Newsletter: Test erfolgreich abgeschlossen

Der Inhalt des Newsletters steht. Die Testmail kam an und – was soll ich sagen – der ist schon echt gut geworden. Ja, Eigenlob und so, aber wenn’s schon stinkt, kann ich auch gleich sagen: saugeil!

So.

Ich bin stolz drauf. Dazu stehe ich.


P.S.:

Manchmal mag das Pop-up offenbar nicht. Diejenigen, bei denen das der Fall ist, können mir gern eine Mail mit dem Betreff „Newsletter“ an Nike.Leonhard@web.de schicken, ich trage das dann händisch nach.

Parallel arbeite ich daran, das Pop-up zuverlässiger zu machen. Langfristig möchte ich ohnehin gern eine eigene Seite für die Newsletteranmeldung einrichten. Aktuell scheitert das noch daran, dass WP die Einstellungen immer wieder zerschießt.

Der Newsletter steht

Es ist geschafft. Das Pop-up für den Newsletter ist aktiv und funktioniert. Ein Template ist eingerichtet und schon zum größten Teil gefüllt. Ein paar Anpassungen noch und der erste Newsletter kann raus. Wenn ihr es heute also rumpeln gehört habt, dann muss das kein Gewitter gewesen sein. Ihr könntet auch das Poltern des Steins gehört haben, der mir vom Herz gefallen ist.
Newsletter sind für mich Neuland und das Ding einzurichten, hat mich reichlich Nerven gekostet. Aber nun kann ich ein Ergebnis präsentieren, auf das ich zugegebenermaßen auch ein bisschen stolz bin.

Inhaltlich dreht sich fast alles um meine Bücher. Newsletterabonenten werden Informationen nicht nur früher bekommen, sondern auch exklusiven Zusatz- und Hintergrundinfos erhalten. Dagegen muss ich alle, die auf ein Geschenk als Abobelohnung hoffen, leider enttäuschen. So etwas gibt es nicht und ich habe auch für die Zukunft keine geplant. Aber ich verspreche, dass der Newsletter selbst immer wieder kleine Überraschungen bereit halten wird. Es lohnt sich also, sich einzutragen, und ihn auch zu lesen.

Das genaue Datum für die Verschickung hängt auch ein bisschen davon ab, wie schnell sich die ersten Interessenten eintragen. Aber schon jetzt freue ich mich auf eure Ideen, Anregungen und auch auf eure Kritik!


P. S.: Wenn bei euch das Pop-up nicht aufpoppt, könnt ihr mir auch gerne eine Mail mit dem Betreff „Newsletter“ und eurer Mailadresse an nike.leonhard@web.de schicken. Ich pflege das dann automatisch ein.
Ich arbeite noch daran, dass die Newsletteranmeldung eine eigene Seite bekommt. Aktuell zerschießt mir WP aber regelmäßig die Einstellungen.

[Selfpublishing] E-Lending – erlaubte Abzocke

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bericht über die Session von Janet Clarke auf dem Literaturcamp Heidelberg stehen. Statt dessen habe ich mich entschlossen speziell über eines der Themen zu bloggen, die Janet bei ihrer Sitzung auch angesprochen hatte: Das E-Lending.

Das Wort klingt schon nach Elend und genau das ist es in meinen Augen auch. E-Lending bedeutet nichts anderes, als dass sich Bibliotheken die Möglichkeiten von eBooks voll zunutze machen können. D. h. statt Lizenzen müssen sie nur noch ein Exemplar eines eBooks kaufen und können es dann so unbegrenzt vielen Nutzern gleichzeitig zugänglich machen. Das ist natürlich ein schöner Vorteil für die Onleihe gegenüber Amazon, da die Onleihe ja noch mal deutlich günstiger ist. Im Prinzip bekommt die Onleihe damit das Recht, genau das zu tun, was Piratenseiten schon lange machen. Nur eben legal.

Für Verlage, Selfpublisher und Autor*innen ist eine Katastrophe.

Genau das hat der Bundestag aber gerade beschlossen. Versteckt im Gesetz zur Änderung des Urheberrechts in Bildung und Wissenschaft.  Allerdings beschränkt sich die Regelung nicht auf wissenschaftliche Bibliotheken oder wissenschaftliche Werke, sondern gilt allgemein für alle Bibliotheken und alle eBooks. Die einzige Beschränkung besteht darin, dass pro Sitzung nur bis zu zehn Prozent des Buches heruntergeladen werden dürfen. Diese „Beschränkung“ ist jedoch Augenwischerei, weil keine Begrenzung der Sitzungen vorgesehen ist. Wenn man 10% ausgelesen hat, holt man sich einfach die nächsten 10% ohne Wartezeit.
Und da Dateien nicht abnutzen, geht das unbegrenzt lange. Für die Bibliotheken eine große Ersparnis, da sie eBooks – anders als gedruckte Bücher – nicht nachkaufen muss. Wunderbar auch für die Leser*innen, die so noch billiger an Lesestoff kommen.

Nur diejenigen, die die Bücher geschaffen haben, gehen leer aus.

Und erzähle mir jetzt keiner, das sei Werbung!


Bei der Veröffentlichung hatte ich ganz vergessen, eine Quelle mitzuliefern. Hier ist ein Artikel aus dem Börsenblatt, der sich u.a. mit diesem Thema befasst.

[Selfpublishing] Marketing wie auf dem Fischmarkt

War jemand schon mal auf dem Hamburger Fischmarkt? Oder einem seiner „Ableger“, die seit einigen Jahren durch die Republik tingeln? Wenn ja, dann kennt ihr vermutlich diese Stände, an denen Marktschreier ihre Ware anpreisen. „Aaaale! Wunderbare Aaaaale! Und nicht nur ein‘, sonnern gleich drei für eins, ist das nicht ’n Angebot? Aber weist du was, ich pack dir noch ’ne Makrele drauf. Und ’ne Forelle. Und weil du’s bist, auch noch ’n Stück Heilbutt! Und das Ganze nur dreizehn Euro! Dreizehn Euro Herrschaften, dafür bekommt ihr da drüben nicht mal ’ne Forelle!“
Kennst du? Für alle, die es nicht kennen, habe ich hier ein Video:

Das ist schon Overkill.

Was das mit Selfpublishing zu tun hat? Da beobachte ich etwas ganz ähnliches. Das fängt schon bei den Newslettern an. „Trag dich ein und du bekommst eine Kurzgeschichte gratis!“ Richtig in die Vollen geht es aber, wenn man ein Buch direkt bestellt. Da ist oft schon die Verpackung der Knüller! Extravagante Kartons, mit Stempeln oder kleinen Zeichnungen verziert, lassen schon beim Empfang die Vorfreude steigen. Und dann der Inhalt erst: das Buch selbst oft noch einmal extra verpackt. Vielfach außerdem mit Widmung, aber jedenfalls signiert. Dazu gibt es ein Lesezeichen gratis. Und einen Sticker. Und Tee. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ein Gefühl, wie Weihnachten. Soooo viele Geschenke! Das ist toll.

Auf der anderen Seite habe ich aber auch ein bisschen das Gefühl, dass mich jemand mit der schieren Masse bestechen will. Das finde ich schade, denn das hieße auf der Kehrseite, dass da jemand seinem eigenen Produkt nicht traut. Dabei möchte ich als Leserin doch gerade durch die Inhalte gefesselt werden. Sei es nun beim Buch oder beim Newsletter, möchte ich, dass der Mehrwert in der Sache selbst liegt.
Und so sehr ich es verstehe, dass man als Autor/Autorin sein Buch nicht einfach in irgendeinen Karton packen will – schon die tolle Verpackung und die Widmung machen das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Aber vielleicht bin ich auch mal wieder hyperkritisch. Deshalb die Frage: Sind Goodies bzw. Freebies ein Zeichen von Unsicherheit?

In eigener Sache: Wie es mit den Vampiren weitergeht

Ja, es ist mir peinlich, aber leider kann ich immer noch nicht absehen, wann der nächste Band des Codex Aureus mit der Vampirstory herauskommen wird. Immerhin: Es geht weiter. Die erste Überarbeitungsrunde ist beendet. Nur an ein paar Stellen muss noch nachjustiert werden. Und da sich das Erscheinungsdatum ohnehin so verzögert hat, habe ich beschlossen, die Geschichte danach noch einmal den Kolleginnen vom Nornennetz zum Testlesen anzubieten. Eine zusätzliche qualifizierte Beratung schadet schließlich nie!

Danach wird es vermutlich sehr zügig weitergehen. Das Cover steht schon lange. Was noch fehlt, sind das Nachwort* und der Klappentext. Beides zusammen dürfte aber nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Wenn nichts dazwischen kommt. Drückt bitte die Daumen!

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Der Crackgeruch ist der Überarbeitung zum Opfer gefallen. Die Szene spielt in den 80ern. Da war Crack noch kein Thema.

 


*Jemand sagte mal, ich hätte das Nachwort zur Kunstform erhoben. Das freut mich natürlich und wenn tolle Nachworte ein Alleinstellungsmerkmal sind, möchte ich meine Leser*innen keinesfalls enttäuschen!

[Selfpublishing] Doofe Werbung!

Werbung nervt. Vor allem solche, wie im Beitragsbild. Niemand lässt sich gerne vorgeschrieben bekommen, wie sie zu leben und was er zu kaufen hat. Ich bin da keine Ausnahme.

Aber das bringt mich auch in eine Zwickmühle, denn als Selfpublisherin brauche ich Werbung. Ohne Werbung werden meine Bücher nicht gesehen, also auch nicht gekauft. Anders als Verlagsautoren habe ich auch niemanden, der mir das abnimmt. Keine Marketingabteilung, die sich coole Kampagnen ausdenkt, die den Leser*Innen sagen: „Kauft Nikes Bücher, sie sind sehr gut!“
Ich muss das schon selber machen.

Leider reicht es auch nicht, in den sozialen Medien präsent zu sein und hier im Blog Artikel zu allem möglichen zu schreiben. Dadurch präsentiere ich nur mich. Nicht meine Bücher. Aber um die geht es auch. Von denen will ich schließlich irgendwann leben können.
Deshalb muss ich neben den wirklich interessanten Diskussionen, die sich auf Twitter und Facebook immer wieder ergeben und zusätzlich zu den Blogartikeln auch immer wieder mal Hinweise auf meine Bücher einstreuen. Auch auf die Gefahr, zu nerven. Aber wenn ich es nicht tue, geraten meine Bücher eventuell in Vergessenheit und das wäre schade. Denn sie sind sehr gut.

Glaubst du nicht? Dann mach dir selbst ein Bild. Zum Beispiel auf meiner Autorenseite auf Amazon.

Mein wunderbares Selfpublisherinnenleben

Die Disruption der Buchbranche habe gerade erst begonnen, las ich kürzlich, und dass Selfpublishing die Zukunft sei. So viel Geld, wie als Selfpublisherin habe sie noch nie verdient, verriet eine Autorin dem Deutschlandfunk. Ich verrate vermutlich kein Geheimnis: Ich war das nicht.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Selfpublishing großartig. Es ist eine Chance, Formate und Geschichten auf den Markt zu bringen, an die sich Verlage nicht herantrauen. Verlage sind keine Gralshüter der Kunst, sondern Wirtschaftsunternehmen. Das heißt, die herausgegebenen Bücher müssen sich rechnen. Ihr Verkauf soll nicht nur die Tantiemen für die Autorin, sondern auch das Gehalt der aller Beschäftigten finanzieren und sogar noch einen Gewinn abwerfen. Verständlich, dass man da lieber auf Alt- oder im Ausland Bewährtes setzt.

Als Selfpublisherin sieht die Sache etwas anders aus: Ich bin in erster Linie mir selber verpflichtet. Ich kann herausgeben, was ich selber für gut und richtig halte, ohne auf den Gewinn schielen zu müssen.
Dass ich es doch tue, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich tun das vermutlich alle, denn, seien wir ehrlich: Verkäufe bedeuten auch Anerkennung. Der Blick auf die Verkaufsstatistiken ist dann manchmal schon ein bisschen deprimierend.
Es ist ja nicht nur das Herzblut, das in den Geschichten steckt. Auch nicht die Umwandlung in ePub oder Mobi bei eBooks, über die jene Autorin so klagt. Es ist vor allem die Arbeit darüber hinaus. Die Überarbeitungen, die Arbeit an Klappentext, ein Cover zu finden, Marketingkampagnen zu planen, Blog- und Facebookeinträge zu schreiben und überhaupt in den sozialen Medien präsent zu sein; das Nachsinnen, wen man noch ansprechen und motivieren könnte, während man schon am nächsten Werk schreibt, das auch wieder promotet werden muss und wer sollte das schon tun, wenn nicht man selber …
In stillen Momenten keimt dann schon mal die Frage auf, ob ein Job als Taxifahrer, Bäckereifachverkäuferin oder bei Lidl an der Kasse nicht sinnvoller wäre.

Aber natürlich ist das Humbug. Schließlich weiß ich, dass Erfolg auch langen Atem braucht. Vor allem aber, weil ich an meine Geschichten glaube.

[Selfpublishing] Rückgrat ist alles

In meinem heutigen Beitrag geht es mal wieder um Marketing. Genauer gesagt um einen Aspekt, der oft vernachlässigt wird: das eigene Selbstbewusstsein.

Nicht nur dass sich Autorinnen in den einschlägigen Foren oft selbst als angehend, Möchtegern oder Schreiberlein bezeichnen, sie tun das auch in anderen Bereichen. Mit fatalen Folgen. Denn während Autorinnenforen geschützte Bereiche sind, in denen man mit einem gewissen Grundkonsens unter Gleichgesinnten rechnen kann, gelten außerhalb andere Regeln.
Das fängt schon damit an, dass der kollegiale Respekt, der in fast allen Schreib- und Autorinnengruppen existiert, fehlt. Wer kennt das nicht: Da outet man sich als Autorin und wird als erstes gefragt: „Und? Kannst du davon leben?“ Alternativ kommen auch gerne Kommentare wie: „Das ist ja auch ein schönes Hobby“, oder „Hast du auch einen richtigen Beruf?“ Mit anderen Worten: Wenn du nicht J. K. Rowling oder Goethe bist, wird deine Arbeit weniger ernst genommen, als wenn du als Aushilfskraft Regale einräumst.
Das gilt natürlich nicht nur im direkten Kontakt, sondern auch in den sozialen Medien. Wenn du nicht gerade auf einer Bestsellerliste stehst, bist du in der allgemeinen Wahrnehmung ein Nichts.
Was meinst du also, wie es sich auf diese Wahrnehmung auswirkt, wenn du dich selber als „Schreiberlein“, „Möchtegern-“ oder „Hobbyautorin“ bezeichnest? Genau. Du bestätigst dein Gegenüber darin, dass du ein Nichts bist.

Warum sollte man deine Werke lesen?

Wenn du dein Licht derart unter den Scheffel stellst, gibst du nicht nur zu verstehen, dass du selber unwichtig bist. Die Wertung überträgt sich auch auf deine Texte. Anders gesagt: Wenn du selber ohne Überzeugung agierst, wirst du auch niemand sonst überzeugen können. Allenfalls bringst du ein paar Familienmitglieder oder Freunde dazu, aus Mitleid, Liebe oder freundschaftlicher Verbundenheit einen Blick zu riskieren. Aber das sind nicht die Gründe, aus denen Leser dein Buch kaufen. Erst recht wirst du keine Blogger, Journalisten oder sonstige Multiplikatoren finden, die es positiv besprechen.

Die Sache mit dem Eigenlob

Vermutlich hast du jetzt ein bisschen Bauchweh. Eigenlob stinkt, das lernen wir schon als Kinder. Und wenn du eine Frau bist, hattest du vielleicht auch ein Poesiealbum mit so schönen Sprüchen, wie „Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein …“

Vergiss das. Merk dir lieber folgenden Satz:

Bescheidenheit ist eine Zier,
doch es geht auch ohne ihr.

Auch das ist ein Poesiealbumspruch und als Motto weitaus besser geeignet.

Im Übrigen geht es nicht um Eigenlob, sondern um Rückgrat. Du hast etwas geschrieben. Ich gehe davon aus, dass du deine Idee und deine Schreibkompetenz als gut einschätzt, sonst würdest du kaum planen, es auf die Menschheit loslassen. Aber dann steh auch dahinter. Du entgehst der Kritik nicht, wenn du dich schon vorher klein machst. Der einzige Effekt ist, dass man dich nicht ernst nimmt.

Überzeugen durch Überzeugung

Mach lieber den Rücken gerade. Steh zu dem, was du tust, auch wenn es schwer fällt. Zeige die Begeisterung für das, was du schreibst. Sei stolz auf das, was du tust. Und, das geht vor allem an Frauen: Hör auf mit diesem Niedlichkeitswahn – es sei denn, du schreibst Flauschromane für die Seele. Dann kann auch alles Plüsch und rosa Zuckerwatte sein – aber selbst dann solltest du dich eher als Freundin, denn als Hauself präsentieren (Harry-Potter-Fans wissen, was ich meine).
Ich gebe zu, dass das nicht immer einfach ist. Auch mir fällt es noch immer schwer, mich geradeheraus als Schriftstellerin vorzustellen. Noch schwerer ist es, Außenstehenden zu erklären, worüber ich schreibe. Aber seit ich einmal eine Freundin in Aktion erlebt habe, die das wirklich perfekt kann, versuche ich, mich nicht auf Inhaltsangaben zu beschränken. Mehr zu sagen, als ein paar gestoppelte Sätze. Vor allem aber die Liebe einfließen zu lassen, die ich meinen Geschichten und den Figuren darin entgegenbringe. Und soll ich was sagen: Es klappt von Mal zu Mal besser und auch die Reaktionen ändern sich. Von lauwarmem „ja, mal sehen“, zu „wie hieß dein Buch noch mal?“

Es lohnt. Wirklich.

[Selfpublishing] Engagiert euch! Warum Autorinnen und Autoren politisch werden müssen.

Eine der besten Veranstaltungen, an denen ich auf der Leipziger Buchmesse teilgenommen habe, war diese sehr engagiert geführte Podiumsdiskussion zwischen Nina George und Janet Clark unter der Moderation von Anke Gasch.

Politisch werden, heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass wir künftig nur noch politische Texte schreiben sollen, die ein bestimmtes Gesellschaftsbild hochhalten. Bewahre!*
Politisch werden heißt, dass wir Autorinnen und Autoren uns selbst für unsere Belange einsetzen müssen. Sonst tut das nämlich keiner. Die Folge ist, dass in Deutschland gerade mal drei bis vier Prozent der AutorInnen von ihrer Tätigkeit leben können. Zugespitzt könnte man sagen, dass die einzigen, die nicht vom Literaturbetrieb profitieren, die sind, die Literatur schaffen.

Jetzt habe ich die Aufzeichnung dieses Gesprächs gefunden.
Und weil alle Punkte, oft im verschärften Maß, auch für Selfpublisher gelten, möchte ich die Diskussion gerne unter diesem Stichwort mit euch teilen. Unbedingt anhören. Und dann engagiert euch! Weil es keiner für euch tun wird.


*Die Frage, welches Menschenbild in manchen Büchern vermittelt wird, ist ein anderes Thema, das ich irgendwann sicher bei den Werkstattplaudereien aufgreifen werde.

[Selfpublishing] Schreiben unter Pseudonym

Lewis Caroll tat es. Iny Lorenz tun es. Und ich mache es zugegebenermaßen auch: Schreiben unter Pseudonym. Stehe ich deshalb weniger hinter meinen Büchern? Nein, natürlich nicht. Wenn ich nicht von meinen Geschichten überzeugt wäre, würde ich sie gar nicht erst veröffentlichen.

Welche Gründe sprechen für ein Pseudonym?

Es gibt viele Gründe, sich ein Pseudonym zu suchen. Die von Kolleginnen und anderen Buchmenschen am häufigsten genannten sind:

  • Anonymität
  • häufiger Name
  • Verwechslungsgefahr mit anderen Autoren
  • unpassender Name
  • Markenbildung und -schärfung

Den Wunsch nach Anonymität habe ich ganz auf die Liste gesetzt, weil er auch am häufigsten genannt wird. In diesen Fällen schwingt manchmal ein bisschen Scham mit. Schließlich müssen die Kollegen nicht wissen, dass man Krimis mit schwulen Polizisten verfasst und den Verwandten zu erklären, dass man die heißen Szenen in seinen Erotikromanen nicht alle selbst erlebt hat, ist auch nicht unbedingt einfach.

Auch ein häufiger Name ist ein guter Grund, ein Pseudonym zu wählen, vor allem, wenn die Gefahr besteht, mit anderen Autoren verwechselt zu werden. Schließlich will man unter diesem Namen auch gefunden werden. Wie schwierig das ist, wenn man einen häufigen Nachnamen trägt, wird schnell klar, wenn man bei Wikipedia z. B. „Müller“ nachschlägt. Nicht nur, dass es darunter etliche Schriftsteller gibt, man will vielleicht auch nicht unbedingt mit einem Politiker, Schlagersternchen oder Sportler gleichen Namens in Verbindung gebracht werden.

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Bild: leandrodecavalhophoto via pixabay

Auch ein als unangenehm oder unpassend empfundener Name kann ein Grund für ein Pseudonym sein. Jürgen Fick (Fick ist in einigen Teilen Norddeutschlands ein sehr üblicher Familienname) taugt vielleicht noch für sehr explizite Erotik. Aber seien wir ehrlich: Selbst da klingt die Kombination aus dem biederen Vor- und dem „gewagten“ Nachnamen absurd. Und einen heiteren Familienroman würde man ihm vermutlich ebenso wenig abnehmen, wie Chantalle Himmelsbächer den knallharten Thriller.

Viele Autorinnen geben auch Markenbildung und -schärfung als Grund an, was von den Verlagen unterstützt wird. Der Grund ist, dass viele von uns in verschiedenen Genres schreiben. Als Leserin knüpft man aber auch an den Autor bestimmte Erwartungen. Das ist mir bei einem Roman von Sarah Paretsky deutlich geworden. Normalerweise schätze ich sie wegen ihrer realistischen hard-boiled Krimis, aber irgendwann ist mir ein sehr esoterisch angehauchter Geisterroman von ihr in die Hände gefallen, an dem ich alles vermisst habe, was ich an ihren Krimis liebe. Vielleicht hätte das Buch eine Chance gehabt, wenn ich die Krimis nicht gekannt hätte … Aber so: nein. Ging gar nicht.
Aus dem gleichen Grund hat J. K. Rowling vermutlich auch nur einen einzigen Krimi unter diesem Namen veröffentlicht. Inzwischen veröffentlicht sie als Rowling ausschließlich Fantasy. Ihre Krimis erscheinen unter Pseudonym.
Indirekt unter Markenbildung fällt auch, wenn man Pseudonyme benutzt, um einen sehr hohen „Literaturausstoß“ zu bemänteln. Vielschreiber werden ja oft mit Schlechtschreibern verwechselt, d. h. ihnen wird mangelnde Qualität unterstellt. Stephan King hat sich genau deshalb Pseudonymen bedient, um seinen Marktwert hoch zu halten.

Probleme mit dem Pseudonym

Natürlich gibt es Nachteile.
Wer ein Pseudonym nutzt, um anonym zu bleiben, hat als Selfpublisher z. B. erhebliche Nachteile bei der Werbung. Wenn es keinen Verlag gibt, der das Marketing übernimmt, muss man selber auf Menschen zugehen – und da bietet sich der eigene Freudes- und Bekanntenkreis nun mal als Erstes an. Denen klar zu machen, dass du Bücher schreibst, ist eine Sache (ich finde schon das schwer). Sie dazu zu bringen, sich ein Pseudonym zu merken, ist ungleich schwieriger.
Aber auch in den sozialen Medien stößt man mit einem Pseudonym auf Schwierigkeiten. Xing z. B. verbietet Pseudonyme ganz, ist also vollkommen ungeeignet, sich unter Pseudonym mit anderen zu vernetzen und sich einen Namen zu machen. Auch Facebook ist mit Pseudonym nur schwer nutzbar. Eigentlich darfst du dir dann nämlich nur eine Seite einrichten, was bedeutet, dass du nicht von dir aus Kontakt zu den Profilen „echter Menschen“ aufnehmen kannst. Außerdem kommst du als Seite nicht in Gruppen. Die Möglichkeiten, sich zu vernetzen, sind daher sehr eingeschränkt. Die einzige (aber eigentlich verbotene) Alternative besteht darin, deinem Pseudonym einen eigenen Account einzurichten – was inzwischen allerdings die Angabe einer Mobilfunknummer voraussetzt. Dumm, wenn du die schon für deinen privaten Account verwendet hast.

Geringere Probleme macht die Impressumspflicht in Büchern, auf Webseiten und in Blogs. Hier reicht es, einen Empfangsbevollmächtigten anzugeben. Das kann ein Impressumsdienst sein (wie ihn z. B. Papyrus Autor seinen Nutzern anbietet), aber auch der Nachbar, ein Familienangehöriger oder eine Freundin. Hauptsache, es ist eine Kontaktaufnahme möglich und die Post landet irgendwo, wo sich dich am Ende erreicht.
Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass du deinen eigenen Namen als Kontaktadresse angeben kannst, ohne dass man daraus zwingend schließen kann, dass das Pseudonym zu diesem Namen gehört.

Was macht ein gutes Pseudonym aus?

Wie immer gibt es also keinen Königsweg. Letztlich muss jede/r selbst entscheiden, was in seinem/ihren Fall das Beste ist. Wer sich für ein Pseudonym entscheidet, sollte sich die Zeit nehmen, gründlich darüber nachzudenken, welches das Richtige ist.
Dabei lassen sich die beiden wesentlichen Kriterien eines guten Pseudonyms schon aus dem ersten Absatz ableiten: Ein gutes Pseudonym ist ein Name mit hohem Wiedererkennungswert, der zum Genre passt.

Zum Wiedererkennungswert gehört auch, dass der Name eingängig sein sollte. Deshalb Vorsicht bei exotischen Namen. Qui Xiaolong ist zwar (für Europa) selten, aber (für Europäer) auch schwer zu merken. Drago Fellner bleibt deutlich besser haften.

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Bild: Mysticartdesign via pixabay

Natürlich kommt dann auch noch der Wohlfühlfaktor dazu. Ein Pseudonym, wird idealerweise so etwas, wie eine zweite Haut. Nicht unbedingt eine andere Identität, eher wie Kleidung, die bestimmten öffentlichen Anlässen vorbehalten bleibt. Auch da wählt man vorzugsweise das, was einem selber gefällt. Allerdings sollte das Pseudonym langlebiger sein. Schließlich will man in der Regel mehr als ein Buch veröffentlichen. Also lieber keinen hochkreativen, top-angesagten Namen wählen. Nichts veraltet so schnell, wie die Mode. Und nichts ist später so peinlich. Das gilt für Klamotten genauso wie für Namen.

Auch ich habe meinen Namen sehr bewusst gewählt und mir Bestandteile gesucht, die für mich hohen Symbolwert besitzen. Nike ist die griechische Siegesgöttin. Leonhard kommt von Löwenherz. Beides zusammen drückt für mich den Willen aus, mich in einem schwierigen Umfeld erfolgreich zu behaupten.
Ich finde außerdem, dass der Name gut klingt, ungewöhnlich genug ist, um aufzufallen und zur Phantastik passt. Wenn ich besser nachgedacht und ein bisschen Marktforschung betrieben hätte, hätte ich mich vermutlich trotzdem dagegen entschieden, weil der Name Nike fast automatisch mit Sportbekleidung assoziiert wird. Da ich mich weder für Sport, noch für Klamotten sonderlich interessiere, ist mir das aber entgangen. Jetzt muss ich mit den Folgen klarkommen.


Und du? Schreibst du unter Pseudonym oder Klarnamen? Was sind die Vor- und Nachteile, die du erlebst?