Der Bann des Bösen

Seit Tagen kann ich mich kaum von meiner Twitter-Timeline trennen, weil sich die Ereignisse überschlagen. Immer neue Meldungen aus den USA. Grausame Videos von Polizeiübergriffen auf friedliche Demonstranten, Bilder von Plünderungen, Solidaritätsaufrufe, ein geifernder Präsident, der noch Öl ins Feuer gießt. Ausschreitungen, die von Undercoverpolizisten initiiert wurden.

Brände, die – wie sich später herausgestellt hat – wenigstens von Rassisten gelegt wurden, um die Proteste zu diskreditieren.

Bilder von Rassisten, die mit Strumgewehren posieren und in den sozialen Medien ihre Bereitschaft zum Losschlagen verkünden. Pressestimmen, die die USA am Rand eines Bürgerkriegs sehen. Währenddessen jährt sich der Tod von Walter Lübcke. Auch hierzulande werden fast täglich Menschen wegen ihrer Religion oder Hautfarbe angegriffen, aber wir führen Diskussionen über die Gewalttätigkeit „der Antifa“.

Ich habe das Gefühl, am Rand eines Abgrunds zu stehen. Ein Abgrund, in den man nicht hineinsehen muss, um seinen gierigen Blick zu spüren.

Es ist die Entwicklung, die ich bereits vor Jahren in Steppenbrand skizziert habe. Es ist der gleiche fürchterliche Verlauf, der sich hier abzeichnet. Wobei ich Steppenbrand natürlich nicht als Allegorie auf die USA geschrieben habe. Mir ging es darum, die Korrumption eines Anführers und den daraus resultierenden Niedergang einer Gesellschaft nachzuzeichnen.

Nun sind die Khon denkbar ungeeignet, die in sich tief gespaltene amerikanische Gesellschaft zu repräsentieren und ganz gewiss ist Dejasir no Sonak kein Trump. Im Gegensatz zu Trump ist Dejasir nicht sexuell übergriffig, kein Lügner und kein Rassist. Dejasir ist ein Scheusal, aber er strebt zumindest am Anfang noch danach, Gutes zu bewirken.
Eines habe beim Schreiben nämlich nicht bedacht: Dass es Menschen gibt, einem Scheusal folgen, weil es sie befriedigt, zuzusehen, wie anderen Schaden zugefügt wird. Vielleicht war ich einfach zu naiv. Vielleicht hänge ich aber auch an der Hoffnung, dass sich am langen Ende die Mitfühlenden durchsetzen; diejenigen, die einander helfen, die zusammenstehen und kooperieren, statt auf Kampf und Konkurrenz zu setzen.

In jedem Fall wünsche ich den Amerikanern ein leichteres Schicksal als den Khon.

Thoughts and prayers!