Mein wunderbares Selfpublisherinnenleben

Die Disruption der Buchbranche habe gerade erst begonnen, las ich kürzlich, und dass Selfpublishing die Zukunft sei. So viel Geld, wie als Selfpublisherin habe sie noch nie verdient, verriet eine Autorin dem Deutschlandfunk. Ich verrate vermutlich kein Geheimnis: Ich war das nicht.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Selfpublishing großartig. Es ist eine Chance, Formate und Geschichten auf den Markt zu bringen, an die sich Verlage nicht herantrauen. Verlage sind keine Gralshüter der Kunst, sondern Wirtschaftsunternehmen. Das heißt, die herausgegebenen Bücher müssen sich rechnen. Ihr Verkauf soll nicht nur die Tantiemen für die Autorin, sondern auch das Gehalt der aller Beschäftigten finanzieren und sogar noch einen Gewinn abwerfen. Verständlich, dass man da lieber auf Alt- oder im Ausland Bewährtes setzt.

Als Selfpublisherin sieht die Sache etwas anders aus: Ich bin in erster Linie mir selber verpflichtet. Ich kann herausgeben, was ich selber für gut und richtig halte, ohne auf den Gewinn schielen zu müssen.
Dass ich es doch tue, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich tun das vermutlich alle, denn, seien wir ehrlich: Verkäufe bedeuten auch Anerkennung. Der Blick auf die Verkaufsstatistiken ist dann manchmal schon ein bisschen deprimierend.
Es ist ja nicht nur das Herzblut, das in den Geschichten steckt. Auch nicht die Umwandlung in ePub oder Mobi bei eBooks, über die jene Autorin so klagt. Es ist vor allem die Arbeit darüber hinaus. Die Überarbeitungen, die Arbeit an Klappentext, ein Cover zu finden, Marketingkampagnen zu planen, Blog- und Facebookeinträge zu schreiben und überhaupt in den sozialen Medien präsent zu sein; das Nachsinnen, wen man noch ansprechen und motivieren könnte, während man schon am nächsten Werk schreibt, das auch wieder promotet werden muss und wer sollte das schon tun, wenn nicht man selber …
In stillen Momenten keimt dann schon mal die Frage auf, ob ein Job als Taxifahrer, Bäckereifachverkäuferin oder bei Lidl an der Kasse nicht sinnvoller wäre.

Aber natürlich ist das Humbug. Schließlich weiß ich, dass Erfolg auch langen Atem braucht. Vor allem aber, weil ich an meine Geschichten glaube.

phantastische Frauen: Susan Dexter

Meine im Rahmen der Autorinnenzeit begonnene, sehr persönliche Reihe über Frauen in der Phantastik, die mich und mein Schreiben geprägt haben, wäre unvollständig, wenn ich nicht wenigstens auch Susan Dexter erwähnen würde.

Ihre Bücher habe ich verschlungen, obwohl sie ein Genre berühren, das ich sonst so gar nicht mag: Den Liebesroman. Dabei ist „berühren“ eigentlich das falsche Wort, denn ihre Romane beinhalten immer eine Liebesgeschichte, die so zuckersüß und fluffig ist, wie Sahneschnittchen mit rosa Zuckerguss. Daneben geht es auch immer um ein ganz besonderes Pferd. Valladan, einen schwarzen Hengst mit außerordentlichen Fähigkeiten.

Kurzum: Kitsch.

Man könnte Sodbrennen davon bekommen, wenn es nicht so perfekt wäre und so komisch. Susan Dexter greift absichtlich in die Klischeekiste und treibt alles, was ihr dabei in die Finger gerät, gnadenlos und konsequent auf die Spitze. Das und die Komik sorgen für eine ironische Brechung, die den Kitsch auf ein mehr als nur genießbares Maß reduziert. (Ich erspare mir hier weitere Kuchenvergleiche, sonst stürme ich die nächste Konditorei)

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, in dem sich ihre Romane sehr deutlich von moderner Romantasy unterscheiden: Bei Susan Dexter sind es nie die Frauen, die irgendwelchen supercoolen, badassigen, heißen Typen hinterherhecheln. Wenn jemand badass ist, dann die Frauen. In jedem Fall haben die aber sehr konkrete eigene Ziele und es sind die Männer, die ihren Wert beweisen müssen (und es natürlich tun, schließlich handelt es sich um Liebesromane, da ist Happy End nahezu Pflicht).

Ich muss gestehen, dass ich es schade finde, dass ihre Bücher nicht mehr aufgelegt werden, sondern allenfalls noch antiquarisch zu haben sind. Ihre Protagonisten finde ich nämlich deutlich anziehender, als die ganzen modernen männlichen Love-Interests, die sich neben ihrem Reichtum vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Frauen schlecht behandeln. Dann doch lieber einen wahren Ritter!*


„Der wahre Ritter“ ist der Titel eines von Susan Dexters Romanen – und der allerkitschigste.

Positionen – Gabriele Haefs

Dieser Artikel ist eine so wunderbare Ergänzung zu der aktuellen Diskussion über Sexismus in der Sprache, die gerade auf den Blogs von Frau Schreibseele und mir läuft, dass ich ihn unbedingt übernehmen muss.

Herland

Kaiser Wilhelm und der Frust des Chamäleons

Von Gabriele Haefs

Gabriele Haefs_Miguel Ferraz Foto: ©Miguel Ferraz

Als Übersetzerin muss ich ja eigentlich ein Chamäleon sein und in die Sprache von anderen schlüpfen, und dabei ganz neutral bleiben, es heißt ja schließlich „das“ Chamäleon. Aber oft denke ich, es könnte „der“ Chamäleon heißen – so männlich geprägt ist die Sprache in gar zu vielen Übersetzungen. Ich glaube nicht einmal, dass es so gewollt ist, aber das Männliche gilt nun einmal als „normal“, und also wird männlich übersetzt und das soll dann „neutral“ sein. So ungefähr habe ich es immer wieder erlebt – und der Frust wird dann besonders groß, wenn ich es zur Sprache bringe und nur auf blöde Blicke stoße.

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Meldung und Meinung: Sexismus

Ich habe gerade mit großem Interesse eine Diskussion gelesen, in der einer Bloggerin Sexismus vorgeworfen wurde, weil sie in ihren Beiträgen ausschließlich das generische Femininum verwendet.

Wir lernen aus dieser Diskussion: Dass das generische Maskulinum Frauen unsichtbar macht, ist nicht nett und man darf sich daran stören. Aber sexistisch ist es nicht.
Sexistisch ist nur das generische Femininum, weil es Männer unsichtbar macht.
Demnach ist es offenbar schlimmer, wenn Männer unsichtbar sind. Männer müssen ausdrücklich genannt werden, Frauen nicht. Frauen muss es reichen, mitgemeint zu sein.

Warum eigentlich?

Sind Frauen weniger wert?
Das weise ich schon aus Selbstachtung zurück.
Sind Männer ihres Selbst so unsicher, dass sie ständige Rückversicherung und Bestätigung ihres Werts brauchen?
Das will ich für die Männer nicht hoffen.

Wenn aber beide gleich viel wert sind und wir von beiden die gleiche innere Stärke fordern, ist das generische Femininum nicht sexistischer als das generische Maskulinum. Damit wäre der einzige Vorwurf, den man der Bloggerin machen könnte, ihre Sprache nicht gegendert und sich vollkommen geschlechtsneutral ausgedrückt zu haben.
Allerdings bringt das zuverlässig die gleichen Menschen auf die Palme, wie die, die das generische Femininum als sexistisch ablehnen. Gendern ist nämlich auch böse. Ein Attentat auf den Wohlklang der deutschen Sprache.

Und an diesem Punkt weiß ich auch nicht weiter.

Ein neuer Preis für Selfpublisher – brauchen wir das?

Ich hoffe ja sehr, dass dieser Preis keine einmalige Angelegenheit bleiben, sondern zur festen Institution werden wird. Für mich ist er ein deutliches Signal, dass Selfpublishing mehr ist, als der schnell produzierte und billig verkaufte Kitsch ohne literarischen Tiefgang, den das Feuilleton so gerne unterstellt. Und natürlich würde ich in einem der kommenden Jahre gerne auch eines meiner Bücher ins Rennen schicken.

spubbles 2.0

Ein Kommentar von Nina Rubach zu einem Preis, der Selfpublishing im Buchhandel präsenter machen soll.

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#Inspirationsfeuer: Schreibratgeber

Zugegeben, ich liebe Schreibratgeber. Ich habe Schreibratgeber zu allen möglichen Themen. Sogar zu solchen, in denen ich gar nicht schreibe, wie z. B. Heftroman oder Erotik. Sie nehmen inzwischen mehr als ein Regalbrett ein und jedes Jahr kommen ein paar dazu.

Nicht, weil ich mir irgendwie unsicher wäre. Inzwischen bin ich sicher, schreiben zu können, sogar gut schreiben zu können. Aber auch bei meinen ersten Versuchen, gut zu schreiben, bin ich nie dogmatisch irgendwelchen Regeln gefolgt. Bibeln sind nichts für mich. Als Fantasy-Autorin erschaffe ich mir meine Götter selber und so, wie ich sie brauche. Stil kann man meiner Meinung nach sowieso nicht bewusst lernen. Stil ist etwas, das sich durch Übung entwickelt.

Aber es inspiriert ungemein, sich mit fremden Gedanken auseinander zu setzen – sogar, wenn man sie nicht teilt. Gerade, wenn man sie nicht teilt. So schön es ist, bestätigt zu werden – erst in der Auseinandersetzung mit Gegenpositionen wächst und lernt man. Entweder, indem man feststellt, dass man die besseren Argumente hat. In dem Fall kann man seiner selbst noch sicherer sein (und seien wir ehrlich: Gewinnen ist ein tolles Gefühl). Im anderen Fall, weil sich plötzlich neue Wege und Möglichkeiten eröffnen.

Nike in Flammen
Danke für dieses wundervolle Bild an Elenor Avelle

Deshalb liebe ich Schreibratgeber. Mein absoluter Favorit ist immer noch „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ von Alexander Steele (Autorenhaus Verlag). Viel mitgenommen habe ich auch aus „Kreativ schreiben“ von Fritz Gesing (Dumont), auch wenn Feststellungen, wie die, dass viele Autoren inzwischen ein Textverarbeitungsprogramm nutzen, das Buch etwas angestaubt wirken lassen. Weitaus moderner ist Stephan Waldscheidt, der übrigens auch Selfpublisher ist. Besonders herausheben möchte ich auch Elizabeth Benedict, deren „Erotik schreiben“ (Autorenhaus Verlag) viel mehr bietet, als der Titel verspricht.

Wobei mir bei dieser Aufzählung einfällt, dass ich lange keinen neuen Ratgeber mehr gekauft habe. Kannst du mir einen empfehlen?


Dieser Artikel ist Teil der Blogparade #Inspirationsfeuer von den Rechargers. Die Idee stammt von Eva-Maria Obermann, die die Aktion auch weiterhin über ihr Blog Schreibtrieb betreut. Es lohnt, sich beide mal anzusehen!

Aufgepasst: Zu Pfingsten brennt’s auf schreibtrieb.com #Inspirationsfeuer

Mein Beitrag erscheint morgen. Stay tuned!

Textflash - Mikaela Sandbergs unmögliche Autorenseite

Eva-Maria Obermann und Elenor Avelle haben sich gegenseitig angesteckt und werden über Pfingsten ihr ganz eigenes Feuerwerk zünden! Ich freue mich, dass ich ebenfalls einen Beitrag dazu beisteuern kann.

Und hier findet ihr zu Pfingsten nicht nur alle Beiträge, sondern ihr könnt auch mitmachen:

http://schreibtrieb.com/startschuss-zum-inspirationsfeuer?contact-form-id=264&contact-form-sent=273&_wpnonce=61e377cafc#contact-form-264

2017 (c) Elenor Avelle 2017 (c) Elenor Avelle

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Good News: EU-Parlament macht den Weg zur steuerlichen Gleichbehandlung von eBooks und Print frei

Das Europäische Parlament hat eingesehen, dass es widersinnig ist, ein eBook anders zu besteuern, als die Printausgabe. Daher wurde eine Richtlinie verabschiedet, die den Einzelstaaten nun einheitliche Mehrwertsteuersätze erlaubt.

Wurde auch langsam Zeit.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Parlament-ebnet-Weg-fuer-niedrigere-Steuer-auf-E-Books-3731946.html

Das Nornennetz

Irgendwie ist dieser Beitrag bisher an mir vorbeigegangen. Zu schade, denn er gibt sehr genau meine Meinung wieder. Deshalb habe ich ihn mir jetzt für mein eigenes Blog gekrallt. ^^

Frau Schreibseeles Schreibblog

Hei, hallo und herzlich willkommen,

während der Autorinnenzeit ist so einiges passiert. Zwischenzeitlich sollen die Verkäufe der Autorinnen hochgegangen sein. Einige haben ihre Bücherschränke hinterfragt und es gründete sich ein neues Netzwerk.

Kurze Vorgedanken

Manchmal passiert es, dass sich Energie regelrecht anstaut und freigelassen werden will. In der Autorinnenzeit scheint sich ebenfalls solche Energie gesammelt zu haben. Denn viele haben ihre Bücherregale ausgeräumt und nachgeschaut, was sich dort so tummelt. Und ich meine nicht, dass sie drei oder vier Bücher hervorgeholt haben. Es ging dabei durchaus um einige Hundert Bücher.

Andere wieder herum haben beschlossen, dass sie zukünftig mehr Autorinnen lesen wollen. Denn sie stellten fest, dass ihre Bücherstapel mehr oder weniger nur aus Autoren bestehen. Ich selbst hab für mich beschlossen, dass ich zukünftig mehr Science-Fiction von Autorinnen lesen werde.

Zudem hat sich ein Netzwerk gegründet, welche sich das Nornennetz nennt. Und darüber möchte ich heute ein wenig berichten.

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