[Werkstattgeplauder] Sexszenen schreiben

In meinen Büchern gibt es (bisher) eher wenige explizite Sexszenen. Nicht, weil meine Charaktere keinen Sex haben, aber weil ich die Szenen dramaturgisch nicht brauche. Im Prinzip ist es das Gleiche, wie bei anderen körperlichen Verrichtungen: Natürlich haben meine Charaktere Stuhlgang, aber deshalb muss ich nicht über jeden Klogang berichten.

Daher kann ich aktuell gar nicht so viel darüber berichten, wie ich Sexszenen angehe. Ich kann aber sagen, wie ich Sexszenen angehen würde. Nämlich so, wie es der Situation und den Charakteren angemessen ist.
Das ist sehr allgemein, sagst du? Stimmt. Aber bei mir hängt nun mal alles an den Charakteren. Wenn du konkrete Empfehlungen zum Schreiben einer Sexszene suchst, kann ich dir diesen Blogbeitrag von Tristan (auf Twitter auch bekannt als Desasterotik / @germanerotika) sehr ans Herz legen. Das ist so gut und ausführlich beschrieben, dass ich absolut nichts hinzuzufügen habe.

[Projekte] Es geht voran

Gestern habe ich endlich die Überarbeitung der Vampirgeschichte abgeschlossen und sie den Testlesern geschickt. Jetzt bibbere ich den Urteilen entgegen. Das tue ich zwar jedes Mal, wenn ich eine Geschichte aus der Hand gebe, aber dieses Mal noch ein bisschen mehr als sonst, denn diese Geschichte viel realistischer und gleichzeitig literarischer als alles, was ich bisher veröffentlicht habe.

Bis alle Rückmeldungen vorliegen, werde ich die Arbeit an der neuen Geschichte aus der Welt der Khon wieder aufnehmen. Das Handlungsgerüst steht zwar im Wesentlichen, aber in der Mitte lauert noch eine große Qualle. Wer selber schreibt kennt das vermutlich: Man weiß recht genau, was passiert, aber dann kommt eine Stelle an der alles weich und schwammig wird. Eine Qualle eben. Man könnte auch Treibsand dazu sagen. Aber egal, wie man es nun bezeichnet, muss ich entweder einen Weg drumherum finden oder eine Brücke darüber bauen.

Und ich will endlich den lange versprochenen Newsletter fertig stellen.

[Schnipsel] Sorgen und Nöte moderner Großstadtvampire

Sie achtete darauf, sich unauffällig zu verhalten, kleidete sich dezent, grüßte höflich im Vorbeigehen und zahlte vorbildlich Steuern, Abgaben und Fahrkarten. Geldsorgen hatte sie trotzdem keine. Jetzt, da sie eine eigene Wohnung besaß, reichte das Geld aus den Brieftaschen ihrer Opfer, um die laufenden Kosten zu decken.
Dass sie ein ganz anderes Problem hatte, merkte sie im August 1985, als sie eine neue Jahreskarte kaufen wollte und die Frau hinter dem Schalter ihren Ausweis mit der Bemerkung zurückgab: »Der ist leider abgelaufen. Den müssen sie erst verlängern, Vorher kann ich ihnen keine neue Fahrkarte ausstellen.« Sie warf einen Blick auf Silke. »Aber immerhin müssen Sie kein neues Foto machen. Sie sehen ja noch keinen Tag älter aus, als auf dem Bild hier.«
Bei einem Mann hätte Silke vielleicht an Schmeichelei und einen Flirtversuch geglaubt und den Ausweis unbesehen eingesteckt. So aber schrillten sämtliche Alarmglocken. Das Bild war zehn Jahre alt und unter der peinlichen Frisur guckte tatsächlich noch genau das gleiche Gesicht hervor, das ihr jeden Tag aus dem Spiegel entgegenblickte.

Aus: Biss zum nächsten Akt – demnächst als eBook erhältlich!

[Schnipsel] Biss zum letzten Akt

Die folgende Szene spielt kurz nach Silkes Verwandlung. Der Portier hat von Silkes Gepäck auf ihre Finanzen geschlossen und ihr angeboten, einen Teil der Kosten „in Naturalien“ zu zahlen.

Obwohl sie den Geruch der Seife nicht mochte, duschte Silke ausgiebig. Danach setzte sie sich, nur in ein Handtuch gehüllt, aufs Bett und wartete, bis es klopfte.
»Du verlierst aber auch keine Zeit«, sagte der Portier nach einem Blick auf das knapp sitzende Tuch und die vorgezogenen Vorhänge. »Hast es wohl nötig?«
»So nötig auch nicht.« Silke zuckte mit den Achseln und ging zum Bett voraus. »Aber es wäre schade eine Gelegenheit auszulassen, wenn sie sich so anbietet – oder?« Sie lächelte dem immer noch an der Tür stehenden Mann zu und klopfte einladend auf die Matratze neben sich. »Was ist jetzt, willst du nur quatschen, oder kommst du?«
Danach ging alles sehr schnell. Keine fünf Minuten später taumelte der Portier aus dem Raum, während sich Silke gesättigt in die Decke wickelte und einschlief.

Silke ist alles andere, als eine einfache Protagonistin, aber ich mag die Doppeldeutigkeit in ihren Antworten und in ihrem Verhalten.

[Meldung und Meinung] Reale Superheld*innen

Gerade bin ich auf einen Artikel von Lena Falkenhagen gestoßen, der meine Sichtweise zur Funktion von Literatur und was sie darf noch mal von einer anderen Seite beleuchtet:

Warum Autoren die Superhelden der Demokratie sind

Damit ist hoffentlich auch klar, dass wenn ich von Literatur spreche, nicht nur die hehre E(lite)-Literatur gemeint ist, mit der man die großen Preise gewinnt, sondern auch die kleine Schwester U. Das gilt um so mehr, als sich erst in ein zwei Generationen zeigen wird, was als die prägende Literatur war und was weg kann.

[Selfpublishing] E-Lending – erlaubte Abzocke

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bericht über die Session von Janet Clarke auf dem Literaturcamp Heidelberg stehen. Statt dessen habe ich mich entschlossen speziell über eines der Themen zu bloggen, die Janet bei ihrer Sitzung auch angesprochen hatte: Das E-Lending.

Das Wort klingt schon nach Elend und genau das ist es in meinen Augen auch. E-Lending bedeutet nichts anderes, als dass sich Bibliotheken die Möglichkeiten von eBooks voll zunutze machen können. D. h. statt Lizenzen müssen sie nur noch ein Exemplar eines eBooks kaufen und können es dann so unbegrenzt vielen Nutzern gleichzeitig zugänglich machen. Das ist natürlich ein schöner Vorteil für die Onleihe gegenüber Amazon, da die Onleihe ja noch mal deutlich günstiger ist. Im Prinzip bekommt die Onleihe damit das Recht, genau das zu tun, was Piratenseiten schon lange machen. Nur eben legal.

Für Verlage, Selfpublisher und Autor*innen ist eine Katastrophe.

Genau das hat der Bundestag aber gerade beschlossen. Versteckt im Gesetz zur Änderung des Urheberrechts in Bildung und Wissenschaft.  Allerdings beschränkt sich die Regelung nicht auf wissenschaftliche Bibliotheken oder wissenschaftliche Werke, sondern gilt allgemein für alle Bibliotheken und alle eBooks. Die einzige Beschränkung besteht darin, dass pro Sitzung nur bis zu zehn Prozent des Buches heruntergeladen werden dürfen. Diese „Beschränkung“ ist jedoch Augenwischerei, weil keine Begrenzung der Sitzungen vorgesehen ist. Wenn man 10% ausgelesen hat, holt man sich einfach die nächsten 10% ohne Wartezeit.
Und da Dateien nicht abnutzen, geht das unbegrenzt lange. Für die Bibliotheken eine große Ersparnis, da sie eBooks – anders als gedruckte Bücher – nicht nachkaufen muss. Wunderbar auch für die Leser*innen, die so noch billiger an Lesestoff kommen.

Nur diejenigen, die die Bücher geschaffen haben, gehen leer aus.

Und erzähle mir jetzt keiner, das sei Werbung!


Bei der Veröffentlichung hatte ich ganz vergessen, eine Quelle mitzuliefern. Hier ist ein Artikel aus dem Börsenblatt, der sich u.a. mit diesem Thema befasst.

[Selfpublishing] Marketing wie auf dem Fischmarkt

War jemand schon mal auf dem Hamburger Fischmarkt? Oder einem seiner „Ableger“, die seit einigen Jahren durch die Republik tingeln? Wenn ja, dann kennt ihr vermutlich diese Stände, an denen Marktschreier ihre Ware anpreisen. „Aaaale! Wunderbare Aaaaale! Und nicht nur ein‘, sonnern gleich drei für eins, ist das nicht ’n Angebot? Aber weist du was, ich pack dir noch ’ne Makrele drauf. Und ’ne Forelle. Und weil du’s bist, auch noch ’n Stück Heilbutt! Und das Ganze nur dreizehn Euro! Dreizehn Euro Herrschaften, dafür bekommt ihr da drüben nicht mal ’ne Forelle!“
Kennst du? Für alle, die es nicht kennen, habe ich hier ein Video:

Das ist schon Overkill.

Was das mit Selfpublishing zu tun hat? Da beobachte ich etwas ganz ähnliches. Das fängt schon bei den Newslettern an. „Trag dich ein und du bekommst eine Kurzgeschichte gratis!“ Richtig in die Vollen geht es aber, wenn man ein Buch direkt bestellt. Da ist oft schon die Verpackung der Knüller! Extravagante Kartons, mit Stempeln oder kleinen Zeichnungen verziert, lassen schon beim Empfang die Vorfreude steigen. Und dann der Inhalt erst: das Buch selbst oft noch einmal extra verpackt. Vielfach außerdem mit Widmung, aber jedenfalls signiert. Dazu gibt es ein Lesezeichen gratis. Und einen Sticker. Und Tee. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ein Gefühl, wie Weihnachten. Soooo viele Geschenke! Das ist toll.

Auf der anderen Seite habe ich aber auch ein bisschen das Gefühl, dass mich jemand mit der schieren Masse bestechen will. Das finde ich schade, denn das hieße auf der Kehrseite, dass da jemand seinem eigenen Produkt nicht traut. Dabei möchte ich als Leserin doch gerade durch die Inhalte gefesselt werden. Sei es nun beim Buch oder beim Newsletter, möchte ich, dass der Mehrwert in der Sache selbst liegt.
Und so sehr ich es verstehe, dass man als Autor/Autorin sein Buch nicht einfach in irgendeinen Karton packen will – schon die tolle Verpackung und die Widmung machen das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Aber vielleicht bin ich auch mal wieder hyperkritisch. Deshalb die Frage: Sind Goodies bzw. Freebies ein Zeichen von Unsicherheit?

[Selfpublishing] Doofe Werbung!

Werbung nervt. Vor allem solche, wie im Beitragsbild. Niemand lässt sich gerne vorgeschrieben bekommen, wie sie zu leben und was er zu kaufen hat. Ich bin da keine Ausnahme.

Aber das bringt mich auch in eine Zwickmühle, denn als Selfpublisherin brauche ich Werbung. Ohne Werbung werden meine Bücher nicht gesehen, also auch nicht gekauft. Anders als Verlagsautoren habe ich auch niemanden, der mir das abnimmt. Keine Marketingabteilung, die sich coole Kampagnen ausdenkt, die den Leser*Innen sagen: „Kauft Nikes Bücher, sie sind sehr gut!“
Ich muss das schon selber machen.

Leider reicht es auch nicht, in den sozialen Medien präsent zu sein und hier im Blog Artikel zu allem möglichen zu schreiben. Dadurch präsentiere ich nur mich. Nicht meine Bücher. Aber um die geht es auch. Von denen will ich schließlich irgendwann leben können.
Deshalb muss ich neben den wirklich interessanten Diskussionen, die sich auf Twitter und Facebook immer wieder ergeben und zusätzlich zu den Blogartikeln auch immer wieder mal Hinweise auf meine Bücher einstreuen. Auch auf die Gefahr, zu nerven. Aber wenn ich es nicht tue, geraten meine Bücher eventuell in Vergessenheit und das wäre schade. Denn sie sind sehr gut.

Glaubst du nicht? Dann mach dir selbst ein Bild. Zum Beispiel auf meiner Autorenseite auf Amazon.

[Werkstattgeplauder] Die Crux mit den Frauenrollen

Vor ein paar Tagen fragte eine Kollegin, wie alt man sein müsse, um Erfahrung zu haben. Konkret ging es um eine Kräuterfrau Anfang zwanzig. Ob die schon erfahren sein könne?
Das Gespräch entwickelte sich schnell schnell weiter zu einer grundsätzlichen Frage: Warum müssen Heldinnen immer jung und schön sein? Oder anders gesagt: Warum finden sich jenseits von jung und schön nur noch die Hexen, Stiefmütter und die intriganten alten Weiber?

Die Frage hat mich nicht losgelassen und so kam es zu folgendem Zwiegespräch zwischen meinem schreiberischen Ich und dem Über-Ich, das ich hier ungekürzt und in aller Polemik wiedergebe. Zur besseren Übersicht spricht das Ich in grau und das Über-Ich in schwarz.

Das mit junge, schöne Protas vs. alte Hexen ist wirklich so ein Klischee und eigentlich wollen wir ja weg davon. Außerdem wird es in der alternden Gesellschaft vielleicht sogar begrüßt, wenn nicht nur die 16 – 21jährigen Liebesabenteuer erleben, sondern auch mal die, sagen wir, 50plusserinnen ihren Traumprinzen abkriegen?

Stimmt. Allerdings – wieso Traumprinz?

Wer sagt denn, dass Liebesgeschichten immer hetero sein müssen? Es könnte doch auch sein, dass die 50plusserin entdeckt, dass sie gar nicht auf Männer sondern auf Frauen steht.

Gute Idee. Sie findet also die Liebe ihres Lebens und die ist eben nicht überirdisch schön, sondern normal. Also gerne ein bisschen übergewichtig, orangehäutig und auch nicht mehr die sportlichste. Dafür aber, sagen wir: Türkin.
Türkin ist gut. Das bringt Interkulturalität und zusätzliche Konflikte und Konflikte sind immer gut.
Dafür sind beide aber total nett und sympathisch und deshalb fiebern wir natürlich mit, denn das Happy End gehört ja irgendwie dazu.

Das hat was. Aber mal ganz generell gefragt: Warum dürfen Frauen nicht auch mal die Fiesen sein? Also richtig böse Superschurkinnen, die Spaß an Folter, Mord oder dem Zerstören von Welten haben, statt immer nur aus Liebeskummer zu handeln?
Du bringst mich da auf eine geile Idee! Das wäre doch mal ein Superplot: Eine schon etwas ausgelutschte 50plusserin verliebt sich in eine fette, türkische …

Oh, wait!

Huston, wir haben ein Problem!

Lesbische Superschurkin ist nicht. Es gibt so wenige lesbische Protagonistinnen, dass jede als Stellvertreterin für alle Lesben gesehen wird. Wenn ich also eine lesbische Superschurkin habe, die aus Freude am Foltern foltert, dann werden alle denken, du hast was gegen Lesben. Und wenn die dann auch noch Türkin ist, bist du außerdem Rassistin.
Wenn, muss die weiße Kartoffel die Böse sein, dann gleicht sich das vielleicht wieder aus.

Puhhhhhhhh!

Also fette, türkische Lesbe verknallt sich in die schurkische Kartoffel, wechselt auf die dunkle Seite der Macht. Gemeinsam sind sie noch stärker und weiten ihren Geschäftsbereich aus, bis …
Ne, kannste nicht machen. Erstens glaubt das kein Mensch und zweitens ist das wieder Anti-LGBT.
Ok, sie verlieben sich also und kämpfen auf der dunklen Seite der Macht, bis sie werden wie Thelma und Louise …
Halt, stopp! Das ist zwar schon besser, aber wer bringt denn den Untergang? Doch garantiert die Polizei, also im Zweifel Männer. Dabei geht es hier um Frauenrollen, Herrgott, … Verzeihung: Große Mutter nochmal!
Also dritter Anlauf: Die fette Türkin verliebt sich, sieht dann aber ihren Fehler ein, beseitigt die Kartoffel und rettet die Welt.
Das ist mir auch schon wieder zu Mainstreamig. Muss denn der Superschurke immer gleich gekillt werden? Und dann auch noch eine Weiße von einer PoC? Das riecht nach Rassismus.
Den Punkt hatte ich nicht bedacht. Also die supernette Türkin, die natürlich Atheistin ist, überzeugt die Weiße davon, auf die helle Seite zu wechseln. Das hat dann auch noch eine hübsche Konnotation, wenn ausgerechnet die Weiße erst auf der dunklen Seite steht und dann durch die Liebe ihrer dunkelhaarigen Freundin gerettet wird.
Super Plot! Projekt gerettet! Jetzt muss ich nur noch ’ne Story drumrum basteln.

Ja, nicht so schnell: Müssen die sich unbedingt verlieben? Wer sagt eigentlich, dass sich Frauen unbedingt verlieben müssen?
Müssen sie ja gar nicht. Sie können zum Beispiel auch Nachbarinnen sein, die sich aber nicht leiden können …
Nein, das geht auch nicht, wir wollen positive Frauenrollen. Frauen, die sich gegenseitig unterstützen. Keinen Zickenkrieg, das ist nicht nur ein böses Wort, sonder auch so ein Klischee, das es zu bekämpfen gilt.
Also: Sie sind Freundinnen.
Ja, und der Konflikt? Wo bleibt der Konflikt? Du weißt, dass du einen brauchst.
Der Konflikt ist natürlich die Gesellschaft. Sie sind beide über 50, übergewichtig und lesbisch. Aber die Gesellschaft erwartet von ihnen, dass sie jung, hübsch und hetero sind. Außerdem ist eine auch noch Türkin. Das ist doch Konfliktstoff, oder?
Stoff schon, aber noch kein Konflikt. Da brauchst du mehr. Vor allem müssen sie aktiv sein und etwas tun. Aktivität ist schließlich das, was eine gute Protagonistin auszeichnet.
Gut, was hältst du davon: Sie eröffnen gemeinsam eine interkulturelle Konditorei, oder warte, besser: ein Hammam! Eins, wo nur Frauen Zutritt haben! Und alle Frauen sind natürlich total begeistert, auch weil sie mit einem ganz neuen Körpergefühl rauskommen, auch wenn es natürlich auch Gegner gibt. Ich stelle mir da zum Beispiel so eine alte, vertrocknete Lehrerin vor …
Achtung! Ganz dünnes Eis, meine Liebe! „Alte, vertrocknete“ ist Bodyshaming! Und nichts gegen Lehrerinnen!
Die Lehrerin ist ja nur am Anfang dagegen, aber nachdem sie das Hammam einmal besucht, ist sie hin und weg und hilft den beiden Lesben gegen ihren ärgsten Widersacher, so einen echten Widerling …
EINEN MANN? Sag mal, willst du jetzt die Männer diskriminieren?


An dem Punkt habe ich die Diskussion mit meinem Über-Ich abgebrochen und mich darauf besonnen, dass ich ohnehin erst die Geschichte glattziehe, bevor ich mir Gedanken über die Besetzung mache. Aber natürlich bleibt das Grundproblem erhalten: nämlich welche Figuren wir als Autor*Innen und Leser*Innen eigentlich wollen.
Und bevor jetzt irgendwer auf die Idee kommt, das sei ein Problem des Genderns oder des Feminismus: Das Problem, gute Figuren zu schaffen, existiert keinesfalls nur für Frauen. Ich kann das gleiche Fass problemlos auch für Männer aufmachen. Die Konstruktion des idealen Superhelden wäre auch sehr spaßig.


Als Ergänzung hier noch ein Artikel der Edition F, über den ich eben auf Twitter gestolpert bin. Andere Perspektive aber das gleiche Problem.

Mein wunderbares Selfpublisherinnenleben

Die Disruption der Buchbranche habe gerade erst begonnen, las ich kürzlich, und dass Selfpublishing die Zukunft sei. So viel Geld, wie als Selfpublisherin habe sie noch nie verdient, verriet eine Autorin dem Deutschlandfunk. Ich verrate vermutlich kein Geheimnis: Ich war das nicht.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Selfpublishing großartig. Es ist eine Chance, Formate und Geschichten auf den Markt zu bringen, an die sich Verlage nicht herantrauen. Verlage sind keine Gralshüter der Kunst, sondern Wirtschaftsunternehmen. Das heißt, die herausgegebenen Bücher müssen sich rechnen. Ihr Verkauf soll nicht nur die Tantiemen für die Autorin, sondern auch das Gehalt der aller Beschäftigten finanzieren und sogar noch einen Gewinn abwerfen. Verständlich, dass man da lieber auf Alt- oder im Ausland Bewährtes setzt.

Als Selfpublisherin sieht die Sache etwas anders aus: Ich bin in erster Linie mir selber verpflichtet. Ich kann herausgeben, was ich selber für gut und richtig halte, ohne auf den Gewinn schielen zu müssen.
Dass ich es doch tue, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich tun das vermutlich alle, denn, seien wir ehrlich: Verkäufe bedeuten auch Anerkennung. Der Blick auf die Verkaufsstatistiken ist dann manchmal schon ein bisschen deprimierend.
Es ist ja nicht nur das Herzblut, das in den Geschichten steckt. Auch nicht die Umwandlung in ePub oder Mobi bei eBooks, über die jene Autorin so klagt. Es ist vor allem die Arbeit darüber hinaus. Die Überarbeitungen, die Arbeit an Klappentext, ein Cover zu finden, Marketingkampagnen zu planen, Blog- und Facebookeinträge zu schreiben und überhaupt in den sozialen Medien präsent zu sein; das Nachsinnen, wen man noch ansprechen und motivieren könnte, während man schon am nächsten Werk schreibt, das auch wieder promotet werden muss und wer sollte das schon tun, wenn nicht man selber …
In stillen Momenten keimt dann schon mal die Frage auf, ob ein Job als Taxifahrer, Bäckereifachverkäuferin oder bei Lidl an der Kasse nicht sinnvoller wäre.

Aber natürlich ist das Humbug. Schließlich weiß ich, dass Erfolg auch langen Atem braucht. Vor allem aber, weil ich an meine Geschichten glaube.