Warum ausgerechnet Fantastik?

Warum mich diese Frage gerade wieder beschäftigt? Vor ein paar Tagen hatte ich folgendes Gespräch:

„Woran schreibst du gerade?“
„Eine Geschichte über Werwölfe im Wilden Westen.“
Kurze Pause, dann: „Gab es das denn?“

Den Teil kennst du vielleicht schon von Twitter. Aber es ging natürlich weiter, auch wenn mir keine besonders schlagfertige Antwort eingefallen ist. Ich habe lediglich gesagt, dass ich persönlich nicht an die Existenz von Werwölfen glaube und deshalb davon ausgehe, dass es auch im Wilden Westen keine gegeben haben wird.
Darauf kam die Antwort:

„Ach, wieder so ein Fantasy-Kram.“

Mit dem deutlichen Unterton: „Kannst du denn nicht mal was RICHTIGES schreiben.“

Um es ganz klar zu sagen: Natürlich kann ich über die reale Welt und die Spannungen darin schreiben. Es gibt schließlich genug davon. Aber warum sollte ich?
Über die reale Welt zu schreiben, bedeutet auch, sich selber auf genau diese eine Realität zu beschränken. In gewisser Weise bedeutet es auch, sein Denken auf das zu hier und jetzt zu beschränken. Und genau das will ich nicht. Für mich ist die Fantastik ein Experimentierfeld. Wenn man fantastische Elemente in die Realität integriert oder neue Welten baut, werden andere Gesellschaftsmodelle denkbar. Es ist möglich, sich von einem anthropozentrischen Weltbild zu lösen, ohne dass das Ergebnis weird wirkt. Fantastik beschränkt sich eben nicht darauf, bestehende Denkmuster durch Drachen, Magie oder Raumschiffe aufzupeppen oder Klischees in Endlosschleife zu wiederholen. Natürlich gibt es das alles. Aber wer wollte bestreiten, dass es das in der „normalen“ Belletristik auch gibt?

Eigentlich müsste die Frage in der Überschrift daher andersrum gestellt werden: Warum sollte man sich beschränken? Warum etwas anderes schreiben, als Fantasy?

Ausgaben 1,2,3,4

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9 Kommentare zu „Warum ausgerechnet Fantastik?

  1. Ich habe den Artikel gelesen und dabei deine Stimme im Ohr gehabt :D.

    Aber abgesehen davon: Du hast Recht. Ich habe übrigens eine KG mit Vampiren im Wilden Westen geschrieben. Wer daraus schließt, dass ich glaube, es hätte da welche gegeben, ist … öhm … seltsam 😀

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  2. Was bin ich froh, dass noch (!?) jeder schreiben kann, was und wie er möchte. Und jede natürlich auch. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass die Menschen, die sich in der hier genannten Art über das herablassen, was du so schreibst, diejenigen sind, die am wenigsten begriffen haben, wie Literatur funktioniert. Aber Hauptsache, mal schnell eine Meinung hingerotzt. Schlimm nur, dass das bei manchen auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Bei dir ja zum Glück nicht! 🙂

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    1. Bildungsbürger halt … ^^
      Menschen, die sehr genaue Vorstellungen davon haben, wie ein „gutes Buch“ zu sein hat und alles andere ablehnen. Solche Menschen wissen, dass Faust gut ist (immerhin ein Klassiker der deutschen Literatur!) und Good Omens schlecht (alberne Geschichte über einen Engel, einen Unterteufel und den Weltuntergang, also wirklich!) – auch ohne eins von beidem je gelesen zu haben.
      Ich bin in solchen Momenten immer ein kleines bisschen sprachlos über so viel Gewissheit. Aber auf fruchtbaren Boden … Bestimmt nicht. Und deshalb blogge ich immer mal wieder darüber.
      Abgesehen davon finde ich, dass etwas mehr Fantastik uns allen gut täte.

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      1. „Bildungsbürger“ hat es gerade geschafft, in den Status eines Schimpfwortes erhoben zu werden 😉 .

        Fantastik ist in der Tat etwas, das uns gut täte. Es müssen ja nicht gleich Engel, Dämonen, Hexen und Vampire sein. Einfach ein wenig Magie ins eigene Leben lassen, das kann schon ausreichen 🙂 .

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