#CharactersofSeptember (Tag 5) – Wie Seraina von anderen gesehen wird

Seraina ist einer der drei Geister, die in „Der Fluch des Spielmanns“ dem Erzähler, Corvin, nachstellen. Sie ist natürlich ein fiktiver Charakter. Aber gleichzeitig auch sehr real, denn ihre Gebeine wurden vor einigen Jahren zufällig an einer einsam gelegenen Stelle in den Schweizer Alpen entdeckt. Ihr Fund hat mich zu der Geschichte inspiriert.
Daher ist es nur gerechtfertigt, Seraina im Rahmen der Challenge #CharactersOfSeptember selbst zu Wort kommen zu lassen.

Nike: „Hallo Seraina, gestern haben wir über dein Selbstbild gesprochen. Du siehst dich als nüchternen und pragmatischen Menschen.“

Seraina: „Ja. Ist irgendetwas daran auszusetzen?“

Nike: „Nein, überhaupt nicht. Ich fand es sehr bemerkenswert, wie schnell und überlegt du gehandelt hast, um deinen Freunden zu helfen. Aber heute soll es um das Fremdbild gehen, also darum, wie andere dich sehen.“

Seraina (zuckt mit den Schultern): „Was sollen sie schon sehen? Eine eine joculatrix ohne familia. Ein altes Weib, noch dazu, hager, ausgezehrt …“

Nike: „Du bist wie alt? Vierzig?“

Seraina: „Achtundreißig. Schwer zu glauben, für eine, wie dich, was? Aber ich will dir was sagen: Das Leben auf der Straße ist hart. Da setzt man kein Fett an. Man behält es auch nicht. Früher haben die Leute durchaus nicht nur auf die Bälle gestarrt, die ich in die Luft werfe, glaub mir! Aber heute … wenn ich nicht jongliere, dann bin ich den meisten keinen zweiten Blick wert. Ach, was sag ich: Nicht mal den ersten. Erst recht nicht, wenn eine, wie Hulda zu haben ist, womit ich nichts gegen Hulda sagen will! Sie hat nur getan, was jede von uns tut. Versucht, zu überleben. Und wir hatten ja alle Nutzen davon.“

Nike: „Hulda ist ein gutes Stichwort. Du hast angesprochen, wie die Leute in den Dörfern und Städten dich sehen – aber Freunde, wie Hulda hatten doch vermutlich ein anderes Bild, oder? Nicht so oberflächlich.“

Seraina: „Sie haben mich gebraucht. Und ich habe sie gebraucht. Wir waren aufeinander angewiesen, denn wir hatten ja sonst niemanden als einander. Als Gruppe waren wir brauchbar. Alleine wäre jeder von uns vor die Hunde gegangen. Auch Hulda, trotz ihrer Schönheit. Nicht einmal Pirmin mit seiner wunderbaren Stimme.“

Nike: „Das ist alles, was sie in dir gesehen haben – und du in ihnen? Schicksalsgefährten?Eine Krücke, um nicht zu straucheln?“

Seraina: „Das ist so wenig nicht, wenn man sonst nichts hat. Aber du hast recht. Da war mehr. Zwischen mir und Corvin auf jeden Fall, auch wenn ich zuletzt nicht mehr daran geglaubt habe. Aber als ich seien Blick sah, als ich mir die Haare abschnitt … Da wusste ich, dass wir trotz allem noch zusammengehören. Und ich habe recht behalten, oder? Ich hätte ihm dafür so gerne verziehen!
Aber wir kommen ganz von deiner Frage ab. Du wolltest ja wissen, wie die anderen mich gesehen haben. Für Hulda war ich so etwas wie eine ältere Schwester. Sie ist oft zu mir gekommen, wenn es Zores gab. Hat mich um Rat gefragt – auch als sie dann schwanger wurde und es weghaben wollte. Es hat nicht ganz geklappt, aber sie war mir deshalb nicht böse, sondern weiter so freundlich, wie immer.
Nur Pirmin … Für ihn war ich genau das, was alle die satten Bauern und Städter auch in mir gesehen haben: eine hässliche alte Vettel. Noch dazu eine, die knappst und knaust und jeden Brotkanten aufhebt. Er hat sich so oft beschwert, dass ich keinen Spaß verstehe und anderen auch keinen gönne.“


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