Von den Früchten der Erkenntnis und unverblümtem Lesegenuss

Als jemand, die vor allem auf Twitter unterwegs ist, kann ich diesen Rückblick um einen Punkt ergänzen: Obwohl die Mehrheit der Beiträge auch dort von Frauen stammen, haben immerhin einige Männer die Aktion aktiv unterstützt.
Natürlich gab es auch wieder die üblichen Erklärer, warum das nicht gebraucht wird oder sogar völlig daneben, weil es die Männer diskriminiert. Schließlich kann man, wenn man das Buch einer Frau liest, nicht das eines Mannes lesen, d.h. die Autoren verlieren Leser*Innen. Dass Autorinnen per se weniger haben, ist offenbar zu verschmerzen oder Natur der Dinge, jedenfalls unwichtig. Wir kennen das.
Für mich war die Autorinnenzeit jedenfalls Grund, mich aktiv mit meinem Leseverhalten auseinander zu setzen und gezielt Bücher von Autorinnen in der Bibliothek zu suchen. Darüber, warum in den Regalen wenig zu finden ist, hatte ich ja schon andernorts geschrieben.
Auch habe ich mir die Freiheit genommen, mich nicht an Stefans Bingo abzuarbeiten, sondern eigene Interessen und Aspekte meiner Tweets und Blogposts in den Vordergrund zu stellen. Auf das leidige Coverthema bin ich leider nicht gekommen. Dabei bin ich eine der Frauen, die bei allem rosa-pastellig-verspielt-verschnörkelten sofort zurückzuckt. Aber das Thema lässt sich bestimmt zu einem anderen Zeitpunkt und in anderer Form noch einmal aufgreifen. Genau genommen, ist die Autorinnenzeit ja nicht vorbei, sondern immer dann, wenn wir sie uns nehmen.

Herland

Ein Résumé zur Aktion Autorinnenzeit

Von Gudrun Lerchbaum

05_16_GL2s_sw1Es begann mit einer Irritation. Der Autor Sven Hensel hatte in seinem Blog dazu aufgerufen, im Mai der Literatur von Frauen besondere Aufmerksamkeit in sozialen Medien zu widmen. Hashtag Autorinnenzeit. Männer bekommen deutlich häufiger Literaturpreise, dominieren Empfehlungslisten von Influencern ebenso wie Schullektüren und werden auch in dieser Branche besser bezahlt. Das muss sich ändern, darin stimme ich mit Sven Hensel überein. Dass dem Aufruf eines Mannes, Frauen mehr zu würdigen, in meinen Ohren zunächst ein caritativer Touch anhaftete, schrieb ich einem Rest unangebrachter Opferhaltung zu. Einmal tief Luft holen, sich strecken und schon sieht man Solidarität, wo vorher Herablassung dräute.

Das Projekt

Ich beschloss, das Thema verbesserter Präsenz von Autorinnen mit einer Bestandsaufnahme zu verbinden und meine Regale dem Alphabet folgend nach von Frauen geschriebenen Büchern zu durchforsten. Bilder dieser Bücher postete ich auf Facebook und bat die Leser.inn.en, nach dem…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.102 weitere Wörter

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4 Kommentare zu „Von den Früchten der Erkenntnis und unverblümtem Lesegenuss

  1. Wie ein Autor auf Twitter sagte: Das Ziel vom Erschaffer dieser Aktion war es nicht, das man sagt „Lest keine Bücher von Männern, sondern von Frauen“ aber so kam es bei mir an. Das „Witzige“ daran ist, dass es nicht durch den Erschafffer der Aktion so rüber kam, da ich ihm nicht folge und 0 Kontakt zu ihm habe, sondern weil es so durch die Teilnehmer vermittelt wurde. Es kam auch nicht nur bei mir so an. Ich denke, eine höhere Strukturierung dieser Aktion im Nächsten Jahr, falls es sowas gibt, wäre da eine deutliche Hilfe. Wenn ich Tweets lese, wie „Heute extra ein Buch vom Autor [MÄNNLICHER AUTOR] weg gelegt für das Buch von [WEIBLICHER AUTOR]“ dann ist das sicher nicht der zweck. Aber das kam vor und das ist furchtbar schade. Die Aktion war in ihrer Prämisse HERVORRAGEND, aber nicht in der Umsetzung. Mir hat es aber als aussenstehender Spaß gemacht, die guten Beiträge dabei zu lesen. Aber wie ich mal schrieb:

    „Frauen werden so gut wie immer bei Romantik und Erotik bevorzugt, was dadurch verstärkt wird, dass viele Autoren ein weibliches Pseudonym annehmen, wenn sie in diesen Genres schreiben. Genau wie Männer in Thriller und Krimis. Es gibt die Ausnahmen der jeweiligen Genres (Jay Asher bei Romantik und Agatha Christie bei Krimi als Beispiel) aber eine wirkliche Gleichberechtigung sieht anders aus. Dann dazu aufzurufen generell Bücher von Frauen den Vorzug zugeben, ist die falsche Botschaft. Das hebelt die weiblichen Autoren dann auf eine höhere Position als die Männer und das sollte nicht der Sinn der Sache sein. Emanzipation ist nicht, dass die Rollen getauscht werden, sondern dass alle auf einer Ebene sind.

    Eine viel bessere Aktion wäre daher ein vertauschen von Genres. Kauft Thriller von Frauen und Romanzen von Männern. Ignoriert die Vorurteile und erweitert euren Horizont.“

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    1. So, weil Männer bei der Romantik unterrepräsentiert sind, ist es ok, dazu aufzurufen, mehr Romantik von Männern zu lesen.
      Aber generell dazu aufzurufen, mehr Bücher von Autorinnen zu lesen, weil Autorinnen generell unterrepräsentiert sind, das ist nicht ok. Gleichberechtigung wird nur erreicht, wenn Männer gefördert werden. Selbst, wenn es ihnen besser geht.
      Merkst du selber, wie albern das ist, oder? Wenn nicht, denk noch mal darüber nach.

      Ganz unabhängig davon steht es dir aber natürlich frei, einen Monat der männlichen Romanceautoren auszurufen und in dem Rahmen dazu aufzufordern, z. B. mehr SciFi von Frauen zu lesen.

      Gefällt 1 Person

      1. Ich zitiere mich mal:

        „Kauft Thriller von Frauen und Romanzen von Männern. Ignoriert die Vorurteile und erweitert euren Horizont“

        Das steht im KRASSEN Kontrast zu dem, was du mir hier vorzuwerfen versuchst. ich schrieb ja auch, das man auch Thriller von Frauen lesen sollte. Lest die Genre die ihr bevorzugt, aber einfach mal im völligen Kontrast zum Genre-Trend in diesem Genre. Ich lese Romane von Gears of war. Kriegsbücher von einer Frau und Romanzen von einem Mann. So mach ich das schon immer so 😀

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      2. Wie gesagt: Es steht dir frei eine MensRomanceTime auszurufen und in dem Rahmen dazu aufzurufen, mehr von SciFi-Autorinnen zu lesen.
        Die Autorinnenzeit hat eine andere Ausrichtung und du wirst ertragen müssen, dass es auch mal einen Monat von zwölfen nicht um Männer geht.

        Gefällt 2 Personen

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