[Selfpublishing] Tolino macht Druck

Seit neuestem kann man über Tolino-Media nicht nur E-Books erstellen, sondern seine Werke auch ganz klassisch auf Papier drucken lassen. Damit, und wegen seiner großen Nähe zum Buchhandel ist Tolino doppelt interessant für Selfpublishing geworden. Ein Grund, sich das Angebot näher anzusehen, zumal ich schon von einem anderen Selfpublisher gehört hatte, dass die Qualität sehr gut sei. Diese Info hatte ich aber erst mal nur im Hinterkopf abgelegt, weil die Märchenanthologie, an der ich derzeit arbeite, noch nicht veröffentlichungsreif ist.
Dann jedoch fand ich in meinen Mails die Einladung zum „Tolino-Print-Day.“

Selbstverständlich habe ich das genutzt und bin „hingegangen“. Virtuell, denn die Veranstaltung fand als Lifestream auf Youtube statt. Zunächst gab es eine allgemein gehaltene Einführung darüber, was jetzt alles möglich ist.

Der zweite Teil enthielt einen virtuellen Rundgang über die Plattform. Hierbei konnten dann auch Detailfragen gestellt und geklärt werden. Dabei wurde vor allem deutlich, dass vieles noch im Werden ist.

Für mich entstand der Eindruck, dass Tolino inzwischen alles anbietet, was andere Selfpublishing-Anbieter wie BoD, Amazon oder epubli auch können. Der Teufel versteckt sich wie immer im Detail (oder im Kleingedruckten).
Da ich bisher über BoD veröffentlicht habe, bietet sich der Vergleich mit den dortigen Konditionen an. Beide verwenden ähnliches, wenn nicht sogar das gleiche Papier (90g, weiß oder cremeweiß). Außerdem bekommen die Bücher eine ISBN und werden im Verzeichnis lieferbarer Bücher eingetragen, können also normal über den Buchhandel bestellt werden. Die Verträge sind nicht exklusiv und man behält alle Rechte.

Positiv an Tolino

  • unbegrenzte Vertragslaufzeit: Das war der Punkt, der mich als erstes hat hellhörig werden lassen und der für mich ein wesentlicher Grund für einen Wechsel wäre. Anders als bei BoD, wo man den Vertrag nur über ein Jahr abschließt und das Buch danach aus dem Handel verschwindet, bleibt es bei Tolino so lange erhältlich, bis der Vertrag storniert wird.
  • günstig: Die Gebühr für die Einrichtung des Buchs fällt bei Tolino niedriger aus, als bei BoD. Zwar ist BoD mit 19 Euro im Tarif Classic auch nicht teuer, aber Tolino ist noch mal um ein Viertel günstiger.
  • schnell: Nach dem, was im Stream gesagt wurde, ist Tolino außerdem bei Druck und Auslieferung schneller als BoD. Die Rede war von ca. 5 Tagen. Bei BoD können es schon mal 14 werden. Ob das bei steigenden Auftragszahlen so bleibt, wird sich natürlich noch herausstellen müssen.
  • kundenorientiert: Gut an Tolino gefällt mir auch die starke Kundenorientierung. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Auch BoD ist da super aufgestellt. Aber im Stream fiel eben auch auf, dass sich Tolino aktuell sehr darum bemüht, den Wünschen und Anforderungen gerecht zu werden und Anregungen aufzugreifen.

Nachteile gegenüber BoD

  • kein Impressumsservice: Auch, wenn man mit seinen Werken Ruhm und Ehre eringen will, möchten viele das nicht unter ihrem richtigen Namen tun. Nicht nur, weil wir alle schon von Stalkern gehört haben – es gibt viele gute Gründe für ein Pseudonym. Erst recht dafür, die eigene Anschrift nicht zu veröffentlichen. Leider bietet Tolino-Media – anders als BoD – keinen Impressumsservice.
  • keine Abgabe von Pflichtexemplaren: Von jedem, in Deutschland veröffentlichten Buch müssen zwei Exemplare an die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt und, je nachdem in welchem Bundesland die Veröffentlichung erfolgt, ein bis zwei weitere Exemplare an die jeweilige Landesbibliothek übersandt werden.* Bei BoD erfolgt diese Abgabe von Pflichtexemplaren automatisch. Tolino macht das derzeit nur bei E-Books.
  • keine Rezensionsexemplare: Bei BoD erhält man auf Nachfrage Rezensionsexemplare, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Bei Tolino ist das zumindest derzeit nicht der Fall.
  • geringere Marge(?): Hier habe ich ein Fragezeichen gesetzt, denn während sich mit dem Preiskalkulator von BoD sehr genau bestimmen lässt, wie viel man an einem Buch verdient, habe ich eine vergleichbare Funktion bei Tolino nicht gefunden. Daher habe ich die Preise für Bestellungen zum Eigenbedarf verglichen. Hier ist BoD dann doch erheblich günstiger.

*In Österreich existiert eine ähnliche Regel.


Fazit

Das Angebot von Tolino klingt erst mal durchaus attraktiv, wobei der größte Pluspunkt die unbegrenzte Vertragsdauer ist. Nicht jedes Jahr verlängern zu müssen, ist nicht nur organisatorisch ein großer Vorteil. Auch die schnellen Lieferzeiten sprechen für Tolino (wenn sie denn eingehalten werden). BoD punktet demgegenüber mit größerer Transparenz bei der Preisgestaltung, höheren Margen und – zumindest derzeit noch – besserem Service. Bei letzterem kann es sein, dass Tolino da noch nachlegt.

Alles in allem bin ich daher ganz froh, jetzt noch keine Entscheidung treffen zu müssen, sondern noch etwas abwarten zu können.


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Gute Vorsätze – 2022er Edition

Als ich meinen Kalender für 2021 angelegt habe, habe ich ihm das Motto „Es kann nur besser werden“ vorangestellt. Das war ein Irrtum. 2021 wurde eins der bleierndsten Jahre, das ich je erlebt habe. Es ging fast nichts. Der Werwolf ist irgendwo im Wilden Westen eingeschlafen. Meine Sozialkontakte sind bis auf wenige Ausnahmen genauso. In meinen Mittelalterklamotten haben Motten Fressgelage veranstaltet. Mir fehlt die Kraft, das eine neu zu knüpfen und das andere neu zu nähen. So gesehen könnte ich mir diesen Artikel vermutlich sparen.

„Dann lass es doch!“

Das rät auch meine Intuition, und fügt hinzu, dass jeder Vorsatz sinnlos ist. „Das Karma macht dir sowieso einen Strich durch die Rechnung, und am Ende kommt alles unerwartet und ganz anders als geplant.“ Außerdem hätte ich schon so viele Pläne gefasst und beerdigt, oder – noch schlimmer – nicht mal ernsthaft mit der Umsetzung begonnen. Da müssten jetzt nicht auch noch neue dazukommen. Und überhaupt sei das neue Jahr auch nur ein willkürlich gesetztes Datum ohne tiefere Relevanz. Wenn ich unbedingt gute Vorsätze fassen wollte, könnte ich das zu Ostern genauso tun.

Aber …

Aus irgendeinem Grund hält mein dummes Herz daran fest, dass „anders und unerwartet“ auch sehr schön sein kann. Selbst wenn der Werwolf-Western nichts geworden sei, hätte ich immerhin fünf Kurzgeschichten fertiggestellt. Eine sei in einer Anthologie veröffentlicht, die anderen beiden würden vermutlich im Lauf des nächsten Jahres drankommen.

Zwei stünden hier im Blog. Und eine davon sei sogar vertont worden. Außerdem seien da noch das Unsinnsprojekt, das langsam aber stetig weiterwüchse und die zu 2/3 fertige Märchenanthologie. Nichts davon sei Anfang 2021 absehbar gewesen!

In seinem Optimismus setzt es dann noch hinzu, dass Pläne zwar scheitern können, aber der Misserfolg garantiert sei, wenn man keinen Plan habe. Ein Mensch ohne Plan sei ein Floß ohne Ruder; ein Blatt im Wind und ein Herd ohne Feuer.

Also doch!

Ich kapituliere! Bevor es noch mehr Kalendersprüche hagelt, mache ich, was alle anderen um diese Jahreszeit auch tun: Ich schreibe meine guten Vorsätze nieder. Vielleicht erinnere ich mich am Ende des Jahres sogar daran und kann ein Resume ziehen.
Ich will:

  • Die Märchenanthologie „Der Atem des Drachen“ herausbringen.
  • Wieder regelmäßiger bloggen. 1x im Monat scheint ein erreichbares Ziel zu sein.
  • Am Unsinnsprojekt weiterschreiben. Nicht nur just for fun, aber auch.
  • Das Konzept für den Werwolf-Western überdenken, gegebenenfalls überarbeiten und das Ding zuende schreiben.
  • Die Zeit für Social Media begrenzen bzw. zielgerichteter nutzen.
  • Wieder mehr lesen. Vielleicht auch anfangen, die Leseeindrücke festzuhalten. Mal sehen. Aber in jedem Fall mehr lesen!
  • Wieder kreativer werden, d. h. mehr basteln, malen, zeichnen, handarbeiten.
  • Offline soziale Kontakte pflegen. Und sei es nur, dass ich in diesem Jahr auch mal Weihnachtskarten verschicke. Im Idealfall selbstgebastelte.
  • 2022 überleben und so gut wie möglich dafür sorgen, dass keiner meiner Lieben verloren geht.
Photo by Arnesh Yadram on Pexels.com

Klingt jetzt nicht übermäßig ambitioniert und sollte sich daher machen lassen. Was meinst du? Hast du auch Vorsätze für’s neue Jahr oder hältst du das alles für Unsinn?