro, d. h. er hatte Zeit, sich mit mir zu unterhalten und hat die natürlich genutzt. Also bin ich weder dazu gekommen, den Beitrag zu schreiben, noch die Mails abzurufen. Dafür musste ich um 09:15 aus dem Haus, weil um 10:00 ein Banktermin für meinen Mittelalterverein anstand. Also habe ich den Kaffee schneller getrunken, eine eilige Runde mit Frau Hund gedreht, den Mann verabschiedet und mich an meinen Blogbeitrag gesetzt.
Nach zwei Absätzen klingelte das Telefon, ein wichtiger Anruf vom Integrationsamt. Ich bin sehr froh, dass er kam, aber als wir durch waren, musste ich mich beeilen, um es rechtzeitig zu dem Termin zu schaffen.
Natürlich gab es danach noch Vereinskram zu besprechen. Dadurch war ich erst kurz vor zwölf wieder zurück. Kaffee kochen, Rechner hochfahren, Kopfschmerzen ignorieren, Mails kontrollieren. Ran an den Blogbeitrag. Gegen eins war der fertig. Ich auch. Allen guten Vorsätzen zum Trotz habe ich es nicht mehr geschafft, die Protagonistin der neuen Geschichte bis ins Tal der tanzenden Winde zu bringen.
Kurz vor zwei kam Kind 2 nach Hause, voller Geschichten und Neuigkeiten. Die Wäsche musste gemacht, der Einkaufszettel geschrieben, der Einkauf gemacht werden. Als ich nach Hause kam, war es schon Zeit, Abendessen zu kochen. Nebst Alternativgericht, weil sich während des Kochens rausstellte, dass das Übernachtungskind gegen eine der Zutaten allergisch ist.

Und nun ist der Tag sozusagen rum. Von meinen üppigen 5 Stunden Schreibzeit sind netto gerade mal zwei geblieben. Ein bisschen habe ich drangehängt, um diesen Artikel zu schreiben, der aber auch länger gedauert hat, weil ich natürlich nebenbei mit meinem Mann gesprochen habe. Außerdem ein Bett bezogen und Kind 2 gute Nacht gewünscht. Kind 1 wird ins Bett gescheucht, so bald der Beitrag fertig ist.

Warum ich das alles erzähle? Weil sich „Mutter und Autorin“ immer so gemütlich anhört. Als täte ich nichts anderes, als Kaffee zu trinken und nebenbei ein bisschen auf dem Computer zu tippen. Der Beitrag soll diesem Eindruck ein bisschen entgegenwirken. Zum Einen sind Schreiben und Homeoffice deutlich mehr, als nur ein paar Tasten zu drücken. Zum anderen ist Familie mehr, als nur gelegentlich einen Kopf zu streicheln. Zusammen ist es eine ganze Menge.
Ich will kein Mitleid. Ich habe diesen Lebensweg bewusst gewählt. Was ich will ist, dass mein Schreiben nicht als Hobby und meine Mutterschaft nicht als Freizeit abgetan wird. Was ich von meiner Umwelt erwarte ist, mit dem gleichen Respekt behandelt zu werden, wie damals, als ich noch einen Bürojob hatte und meine Arbeitszeiten meist nur von 9:00 bis 17:00 Uhr gingen.

#Autorinnenzeit: Welche Autorin würdest du gerne treffen oder hast du bereits getroffen?

Abgesehen von meiner Familie besteht mein privates Umfeld fast ausschließlich aus Menschen, die entweder Living-History betreiben oder schreiben. Interessanterweise bestehen zwischen den beiden Gruppen kaum Überschneidungen, wenn man von Sachbuchautorinnen, wie Dana Russow (Mara von Tusen) oder Katrin Kania mal absieht.
Trotzdem kenne ich eine Menge Autorinnen, die Meisten davon über die sozialen Medien, einige auch über die BartBroAutors, bei denen ich für einige Zeit Mitglied war und ein paar auch von anderen Schreibprojekten und -seminaren.

Autorinnen, die ich schon mal getroffen habe

Wenn ich hier jede aufführen würde, die ich schon mal auf einer Messe oder einem Seminar getroffen hätte, würde das eine ziemlich lange Liste werden, die nicht nur langweilig zu lesen wäre, sondern auch nach Name-Dropping klänge. Deshalb beschränke ich mich lieber auf drei, mit denen ich intensiveren Kontakt habe oder hatte und zu denen ich auch ein bisschen sagen kann.

Als Erste möchte ich Ute Weber nennen, weil sie auch die Erste war, mit der ich persönlichen Kontakt hatte. Ute und ich haben uns über das Online-Schreibseminar kennengelernt, mit dem der Autorenhausverlag das Buch „Ein Roman in einem Jahr“ promotet hat. Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass wir nicht nur etwa gleich alt sind und eine ähnliche Biographie haben (wobei sie im Gegensatz zu mir sogar promoviert hat), sondern uns auch Lesevorlieben, Weltsicht und Humor verbinden. Ihrer ist allerdings noch mal eine ganze Ecke pointierter als meiner, wie sehr schnell klar wird, wenn man ihr auf Twitter folgt. Sie schreibt Gegenwartsliteratur. Unfassbar gut, sehr assoziativ und bildhaft und gleichzeitig unglaublich dicht. Jedes Mal, wenn ich etwas von ihr lese, denke ich: „Scheiße, ist das geil! Warum kann ich das nicht?“
Deshalb finde ich es auch schade, dass aus ihrem damals begonnenen Romanprojekt nichts wurde, sondern bisher „nur“ eine Sammlung ihrer Bonmots erschienen ist (Unfug. Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern, DRM-freies E-Book, erschienen bei Frohmann 2012, ISBN ePub: 9783944195001, Kindle Edition: ASIN B00993J80M, EUR 3,99).
Leider ist der Kontakt zwischen uns ziemlich eingeschlafen. Vielleicht schaffe ich es ja, diesen Post zum Anlass zu nehmen, daran etwas zu ändern.
Mehr über Ute gibt es auf ihren Autorenseiten auf Facebook und Tumblr.

Die Zweite ist Nika Sachs, auch bekannt als Bordsteinprosa, die auch diejenige ist, mit der ich mich aktuell am häufigsten treffe. Nika schreibt nach eigenem Bekunden literarische Erotik, wobei ich dazu eher Gegenwartsliteratur sagen würde, weil ihre Themen weit über die erotischen Elemente hinausgehen. Für mich sind ihre Geschichten weitaus mehr durch die Tiefe des Gefühlslebens ihrer Protagonisten geprägt. Nikas Sprache ist hintergründig und bildhaft.
Nika veröffentlicht als Selfpublisherin. Bisher ist von ihr eine Novelle erschienen: Namenlos, die sowohl als Hardcover als auch als eBook erhältlich ist. Weitere Bücher sind in Arbeit. Das nächste, ein Tagebuchroman soll im Herst herauskommen.
Mehr über Nika Sachs gibt es auf ihrem Blog.

Als dritte möchte ich unbedingt noch Michaela Stadelmann alias Textflash vorstellen, auch wenn ich sie nur sehr kurz (viel zu kurz für meinen Geschmack) auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. Wir kennen einander aber schon länger, folgen uns mit unseren Blogs und auf Twitter gegenseitig und stehen auch sonst in ständigem Kontakt.
Michaela war selbst schon Verlegerin. Sie hat unter dem Pseudonym Alicia Mirowna Balettromane herausgebracht und schreibt als Mikhaela Sandberg Schwedenkrimis. Ihr Erstling, „Schweig Still„, ist 2016 bei Ullstein Midnight erschienen, ein weiterer soll demnächst folgen. Als sei das nicht genug, arbeitet sie außerdem als freie Lektorin. Die Buschtrommel sagt, sie sei sehr gut.
Zu Michaelas Balettromanen kann ich wenig sagen, aber „Schweig still“ habe ich gerne gelesen. Gute Unterhaltung mit dem nötigen Schuss Suspense, aber ohne die unmotivierte Brutalität, die viele Skandinavienkrimis auszeichnen.
Michaela ist unglaublich hilfsbereit und ein Quell des Wissens. Ich hoffe stark, dass wir irgendwann mal Zeit für ein längeres Treffen finden.
Mehr über ihre verschiedenen Facetten gibt es auf Michaelas Blog.

Der Vollständigkeit halber, sollte ich vielleicht auch noch Margaux Navara anführen, mit der ich mich lange auf der Leipziger Buchmesse unterhalten habe und die mir viel über Selfpublishing verraten hat. Aber leider kann ich kaum mehr über sie sagen, als dass sie BDSM-Erotik schreibt.

Autorinnen, die ich gerne treffen würde

Das wird nun leider doch eine Liste. Die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich und garantiert habe ich jemanden vergessen:

  • Carola vom Schreibkasten, deren Blog ich schon seit langem folge. Sie hat zwar noch nichts veröffentlicht, aber ich weiß, dass sie an etwas dran ist.
  • Elenor Avelle, die ich über die Rechargers kenne und die uns mit tollen Ideen und Zeichnungen versorgt. Ihr erstes Buch soll demnächst erscheinen.
  • Eva-Maria Obermann, die sich die Pfingstaktion der Rechargers ausgedacht hat. Ihren Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ muss ich irgendwann auch noch mal lesen.
  • Sarah und Rahel von Clue Writing, die nicht nur Kurzgeschichten schreiben und podcasten, sondern auch Wettbewerbe ausrichten, um mit ihnen Strategien und Taktiken zur Erringung der Weltherrschaft durchzugehen.
  • Nora Bendzko, um mit ihr über Phantastik zu diskutieren und mal die Musik zu hören, die sie macht.
  • Evanesca Feuerblut, um mehr über ihre Vampirfamilien zu erfahren. Nach den wenigen Brocken, die sie erzählt, sind die nämlich sehr außergewöhnlich.

Was leider nicht geht

Wen ich außerdem unglaublich gerne kennengelernt hätte, ist James Tiptree jr. alias Alice B. Sheldon, die nicht nur unglaublich modern anmutende und zum Teil außerordentlich beklemmende Science-Fiction geschrieben hat. Im Anhang zu „Zu einem Preis“ ist ein Brief von ihr abgedruckt, aus dem man einen Eindruck ihrer Persönlichkeit gewinnt. Die Zeilen sprühen selbst in der Übersetzung vor Wortwitz, Klugheit, Neugier und Lebenslust. Mit dieser Frau hätte ich mir gern eine Flasche Whisky am Lagerfeuer geteilt. Oder auch was anderes. Aber wir hätten garantiert Spaß gehabt.

Eine Welt ist nicht genug

Beim SWR2 habe ich eine Seite mit zwei sehr interessanten Interviews gefunden. Im einen geht es um die verschiedenen Arten der Phantastik und was sie für uns so spannend macht. Im zweiten erzählt Kai Meyer über seine Karriere als Schriftsteller, seine Motive und seine Art zu schreiben.

Beides sehr hörenswert.

Neugierig? Dann bitte hier entlang!

Sprache ist Denken

Ergänzend zu meinem gestrigen Artikel über gegenderte Sprache möchte ich gerne einen Artikel aus der Zeit über die Benutzung von Fremdsprachen und den Einfluss auf unser Handeln verlinken. Nicht nur wegen dieses Satzes:

„Man nimmt kulturelle Codes sehr schnell und unbewusst an. Und die werden natürlich in der Sprache klar vermittelt“
(Markus Conrad, Psychologe an der FU Berlin)

Daher der Apell: Überlegt euch, was ihr sagt und ob es wirklich das ist, was ihr meint.

Das Schreckgespenst gegenderter Sprache

Gendern? hat die Autorenwelt in einem Artikel gefragt, in dem sich Sandra Uschtrin dafür ausspricht und Andreas Eschbach dagegen. Bereits der bloße Akt der Unterwerfung unter eine politisch begründete Sprachregelung sei falsch, schreibt er. Kunst müsse frei sein. Wer ideologischen Sprachregeln folge, schaffe Propaganda, keine Kunst. Das „Gendern“ sei Ideologie, behauptet es doch, die Sprache „gerechter“ zu machen und die Welt gleich mit. Dabei mache es die Sprache in erster Linie formelhaft und hässlich.

Vor zwanzig Jahren hätte ich vermutlich zugestimmt, zumal ich mich auch heute noch mit dem großen Binnen-I schwer tue und Sterne nur am Himmel schön finde.*
Heute sehe ich das etwas differenzierter und in der Differenzierung fällt auf, dass bei der grundlegenden Abwehr drei Behauptungen vermischt werden. Dabei fange ich mal von hinten an:

  1. Gendern macht die Sprache formelhaft und hässlich.
  2. Gendern sei Ideologie.
  3. Gegenderte Sprache sei Propaganda.

Daraus folgt im Umkehrschluss, dass Eleganz und Leichtigkeit der Sprache durch die Verwendung des generischen Maskulinum bedingt sind. Außerdem sei das generische Maskulinum wertfrei und damit Garant für eine ideologiefreie Sprache. Im Gegensatz zur Propaganda der gegenderten Sprache, lässt sich Kunst daher allein durch die Verwendung der ungegenderten, also des generischen Maskulinum erzeugen.

Merkt ihr was? Dröselt man die Einwände gegen die Verwendung einer gegenderten Sprache auf und wendet sie ins Positive, also in Forderungen für eine ungegenderte Sprache, stellen sie sich als mindestens genauso ideologisch und propagandistisch dar, wie die Gegenposition.
Aber das ist auch zunächst gar nicht schlimm. Schlimm wird es nur dann, wenn man die Worte „Ideologie“ und „Propaganda“ als Kampfbegriffe einsetzt, ohne auf den Wahrheitsgehalt der dahinterstehenden Positionen einzugehen. Zunächst mal ist eine Ideologie nämlich nichts anderes als eine Weltanschauung bzw. ein Wertesystem. Daran, ein Wertesystem zu haben, ist grundsätzlich nichts verkehrtes. Im Gegenteil: gemeinsame Werte sind der Kitt aller freien Gesellschaften.

Die meisten von uns haben vermutlich kein Problem damit, das Grundgesetz als Grundlage unseres Zusammenlebens anzuerkennen. Damit beruht unser gemeinsames Wertesystem auf dem Bekenntnis zur demokratischen, pluralistischen Gesellschaft und der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen, unabhängig von Rasse, Religion und/oder Geschlecht.
Aber in der Sprache darf das nicht zum Ausdruck kommen, weil sie dadurch formelhaft und hässlich wird? Eine Sprache ist nur dann ideologiefrei, wenn lediglich Politiker in den Parlamenten sitzen, nur Forscher Entdeckungen machen und selbst eine Demonstration für Frauenrechte grammatikalisch ausschließlich aus Männern besteht, weil die Demonstrantinnen, Forscherinnen und Politikerinnen nur erwähnt werden, wenn gerade kein Mann in der Nähe ist? Entschuldigung bitte, aber was für ein Gesellschaftsbild wird hier propagiert?

Fakt ist: Sprache ist nicht ideologiefrei. War sie noch nie. Sprache ist Macht. Mächtiger sogar als das Schwert, weil sie das Denken prägt. Gleichzeitig ist Sprache immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen. Das zeigt sich nicht nur in der Übernahme von Fremd- und Lehnsworten, sondern bis in die Umgangsformen. Wir haben im Rahmen des Demokratisierungsprozesses den Pluralis Majestatis und die unsägliche Anrede „er“ entsorgt. Die Nivellierung gesellschaftlicher Unterschiede schreitet weiter fort, indem sich das Duzen immer mehr als normale Anredeform unter etwa Gleichaltrigen etabliert. Das kann man beklagen, weil einem ein „du Arschloch“ doch schneller rausrutscht, als ein „Sie Arsch!“, aber Fakt ist, dass wir nicht mehr in einer Standesgesellschaft leben, und dass sich die Sprache daran anpasst.

Genauso leben wir aber in einer Gesellschaft, in der Frauen gleichberechtigt teilhaben (wollen). Auch daran kann sich die Sprache anpassen, indem sie Frauen nicht weiter ausblendet. Nichts anderes tut gegenderte Sprache. Sie macht Frauen sichtbar.
Jetzt wieder ketzerisch gefragt: Ist es per se hässlich und formelhaft, neben Autoren auch die Autorinnen zu erwähnen, außer Politikern auch die Politikerinnen und die Wissenschaftlerinnen neben den Wissenschaftlern? Ich behaupte nein. Trotz der oben erwähnten Schwierigkeiten mit dem Binnen-I und anderen Lösungsversuchen. Es kann sogar poetisch klingen, wie im Märchen von Jorinde und Jorigel, die einander so lieb hatten, dass keines ohne das andere sein wollte.
Die Kunst besteht darin, kreative Lösungen zu finden, wie dieses generische Neutrum. Ich kann in diesem kreativen Umgang mit Sprache auch keine Unterwerfung erkennen, sondern das, was Kunst eigentlich ausmacht, und was Eschbach sogar fordert, nämlich etwas, das aus dem Inneren kommt (d. h. dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung) und gegen Regeln verstößt (den herrschenden Sprachgebrauch). Demgegenüber könnte man das Beharren auf dem generischen Maskulinum sogar als geistige Faulheit abtun.

Verwende ich deshalb nur noch geschlechtsneutrale Formulierungen? Nein, natürlich nicht. Schon deshalb nicht, weil ich tief im herkömmlichen Sprachgebrauch verhaftet bin. Aber genauso, wie ich darauf achte, mehrdimensionale Charaktere zu schaffen, achte ich auf eine angemessene Sprache. Das bedeutet, dass in den Blogbeiträgen deutlich mehr Experimente möglich sind, als in den Büchern. Aber selbst dort versuche ich, das generische Maskulinum auf das absolute Minimum zu reduzieren. In „Steppenbrand“ bin ich sogar ein Stück weitergegangen, indem ich den Khon eine Sprache mitgegeben habe, die in der Grundform nicht zwischen Männern und Frauen unterscheidet. Damit spiegelt die Sprache sehr genau die Weltsicht dieses Volks. Trotzdem glaube ich nicht, dass irgendein Leser oder eine Leserin auf die Idee kommen wird, sie als ideologisch weichgespült zu empfinden.

Daher ist meine Position zu dem Thema ganz eindeutig: Mehr Mut zum Experiment. Sprache ändert sich sowieso. Warum nicht daran teilhaben und sie mitgestalten?


*Gendern finde ich übrigens auch ein ganz schreckliches Wort, weshalb ich es normalerweise vermeide.

Osterdingsdablues

Ostern ist rum. Lust zum Schreiben habe ich trotzdem keine. Also habe ich erst einmal ein paar Routinearbeiten erledigt.
Eine davon war, die #BiO Ostereier aus ihren Verstecken zu kramen. Für diejenigen, die sie noch nicht kennen: Das hier waren sie.

BiO 2

BiO 2.2

BiO 2.1

 

Vielen herzlichen Dank noch einmal an Elenor Avelle für die tolle Idee zu dieser Aktion und die Bilder. Vielen Dank auch allen, die teilgenommen haben. Ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß beim stöbern, finden und lesen, wie ich beim Verstecken.

Einen Moment lang habe ich überlegt, auch die dazugehörenden Texte nachträglich allgemein zugänglich zu machen. Aber dann empfand ich diese Vorstellung denen gegenüber unfair, die sich an der Suche beteiligt haben. Nach meinem Bauchgefühl würde das es ihre Mühe und damit auch den Gewinn entwerten.

Außerdem sind die Texte dadurch nicht verloren. Sie bleiben als gelegentliches Dankeschön und virtuelles Give-away für andere Gelegenheiten erhalten.

[Selfpublishing] Engagiert euch! Warum Autorinnen und Autoren politisch werden müssen.

Eine der besten Veranstaltungen, an denen ich auf der Leipziger Buchmesse teilgenommen habe, war diese sehr engagiert geführte Podiumsdiskussion zwischen Nina George und Janet Clark unter der Moderation von Anke Gasch.

Politisch werden, heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass wir künftig nur noch politische Texte schreiben sollen, die ein bestimmtes Gesellschaftsbild hochhalten. Bewahre!*
Politisch werden heißt, dass wir Autorinnen und Autoren uns selbst für unsere Belange einsetzen müssen. Sonst tut das nämlich keiner. Die Folge ist, dass in Deutschland gerade mal drei bis vier Prozent der AutorInnen von ihrer Tätigkeit leben können. Zugespitzt könnte man sagen, dass die einzigen, die nicht vom Literaturbetrieb profitieren, die sind, die Literatur schaffen.

Jetzt habe ich die Aufzeichnung dieses Gesprächs gefunden.
Und weil alle Punkte, oft im verschärften Maß, auch für Selfpublisher gelten, möchte ich die Diskussion gerne unter diesem Stichwort mit euch teilen. Unbedingt anhören. Und dann engagiert euch! Weil es keiner für euch tun wird.


*Die Frage, welches Menschenbild in manchen Büchern vermittelt wird, ist ein anderes Thema, das ich irgendwann sicher bei den Werkstattplaudereien aufgreifen werde.

[Autorenleben] Interview mit Markus Heitz

Ein absolut hörenswertes Interview dazu, wie Markus Heitz arbeitet. Dazu gibt es Einsichten in den Buchmarkt und Tipps für (angehende) Autoren.

Für mich war auch die Aussage spannend, selbst als Verlagsautor müsse man sich in den sozialen Netzen engagieren und Werbung für sich selber machen. Gleichzeitig hat er sich deutlich von Ramschaktionen distanziert. Mit Verzweiflungsaktionen, bei denen die Leser gebeten würden, das erstes Buch doch bitte umsonst herunterzuladen und das nächste dann billig zu kaufen, ruinierten die Autoren sich selber. Zwar seien die Daten auf dem eBook nur ein paar Cent wert – was zähle seien aber die Inhalte. Und da müsse man als Autor dazu stehen, dass es die nicht für lau gebe.
Dass auch ein erfolgreicher Autor wie Heitz so offen Stellung bezieht, finde ich gut!

Hier aber endlich der Link zum Interview. Bitte nicht durch das Bild verunsichern lassen, das hat mit dem Interview selber nichts zu tun.