#CharactersofSeptember (Tag 8) – Serainas Ängste

Characters of September ist eine Challenge, bei der es darum geht, einen fiktiven Charakter eingehender vorzustellen oder, genauer gesagt, ihm die Möglichkeit zu geben, sich mit eigenen Worten vorzustellen. Ich habe hierfür Seraina ausgewählt, eine der Spielfrauen aus „Der Tod des Spielmanns“. Ihr Tod war nicht nur Anlass der Geschichte (ihre Knochen kamen vor ein paar Jahren zufällig bei Bauarbeiten ans Tageslicht), sie spielt auch eine wesentliche Rolle innerhalb der Handlung.
Da es im folgenden Abschnitt auch um Tod und Sterben geht, sollten empfindliche Menschen vielleicht nicht weiterlesen.

Nike: „Hallo Seraina. Schön, dich zu sehen. Beim heutigen Gespräch soll es um deine Ängste gehen.“

Seraina: „Sei gegrüßt, Nike. Das wird ein kurzes Gespräch. Ich bin tot und das seit über tausend Jahren. Was sollte mich da noch ängstigen?“

Nike: „Und als du noch gelebt hast?“

Seraina: „Als ich noch gelebt habe – natürlich gab es da Dinge, vor denen ich Angst hatte.“

Nike: „Dinge, sagst du. Also war es mehr als eine Sache, vor der du dich gefürchtet hast. Magst du uns sagen wovor?“

Seraina: „Wo soll ich anfangen? Natürlich gab es mehr als nur einen Grund, Angst zu haben! Unser ganzes Leben war unsicher. Selbst, wenn wir Essen hatten, wussten wir nie, für wie lange. Natürlich hatte ich Angst, krank zu werden und hinfällig. Ich hatte Angst, dass Corvin mich eines Tages verlässt. Wenn wir ein Dorf verließen, hatte ich Angst, dass man uns nachher des Diebstahls bezichtigen würde. So, wie wir uns am Tag vor Räubern hüten mussten,  fürchteten wir in der Nacht die wilden Tiere, die Wölfe und Bären. Und natürlich auch die Truden, die Alben und andere böse Geister. Es wäre vermutlich einfacher, die Dinge aufzuzählen, die keinen Anlass für Angst und Sorge boten.
Aber weißt du, es geht im Leben nicht darum, wovor man Angst hat. Es geht darum, mit seiner Angst zu leben. Sich nicht verrückt zu machen. Nur, weil man krank werden kann, ist man noch nicht siech. Nur weil man umgebracht werden kann, ist man noch längst nicht tot. So lange man noch atmet, besteht Hoffnung! Die muss man packen, wie man das Leben packen muss und sich hineinkrallen und es festhalten, mit Zähnen und Klauen, wenn nötig. Dann kann einem die Angst auch nichts anhaben.“

Nike: „Das würde ich gerne glauben. Aber eine letzte Frage noch: Am Ende, also, bevor du gestorben bist, hattest du da keine Angst?“

Seraina: „Du darfst mir glauben. Die Angst hatte ich vorher. Am Ende … Es war so viel, so laut. Dieses ganze Geschrei … Ja, da war ein Moment der Angst, ganz kurz und klar, als ich wusste, dass ich sterben werde und die anderen auch, bis auf Corvin natürlich. Das war mein letzter Gedanke, wie gut, dass wenigstens er nicht … Dann kam der Schmerz und dann war es auch schon vorbei.“


entwurf2

 

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