Nicht nur die Hälfte des Himmels

Heute ist Weltfrauentag* und ich bin müde. Müde deshalb, weil ich das Gefühl habe, seit 30 Jahren die gleichen Diskussionen zu führen. Mit alten Männern, mit jungen Männern, mit meinen Söhnen und mit anderen Frauen. „Ihr könnt wählen, ihr könnt studieren, arbeiten … Was willst du denn noch?“

Ja, was will ich noch? War es nicht mein eigener Entschluss, Kinder in die Welt zu setzen und Erziehungszeit zu nehmen, statt einer Erwerbsarbeit nachzugehen? Bin ich da nicht auch selber Schuld, dass ich, anders als meine männlichen Kolleginnen keine Karriere gemacht und weniger in die Rentenkasse gezahlt habe? Sie (also meine männlichen Kolleginnen) haben das doch auch wunderbar geschafft: Sie sind Papa und trotzdem erfolgreich.
Wir Frauen sollen uns mal nicht so haben!

Wir sollen uns auch nicht so haben, wenn es um die Kunst geht. Kunst ist männlich, das weiß doch jeder. Das Genie braucht einen Penis. Genauso weiß jeder, dass dieser Penis auch benutzt werden muss, sonst fault er ab oder das Genie welkt und boys can’t be boys, also Himmel noch eins sollen Frauen sich erst recht nicht so haben, sonst wissen Männer bald nicht mehr, wie sie Komplimente machen sollen.
Aber ich schweife ab oder werde ungerecht, denn schließlich können Frauen heute doch wirklich alles werden, sogar Literaturnobelpreisträgerin. Dass sie so selten ausgezeichnet werden, liegt einfach nur daran, dass sie sich nicht genug anstrengen.
Wir Frauen sollen uns mal nicht so anstellen. Wenn wir gute Literatur schreiben würden, bekämen wir auch die entsprechenden Preise.

Wer wirklich diskriminiert wird, ist der (mittel)alte weiße Mann, über den sollten wir sprechen! Ganze Literaturgenres, wie Liebesroman und Kinder- und Jugendbuch sind fest in Frauenhand! Frauen übernehmen sogar den Krimi! Und trotzdem geben Frauen keine Ruhe, sondern nörgeln selbst noch bei Sparten wie Sachbuch oder Hochliteratur, dass da zu 70% Männer verlegt werden.
Dabei wusste schon Marcel Reich-Ranicki, dass Frauen keine Literatur, sondern allenfalls Lyrik schreiben können. Ihnen fehlt die Objektivität, der Blick auf das Große, das Ganze, die Welthaltigkeit – und wenn sie es doch haben, dann übertreiben sie in die andere Richtung, dann sind sie zu kalt, zu analytisch und so gar nicht feminin.
Um also ihre Weiblichkeit nicht zu gefährden, sollten Frauen sich an Lyrik und Liebesromane halten. Gedöns eben, das echte Männer nicht interessiert, weil da auch kaum noch Männer auftauchen.

Ja genau. Auch das ist ein Grund, warum wir Frauen uns bitte nicht so anstellen sollen. In der Unterhaltungsliteratur wimmelt es doch nur so von Heldinnen, während man Männer mit der Lupe suchen muss! Gut, J. R. R. Martin ist jetzt vielleicht nicht das beste Beispiel für diese These, aber immerhin gibt es in Game of Thrones mehr Frauenrollen als im Herrn der Ringe. Das muss man auch mal anerkennen!
Auch dass die vielen Heldinnen sich vor allem dadurch auszeichnen, nicht zu sein, wie andere Frauen, dass sie sich ungern schminken (aber selbstverständlich trotzdem hinreißend aussehen), schlecht kochen, Haushalt und Handarbeiten hassen und statt dessen lieber reiten, jagen oder Schwerter schwingen wollen – das hat selbstverständlich nichts mit Misogynie zu tun. Wirklich nicht! Dass es viel aufregender, heldenhafter und erzählenswerter ist, durch Matsch zu robben und anderen den Kopf abzuschlagen oder wegzupusten als sich um Kochen, Kinder, Handarbeiten oder Haushalt zu kümmern, ist für jeden klar denkenden Menschen unmittelbar einsichtig.
Deshalb gibt es eben auch keine Erzählungen von männlichen Heldinnen, die die kampflustige Liebste in den Krieg schicken, während sie selber zuhause bleiben, um sich um die Kinder kümmern. Wenn Frauen freiwillig solche Aufgaben übernehmen, sollen sie sich anschließend auch nicht beschweren!

Trotzdem sind es nun mal Frauen, die Kinder kriegen und deshalb sollen sie sich erst recht nicht beschweren, dass die damit verbundenen Aufgaben nun mal an ihnen klebenbleiben. Das ist Biologie. Damit müssen sie zurechtkommen.
Wenn es ihnen nicht passt, dann sollen sie eben keine Kinder kriegen (obwohl es natürlich ihre biologisch und gottgewollte Aufgabe ist, welche zu bekommen!), statt von Equal Care, Equal Pay oder Quoten zu fantasieren! Eine Frau, die sich benimmt, wie ein Mann kann heute alles erreichen. Also – was wollen die Weiber denn noch?

Ich bin so müde.


*Aus diesem

Aus Anlass des Weltfrauentags ist der Artikel im generischen Femininum verfasst. Männer sind selbstverständlich mitgemeint.


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