Das generische Maskulinum – eine Illusion?

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel zur gegenderten Sprache verfasst. Genauer gesagt: Ich habe darüber geschrieben, warum es nicht schlimm ist, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen, sondern vielleicht sogar gut.

Jetzt bin ich bei SciLogs auf den Artikel eines Sprachwissenschaftlers über das generische Maskulinum gestoßen, der zu dem überraschenden Ergebnis kommt, dass es das nicht gibt: Frauen natürlich ausgenommen.
Anders, als oft behauptet, sind Frauen eben nicht ausdrücklich mitgemeint, wenn eine männliche Form gewählt wird.

Es lohnt sich, den Artikel und die Kommentare bis zum Ende lesen.

5 Kommentare zu „Das generische Maskulinum – eine Illusion?

  1. Hallo Nike,
    immer wieder eine sehr schwierige Diskussion. Ich finde es auch „fairer“, wenn Frauen durch Binnen-I oder Doppelnennung miterwähnt werden. Im tatsächlicme Sprachgebrauch findet sich so etwas jedoch nicht. Wenn ich von Lehrern rede oder höre, denke ich trotz der maskulinen Form in erster Linie an eine Gruppe Frauen (plus ein paar einzelne Männer). Ich glaube nicht, dass Gleichberechtigung eine Frage unserer Sprache ist. Aber das wird wohl noch lange eine Diskussion bleiben…
    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Alex und Nike,
      Gleichberechtigung wird durch die Sprache alleine leider wirklich nicht erreicht. Dennoch ist Sprache das einzige Symbolsystem, das wir als Menschen zu Verfügung haben. Jeder Gedanke ist in Form von Sprache artikuliert und ohne Sprache wären keine Erklärungsmodelle möglich. Deswegen ist Sprache für jedes Denken, hier für das Konzept gender, ziemlich relevant. Allein die Tatsache, dass die deutsche Sprache ein generisches Maskulinum besitzt, zeigt eine historische tradierte männliche Dominanz in der Sprache an. Wie bei allen unsichtbaren Regeln kann man sie dann sichtbar machen, wenn man ihr entgegengesetzt handelt. Die ganze aufgeheizte Debatte über gendern in der Sprache zeigt deutlich was da für ein Sprengstoff drin ist und welches Machtpotenzial mit Sprache einhergeht.
      Es macht z.B. einen Unterschied „Bürgermeisterin“ oder „Frau Bürgermeister“ zu sagen. Würde es keinen Unterschied machen, könnte man das Gedankenspiel umderehen. So könnten wir einen männlichen Bürgermeister problemlos „Herr Bürgermeisterin“ nennen. An dieser Stelle würden sich dann aber schon einige Menschen aufreiben und das nicht unbedingt aus grammatikalischen Gründen.
      Sprache ist das mächtigste Werkzeug das die Menschheit besitzt, da in letzter Instanz alles von ihr abhängt und Sinn nur durch Sprache erfahrbar wird. Daher sollte man Sprache nie unterschätzen.
      Liebe Grüße, Flüsterer

      Gefällt 2 Personen

      1. Hallo Flüstergras und danke für deinen Kommentar.
        Ja, Sprache ist ein sehr mächtiges Werkzeug, man sollte sie nie unterschätzen – und entsprechend sorgfältig damit umgehen. Da bin ich ganz deiner Meinung.
        Liebe Grüße
        Nike

        Liken

      2. Hallo Flüsterer,
        grundsätzlich gebe ich dir vollkommen recht in dem, was du hier beschreibst. Nur sehe ich das Problem, dass du den Begriff „generisches Maskulinum“ nicht richtig verwendest. Das generische Maskulinum wird verwendet, wenn das Geschlecht unbekannt ist, keine Rolle spielt oder sowohl Männer als auch Frauen gemeint sind (im Plural). Bei deinem Beispiel „Frau Bürgermeister“ wissen wir, welches Geschlecht die Person hat – weshalb diese Formulierung auch falsch klingt und niemand allen ernstes das so sagen oder schreiben würde. Es heißt in diesem Fall ganz klar „Frau Bürgermeisterin“. Die Frage, die sich beim generischen Maskulinum stellt ist doch, ob sich bei „die Lehrer“ oder „die Schüler“ auch die weiblichen Personen angesprochen fühlen. Wenn ich dies höre, denke ich durchaus an eine gemischte Gruppe von Männern/Frauen bzw. Mädchen/Jungen. Auch habe ich bei Ansprachen wie „Liebe Schüler“ nie das Gefühl gehabt, damit nicht gemeint gewesen zu sein. Erscheint mir also ebenso unproblematisch. Bleibt das Problem mit der Verwendung des generischen Maskulinums bei unbekanntem Geschlecht. Da scheint mir nun im Eigentlichen der Hase im Pfeffer zu liegen. Denn wenn ich „der Bürgermeister“ oder „der Lehrer“ höre, gehe ich davon aus, dass es sich um einem Mann handelt. In diesem Punkt bin ich voreingenommen. An dieser Stelle erscheint mir eine Differenzierung ála „Bürgermeister/in“ oder „Lehrer/in“ angemessen, da dadurch deutlich wird, dass das Geschlecht unbekannt ist.
        Liebe Grüße, Alex

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s