[Selfpublishing] Was zur Hölle ist authentisches Marketing?

Wer selber Bücher veröffentlichen will, kommt um’s Thema Marketing nicht herum. So schön die Idee ist, nur für das Schreiben zu leben, so weltfremd ist die Vorstellung, dann auch vom Schreiben leben zu können. Laut Statistika sind 2018 allein in den Warengruppen „erzählende Literatur“, „Spannung“ und „Science Fiction, Fantasy“ rund 18.000 neue Bücher auf den Markt gekommen. Achtzehntausend. Neu. Also zusätzlich zu denen, die schon da sind. Dass ausgerechnet das eigene Buch sozusagen von allein entdeckt wird und zum Bestseller aufsteigt, ist schon wegen der schieren Masse unwahrscheinlich. Deshalb ist es unumgänglich, Werbung zu machen, damit das Buch überhaupt eine Chance hat, wahrgenommen zu werden.

Und selbstverständlich muss man das selber machen. Auch insofern ist Selfpublishing nur ein Synonym für „niemand nimmt es dir ab“.

Also bist du gezwungen, dich auch mit Marketingmethoden zu beschäftigen. Mit das Erste, was du dann zu hören bekommst, ist, dass das Marketing authentisch sein müsse. Marketing sei mehr als „Kauf mich!“ Marketing setze auf Persönlichkeit.

Aha!

Das klingt jetzt erst mal gut. Oder tat es für mich zumindest, bis ich angefangen habe, mir Gedanken zu machen, was zur Hölle meine Persönlichkeit eigentlich ist und was das mit meinen Büchern zu tun hat. Schließlich will ich meine Bücher verkaufen, nicht mich als Escort andienen oder so.
Klar, als Autor*in steht dein Name für irgendwas. Sei es für bluttriefenden Horror oder zuckersüße Liebesgeschichten – irgendwann verbindet sich der Name mit einer Leseerwartung. Der Name wird zur Marke, wie es immer so schön heißt. Das ist nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil: Es steigert die Chance gefunden und gelesen zu werden.

Nur ist mir immer noch nicht klar, was das mit meiner Persönlichkeit zu tun haben soll und wo da die Authentizität reinspielt. Klar ist: Ich bin Autorin. Ich schreibe Fantasy. Aber wenn ich mich für Fotos als Kräuterhexe oder Elfenkriegerin zurechtmachen oder in Interviews erzählen würde, dass ich von Drachen träume und an Luftgeister glaube, wäre das hochgradig unauthentisch. Das bin nicht ich. Ich trage weder Rüstung noch wallende Gewänder, sondern Jeans und T-Shirt. Wenn ich mich mit Dämonen, Vampiren und Werwölfen unterhalte, dann nur in meinem Kopf. Ich sehe keine Geister (und glaube auch nicht daran). Ich erzähle phantastische Geschichten, aber wer, wenn nicht ich wüsste am Besten, dass sie allein meinem Hirn entsprungen sind?
Und natürlich ist die Fantasy-Autorin nur eine der Facetten, die mich als Person ausmachen. Es gibt noch ganz viele andere, aber haben die etwas mit meinen Büchern zu tun? Höchstens insoweit, als sie eine bestimmte innere Haltung formen, die dann auch in meinen Geschichten zum Tragen kommt. Nur lässt sich auch diese Haltung nicht benennen, ohne auf unsäglich platte Schlagworte zurückzugreifen. Schlagworte sind nun aber wieder das Letzte, was ich meinen Büchern zumuten möchte. Meine Geschichten sind schließlich alles andere als platt und plakativ (das ist jedenfalls mein eigener Anspruch).

Tja, und da stehe ich nun und wahrscheinlich ist das authentischste, was ich sagen kann, dass ich bin, was ich bin und meine Geschichten für sich allein sprechen müssen.

Aber wie zur Hölle lässt sich das im Marketing nutzen?

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2 Kommentare zu „[Selfpublishing] Was zur Hölle ist authentisches Marketing?

  1. Da sprichst du ein schwieriges Thema an.
    Gerade in meinem Genre stelle ich mir diese Frage sehr oft. Ich bin aber weitaus mehr als eine Frau, die Erotik mag (was ja hoffentlich auf viele Menschen zutrifft und mich deshalb nicht von ihnen abhebt). Ich will nicht als Sexarbeiterin angesehen werden, denn das bin ich nicht. Ich bin Familienmensch, lebe ein sehr normales Leben, habe Hobbys und Abneigungen und Vorlieben wie andere auch. Daraus eine Marketing-Persönlichkeit zu fabrizieren, ist mir sicher nicht gelungen.
    Letztlich wollen die Leser aber eher eine authentische Frau erleben, mit all den Problemen, die sie auch kennen, aber eben eine, die mehr Fantasie hat als die Durchschnittsfrau, und die Fähigkeit, diese Fantasien zu Papier zu bringen.
    Deshalb habe ich aufgehört, mich anders zu präsentieren, als ich bin. Deshalb poste ich Bilder von Katzen und Essen und Orten, und eben zwischendurch etwas, das speziell mit meinem Genre zu tun hat. Authenzität ist vielleicht wichtiger als Marketing und auch eine Art von Marke.
    Hoffe ich 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar, Margaux.
      Zu einem ähnlichen Schluss bin ich auch gekommen. Mein Blog wird sich weiter ausschließlich um Schreiben, Selfpublishing und meine Bücher drehen, aber auf Twitter zeige ich z. B. deutlich mehr Facetten. Da gibt es zwar auch die Buchbubble, aber daneben tweete ich auch über Politik, Hunde, Handarbeiten und was mir sonst in den Sinn kommt. Gutes Marketing sieht vermutlich anders aus, aber ich hoffe eben auch darauf, dass die Leute, die mich so kennenlernen, irgendwann neugierig auf meine Bücher werden.

      Gefällt 1 Person

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