Nie mehr Buchhandel?

Nachdem ich gerade unter der Überschrift „Raus aus der Kuschelecke“ selbst über Marah Woolfes ersten Blogbeitrag geschrieben habe, ist das Ganze noch mal eskaliert. Wie es scheint, fühlen sich einige Buchhändler allein durch die Tatsache angegriffen, dass es möglich ist, Bücher anders, als über sie zu beziehen. Der Ton jedenfalls wird rauher und das, obwohl Marah Woolfes zweiter Artikel sachlich und durchaus auch selbstkritisch geschrieben ist.

Hans Peter Roentgen

Manchmal kann ich mich nur noch wundern. Greifen jetzt Buchhändler zu Mafia-Methoden?

Vor drei Jahren habe ich mit Elke Pistor und Nina George  zusammen die Unterschriftenliste gegen Amazons Erpressung initiiert. Amazon hatte die „Gefällt auch“ Rubriken manipuliert, Autoren und Bücher ausgelistet, um Verlage unter Druck zu setzen. Ihnen quasi Rabatt-Angebote unterbreitet, die sie nicht ablehnen konnten, so nennt man das glaube ich bei der Mafia. Die Liste wurde von mehreren tausend Autoren unterschrieben und wir haben, so hoffe ich, Amazon soviel Ärger gemacht, dass es sich in Zukunft überlegen wird, Rabattschlachten auf dem Rücken der Autorinnen und Autoren auszutragen.

Und jetzt hat Marah Woolf einen Blog geschrieben. Aufgrund eines Briefes einer Buchhändlerin, die bat, Marah Woolf möge doch in der Werbung zu einem Buch nicht auf Amazon verweisen, sondern auf den Verlag verlinken. Etwas seltsam, gewiss, denn das Buch war ein Ebook und hatte keinen Verlag. Wie jeder weiß, ist…

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Raus aus der Kuschelecke

Marah Woolfe hat einen Brief von einer Buchhändlerin bekommen, in dem diese sich darüber empört, dass Marah Woolfe auf ihrer Seite für die Bestellmöglichkeit über Amazon wirbt.
Warum

ich das erwähne? Weil ich die Antwort auf Marahs Blog Wort für Wort unterschreibe und weil das Ganze thematisch zu dem Artikel „Was ich mir von Tolino wünsche“ passt, den ich vor ein paar Tagen veröffentlicht habe.

Sich zu überlegen, was seinen Laden, sein Geschäft zu etwas Besonderem macht, ist täglicher Alltag aller Selbständigen, Unternehmer, Gewerbetreibenden.

Warum der Bechdel-Test nicht alles ist

Der Bechdel-Test ist ein ziemlich einfaches Instrument, um den Status von Frauenrollen zu beurteilen. Er ist zuerst bei der Bewertung von Frauenrollen in Filmen herangezogen worden, funktioniert aber eigentlich überall. Die „Anwendung“ ist einfach: Man guckt, ob das betreffende Werk

  • mindestens zwei Frauenrollen aufweist (und die Frauen Namen haben),
  • beide Frauen miteinander sprechen
  • und es in diesem Gespräch nicht um einen Mann geht.

Sind alle Bedingungen erfüllt, ist der Test bestanden.

Das klingt auf Anhieb auch erst mal sehr plausibel. Wenn mindestens zwei Rollen mit Frauen besetzt sind und diese Frauen auch noch miteinander reden, spricht das dafür, dass Frauen mehr sind, als reine Staffage. Wenn sich das Gespräch dann auch noch um etwas anderes als um einen Mann dreht, haben wir Feminismus pur.

Oder?

Leider nein. Sonst wären Hanni und Nanni, Dolly, Bibi und Tina, und wie sie alle heißen, Ikonen der Frauenbewegung.
Aber zwei Frauen im Gespräch um Pferde oder die optimale Zubereitung eines Hühnersalats sind noch kein Feminismus. Sie sind noch nicht mal Zeichen von Selbständigkeit oder gar Gleichberechtigung.
Bei den genannten ist eher das Gegenteil der Fall, nur wird ihre Situation so behaglich rosa plüschig beschrieben, dass es kaum auffällt, wie konservativ und eng dieses Weltbild ist. Den Bechdel-Test bestehen sie trotzdem mit Bravour, weil der rein quantitativ misst.

Andererseits gibt es Bücher, die mit gleicher Bravour am Bechdel-Test scheitern, aber trotzdem empowern* können. Ein schönes Beispiel ist die Erzählung The Tent Peg von Aritha van Herk (in Deutschland unter den Titeln „Unter Männern“ und „Mackenzies Koch“ erschienen).
Die Geschichte spielt in einem Geologencamp in der kanadischen Wildnis. Aber im Grunde geht es vorwiegend um eins: Um J. L., die sich, als Mann verkleidet, als Koch in dieses Camp eingeschmuggelt hat. Es ist so ewig lange her, dass ich das Buch gelesen habe, dass ich nicht mal mehr erinnere, ob sie eine eigene Erzählperspektive hat. Aber sie kommt sehr ausgiebig zu Wort; sie ist ein unabhängiger Geist und viel interessanter als die Männer, die die Hauptperspektivträger sind. Das gibt der Geschichte einen ganz eigenen Reiz und ermutigt dazu, neue Dinge zu wagen.
Aber, wie gesagt: Es gibt keine zweite Frau in diesem Buch, und schon deshalb würde es beim Bechdel-Test durchfallen.

Ich stehe dem Bechdel-Test daher zwiespältig gegenüber. Einerseits finde ich ein möglichst differenziertes Personal in Büchern und Filmen wichtig, schon um Klischees zu vermeiden. Andererseits ist Quantität auch nicht alles und nicht jede Geschichte lässt sich mit jeder „Besetzung“ erzählen. The Tent Peg funktioniert gerade weil J. L. die einzige Frau in einer Gruppe von Hetero-Männern ist. Eine zweite Frau, ein Homosexueller in der Gruppe – und das Ganze ergäbe eine vollkommen andere Geschichte.

 


*Leider ist mir auch bei längerem Nachdenken kein gleichwertiger deutscher Begriff eingefallen.



Übrigens bestehen auch nicht alle meiner Bücher den Bechdel-Test.
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Steppenbrand würde scheitern, obwohl die Geschichte in einer Kultur spielt, in der Frauen eigentlich absolut gleichberechtigt sind. Aber genauso, wie bei The Tent Peg eine Frau im Zentrum der Handlung steht, ist es bei Steppenbrand ein Mann. Deshalb beziehen sich auch alle Gespräche in irgendeiner Form auf ihn.

Was ich mir von Tolino wünsche

Vor zwei Jahren noch, habe ich zu den Leuten gehört, die auf „echte Bücher“ geschworen haben. Print also. Weil sie so schön in der Hand liegen. Weil man Zettel reinstecken kann. Weil man sie im Regal vor Augen hat. Weil sie einfach hach sind.
Dann bekam ich einen Tolino und seitdem möchte ich eBooks nicht mehr missen. Weil sie keinen Platz im Koffer wegnehmen. Weil sie nichts wiegen. Weil sie nicht zerknittern. Weil sie bei jeder Beleuchtung lesbar sind. Weil man mit „suchen“ schnell und gezielt bestimmte Passagen findet. Kurz gesagt: Der Reader hat mein Verhältnis zum gedruckten Buch verändert.

Trotzdem gibt es da einige Dinge, die mich nerven. Gerade bei Tolino.

Es ist jetzt 20 Jahre her, dass Amazon den ersten Kindle auf den Markt gebracht hat. Trotzdem sind – so mein Eindruck – die einzigen, die eBooks für eine großartige Entwicklung halten, Selfpublisher, Plattformen wie neobooks und natürlich Amazon.
Die Selfpublisher, weil sie ihre Bücher dadurch schnell, kostengünstig und an den Verlagen vorbei auf den Markt bringen können. Neobooks, weil sie an den Selfpublishern verdienen und Amazon, weil sie an den Selfpublishern nicht nur verdienen, sondern die Selfpublisher und ihre eBooks außerdem das Kanonenfutter im Kampf gegen die Verlage sind.*

Aber obwohl diese Haltung nun seit einer ganzen Weile bekannt ist, fällt Verlagen und Buchhandel wenig mehr ein, als Plakete und Buy-local-Kampagnen. Immerhin hat man 2013, mit dem Tolino einen eigenen Reader auf den Markt gebracht, um Amazon wenigstens etwas entgegenzusetzen. Also rund 13 Jahre nach dem Kindle. Damit kann man die meisten eBooks jetzt auch total lokal beim örtlichen Buchhändler kaufen. Trotzdem bleibt das eBook für Verlage und Handel noch so etwas, wie der ungeliebte Bastard; das etwas anrüchige Produkt eines Fehltritts, der sich zum Leidwesen aller nicht totschweigen lässt. Die mangelnde Begeisterung schlägt sich leider auch bei der Funktionalität des Tolino nieder.

Noch mal als Erinnerung: Ich finde den Tolino toll. Er ist technisch super, dabei aber deutlich leichter als der Kindle und sehr angenehm in der Bedienung.

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Bildquelle: Myriams-Fotos via pixabay

Was mich nervt, ist die lieblose Art, in der dort Bücher präsentiert werden.
Der Startbildschirm begrüßt mich zwar mit Namen, hat aber nichts mit meinen Lesevorlieben zu tun. Statt dessen werden dort Bestseller gelistet, quer über alle Genres verteilt. Die Chance, nichts zu finden, ist da schon sehr groß.
Aber auch, wenn ich mich ins Menü klicke in die Kategorie Fantasy und Science Fiction gucke, stehen Bestseller wieder als erste Auswahlmöglichkeit ganz oben. Es folgen Neuheiten, Top-Vorbesteller und Top-Autoren und dann, fast verschämt am Ende: Fantasy, Science Fiction, Vampirromane. Bei Krimis (bzw. Krimis, Thriller, Horror, wie die Kategorie vollständig heißt) sieht es nicht viel anders aus. Nur tauchen dort „Gratis Krimis“ in den oberen Rängen auf und Anthologien sind offenbar eine eigene Gattung. Ansonsten gibt es die Subgenres Historischer Krimi, Horror und Kulinarische Krimis.
Mehr Subgenre gibt es nicht.  Ein bisschen dürftig, wenn ich gerade nach einer Steampunk Autorin suche, deren Name mir nur leider entfallen ist. Das liegt auch nicht an dem Shop, an dem mein Tolino hängt, sondern ist bei allen Online-Buchhandlungen gleich schlecht : Die Aufteilung ist unübersichtlich, fantasielos und offenkundig mehr am Umsatz als am Interesse des konkreten Kunden orientiert. Amazon ist da durchaus keine Ausnahme.

Allerdings macht Amazon ein paar Dinge besser. Zum Beispiel, indem es mich zum „Stöbern“ einlädt und mir dabei Bücher vorstellt, die denen ähneln, die ich mir angesehen, gekauft oder auf meinen Wunschzettel geschrieben habe. Dadurch stoße ich tatsächlich immer wieder auf Bücher, die mich interessieren.
Von den Tolino-Buchhandlungen bietet nur Thalia persönliche Empfehlungen. Alle anderen bieten allen Kunden den gleichen Einheitsbrei. Im Zeitalter von Digitalisierung und Big Data wirkt das nicht nur rückständig sondern beinahe snobistisch. Als sei es das Problem des Kunden, ob er etwas findet. Das Problem eines Kunden, dessen Geld man zwar nimmt, wenn er es denn unbedingt ausgeben will, auf das man aber nicht angewiesen ist.

Vielleicht ist dieser Eindruck ja gar nicht so falsch. Vielleicht verfolgt die mangelnde Struktur des Angebots und das Fehlen von Kundenorientierung ja ein Ziel. Vielleicht glaubt man tatsächlich, Kunden würden, wenn sie nicht finden, was sie suchen, in die Filiale gehen, um dort zu kaufen. Dafür sprächen die unübersehbaren (weil viel Platz einnehmenden) Hinweise auf die Filialen auf manchen Seiten.
Allerdings ist der Wunsch naiv. Wer online einkauft, tut das in der Regel, weil der Einkauf im Internet bequemer ist. Deshalb geht er auch nicht in die Filiale, wenn ihn das Angebot im Online-Shop nicht interessiert, sondern zur Konkurrenz. Also im Zweifel zu Amazon.

Dass ich 2018 so etwas in einem Blogartikel schreiben muss, weil ich das Gefühl habe, dass manche Unternehmen da draußen immer noch nach Zielen ausgerichtet werden, die schon in den 1990ern überholt waren, lässt mich schaudern.
Man hatte 20 Jahre Zeit, die Konkurrenz zu beobachten und von ihren Erfolgen und Fehlern zu lernen. Was dabei herausgekommen ist, ist ein schlecht gemachter Abklatsch. Ja, es gibt einen gemeinsamen Reader, ein gemeinsames Format. Aber da hört die Gemeinsamkeit schon auf. Die Mitglieder der Tolino-Allianz haben es nicht mal geschafft, ihre Verkäufe nicht etwa über ein gemeinsames Portal abwickeln.
Das heißt aber auch: Es gibt keine Plattform, auf dem man Bücherbewertungen teilt. Oder Autorenportraits.
Dabei hat das ganz praktische Auswirkungen: So hat z. B. der Roman „Das Lavendelzimmer“ bei Thalia 78 Bewertungen, bei der Meyerschen nur 5 und bei Osiander gar keine. Je nachdem, wo ich mich gerade befinde, wird mir als Kunde das Buch daher mehr oder weniger attraktiv erscheinen – aber in jedem Fall unattraktiver als bei Amazon, wo es auf über 300 Rezensionen kommt, weil Amazon die Bewertung für alle Formate einbezieht, während die o. g. Buchhandlungen z. T. nicht einmal das hinbekommen.

Wohin geht ein Kunde also wohl? Dorthin, wo er sich nur mühsam zurecht findet und wo ihm Informationen allenfalls häppchenweise präsentiert werden? Oder da hin, wo er zum Stöbern eingeladen wird und wo er das Gefühl hat, man kümmert sich um seine Interessen?

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Symbolbild: Was will der Kunde? Bildquelle: Pixabay

Ok, das war eine rhetorische Frage.

Außerdem hatte ich den Artikel anders überschrieben. Das oben ist eigentlich nur die Vorrede, damit die Unternehmen der Tolino-Allianz erkennen, vielleicht erkennen, wie ihr System auf Kunden wirkt (ich habe manchmal das Gefühl, Kunden kommen in dem Kosmos nicht vor).

Was ich mir also als Kunde wünsche:

  1. Ernst genommen zu werden. Das bedeutet nicht nur, mit Namen angesprochen zu werden, sondern vor allem, dass die Daten, die ich dort lasse (und erzählt mir nicht, dass sie nicht gespeichert und verarbeitet werden) auch dafür genutzt werden, mir den Aufenthalt auf der Seite so angenehm wie möglich zu machen.
    Das bedeutet

    • mich nicht mit Einheitskontent zu überschwemmen, sondern mir maßgeschneiderte Angebote zu machen, die sowohl auf meinem Kauf-, Lese- und Stöberverhalten als auch auf den Metadaten der Bücher beruht. Dafür ist nicht mal ein Abgleich mit dem Kauf- und/oder Leseverhalten anderer erforderlich.
    • die Seitengestaltung übersichtlich und die Navigation einfach, wie möglich.
    • Bücher mindestens nach Genres und Subgenres zu sortieren.
    • Eine Stichwortsuche zuzulassen.
  2. Eine gemeinsame Plattform über die ich eBooks herunterladen kann und auf der ich alle Informationen zu Buch und Autor bekomme. Als ich den Reader gekauft habe, war zwar ein Online-Händler vorinstalliert, aber ich kaufe da ohnehin nur selten, weil das Angebot dort besonders unübersichtlich ist. Eine solche Plattform hätte für mich als Kundin den Vorteil, dass ich mich schnell und umfassend über Buch, Bewertungen und Autor informieren könnte. Sie hätte außerdem den Vorteil, dass sie von Buchbloggern als Affiliate-Link eingebunden werden könnte und damit den Umsatz der Teilnehmer insgesamt erhöhen würde (kein Buchblogger bindet für das gleiche Buch Links von 5 verschiedenen Buchshops ein, der übliche Link geht zum großen A). Trotzdem ist es technisch problemlos umsetzbar, vorrangig über den Shop einzukaufen, der auf dem Reader vorinstalliert ist.
  3. Dass eBooks endlich als „normale Bücher“ gesehen und mit entsprechender Wertschätzung behandelt und verkauft werden. An einem Buch zählt nicht in erster Linie der Duft oder die Haptik. Wenn das so wäre, zöge ich einen Handschmeichler aus Zitronen- oder Zedernhölz allemal vor. Bei Büchern zählt der Inhalt. Und der ist der Gleiche, ob sie nun rascheln oder nicht.

 


  • Von Jeff Bezos wird der Spruch kolportiert “that Amazon should approach these small publishers the way a cheetah would pursue a sickly gazelle.”

Alles so schön bunt hier

Nachdem mein Grafikprogramm langsam in die Jahre kommt, habe ich beschlossen, GIMP eine neue Chance zu geben – und möglicherweise werden wir zwei doch noch miteinander warm. Ja, der Kobold ist zickig und verhält sich grundsätzlich anders als jedes andere Bildbearbeitungsprogramm. Aber auf youtube gibt es unendlich viele Tutorials. Sogar auf deutsch und auch für absolute Einsteiger.

Nachdem ich mir mehrere Stunden damit vertrieben habe, diese Tutorials anzusehen, beginne ich tatsächlich, wenigstens ungefähr zu begreifen, wie die einzelnen Effekte entstehen. Gut, beim Versuch, einiges davon nachzubasteln, habe ich mehr als einen Rüffel für meine Ausdrucksweise eingefangen. Aber schließlich ist doch etwas ganz Brauchbares dabei rausgekommen.

Der Fischer und die Nixe (Sweek Version)
Damit hat die gleichnamige Kurzgeschichte hier im Blog jetzt auch ein schönes Beitragsbild

Die Frau im Wald

Statt Ostereiern, Traditionshasen oder Hefegebäck: eine Geschichte. Sie entstand als Beitrag zur 6. Clue Writing Challenge. Die Aufgabe lautete, einen Beitrag zu diesem Bild zu verfassen:

Die Frau im Wald - Clue Writing
Bildquelle: http://www.cluewriting.de/cwc6/

Die Frau im Wald

Ich bin ein rationaler Mensch. Ich glaube nicht an Homöopathie, Chemtrails und anderen esoterischen Unsinn. Nur bei Geistern – da bin ich mir nicht ganz sicher. Mein Verstand sagt: Geister kann es nicht geben. Andererseits ist da diese Geschichte …
Gut zwanzig Jahre ist das jetzt her. Ich machte damals Urlaub im Harz, in einem kleinen Ort, dessen Name alles andere als einladend klang. Dafür passte er zu dem Zustand, in dem ich mich befand, nachdem Katja sich von mir getrennt hatte, um mit einer anderen Frau zusammenzuziehen. Freunde hatten versucht, mich zu überreden, gemeinsam nach Malle zu fliegen. Sonne und Sangria würden mir den Liebeskummer schon austreiben. Aber ich wollte Ruhe, keine Menschen. Ich brauchte Abstand von Berlin, den Kommilitonen und vor allen Dingen von Katja.
Dafür schien mir der Ort ideal. Abgelegen. Nichts als Natur rundum. Genau richtig, um sich volllaufen zu lassen und anschließend langsam wieder in Tritt zu kommen.

Genau das tat ich dann auch. Die ersten zwei Tage blieb ich im Zimmer, sah nichts außer schlechten Fernsehshows, der Toilettenschüssel und den drei Flaschen Jonny Walker, die mir Gesellschaft leisteten. Am dritten schlich ich in Begleitung eines veritablen Katers nach draußen.
So schlimm, wie der Name suggerierte, war der Ort dann doch nicht. Viele der Häuser waren frisch renoviert. Die umgebenden Gärten quollen über vor schreiend bunten Blumen. Lediglich der Zustand der Straßen war durch den Ortsnamen gut beschrieben. Die trugen dafür so schön klingende Namen wie Straße-der-deutsch-sowjetischen-Freundschaft. Marketingleuten wären vermutlich Worte wie pittoresk und malerisch durch den Kopf gegangen. Vielleicht hätten sie den Ort sogar idyllisch genannt Mein Kopf dagegen brummte. Die Farben, die Sonne, das Vogelgezeter – selbst das Summen der Bienen in den Rosenbüschen vertrugen sich schlecht mit den Nachwirkungen des Gelages mit den drei Jonnys.

Als ich die Koppeln und Felder hinter mir gelassen hatte, die den Ort umgaben und den Wald betrat, wurde es besser. Der Wald bestand aus großen Bäumen, die respektvoll Abstand voneinander hielten. Gleichzeitig standen sie jedoch nahe genug, um mit ihren ausladenden Ästen alles Grelle aus dem Licht zu filtern – ein Umstand, für den ich ihnen ausgesprochen dankbar war.
Bald wurde es mir auf dem Weg zu langweilig. Wege sind für alte Leute. Links und rechts dagegen lockte das Abenteuer. Ich begegnete seltsam geformten Felsen, steckte den Kopf in eine Höhle, aus der es seltsam müffelte, hob Steine als Andenken auf und ließ sie wieder fallen. Als meine Beine müde wurden, machte ein Schläfchen auf einem großen Steinbrocken, der aus irgendwelchen Gründen mitten im Wald lag. Danach war ich so durstig, dass der Kater meinen Schädel als Hamsterrad benutzte. Von innen. Mit ausgefahrenen Krallen. Um ihn zu besänftigen, trank ich Wasser aus einem Bach, was vermutlich sehr dumm war, mir aber in keiner Weise schadete. Irgendwann verließ auch der letzte Jonny meine Adern und nahm den Kater mit.
Ich bekam Hunger.
Etwa zum gleichen Zeitpunkt stellte ich fest, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich mich befand. Ich war so lange ziellos durch die Gegend mäandert, dass ich nicht einmal eine ungefähre Vorstellung der Richtung hatte, aus der ich gekommen war. Die Bäume sahen alle ziemlich gleich aus. Keine Chance, sich an ihnen zu orientieren. Ich hatte zwar mal gelesen, dass man die Himmelsrichtung an den Stämmen erkennen kann. Dort, wo Moos wächst, ist Norden. Aber entweder kannte das Moos diese Regel nicht, oder ich befand mich irgendwo in der Nähe des Südpols.
In der Ferne hämmerte ein Specht. Es schien mir das einsamste Geräusch auf Erden.
Immerhin war es ein Geräusch. Eins, an dem ich mich orientieren konnte. Und da ich sonst schon keine Orientierung hatte, lief ich in die Richtung, aus der es kam.

Wie lange ich gelaufen bin, weiß ich nicht. Die Sonne sank tiefer zwischen die Bäume – und dann, als sie sich schon fast auf Höhe meiner Augen befand, sah ich SIE.
Sie saß auf einem Baumstumpf, ein Bein über das andere geschlagen, und schrieb mit einem gelben Bleistift in ein Notizheft. Weiß der Teufel, warum mir dieser Stift so auffiel, denn es gab viel mehr an ihr zu beschreiben. Das lange, braune, zu einem lässigen Pferdeschwanz gebundene Haar zum Beispiel. Der große Mund. Die dunklen Wimpern. Vor allem aber diese Haltung. Der Ausdruck vollkommener Konzentration auf ihrem Gesicht, während sie den Stift über ihr Notizheft bewegte.
Ich hätte mich gerne geräuspert, sie gefragt, wo es zum Ort ging und ob sie vielleicht Lust hätte, später mit mir ein Bier trinken zu gehen – oder einen Kaffee oder eine Limonade oder was auch immer man in Käffern wie diesen trank, wenn es eine Kneipe oder ein Café oder etwas in der Art geben sollte. Aber ich traute mich nicht. Also ging ich weiter.
Nach einiger Zeit.
In einem kleinen Bogen.
Jedes Mal, wenn ich mich umwandte, sah ich sie dort sitzen, über ihr Buch gebeugt. Sie sah nicht einmal auf.

In der Abenddämmerung kehrte ich ins Dorf zurück, allerdings aus einer vollkommen anderen Richtung als der, in die ich es verlassen hatte. Ich fand mein Hotel, bekam ein hervorragendes Abendessen und legte mich schlafen.
Damit könnte die Geschichte zu Ende sein.
Sie wäre es vermutlich auch, wenn ich nicht mit dem Wunsch aufgewacht wäre, die Frau aus dem Wald wiederzusehen. Jetzt, am anderen Morgen, ärgerte ich mich über meine Feigheit. Schließlich konnte ich kaum zur Rezeption gehen und fragen: »Sagen Sie – ich habe da gestern im Wald eine Frau gesehen. Ungefähr mein Alter, schlank, braune Haare, Pferdeschwanz … Haben Sie vielleicht eine Ahnung, wer sie sein könnte?«
Man würde mich zu Recht für verrückt halten.
Dann erinnerte ich mich an den Stift und plötzlich kam mir eine Idee zu einer List, mit der ich ihren Namen vielleicht doch herausfinden konnte. Damit sie funktionierte, musste ich allerdings nach Wernigerode. Hier im Dorf hätte sich der Schwindel sofort herumgesprochen.
Trotz meiner Ungeduld genoss ich den Ausflug. Wie ein echter Tourist ließ ich mich von der Harzquerbahn nach Wernigerode schuckeln. Dort angekommen, bewunderte ich die hübschen Häuser, ging in einige hübsche Geschäfte, kaufte hübsche Andenken, ein paar hübsche Ansichtskarten und einen Stift, setzte mich in eins der hübschen Cafés und schrieb Ansichtskarten an jeden, der mir einfiel; sogar an Katja. Genau genommen sogar vor allem an Katja, denn ganz besonders sie sollte wissen, dass ich mich hervorragend amüsierte.

Am Morgen des nächsten Tages ging ich wieder spazieren. Wieder im Wald, weil ich insgeheim hoffte, die Braunhaarige wiederzusehen. Auch, wenn die Chancen mehr als schlecht standen. Aber das machte nichts. Ich hatte ja meinen Plan.
Am Mittag war es endlich Zeit, ihn umzusetzen.
Mir war ein bisschen flau, als ich zur Rezeption ging und den Bleistift herausholte, den ich seit gestern in der Jackentasche trug. »Vorhin im Wald, da war eine Frau, die hat den hier verloren. Ich würde ihn gerne zurückgeben, aber sie war schon außer Rufweite.« Wie dümmlich sich das anhörte, wurde mir erst bewusst, als die Worte schon raus waren. Das war vermutlich die idiotischste Ausrede, auf die je jemand verfallen war.
Die Frau hinterm Tresen zuckte nur mit den Achseln. »Und was soll ich da tun? Ich glaub nu’ auch nicht, dass jemand zur Polizei geht, um den als verloren zu melden.«
»Ich dachte, sie könnten mir vielleicht helfen, wenn ich die Frau beschreibe«, sagte ich lahm. »Sie war ungefähr so alt wie ich. Schlank. Braune Haare. Pferdeschwanz.«
Das Gesicht der Frau blieb ausdruckslos.
»Graue Jacke«, versuchte ich es weiter. »Jeans. Chucks … also so Baseballschuhe, rot mit weißen Kappen und einem Stern an der Seite.«
Etwas zuckte im Gesicht der Frau. Ihre Augen verengten sich. Die Brauen zogen sich zusammen. Der Mund wurde erst zu einem blassen Strich, dann spuckte sie mir entgegen: »Findest du das etwa witzig? Was für ein Spiel versuchst du mit mir zu spielen?«
Erschrocken wich ich zurück und versicherte hastig, dass ich überhaupt keine Spiele spielen würde, sondern dass das mein voller Ernst sei. »Ich habe sie gesehen – allerdings schon vorgestern. Nur das mit dem Stift … Das habe ich erfunden. Ich brauchte doch einen Vorwand.«
»Vorgestern …« Die Frau sackte in sich zusammen und begann zu schluchzen. »Vorgestern. Das war ihr Todestag.«
Ich glaubte, nicht richtig zu hören.
Sie aber sah mich an, die Augen voller Tränen. »Auf den Schreck brauche ich einen Schluck. Und dann musst du mir alles erzählen!«

Sie nötigte mich in das, um diese Zeit leere Restaurant, griff zwei Longdrinkgläser und eine Flasche aus der Bar und schenkte uns beiden ein. Wodka. Sie trank ihr Glas in einem Zug aus und füllte es gleich wieder. Dann begann sie zu erzählen. Ich kam gar nicht zu Wort.
Sie erzählte von ihrer Tochter Sandy, die so schön zeichnen konnte. »Sie wollte Kunst studieren. In Berlin. Im Oktober wollte sie wegziehen. Bis dahin hat sie jede freie Minute und jeden Sonnenstrahl genutzt, um im Freien zu zeichnen.«
Bis sie eines Tages nicht zurückgekommen war. Zwei Tage hatte man nach ihr gesucht, bis man sie im Wald fand. Erwürgt. Ihr Notizblock und ihr Zeichenstift blieben verschwunden.
»Sie hatte genau die Sachen an, die Sie beschrieben habe. Die Schuhe waren ganz neu. Aber es war der Bleistift, der mir den Rest gegeben hat. Sandy hat immer diese gelben Bleistifte benutzt. Genau solche, wie den, den Sie ihn mitgebracht haben.«

Noch am gleichen Abend bin ich abgereist. Ich konnte den Blick nicht ertragen, die stummen Fragen, auf die ich auch keine Antwort hatte. Bis heute nicht.
Was ist passiert an jenem Nachmittag? Habe ich einen Geist gesehen? Bin ich in eine Paralleldimension gestolpert und habe die letzten schönen Minuten im Leben einer Frau gesehen? Hätte ich den Mörder gesehen, wenn ich gewartet hätte? Oder ist das Ganze nur ein großer Zufall? Es gibt so viele junge Frauen mit braunen Haaren. Chucks sind auch nicht gerade selten. Warum sollte nicht irgendeine Studentin, im Wald Ruhe gesucht haben, um zu schreiben, zu zeichnen oder was auch immer zu tun?
Wie gesagt: Ich bin ein durch und durch rationaler Mensch. Ich glaube weder an Homöopathie, noch an Chemtrails oder irgendeinen anderen esoterischen Blödsinn. Nur bei Geistern – da bin ich mir nicht ganz sicher.

So etwas wie ein Messe-Rückblick

Der lange, ausführliche Bericht über die Leipziger Buchmesse ist leider immer noch nicht fertig. Inzwischen habe ich aber so viele Beiträge darüber gelesen, dass ich ernsthafte Zweifel bekomme, ob die Welt noch einen braucht – und den ausgerechnet von mir.
Was soll ich auch groß erzählen? Meine Füße haben überlebt, die Schuhe auch. Zum Glück. Aber das interessiert dich vermutlich genauso wenig, wie eine Aufzählung, wen ich gesehen und welche Veranstaltungen ich besucht habe. Außerdem war ich ohnehin die meiste Zeit am Stand des Nornennetzes. Darüber, was dort passierte, hat Diandra Linnemann bereits einen so ausführlichen Blogartikel für das Nornennetz verfasst, dass es praktisch unmöglich ist, noch etwas zu ergänzen.

LBM18 am Nornenstand
Foto: Elenor Avelle

Die Probleme der Cosplayer und das seltsame Gebaren der Buchmesse gegenüber den rechten Verlagen, die dort anscheinend Narrenfreiheit genießen, kenne ich auch nur vom Hörensagen bzw. aus schriftlichen Quellen. Persönlich hatte ich mit der Security keine Probleme. Nur, dass man Sektflaschen auch als Aussteller nur unter erschwerten Bedingungen aufs Gelände bringen kann, kam unerwartet.
Natürlich war ich wegen der beiden Podiumsdiskussionen und der Lesung nervös. Vor allem wegen der, der BVjA, mit der Fragestellung „Was macht mich zum Schriftsteller?„. Immerhin kannte ich von den Mittalkern dort nur Tanja Steinlechner (die bei den Sprechern nicht aufgeführt ist. Dafür hat Gino Leineweber nicht teilgenommen), konnte also die Positionen nur schwer abschätzen.

LBM18 Talkrunde
Foto: Ela Schnittke

Der Nornentalk zu Frauen in der Fantastik war dagegen fast ein Selbstgänger. Dankenswerter Weise hat Nora Bendzko sich anschließend die Mühe gemacht, die Diskussion zu transkribieren. Den ersten Teil kannst du auf ihrer Webseite nachlesen, den zweiten Teil findest im Blog vom Nornennetz.

Gerne hätte ich auch noch eine Aufnahme meiner Lesung beigefügt. Aber an dieser Stelle muss ein Foto reichen.

LBM18 Lesung
Foto: Anne Zandt

Aktuell überlege ich, die Lesung zu wiederholen und via youtube hochzuladen. Die Frage ist aber: Interessiert das jemanden? Würde es dich interessieren?

Auch hier kann man mich lesen

Auf in den Lesefrühling 2018: Darf es ein bisschen High Fantasy sein? Oder ein dramatischer Krimi? Oder doch lieber eine romantische Lovestory? Wählen Sie Ihren Lieblingstext aus 29 fantastischen Leseproben von Autorinnen, die Sie unbedingt kennen sollten! Mit Beiträgen von Nora Bendzko, Elea Brandt, Stella Delaney, Jasmin Engel, Jana Jeworreck, Laura Kier, Anna Kleve, Nike […]

über Schicksalssplitter. Fantastische Leseproben — Leseflash

Nike Leonhard: „Selfpublishing gibt mir die Freiheit, die Geschichten zu erzählen, die mir wichtig sind“

Marisa Klein vom Blog „Spubbels“ hat mich zu Selfpublishing, literarischen Kurzformen und der Zukunft des Codex Aureus befragt. Vielen Dank noch einmal; das waren sehr spannende Fragen!

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Marisa Klein 

Letzte Woche haben wir euch unser neues Fundstück „Steppenbrand – Die Legende von Dejasir no’Sonak“ vorgestellt. Die Autorin Nike Leonhard gibt heute in unserem Interview einen kleinen Einblick in ihre Arbeit und spricht dabei über Inspirationen, das Schreiben für das Lesen „zwischendurch“ und wie vielfältig sie auf der Leipziger Messe unterwegs sein wird.

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Triff mich auf der Leipziger Buchmesse

Nicht mal mehr zwei Wochen bis zur Leipziger Buchmesse! Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren und nun ist es höchste Zeit, anzukündigen, wofür.

Dass ich auf der Buchmesse sein würde, hatte ich ja schon längst geschrieben. Ich werde am Nornenstand (Halle 2 J303) die Neuauflage von Steppenbrand und die gerade erschienene Taschenbuchausgabe von Biss zum letzten Akt präsentieren. Beide Bücher wird es dort auch zu gewinnen geben.
Selbstverständlich werde ich den Stand auch mitbetreuen. Falls sich nichts ändert, sind meine „Dienstzeiten“ am Donnerstag den 15.03 von 12:00 bis 14:00 Uhr und am Sonntag von 16:00 bis zum Schluss um 18:00. Aber auch sonst werde ich mich oft dort herumtreiben.

Außerdem werde ich bei zwei Talkrunden mitmachen und eine Lesung halten.
Die erste Talkrunde hat die Frage Was macht mich zum Schriftsteller? und findet am Donnerstag den 15.03. um 15:00 statt (Forum autoren@leipzig, Halle 5, Stand D600). Veranstalter ist das Netzwerk Autorenrechte im BVjS, weitere Teilnehmer: Gino Leineweber, Eva Leipprand und Tanja Steinlechner.

Nornennetz_Talkrunde_fertig_2
Die zweite Talkrunde wird vom Nornennetz veranstaltet und befasst sich mit Frauen in der Fantastik. Die Diskussion wird sich nicht nur um die vielbeschworenen starken Frauenrollen drehen, sondern auch über Frauen im Literaturbetrieb. Mitdiskutierende sind Nora Bendzko und Katherina Ushachov, die Moderation hat Stella Delaney. (17.03.2018 ab 16:30 Uhr, Leseinsel Fantasy, Halle 2, Stand H410/J400)

Meine Lesung findet am Nornenstand (Halle 2 J 303) statt. Ich werde dort am Sonntag, den 18.03. von 11:00 bis 11:30 Uhr aus „Der Fluch des Spielmanns“ und „Biss zum letzten Akt“ vorlesen und anschließend für Fragen zur Verfügung stehen.

Lesung und Meet & Greet mit Nike Leonhard, Sonntag den 18.03.2018 v. 11:00-11:30 am Stand des Nornennetzes auf der Leipziger Buchmesse (Halle 2 J 303)