Biss zum letzten Akt – bald als Taschenbuch

Wer mir bei Twitter folgt, hat es vielleicht mitbekommen: Eine weitere Erzählung aus dem Codex Aureus geht in den Druck. Wie schon Steppenbrand, wird demnächst auch Biss zum letzten Akt als Taschenbuch bei BoD erscheinen. Auf der Leipziger Buchmesse werde ich es offiziell vorstellen.

Biss Print
Hier schon mal die Vorschau auf das Cover

Ein neues Buch herauszubringen (und sei es nur in einem neuen Format) ist immer wieder eine Herausforderung. Um so mehr freue ich mich, dass es jetzt geschafft ist, und dass ich mich beim Bearbeiten wieder in die Geschichte von Silke verliebt habe.

Advertisements

Prokrastination de luxe

Wenn ich eigentlich ganz andere Dinge tun sollte, aber gerade gar keine Lust habe und die Twitter-Timeline darüber rätselt, ob großbrüstige lüsterne Drachen nach Dino-Porn der nächste heiße Scheiß im Erotik-Genre sind. Dann kommt so was dabei raus:

Sexy Fantasy Dragon

Es hat geklappt!

Und fast hätte ich es nicht mitbekommen, weil der Postbote das Päckchen klammheimlich im Briefkasten deponiert hat. Dort wäre es auch das Wochenende über geblieben, wenn mein Großer keine Langeweile gehabt und deshalb erst in den Schränken und schließlich auch im Briefkasten nach Abenteuern gesucht hätte.
So habe ich es bekommen, während ich eigentlich gerade dabei war Abendessen zu kochen. Als ich die Verpackung aufgerissen habe, haben mir die Hände gezittert, so nervös war ich. Nicht, dass am Ende alles schief und krumm und ganz fürchterliche Farben …

Nein, hat es nicht. Zwar hat BoD sich nicht an seine eigenen Beschnittgrenzen gehalten oder ich habe bei der Umrechnung von Pixeln in Zentimeter doch einen Fehler gemacht – aber egal! Es sieht gut aus. Ich mag es. Auch Satz und Schriftbild sind sehr gut geworden.

Print 1

Leider habe ich bei all der Aufregung nicht daran gedacht, Bilder vom Auspacken zu machen und diese Aufnahme vom Handy ist auch eher mäßig. Aber zum Zeigen reicht es.

Ab jetzt ist Steppenbrand überall im Buchhandel erhältlich.
BoD, 8o Seiten, ISBN 978-3-7440-89631-3
4,99 €

Zur Leseprobe

In eigener Sache: Wie es mit den Vampiren weitergeht

Ja, es ist mir peinlich, aber leider kann ich immer noch nicht absehen, wann der nächste Band des Codex Aureus mit der Vampirstory herauskommen wird. Immerhin: Es geht weiter. Die erste Überarbeitungsrunde ist beendet. Nur an ein paar Stellen muss noch nachjustiert werden. Und da sich das Erscheinungsdatum ohnehin so verzögert hat, habe ich beschlossen, die Geschichte danach noch einmal den Kolleginnen vom Nornennetz zum Testlesen anzubieten. Eine zusätzliche qualifizierte Beratung schadet schließlich nie!

Danach wird es vermutlich sehr zügig weitergehen. Das Cover steht schon lange. Was noch fehlt, sind das Nachwort* und der Klappentext. Beides zusammen dürfte aber nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Wenn nichts dazwischen kommt. Drückt bitte die Daumen!

teaser3
Der Crackgeruch ist der Überarbeitung zum Opfer gefallen. Die Szene spielt in den 80ern. Da war Crack noch kein Thema.

 


*Jemand sagte mal, ich hätte das Nachwort zur Kunstform erhoben. Das freut mich natürlich und wenn tolle Nachworte ein Alleinstellungsmerkmal sind, möchte ich meine Leser*innen keinesfalls enttäuschen!

phantastische Frauen: Susan Dexter

Meine im Rahmen der Autorinnenzeit begonnene, sehr persönliche Reihe über Frauen in der Phantastik, die mich und mein Schreiben geprägt haben, wäre unvollständig, wenn ich nicht wenigstens auch Susan Dexter erwähnen würde.

Ihre Bücher habe ich verschlungen, obwohl sie ein Genre berühren, das ich sonst so gar nicht mag: Den Liebesroman. Dabei ist „berühren“ eigentlich das falsche Wort, denn ihre Romane beinhalten immer eine Liebesgeschichte, die so zuckersüß und fluffig ist, wie Sahneschnittchen mit rosa Zuckerguss. Daneben geht es auch immer um ein ganz besonderes Pferd. Valladan, einen schwarzen Hengst mit außerordentlichen Fähigkeiten.

Kurzum: Kitsch.

Man könnte Sodbrennen davon bekommen, wenn es nicht so perfekt wäre und so komisch. Susan Dexter greift absichtlich in die Klischeekiste und treibt alles, was ihr dabei in die Finger gerät, gnadenlos und konsequent auf die Spitze. Das und die Komik sorgen für eine ironische Brechung, die den Kitsch auf ein mehr als nur genießbares Maß reduziert. (Ich erspare mir hier weitere Kuchenvergleiche, sonst stürme ich die nächste Konditorei)

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, in dem sich ihre Romane sehr deutlich von moderner Romantasy unterscheiden: Bei Susan Dexter sind es nie die Frauen, die irgendwelchen supercoolen, badassigen, heißen Typen hinterherhecheln. Wenn jemand badass ist, dann die Frauen. In jedem Fall haben die aber sehr konkrete eigene Ziele und es sind die Männer, die ihren Wert beweisen müssen (und es natürlich tun, schließlich handelt es sich um Liebesromane, da ist Happy End nahezu Pflicht).

Ich muss gestehen, dass ich es schade finde, dass ihre Bücher nicht mehr aufgelegt werden, sondern allenfalls noch antiquarisch zu haben sind. Ihre Protagonisten finde ich nämlich deutlich anziehender, als die ganzen modernen männlichen Love-Interests, die sich neben ihrem Reichtum vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Frauen schlecht behandeln. Dann doch lieber einen wahren Ritter!*


„Der wahre Ritter“ ist der Titel eines von Susan Dexters Romanen – und der allerkitschigste.

#Autorinnenzeit: phantastische Frauen – Marion Zimmer Bradley

Der Mai wird weiblich, habe ich versprochen – und was läge da näher, als auch über die Autorinnen zu sprechen, die mich besonders beeinflusst oder beeindruckt haben. Da das hier ein Phantastik-Blog sein will, beschränke ich mich Autorinnen phantastischer Literatur. Den Auftakt macht (natürlich) Marion Zimmer Bradley.

Die Nebel von Avalon, oder: Wie ich die Fantasy entdeckte

Ich bin in den 80ern groß geworden, jenem Jahrzehnt, als Eskapismus als etwas ganz furchtbares galt, in einem Elternhaus, das sich durchaus bildungsbeflissen war, aber bitte nur im Rahmen. Das heißt, mein Vater las Zeitung und Magazine, meine Mutter durchaus auch Romane, aber vor allem das, was das Feuilleton vorher abgesegnet hatte. Auch der Lesestoff in der Schule war darauf ausgerichtet, auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. Rückblickend habe ich fast den Eindruck, es sei darum gegangen, jede Hoffnung, Leben und Lesen könnten auch Spaß machen, gleich im Ansatz zu ersticken. Je düsterer das Setting, je schlimmer das Ende, desto besser das Buch.

Es war schon fast eine kleine Revolution, als ein Mitschüler mir den Herrn der Ringe nahelegte: „Mal was anderes, als immer diesen deprimierenden Kram.“
Natürlich habe ich reingelesen. Aber es ging mir, wie gefühlt einem Viertel aller anderen auch. Ich habe das Buch nach fünf Seiten zugeklappt und gesagt: „Ne, danke. Da ist Krieg und Frieden unterhaltsamer.“ *
Gut, ich übertreibe. Es gab auch Kinder- und Jugendbücher. Die drei Fragezeichen. Geheimnis um … Blitz, der schwarze Hengst. Bille und Zottel, mein Freund Flicka und viele andere, die ich vergessen habe. Vermutlich zu Recht. Alle hatten eins gemeinsam: Jungen erlebten Abenteuer, Mädchen sahen zu und achteten darauf, nicht zu schmutzig zu werden. Allenfalls konnten sie versuchen „wie ein richtiger Junge“ zu werden, wie Georgina in den 5 Freunden oder Dinah bei Geheimnis um. Aber Mädchen, die auf einsamen Inseln Schiffbruch erlitten, wilde Pferde zähmten oder Schurken das Handwerk legten? Nicht doch! Vor allem aber (und das fand ich damals deutlich wichtiger) waren es Jugendbücher. So was las man nicht, wenn man ernst genommen werden wollte. Wenn man ernst genommen werden wollte, blieb nur „dieser deprimierende Kram“.

Und dann kamen die Nebel von Avalon und lösten einen Hype aus, der sich eigentlich nur mit dem von 50 Shades of Grey vergleichen lässt. Ich glaube, jede Frau und jedes Mädchen in meinem Umfeld hat das Buch gelesen. Sogar meine Mutter. Und alle (jedenfalls alle, die ich erinnere) fanden es großartig. Sex, Blut und Intrigen. Schwere Schicksale. Magie! Vor allem aber eine Frau als Zentralfigur. Eine, die sich nicht unterordnet. Die andere Ziele hat, als einen Ehemann zu finden und sich häuslich niederzulassen. Die sich auch nicht für die Ziele anderer einspannen lassen will, sondern versucht, einen eigenen Weg zu finden.
Man kann über die Nebel sagen, was man will. Manche der Inhalte sehe ich inzwischen deutlich kritisch. Nicht so sehr, weil ich den Gegensatz böse (christliche) Römer versus gute (pagane) Briten ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen finde. Vor allem ist es der als ach so freundlich dargestellte Kult um die Große Göttin, der mir nachträglich aufstößt, weil er wie selbstverständlich Inzest, Vergewaltigung und Menschenopfer beinhaltet. Trotzdem war das Buch für mich damals ein Aha-Erlebnis. Das Tor zu neuen Lesewelten, farbenprächtiger und gewaltiger als alles, was ich vorher kannte. Ich bin gerne hindurch gegangen.

Natürlich habe ich noch mehr von Marion Zimmer Bradley gelesen. Aber weder im Darkover Zyklus noch in einem ihrer anderen Bücher habe ich das Gefühl wiedergefunden, das die Nebel von Avalon in mir geweckt hat. Das kam erst wieder, als ich die Sword and Sorceress Reihe** entdeckte; eine von Zimmer Bradley herausgegebene Reihe von Anthologien, mit durchaus feministischem Anspruch. In einem der Vorworte schrieb sie, in ihrer Kindheit und Jugend seien Frauen in Fantasy und Science Fiction vor allem auf den Covern präsent gewesen. Meist sehr leicht bekleidet und oft in den Fängen eines lüstern starrenden Insekts. Sie (MZB) wolle das ändern. Dementsprechend war allen Kurzgeschichten der Sword and Sorceress Reihe gemeinsam, dass sie Protagonistinnen hatten. Frauen, die sich durch Willenskraft und Stärke auszeichneten – unabhängig davon, welche Ziele sie hatten und mit welchen Mitteln sie sie verfolgten.
Auch für diese Reihe bin ich Marion Zimmer Bradley sehr dankbar, weil ich darüber viele, für mich neue Autoren entdeckt habe, auf die ich sonst nie gestoßen wäre.

 


*Ja, ich habe es gelesen. Ich habe es schon deshalb gehasst, weil ich mir keine Namen merken kann und jede Figur in Krieg und Frieden mindestens drei Namen hat, die je nach Kontext benutzt werden. Mich hat nichts daran gereizt, außer dass es Weltliteratur ist und man deshalb gelesen haben sollte. Ich habe mich tatsächlich durchgekämpft. Es war das erste und letzte Buch, das ich gelesen habe, weil es Weltliteratur ist oder auf irgendeiner Liste stand, die man gelesen haben musste.

**In Deutschland erschienen die Bücher unter Titeln wie „Windschwester“, „Schwertschwester“, „Zauberschwester“ usw.



Anmerkung: Mir sind die gegen Marion Zimmer Bradley erhobenen Missbrauchsvorwürfe bekannt. Es geht in diesem Artikel aber nicht um die Person Bradleys, sondern um ihren Einfluss auf mich (und vielleicht auch auf einige andere). Dieser Einfluss beruht ausschließlich auf ihrem literarischen Schaffen und in den mir bekannten Büchern findet sich kein Hinweis, geschweige denn eine Rechtfertigung für Gewalt gegen Kinder – in welcher Form auch immer.
Diesen Nachtrag habe ich verfasst, weil ich auf Twitter sehr nachdrücklich auf die Missbrauchsvorwürfe hingewiesen wurde. Da MZB aber seit fast 20 Jahren tot ist, und sich der Artikel mit ihrer literarischen Wirkung befasst, sehe ich nach wie vor keine Notwendigkeit, im Artikel selber darauf einzugehen.

Wer will den Fluch des Spielmanns hören?

Nun gut, es gibt nicht den ganzen. Aber Klaus_Nb, ein lieber Bekannter von Twitter, der u. a. auch für Clue Cast liest, hat sich die Mühe gemacht, den Anfang vom „Spielmann“ aufzunehmen. Seine Stimme erzeugt dabei genau den Gänsehautmoment, den ich beim Schreiben im Sinn hatte.

Unbedingt anhören! Wo? Auf Klaus‘ Blog.


dfds

Die im frühen Mittelalter spielende Geister- und Gaunergeschichte „Der Fluch des Spielmanns“ gibt es als eBook für alle gängigen Lesegeräte.

Man bekommt sie sowohl über Amazon als auch die Händler der Tolino-Allianz, also Buch.de, Hugendubel, die Mayersche, Osiander, Thalia, Weltbild usw. Mein Favorit dort ist allerdings Bookzilla, weil Bookzilla 5% des Kaufpreises für die Entwicklung freier Software spendet.

 

realistische Vampire (5) – Sozialstrukturen

Mit dem letzten Teil meiner Serie über realistische Vampire begebe ich mich auf sehr dünnes Eis, aber es geht nun mal um das, was mich an modernen Vampiren mit am Meisten stört: Der Mythos hierarchisch aufgebauter Vampirgesellschaften. Vampir A beißt einen Menschen und macht ihn damit nicht nur zum Vampir, sondern auch zu seinem Untergebenen. Einer Art Sklaven, der sich wieder eigene Sklaven erschafft, die natürlich ihrem Meister gehorchen müssen, aber auch dessen Herren.

florence-1562510_640
Bild: ilaria88 via Pixabay

Zusammen mit dem „Vampire-sind-so-heiß-und-überlegen-Hype“ finde ich das eine sehr ungesunde Mischung, um es diplomatisch auszudrücken. Damit werden Sklaverei und Abhängigkeit nämlich nicht nur quasi als Naturgesetz verkauft, sondern auch noch als ganz großartig.
Von Auflehnung und Aufstand ist nur in den wenigsten Fällen etwas zu merken. Schon bei Anne Rice sind die „Obervampire“ die Heißesten, Härtesten und Großartigsten von allen. Lebendige Götter.

Mit den alten Vampirlegenden, in denen der Vampir eine zerstörerische Kraft war, die es zu vernichten galt, ist das nur schwer zu vereinbaren. Die Nachzehrer, Wurdalaks und wie sie noch genannt wurden, hatten überhaupt kein Interesse, irgendwelche Geheimgesellschaften zu erschaffen.
Selbst Dracula war – von seinem Harem abgesehen – ein Einzelgänger. Sein übergeordneter Stand resultierte aus seinem Titel, nicht daraus, wen er gebissen hatte.

Möglicherweise kommt die heute bestehende Verknüpfung von Vampirismus und Rangverhältnissen in der romantischen Verbrämung einer Zeit, in der jeder wusste, wo „sein Platz“ war. Das sorgt immerhin für klare Verhältnisse.

postal-1348465_640
Bild: Jo-B via Pixabay

In der modernen Gesellschaft sind derartige, auf Geburt beruhende Über-und-Unterordnungsverhältnisse dagegen nur schlecht zu rechtfertigen. Noch weniger verstehe ich sie bei Vampiren.
Gut, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch dadurch zum Vampir wird, dass er Vampirblut trinkt, ließe sich immerhin die vergleichsweise Schwäche der neu entstandenen Vampire gegenüber den Alten erklären. Allerdings ist hier meiner Meinung nach schon die Prämisse schwach, will sagen: Es ist unverständlich, warum das Blut diese Wirkung haben sollte. Außerdem sind die körperlichen Unterschiede noch kein Grund, von einem Abhängigkeits- oder Über-/Unterordnungsverhältnis auszugehen.
Wenn man, wie ich, von einem Virus als Überträger ausgeht, ist eine derartig Rangordnung sogar noch schlechter begründbar. Hier fällt schon die Überlegenheit der Urvampire weg. Sie sind zwar der Infektionsherd aber die Wirkung der Grippe wird ja auch nicht schwächer, wenn man sich bei jemandem anderen ansteckt.

Überhaupt passt dieser ganze Rangordnungskram eigentlich viel besser auf eine andere Gattung von Fantasy-Wesen. Und zwar ausgerechnet auf die, die sich angeblich seit je her im Krieg mit Vampiren befinden. Ich spreche natürlich von Werwölfen.

Werwolf
Der Werwolf – nur das haarige Gegenstück zum eleganten Vampir?

Ausgerechnet die werden, jedenfalls in ihrer Wolfsform, oft als hirnlose Bestien skizziert – und das, obwohl gerade Wölfe sehr ausgeprägte Sozialstrukturen haben. Eine Geheimgesellschaft von Werwölfen könnte ich mir daher sogar ausgesprochen gut vorstellen.
Wenn aber Vampire und Werwölfe in ewiger Feindschaft verbunden sind, also, um das Sprichwort zu bemühen „wie Hund und Katze“ – wäre es da nicht glaubhafter, wenn Vampire sich auch in ihrer Lebensart deutlich von Werwölfen unterschieden? Was, wenn Vampire im Gegensatz zu Werwölfen Anarchisten wären? Freigeister, die nur dem eigenen Willen gehorchend, wie Katzen – würde das Vampire weniger attraktiv machen?


Für alle, die neu eingestiegen sind, oder aus anderen Gründen einen der älteren Beiträge noch einmal lesen möchten, habe ich sie hier noch einmal verlinkt:
Teil 1: Wie wird man eigentlich Vampir?
Teil 2: Was macht (meine) Vampire aus?
Teil 3: Die Ernährungsfrage
Teil 4: Das Gebiss

[Märchen] Der Fischer und die Nixe

Inspiriert von dem Märchen „Die Sirenen“ von BlueSiren habe ich in den Kurzgeschichten aus meiner Anfangszeit gewühlt und tatsächlich die Geschichte vom Fischer und der Nixe wiedergefunden, die noch aus meiner Fanfictionzeit stammt. Ursprünglich war sie an der Küste Gondors angesiedelt.

Aber da der Stil genauso schwülstig war, wie befürchtet, habe ich ihr kurzerhand einen neuen Handlungsort verpasst, den es hoffentlich noch nicht gibt.

Jetzt aber Schluss mit dem Vorgeplänkel. Viel Spaß beim Lesen!

Der Fischer und die Nixe (Sweek Version)Der Fischer und die Nixe

Vor langer Zeit lebte ein junger Fischer an der Küste von Gorem. Er war so arm, dass er sich nicht einmal ein Boot leisten konnte. So blieb ihm nichts, als längs des Strandes zu fischen. Von Morgens früh, bis nach Sonnenuntergang warf er sein Netz aus, doch oft genug war der Fang so gering, dass er gerade selbst davon satt wurde. Dennoch bewahrte sich der Fischer sein freundliches Wesen, denn er liebte den Strand und das Meer. Selbst die harte Arbeit gefiel ihm, zumal er lieber sein eigener Herr war, als eines anderen Knecht.

Doch eines Tages blieb sein Netz leer, als seien alle Fische aus der Bucht verschwunden. Auch am nächsten Tag fing er nichts als Tang und leere Muschelschalen. Am dritten ging es genauso. Nach vier Tagen hatte er seine letzten Vorräte aufgezehrt. Doch auch am fünften und sechsten Tag blieben seine Mühen vergeblich. Im gleichen Maß, wie der Hunger wuchs, wuchs auch seine Verzweiflung, denn das Einzige, das er gegen einen Kanten Brot verpfänden konnte, war sein Netze – aber das zu verpfänden hieß, sich seiner Lebensgrundlage zu berauben.

Als die Sonne am Abend des siebten Tages den Horizont berührte, schien sein Schicksal besiegelt. Wieder hatte er nicht einen einzigen Fisch gefangen. Hunger und Erschöpfung ließen ihn taumeln. Wenn er auch an diesem Abend nichts zu Essen bekam, würde ihm am nächsten Morgen die Kraft fehlen, das schwere Netz noch einmal auszuwerfen.
„Einmal noch“, schwor er sich. Einmal noch wollte er es versuchen, bevor er sich in das Unvermeidliche schickte. Er blickte auf das, wie Blut und flüssiges Gold schimmernde Meer und schickte ein stummes Gebet an die Götter, bevor er mit letzter Kraft das Netz auswarf.

Schon beim Loslassen erkannte er, dass der Wurf nichts taugte. Seine Arme waren zu schwer und er selbst zu müde, um dem Netz den richtigen Schwung zu geben. Nur halb entfaltet und nur wenige Meter von seinen Füßen entfernt klatschte es in die Fluten.

Tränen der Verzweiflung brannten in seinen Augen, als er es wieder einholte. Es war zu spät. Schon war die schnell sinkende Sonne nicht mehr, als ein dünner Bogen über dem Wasser. Bald würde die Dunkelheit kommen und mit ihr die Geschöpfe der Nacht, die jeder Mensch fürchtete. Wehe dem, der dann im Freien war!

In diesem Augenblick sah er in den Maschen etwas blitzen. Nicht den silbrigen Glanz von Fischschuppen, sondern ein goldenes Funkeln. Der Fischer dachte zuerst, das schwindende Licht und die tief stehende Sonne würden ihn narren. Doch das Glitzern blieb, wurde sogar stärker, je näher er sein Netz an sich zog.

Mit zitternden Fingern löste er seinen Fang aus den Maschen gelöst hatte und den Tang, der sich darumgewickelt hatte. Als er endlich fertig war, hielt er einen aus Gold getriebener Kamm in den schwieligen Händen, wundervoll gearbeitet und graviert und über und über mit Perlen und Edelsteinen besetzt. Nie in seinem Leben hatte er etwas annähernd Schönes und Kostbares gesehen.

Lange betrachtete er diesen Fund und konnte sich gar nicht satt sehen am Glanz des Goldes, dem weichen Schimmer der Perlen und dem Gleißen der Juwelen. Erst das Knurren seines Magens erinnerte ihn schließlich daran, dass er diesen Fang nicht für sich behalten konnte.

Schweren Herzens stand er auf und wollte sich gerade auf den Weg in die Stadt machen, als ihm ein neuer Gedanke kam. Er konnte nicht einfach auf den Markt gehen und den Kamm verkaufen! Niemand würde ihm glauben, dass er einen solchen Schatz aus dem Meer gefischt hatte. Schon gar nicht an dieser Stelle, so dicht am Ufer. Statt dessen würde man glauben, er habe den Kamm gestohlen. Ins Gefängnis würde man ihn werfen und ihn dort verrotten lassen – ohne die Möglichkeit, je seine Unschuld zu beweisen.

Erneut schossen ihm die Tränen in die Augen und er verfluchte die Götter, die so grausame Scherze mit ihm trieben. Jetzt war er reich, aber er konnte mit diesem Reichtum nichts anfangen. Nicht einmal reden durfte er davon.

Bis spät in die Nacht saß der Fischer neben seinem Netz. Unfähig sich zu rühren, unfähig eine Entscheidung zu treffen. Dann, Mitternacht war lange vorbei, drang plötzlich ein Klagelaut an sein Ohr. Die Verzweiflung die darin lag, war noch größer, als jene, die der Fischer fühlte.

Wieder und wieder erklang das Klagen, bis der Fischer aufstand und dem Geräusch nachging. Was machte es schon, wenn er am Ende auf eine Meerfrau, einen Meerlöwen oder eines jener anderen Wesen stieß, vor denen die Alten warnten? Er hatte nichts zu verlieren. Sollten sie ihn doch fressen!

Als er die Klippen am Rande der Bucht erreichte, fand schließlich die Quelle des Klagens. Ein junges Mädchen, so schien es, lag ganz unten am Fuß der Klippen und weinte bitterlich. Der Fischer trat näher und sah, dass er sich getäuscht hatte. Sie war kein menschliches Wesen, sondern eines jener Meerweiber, von denen es hieß, sie zögen die, die sich zu weit aufs Meer hinauswagten, zu sich hinab in die finsteren Tiefen. Hässlich, seien sie, hieß es weiter. Grünhaarig, fett und fahlhäutig, mit glotzenden Gesichtern und Mäulern, die vor spitzen Zähnen starrten. Die grünen Haare stimmten. Sie bedeckten den größten Teil des schlanken, milchweiß schimmernden Leibes, der beim Weinen zuckte. Unter diesem Vorhang schimmerten ein goldener, perlenbesetzter Gürtel und Ketten, ebenfalls aus Gold und Perlen.

Der Fischer empfand großes Mitleid mit ihr, auch wenn es ihn wunderte, wie ein so anmutiges und reiches Geschöpf solchen Kummer haben konnte. Gleichzeitig überkam ihn Angst, was sie anstellen würde, wenn sie seiner ansichtig wurde. Daher dauerte es einige Zeit, bis er sich ein Herz fasste und sie ansprach.

Die Meerfrau fuhr empor und starrte ihn aus großen erschrockenen Augen an. Ihr Gesicht hatte nichts mit den schaurigen Märchen der Alten zu tun. Es war wunderschön, selbst in diesem Augenblick, wo es nichts als den Ausdruck blanken Entsetzens zeigte.

„Hab keine Angst“, sagte der Fischer, der mit einem Mal nichts mehr fürchtete, als dass sie in ihr nasses Element stürzen und für immer zu verschwinden könne. Er sprach weiter auf sie ein, sagte, er habe ihr Weinen gehört und versprach zu helfen, so weit es irgendwie in seiner Macht stünde, bis sie schließlich Vertrauen fasste.

„Ich bin Mereja, die jüngste Tochter des Meerkönigs“, erzählte sie und ihre Stimme klang wie Musik in den Ohren des jungen Mannes. „Heute bin ich das erste Mal allein ausgeschwommen, weil ich so gerne sehen wollte, wie die Sonne versinkt. Es herrscht dann ein besonderes unter der Oberfläche.“ Ihr Gesicht leuchtete auf, als sie das sagte, doch im nächsten Moment fing sie wieder an, zu weinen. „Auf diesem Ausflug habe ich meinen Kamm verloren, ein kostbares Erbstück und nun traue ich mich nicht, zum Palast zurück zu kehren und meinem Vater unter die Augen zu treten.“

Da lächelte der Fischer und zog den Kamm aus der Tasche, in der er sonst seine Fische verwahrte. „Ist es dieser hier?“, fragte er.

Sie nickte unter Tränen und fragte, wie er daran gekommen sei.

Er erzählte seine Geschichte und gab ihr den Kamm, obwohl es ihn bitter schmerzte, auch diesen Fang zu verlieren. Doch als ob die Meerprinzessin seine Gedanken erraten hätte, lächelte sie und sagte, er solle die Hoffnung nicht aufgeben, sondern bei Tagesanbruch seine Netze an gewohnter Stelle auswerfen. Dann sprang sie hinab ins Wasser, und mit einem letzten Winken war sie verschwunden.

Der Fischer befolgte ihren Rat und wirklich: Obwohl er kaum noch die Kraft hatte, sein Netz richtig auszuwerfen, war es beim Einholen voller Fische. Anders als sonst, zappelten auch viele Barle und andere große Fische darin, die er auf dem Markt mit guten Gewinn verkaufen konnte.

So ging es von nun an alle Tage. Der Fischer brauchte sein Netz nur noch einmal am Tag auszuwerfen und was er fing, reichte nicht nur um satt zu werden. Es blieben immer genug Fische, um sie auf den Markt zu tragen. Mit der Zeit gelangte er sogar zu einigem Wohlstand, auch wenn er nie reich wurde.
Die anderen Fischer tuschelten über diesen Wohlstand, dessen Quelle ihnen unheimlich war. Noch unheimlicher aber fanden sie die seltsamen Angewohnheit, nachts am Strand spazieren zu gehen und im Meer zu schwimmen.
„Was sucht er dort?“, tuschelten sie und: „Kennt er denn gar keine Furcht?“
Aber sie errieten es nie. Und als er eines Tages nicht mehr zurückkehrte, sahen sie es als Bestätigung, dass die alten Geschichten stimmten und der Nacht nicht zu trauen war.

Der Fischer und die Meerprinzessin hätten eine andere Geschichte erzählen können. Aber sie sahen keinen Grund, je wieder zurückzukehren.


Die Geschichte darf  gerne geteilt werden, so lange ich als Autorin genannt werde. Änderungen und Bearbeitungen bedürfen meiner vorherigen Zustimmung.