Die Welt spiegeln – die Welt verändern #lar16

Ein toller Beitrag zum Thema Diversität von Zoe Beck. Gesehen, geliebt, geklaut …

Zoë Beck

Ich fasse hier noch mal ungefähr zusammen, worüber ich bei der Leipziger Autorenrunde 2016 gesprochen habe. (Und wenn ich daran denke, wie das Geschlechterverhältnis dort in den vergangenen Jahren war, frage ich mich, warum es nicht Leipziger Autorinnenrunde heißt?)

Autor*innen erzählen oft sehr viel mehr, als ihnen möglicherweise bewusst ist. Jede Geschichte bildet eine erzählerische Wirklichkeit ab, und die Autor*innen setzen diese. Vieles davon geschieht bewusst, vieles unbewusst. IMG_20130128_193245Nicht selten werden diese Wirklichkeiten in den Geschichten auch sehr bewusst von den Verlagen gesetzt, indem beispielsweise in Richtlinien für gewisse Romanreihen (z.B. Heftchenromane und deren Nachfolge) genau vorgegeben ist, welches Alter die Protagonist*innen haben sollen, welche Berufe erwünscht sind und welche nicht, dass der Mann beruflich und sozial über der Frau zu stehen hat, bis hin zu Warnhinweisen, dass bestimmte Nationalitäten, Hautfarben, Religionszugehörigkeiten etc. nicht erwünscht sind. Alles im Namen der Lesenden, oder im Namen des Marktes, der Verkäuflichkeit, will sagen:…

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Das Schreiben der Anderen: „O Tannenbaum (Codex Aureus 4)“ von Nike Leonhard

Habe gerade erst gesehen, dass Michael Behr eine tolle Rezension zu „O Tannenbaum“ geschrieben hat.

Danke! 🙂

Mein Traum vom eigenen Buch

Man soll ja antizyklisch handeln in vielen Bereichen seines Lebens. Das hört man jedenfalls immer wieder. Dadurch soll es leichter sein, sich gewissen Dingen zu entziehen, weil man nicht mit anderen um die gleichen Ziele konkurriert und sich dadurch immer wieder in die Quere kommt.

Weihnachten ist ein Paradebeispiel für diese Vorgehensweise. Nachdem mit Sicherheit kein Radiosender dieses Landes darauf verzichtet hat, uns schonend darauf hinzuweisen, dass am Samstag in sechs Monaten Heiligabend sein wird, ist es jetzt eigentlich die beste Zeit des Jahres, um sich schon mal Gedanken wegen der Weihnachtsgeschenke zu machen.

Oder um eine Weihnachtsgeschichte zu lesen. Falls es denn wirklich eine ist. Nun, schauen wir mal.


Ein Buch mit einem Tannenbaum vorne drauf, gelesen im Juni. Warum eigentlich nicht? Schließlich ist es in vielen Romanen so, dass die Figuren Weihnachten, Ostern, Sommersonnenwende, Halloween oder irgendein obskures Ritual aus einer anderen Welt feiern, während wir am Strand…

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Das Gewöhnliche im Phantastischen – Ein Plädoyer für Wagnisse

Gesehen, gelesen, für gut befunden und geklaut.

WortSpielPlatz

Wir stellen uns folgendes vor: Unsere menschliche Heldengruppe streift durch einen dicht bewachsenen Wald, sich ständig nachGefahren umschauend. Sie sind noch nicht mit der Welt vertraut und von Unsicherheit geplagt. Sie schleichen weiter, wollen den Wald nur hinter sich kriegen. Doch plötzlich hören sie ein Rascheln, und aus dem Dickicht springt eine Gruppe großer, spitzohrigerWesen und zielt mit Bögen auf die Gruppe. Geschockt starren die Helden die Wesen an.

ZEITSPRUNG

Die Gruppe befindet sich im Dorf der Wesen, die sich als Elben vorstellen. Unsere menschlicheGruppe ist fasziniert von der fremden Kultur der Elben: außergewöhnliches Frühstück, Mittag, Abend. Andere Schlafzeiten und Fortpflanzungsmethoden. Noch nie dagewesenen… – Moment. Ist es das überhaupt? Sind diese Wesen denn wirklich so außergewöhnlich?

In der Tradition der Fantasyliteratur haben sich einige Dinge gefestigt: unbekannte Völker, die sich vom Menschen unterscheiden, wandeln ebenso überdie phantastische Welt wie gewöhnliche Menschen. Besonders gefestigt haben sich hierbei die Völker der…

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[Selfpublishing] Doofe Werbung!

Werbung nervt. Vor allem solche, wie im Beitragsbild. Niemand lässt sich gerne vorgeschrieben bekommen, wie sie zu leben und was er zu kaufen hat. Ich bin da keine Ausnahme.

Aber das bringt mich auch in eine Zwickmühle, denn als Selfpublisherin brauche ich Werbung. Ohne Werbung werden meine Bücher nicht gesehen, also auch nicht gekauft. Anders als Verlagsautoren habe ich auch niemanden, der mir das abnimmt. Keine Marketingabteilung, die sich coole Kampagnen ausdenkt, die den Leser*Innen sagen: „Kauft Nikes Bücher, sie sind sehr gut!“
Ich muss das schon selber machen.

Leider reicht es auch nicht, in den sozialen Medien präsent zu sein und hier im Blog Artikel zu allem möglichen zu schreiben. Dadurch präsentiere ich nur mich. Nicht meine Bücher. Aber um die geht es auch. Von denen will ich schließlich irgendwann leben können.
Deshalb muss ich neben den wirklich interessanten Diskussionen, die sich auf Twitter und Facebook immer wieder ergeben und zusätzlich zu den Blogartikeln auch immer wieder mal Hinweise auf meine Bücher einstreuen. Auch auf die Gefahr, zu nerven. Aber wenn ich es nicht tue, geraten meine Bücher eventuell in Vergessenheit und das wäre schade. Denn sie sind sehr gut.

Glaubst du nicht? Dann mach dir selbst ein Bild. Zum Beispiel auf meiner Autorenseite auf Amazon.

Von den Früchten der Erkenntnis und unverblümtem Lesegenuss

Als jemand, die vor allem auf Twitter unterwegs ist, kann ich diesen Rückblick um einen Punkt ergänzen: Obwohl die Mehrheit der Beiträge auch dort von Frauen stammen, haben immerhin einige Männer die Aktion aktiv unterstützt.
Natürlich gab es auch wieder die üblichen Erklärer, warum das nicht gebraucht wird oder sogar völlig daneben, weil es die Männer diskriminiert. Schließlich kann man, wenn man das Buch einer Frau liest, nicht das eines Mannes lesen, d.h. die Autoren verlieren Leser*Innen. Dass Autorinnen per se weniger haben, ist offenbar zu verschmerzen oder Natur der Dinge, jedenfalls unwichtig. Wir kennen das.
Für mich war die Autorinnenzeit jedenfalls Grund, mich aktiv mit meinem Leseverhalten auseinander zu setzen und gezielt Bücher von Autorinnen in der Bibliothek zu suchen. Darüber, warum in den Regalen wenig zu finden ist, hatte ich ja schon andernorts geschrieben.
Auch habe ich mir die Freiheit genommen, mich nicht an Stefans Bingo abzuarbeiten, sondern eigene Interessen und Aspekte meiner Tweets und Blogposts in den Vordergrund zu stellen. Auf das leidige Coverthema bin ich leider nicht gekommen. Dabei bin ich eine der Frauen, die bei allem rosa-pastellig-verspielt-verschnörkelten sofort zurückzuckt. Aber das Thema lässt sich bestimmt zu einem anderen Zeitpunkt und in anderer Form noch einmal aufgreifen. Genau genommen, ist die Autorinnenzeit ja nicht vorbei, sondern immer dann, wenn wir sie uns nehmen.

Herland

Ein Résumé zur Aktion Autorinnenzeit

Von Gudrun Lerchbaum

05_16_GL2s_sw1Es begann mit einer Irritation. Der Autor Sven Hensel hatte in seinem Blog dazu aufgerufen, im Mai der Literatur von Frauen besondere Aufmerksamkeit in sozialen Medien zu widmen. Hashtag Autorinnenzeit. Männer bekommen deutlich häufiger Literaturpreise, dominieren Empfehlungslisten von Influencern ebenso wie Schullektüren und werden auch in dieser Branche besser bezahlt. Das muss sich ändern, darin stimme ich mit Sven Hensel überein. Dass dem Aufruf eines Mannes, Frauen mehr zu würdigen, in meinen Ohren zunächst ein caritativer Touch anhaftete, schrieb ich einem Rest unangebrachter Opferhaltung zu. Einmal tief Luft holen, sich strecken und schon sieht man Solidarität, wo vorher Herablassung dräute.

Das Projekt

Ich beschloss, das Thema verbesserter Präsenz von Autorinnen mit einer Bestandsaufnahme zu verbinden und meine Regale dem Alphabet folgend nach von Frauen geschriebenen Büchern zu durchforsten. Bilder dieser Bücher postete ich auf Facebook und bat die Leser.inn.en, nach dem…

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Mein wunderbares Selfpublisherinnenleben

Die Disruption der Buchbranche habe gerade erst begonnen, las ich kürzlich, und dass Selfpublishing die Zukunft sei. So viel Geld, wie als Selfpublisherin habe sie noch nie verdient, verriet eine Autorin dem Deutschlandfunk. Ich verrate vermutlich kein Geheimnis: Ich war das nicht.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde Selfpublishing großartig. Es ist eine Chance, Formate und Geschichten auf den Markt zu bringen, an die sich Verlage nicht herantrauen. Verlage sind keine Gralshüter der Kunst, sondern Wirtschaftsunternehmen. Das heißt, die herausgegebenen Bücher müssen sich rechnen. Ihr Verkauf soll nicht nur die Tantiemen für die Autorin, sondern auch das Gehalt der aller Beschäftigten finanzieren und sogar noch einen Gewinn abwerfen. Verständlich, dass man da lieber auf Alt- oder im Ausland Bewährtes setzt.

Als Selfpublisherin sieht die Sache etwas anders aus: Ich bin in erster Linie mir selber verpflichtet. Ich kann herausgeben, was ich selber für gut und richtig halte, ohne auf den Gewinn schielen zu müssen.
Dass ich es doch tue, steht auf einem anderen Blatt. Aber letztlich tun das vermutlich alle, denn, seien wir ehrlich: Verkäufe bedeuten auch Anerkennung. Der Blick auf die Verkaufsstatistiken ist dann manchmal schon ein bisschen deprimierend.
Es ist ja nicht nur das Herzblut, das in den Geschichten steckt. Auch nicht die Umwandlung in ePub oder Mobi bei eBooks, über die jene Autorin so klagt. Es ist vor allem die Arbeit darüber hinaus. Die Überarbeitungen, die Arbeit an Klappentext, ein Cover zu finden, Marketingkampagnen zu planen, Blog- und Facebookeinträge zu schreiben und überhaupt in den sozialen Medien präsent zu sein; das Nachsinnen, wen man noch ansprechen und motivieren könnte, während man schon am nächsten Werk schreibt, das auch wieder promotet werden muss und wer sollte das schon tun, wenn nicht man selber …
In stillen Momenten keimt dann schon mal die Frage auf, ob ein Job als Taxifahrer, Bäckereifachverkäuferin oder bei Lidl an der Kasse nicht sinnvoller wäre.

Aber natürlich ist das Humbug. Schließlich weiß ich, dass Erfolg auch langen Atem braucht. Vor allem aber, weil ich an meine Geschichten glaube.

phantastische Frauen: Susan Dexter

Meine im Rahmen der Autorinnenzeit begonnene, sehr persönliche Reihe über Frauen in der Phantastik, die mich und mein Schreiben geprägt haben, wäre unvollständig, wenn ich nicht wenigstens auch Susan Dexter erwähnen würde.

Ihre Bücher habe ich verschlungen, obwohl sie ein Genre berühren, das ich sonst so gar nicht mag: Den Liebesroman. Dabei ist „berühren“ eigentlich das falsche Wort, denn ihre Romane beinhalten immer eine Liebesgeschichte, die so zuckersüß und fluffig ist, wie Sahneschnittchen mit rosa Zuckerguss. Daneben geht es auch immer um ein ganz besonderes Pferd. Valladan, einen schwarzen Hengst mit außerordentlichen Fähigkeiten.

Kurzum: Kitsch.

Man könnte Sodbrennen davon bekommen, wenn es nicht so perfekt wäre und so komisch. Susan Dexter greift absichtlich in die Klischeekiste und treibt alles, was ihr dabei in die Finger gerät, gnadenlos und konsequent auf die Spitze. Das und die Komik sorgen für eine ironische Brechung, die den Kitsch auf ein mehr als nur genießbares Maß reduziert. (Ich erspare mir hier weitere Kuchenvergleiche, sonst stürme ich die nächste Konditorei)

Es gibt aber noch einen anderen Punkt, in dem sich ihre Romane sehr deutlich von moderner Romantasy unterscheiden: Bei Susan Dexter sind es nie die Frauen, die irgendwelchen supercoolen, badassigen, heißen Typen hinterherhecheln. Wenn jemand badass ist, dann die Frauen. In jedem Fall haben die aber sehr konkrete eigene Ziele und es sind die Männer, die ihren Wert beweisen müssen (und es natürlich tun, schließlich handelt es sich um Liebesromane, da ist Happy End nahezu Pflicht).

Ich muss gestehen, dass ich es schade finde, dass ihre Bücher nicht mehr aufgelegt werden, sondern allenfalls noch antiquarisch zu haben sind. Ihre Protagonisten finde ich nämlich deutlich anziehender, als die ganzen modernen männlichen Love-Interests, die sich neben ihrem Reichtum vor allem dadurch auszeichnen, dass sie Frauen schlecht behandeln. Dann doch lieber einen wahren Ritter!*


„Der wahre Ritter“ ist der Titel eines von Susan Dexters Romanen – und der allerkitschigste.

Positionen – Gabriele Haefs

Dieser Artikel ist eine so wunderbare Ergänzung zu der aktuellen Diskussion über Sexismus in der Sprache, die gerade auf den Blogs von Frau Schreibseele und mir läuft, dass ich ihn unbedingt übernehmen muss.

Herland

Kaiser Wilhelm und der Frust des Chamäleons

Von Gabriele Haefs

Gabriele Haefs_Miguel Ferraz Foto: ©Miguel Ferraz

Als Übersetzerin muss ich ja eigentlich ein Chamäleon sein und in die Sprache von anderen schlüpfen, und dabei ganz neutral bleiben, es heißt ja schließlich „das“ Chamäleon. Aber oft denke ich, es könnte „der“ Chamäleon heißen – so männlich geprägt ist die Sprache in gar zu vielen Übersetzungen. Ich glaube nicht einmal, dass es so gewollt ist, aber das Männliche gilt nun einmal als „normal“, und also wird männlich übersetzt und das soll dann „neutral“ sein. So ungefähr habe ich es immer wieder erlebt – und der Frust wird dann besonders groß, wenn ich es zur Sprache bringe und nur auf blöde Blicke stoße.

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Meldung und Meinung: Sexismus

Ich habe gerade mit großem Interesse eine Diskussion gelesen, in der einer Bloggerin Sexismus vorgeworfen wurde, weil sie in ihren Beiträgen ausschließlich das generische Femininum verwendet.

Wir lernen aus dieser Diskussion: Dass das generische Maskulinum Frauen unsichtbar macht, ist nicht nett und man darf sich daran stören. Aber sexistisch ist es nicht.
Sexistisch ist nur das generische Femininum, weil es Männer unsichtbar macht.
Demnach ist es offenbar schlimmer, wenn Männer unsichtbar sind. Männer müssen ausdrücklich genannt werden, Frauen nicht. Frauen muss es reichen, mitgemeint zu sein.

Warum eigentlich?

Sind Frauen weniger wert?
Das weise ich schon aus Selbstachtung zurück.
Sind Männer ihres Selbst so unsicher, dass sie ständige Rückversicherung und Bestätigung ihres Werts brauchen?
Das will ich für die Männer nicht hoffen.

Wenn aber beide gleich viel wert sind und wir von beiden die gleiche innere Stärke fordern, ist das generische Femininum nicht sexistischer als das generische Maskulinum. Damit wäre der einzige Vorwurf, den man der Bloggerin machen könnte, ihre Sprache nicht gegendert und sich vollkommen geschlechtsneutral ausgedrückt zu haben.
Allerdings bringt das zuverlässig die gleichen Menschen auf die Palme, wie die, die das generische Femininum als sexistisch ablehnen. Gendern ist nämlich auch böse. Ein Attentat auf den Wohlklang der deutschen Sprache.

Und an diesem Punkt weiß ich auch nicht weiter.