Mit Fehlern umgehen

Das ist einer dieser Artikel, die ich mit schwerem Herzen schreibe, denn hier geht es um eigene Fehler. Die zu erkennen, ist bekanntlich schwer. Noch schwieriger finde ich, sie dann auch noch zu beseitigen.
Ja, Fehler zuzugeben ist hart. Aber sie gewähren auch eine Ausrede. „Ich kann eben nicht zeichnen“, sagen ganz viele von sich und tun es dann auch nie wieder. Noch besser ist: „In Mathe/Naturwissenschaften/Sprachen war ich schon immer schlecht.“ Mit solchen Aussagen stößt man nicht nur auf absolutes Verständnis, sondern geradezu auf Anerkennung.

Quelle: Wladimir Berzin auf Pixabay

Aber selbst, wenn man einen Fehler nur vor sich selber eingesteht, ist es allemal leichter, sich damit abzufinden, versagt zu haben, als alles noch einmal von vorn anzugehen. Nicht nur, dass sich die ganze Zeit und Mühe, die man aufgewandt hat, vergeblich war. Jetzt ist auch klar, dass nichts das Gelingen garantiert. Das Ergebnis kann genauso schlecht sein, wie vorher. Von vorne anzufangen bedeutet daher, eine frustrierende Erfahrung bewusst zu wiederholen.

Gerade beim Schreiben bleiben solche Momente leider nicht aus. Ganz im Gegenteil. Es beginnt schon damit, dass Vorstellungen, die man glasklar und in allen Details im Kopf hatte, sich auf mysteriösem Weg in einen Haufen unzusammenhängender Fetzen verwandeln, so bald man damit beginnt sie auszuformulieren.
Hier kann es helfen, mit Bearbeitungsvermerken wie „#hier große Streitszene einfügen“ zu arbeiten und das Problem erst mal zu ignorieren. Aber spätestens bei der Überarbeitung geht das nicht mehr.
Noch schlimmer ist es, festzustellen, dass man mit Volldampf in eine Sackgasse gerauscht ist, wie es mir mit dem Werwolf-Western gerade passiert ist. Mein Fehler. Natürlich. Ich habe gedacht, weil es eine einfache Geschichte ist, reiche es, sie oberflächlich zu plotten. Das Ergebnis ist, dass mein Protagonist sich nun fragt, warum er diese Mission eigentlich abschließen soll. Tja. Dumm gelaufen. Das konnte ich ihm leider auch nicht sagen und seither schreit alles in mir, dass ich diese Geschichte versiebt habe.

Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten:

  • Ich kann mein Scheitern akzeptieren. War auch eine ausgesprochen dumme Idee, eine Geschichte im 19. Jahrhundert anzusiedeln. Noch dazu in den USA, die mir nicht nur geographisch fremd sind und dann auch noch mit einem komischen Genre-Mix … Vielleicht ist das alles ein bisschen viel und ich sollte die nächste Geschichte besser in einem Rahmen ansiedeln, der mir mehr liegt. Also Schwamm drüber, als schlechte Erfahrung verbuchen und nicht noch mehr Zeit investieren, als schon drin steckt. Ist ja auch nicht so, als hätte ich keine anderen Ideen!
  • Oder ich zwinge mich, weiterzumachen. Dieser Protagonist ist schließlich kein eigenständiges Wesen. Der ist meine Kopfgeburt und als solche hat er gefälligst zu tun, was ich ihm vorschreibe. Der wird also hübsch weiterziehen und tun, was nötig ist, um diese Geschichte zu beenden. Basta!
Photo by Steve Johnson on Pexels.com

Wenn du jetzt einwendest, dass beides blöd ist, hast du vollkommen recht.

Die erste Option ist feige. In dieser Situation aufzuhören heißt, zu kneifen, nur weil es schwierig wird. Außerdem wäre es schade um die Geschichte. Ich bin nämlich nach wie vor der Überzeugung, dass sie gut ist. Dass es sich lohnt, sie zu erzählen.
Die zweite Variante ist unprofessionell. Wenn ich weiß, dass etwas nicht funktioniert, lasse ich die Finger davon. Auf gar keinen Fall kann ich so tun, als sei nichts, das Ganze irgendwie fertig schreiben und dann veröffentlichen. Ich belüge weder mich selbst, noch andere.

Bleibt die dritte Option, die ich oben ausgespart habe: Ich umgehe das Problem mit einem Bearbeitungsvermerk und schreibe zunächst einmal die beiden (vorläufigen) Schlussszenen. Danach mache ich mich daran, alles aufzudröseln und die Fehler zu beseitigen, die ich am Anfang gemacht habe. Wird das frustrierend? Auf jeden Fall. Der ganze Aufbau ist falsch. Ich werde Szenen streichen müssen, in die ich viel Zeit, Mühe und Recherchearbei investiert habe. Dafür werde ich neue Szenen brauchen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren. In der Zeit, die ich dieses Buch nicht herausgebracht habe, hätte ich einen Roman schreiben können. In der Zeit, die ich brauche, alles umzustellen, könnte ich auch eine andere Geschichte fertig stellen. Eine, die mich noch nicht frustriert hat und die sich möglicherweise leichter schreibt.
Aber das wäre feige. Außerdem glaube ich, wie schon gesagt, dass es sich lohnt, diese Geschichte zu erzählen.
Also hoffe ich auf ein Happy End in dem Wissen, dass es keins geben wird, wenn ich nicht dran arbeite.

Ein Kommentar zu „Mit Fehlern umgehen

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