[Selfpublishing] Welche Software wird gebraucht? – Teil 2: E-Books veröffentlichen

Nachdem es im letzten Beitrag dieser Serie um Software ging, die beim Schreibprozess hilft, will ich diesen und den nächsten Artikel dem Veröffentlichen widmen. Ich behandle das in getrennten Artikeln, weil eBooks und Print sehr unterschiedliche Anforderungen an die Software stellen. Das liegt daran, dass eBooks – anders als gedruckte Bücher – kein festes Layout benötigen.

Der einfache Weg

Im Grunde braucht man für eBooks nur eine Datei. Das Format hängt auch davon ab, wo man veröffentlichen und wie viel Einfluss man auf das Aussehen des eBooks nehmen will.

Ok, ich sehe ein, der letzte Halbsatz ist ein bisschen verwirrend, nachdem ich oben noch schrieb, eBooks hätten kein festes Layout. Um es kurz zu machen: E-Books sind idealerweise dynamisch „gesetzt“, d. h. Schriftart und -größe können beim Lesen individuell angepasst werden. Aber das Aussehen eines Textes wird auch durch andere Faktoren mitbestimmt, z. B. den Zeilenabstand, den Einzug, ob Kapitälchen oder Initialen verwendet werden … Du siehst, es gibt selbst bei eBooks einiges an Gestaltungsmöglichkeiten.

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Wer es sich einfach machen will, kann darauf aber verzichten. Den meisten Anbietern reicht ein Word-Dokument in den Formaten .doc oder .docx. Bevorzugt wird .doc, das ist offensichtlich leichter konvertierbar und weniger fehleranfällig.*
Das klingt nach einem Argument, sich die Office Suite von Microsoft zu kaufen. Kann man machen, muss man aber nicht, weil Libre Office diese Formate genauso zuverlässig produziert, wie Microsoft selber. (Ist getestet, ich tausche mich öfter mit Menschen aus, die nur Word haben. So lange ich die Konvertierung nicht vergesse, gibt es nie Probleme).

ePubs erzeugen

Wenn man mehr Einfluss auf die Gestaltung nehmen will, reicht ein Word Dokument nicht. Dann braucht man ein ePub.
ePub ist im Prinzip HTML, nur mit anderer Endung. Und hier gibt es eine schlechte Nachricht für Word-Nutzer: Word kann das nicht. Hier punktet mal wieder das kostenlose Libre Office. Zwar kann die Standartversion ebenfalls keine ePubs erzeugen, aber es gibt mit Writer2ePub ein Plugin (Ad-On? Erweiterung? Über die Begrifflichkeiten bin ich mir nie klar geworden), das sich kostenlos herunterladen und problemlos installieren lässt. Danach ist die Konvertierung nur noch ein Klick.
Auch die Scrivener und Papyrus Author, die ich schon im letzten Artikel vorgestellt habe, können ePubs erzeugen.
Nur, wer mit Word arbeitet, braucht ein zweites Programm.

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Die allgemeine Empfehlung lautet in diesem Fall Calibre oder Jutoh.
Calibre ist ein Open Source Programm, das eigentlich zur Verwaltung von eBooks entworfen wurde, und das kostenlos aus dem Netz heruntergeladen werden kann.
Jutoh dagegen kostet Geld. Nicht viel, nur 30 Euro. Dafür kann man eBooks damit auch gleich bearbeiten.
Da ich selber mit Open Office bzw. Papyrus Author arbeite, brauche ich beides nicht. Daher kann ich auch nichts darüber sagen, wie gut oder schlecht sich diese Programme bedienen lassen. Matthias Mattig hat darüber aber einiges geschrieben und wirbt sehr für Jutoh, eben weil sich das ePub damit auch gleich bearbeiten lässt.

ePubs bearbeiten

Das ist in der Tat ein Vorteil, denn dazu sind die bisher aufgeführten Programme nicht in der Lage. Papyrus Autor bietet zwar einige Formatvorlagen, aber auch damit lassen sich ePubs lediglich erzeugen, aber nicht verändern. Das spricht erst mal für Jutoh.

Es gibt aber auch dazu eine kostenlose Alternative, nämlich Sigil.
Den Hinweis darauf bekam ich von Textflash, einer ehemaligen Verlegerin, die heute ausschließlich als Schriftstellerin tätig ist. Sie hat mir Sigil empfohlen, weil sie ihre eBooks mit Sigil formatiert hat, als sie noch verlegerisch tätig war. Tatsächlich ist es so einfach zu bedienen, wie eine normale Textverarbeitung. Daher ist es vor allem Bequemlichkeit, wenn ich mich bei meinen Büchern weitgehend auf die Vorlagen von Papyrus verlasse.

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Validieren

Es gibt einen Nachteil, den ePubs gegenüber Word-Dateien haben: Da die Konvertierung nicht beim Distributor erfolgt, muss man sie validieren, also überprüfen, ob sie auch lesbar sind. Auch dafür braucht man wieder ein Programm, das aber weder gekauft noch heruntergeladen werden muss. Es steht nämlich frei verfügbar im Internet. Aus diesem Grund habe ich es auch verlinkt:
http://validator.idpf.org

Die Bedienung ist denkbar simpel: Datei hochladen, auf „validieren“ klicken und abwarten. Wenn das ok kommt, ist alles gut. Andernfalls muss man mit Sigil oder Jutoh noch mal ran. In einigen Fällen reicht es aber schon, die Konvertierung zu wiederholen. Warum? Das wissen die Götter.

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Und was ist mit Mobi?

Wenn du ausschließlich über Amazon veröffentlichen willst, fragst du dich vielleicht, wieso ich das amazon-eigene Format Mobi gar nicht erwähne.
Nun, es ist nicht notwendig, obwohl sich Mobi mit Papyrus Autor, Scrivener und wohl auch mit Calibre erzeugen lässt. Es gibt aber keine Möglichkeit, Mobi-Dateien später zu bearbeiten. Außerdem nimmt Amazon ePub-Dateien sehr dankbar an.
Daher ist das Erzeugen von Mobi-Dateien eigentlich überflüssig (es sei denn, man selber möchte welche verschicken).


* Man kann natürlich auch PDFs als eBook hochladen. Allerdings sind die meisten PDFs auf eBook-Readern wegen der festen Formatierung miserabel zu lesen. Entweder ist die Schrift Augenpulver oder man ist ständig dabei, den Text hin und herzuschieben.
PDFs sind daher nur empfehlenswert, wenn man seine Leser*innen gründlich frustrieren will.

6 Kommentare zu „[Selfpublishing] Welche Software wird gebraucht? – Teil 2: E-Books veröffentlichen

  1. Prima Zusammenfassung!

    Eine Anmerkung: PDF wird zwar nicht für Leser benötigt, aber häufig als Input für Druckereien. Je nach Dienstleister sind verschiedene PDF-Formate erwünscht. Das schafft zum Beispiel das kostenlose Satz-Programm Scribus. Damit hat man dann die komplette Wertschöpfungskette von der Buchidee bis zur Abgabe bei der Druckerei in seiner Hand. 😉

    (… und kann sich von WINDOWS verabschieden. Fiat L(in)ux!)

    Gefällt 1 Person

  2. Irgendwie vermisse ich in den ganzen Ausführungen ein wenig Patchwork 🙂
    Damit brauchst du nämlich wirklich nichts anderes mehr (auch kein OO/LibO) und das eBook gibts mit genau zwei Mausklicks. Wäre auch für deine kommende Printgeschichte vielleicht ganz praktisch.

    Viele Grüße
    Martin

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    1. Patchwork … Irgendwo läutet da was. Gehört habe ich es wohl schon mal. Aber da ich ich selber keine Erfahrungen mit diesem Programm habe und auch niemanden kenne, der es benutzt, kann ich schlecht darüber schreiben.

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