[Selfpublishing] Marketing wie auf dem Fischmarkt

War jemand schon mal auf dem Hamburger Fischmarkt? Oder einem seiner „Ableger“, die seit einigen Jahren durch die Republik tingeln? Wenn ja, dann kennt ihr vermutlich diese Stände, an denen Marktschreier ihre Ware anpreisen. „Aaaale! Wunderbare Aaaaale! Und nicht nur ein‘, sonnern gleich drei für eins, ist das nicht ’n Angebot? Aber weist du was, ich pack dir noch ’ne Makrele drauf. Und ’ne Forelle. Und weil du’s bist, auch noch ’n Stück Heilbutt! Und das Ganze nur dreizehn Euro! Dreizehn Euro Herrschaften, dafür bekommt ihr da drüben nicht mal ’ne Forelle!“
Kennst du? Für alle, die es nicht kennen, habe ich hier ein Video:

Das ist schon Overkill.

Was das mit Selfpublishing zu tun hat? Da beobachte ich etwas ganz ähnliches. Das fängt schon bei den Newslettern an. „Trag dich ein und du bekommst eine Kurzgeschichte gratis!“ Richtig in die Vollen geht es aber, wenn man ein Buch direkt bestellt. Da ist oft schon die Verpackung der Knüller! Extravagante Kartons, mit Stempeln oder kleinen Zeichnungen verziert, lassen schon beim Empfang die Vorfreude steigen. Und dann der Inhalt erst: das Buch selbst oft noch einmal extra verpackt. Vielfach außerdem mit Widmung, aber jedenfalls signiert. Dazu gibt es ein Lesezeichen gratis. Und einen Sticker. Und Tee. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ein Gefühl, wie Weihnachten. Soooo viele Geschenke! Das ist toll.

Auf der anderen Seite habe ich aber auch ein bisschen das Gefühl, dass mich jemand mit der schieren Masse bestechen will. Das finde ich schade, denn das hieße auf der Kehrseite, dass da jemand seinem eigenen Produkt nicht traut. Dabei möchte ich als Leserin doch gerade durch die Inhalte gefesselt werden. Sei es nun beim Buch oder beim Newsletter, möchte ich, dass der Mehrwert in der Sache selbst liegt.
Und so sehr ich es verstehe, dass man als Autor/Autorin sein Buch nicht einfach in irgendeinen Karton packen will – schon die tolle Verpackung und die Widmung machen das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Aber vielleicht bin ich auch mal wieder hyperkritisch. Deshalb die Frage: Sind Goodies bzw. Freebies ein Zeichen von Unsicherheit?

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14 Kommentare zu „[Selfpublishing] Marketing wie auf dem Fischmarkt

  1. Guten Tag Nike,

    vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel darüber gelesen, wie wichtig und nützlich Newsletter auch für Selfpublisher sind. Die Aussage, dass man Lesern den Beitritt zu einem Newsletter durch einen kleinen Bonus schmackhaft machen soll, hatte in mir die Frage ausgelöst, warum man immer einen Zusatz anbieten muss oder soll, wenn man ohnehin schon ein gutes Angebot macht. Leser sind Kunden und Kunden werden schon seit längerer Zeit daran gewöhnt, dass Produkte nicht allein für sich selbst stehen, so interessant, hochwertig, neu et c. sie auch sind. Wenn Käufer so „konditioniert“ sind, wie soll ich als Hersteller noch darauf vertrauen können, dass mein gutes Produkt ohne eine Beigabe Interesse findet und gekauft wird? Gibt es nicht schon zu viele Verstrickungen mit Profiverkäufern, z. B. die Onlinehändler, die eben die Beigaben produzieren, und deren Geltungsbewusstsein durch die Präsente dargestellt wird?

    Lieben Gruß

    Christiane

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  2. Kein Zeichen von Unsicherheit, sondern ein Versuch, sich in Zeiten von Amazon und Co. zu behaupten.
    Der Drachenmond-Verlag hat mich auf diese Weise bekommen.
    Ich kann die Bücher auf Amazon bestellen, aber dann kriege ich sie halt unsigniert, in einem normalen Pappdingsda, das der Postbote im schlimmsten Fall so reinquetscht, dass das Buch kaputtgeht. Oder gleich dem Nachbarn gibt. Oder direkt zur Post bringt, obwohl ich den Tag über zu Hause war. Und drin ist dann das Buch und ein paar Werbeflyer für Amazon-Partner wie irgendeine Winzerei, was mich nicht tangiert, weil ich keinen Alkohol trinke, ergo den Gutschein nie einlösen werde. Wieder ein Baum umsonst gestorben.
    Wenn ich beim Drachenmond bestelle, dann weiß ich: Ich kriege ein signiertes Buch. Allein das ist schon toll, weil… hey, die Autor*innen, die ich gerne lese, das sind oft auch in gewissem Sinne meine Held*innen. Es ist für mich was Besonderes, dass diese Menschen das Buch in der Hand hatten, um ihren und meinen Namen reinzuschreiben. Wenn ich vorbestelle, ist es sogar persönlich signiert und dann gibt es Autor*innen, die sehen meinen Namen, wissen, wer ich bin und schreiben direkt was ganz Konkretes nur für mich rein. Hach.
    Und dann fliegt mir noch Konfetti entgegen und ich fühle mich wertgeschätzt und geliebt, statt von einem anonymen Konzern abgefertigt.

    Genau das ist es auch, was Goodies bei SP-Autor*innen auszeichnet. Ich fühle mich wertgeschätzt, da hat sich jemand die Mühe gemacht, das Ganze für MICH zu veranstalten. Klar, auch für andere. Aber trotzdem. Und das ist ein wunderschönes Gefühl.

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    1. Hallo Evanesca,
      danke für deinen Kommentar. Bei der Verpackung und der Widmung gehe ich mit dir konform. Das ist toll! Da fühle ich mich wertgeschätzt. Aber irgendwann schlägt es für mich um.
      Liebe Grüße
      Nike

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  3. Hallo Nike,
    Ja, wenn die Beilagen gefühlt so viel wert sind, wie noch ein zweites Buch und man sich anfängt zu fragen, wie das noch wirtschaftlich sein kann für Autor*in/Verlag. Vermutlich ist es wie in allen Dingen einfach eine Frage des Maßes.
    Ich kaufe gerne möglichst autor*innenfreundlich ein (heißt: Ich kaufe Bücher aus Kleinverlagen z.B. im großen Stil einmal im Jahr beim Buchmesseconvent in Dreieich, weil ich weiß, dass Autor*innen von diesen Verkäufen das meiste Geld haben oder kaufe eben nach Möglichkeit beim Verlag/bei Autor*innen, statt bei Amazon), aber nicht alle Käufer*innen wissen, wie man am autor*innenfreundlichsten einkauft. Vielleicht sind Goodies für die auch ein Anreiz und es rechnet sich hintenrum trotzdem, weil das Einkaufen der Goodies immer noch günstiger kommt als der Verdienstausfall über Amazon etc.?
    Wer weiß – für mich fange ich gerade erst an, mich damit auseinanderzusetzen und als ich zum ersten Mal Goodies per Post verschickt habe (nur Goodies, noch kein Buch dazu), war das sowas von aufregend…

    LG,
    Evanesca

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    1. Hallo Evanesca,

      die Frage, ob sich das wirtschaftlich rechnet, ist natürlich ein wichtiger Punkt. Und ich gebe dir vollkommen recht, dass der Kauf beim Verlag oder der Autor*in direkt, noch der beste Weg ist (auch wenn ich zugeben muss, noch immer viel zu oft bei Amazon zu kaufen).
      Aber auch ich fange gerade erst an, mich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und da gehe ich natürlich von meinen ganz subjektiven Eindrücken aus. Vielleicht liege ich damit völlig falsch. Aber meine Blogbeiträge dienen keinem missionarischem Eifer, sondern der Diskussion und wenn ich irgendwann (auch durch deine Kommentare und die der anderen Beteiligten) zu dem Ergebnis komme, falsch zu liegen, dann schreibe ich einen neuen Artikel mit dem Tenor „damals habe ich das so gesehen, aber heute …“

      Liebe Grüße
      Nike

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Nike,

        Den Austausch finde ich doch auch interessant ❤ und kann auch nur sagen, wie ich es empfinde. Aber deine Meinung hat auf alle Fälle mich zum Nachdenken angeregt, weil ich mich bisher immer unreflektiert über die Sachen gefreut habe. Erst durch den Blogpost fange ich an, beide Seiten zu betrachten. Und auf die Autor*innensicht zu schauen :).
        Die Diskussion ist auf alle Fälle bereichernd!

        LG,
        Evanesca

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  4. Ich seh das ähnlich die Katherina. Ich halte Goodies oder irgendeinen Bonus nicht für Unsicherheit, nicht mal für den Versuch, aus der Masse herauszustechen, sondern für eine nette Geste. Vielleicht bin ich zu naiv, um den Autoren knallhartes Marketing zu unterstellen 😉
    Wenn ich zur Bestellung noch was dazubekomme, dann fühle ich mich als Leser geschätzt und freue mich, dass jemand an mich gedacht hat.

    Aus Autorensicht: Ich verschenke Geschichten als Bonus, weil ich damit 1) den Lesern eine Freude machen will und 2) mich auf die Art für ihre Gegenleistung bedanke (in dem Fall für das Überlassen ihrer Email-Adresse).

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Jerry,
      ganz generell sehe ich in den Goodies auch in erster Linie eine freundliche Geste des Autors. Nur frage ich mich eben, ob sie nicht manchmal zu groß ist und so überfreundlich wirkt, dass sie ins Gegenteil umschlägt.

      Bei den Newslettern sehe ich das noch mal etwas anders. Ein Newsletter sollte aus meiner Sicht beiden Seiten Vorteile bringen. Das heißt dann aber auch, dass der Newsletter selbst die Gegenleistung für die Überlassung der Emailadresse ist. Erfüllt er diesen Anspruch nicht, bestelle ich (als Leserin) ihn wieder ab. Egal, ob ich dafür vorher ein Goodie bekommen habe oder nicht.

      Aber das sind nur meine Gedanken. Niemand behauptet, dass ich immer Recht hätte. Nicht mal ich selber. 😉

      Liebe Grüße
      Nike

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  5. Ich schließe mich da der jetzigen Mehrheit an: Ich finde Goodies auch eine nette Geste, kein Bestechungsversuch. Wenn es eben Goodies sind, also Lesezeichen, Tee etc. Wenn mir der Mercedesschlüssel aus der Verpackung entgegenfällt, dann frage ich mich natürlich schon… 😉

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    1. Hallo Katrin,
      bei einem Mercedesschlüssel würde ich eher an ein Versehen denken und ihn zurückschicken. Und mich wahrscheinlich die nächste Zeit fragen, wie der/die sich so eine Karre leisten kann. ^^
      Liebe Grüße
      Nike

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  6. Ich sehe das ähnlich wie du, Nike. Ganz im Ernst: was hat der netteste aller Yogi Tees mit dem Buch zu tun? Und er kostet Geld, was ich erst mal verdienen muss…
    Ich freue mich über eine coole Verpackung und ich selbst würde, neben dem Signieren natürlich, ein Lesezeichen, das zum Buch passt, dazu entwerfen (lassen, weil selber unfähig). Davon eine Auflage von 100 Stck drucken und den Büchern beilegen. Fertig.
    Das ist eine hübsche Geste, weil ich mich freue dass jemand mein Buch kauft. Und den Rest muss das Buch selbst schaffen.
    Hoffentlich.
    😉

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