[Fundstück] Libri schmeißt Kleinverlagsbücher aus dem Katalog

Libri verkleinere sein Sortiment, war vor kurzem in der Fachpresse zu lesen. Klingt unspektakulär? Ist es aber nicht. Warum diese Entscheidung das Sterben der kleinen Buchhandlungen fördert und Amazon hilft, hat Stephan Holzhauer von PhantaNews in diesem Artikel auf den Punkt gebracht.

Ich schätze, das Problem wird nicht nur Kleinverlage treffen, sondern auch alle Autor*innen im Selfpublishing, die nicht über BoD laufen.

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Quelle: DasWortgewand via pixabay

[ausgelesen] Magie hinter den sieben Bergen: Winter (Sammelausgabe 1) von Diandra Linnemann

Don’t judge a book by its cover

Zum Glück bin ich über die Leseprobe zu dem Buch gekommen, sonst wäre mir etwas entgangen.

 

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Bildquelle: Autorenseite von Diandra Linnemann auf amazon

Magie hinter den sieben Bergen gehört zu den Büchern, die ich allein aufgrund der Cover-Titel-Kombination ins Regal zurückgestellt hätte. Der Titel klingt nach Märchen und das Titelbild weckt in mir den Eindruck, dass auch hier mal wieder eine irgendwie begabte, halbwüchsige Heldin ihrer großen Liebe begegnen wird – vorzugsweise in Form eines verkannten Bad Boys.
Der Klappentext hat diesen ersten Eindruck noch verstärkt.

 

MAGIC CONSULTANT AND SOLUTIONS.
Das steht auf der Visitenkarte von Helena Weide, ihres Zeichens staatlich geprüfte Hexe. Eigentlich will sie nur in Ruhe das Ahnenfest feiern, aber der Bonner Bürgermeister hat einen gefährlichen Auftrag für sie – und auch direkt die passende Unterstützung.
So tritt der ehemalige Straßenkämpfer Falk in ihr Leben, der seine Zeit als Zombiepfleger im Wandelnden Friedhof abgesessen hat. Ein nützlicher Geselle – groß, gutaussehend, schweigsam. Tut fast immer, was man ihm sagt.
Im Gegensatz zu Helenas katholischer Sekretärin Maria. Die sitzt zwar im Rollstuhl, lässt sich aber weder von verschlossenen Türen noch von Konventionen davon abhalten, zu tun, was sie will.
Diese drei setzen sich in den ersten Geschichten dieser Reihe gegen Zombies und Hexen zur Wehr, begegnen alten Göttern und vermitteln in einem Liebesdrama, welches eine tragische Wende nimmt. Gemeinsam überstehen sie den Winter – nicht ahnend, was dieses magische Jahr noch alles für sie bereithält.

Hard boiled urban Fantasy statt Young Adult

Nur lag ich mit diesem ersten Eindruck vollkommen falsch. Magie hinter den sieben Bergen ist nämlich alles andere als eine mit Magie aufgepeppte Teenie-Romanze, sondern eher hard boiled Krimi. Nur eben Fantasy. Urban Fantasy, um genau zu sein.

Allerdings begnügt sich die Autorin nicht damit, einfach ein bisschen Magie in unsere Welt zu streuen und gelegentlich einen Dämon, Vampir oder ein sonstiges magisches Wesen auf die ansonsten völlig magiefreie Menschheit loszulassen. Bei Eleonore Laubenstein existiert Magie als Fakt. Genauer gesagt als eine Technik, die sich vermitteln lässt und wie Biologie oder Mathematik an der Universität gelehrt wird. Zaubermeister und Hexen sind daher nichts völlig ungewöhnliches. Es gibt sie in allen möglichen Spielarten – sogar die Satanisten haben eine eigene, anerkannte Kirche.
Genauso selbstverständlich sind die anderen mehr oder weniger magischen Geschöpfe, wie Zwerge, Gnome, Faeries und Reptiloide. Die meisten von ihnen leben mehr oder weniger gut in die Gesellschaft integriert. Aber manchmal gibt es eben doch Probleme. Und manche davon werden zum Fall für Helena Weide, eine lizensierte und als Freelancerin arbeitende Hexe.

Der Sammelband ist Auftakt einer vierteiligen Reihe und enthält drei von Helenas Fällen: Allerseelenkinder, Spiegelsee und Hexenhaut, die alle auch als Einzelbände veröffentlicht sind. Auf den Inhalt der einzelnen Bücher will ich hier nicht weiter eingehen, weil die Rezension dann zu lang werden würde. Nur so viel sei gesagt: Keiner davon entspricht auch nur im leisesten den Genrekonventionen von Young Adult und wenn man Parallelen zu Märchen ziehen will, dann gehen die zu den blutigen der Brüder Grimm und nicht zu deren Adaptionen durch Disney. Für schwache Nerven sind die Geschichten nichts, denn unter der netten, manchmal betulich wirkenden Oberfläche spielen sich grausame Dinge ab.
Helena Weides Ermittlungen führen zu gruselige Begegnungen und enden oft blutig. Auch für sie selber, denn die Protagonistin ist keine Superhexe, die immer den richtigen Zauberspruch parat hat. Sie muss, genau wie die hard boiled private eyes Prügel einstecken, um zum Ziel zu kommen.
Sprachlich kommen die Bücher allerdings deutlich weniger zynisch daher, als die Gegenstücke im Krimi. Das an der größeren Distanz kann es nicht liegen, denn Diandra Linnemann lässt ihre Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählen, statt in der Fantasy sonst üblichen 3. Person. Dennoch wirken ihre Geschichten trotz der geschilderten Gräuel und obwohl ihre Protagonistin nicht mit spitzen Bemerkungen spart, leichter und gefälliger als beispielsweise die von Hammett oder Paretsky.

Was die Geschichten für mich lesenswert machte, war aber noch ein dritter Aspekt, der in Romanen viel zu selten auftaucht: Ein glaubhafter Mutter-Tochter-Konflikt. Anders als in der „Standartfantasy“ ist die Mutter charakterlich gut gezeichnet und sie verfolgt nicht das Ziel, ihre Tochter an irgendwen zu verheiraten. Ganz im Gegenteil: Aradia Weide ist selbst eine erfolgreiche Hexe, Leiterin eines Zirkels und überaus ehrgeizig. Das Problem besteht darin, dass ihre Pläne auch Helena einbeziehen, die sich jedoch nicht vereinnahmen lassen will.

Schmankerl am Schluss

Ein Bonus sind die Nachworte, in denen Diandra Linnemann, die selber auch Hexe ist, mehr über den Hexenkalender, Feste, Rituale und anderes verrät, was im jeweiligen Band eine Rolle spielt.

Fazit

Tolles Wordbuilding, glaubhafter Mutter-Tochter-Konflikt, taffe Protagonistin. Alles in allem gute Unterhaltung für Menschen, die gerne Urban Fantasy auch der dunkleren Art lesen.


Diandra Linnemann, Magie hinter den sieben Bergen: Winter (Sammelausgabe 1)
Books on Demand, E-Book und Print
ISBN: 3748107919
EAN: 9783748107910
ASIN: B07JNJDZF4

[Selfpublishing] Was zur Hölle ist authentisches Marketing?

Wer selber Bücher veröffentlichen will, kommt um’s Thema Marketing nicht herum. So schön die Idee ist, nur für das Schreiben zu leben, so weltfremd ist die Vorstellung, dann auch vom Schreiben leben zu können. Laut Statistika sind 2018 allein in den Warengruppen „erzählende Literatur“, „Spannung“ und „Science Fiction, Fantasy“ rund 18.000 neue Bücher auf den Markt gekommen. Achtzehntausend. Neu. Also zusätzlich zu denen, die schon da sind. Dass ausgerechnet das eigene Buch sozusagen von allein entdeckt wird und zum Bestseller aufsteigt, ist schon wegen der schieren Masse unwahrscheinlich. Deshalb ist es unumgänglich, Werbung zu machen, damit das Buch überhaupt eine Chance hat, wahrgenommen zu werden.

Und selbstverständlich muss man das selber machen. Auch insofern ist Selfpublishing nur ein Synonym für „niemand nimmt es dir ab“.

Also bist du gezwungen, dich auch mit Marketingmethoden zu beschäftigen. Mit das Erste, was du dann zu hören bekommst, ist, dass das Marketing authentisch sein müsse. Marketing sei mehr als „Kauf mich!“ Marketing setze auf Persönlichkeit.

Aha!

Das klingt jetzt erst mal gut. Oder tat es für mich zumindest, bis ich angefangen habe, mir Gedanken zu machen, was zur Hölle meine Persönlichkeit eigentlich ist und was das mit meinen Büchern zu tun hat. Schließlich will ich meine Bücher verkaufen, nicht mich als Escort andienen oder so.
Klar, als Autor*in steht dein Name für irgendwas. Sei es für bluttriefenden Horror oder zuckersüße Liebesgeschichten – irgendwann verbindet sich der Name mit einer Leseerwartung. Der Name wird zur Marke, wie es immer so schön heißt. Das ist nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil: Es steigert die Chance gefunden und gelesen zu werden.

Nur ist mir immer noch nicht klar, was das mit meiner Persönlichkeit zu tun haben soll und wo da die Authentizität reinspielt. Klar ist: Ich bin Autorin. Ich schreibe Fantasy. Aber wenn ich mich für Fotos als Kräuterhexe oder Elfenkriegerin zurechtmachen oder in Interviews erzählen würde, dass ich von Drachen träume und an Luftgeister glaube, wäre das hochgradig unauthentisch. Das bin nicht ich. Ich trage weder Rüstung noch wallende Gewänder, sondern Jeans und T-Shirt. Wenn ich mich mit Dämonen, Vampiren und Werwölfen unterhalte, dann nur in meinem Kopf. Ich sehe keine Geister (und glaube auch nicht daran). Ich erzähle phantastische Geschichten, aber wer, wenn nicht ich wüsste am Besten, dass sie allein meinem Hirn entsprungen sind?
Und natürlich ist die Fantasy-Autorin nur eine der Facetten, die mich als Person ausmachen. Es gibt noch ganz viele andere, aber haben die etwas mit meinen Büchern zu tun? Höchstens insoweit, als sie eine bestimmte innere Haltung formen, die dann auch in meinen Geschichten zum Tragen kommt. Nur lässt sich auch diese Haltung nicht benennen, ohne auf unsäglich platte Schlagworte zurückzugreifen. Schlagworte sind nun aber wieder das Letzte, was ich meinen Büchern zumuten möchte. Meine Geschichten sind schließlich alles andere als platt und plakativ (das ist jedenfalls mein eigener Anspruch).

Tja, und da stehe ich nun und wahrscheinlich ist das authentischste, was ich sagen kann, dass ich bin, was ich bin und meine Geschichten für sich allein sprechen müssen.

Aber wie zur Hölle lässt sich das im Marketing nutzen?

Die Schöne (ein Drabble)

Wie eine Königin betritt sie den Raum. Wer würde sie auch nicht bewundern? Den schlanken Leib, die langen Beine, ihr seidig-schwarzes Haar.

Ohne mich eines Blicks zu würdigen, nimmt sie neben mir Platz auf dem Sofa. Ruhig sitzt sie da, aufrecht, anmutig. Kühle Majestät jeder Zentimeter ihres Körpers.

Dann plötzlich eine geschmeidige Bewegung. Sie rollt sich auf den Polstern zusammen, lehnt den Kopf an das Kissen. Ihr Blick fängt meinen; ihre Lider senken sich lasziv über die Smaragdaugen. Eine Einladung? Vorsichtig strecke ich die Hand nach ihr aus, jederzeit auf schmerzhafte Zurückweisung gefasst. Doch sie duldet mein Streicheln – und schnurrt.

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay
Bild: PublicDomainPictures via Pixabay

Mein Pseudonym wird amtlich

28768659_964298187058547_1701217180_oIch habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Nike Leonhard nicht mein „richtiger“ Name ist. Warum ich ein Pseudonym benutze, habe ich hier schon mal beschrieben. Daneben gibt es noch diverse andere Gründe, für das Schreiben unter Pseudonym. Allerdings stand der Name Nike Leonhard bisher nur auf meinen Büchern. Um Verträge abzuschließen, musste ich weiterhin meinen „Realnamen“ verwenden, was teilweise für Irritationen gesorgt hat.

Das habe ich jetzt geändert. In drei Wochen bekomme ich einen neuen Personalausweis, in dem Nike Leonhard ganz offiziell als Pseudonym vermerkt sein wird.

Das Ganze war weitaus unkomplizierter als befürchtet.

Ich hatte vorher beim Bürgertelefon nachgefragt, bekam aber nur die sehr allgemein gehaltene Auskunft, ich müsse zum Meldeamt gehen und mein Anliegen vortragen. Nicht sehr hilfreich. Hilfreicher war der Tipp, morgens hinzugehen, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
Also habe ich mir einen Termin gesucht, an dem das Meldeamt früh öffnet und mir bis dahin Gedanken gemacht, was ich denen erzählen und welche Beweise für meine schriftstellerische Tätigkeit ich vorlegen könnte. Schließlich habe ich mich entschieden, nur Visitenkarten sowie die Printausgaben von Steppenbrand und Biss zum letzten Akt mitzunehmen und ansonsten auf die Einträge bei Google zu verweisen.

Trotzdem war ich beim Aufbruch ziemlich nervös. Was, wenn das nicht reicht? Oder der Nachweis verlangt wird, dass tatsächlich ich besagte Nike Leonhard bin und mich nicht nur für sie ausgebe? Dann fiel mir das Interview wieder ein, das im Rahmen von Literatur unter Strom entstand und bei ver.di verlinkt ist. Da ist auch ein Foto dabei. Also war ich erstmal beruhigt, bis mein Hirn das nächste Horrorszenario ausbrütete. Und so weiter.
Worauf ich nicht gefasst war, war der Mensch an der Information, der mir erklärte: „Da sind Sie hier falsch. Da müssen Sie zum Standesamt.“
Auf meinen Einwand, man habe mir aber gesagt, für Pseudonyme sei das Meldeamt zuständig, kam dann: „Ne, da haben die wohl was verwechselt. Wir können nur zusätzlich einen Künstlernamen eintragen.“
Ok, damit war das auch geklärt.

Zwanzig Minuten später saß ich vor einer Sachbearbeiterin, legte meine Bücher auf den Tisch und sagte, dass ich noch mehr geschrieben, das aber ausschließlich als E-Books veröffentlicht hätte.
„Ach, dann findet man Sie sicher auch bei Amazon?“
„Ja, und bei jeder anderen Online-Buchhandlung auch.“
„Super. Der Künstlername unterscheidet sich ja auch ausreichend von ihrem richtigen Namen. Haben Sie Fotos für den neuen Ausweis dabei?“
Hatte ich nicht. Damit, dass es so schnell und reibungslos gehen würde, hatte ich nämlich nicht gerechnet. War aber auch kein Problem, weil das Meldeamt einen Apparat für garantiert ausweistaugliche Fotos hat.

Eine Viertelstunde später waren wir mit allen Formalien durch. Ich habe 33,- € (inkl. Fotos) gezahlt und das war’s. Jetzt bin ich auch ganz offiziell Nike Leonhard. Nur meine Unterschrift sollte ich mal wieder üben.