Frohes Fest

Sehr passend zu den kommenden Feiertagen, hat Klaus Neubauer meine Kurzgeschichte „Engelszähne“ eingelesen und auf seinem Podcast klausgesprochen, dem Kurzgeschichtenpodcast veröffentlicht.

Ich fühle mich sehr geehrt und wünsche dir im Vorgriff auf die Weihnachtstage ein himmlisches Vergnügen mit Engelszähne.

Glitzernde Weihnachtsdekoration in der Form eines fliegenden Engels mit weit ausgebreiteten Flügeln, der eine lange Schleppe aus blauen Lichtern hinter sich her zieht.
Photo by Yelena Odintsova on Pexels.com

Wenn du die Geschichte noch einmal nachlesen willst, findest du sie hier.

Engelszähne

Wusstest du, dass das, was wir hier unten auf der Erde als „Hagel“ bezeichnen, in Wahrheit Engelszähne sind? Nein?

Dann nimm‘ dir etwas zu trinken und höre gut zu!

Natürlich verlieren Engel ihre Zähne nicht so einfach – schon gar nicht in solchen Mengen. Engel haben auch keine Milchzähne, wie kleine Kinder. Das ergäbe ja auch gar keinen Sinn, da sind wir wohl einig. Wir sind uns wohl auch darüber einig, dass man zum Harfe spielen oder um im Himmelschor mitzusingen, einen Körper benötigt. Klar, für einige andere Dinge auch. Sogar als Engel. Aber das lassen wir mal außen vor.

Jedenfalls bekommt jede neu durch das Himmelstor getretene Seele einen Körper, den sie sich nach dem Baukastensystem selbst zusammenbauen darf. So behalten die Engel ihre Individualität, obwohl sie aus Normbauteilen bestehen. Selbstverständlich sind diese Körper perfekt (selbst, wenn sie nicht unbedingt humanoid aussehen, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Schließlich ist im Himmel alles perfekt.

Zu einem perfekten System gehört auch das Recycling von Rohmaterialien. So bald eine Seele den Himmel verlässt, um wiedergeboren zu werden, kommen die Engelskörper daher in die Werkstatt, wo sie auseinandergenommen werden. Die Einzelteile werden anschließend generalüberholt und in Kisten gelagert, damit die neuen Seelen darauf zugreifen können.

Wie man sich vorstellen kann, ist dieses Lager ziemlich groß und die Kisten mit den Zähnen stehen ziemlich weit hinten. Daher kommt es manchmal vor, dass ein schusseliger Transportengel oder eine besonders tollpatschige Seele eine dieser Kisten umschmeißt. Wenn das passiert, hagelt es hier unten Engelszähne. Weisste Bescheid!


Die Geschichte entstand heute spontan auf Twitter als nach einem Synonym für „Hagelkorn“ gesucht wurde. Danke an @ME_Lee_Jonas für die schöne Inspiration!

Lesung am 16. Februar 2019 in Aschaffenburg

28768659_964298187058547_1701217180_oWenn du mich einmal echt, in Farbe und voller Lebensgröße erleben oder in meine Bücher reinhören willst, kannst du das am 16. Februar in Aschaffenburg tun. Dort werde ich im Rahmen von Literatur unter Strom in einer Doppellesung mit Monika Pfundmeier aus meinen Büchern lesen und gerne auch Fragen beantworten.

Wann genau:
Samstag, den 16.02.2019
19:00 Uhr
und 20:30 Uhr

Wo genau:
Stadtbibliothek, 63739 Aschaffenburg

Mehr Informationen, auch zu den anderen Lesungen und eine wunderbaren Übersichtskarte (damit du auch hinfindest) gibt es auf der Veranstaltungsseite  des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, mit #LiteraturUnterStrom sein 50-jähriges Jubiläum feiert.

Wenn du Zeit hast und irgendwo in der Nähe wohnst, solltest du dir das auf keinen Fall entgehen lassen. Ich jedenfalls würde mich freuen, dich dort zu treffen.

Crash, Boom, BÄNG! Superhelden und Gewalt

Zugegeben: Ich kann Superhelden wenig abgewinnen. Aber seit meinem jüngeren Sohn das Star Wars Universum zu eng geworden ist und er Marvels Multiversen erkundet, werde ich zunehmend mit Charakteren und Stoffen bekannt, mit denen ich mich aus eigenem Antrieb nicht beschäftigt hätte. Allerdings hat er es nicht so mit Comics, sondern mehr mit den Filmen. Deren Erscheinen erwartet er nicht nur sehnsüchtig, er guckt auch jeden Trailer, den er finden kann, bis der Film dann endlich, endlich in die Kinos kommt.
Diese Sehnsucht wird natürlich mitgeteilt und da er noch nicht alt genug ist, die Filme ohne Begleitperson zu sehen, komme ich immer mal wieder mit.

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Bildquelle: aitoff via pixabay

Prügeleien und kein Ende

Was mir an den Filmen auffällt, sind ein sehr einheitlicher Aufbau und der exzessive Einsatz von Gewalt. Ganz besonders fiel mir das bei Batman vs. Superman* auf; ein Film, in dem ich mich unendlich gelangweilt habe. In meiner Erinnerung besteht der Film fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Prügeleien und Explosionen. Vielleicht ist mir das deshalb so aufgefallen, weil die Handlung so dünn und die Charaktere so schlicht gestrickt waren. Jedenfalls ging das, der Geschichte angeblich zugrunde liegende Dilemma zwischen Explosionen, Rauch und Staub unter.
Eins hat der Film dann aber doch bewirkt. Nämlich, dass ich angefangen habe, mir Gedanken über Zweck und Stellenwert Gewalt im Konzept der Superheldenfilme zu machen. Gewalt ist ganz offensichtlich ein integraler Bestandteil, ob man sich jetzt Superman anguckt, die X-men oder eher lustig gemeinte Varianten wie Die Unglaublichen: Der Grundkonflikt ist genauso physischer Natur wie die Lösung. Oder um es weniger abstrakt zu formulieren: In jeder Superheldengeschichte es gibt eine äußerliche Bedrohung, die auf die Vernichtung von Leben zielt und die von den Helden unter Aufbietung aller, ihnen zur Verfügung stehenden besonderen Fähigkeiten beseitigt werden muss. Auffallend ist, dass diese Fähigkeiten vor allem dafür verwendet werden, die eigene Kampfkraft und die der Verbündeten zu erhöhen.
Bruce Wayne baut keine Schulen. Er unterstützt auch keine Präventionsprojekte, die Gotham etwas sicherer machen würden. Sein ganzes Vermögen steckt in Batmans Ausrüstung. Gleiches gilt für Tony Stark, der das Äquivaltent zu Batman ist, nur eben bei Marvel. Auch Tony Stark ist ein reicher Industrieller und Lebemann. Auch er baut coole Gadgets. Gelegentlich rüstet er damit auch die Agenten von S.H.I.E.L.D aus. Aber darin erschöpft sich seine Großzügigkeit.

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Bildquelle: Erika Wittlieb via Pixabay

Können die nicht denken?

Warum ist das so? Warum fällt selbst den intelligentesten Superhelden, keine Lösung ein, die nicht auf eine physische Auseinandersetzung hinausläuft?
Die naheliegendste Erklärung ist natürlich, dass die Welt der Superhelden nun mal so ist: Geprägt von Gewalt und Düsternis und bevölkert von mächtigen Superschurken, die andere ausbeuten und gewaltsam unterjochen. Superhelden werden oft schon früh mit Gewalt konfrontiert. Sie sind das Ergebnis skrupelloser Menschenversuche (Black Bold, Wolverine, Deadpool, Cloak, Dagger), ihre Eltern werden ermordet (Spiderman, Superman, Daredevil, Drax the Destroyer), sie selber gemobbt (Spiderman) oder wegen ihrer besonderen Fähigkeiten verfolgt (X-Men). Daher könnte man die These wagen, dass sie, auch weil sie nichts anderes als Gewalt gelernt haben, auch nur mit Gewalt reagieren können und dass es sie auszeichnet, dabei nicht bis zum letzten zu gehen, sondern den Gegner im Endkampf zu schonen.

Allerdings greift dieser Ansatz zu kurz, denn er betrifft nur einen kleinen Teil der Superhelden, die vielfach auch aus gutbürgerlichen oder sogar sehr wohlhabenden Verhältnissen stammen, wie Batman, Ironman, Elektra (oh, eine Frau!) oder Janet van Dyne alias the Wasp (noch eine Frau!). Black Panther ist nicht nur reich, sondern sogar königlicher Abstammung.
Und obwohl Wakanda, das Herkunftsland von Prinz T‘Challa, über ein einzigartiges Rohstoffvorkommen verfügt, die Wakandaner (ich hoffe, die Form stimmt) technische Wunderleistungen vollbringen und friedlich im allgemeinen Wohlstand zusammenleben, wird dieses einzigartige Rohstoffvorkommen im Wesentlichen für die Entwicklung von intelligenten Waffen genutzt. „Klar!“, könnte man sagen, „Solche Dinge wecken Begehrlichkeiten. Das Land und seine Bodenschätze müssen vor Invasoren geschützt werden.“
Der Haken an dieser Argumentation ist, dass (fast) niemand außerhalb von Wakanda von diesen Wunderdingen weiß, weil Wakanda sich dank überlegener Technologie erfolgreich als armes, rückständiges Dritte-Welt-Land tarnt, in dem es rein gar nichts zu holen gibt. Das ist eine ziemlich intelligente Strategie, um Invasoren gar nicht erst auf dumme Gedanken zu bringen. Aber wozu dann die Waffen?
Und warum hält dieses technisch unglaublich hoch entwickelte, fortschrittliche Volk daran fest, seine Anführer in einem archaischen Ritual durch Zweikampf zu bestimmen? Einem Zweikampf, in dem keinesfalls der Klügste gewinnt, der mit dem besten taktischen Geschick, dem meisten Wissen oder was man sonst noch zur Führung eines Volks für nötig halten könnte, sondern in dem allein Stärke, Ausdauer und Geschick im Umgang mit Waffen zählen?
„Es ist eben deren Tradition“, halte ich als Erklärung für ziemlich dürftig, zumal es die Gefahr birgt, Wakanda sozusagen durch die Hintertür doch noch als rückstädig dastehen zu lassen. So nach dem Motto: Ok, Technik können sie, aber gesellschaftlich sind sie doch eher Steinzeit. Was auch falsch wäre.

Vielleicht kommen wir der Lösung näher, indem wir eine dritte Gruppe angucken, von denen es in den Reihen der Superhelden geradezu wimmelt: die Superhirne. Auch hier ist Tony Stark alias Ironman ganz vorne an. Außerdem wären da z. B. noch Dr. Henryk Pym (Ant-Man), Reed Richards (Mr. Fantastic) und natürlich Dr. Robert Bruce Banner (Hulk) zu nennen.
Sie alle sind Genies auf ihrem Gebiet, mit ungeheuren Geisteskräften ausgestattet und sollten eigentlich in der Lage sein, Strategien zu entwickeln, die Gewaltanwendung überflüssig machen. Zum Beispiel müssten die von Dr. Henryk Pym entdeckten Pym-Teilchen eigentlich die gleiche Wirkung auf Gegner und ihre Waffen entfalten, wie auf Ameisen und Häuser. Wenn man das Eine nach Belieben schrumpfen oder vergrößern kann, warum dann nicht auch das andere? Eine Nano-Pistole ist genauso unbrauchbar, wie die XXL-Version und gegebenenfalls könnte man sogar den Gegner auf ein handliches Format schrumpfen und im Einweckglas zur nächsten Polizeiwache bringen.
So weit geht der Einfallsreichtum der Superhirne aber nie.

Komisch, oder?

Man könnte fast den Eindruck bekommen, es ginge nie um Gewaltvermeidung, sondern darum, sie möglichst spektakulär einzusetzen und so die eigene Großartigkeit zu demonstrieren. Denn seien wir ehrlich: Ein Superschurke, dessen Superwaffe plötzlich so winzig wird, dass er sie nicht mehr findet oder so riesig, dass sie ihm aus der Hand fällt und den Fuß bricht, ist zwar lustig, aber kein würdiger Gegner. Dagegen bestätigt einer, den der Held erst im epischen Endkampf besiegen kann, erst so richtig die Großartigkeit dieses Helden. Und weil wir uns mit dem Helden identifizieren, färbt ein Teil dieser Großartigkeit auch auf uns ab. In diesem gloriosen Moment zahlt sich aus, dass wir zu ihm gehalten, mit ihm gefiebert und gelitten haben.

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Bildquelle: Ramdlon via Pixabay

Was, wenn alles ganz anders wäre?

Diese Befriedigung herbeizuführen ist ungleich schwerer, wenn der Helden seinen Widersacher nur unter Einsatz seiner grauen Zellen auszuschaltet. Da mir kein Beispiel aus der Fantasy einfällt, möchte ich diese These durch „Superhelden“ eines anderen Genres illustrieren: dem Krimi, genauer gesagt, dem Who-dunnit. Im Zentrum steht hier oft die Gestalt eines genialen Ermittlers, der einen vertrackten Fall im Wesentlichen durch Nachdenken löst. Gewalt geht von ihm in der Regel nicht aus, oft ist er dazu körperlich gar nicht in der Lage, wie z. B. Nero Wolfe oder Lincolm Rhyme. Aber selbst, wenn er gewisse Kampftechniken trainiert, wie Sherlock Holmes, dienen diese mehr dazu, neben dem Kopf auch den Körper fit zu halten. Beim Lesen folgen wir diesen Geistesgrößen, erfahren, was sie erfahren und versuchen, unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Der Reiz besteht also eindeutig im Mitraten. Allerdings ist ein guter Who-dunnit so gestrickt, dass er nicht nur den Ermittler auf falsche Fährten lockt. Die Genialität des Ermittlers erweist sich aber gerade darin, dass er diese durchschaut und einen Täter ausmacht, den man selber schon ausgeschlossen hatte. Man kann die Überlegenheit des genialen Ermittlers daher zwar bewundern, aber sie färbt nicht ab.

Andere Gründe

Möglicherweise gibt es noch einen weiteren Grund, dass Gewalt in Geschichten über Superhelden omnipräsent ist, nämlich ihre Herkunft. Angefangen bei Superman, ist die ganz überwiegende Zahl ist zuerst als Comic erschienen und physische Gewalt ist graphisch deutlich leichter darzustellen als Gedanken. Das Gleiche gilt für die filmische Umsetzung.

So was wie ein Fazit

Das erklärt jedoch nicht ihre anhaltende Beliebtheit. Daher vermute ich, dass der eigentliche Grund hinter all den Explosionen und Special Effects der ist, das ist, was oben schon durchklang: Superhelden sind gut für‘s Ego. Sie siegen für uns und indem wir uns mit ihnen identifizieren, befriedigen wir unseren latenten Wunsch nach Überlegenheit. Solche Allmachtsfantasien sind zwar höchst pubertär (nicht umsonst wurde Superman von zwei Teenagern entwickelt), aber wer will schon immer erwachsen sein?

So lange die Gewalt nicht, wie bei Batman vs. Superman Überhand nimmt, ist mein einziger Wunsch an dieses Genre: Gebt uns mehr Frauen! Nicht nur als Geliebte, Gehilfin oder Opfer, sondern als eigenständige Heldinnen und Superschurkinnen mit eigenem Recht auf eine gute Geschichte. Davon gibt es noch viel zu wenige!**

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Bildquelle: alan9187 via pixabay


*Ja, das ist DC und nicht Marvel, aber so eng sieht mein Sohn das nicht. Superheld ist Superheld. Marvel mehr davon am Start, also beschäftigt er sich mehr mit Marvel.

**Wenn ich oben schrieb, dass ich Superhelden wenig abgewinnen kann, war das durchaus nicht im Sinne des generischen Maskulinum gemeint.


Der Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade des Nornennetzes zu Fantasy und Gewalt.

Biss zum letzten Akt – bald als Taschenbuch

Wer mir bei Twitter folgt, hat es vielleicht mitbekommen: Eine weitere Erzählung aus dem Codex Aureus geht in den Druck. Wie schon Steppenbrand, wird demnächst auch Biss zum letzten Akt als Taschenbuch bei BoD erscheinen. Auf der Leipziger Buchmesse werde ich es offiziell vorstellen.

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Hier schon mal die Vorschau auf das Cover

Ein neues Buch herauszubringen (und sei es nur in einem neuen Format) ist immer wieder eine Herausforderung. Um so mehr freue ich mich, dass es jetzt geschafft ist, und dass ich mich beim Bearbeiten wieder in die Geschichte von Silke verliebt habe.

Es hat geklappt!

Und fast hätte ich es nicht mitbekommen, weil der Postbote das Päckchen klammheimlich im Briefkasten deponiert hat. Dort wäre es auch das Wochenende über geblieben, wenn mein Großer keine Langeweile gehabt und deshalb erst in den Schränken und schließlich auch im Briefkasten nach Abenteuern gesucht hätte.
So habe ich es bekommen, während ich eigentlich gerade dabei war Abendessen zu kochen. Als ich die Verpackung aufgerissen habe, haben mir die Hände gezittert, so nervös war ich. Nicht, dass am Ende alles schief und krumm und ganz fürchterliche Farben …

Nein, hat es nicht. Zwar hat BoD sich nicht an seine eigenen Beschnittgrenzen gehalten oder ich habe bei der Umrechnung von Pixeln in Zentimeter doch einen Fehler gemacht – aber egal! Es sieht gut aus. Ich mag es. Auch Satz und Schriftbild sind sehr gut geworden.

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Leider habe ich bei all der Aufregung nicht daran gedacht, Bilder vom Auspacken zu machen und diese Aufnahme vom Handy ist auch eher mäßig. Aber zum Zeigen reicht es.

Ab jetzt ist Steppenbrand überall im Buchhandel erhältlich.
BoD, 8o Seiten, ISBN 978-3-7440-89631-3
4,99 €

Zur Leseprobe

In eigener Sache: Wie es mit den Vampiren weitergeht

Ja, es ist mir peinlich, aber leider kann ich immer noch nicht absehen, wann der nächste Band des Codex Aureus mit der Vampirstory herauskommen wird. Immerhin: Es geht weiter. Die erste Überarbeitungsrunde ist beendet. Nur an ein paar Stellen muss noch nachjustiert werden. Und da sich das Erscheinungsdatum ohnehin so verzögert hat, habe ich beschlossen, die Geschichte danach noch einmal den Kolleginnen vom Nornennetz zum Testlesen anzubieten. Eine zusätzliche qualifizierte Beratung schadet schließlich nie!

Danach wird es vermutlich sehr zügig weitergehen. Das Cover steht schon lange. Was noch fehlt, sind das Nachwort* und der Klappentext. Beides zusammen dürfte aber nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Wenn nichts dazwischen kommt. Drückt bitte die Daumen!

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Der Crackgeruch ist der Überarbeitung zum Opfer gefallen. Die Szene spielt in den 80ern. Da war Crack noch kein Thema.

 


*Jemand sagte mal, ich hätte das Nachwort zur Kunstform erhoben. Das freut mich natürlich und wenn tolle Nachworte ein Alleinstellungsmerkmal sind, möchte ich meine Leser*innen keinesfalls enttäuschen!

phantastische Frauen: Susan Dexter

Meine im Rahmen der Autorinnenzeit begonnene, sehr persönliche Reihe über Frauen in der Phantastik, die mich und mein Schreiben geprägt haben, wäre unvollständig, wenn ich nicht wenigstens auch Susan Dexter erwähnen würde.

Ihre Bücher habe ich verschlungen, obwohl sie ein Genre berühren, das ich sonst so gar nicht mag: Den Liebesroman. Dabei ist „berühren“ eigentlich das falsche Wort, denn ihre Romane beinhalten immer eine Liebesgeschichte, die so zuckersüß und fluffig ist, wie Sahneschnittchen mit rosa Zuckerguss. Daneben geht es auch immer um ein ganz besonderes Pferd. Valladan, einen schwarzen Hengst mit außerordentlichen Fähigkeiten.

Kurzum: Kitsch.

Man könnte Sodbrennen davon bekommen, wenn es nicht so perfekt wäre und so komisch. Susan Dexter greift absichtlich in die Klischeekiste und treibt alles, was ihr dabei in die Finger gerät, gnadenlos und konsequent auf die Spitze. Das und die Komik sorgen für eine ironische Brechung, die den Kitsch auf ein mehr als nur genießbares Maß reduziert. (Ich erspare mir hier weitere Kuchenvergleiche, sonst stürme ich die nächste Konditorei)

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, in dem sich ihre Romane sehr deutlich von moderner Romantasy unterscheiden: Bei Susan Dexter sind es nie die Frauen, die irgendwelchen supercoolen, badassigen, heißen Typen hinterherhecheln. Wenn jemand badass ist, dann die Frauen. In jedem Fall haben die aber sehr konkrete eigene Ziele und es sind die Männer, die ihren Wert beweisen müssen (und es natürlich tun, schließlich handelt es sich um Liebesromane, da ist Happy End nahezu Pflicht).

Ich muss gestehen, dass ich es schade finde, dass ihre Bücher nicht mehr aufgelegt werden, sondern allenfalls noch antiquarisch zu haben sind. Ihre Protagonisten finde ich nämlich deutlich anziehender, als die ganzen modernen männlichen Love-Interests, die sich neben ihrem Reichtum vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Frauen schlecht behandeln. Dann doch lieber einen wahren Ritter!*


„Der wahre Ritter“ ist der Titel eines von Susan Dexters Romanen – und der allerkitschigste.