#Autorinnenzeit: phantastische Frauen – Marion Zimmer Bradley

Der Mai wird weiblich, habe ich versprochen – und was läge da näher, als auch über die Autorinnen zu sprechen, die mich besonders beeinflusst oder beeindruckt haben. Da das hier ein Phantastik-Blog sein will, beschränke ich mich Autorinnen phantastischer Literatur. Den Auftakt macht (natürlich) Marion Zimmer Bradley.

Die Nebel von Avalon, oder: Wie ich die Fantasy entdeckte

Ich bin in den 80ern groß geworden, jenem Jahrzehnt, als Eskapismus als etwas ganz furchtbares galt, in einem Elternhaus, das sich durchaus bildungsbeflissen war, aber bitte nur im Rahmen. Das heißt, mein Vater las Zeitung und Magazine, meine Mutter durchaus auch Romane, aber vor allem das, was das Feuilleton vorher abgesegnet hatte. Auch der Lesestoff in der Schule war darauf ausgerichtet, auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. Rückblickend habe ich fast den Eindruck, es sei darum gegangen, jede Hoffnung, Leben und Lesen könnten auch Spaß machen, gleich im Ansatz zu ersticken. Je düsterer das Setting, je schlimmer das Ende, desto besser das Buch.

Es war schon fast eine kleine Revolution, als ein Mitschüler mir den Herrn der Ringe nahelegte: „Mal was anderes, als immer diesen deprimierenden Kram.“
Natürlich habe ich reingelesen. Aber es ging mir, wie gefühlt einem Viertel aller anderen auch. Ich habe das Buch nach fünf Seiten zugeklappt und gesagt: „Ne, danke. Da ist Krieg und Frieden unterhaltsamer.“ *
Gut, ich übertreibe. Es gab auch Kinder- und Jugendbücher. Die drei Fragezeichen. Geheimnis um … Blitz, der schwarze Hengst. Bille und Zottel, mein Freund Flicka und viele andere, die ich vergessen habe. Vermutlich zu Recht. Alle hatten eins gemeinsam: Jungen erlebten Abenteuer, Mädchen sahen zu und achteten darauf, nicht zu schmutzig zu werden. Allenfalls konnten sie versuchen „wie ein richtiger Junge“ zu werden, wie Georgina in den 5 Freunden oder Dinah bei Geheimnis um. Aber Mädchen, die auf einsamen Inseln Schiffbruch erlitten, wilde Pferde zähmten oder Schurken das Handwerk legten? Nicht doch! Vor allem aber (und das fand ich damals deutlich wichtiger) waren es Jugendbücher. So was las man nicht, wenn man ernst genommen werden wollte. Wenn man ernst genommen werden wollte, blieb nur „dieser deprimierende Kram“.

Und dann kamen die Nebel von Avalon und lösten einen Hype aus, der sich eigentlich nur mit dem von 50 Shades of Grey vergleichen lässt. Ich glaube, jede Frau und jedes Mädchen in meinem Umfeld hat das Buch gelesen. Sogar meine Mutter. Und alle (jedenfalls alle, die ich erinnere) fanden es großartig. Sex, Blut und Intrigen. Schwere Schicksale. Magie! Vor allem aber eine Frau als Zentralfigur. Eine, die sich nicht unterordnet. Die andere Ziele hat, als einen Ehemann zu finden und sich häuslich niederzulassen. Die sich auch nicht für die Ziele anderer einspannen lassen will, sondern versucht, einen eigenen Weg zu finden.
Man kann über die Nebel sagen, was man will. Manche der Inhalte sehe ich inzwischen deutlich kritisch. Nicht so sehr, weil ich den Gegensatz böse (christliche) Römer versus gute (pagane) Briten ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen finde. Vor allem ist es der als ach so freundlich dargestellte Kult um die Große Göttin, der mir nachträglich aufstößt, weil er wie selbstverständlich Inzest, Vergewaltigung und Menschenopfer beinhaltet. Trotzdem war das Buch für mich damals ein Aha-Erlebnis. Das Tor zu neuen Lesewelten, farbenprächtiger und gewaltiger als alles, was ich vorher kannte. Ich bin gerne hindurch gegangen.

Natürlich habe ich noch mehr von Marion Zimmer Bradley gelesen. Aber weder im Darkover Zyklus noch in einem ihrer anderen Bücher habe ich das Gefühl wiedergefunden, das die Nebel von Avalon in mir geweckt hat. Das kam erst wieder, als ich die Sword and Sorceress Reihe** entdeckte; eine von Zimmer Bradley herausgegebene Reihe von Anthologien, mit durchaus feministischem Anspruch. In einem der Vorworte schrieb sie, in ihrer Kindheit und Jugend seien Frauen in Fantasy und Science Fiction vor allem auf den Covern präsent gewesen. Meist sehr leicht bekleidet und oft in den Fängen eines lüstern starrenden Insekts. Sie (MZB) wolle das ändern. Dementsprechend war allen Kurzgeschichten der Sword and Sorceress Reihe gemeinsam, dass sie Protagonistinnen hatten. Frauen, die sich durch Willenskraft und Stärke auszeichneten – unabhängig davon, welche Ziele sie hatten und mit welchen Mitteln sie sie verfolgten.
Auch für diese Reihe bin ich Marion Zimmer Bradley sehr dankbar, weil ich darüber viele, für mich neue Autoren entdeckt habe, auf die ich sonst nie gestoßen wäre.

 


*Ja, ich habe es gelesen. Ich habe es schon deshalb gehasst, weil ich mir keine Namen merken kann und jede Figur in Krieg und Frieden mindestens drei Namen hat, die je nach Kontext benutzt werden. Mich hat nichts daran gereizt, außer dass es Weltliteratur ist und man deshalb gelesen haben sollte. Ich habe mich tatsächlich durchgekämpft. Es war das erste und letzte Buch, das ich gelesen habe, weil es Weltliteratur ist oder auf irgendeiner Liste stand, die man gelesen haben musste.

**In Deutschland erschienen die Bücher unter Titeln wie „Windschwester“, „Schwertschwester“, „Zauberschwester“ usw.



Anmerkung: Mir sind die gegen Marion Zimmer Bradley erhobenen Missbrauchsvorwürfe bekannt. Es geht in diesem Artikel aber nicht um die Person Bradleys, sondern um ihren Einfluss auf mich (und vielleicht auch auf einige andere). Dieser Einfluss beruht ausschließlich auf ihrem literarischen Schaffen und in den mir bekannten Büchern findet sich kein Hinweis, geschweige denn eine Rechtfertigung für Gewalt gegen Kinder – in welcher Form auch immer.
Diesen Nachtrag habe ich verfasst, weil ich auf Twitter sehr nachdrücklich auf die Missbrauchsvorwürfe hingewiesen wurde. Da MZB aber seit fast 20 Jahren tot ist, und sich der Artikel mit ihrer literarischen Wirkung befasst, sehe ich nach wie vor keine Notwendigkeit, im Artikel selber darauf einzugehen.

#Autorinnenzeit: Empfiehl das Buch einer Autorin

Jetzt mache ich mal was ganz Dreistes. Ahnst du, was? Genau! Ich empfehle mich selber. Schließlich bin ich Autorin. Und Selfpublisherin. Außerdem meine eigene Coverdesignerin und Marketingabteilung.
Meine eBooks haben durch die Bank fünf-Sterne-Bewertungen bei Amazon. Für meine Cover bin ich schon mehrfach gelobt worden. Genauso für meine Werbebilder und -sprüche.

Da darf ich mir schon mal selber auf die Schulter klopfen und sagen, dass ich alles in allem einen verdammt guten Job abliefere.

Aber die Aufgabe lautet „Empfiel ein Buch …“ Nicht das Gesamtwerk. Und obwohl ich natürlich alle Ausgaben des Codex Aureus mag (sonst hätte ich sie nicht veröffentlicht) gibt es eines, an dem mein Herz besonders hängt: Steppenbrand.

Cover für Steppenbrand, die Geschichte von Dejasir no'Sonak, der eigentlich nur das Beste für sich und sein Volk wollte.
Steppenbrand – Codex Aureus (2) (Erzählung)

Nicht nur, weil es zu den ersten Geschichten gehört, die ich anderen zu lesen gegeben habe, sondern weil ich glaube, damit etwas Zeitloses geschaffen zu haben.
Steppenbrand spielt in einer ganz anderen Welt als unserer. Sie ist brutaler, aber auch farbenprächtiger. Phantastischer. Die Gesellschaft ist eine andere. Nicht besser als unsere, auch nicht schlechter. Anders eben. Mit einem ganz anderen Rollenverständnis. Natürlich ist die Geschichte spannend. Das gleiche gilt für die Charaktere. In gewisser Weise sind sie Archetypen, aber sie bleiben Individuen. Das macht es leicht, sie zu verstehen und ihre Handlungen nachzuvollziehen, auch wenn man sie manchmal ohrfeigen möchte. Natürlich war es ein Wagnis, ausgerechnet den Antagonisten in den Mittelpunkt zu stellen. Aber ich mag Dejasir. Trotz allem. Die einzige Figur, die ich nicht mag, ist seine erste Frau, obwohl ich der Meinung bin, dass sie vom Typ her sehr genau getroffen ist.
Das sind schon eine ganze Menge Gründe, Steppenbrand zu mögen. Was ihn in meinen Augen aus den übrigen Ausgaben des Codex Aureus hervorhebt, ist aber, dass die Geschichte nicht nur auf vielen Ebenen gelungen ist, sondern diese sich auch noch gegenseitig unterstützen und verstärken.

Bisher gibt es Steppenbrand als eBook sowohl über die Tolino-Allianz als auch über Amazon. Ich plane aber, es außerdem als Taschenbuch zu veröffentlichen. Aktuell arbeite ich mich dafür in Scribus ein.

Falls du jetzt neugierig geworden sein solltest, geht es hier zu den Verkaufslinks.

#Autorinnenzeit: Welche Autorin würdest du gerne treffen oder hast du bereits getroffen?

Abgesehen von meiner Familie besteht mein privates Umfeld fast ausschließlich aus Menschen, die entweder Living-History betreiben oder schreiben. Interessanterweise bestehen zwischen den beiden Gruppen kaum Überschneidungen, wenn man von Sachbuchautorinnen, wie Dana Russow (Mara von Tusen) oder Katrin Kania mal absieht.
Trotzdem kenne ich eine Menge Autorinnen, die Meisten davon über die sozialen Medien, einige auch über die BartBroAutors, bei denen ich für einige Zeit Mitglied war und ein paar auch von anderen Schreibprojekten und -seminaren.

Autorinnen, die ich schon mal getroffen habe

Wenn ich hier jede aufführen würde, die ich schon mal auf einer Messe oder einem Seminar getroffen hätte, würde das eine ziemlich lange Liste werden, die nicht nur langweilig zu lesen wäre, sondern auch nach Name-Dropping klänge. Deshalb beschränke ich mich lieber auf drei, mit denen ich intensiveren Kontakt habe oder hatte und zu denen ich auch ein bisschen sagen kann.

Als Erste möchte ich Ute Weber nennen, weil sie auch die Erste war, mit der ich persönlichen Kontakt hatte. Ute und ich haben uns über das Online-Schreibseminar kennengelernt, mit dem der Autorenhausverlag das Buch „Ein Roman in einem Jahr“ promotet hat. Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass wir nicht nur etwa gleich alt sind und eine ähnliche Biographie haben (wobei sie im Gegensatz zu mir sogar promoviert hat), sondern uns auch Lesevorlieben, Weltsicht und Humor verbinden. Ihrer ist allerdings noch mal eine ganze Ecke pointierter als meiner, wie sehr schnell klar wird, wenn man ihr auf Twitter folgt. Sie schreibt Gegenwartsliteratur. Unfassbar gut, sehr assoziativ und bildhaft und gleichzeitig unglaublich dicht. Jedes Mal, wenn ich etwas von ihr lese, denke ich: „Scheiße, ist das geil! Warum kann ich das nicht?“
Deshalb finde ich es auch schade, dass aus ihrem damals begonnenen Romanprojekt nichts wurde, sondern bisher „nur“ eine Sammlung ihrer Bonmots erschienen ist (Unfug. Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern, DRM-freies E-Book, erschienen bei Frohmann 2012, ISBN ePub: 9783944195001, Kindle Edition: ASIN B00993J80M, EUR 3,99).
Leider ist der Kontakt zwischen uns ziemlich eingeschlafen. Vielleicht schaffe ich es ja, diesen Post zum Anlass zu nehmen, daran etwas zu ändern.
Mehr über Ute gibt es auf ihren Autorenseiten auf Facebook und Tumblr.

Die Zweite ist Nika Sachs, auch bekannt als Bordsteinprosa, die auch diejenige ist, mit der ich mich aktuell am häufigsten treffe. Nika schreibt nach eigenem Bekunden literarische Erotik, wobei ich dazu eher Gegenwartsliteratur sagen würde, weil ihre Themen weit über die erotischen Elemente hinausgehen. Für mich sind ihre Geschichten weitaus mehr durch die Tiefe des Gefühlslebens ihrer Protagonisten geprägt. Nikas Sprache ist hintergründig und bildhaft.
Nika veröffentlicht als Selfpublisherin. Bisher ist von ihr eine Novelle erschienen: Namenlos, die sowohl als Hardcover als auch als eBook erhältlich ist. Weitere Bücher sind in Arbeit. Das nächste, ein Tagebuchroman soll im Herst herauskommen.
Mehr über Nika Sachs gibt es auf ihrem Blog.

Als dritte möchte ich unbedingt noch Michaela Stadelmann alias Textflash vorstellen, auch wenn ich sie nur sehr kurz (viel zu kurz für meinen Geschmack) auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. Wir kennen einander aber schon länger, folgen uns mit unseren Blogs und auf Twitter gegenseitig und stehen auch sonst in ständigem Kontakt.
Michaela war selbst schon Verlegerin. Sie hat unter dem Pseudonym Alicia Mirowna Balettromane herausgebracht und schreibt als Mikhaela Sandberg Schwedenkrimis. Ihr Erstling, „Schweig Still„, ist 2016 bei Ullstein Midnight erschienen, ein weiterer soll demnächst folgen. Als sei das nicht genug, arbeitet sie außerdem als freie Lektorin. Die Buschtrommel sagt, sie sei sehr gut.
Zu Michaelas Balettromanen kann ich wenig sagen, aber „Schweig still“ habe ich gerne gelesen. Gute Unterhaltung mit dem nötigen Schuss Suspense, aber ohne die unmotivierte Brutalität, die viele Skandinavienkrimis auszeichnen.
Michaela ist unglaublich hilfsbereit und ein Quell des Wissens. Ich hoffe stark, dass wir irgendwann mal Zeit für ein längeres Treffen finden.
Mehr über ihre verschiedenen Facetten gibt es auf Michaelas Blog.

Der Vollständigkeit halber, sollte ich vielleicht auch noch Margaux Navara anführen, mit der ich mich lange auf der Leipziger Buchmesse unterhalten habe und die mir viel über Selfpublishing verraten hat. Aber leider kann ich kaum mehr über sie sagen, als dass sie BDSM-Erotik schreibt.

Autorinnen, die ich gerne treffen würde

Das wird nun leider doch eine Liste. Die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich und garantiert habe ich jemanden vergessen:

  • Carola vom Schreibkasten, deren Blog ich schon seit langem folge. Sie hat zwar noch nichts veröffentlicht, aber ich weiß, dass sie an etwas dran ist.
  • Elenor Avelle, die ich über die Rechargers kenne und die uns mit tollen Ideen und Zeichnungen versorgt. Ihr erstes Buch soll demnächst erscheinen.
  • Eva-Maria Obermann, die sich die Pfingstaktion der Rechargers ausgedacht hat. Ihren Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ muss ich irgendwann auch noch mal lesen.
  • Sarah und Rahel von Clue Writing, die nicht nur Kurzgeschichten schreiben und podcasten, sondern auch Wettbewerbe ausrichten, um mit ihnen Strategien und Taktiken zur Erringung der Weltherrschaft durchzugehen.
  • Nora Bendzko, um mit ihr über Phantastik zu diskutieren und mal die Musik zu hören, die sie macht.
  • Evanesca Feuerblut, um mehr über ihre Vampirfamilien zu erfahren. Nach den wenigen Brocken, die sie erzählt, sind die nämlich sehr außergewöhnlich.

Was leider nicht geht

Wen ich außerdem unglaublich gerne kennengelernt hätte, ist James Tiptree jr. alias Alice B. Sheldon, die nicht nur unglaublich modern anmutende und zum Teil außerordentlich beklemmende Science-Fiction geschrieben hat. Im Anhang zu „Zu einem Preis“ ist ein Brief von ihr abgedruckt, aus dem man einen Eindruck ihrer Persönlichkeit gewinnt. Die Zeilen sprühen selbst in der Übersetzung vor Wortwitz, Klugheit, Neugier und Lebenslust. Mit dieser Frau hätte ich mir gern eine Flasche Whisky am Lagerfeuer geteilt. Oder auch was anderes. Aber wir hätten garantiert Spaß gehabt.

#Autorinnenzeit: Ein Einwurf von Eva-Maria Obermann

Ein schönen Montag, einen wundervollen Mai. Macht euch auf was gefasst. Der Autor Sven Hensel – wahrscheinlich habt ihr schon davon gehört – hat die Initiative ergriffen und den Mai dieses Jahr zum „Autorinnenmonat“ erklärt. Unter dem Hashtag #Autorinnenzeit lernt ihr diesen Monat viele Autorinnen kennen und natürlich auch ihre Bücher. Ich werde mal hier, mal…

über Warum wir über Autorinnen reden müssen – #Autorinnenzeit — Schreibtrieb

#Autorinnenzeit im Mai: Bewusst einkaufen

Wie ihr wisst, soll es diesen Monat speziell um Autorinnen und ihre Bücher gehen. Die Idee zu diesem Themenmonat stammt von Sven Hensel, der auf seinem Blog auch ein paar Vorschläge macht, worüber sich bloggen lässt. Mein Schwerpunkt wird naturgemäß im Bereich Fantasy liegen, schließlich ist das immer noch mein Hauptthema.

Gleich die erste Aufgabe lautet: Kaufe das Buch einer Autorin. Nun habe ich zufällig gerade ein Buch ausgelesen, da kommt die Aufforderung genau richtig.

Allerdings war es durchaus keine triviale Aufgabe, etwas Passendes zu finden. Das lag nicht nur am Feiertag. Wozu habe ich schließlich einen eReader? Aber gefühlte 90% der mir vorgeschlagenen Bücher waren verkappte Nackenbeißer, deren Protagonistin meist nicht mal volljährig war. Sorry, aber das ist nicht, was ich unter Fantasy verstehe. Nichts gegen Liebe, Erotik und Sex irgendwo in einer Nebenhandlung, aber wenn das schon im Klappentext als zentrales Thema herausgestellt wird, dann ist m. E. das Genre falsch zugeordnet. Und was Young Adult angeht, bin ich vermutlich schlicht zu alt für den Scheiß.
Immerhin: Die Nische Liebe und Erotik scheint überproportional gut mit Autorinnen besetzt zu sein. Auch das kann man als gutes Zeichen betrachten. Es ist nur einfach nicht das, was mich reizt.

Zum Glück ist mir dann ein Selfpub-Titel eingefallen, den ich schon länger lesen wollte, nämlich Geteiltes Blut . com von Alexa und Alena Coletta.
Zwar steht auch hier eine minderjährige Protagonistin im Mittelpunkt und außerdem geht es um Vampire (denen ich sehr skeptisch gegenüber stehe, wie alle bezeugen können, die das Blog verfolgen), aber die Gründe, aus denen die Protagonistin hinter dem Vampir her ist, unterscheiden sich dann doch ganz erheblich vom Mainstream und auch ihre Mittel sind eher ungewöhnlich.

Das Buch hat gute Kritiken. Natürlich werde ich am Ende trotzdem berichten, wie es mir gefallen hat.


Nachtrag:
Erst, als dieser Beitrag schon geschrieben und das Buch schon gekauft war, sind mir noch eine Reihe von Indie-Fantasy-Autorinnen eingefallen, deren Bücher ebenfalls mein Interesse geweckt hatten. Dazu gehören u. a. die Galgenmärchen von Nora Bendzko, aber auch Autorinnen wie Ally J. Stone, Jill Noll, Bianca Fuchs und Mackenzie Sturm. Vermutlich werden mir mit etwas Nachdenken noch mehr einfallen. Eine Lehre für mich, mich nicht nur auf mein Siebhirn zu verlassen, sondern einmal für interessant befundene Bücher auch tatsächlich in einer Liste zu notieren.

#Autorinnenzeit: Der Mai wird weiblich

Quelle: https://www.rawpixel.com

Den nächsten Monat wird es hier im Blog ausschließlich Beiträge über Autorinnen und ihre Bücher geben.

Warum?

Weil Literatur immer noch eine Männerdomäne ist. Zwar sind die Zeiten zum Glück vorbei, in denen es für Frauen als unschicklich galt, zu schreiben. Trotzdem finden Autorinnen im Literaturbetrieb immer noch weniger Anerkennung, als ihre Kollegen.

Das beginnt damit, dass Bücher, die von Frauen geschrieben wurden, signifikant seltener im Schulunterricht verwendet werden*.
Das ist um so bemerkenswerter, weil der Kinder- und Jugendbuchsektor zu den Bereichen gehört, in denen Frauen dominieren. So tauchen in der Liste „Empfehlenswerte deutsche Kinder- und Jugendbuchautoren“ bei Lovelybooks vorwiegend Autorinnen auf. Interessanterweise schlägt sich das aber nicht in den Unterrichtsempfehlungen nieder. So hat die ebenfalls bei Lovelybooks geführte Liste „Die beliebtesten Schullektüren“ praktisch keine Überschneidungen mit der zuvor genannten.

Es setzt sich damit fort, dass von Männern geschriebene Bücher deutlich öfter rezensiert werden. Die Zahlen schwanken je nach Magazin und Land, sind jedoch immer zu Gunsten der Autoren, wie z. B. Nina George im Börsenblatt feststellte.
Das doppelt spannend, weil es immer wieder heißt, dass die Mehrzahl der Bücher von Frauen gelesen und gekauft würden, und dass Frauen Protagonistinnen wünschten, Männer aber vor allem für und über Männer schrieben.

Schließlich werden auch Literaturpreise signifikant häufiger an Männer vergeben.

Mehr Beispiele gefällig? Dann empfehle ich das Interview von Janet Clark bei Literaturschock.

Vielleicht schreiben Männer einfach besser?

Vielleicht tun sie das. Aber warum werden dann im Bereich Kinder- und Jugendbuch vorwiegend Autorinnen empfohlen? Und warum schafft es praktisch keine dieser Autorinnen in den Schulunterricht? Weil die Lesergemeinde zu dumm ist und nur die Schulbehörde den Durchblick hat?

Ich bin inzwischen der Meinung, dass das Problem die unterschiedliche Sichtweise auf Männer und Frauen ist. Wenn Charlotte Roche über Intimrasur und Pickel am Po berichtet, ist das „Schweinkram“, über den man sich selbst dann trefflich echauffieren kann, wenn man Schoßgebete nicht gelesen hat. Dagegen schrieb Günter Grass natürlich hohe Literatur – auch das weiß man, ohne es je gelesen zu haben und deshalb hinterfragt auch niemand, was daran literarisch ist, wenn Mädchen wichsende Jungen und ihr schäumendes Sperma bewundern (Katz und Maus).

Das ist natürlich ein sehr krasses Beispiel. Aber ich habe ganz allgemein den Eindruck, dass Männerphantasien akzeptierter sind als ein allzu weiblicher Blick auf den eigenen Körper. Der Mann ist die Norm, die Frau immer noch Das andere Geschlecht und wehe, ihre Weltsicht stimmt nicht mit seiner überein. In diesem Fall setzen fast automatisch Abwehrmechanismen ein, die den Status quo sichern sollen.**

Ein Monat nur Autorinnen, diskriminiert das nicht die Männer?

Bitte was? Wenn du das ernsthaft meinst, solltest du dir vielleicht noch mal das unter der Überschrift „Warum?“ Gesagte durchlesen. Fakt ist, dass das derzeitige System ganz klar Autoren bevorzugt. Anders gesagt: selbst wenn ich einen Monat nur über Autorinnen schreibe, ist das bestenfalls ein schwacher Ausgleich des herrschenden Ungleichgewichts. Deshalb möchte ich mit einem Zitat von Sven Hensel schließen, der die Aktion Autorinnenzeit ins Leben gerufen hat:

Es wird Zeit, sich solidarisch zu zeigen, gemeinsam für die Vielseitigkeit des Literaturbetriebes einzutreten, anzuerkennen, dass auch Frauen tolle Arbeit leisten und das Scheinwerferlicht zu teilen. Die literarische Bühne bietet uns allen Platz!

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Quelle: carloscuellito87 via pixabay

*Die Lektüreliste für Gymnasien des Landes Baden-Württemberg nennt beispielsweise 236 deutschsprachige Werke, die „im Unterricht gewinnbringend gelesen werden können“. Von diesen 236 Werken stammen 216 von Männern und nur 20 von Frauen. Quelle: hier

**Das Gleiche lässt sich zum Thema Rassismus feststellen. Auch hier gilt: Wer selbst in einer privilegierten Stellung ist und die als Norm setzt, wird blind für die eigene Ungerechtigkeit. So jemand wird jede Form der Kritik als ungerecht und Gefahr für die eigene Position und Stellung empfinden.

[Rezension] Im Schatten des Himmels

Endlich mal wieder ein Fantasy-Roman, der anders war. Einer, der sowohl durch seinen Plot als auch durch das Setting heraussticht. Aber von vorne:

Worum es geht

Im Schatten des Himmels erzählt von Shen Tai, dem zweiten Sohn eines geachteten und inzwischen verstorbenen Generals. Als Anerkennung für geleistete Dienste beschenkt ihn eine Prinzessin mit zweihundertfünfzig „Drachenpferden“. Pferden, die so selten und wertvoll sind, dass eines reicht, um einen Mann auszuzeichnen; fünf, um ihn über seine Kameraden zu erheben und auf einen höheren Rang zu befördern – wodurch man ihm dem (oft tödlichen) Neid der anderen einbrachte.
Zweihundertfünfzig dieser edlen Tiere sind eine absurd hohe Zahl, die Shen Tai von einem Moment zum anderen vom Niemand zu einer wichtigen Figur im Kampf um die Macht am Kaiserhof macht, wo man selbst in friedlichen Zeiten verkrüppelt oder sogar getötet werden kann, weil man den Wein zu sehr erhitzt oder gegen die Etikette verstoßen hat. Nur sind die Zeiten nicht friedlich.

Die Welt in der die Geschichte spielt, ist in groben Zügen der des alten China nachempfunden, genau genommen: der Tang-Dynastie. In gewisser Weise handelt es sich um alternative History – allerdings mit magischen Einschlägen. Geister sind real. Es gibt (vermutlich) Fuchsdämonen und die Schamanen der barbarischen Bogü beherrschen einige schwarzmagische Praktiken. Auch das ist sehr passend, denn es spiegelt recht genau die chinesische Märchen- und Sagenwelt, auf die auch immer wieder mal Bezug genommen wird.

Der Stil

Die Erzählweise ist die distanzierte Sicht eines um Neutralität bemühten Chronisten, der die Gedanken und Gefühle der Beteiligten kennt, sie aber nur erwähnt, wenn es nötig ist, um ihr Handeln zu erklären. LeserInnen, die sich mit den Figuren identifizieren wollen, werden die Geschichte deshalb vermutlich als sehr sperrig empfinden, zumal der Autor oft springt und vollkommen neue Erzählperspektiven einführt.

Die Sprache ist eine interessante Mischung aus ein nüchternen, modern anmutenden Sätzen und einem altertümlicheren Stil, der sich durch lange, gewundene Formulierungen auszeichnet, deren Inhalt sich nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt.

Man schenkte einem früheren Feind, der vielleicht zu einem zukünftigen werden konnte, keine sardianischen Kavalleriepferde. So etwas machte man nicht. Und da konnte jeder, selbst sein hoffnungsloser Sohn, sagen, was er wollte, über ein Abkommen, das nach Kuala Nor unterzeichnet worden war, oder darüber, die Wünsche einer ach so liebreizenden Prinzessin zu erfüllen, die ihnen gütigerweise von den verlogenen Kitanern beschert worden war.

Keine leichte Kost. Nichts, was sich mal eben wegliest.

Was mir gefiel

Dass mir das Buch gefallen hat, dürfte schon aus den ersten Sätzen klar geworden sein. Auch, dass die Gründe dafür vor allem im ungewöhnlichen Setting und im Plot liegen, hatte ich schon gesagt.

Beim Setting gefiel mir besonders, dass die Geschichte nicht nur in einer altchinesischen Umgebung spielt, sondern auch die Mentalitäten übernommen wurden. Das ist zuweilen befremdlich und manchmal schwer zu ertragen, weil die Denkweisen und Rollenmuster sich sehr stark von der modernen westlichen Kultur unterscheiden. Trotzdem ist es unglaublich spannend, zumal der Autor die moralische Bewertung des Denkens und Handelns der Figuren allein seinem Publikum überlässt.

Am Plot hat mir besonders gefallen, dass es hier nicht um das übliche Schema von „gut gegen böse“ ging, sondern alle Charaktere ihre ureigenen Ziele haben und im Rahmen der ihnen zustehenden Möglichkeiten verfolgen. Die dabei gesponnenen Intrigen sind sehr plausibel, die verwendeten Mittel aber immer wieder überraschend.
Außerdem gefiel mir, dass die Hauptfigur in den Kampf um die Macht verwickelt wurde, ohne selbst Interesse daran zu haben. In diesem Punkt unterscheidet sich Im Schatten des Himmels ganz erheblich von Games of Throne, mit dem es im Klappentext verglichen wird.

Insgesamt kein leichtes, aber in meinen Augen unbedingt empfehlenswertes Buch.


Guy Gavriel Kay: Im Schatten des Himmels,
Roman, übersetzt von Birgit Maria Pfaffinger und Ulrike Bruns,
Fischer TOR, Frankfurt 2016
ISBN 978-3-596 -03570-0

 

 

Prokrastination und Nilpferde

Ich bin müde. Totmüde, weil das Leben mal wieder zu viel will. Meine To-do-Liste ist schon jetzt so lang, dass ich nur mit einem Zeitumkehrer eine Chance hätte, hinterher zu kommen und täglich kommt was dazu. Ich mag schon gar nicht mehr anfangen, weil für alles, was ich tue, was anderes hintenrunter fällt.

Ja, damit kommt man auch nicht weiter, ich weiß.

Aber es musste einfach mal raus, auch wenn das Schreiben dieses Beitrags Zeit kostet. Zeit, die ich sinnvoller hätte verwenden können. Zum Beispiel, um endlich die Vampirgeschicht weiter zu schreiben (an „fertig“ wage ich im Moment nicht mal zu denken). Statt dessen prokrastiniere ich. Schreibe Blogbeiträge oder bastle lustige Bilder weil jemand auf Twitter nach einem Nilpferdvogel gefragt hat.

Ich tröste mich ein bisschen damit, dass auch das kreativ ist.

hippopotamus aeris
Hippopotamus aeris: Fliegt mit Methanantrieb. Die Flügel dienen nur zum Steuern. Vielleicht der Pegasus meiner Muse.

 

Eine Welt ist nicht genug

Beim SWR2 habe ich eine Seite mit zwei sehr interessanten Interviews gefunden. Im einen geht es um die verschiedenen Arten der Phantastik und was sie für uns so spannend macht. Im zweiten erzählt Kai Meyer über seine Karriere als Schriftsteller, seine Motive und seine Art zu schreiben.

Beides sehr hörenswert.

Neugierig? Dann bitte hier entlang!

Sprache ist Denken

Ergänzend zu meinem gestrigen Artikel über gegenderte Sprache möchte ich gerne einen Artikel aus der Zeit über die Benutzung von Fremdsprachen und den Einfluss auf unser Handeln verlinken. Nicht nur wegen dieses Satzes:

„Man nimmt kulturelle Codes sehr schnell und unbewusst an. Und die werden natürlich in der Sprache klar vermittelt“
(Markus Conrad, Psychologe an der FU Berlin)

Daher der Apell: Überlegt euch, was ihr sagt und ob es wirklich das ist, was ihr meint.