April, April!

Nein, ich meine nicht das Wetter, auch wenn das gerade die sprichwörtlichen Kapriolen schlägt. In Zeitlupe zwar, aber genauso launisch, wie man es dem April eben nachsagt. Das Thema, über das ich schreiben wollte, war eher launig. Es geht um Humor und da bietet sich der erste April als Aufhänger an. Weil … Na ja, weißt du selbst.

Humor, den man erklären muss, ist taugt nichts. Da sind sich alle einig. Schwierig wird es bei der Frage, was das eigentlich ist: Humor. Was ist witzig daran, sich gegenseitig reinzulegen und einander Streiche zu spielen?
„Guck mal, dein Schnürsenkel ist auf!“
„Hä? Gar nicht!“
„April, April!“
Ist nicht witzig, oder?
Je länger ich mich mit Schreiben beschäftige, desto mehr grüble ich darüber. Was macht einen guten Witz aus? Wann wird er schlecht?

Photo by Tim Mossholder on Pexels.com

Ich bin mit Vorstellungen von Humor aufgewachsen, die ich rückblickend zumindest als fragwürdig empfinde. Als witzig galten dicke Männer, die in pinkfarbenen Tütüs ein Ballett imitieren. Überhaupt Männer in Frauenkleidung. Weiße, mit schwarz bemalten Gesichtern und rot geschminkten Wulstlippen, die seltsame Laute stammelten. Sendungen wie Klimbim. Frauen, die dumme Dinge taten oder sagten (Frauen galten eigentlich nur als komisch, wenn über sie gelacht wurde). Die Filme von Stan und Olli (oder Dick und Doof, wie sie damals in Deutschland hießen) … Das alles sollte witzig sein.

Wobei ich Stan und Olli damals schon nicht angucken konnte. Bei den „Späßen“, die in diesen Filmen gerissen wurden, zog sich mir alles zusammen. Das war einfach nur brutal. Das habe ich damals so empfunden und das sehe ich heute noch genauso. Tom und Jerry dagegen habe ich geliebt und trotz aller Brutalität, mit der sie sich bekämpfen, kann ich auch heute noch darüber lachen. Klimbim geht dafür wieder gar nicht. Das ist eine Anhäufig widerlicher, ranzig gewordener Ressentiments, klebriger Anzüglichkeiten und Klischees und ungefähr so lustig wie olo oder ( . )( . ) an eine Klowand zu schreiben (ja, auch solche Sachen galten damals als herrlich anzügliche Witze).

Offensichtlich ist Humor zeit- und kulturabhängig. Aber diese Erkenntnis hilft mir als Autorin genauso wenig, wenn ich versuche, witzig zu sein oder einem Text eine humorvolle Note zu geben wie abstrakte Definitionen. Oder könntest du mit dem Wissen, dass Humor die

Fähigkeit und Bereitschaft ist, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren, beziehungsweise die sprachliche, künstlerische o. ä. Äußerung dieser Geisteshaltung

Duden

etwas verfassen, das dieser Definition genügt? Ne, nicht? Ich auch nicht. Da ist der Satz: Humor ist, wenn man trotzdem lacht, schon hilfreicher. Offensichtlich bedingt Humor eine nicht lustige Situation, sowie eine Wendung, durch die sich die Anspannung auflöst oder wenigstens mindert.
Allerdings muss Humor nach dieser Sichtweise nicht unbedingt etwas heiter-gelassenes haben. Er kann auch skurril daherkommen, wie die Geschichten von Loriot. Er kann tiefschwarz gefärbt sein, wie die letzten Szenen aus dem Leben des Brian. Genauso kann Humor aber auch kann spitz und sogar beißend sein.

Wenn Humor ein Mittel ist, um eine Anspannung zu lösen, heißt das im Umkehrschluss aber auch, dass Spott nur dann humorvoll ist, wenn er sich gegen eine mächtige(re) Figur richtet. Jemand ohnehin unterlegenes zu verspotten, ist Quälerei. Es löst keine Anspannung, sondern bestärkt und bestätigt das Machtgefälle.

Hätten Lügen kurze Beine, hätte Trump Hornhaut am Sack.

Klospruch

Vielleicht kann ich deshalb über Tom und Jerry immer noch lachen, denn die Katze ist nur körperlich überlegen. Tatsächlich geben sich beide aber nichts, so dass sich das Machtgefälle immer wieder umkehrt. Dazu kommt natürlich, dass sie als Trickfilmfiguren trotz aller Deformationen keinen wirklichen Schaden erleiden.

So richtig weiß ich zwar immer noch nicht, wie das humorvolle Schreiben eigentlich funktioniert, aber ich werde weiter üben. Und du? Kannst du Humor? Erzähl! Welche Formen liegen dir? Welche Mittel benutzt du?

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