#WirSchreibenDemokratie – Und ich schreibe mit

Eigentlich sollte das hier eine politikfreie Zone werden,

schrieb ich vor etwa anderthalb Jahren als Reaktion auf das Erstarken der AfD,

ein Wolkenschloss mit Elfenbeintürmchen sozusagen, abgeschieden von der realen Welt. Genau wie meine Geschichten. Ich verstehe mich nicht als politische Schriftstellerin.

Inzwischen hatte ich Zeit diese Position zu überdenken. Ich verstehe mich nach wie vor nicht als politische Schriftstellerin. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass ich irgendwen zu irgendetwas bekehren will. Meine Geschichten sollen in erster Linie unterhalten. Aber natürlich habe ich eine Meinung und eine Haltung. Beides prägt die Figuren, die ich erschaffe und die Geschichten, die ich erzähle. Ich glaube nicht, dass ich z. B. einen klassischen James Bond schreiben könnte, einfach, weil ich dieses Klischee des männlichen Mannes (ja, die Doppelung ist beabsichtigt) albern und ein bisschen ekelhaft finde.

Diese Haltung prägt natürlich auch die Beiträge im Blog, die sehr viel politischer sind als ursprünglich geplant. Spätestens, seit ich angefangen habe, auch über Sprache zu schreiben und Tipps zur Figurenentwicklung zu geben, ist das Politische sozusagen durch die Hintertür hereingekommen.
Das gestrige Wahlergebnis hat mich bewogen, nun auch die Vordertür zu öffnen, denn das, was da gestern in den Bundestag eingezogen ist, hat mit Demokratie nichts am Hut. Bei Ankündigungen, wie, man werde sich „sein Volk zurückholen“, möchte ich schreien. Ich bin nicht das Volk von irgendwem. Ich bin kein Eigentum, kein Besitz und ganz bestimmt lasse ich mich von niemandem einfach holen! Schon gar nicht von einem alten Mann mit Hundekrawatten. Das ist nicht mein Kandidat und das Land, von dem er träumt ist und war nie meine Heimat.

Mein Deutschland ist ein reiches, fruchtbares Land, wobei ich „reich“ und „fruchtbar“ nicht nur im materiellen Sinne verstehe. Mein Deutschland ist ein Land, dessen Bewohner so selbstbewusst sind, dass sie anderen offen gegenüber treten können. Ein Land, in dem Kultur sich nicht als etwas gegebenes, abgeschlossenes verstanden wird, weil sie schon immer von anderen Kulturen befruchtet wurde und weil man es versteht, von anderen zu lernen. Mein Deutschland ist das Land, in dem jeder in den Grenzen der Gesetze nach seiner Façon selig werden kann und in dem Freiheit ganz selbstverständlich auch die Freiheit des anders Denkenden bedeutet.
Das ist vielleicht eine Utopie. Aber eine, für die es sich zu leben und zu streiten lohnt.

Auch das ist ein Zitat aus dem Artikel von vor anderthalb Jahren und in diesem Punkt hat sich meine Meinung kein bisschen geändert. Deshalb schließe ich mich dem vom Nornennetz aufgebrachten Hashtag #WirSchreibenDemokratie an und deshalb wird es hier von jetzt an auch offen politische Artikel geben. Wer das nicht erträgt, braucht hier ja nicht mitzulesen. Noch ist es ein freies Land und wenn ich mit meiner Stimme, mit meinen Worten oder mit meinen Taten irgendetwas dazu beitragen kann, wird es das auch bleiben!

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4 Kommentare zu „#WirSchreibenDemokratie – Und ich schreibe mit

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