#CharactersofSeptember (Tag 27) – Seraina und die Tränen

Wer mitliest, kennt es bereits: Characters of September ist eine Challenge, bei der fiktive Charaktere selbst zu Wort kommen. Bei mir beantwortet Seraina, eine Spielfrau aus dem 8. Jahrhundert die Fragen. Sie ist eine der Figuren aus der Erzählung Der Fluch des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina, noch vier Tage, dann ist die Challenge zuende. Ich hoffe, die Fragen sind dir nicht zu nahe gegangen.“

Seraina: „Sei gegrüßt. Nein, es passt schon. Wenn es zu viel ist, sage ich das auch. Du kennst mich.“

Nike: „Das ist gut, denn heute wird es wieder sehr persönlich und zwar geht es darum, wann du das letzte Mal geweint hast – und warum.“

Seraina: „Ich habe in meinem Leben viele Tränen vergossen, aber wann das letzte Mal und warum? Das ist alles so lange her und es gab so viele Gründe zu weinen. Hunger, Schmerzen, Verachtung …
Nicht, dass es irgendwie geholfen hätte. Es erschöpft nur und die Probleme bleiben. Aber das sagt sich so leichthin. Wenn es so weit ist, weint man ja doch. Aber irgendwann … Irgendwann hat es aufgehört. Die Probleme waren noch da. Die Gefühle auch. Aber ich hatte keine Tränen mehr. Ganz so, als wäre ich innerlich vertrocknet.“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem kann es bei diesen Anbietern heruntergeladen werden:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

Advertisements

#WirSchreibenDemokratie – Weil wir uns erinnern wollen!

Krieg, das scheint hier, im sicheren Deutschland etwas, das nur andere angeht. Höchstens diejenigen, die in winzigen Booten über das Mittelmeer kommen, erinnern vielleicht noch daran. Aber viele scheinen nicht erinnert werden zu wollen.
Denen ist es vielleicht ganz recht, dass auch die letzten wegsterben, die noch von Krieg, Flucht und Vertreibung erzählen können – und vielleicht auch von der Zeit davor. Es erlaubt, sich von ihnen zu distanzieren und sie gleichzeitig zu verklären.

Auch in meiner Familie gibt es niemanden mehr, den ich dazu befragen könnte. Weder zu den Bombennächten in Hamburg noch zur Flucht aus Ostpreußen. Die Großeltern sind tot und meine Eltern waren damals selbst noch Kinder. Bei Kriegsende war mein Vater gerade mal sechs, meine Mutter drei.
Viel erzählt haben die Großeltern aber auch zu Lebzeiten nicht. Es gab nichts zu erzählen, denn das waren keine Zeiten, an die man sich gern erinnerte. Nicht nur wegen der Toten. Über die wurde noch am Meisten gesprochen. Auch, wenn mein Opa mütterlicherseits so früh starb, dass von ihm nicht einmal ein Name blieb. Sein Leben reichte für eine schnelle Heirat und zwei Heimaturlaube, in denen er jeweils ein Kind zeugte. Kurz nach dem zweiten Urlaub traf eine Bombe sein Schiff. Den Schilderungen der überlebenden Kameraden nach, muss sie ihm fast auf den Kopf gefallen sein. Aber da seine Leiche nie gefunden wurde, galt er lediglich als vermisst. Meine Oma bekam nicht einmal Witwenrente.
Mein Opa väterlicherseits starb im Jahr meiner Geburt. Dank einer kriegswichtigen Position in den Göring-Werken musste er nicht an die Front. Aber als überzeugter Deutsch-Nationaler hat er auch nichts dagegen unternommen, als sein ältester Sohn zum letzten Aufgebot gegen die heranrückende Rote Armee eingezogen wurde. Die Möglichkeiten hätte er gehabt. Sie nicht genutzt zu haben, hat er den Rest seines Lebens bereut. Von meinem Onkel Lothar gibt es genauso wenig ein Grab, wie von meinem namenlosen Opa. Der eine blieb auf See, der andere verschwand irgendwo im Samland.

Was blieb, sind ein paar Anekdoten. Von der Ur-Oma, die mit Oma und den beiden kleinen Kindern aus dem ausgebombten Hamburg ins Umland evakuiert wurde, wo sie die Familie mit Kartenlegen durchbrachte. Von meiner Mutter, die bis heute keinen Kohl und keine Steckrüben riechen kann. Erzählungen über den Hungerwinter, in dem morgens die steifgefrorenen Leichen aus den Nissenhütten getragen wurden. Die Geschichte, als meine Oma hinter einem Busch pinkeln gehen wollte und den Kessel mit dem schwarz geschlachteten Schaf im Knick fand.
Die Anekdote von der Uhr, die die Russen meiner anderen Oma gestohlen haben und dass sie daraufhin zum Kommandanten ging; sich beschwerte: als Ärztin sei sie auf eine Uhr angewiesen, wie sonst solle sie den Puls messen? Und dass sie daraufhin eine neue Uhr bekam. Meine Tante, die sich beklagte, zur Konfirmation ein Kleid aus Fallschirmseide bekommen zu haben, das so kalt war, dass sie auf dem Rückweg kaum noch gehen konnte. Dass im Garten der Familienvilla in der sie zu der Zeit lebten (meine Großeltern väterlicherseits hatten mehrere davon), Kartoffeln angebaut wurden. Und dass meine Tante noch bis in die 80er Jahre Angstzustände bekam, wenn sie jemanden russisch sprechen hörte.

Frauengeschichten vom Krieg und der Zeit danach. Es waren keine Männer übrig, um ihre Sicht zu erzählen, bis auf Onkel Volker, der ein solcher Widerling war, dass niemand freiwillig mit ihm sprach.
Trotzdem war selbst uns Kindern damals, in den 70ern klar, was der Krieg Menschen antut. Wir hatten es ja täglich vor Augen. Damals gab es sie schließlich noch, die Kriegskrüppel (oder die „Versehrten“, wie sie pietätvoller genannt wurden. Political correctness ist keine neue Erfindung).
Links von uns wohnte ein alter Nazi mit nur einem Bein, der soff, um die Erinnerungen los zu werden. Tagsüber mag das geklappt haben, aber nachts hörten wir ihn manchmal schreien. Sogar noch durch die Wände hindurch. Ich war mit seiner Tochter befreundet und am Wochenende fuhren wir manchmal raus ins Grüne, wo er uns Schießen beibrachte (er war Jäger und die Waffen waren legal. Ob er sie uns geben durfte, ist eine Frage, die ich mir damals nie gestellt habe).
Auf der anderen Seite wohne ein Sozi mit nur einem Arm. Die Gerüchteküche besagt, er habe ein Strafbataillon überlebt, aber er selber sprach nie darüber. Sein leerer linke Hemdsärmel steckte in der Hosentasche, damit er nicht im Weg war. Wundersamerweise war er trotzdem handwerklich sehr geschickt und hat vieles im Haus selber gemacht. Uns Kindern hat er beigebracht, wie man Fahrräder repariert.

Es gab noch mehr solche Leute in der näheren und weiteren Umgebung. Halbblinde, Lahme, Einarmige. Man zeigte nicht auf sie. Jeder wusste, woher die Verletzungen kamen. Aber man sprach nicht darüber. Nur nichts aufwühlen.
Nur einmal hat meine Mutter meine Oma nach der Zeit „davor“ gefragt. Warum denn keiner etwas gesagt oder getan habe.
„Aber wir wussten doch von nichts“, hat meine Oma geantwortet und normalerweise wäre das Thema damit wieder begraben gewesen.
Aber dieses eine Mal hat meine Mutter nachgebohrt. Hat gesagt, dass sie das nicht glauben kann; dass man es doch merken muss, wenn die Nachbarn verschwinden.
„Wir wussten nichts“, hat meine Oma wiederholt. „Man durfte doch nichts wissen. Jeder wusste doch, was mit denen passiert, die zu viel wissen oder zu viele Fragen stellen!“

Warum ich das hier schreibe? Weil gerade eine Partei in den Bundestag eingezogen ist, die die Meinung vertritt, man solle diese Omertá wieder einführen. Das alles vergessen. Stolz sein auf die Leistungen einer Armee, die fremde Länder überfallen und damit unsägliches Leid über Europa gebracht hat.

Aber ich will nicht vergessen. Die Erinnerung ist kostbar. Trotz der Toten, der Krüppel und des Leids. Ohne solche Erinnerungen sind wir wurzelloses Gestrüpp, wie dieses Tumbleweed-Kugeln, die immer durch die Westernszenarien rollen. Vergessen führt nicht in eine bessere Zukunft. Im Gegenteil: Ohne solche Erinnerungen laufen wir Gefahr, die Fehler unserer Vorfahren zu wiederholen.
Deshalb schreibe ich das hier auf. Weil ich es kann. Weil wir in einer Gesellschaft leben, in der man neugierig sein darf. In der man nicht abgeholt, eingesperrt oder sogar erschossen wird, weil man zu viel wusste und das auch noch ausgesprochen hat.  Ich schreibe es auf, weil man sich seine Geschichte so wenig aussuchen kann, wie die Familie, in die man hineingeboren wird. Gegen das Vergessen. Für Demokratie und Freiheit.


WirSchreibenDemokratie
Grafik: Elenor Avelle und Anne Colwey

#WirSchreibenDemokratie ist eine Aktion des Nornennetzes.
Weitere Artikel gibt es u. a. von:
Textflash und Hermine
Frau Schreibseele
Evanesca Feuerblut
Der Fantastronautin
Schreibtrieb
Blue Siren

Wenn du deinen Beitrag hier nicht findest, schick mir einfach eine kurze Nachricht mit dem Link, ich füge ihn dann ein.

#CharactersofSeptember (Tag 26) – Worauf Seraina stolz ist

„Characters of September“ ist eine Challenge, bei der fiktive Charaktere selbst zu Wort kommen. Bei mir stellt sich Seraina, eine Spielfrau aus dem frühen Mittelalter, den Fragen. Sie ist eine der Figuren aus der Erzählung Der Tod des Spielmanns.

Nike: „Hallo Seraina. Schön, dass du wieder da bist. Nachdem wir uns gestern über Scham unterhalten haben, geht es heute um Stolz. Gibt es etwas, auf das du rückblickend besonders stolz bist?“

Seraina: „Sei gegrüßt, Nike. Stolz ist ein großes Wort und wir waren kleine Leute. Stolz konnten wir uns nicht leisten. Aber doch, es gibt eine Sache, auf die ich tatsächlich stolz bin.“

Nike: „Lass mich raten. Darauf, dass du weggelaufen bist? Du hast diesen Moment der Freiheit erwähnt.“

Seraina: „Das war ein wundervolles Gefühl. Aber stolz? Nein! Stolz bin ich darauf, Corvin das Leben gerettet zu haben. Wenigstens ihm.“


entwurf2

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem kann es bei diesen Anbietern heruntergeladen werden:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

#WirSchreibenDemokratie – Und ich schreibe mit

Eigentlich sollte das hier eine politikfreie Zone werden,

schrieb ich vor etwa anderthalb Jahren als Reaktion auf das Erstarken der AfD,

ein Wolkenschloss mit Elfenbeintürmchen sozusagen, abgeschieden von der realen Welt. Genau wie meine Geschichten. Ich verstehe mich nicht als politische Schriftstellerin.

Inzwischen hatte ich Zeit diese Position zu überdenken. Ich verstehe mich nach wie vor nicht als politische Schriftstellerin. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass ich irgendwen zu irgendetwas bekehren will. Meine Geschichten sollen in erster Linie unterhalten. Aber natürlich habe ich eine Meinung und eine Haltung. Beides prägt die Figuren, die ich erschaffe und die Geschichten, die ich erzähle. Ich glaube nicht, dass ich z. B. einen klassischen James Bond schreiben könnte, einfach, weil ich dieses Klischee des männlichen Mannes (ja, die Doppelung ist beabsichtigt) albern und ein bisschen ekelhaft finde.

Diese Haltung prägt natürlich auch die Beiträge im Blog, die sehr viel politischer sind als ursprünglich geplant. Spätestens, seit ich angefangen habe, auch über Sprache zu schreiben und Tipps zur Figurenentwicklung zu geben, ist das Politische sozusagen durch die Hintertür hereingekommen.
Das gestrige Wahlergebnis hat mich bewogen, nun auch die Vordertür zu öffnen, denn das, was da gestern in den Bundestag eingezogen ist, hat mit Demokratie nichts am Hut. Bei Ankündigungen, wie, man werde sich „sein Volk zurückholen“, möchte ich schreien. Ich bin nicht das Volk von irgendwem. Ich bin kein Eigentum, kein Besitz und ganz bestimmt lasse ich mich von niemandem einfach holen! Schon gar nicht von einem alten Mann mit Hundekrawatten. Das ist nicht mein Kandidat und das Land, von dem er träumt ist und war nie meine Heimat.

Mein Deutschland ist ein reiches, fruchtbares Land, wobei ich „reich“ und „fruchtbar“ nicht nur im materiellen Sinne verstehe. Mein Deutschland ist ein Land, dessen Bewohner so selbstbewusst sind, dass sie anderen offen gegenüber treten können. Ein Land, in dem Kultur sich nicht als etwas gegebenes, abgeschlossenes verstanden wird, weil sie schon immer von anderen Kulturen befruchtet wurde und weil man es versteht, von anderen zu lernen. Mein Deutschland ist das Land, in dem jeder in den Grenzen der Gesetze nach seiner Façon selig werden kann und in dem Freiheit ganz selbstverständlich auch die Freiheit des anders Denkenden bedeutet.
Das ist vielleicht eine Utopie. Aber eine, für die es sich zu leben und zu streiten lohnt.

Auch das ist ein Zitat aus dem Artikel von vor anderthalb Jahren und in diesem Punkt hat sich meine Meinung kein bisschen geändert. Deshalb schließe ich mich dem vom Nornennetz aufgebrachten Hashtag #WirSchreibenDemokratie an und deshalb wird es hier von jetzt an auch offen politische Artikel geben. Wer das nicht erträgt, braucht hier ja nicht mitzulesen. Noch ist es ein freies Land und wenn ich mit meiner Stimme, mit meinen Worten oder mit meinen Taten irgendetwas dazu beitragen kann, wird es das auch bleiben!

#CharactersofSeptember (Tag 25) – Dafür schämt sich Seraina am Meisten

Die Challenge Characters of September lässt fiktive Charaktere selber zu Wort kommen. Bei mir ist es Seraina, einer der Geister aus der Erzählung Der Fluch des Spielmanns, die sich den Fragen stellt. Seraina ist zwar nicht die Hauptfigur, nimmt aber innerhalb der Geschichte eine sehr wichtige Rolle ein. Vor allem aber ist sie meine Inspiration beim Schreiben gewesen, da der Fund ihrer Gebeine Anlass zum Schreiben dieser Geschichte war.

Nike: „Hallo Seraina! Schön, dass wir uns wiedersehen.“

Seraina: „Sei du auch gegrüßt. Aber ich bin froh, wenn das hier überstanden ist. Ich möchte endlich wieder schlafen. In Ruhe.“

Nike: „Dann will ich gleich auf den Punkt kommen: Was ist das, wofür du dich am Meisten schämst, wenn du zurückdenkst.“

Seraina: „Am Meisten schämen … Als wenn das so einfach zu sagen wäre. Und wie soll ich einen einzelnen Moment herausgreifen, wo doch mein ganzes Leben Scham und Schande war?“

Nike: „Kannst du uns das etwas näher erklären?“

Seraina: „Ich habe durch meine Flucht gegen das Gesetz und durch mein Leben mit Corvin gegen gute Sitten verstoßen, ja.“

Nike: „Das heißt, dass du deine Entscheidung letztlich doch für falsch hältst?“

Seraina (schüttelt den Kopf): „Nein. Das war schon richtig. Trotzdem: Wenn die Leute ständig auf dich herabblicken und dir zu verstehen geben, dass du nichts bist, dann bleibt das irgendwann haften. Es ist wie Schmutz, der sich unter die Haut frisst, bis auf deine Seele und diesen Schmutz wirst du nie, nie wieder ganz los – selbst, wenn nur du selber ihn sehen kannst.
Und es hat nicht erst angefangen, als ich weggelaufen bin. Die Scham begleitet mich, seit ich denken kann. Wäre sie nicht gewesen, wäre ich doch gar nicht erst weggelaufen. Aber auch als ich noch der familia der Herrin gehörte, war ich schon Dreck. Indem ich weglief und mich mit Corvin zusammentat, war ich wenigstens einmal frei. Für einen kurzen, angstvollen, aufregenden Moment nur, bis mich die Scham wiederfand und mich nie mehr losließ. Aber schon um dieses Moments willen, hat sich alles gelohnt.“

Nike: „Das ist nach heutigen Maßstäben alles sehr schwer nachvollziehbar. Um so mehr danke ich dir dafür, dass du uns so offen davon erzählst!“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem kann es bei diesen Anbietern heruntergeladen werden:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

Das generische Maskulinum – eine Illusion?

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel zur gegenderten Sprache verfasst. Genauer gesagt: Ich habe darüber geschrieben, warum es nicht schlimm ist, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen, sondern vielleicht sogar gut.

Jetzt bin ich bei SciLogs auf den Artikel eines Sprachwissenschaftlers über das generische Maskulinum gestoßen, der zu dem überraschenden Ergebnis kommt, dass es das nicht gibt: Frauen natürlich ausgenommen.
Anders, als oft behauptet, sind Frauen eben nicht ausdrücklich mitgemeint, wenn eine männliche Form gewählt wird.

Es lohnt sich, den Artikel und die Kommentare bis zum Ende lesen.

#CharactersofSeptember (Tag 24) – Seraina über das Schrecklichste, was sie Corvin angetan hat

Wer hier mitliest, weiß inzwischen vermutlich sehr genau, dass es bei Characters of September darum geht, fiktiven Charakteren eine Stimme zu geben. Trotzdem schreibe ich es für die Neueinsteiger sicherheitshalber noch einmal dazu.
Bei mir beantwortet Seraina, eine Spielfrau aus dem frühen Mittelalter die Fragen.

Nike: „Hallo Seraina! Noch einmal herzlichen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Ich weiß, dass dir die Fragen sehr zusetzen und auch die nächste wird vermutlich nicht leicht. Es geht darum, was das Schrecklichste war, das du jemandem, den du liebst, angetan hast.“

Seraina: „Du hast recht. Ich hätte es mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen sollen, bevor ich zusage. Oder die Fragen genauer lesen. Manche davon sind wirklich …
Warum wird so in den düsteren Winkeln der Seele gestochert? Was soll das bringen? Glaubt wirklich jemand, mich besser zu kennen, nur weil solche Sachen ans Licht gezerrt werden? Ist denn der Kern meines Seins das Böse? Sind es nicht auch die hellen Dinge? Meine Talente und Fähigkeiten, die schönen Erlebnisse; das, was mich mit anderen verbindet? Warum sprechen wir nicht über meine Beziehung zu Corvin oder – wenn es denn schon hart und schwer sein muss – über das Leben als Fahrende und darüber, wie es ist, Geld für Ehre zu nehmen?“

Nike: „Tut mir leid, aber …“

Seraina: „Ja, ja, ich weiß. Du hast die Fragen nicht gemacht und so weiter. Hatten wir schon. Also kurz die Antwort: Das Schlimmste, was ich Corvin, meiner großen Liebe angetan habe, war natürlich die Drohung, ihn mit in den Tod zu nehmen. Ich habe damals keinen anderen Weg gesehen, aber es zerschneidet mir immer noch das Herz, wenn ich an das Entsetzen in seinen Augen denke.“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

#CharactersofSeptember (Tag 23) – Serainas erster Kuss

Characters of September ist eine Challenge, bei der fiktive Charaktere selber das Wort ergreifen. Bei mir ist es Seraina, eine der Spielfrauen aus Der Fluch des Spielmanns, die im Interview Rede und Antwort steht (wenn sie denn Lust hat).

Nike: „Hallo Seraina. Schön, dass du wieder da bist.“

Seraina: „…“

Nike: „Ok, ich sehe schon: Du bist immer noch sauer. Aber ich habe mir die Fragen nicht ausgedacht – und du hast gesagt, du würdest antworten.“

Seraina: „Ja.“

Nike: „Ich fürchte, die nächste Frage wird wieder heikel. Es geht darum, wie dein erster Kuss war.“

Seraina: „Meinen ersten Kuss, ja? Den habe ich vom zweiten Sohn unserer Herrin bekommen. Kurz bevor er mir befahl, mich hinzuknieen und sein Ding in den Mund zu nehmen. Willst du mehr Einzelheiten?“

Nike: „Danke, ich glaube, das reicht.“


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)

#CharactersofSeptember (Tag 22) –

Tut mir leid, aber nach der Frage gestern ist Seraina etwas angefressen und streikt. Vielleicht morgen wieder.


entwurf2

 

Die Erzählung Der Fluch des Spielmanns ist als eBook für alle gängigen Lesegeräte erhältlich. Unter anderem gibt es das eBook bei diesen Anbietern:

https://books2read.com/Spielmannsfluch

(Der Klick auf eines der Icons leitet in den jeweiligen Shop weiter)