Kann man E-Books verschenken?

Ja, das geht.

Bevor du dich jetzt in den nächsten Online-Shop klickst, solltest du dich allerdings informieren, wie der oder die Beschenkte E-Books am liebsten liest. Wer einen E-Reader hat, ist an bestimmte E-Book-Formate gebunden. Bei denen, die lieber auf Smartphone oder Tablet lesen, ist es (fast) egal.

Das klingt kompliziert? Ist es nicht.

Vorab aber ein bisschen Technik, sorry

Erst mal: Es gibt drei Formate für E-Books: ePub, PDF und AZW (bzw. KFX). AZW (bzw. KFX) ist eine Weiterentwicklung des Mobi-Formats wird ausschließlich von Amazon verwendet. E-Pub ist ein HTML-Klon und läuft auf praktisch allen anderen E-Readern. Die in den Online-Shops des „regulären“ Buchhandels angebotenen E-Books sind in der Regel ePubs. PDF ist eine Entwicklung von Adobe, die im Wesentlichen für die Übermittlung von Dokumenten genutzt wird, da sich PDFs nicht dynamisch an die Bildschirmgröße anpassen. Das ist bei kleinen Displays eher lästig. Deshalb spielt PDF auf dem E-Book-Markt keine große Rolle. Ich erwähne es nur der Vollständigkeit halber.

Besitzt der oder die Beschenkte also einen E-Book-Reader, ist die erste Frage: Amazon Kindle oder irgendetwas anderes? Wenn es ein Kindle ist, kann man auch nur über Amazon E-Books verschenken. Bei allen anderen E-Readern ist man dagegen frei in der Wahl des Händlers – mit Ausnahme von Amazon, weil das keine ePubs anbietet.
Ähnlich ist es, wenn das bevorzugte Lesegerät ein Tablet ist. Auch hier stellt sich die Frage Kindle oder nicht Kindle. Amazon wehrt sich sehr strikt dagegen, dass irgendwas, das nicht dort gekauft wurde, auf „seinen“ Tablets landet. Also gilt auch hier: Wenn es ein Kindle-Tablet ist, kann man nur über Amazon verschenken. Bei allen anderen Herstellern hat man die freie Händlerwahl. Dieses Mal wirklich. Das liegt daran, dass man eine App braucht, um auf dem Tablett lesen zu können. Diese sogenannten Reader-Apps gibt es von verschiedensten Anbietern und für alle Formate.
Bei Smartphones entfällt sogar die Frage: Kindle oder kein Kindle. Man braucht nur die App. Wer bereits auf dem Smartphone oder dem Tablet liest, wird eine App haben. Es ist aber auch kein Problem, eine weitere herunter zu laden (es sei denn, natürlich, man hat einen Kindle …)

Zusammenfassend kann man sagen:
Leuten, die auf einem Kindle (Reader oder Tablet) lesen, muss man E-Books bei Amazon kaufen.
Leuten, die auf einem anderen Reader lesen, kann man die E-Books bei jedem Händler außer Amazon kaufen.
Leuten, die auf dem Smartphone oder einem anderen Tablett als einem Kindle lesen, kann man E-Books überall kaufen.

Und wie funktioniert das mit dem Verschenken?

Auch hier muss man wieder zwischen Amazon und anderen Anbietern unterscheiden.

E-Books verschenken über Amazon

Wer ein E-Book über Amazon verschenken will, kauft einfach einen E-Book-Geschenkgutschein und verschenkt den. Darauf kann man auch notieren, welches Buch man verschenken will. Allerdings ist der oder die Beschenkte nicht gebunden, sondern kann auch ein anderes E-Book auswählen.

E-Books anderer Händler verschenken

Die meisten Händler bieten in ihren Online-Shops eine Geschenkoption für E-Books, über die sich die Bestellung wie jeder andere Geschenkversand abwickeln lässt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man statt der Postanschrift die E-Mail-Adresse der Person eingibt, die man beschenken möchte. Das E-Book wird als Datei versandt und kann auf das übliche Lesegerät übertragen werden. Natürlich ist es nett, trotzdem mit einer Karte darauf hinzuweisen, dass im Posteingang eine Überraschung wartet.

Damit eignen sich E-Books ganz besonders als Last-Minute-Geschenke. Jedenfalls für chaotische Menschen wie mich, für die Nikolaus, Weihnachten und Geburtstage immer völlig überraschend kommen. Du bist vermutlich viel besser organisiert und hast längst alle Geschenke zusammen, oder?
Egal, ich wünsche dir in jedem Fall eine schöne (Vor-)Weihnachtszeit!

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Warum meine Bücher teurer werden

Vielleicht hast du dich gewundert, dass Was von ihnen blieb teurer ist als meine übrigen Bücher. Nun, ich habe beschlossen, den Preiskampf, der auf dem E-Book-Markt tobt, nicht länger mitzugehen. Es hat ja keinen Sinn, wenn wir Selfpublisher uns gegenseitig immer weiter unterbieten.

Eventuell starte ich kurz vor Weihnachten eine kleine Rabattaktion und gleiche den Preis an die übrigen an. Nach Weihnachten werden die Preise aller Bücher auf mindestens 1,99 € steigen.

Weil sie es wert sind.

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Literatur unter Strom: Interview durch Nina George

Nächstes Jahr feiert der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) 50-jähriges Jubiläum. Der Jubiläumskongress steht unter dem Motto „Literatur unter Strom“ – ein in mehrfacher Hinsicht passendes Motto, denn das zentrale Thema des Jubiläumsjahrs 2019 ist die Digitalisierung und ihre Bedeutung für AutorInnen, Verlage und Buchmarkt.

Das Thema wird jedoch nicht erst ab 2019, sondern bereits jetzt diskutiert. In diesem Zusammenhang hat Nina George (ja, genau DIE Nina George) mich zu den Themen Selfpublishing und den Folgen der Digitalisierung für den Buchmarkt interviewt.
Ihre Fragen fand ich sehr spannend und herausfordernd. Was dabei herausgekommen ist, kannst du auf den Seiten des VS in der Rubrik „Literatur unter Strom: Interviews und Statements“ nachlesen.

28768659_964298187058547_1701217180_oWas mich jetzt interessieren würde: Wie siehst du das? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf den Buchmarkt? Können Verlage von Selfpublishern lernen? Werden unsere Enkel noch gedruckte Bücher lesen? Werden sie überhaupt noch lesen oder gehört die Zukunft dem Gaming, Streaming oder ganz anderen Technologien?
Ich freue mich auf deine Meinung!

 

Von Liebe, Tod und Geistern

Eigentlich wollte ich, angeregt von einer Twitter-Diskussion über Liebe und Romance schreiben. Dann fiel mir auf, dass das vielleicht nicht die beste Idee ist; genauer gesagt und ich dazu besser den Mund halten sollte, weil Liebe und Romantik bei mir gerne tödlich ausgehen. „Steppenbrand“ enthält eine Liebesgeschichte mit tödlichem Ausgang. In „Der Fluch des Spielmanns“ führt das Begehren zu einer Frau zur Katastrophe. Die Dryade in „O Tannenbaum“ liebt ihren Baum so sehr, dass sie dafür über Leichen geht. Nur Silke, die Vampirin aus „Biss zum letzten Akt“ liebt niemanden (außer sich selbst vielleicht) – und oh Wunder – niemand stirbt.

In „Was von ihnen blieb“ gibt es naturgemäß Tote. Ohne Tote keine Geister. Aber niemand stirbt im Laufe der Handlung. Was daran liegen könnte, dass es auch keine Liebesgeschichte gibt.
Ich hoffe nicht. Ich hoffe, irgendwann eine Geschichte erzählen zu können, in der sich zwei Wesen ineinander verlieben und tanzend in einen Sonnenuntergang voller Geigen entschwinden. Ok. Ganz so kitschig muss es vielleicht nicht werden. Aber bevor ich nicht wenigstens ein ganz kleines Happy End gestiftet habe, erzähle ich besser nichts von Liebe und Romantik.

Vorankündigung 1

Keine Liebe für den Kobold

GIMP-Icon

Wenn es eine Medaille für Zeitverschwendung gäbe, hätte ich vermutlich schon mehrfach Gold gewonnen. Irgendwie sind neue Projekte ja immer spannender als das, was man schon kann. Zuletzt hatte ich mir in den Kopf gesetzt, den Umgang mit GIMP zu lernen.
Bisher habe ich die Cover meiner und die Bilder für Twitter mit PaintShop gestaltet, mit dem ich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut zurecht komme. Aber meine Version ist schon älter, hakt gelegentlich und manches ist etwas kompliziert. Also Zeit, sich nach was Besserem umzusehen und da punktet GIMP nicht nur dadurch, dass es kostenlos ist, sondern auch mit coolen Features, die ich so bisher nirgends gesehen habe.

Nachdem ich zur Vorbereitung stundenlang Tutorials auf youtube geguckt habe, wähnte ich mich vorbereitet. Also habe ich eine neue GIMP-Version (eine alte lag schon auf dem Rechner; dies war nicht mein erster Versuch) runtergeladen.
Damit begann leider auch das alte Elend. GIMP zeigte sich störrisch, wie eh und je. Dinge, die laut Video funktionieren sollen, funktionierten nicht oder ganz anders. Anzeigen waren nicht da, wo sie laut verschiedenen Tutorials sein sollten. Die coolen Features ließen mich im Stich.

Um es kurz zu machen: Ich habe den Kampf aufgegeben und bin zu PaintShop zurückgekehrt. Das, woran ich mit GIMP mehrere Tage gebastelt habe, ohne zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, hat mit meiner alten PaintShop-Version zwar immer noch ein paar Stunden gedauert, aber ich habe ein Ergebnis, mit dem sich weiter arbeiten lässt.
Sorry, GIMP. Wir sind nicht füreinander geschaffen. Ich habe eine aktuellere Version von PaintShop bestellt.

Ebooks sind anders

So anders ist das nun auch nicht. Auch bei physischen Büchern ist nicht jedes Buch ausleihbar, das im Katalog aufgeführt wird. Manchmal ist es eben verliehen. Wieso sollte das bei e-Books anders sein?

Außerdem möchte ich eine Lanze für das Lizenzmodell brechen – zumindest so lange, wie es keine sinnvolle Tantiemenregelung analog zu physischen Medien gibt:
Im Unterschied zu physischen Medien kann man die e-Book-Dateien einmal auf den Server laden und dann unbegrenzt oft zur Verfügung zu stellen. Ein gedrucktes Buch ist irgendwann zerlesen und muss ersetzt werden. Das e-Book dagegen übersteht unzählige Ausleihvorgänge, ohne Schaden zu nehmen. Das schont die Kasse und freut (vielleicht) die Leserschaft.
Nur die, die das e-Book geschaffen haben, die Verlage und vor allem die AutorInnen haben davon nichts. Und das kann es ja nun auch nicht sein. Denn ohne Verlage – und vor allem ohne die AutorInnen gäbe es keine Bücher. Auch keine e-Books. Also sollte man nicht erwarten, ihre Leistungen für lau zu bekommen, sondern sich Gedanken machen, wie ihre Interessen angemessen berücksichtigt werden. Hier kommt das Lizenzmodell ins Spiel. Die Lizenzgebühr ersetzt die fehlende Bibliothekstantieme und durch die Befristung der Lizenz wird sichergestellt, dass das e-Book wie ein physisches Medium „nachgekauft“ werden muss.

Natürlich sind bei e-Books auch andere Abrechnungsmodelle möglich. So könnte man die Höhe der Lizenzgebühr z. B. an die Zahl der Ausleihen knüpfen. Das würde aber neben der Bereitschaft etwas zu ändern neue Hintergrundprogramme und zusätzlichen buchhalterischen Aufwand der Bibliotheken bedeuten. Angesichts chronisch knapper Haushaltsmittel bezweifle ich, dass es dazu kommen wird.

Buchstabensuppe - Blog der Stadtbüchereien Düsseldorf

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Ebooks gibt es bei uns schon ziemlich lange – seit 2007 sind wir mit der Onleihe dabei. Und wie wir an den Zahlen, Statistiken und natürlich euren Rückmeldungen sehen, benutzt ihr sie auch wirklich gerne, genauso wie wir. eBooks sind eben immer da, wo ihr seid, ihr könnt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit ausleihen und herunterladen, ihr könnt viele auf einmal mitnehmen, ohne, dass es eure Tasche schwerer macht. Aber woran liegt es, dass ihr manches, dass ihr als eBook erwartet, bei uns nicht finden könnt?

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Überraschung: Sprache wirkt

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Sprache ist nicht neutral. Sprache wertet. Immer. Sprache kann aufwerten und negieren, hervorheben und unsichtbar machen. Was man nicht schreibt, existiert nicht. Informationen, die uns der Text vorenthält, füllen wir beim Lesen mit unserem Wissen und unseren Vorurteilen.

Ein schönes Beispiel habe ich vor ein paar Tagen beim Abendessen erlebt. Aus irgendwelchen Gründen kamen wir über russisches und amerikanisches Humorverständnis zu dieser Mini-Geschichte:

Ein Mann holt seinem Sohn vom Sport ab. Auf dem Nachhauseweg werden sie von einem Lkw gerammt. Der Mann ist sofort tot, der Sohn wird schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht und für eine Notoperation vorbereitet.
Als der Arzt das Kind sieht, wird er bleich und beginnt zu stammeln. „Ich kann das nicht. Das muss jemand anderes machen. Das ist mein Sohn!“

Ja, die Geschichte ist alt. Bei einigen ist der Überraschungseffekt vielleicht noch da. Den Meisten wird sie aber in der einen oder anderen Variante vermutlich schon bekannt sein. Für diejenigen ist dann auch klar: generisches Maskulinum, der Arzt ist natürlich eine Frau, keine Überraschung. Weiß man ja. Generisches Maskulinum schließt Frauen ein. Nerv nicht.
Was diejenigen jetzt vielleicht überrascht, ist die Reaktion meines jüngeren Sohns. Der zuckte nämlich auch nur mit den Schultern. „Ja und? Die beiden sind halt schwul.“

Deshalb ist es wichtig, in den relevanten Bereichen präzise zu sein. Ein Forschungsteam, das sich aus Männern und Frauen zusammensetzt, ist kein Team von Wissenschaftlern. Wenn die beiden Piloten im Cockpit weiblich sind, sind sie Pilotinnen. Es ist so einfach. Die Sekretärin des Chefs Chefsekretärin und nicht Chefsekretär zu nennen, kommt euch vermutlich auch ganz locker aus der Feder.

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Crash, Boom, BÄNG! Superhelden und Gewalt

Zugegeben: Ich kann Superhelden wenig abgewinnen. Aber seit meinem jüngeren Sohn das Star Wars Universum zu eng geworden ist und er Marvels Multiversen erkundet, werde ich zunehmend mit Charakteren und Stoffen bekannt, mit denen ich mich aus eigenem Antrieb nicht beschäftigt hätte. Allerdings hat er es nicht so mit Comics, sondern mehr mit den Filmen. Deren Erscheinen erwartet er nicht nur sehnsüchtig, er guckt auch jeden Trailer, den er finden kann, bis der Film dann endlich, endlich in die Kinos kommt.
Diese Sehnsucht wird natürlich mitgeteilt und da er noch nicht alt genug ist, die Filme ohne Begleitperson zu sehen, komme ich immer mal wieder mit.

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Prügeleien und kein Ende

Was mir an den Filmen auffällt, sind ein sehr einheitlicher Aufbau und der exzessive Einsatz von Gewalt. Ganz besonders fiel mir das bei Batman vs. Superman* auf; ein Film, in dem ich mich unendlich gelangweilt habe. In meiner Erinnerung besteht der Film fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung von Prügeleien und Explosionen. Vielleicht ist mir das deshalb so aufgefallen, weil die Handlung so dünn und die Charaktere so schlicht gestrickt waren. Jedenfalls ging das, der Geschichte angeblich zugrunde liegende Dilemma zwischen Explosionen, Rauch und Staub unter.
Eins hat der Film dann aber doch bewirkt. Nämlich, dass ich angefangen habe, mir Gedanken über Zweck und Stellenwert Gewalt im Konzept der Superheldenfilme zu machen. Gewalt ist ganz offensichtlich ein integraler Bestandteil, ob man sich jetzt Superman anguckt, die X-men oder eher lustig gemeinte Varianten wie Die Unglaublichen: Der Grundkonflikt ist genauso physischer Natur wie die Lösung. Oder um es weniger abstrakt zu formulieren: In jeder Superheldengeschichte es gibt eine äußerliche Bedrohung, die auf die Vernichtung von Leben zielt und die von den Helden unter Aufbietung aller, ihnen zur Verfügung stehenden besonderen Fähigkeiten beseitigt werden muss. Auffallend ist, dass diese Fähigkeiten vor allem dafür verwendet werden, die eigene Kampfkraft und die der Verbündeten zu erhöhen.
Bruce Wayne baut keine Schulen. Er unterstützt auch keine Präventionsprojekte, die Gotham etwas sicherer machen würden. Sein ganzes Vermögen steckt in Batmans Ausrüstung. Gleiches gilt für Tony Stark, der das Äquivaltent zu Batman ist, nur eben bei Marvel. Auch Tony Stark ist ein reicher Industrieller und Lebemann. Auch er baut coole Gadgets. Gelegentlich rüstet er damit auch die Agenten von S.H.I.E.L.D aus. Aber darin erschöpft sich seine Großzügigkeit.

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Können die nicht denken?

Warum ist das so? Warum fällt selbst den intelligentesten Superhelden, keine Lösung ein, die nicht auf eine physische Auseinandersetzung hinausläuft?
Die naheliegendste Erklärung ist natürlich, dass die Welt der Superhelden nun mal so ist: Geprägt von Gewalt und Düsternis und bevölkert von mächtigen Superschurken, die andere ausbeuten und gewaltsam unterjochen. Superhelden werden oft schon früh mit Gewalt konfrontiert. Sie sind das Ergebnis skrupelloser Menschenversuche (Black Bold, Wolverine, Deadpool, Cloak, Dagger), ihre Eltern werden ermordet (Spiderman, Superman, Daredevil, Drax the Destroyer), sie selber gemobbt (Spiderman) oder wegen ihrer besonderen Fähigkeiten verfolgt (X-Men). Daher könnte man die These wagen, dass sie, auch weil sie nichts anderes als Gewalt gelernt haben, auch nur mit Gewalt reagieren können und dass es sie auszeichnet, dabei nicht bis zum letzten zu gehen, sondern den Gegner im Endkampf zu schonen.

Allerdings greift dieser Ansatz zu kurz, denn er betrifft nur einen kleinen Teil der Superhelden, die vielfach auch aus gutbürgerlichen oder sogar sehr wohlhabenden Verhältnissen stammen, wie Batman, Ironman, Elektra (oh, eine Frau!) oder Janet van Dyne alias the Wasp (noch eine Frau!). Black Panther ist nicht nur reich, sondern sogar königlicher Abstammung.
Und obwohl Wakanda, das Herkunftsland von Prinz T‘Challa, über ein einzigartiges Rohstoffvorkommen verfügt, die Wakandaner (ich hoffe, die Form stimmt) technische Wunderleistungen vollbringen und friedlich im allgemeinen Wohlstand zusammenleben, wird dieses einzigartige Rohstoffvorkommen im Wesentlichen für die Entwicklung von intelligenten Waffen genutzt. „Klar!“, könnte man sagen, „Solche Dinge wecken Begehrlichkeiten. Das Land und seine Bodenschätze müssen vor Invasoren geschützt werden.“
Der Haken an dieser Argumentation ist, dass (fast) niemand außerhalb von Wakanda von diesen Wunderdingen weiß, weil Wakanda sich dank überlegener Technologie erfolgreich als armes, rückständiges Dritte-Welt-Land tarnt, in dem es rein gar nichts zu holen gibt. Das ist eine ziemlich intelligente Strategie, um Invasoren gar nicht erst auf dumme Gedanken zu bringen. Aber wozu dann die Waffen?
Und warum hält dieses technisch unglaublich hoch entwickelte, fortschrittliche Volk daran fest, seine Anführer in einem archaischen Ritual durch Zweikampf zu bestimmen? Einem Zweikampf, in dem keinesfalls der Klügste gewinnt, der mit dem besten taktischen Geschick, dem meisten Wissen oder was man sonst noch zur Führung eines Volks für nötig halten könnte, sondern in dem allein Stärke, Ausdauer und Geschick im Umgang mit Waffen zählen?
„Es ist eben deren Tradition“, halte ich als Erklärung für ziemlich dürftig, zumal es die Gefahr birgt, Wakanda sozusagen durch die Hintertür doch noch als rückstädig dastehen zu lassen. So nach dem Motto: Ok, Technik können sie, aber gesellschaftlich sind sie doch eher Steinzeit. Was auch falsch wäre.

Vielleicht kommen wir der Lösung näher, indem wir eine dritte Gruppe angucken, von denen es in den Reihen der Superhelden geradezu wimmelt: die Superhirne. Auch hier ist Tony Stark alias Ironman ganz vorne an. Außerdem wären da z. B. noch Dr. Henryk Pym (Ant-Man), Reed Richards (Mr. Fantastic) und natürlich Dr. Robert Bruce Banner (Hulk) zu nennen.
Sie alle sind Genies auf ihrem Gebiet, mit ungeheuren Geisteskräften ausgestattet und sollten eigentlich in der Lage sein, Strategien zu entwickeln, die Gewaltanwendung überflüssig machen. Zum Beispiel müssten die von Dr. Henryk Pym entdeckten Pym-Teilchen eigentlich die gleiche Wirkung auf Gegner und ihre Waffen entfalten, wie auf Ameisen und Häuser. Wenn man das Eine nach Belieben schrumpfen oder vergrößern kann, warum dann nicht auch das andere? Eine Nano-Pistole ist genauso unbrauchbar, wie die XXL-Version und gegebenenfalls könnte man sogar den Gegner auf ein handliches Format schrumpfen und im Einweckglas zur nächsten Polizeiwache bringen.
So weit geht der Einfallsreichtum der Superhirne aber nie.

Komisch, oder?

Man könnte fast den Eindruck bekommen, es ginge nie um Gewaltvermeidung, sondern darum, sie möglichst spektakulär einzusetzen und so die eigene Großartigkeit zu demonstrieren. Denn seien wir ehrlich: Ein Superschurke, dessen Superwaffe plötzlich so winzig wird, dass er sie nicht mehr findet oder so riesig, dass sie ihm aus der Hand fällt und den Fuß bricht, ist zwar lustig, aber kein würdiger Gegner. Dagegen bestätigt einer, den der Held erst im epischen Endkampf besiegen kann, erst so richtig die Großartigkeit dieses Helden. Und weil wir uns mit dem Helden identifizieren, färbt ein Teil dieser Großartigkeit auch auf uns ab. In diesem gloriosen Moment zahlt sich aus, dass wir zu ihm gehalten, mit ihm gefiebert und gelitten haben.

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Bildquelle: Ramdlon via Pixabay

Was, wenn alles ganz anders wäre?

Diese Befriedigung herbeizuführen ist ungleich schwerer, wenn der Helden seinen Widersacher nur unter Einsatz seiner grauen Zellen auszuschaltet. Da mir kein Beispiel aus der Fantasy einfällt, möchte ich diese These durch „Superhelden“ eines anderen Genres illustrieren: dem Krimi, genauer gesagt, dem Who-dunnit. Im Zentrum steht hier oft die Gestalt eines genialen Ermittlers, der einen vertrackten Fall im Wesentlichen durch Nachdenken löst. Gewalt geht von ihm in der Regel nicht aus, oft ist er dazu körperlich gar nicht in der Lage, wie z. B. Nero Wolfe oder Lincolm Rhyme. Aber selbst, wenn er gewisse Kampftechniken trainiert, wie Sherlock Holmes, dienen diese mehr dazu, neben dem Kopf auch den Körper fit zu halten. Beim Lesen folgen wir diesen Geistesgrößen, erfahren, was sie erfahren und versuchen, unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Der Reiz besteht also eindeutig im Mitraten. Allerdings ist ein guter Who-dunnit so gestrickt, dass er nicht nur den Ermittler auf falsche Fährten lockt. Die Genialität des Ermittlers erweist sich aber gerade darin, dass er diese durchschaut und einen Täter ausmacht, den man selber schon ausgeschlossen hatte. Man kann die Überlegenheit des genialen Ermittlers daher zwar bewundern, aber sie färbt nicht ab.

Andere Gründe

Möglicherweise gibt es noch einen weiteren Grund, dass Gewalt in Geschichten über Superhelden omnipräsent ist, nämlich ihre Herkunft. Angefangen bei Superman, ist die ganz überwiegende Zahl ist zuerst als Comic erschienen und physische Gewalt ist graphisch deutlich leichter darzustellen als Gedanken. Das Gleiche gilt für die filmische Umsetzung.

So was wie ein Fazit

Das erklärt jedoch nicht ihre anhaltende Beliebtheit. Daher vermute ich, dass der eigentliche Grund hinter all den Explosionen und Special Effects der ist, das ist, was oben schon durchklang: Superhelden sind gut für‘s Ego. Sie siegen für uns und indem wir uns mit ihnen identifizieren, befriedigen wir unseren latenten Wunsch nach Überlegenheit. Solche Allmachtsfantasien sind zwar höchst pubertär (nicht umsonst wurde Superman von zwei Teenagern entwickelt), aber wer will schon immer erwachsen sein?

So lange die Gewalt nicht, wie bei Batman vs. Superman Überhand nimmt, ist mein einziger Wunsch an dieses Genre: Gebt uns mehr Frauen! Nicht nur als Geliebte, Gehilfin oder Opfer, sondern als eigenständige Heldinnen und Superschurkinnen mit eigenem Recht auf eine gute Geschichte. Davon gibt es noch viel zu wenige!**

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Bildquelle: alan9187 via pixabay

*Ja, das ist DC und nicht Marvel, aber so eng sieht mein Sohn das nicht. Superheld ist Superheld. Marvel mehr davon am Start, also beschäftigt er sich mehr mit Marvel.

**Wenn ich oben schrieb, dass ich Superhelden wenig abgewinnen kann, war das durchaus nicht im Sinne des generischen Maskulinum gemeint.


Der Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade des Nornennetzes zu Fantasy und Gewalt.

Preisgestaltung bei eBooks

Bruno E. Thyke alias @augenschelm hat einen sehr guten Beitrag zum Wert von eBooks und Geschichten geschrieben: 99 Cent für deine Geschichte.
Genauso hätte er seinen Beitrag mit „Und davon willst du leben?“ übertiteln können. Denn, machen wir uns nichts vor: Die wenigsten AutorInnen können allein vom Schreiben leben. Unter den SelfpublisherInnen sind es noch weniger. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, Raubbau an uns selber zu betreiben, indem wir uns und unsere Geschichten weit unter Wert verkaufen.

Aber warum sollte das so bleiben? Ein Buch zu schreiben ist harte Arbeit. Es fertigzustellen zeugt von Kreativität, Mut und Durchhaltewillen. Sollten wir nicht den gleichen Mut, die gleiche Kreativität und die gleiche Energie darein setzen, auch anständig bezahlt zu werden? Oder sind wir uns selber so wenig wert?

Evelyn de Morgan: The Worship of Mammon, Eigentum des De Morgan Centres London
Autorin beim verzweifelten Versuch, Geld für ihr eBook zu bekommen (Bildquelle: Wikimedia, Copyright: http://www.the-athenaeum.org/art/detail.php?ID=111065)